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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [RPG] Die Tore von Udur - Entkommen



coel
16.06.2016, 14:30
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„Haltet die Linie!“
Gerade wollte sich Aine zu dem Ritter auf dem Pferd umdrehen, da konnte sie bereits im Augenwinkel erkennen, wie ein orkischer Pfeil durch sein rechtes Auge drang und ihn wie einen nassen Sack vom aufbäumenden Pferd fallen ließ. Sie stand inmitten eines Chaos aus Schweiß, Blut, Angst und Zorn. Überall wurde gekämpft und es schien kein Ende zu nehmen. Die strukturierten Aufstellungen der Fürsten zu Beginn der Schlacht waren zu einem wilden Massaker zerfallen, wo jeder Soldat ums Überleben kämpfte. Die grobschlächtigen Orks mochten keinen Sinn für Ordnung haben, doch nun, wo die Linien zusammengebrochen waren, zeigten sie ihre wahre Stärke.
Sie sah fassungslos mit an, wie Ceridwen, eine ihrer besten Soldaten, vor Schmerzen, Verzweiflung und Wut kreischte, als ein Troll ihr ohne große Anstrengung einen Arm abriss und diesen in sein hungriges Maul stopfte. Neben ihr wurde einem Mann das Schild aus der Hand geschlagen, nur um daraufhin durch die herabfallende Axt, die seinen Kopf beinahe vom Körper trennte, zu sterben. Eine Ritterin schrie markerschütternd auf, als eine Grünhaut seine Hauer in ihr Gesicht grub und Fleischfetzen brutal herausriss. Ein rasender Berserker der Orks, der eine furchterregende Masse aus Muskeln und Narben war, mähte sich mit gewaltigen Hieben durch Freund wie Feind. Für ihn gab es nur das Blutvergießen und er brüllte seine Freude am Wahnsinn um ihn herum in den grauen, wolkenverhangenen Himmel.
In dem Moment, wo ein weiterer Unglücklicher unter seinem groben, schartigen Zweihänder zerteilt wurde, bemerkte er Aine, die ihn mit ihren azurblauen, vor Furcht geweiteten Augen anstarrte. Sie wusste nicht, ob er das an einer Kette befestigte, goldbeschlagenen Buch an ihrer Hüfte bemerkt hatte, denn dieses zeichnete sie als Magierin aus, was sie sozusagen als eine Gefahr darstellte, die man so schnell wie möglich vernichten sollte oder aber für eine Herausforderung, der man sich stellen wollte.
Der Ork schien ihr mit seinem Blick jedoch nur eines zu sagen.
Sie abschlachten und das so grausam wie nur möglich.
Er beschleunigte seinen Schritt und wuchtete auf seinem Weg zu ihr jeglichen Angreifer beiseite, ohne dabei auf die Verletzungen zu achten, die er dabei einstecken musste. Sein Ziel war eindeutig Aine und niemand würde ihn daran hindern. Endlich konnte sich Aine aus der Schockstarre befreien. Hastig formte sie mit ihren Händen eine Kugel, während sie sich konzentrierte und ihre ganze Energie auf das Innere der Kugel fokussierte. Ein immer größer werdender Feuerball loderte in ihren Händen und nach kurzer Zeit konnte sie diesen gegen den anstürmenden Ork werfen. Doch wie es die Götter wollten, trat der falsche Ork in den lodernden Ball und wurde von diesem komplett eingehüllt. Man behauptet, dass Orks keinen Schmerz empfinden können, doch dieser schrie qualvoll, als sein Fleisch verbrannte und seine Augäpfel aufgrund der sengenden Hitze wie faule Eier platzten. Mit einem Fluch auf den Lippen warf Aine einen weiteren Feuerball, aber auch dieser sollte sein Ziel verfehlen. Zu Aines Verwunderung hatte sich der Ork eines Schutzschildes bedient. Den kreischenden Menschen, der nun lichterloh in Flammen stand, warf er zufrieden grunzend beiseite, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Ein Donnern durchdrang das Schlachtfeld und deutete auf einen kommenden Sturm.
Aine fühlte, als würde es ihr Ende ankündigen.
In den wenigen Augenschlägen, die vergangen waren, stand der Ork nun bedrohlich vor ihr. Mit einem kraftvollen Sprung stürzte er sich auf Aine, die gerade noch dem tödlichen Hieb ausweichen konnte. Blutdurchtränkter Schlamm spritzte in alle Richtungen, wo die schwere Klinge tief in den Boden gewuchtet worden war. Wütend über den verfehlten Schlag grölte der Ork auf und spannte seine Muskeln kurz an, um sein Schwert aus dem Morast zu reißen. Aine lag zwischen zwei menschlichen Leichen, unfähig sich aufzurichten. Ihre Augen wollten sich nicht von dem von Blut und Schweiß glänzenden Ork abwenden, der seinen Zweihänder zum endgültigen Schlag anhob. Ihre Hände tasteten vergeblich den Boden ab, um etwas zu finden, dass ihr Schicksal womöglich noch abwenden könnte. Das grimmige mit groben Tätowierungen verunstalte Gesicht verzog sich zu einer hämischen Grimasse, die an allem Gefallen fand, was Mord und Totschlag bedeutete. Doch diese Zeit wurde beendet, als Aine einen Speer so tief in seinen Hals rammte, dass er durch die Wirbelsäule drang. In seiner Verwunderung spuckte der Ork mit einem gurgelnden Geräusch dunkelrotes Blut, aber er konnte noch genug Lebenswillen aufbringen, um mit seinem Schwert nach Aine zu schlagen. Er verfehlte sie knapp und mit einem letzten enttäuschten Grunzer brach er in sich zusammen, um reglos bei den anderen Leichen am Boden liegen zu bleiben.
Erst jetzt bemerkte Aine, dass ihr die Tränen über das Gesicht gelaufen waren. Panische Angst breitete sich in ihr aus und ließen Pflicht, Tapferkeit wie auch Würde wie ein Kerzenlicht im Wind verschwinden. Nur noch ein Gefühl blieb in ihr übrig. Ein Drang, der ihr sagte, dass sie rennen musste. So schnell und so weit wie möglich. Fern von Blut, Tod und Schreien.
Sondern zu dem Einen, dem sie all das zu verdanken hatte.
Ihrem Vater Cairr.

Der Spaß beginnt oder besser gesagt die Flucht.
Ironhide, du befindest dich im Schlachtgetümmel und bist gerade dabei abzuhauen. Ob wir uns begegnen, steht dir frei.
Rosered, du bist frei, wie und wo du startest. Inmitten des Gemetzels oder außerhalb in dem Wald, in welchen viele Verzweifelte verfolgt von mordlustigen Grünhäuten flüchten.

Eure Avatare sind bereits fertig im Diskussionsthread.

Vergesst nicht, dass die Armee der Grünhäute aus Trollen, Goblins und Orks besteht. Jeder eine andere Herausforderung. Wichtig ist, dass ihr so gut es geht überlebt. Rechnet aber damit, dass ihr Wunden einsteckt. Der Feind ist im Vorteil und das spürt ihr auch.

Auf dann, viel Vergnügen beim Schreiben und danke für's Mitspielen :D

Bei Fragen zu den Rassen (Orks, Goblins, Orks), nicht scheu sein.

Rosered_Strauss
17.06.2016, 02:06
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari stöhnte schmerzerfüllt auf. Ihr Schädel dröhnte, als ob Ihr ein Pferd über den Kopf getrampelt wäre. Just in diesem Moment schoss ein scharfer Schmerz durch Ihr Bewusstsein, der Ihr einen neuerlichen Schmerzenslaut entlockte und Ihre vorherige Einschätzung relativierte. Das Pferd hätte Hufen mit Nieten tragen müssen, damit der Vergleich akkurat gewesen wäre. Ihre Hände gruben sich in weiches Gras und umschlossen es fest. Zu den bestialischen Kopfschmerzen gesellten sich nun weitere Facetten, die von anderen Körperteilen ausgingen; vor Allem Ihre Extremitäten machten sich solcherart bemerkbar. Schliesslich blinzelte Sie, was nicht die beste Idee war, wenn man mit dem Gesicht voran auf dem Boden lag. Doch ein weiteres Gefühl gesellte sich nun zum Schmerz - ein Gefühl der Dringlichkeit. Sie biss die Zähne zusammen, stemmte sich auf und kam etwas schwankend zum Stehen. Ein erster Rundumblick verriet Ihr, dass Sie sich in einem Wald befinden musste. Sie griff sich unwillkürlich an die Stirn, hinter der es immer noch abwechselnd stach und pochte. Ein bitterer, widerwärtiger Geschmack lag auf Ihrer Zunge, und es schien, als würde sich Ruß oder dergleichen auf Ihrer Kleidung befinden. Es war jedoch nichts so profanes - denn vor Ihren Augen zerfaserte es immer weiter, ehe es mit bloßem Auge nicht mehr wahrgenommen werden konnte.

Sie drehte sich um, um erste Anhaltspunkte zu finden, wo Sie war, in welcher Situation Sie sich befand und wie zum Orken Sie hierher gekommen war! Sie erstarrte jedoch wie versteinert, als Ihr unstet umher huschender Blick an etwas hängen blieb, dass sich über Ihr befand. Es war eine magische, sich bereits am Auflösen befindende Krümmung des Raumes. Undeutlich konnte Sie eine verzerrte Landschaft erkennen, während die Ränder des 'Bildes' sich durch klare Risse wie gesplittertes Glas von der 'Realität' abgrenzten. Doch es war nicht das stetig kleiner werdende magische Gebilde, es waren die Erinnerungen, die sie mit der Kälte und Intensität eines reissenden Flusses zu übermannen drohten. Vage erinnerte Sie sich daran, ebenso wie jetzt dort aufgeschlagen zu sein. Daran, wie sich schnell unfassbares und kaum greifbares Grauen in Ihr aufbaute, als Sie erkannte, dass die Landschaft, in der Sie sich befunden hatte, schlicht nicht real sein konnte - nicht real sein durfte. Sie erinnerte sich daran, vor etwas - oder vor jemandem? - geflohen zu sein; an panisches Zusammenkauern zwischen felsähnlichen Strukturen; an das Entsetzen, das sie bei jedem über sie fallenden Schattens überfiel.

Alari hätte wohl noch Stunden dastehen und über den Erinnerungen brüten können, derart einprägsam war die Intensität der Gefühle gewesen, die Sie dort durchlitten hatte. Doch als Ihr Körper den Transport überwandt, kehrten auch Ihre Sinne wieder, und diese griffen etwas aus der Luft, das einen Strom anderer Erinnerungen auslöste. Es lag der schwere, metallene Gestank von Blut in der Luft. Von vergossenem Blut in großer Menge. Rauch und der Gestank von verbranntem, kauterisiertem Fleisch traten in Ihre Nase, während Sie nun ferne Schreie und stählernes Klirren hören konnte - wobei 'fern' nur bedeutete, dass es nicht in Ihrer unmittelbaren Umgebung stattfand. Alles, was Sie wahrnahm, zeigte überdeutlich, das Sie in einem Kriegsgebiet angekommen war. Sie griff sich erneut an den Schädel, als der Gestank der Schlacht Sie daran erinnerte, woher Sie genau gekommen war.

Aus genau jener Schlacht, der Sie zu entfliehen versucht hatte. Gestochen scharf kamen die Eindrücke der Schlacht wie Nägel zurück, die in Ihren Kopf getrieben wurden. Die Schreie Ihrer Kameraden und Behüteten, Brüdern und Schwestern, die von den anstürmenden Orks einfach beiseite gestoßen oder niedergetrampelt wurden. Roter Lebenssaft spritzte durch die Gegend, als die groben Waffen Ihr grausames Werk verrichteten und blutige Ernte unter den Elfen einfuhren, die im Lazarett eigentlich hätten sicher sein sollen. An Fandrasârs Zorn, als er wie ein Bote des Himmels - ein Vergleich, der nicht unpassend war - hinab stieß und eine Schneise in die Aggressoren riss. An die Verzweiflung, die sich unter den Überlebenden breitmachte, als Sie bemerkten, dass die anrückenden Verbündeten und noch nicht einmal der Drache rechtzeitig zu Ihrer Rettung eilen konnten. An die Sturmböen, die über das Schlachtfeld peitschten und selbst die anstürmenden Orks dazu brachte, Ihren Vormarsch zu verlangsamen um zu sehen, was geschah. An den Moment, an dem Fandrasâr seine Macht gebündelt hatte und mit einem trotzigen, zornerfüllten Schrei, der die Grundfesten der Erde zu erschüttern schien seine Magie ballte und die eingekesselten Elfen mit einem Translokations- Spruch in Sicherheit bringen wollte.

Nur, dass das augenscheinlich nicht geklappt hatte. Sie war wieder hier. Und gemessen an den Details, die Sie wahrnehmen konnte, konnte nicht allzu viel Zeit vergangen sein - der Kampf war immer noch in vollem Gange. In was für einem Alptraum Sie sich auch befunden haben mochte, wenn Sie sich jetzt nicht konzentrierte, wäre es um Sie geschehen. Sie hatte zur Genüge gesehen, wie Unachtsamkeit auch erprobten Veteranen zum Verhängnis wurde. Sie griff den Bogen, der sich noch auf Ihrem Rücken befand - im Lazarett hatte Sie schlicht nicht die Zeit gehabt, diesen zu spannen - und machte Ihn und damit sich gefechtsbereit. Sie legte einen Pfeil in die Sehne und begann, sich bereits auf die Melodie einzustimmen, die Ihr einen Weg durch den Wald bahnen würde. Nach den Lauten zu schliessen, würden die ersten Kämpfenden bald auch Ihre Position erreichen. Sie sollte jedoch verdammt sein, wenn Sie sich so einfach fangen liess! Ihre Stimme erklang, leise und sanft wie ein Windhauch, der sich auch durch die schmalste Ritze schlängelte; alles Feste umfuhr und niemals Inne hielt.

Sie hatte noch keine Ahnung, dass es Zeitalter her war, seitdem das Letzte Mal ein derartiges Lied angestimmt hatte.

Ironhide
17.06.2016, 02:44
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Noch so ein königlicher Soldat, der Cadan ans Leder wollte und irgendwas von Verräter brüllte. Für derlei hatte er eigentlich keine Zeit, doch was blieb dem Trolljäger schon anderes über, als sich auch diesem Mann zu entledigen? Der Soldat war sicher ein tapferer Kämpfer, jünger als Cadan, unerfahrener. Der Versuch den Hieb von Cadan mit seinem Schwert abzuwehren, bezahlte er mindestens mit Schmerzen, denn die Wucht des Axthiebs schlug dem Mann sein Tötungswerkzeug aus der Hand und traf ihn fast ungebremst an seiner rechten Seite. Cadan war es egal, ob er verletzt oder gar Tot war, er sah zu das er von hier verschwand. Der Fürst war getürmt und während die Schlachtreihen weiter vorne regelrecht von den Orks und den Trollen zerfetzt wurden, tobte hier hinten die Schlacht der Verräter, wie Cadan sie nun einfach nannte. Doch sicher nicht mehr lange. Die wenigen Truppen des Fürsten, die nicht die Beine in die Hand genommen hatten oder einfach zurückgelassen wurden, um die Flucht ihres Lehnsherren zu ermöglichen, würden bald von dem übermächtigen Heer der königlichen Soldaten dahingerafft werden.
Doch die waren nicht mal die Gefahr. Die Orks überrannten die Menschen einfach. Die Schlachtreihen, die Cadan weit vorne glaubte, kamen rasch näher. Es brach bereits das Chaos aus, die schöne Schlachtaufstellung die die Menschen gewählt hatten, war nicht mehr. Die Linke Flanke brach gerade auseinander, die rechte existierte schon gar nicht mehr und die Mitte war nur noch ein Getümmel aus Orks, Menschen, Trollen und was sich sonst noch so in diese Schlacht geworfen hatte. Ein paar Zwerge, so meinte Cadan zumindest sie zu sehen, sicher war er sich nicht – und es war ihm egal.
Wenn er nicht sterben wollte, musste er hier weg.

Sein Pferd fand er nicht, das hatte sich bestimmt irgendwer anders genommen und war bereits auf und davon. Cadan beschloss, sein Glück im Wald zu versuchen, dessen Rand sich nicht weit vom Schlachtfeld befand. Dort hatte er wohl noch die besten Chancen zu überleben, als hier mitten in diesem Gemetzel. Also rannte er los, weg von den Soldaten die ihn tot sehen wollten, weg von den Orks die ihn tot sehen wollten und weg von den Trollen die ihn tot sehen, und fressen wollten. Die war nicht das Schlachtfeld auf dem er sterben möchte, es war generell kein Schlachtfeld auf dem er sterben wollte. Er wollt gar nicht sterben und all das Gerede von Ruhm und Ehre, was einem Krieger zuteil würde, wenn er in einer großen Schlacht fiel, darauf schiss er. An dieser Schlacht, das hatte er schon jetzt erkannt, war nichts groß. Die Menschen wurden dahingerafft, brachten sich gegenseitig um und wer nicht schleunigst die Beine in die Hand nehmen würde, sah die morgige Sonne nicht mehr.
Cadan blickte sich um und suchte den Weg, der am wenigsten Kampf versprach. Irgendwo weiter rechts von ihm donnerten gerade zwei Berserker der Orks durch die Massen, also war der Weg schon mal nicht der beste. Nach hinten konnte er auch nicht, dort wimmelte es inzwischen von Soldaten. Nach vorne - ne, so dumm war nicht mal er. Links schien daher die beste Option zu sein und so machte sich der Trolljäger daran, diesen Weg einzuschlagen. Außerdem hatte die linke Flanke noch am längsten gehalten, insofern war die Wahrscheinlichkeit, dort Orks oder Trolle niedermachen zu müssen noch am geringsten. Cadan hatte genug für heute einstecken müssen, und das noch nicht einmal von irgendeiner Grünhaut. So gut es ging, weichte er den Kämpfen aus, was überraschenderweise einigermaßen gut klappte.

Leider machte ihm etwas einen Strich durch die Rechnung. Ein Berserker, glücklicherweise stand der mit dem Rücken zu ihm. Sobald sich dieses Ungetüm umdrehen würde, hatte er keine andere Möglichkeit, als zu kämpfen. Cadan wollte daher zuerst zuschlagen, solange das Monster beschäftigt war. Mit was sah er nicht und es war ihm auch egal. Sein Griff um die Streitaxt war fest und stark, dann schwang er die Axt über seinen Kopf und wollte gerade mit aller Wucht die er aufbringen konnte dem Berserker seine Axt in den Rücken jagen, als dem Ork etwas ziemlich langes aus dem Nacken wuchs. Etwas, was da nicht hingehörte. Ein Speer.
Etwas überrascht sah Cadan die restliche Szene mit an, als er dann auch endlich entdeckte, wer da schneller war dem Berserker das Leben auszuhauchen, als er.
Eine Frau.

coel
17.06.2016, 14:00
https://abload.de/img/ainecyauv.pngSie war gelähmt vor Angst. Starr blickte sie auf den Leichnam des Ork Berserkers, der vor ihr im Schlamm lag, während ihr Tränen saubere Linien durch den Dreck und das Blut in ihrem Gesicht zogen. Sie konnte nicht aufstehen, auch wenn alle ihre Sinne sie dazu antrieben, dass sie sich ohne Umzuschauen so lange rennen sollte, bis ihre Lungen wie Feuer brannten. Doch dann wurde ihre eine Hand gereicht. Keine, die nach ihrem Leben trachtete, sondern ihr aufhelfen wollte. Eine Stütze in all dem Chaos. Ihre geröteten Augen blickten auf den Riesen von einem Mann, der ihr Worte zusprach, die sie durch den Kampflärm nicht verstehen konnte. Doch gerade diese lautlosen Wörter und die helfende Hand rissen sie aus dem Bann der Furcht. Mit einem kräftigen Ruck wurde sie auf die Beine gehoben. Erst jetzt erkannte sie die Kampfbemalungen des Mannes. Die blauen geschwungenen Linien deuteten auf einen Trolljäger zu. Jene, die sie bei ihrer Rückkehr in ihre Heimat gesehen hatte. Offensichtlich hatte sich ihr Vater auch diese Krieger als Unterstützer in die Schlacht mitgenommen. Auch ihr Gegenüber bemerkte etwas an ihr. Sein Blick war auf das goldbeschlagene Buch, welches durch eine Kette an ihrem Hüftgürtel angebracht worden war, gefallen.
„Bist eine Magierin?“
Sie nickte.
„Fühlst du dich fähig zu kämpfen? Ich meine, ob du zaubern kannst?“
Sie schüttelte den Kopf. Die Kraft und Konzentration fehlten ihr dazu.
Grimmig reichte er ihr ein kurzes Breitschwert und ein Holzschild vom Boden. Er sah, dass sie instinktiv eine Kampfhaltung bezog und die Art wie sie die beiden Gegenstände hielt, schienen ihn zu überzeugen.
Dann holte sie wieder das Schlachtgetümmel ein. Ein grölender Ork, der auf einem massigen Kampfeber ritt, wütete durch die Reihen von Freund und Feind. Aine und der Mann konnten sich gerade noch mit einem Sprung zur Seite retten, als das schwer gepanzerte Biest in ihre Richtung getobt war. Scheinbar wütend über den gescheiterten Versuch, wendete er sein Reittier und forderte die Beiden mit einem wilden Gebrüll heraus. Aine hob ihr Schild, obwohl sie wusste, dass dieses sie nicht gegen die Wucht des Gegners schützen würde. Der Mann wartete nicht erst auf Aktion, sondern griff den Ork an, bevor es dieser tat. Das Schwein erwies sich jedoch flinker als Aine es vermutet hatte und die Attacke des Mannes streifte die stählernen Platten der Rüstung. Knapp entging er den langen Hauern, die mit scharfen Eisenklingen versehen waren, damit sie noch tödlicher wurden. Kurz darauf schwang der Ork seinen Morgenstern nach seinem Gegner, der ihn am Kopf traf und den Helm, den er trug, in die Luft schleuderte. Benommen wankte der Mann zurück, während eine Platzwunde seine blonden Haare mehr und mehr rot färbte.
Aine wartete nicht auf den folgenden Angriff des Orks. Sie dachte nicht mehr nach, was passieren würde. Sie handelte nur noch. Ihr Schwert traf eine ungeschützte Stelle in der Flanke des Ebers. Die mit dunkelbraunen Borsten übersäte Haut wurde aufgeschnitten und muskulöses Fleisch trat zum Vorschein. Bald schon bereute Aine ihre Tat, denn das Schwein quiekte zornig auf und richtete seine ganze Wut auf sie. Im letzten Augenblick konnte Aine ihr Schild hochreißen, bevor die spitzen Hauer es bersten ließen und sie in eine Gruppe von Kämpfenden geworfen wurde. Ork und Menschen achteten allerdings nicht auf Magierin, die zwischen ihnen auf dem Boden lag und sich stöhnend herumwälzte. Sterne tanzten vor ihren Augen und ein pochender Schmerz breitete sich in ihrem Arm, an dem die Reste des Schildes hingen, aus. Weißer Schaum tropfte aus dem Maul des Ebers, in dessen Flanke immer noch das Schwert steckte. Der Reiter versuchte sein Tier unter Kontrolle zu bringen, doch dieses galoppierte bereits wieder auf Aine zu.

Aeon525
18.06.2016, 01:13
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngDie Erde bebte unter Rijoks Füßen und die Reitechsen, die den Karren mit den Sklaven zogen, schnaubten verärgert. Inzwischen waren sie jedoch schon an den Troll gewöhnt, der nun aus dem Unterholz brach und durch die Gruppe von Banditen sprang wie ein Kind durch Pfützen. "Matschen! Matschen!" jauchzte die Kreatur glückselig während sie die Wegelagerer mithilfe einer hölzernen Keule in zähflüssigen roten Brei verwandelte. Das Wort hatte dem Troll so gut gefallen, dass Rijok ihn direkt danach benannt hatte. Rijok fühlte Reue in sich aufsteigen, während er beobachtete wie die Halsabschneider, panisch schreiend, versuchten den Abhang, den sie soeben herabgestürmt waren, wieder zu erklimmen, nur um nach und nach von Matsch verflüssigt zu werden. Alles ausgewachsene, kräftige Männer. Die aktuelle Ausbeute seiner Reise durch Lundai und Hurt war mehr als kläglich ausgefallen. Zwei Elfenfrauen, eine menschliche Frau und fünf Männer. Letzten Frühling hatte er beinahe 20 tüchtige Männer vorweisen können. Sein Angebot hatte eine größere Variation an körperlich belastbaren Arbeitskräften bitter nötig. Allerdings war dem Troll das Konzept von Kriegsgefangenen fremd. Wenn er kämpfte, dann bis zum Tod. Ihm diesen Wesenszug auszutreiben hielt Rijok für unmöglich.

Er war noch in Gedanken, als der Troll plötzlich einen Satz machte und direkt vor Rijoks Schnauze landete. Die Erschütterung warf ihn beinahe um. "Matsch., erklärte seine mosntröße Wache stolz und hielt Rijok seine Keule hin, von der eine nicht näher zu identifizierende Masse aus Fleisch und Eingeweiden heruntertropfte. "Brav Matsch.", lobte Rijok sein beinahe 3 Meter großes Haustier. "Du bist nicht umsonst oberste Ehrenleibgarde." Matsch grinste breit und die blutverschmierten Zahnreihen, die er dabei entblößte verrieten, dass er bereits von seinen Opfern genascht hatte. Der Troll war für Rijok ein Geschenk des Schicksals gewesen. Früher hatte er ganze Wacheskorten anheuern müssen, um sicher zwischen Drah'zil und Menschengebiet hin und herzureisen. Heute reichten ein paar Söldner, deren primäre Aufgabe es war, Pfeile abzufangen und Zeit zu schinden, bis der Troll, der ihnen durchs Dickicht folgte, aufgeschlossen hatte. Außerdem beschützen sie ihn in Städten und Siedlungen, in die er den Troll eher selten mitnahm.

Er war schon sehr nah an der Grenze zu Tremorlor. Die wenigen Handelsstraßen, die zwischen dem Echsenreich und den Fürstentümern der Menschen existierten, waren berüchtigt für ihre Banditen. "Grausam, tödlich und schnell", hatte sie ein Wachmann beschrieben. Nun lagen sie harmlos, leblos und regungslos auf dem trockenen Gras, zumindest ein Teil von ihnen. Mit einem widerlich schmatzenden Geräusch schlürfte Matsch ihre Überreste von der Erde, während die kleine Karawane wieder Fahrt aufnahm. Der Troll schien ausgesprochen guter Laune zu sein denn er teilte einen Teil seiner Beute sogar mit den Nauglier, den beinahe ebenso gefährlichen Reitechsen die den Wagen zogen, ehe er wieder in die Büsche verschwand.

Wenigstens Matsch schien auf dieser Reise seinen Spaß zu haben. Rijok hingegen war alles andere als gut gelaunt. Mit einer solch mageren Ausbeute würde er kaum Gewinn machen. Die Frauen würde er durchfüttern müssen, bis er das nächste Mal in den Fürstentümern war, die Drah'zil hatten keinen Bedarf für sie. Ihm blieben also nur die Fünf Männer. Die wären gerade genug um die Reisekosten zu decken. Gewinn machte er mit denen bestimmt nicht. Trösten konnte er sich lediglich mit der Tatsache, dass die Elfenfrauen hübsch waren, zumindest nach menschlichen Standards. Sie würden auf den Sklavenmärkten der Fürstentümer eine stattliche Summe Geld einbringen. Er selbst verstand den Geschmack der Schuppenlosen überhaupt nicht. Ständig verlangten sie nach langen Haaren und zarter, weicher Haut. Nur wenige von ihnen wussten ein breites, gebärfreudiges Becken zu schätzen. Narren. Als er das erste Mal gehört hatte, das die Menschen gutes Geld dafür bezahlten, um mit Frauen zu schlafen, ohne jedoch die Absicht zu haben einen Nachfahren zu zeugen hatte er es nicht glauben wollen. Auch die Faszination an nackter Haut war für ihn völlig unverständlich. Aber ein Weibchen nackt anzubieten konnten den Preis oft nahezu verdreifachen, oder aber einstürzen lassen. Auch diese Erfahrung hatte Rijok bereits gemacht. Seitdem verkaufte er Menschenfrauen über 40 nur noch in Kleidung. Die beiden Elfen konnte er aber auf jeden Fall nackt anbieten. Die lüsternen Blicke, mit denen seine Söldner sie begutachteten, obwohl sie dicke Wolljacken trugen, waren ihm nicht entgangen. Außerdem war er noch am selben Tag, an dem er die beiden erworben hatte, von dem Anführer der Söldner gefragt worden, ob sie sich nicht für einen Teil ihres Soldes mit ihnen vergnügen dürften. Rijok hatte abgelehnt. Auf seiner erste Reise als Sklavenhändler hatte er einmal eine solche Regelung akzeptiert, die schließlich jedoch im Selbstmord von zwei der Frauen geendet war. Drei weitere hatten so deutlich an Marktwert verloren, dass sie zum Minusgeschäft geworden waren. Seitdem durfte außer den anderen Drah'Zil niemand die Ware auch nur anfassen. Wer es dennoch versuchte, machte Bekanntschaft mit Matsch.

Kaum eine halbe Stunde nach dem Banditenüberfall erreichte die Gruppe die letzten Ausläufer des Gebirges. Vor ihnen erstreckte sich die Wüste von Tremorlor, Sand und Stein so weit das Auge reichte. Bis nach Salingen, dem nächsten Drah'zil Dorf, waren es etwa zwei Tagesreisen. Ein letztes Mal überprüfte Rijok die Wasser- und Nachrungsmittelreserven. Sie würden ihnen problemlos ausreichen. "Deck den Käfig ab!" befahl er einem der anderen Drah'zil, bevor er sich an die Söldner wandte. "Wir haben den ersten Teil unseres Weges nun fast hinter uns. In Salingen erhaltet ihr, wie abgesprochen, den ersten Teil eurer Bezahlung. Wenn ihr eure Dienste auch für die Rückreise nach Hurt wieder zu Verfügung stellt zahle ich euch einen Bonus von 20%." Die Aussicht auf mehr Geld hellte die Stimmung der Menschen schlagartig auf. Nur die Echsen starrten mit ausdruckslosen Mienen ihrem Heimatland entgegen, dass sie nicht mehr Heimat nennen konnten. Rijok fühlte ein Stechen in der Brust. Er schüttelte die in ihm aufsteigenden Erinnerungen ab, als wären sie lästiges Ungeziefer, und gab den Befehl zum Aufbruch.

Ironhide
18.06.2016, 22:51
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Der Schlag war heftig und ohne Helm wäre Cadan nun sicher tot. In seinem Kopf hämmerte es. Für einen Moment war er benommen und nahm um sich herum alles nur wie durch einen Schleier auf. Er fasste sich an den Kopf und spürte wie Nass die Stelle war, an der er getroffen worden war. Blut. Er sah es nicht, fühlte es nur aber was hätte es auch sonst sein sollen? Erst als er die Hand wieder wegnahm und sich vor Augen führte, sah er den Rot an seinen Fingern.
Cadan schüttelte sich, trieb das benommene Gefühl aus seinem Kopf und verschaffte sich erst mal einen Überblick. Wo war der Hund, der ihn solche Kopfschmerzen bereitet hatte? Als er ihn erblickte, sah er auch, das die Frau, inmitten auf dem Schlachtfeld stand, nur noch mit ihrem Schild in der Hand.
Doch das war dem Trolljäger relativ egal, denn er war sauer und je weniger die Glocken in seinem Kopf von dem Schlag klingelten, desto mehr steigerte das seine Wut. Zum Teil auch auf sich selbst, das er so unaufmerksam gewesen war und sich einen Schlag eingefangen hatte. Cadan packte daher seine Streitaxt und stürmte auf das Schwein los, dessen Reiter offenbar Schwierigkeiten hatte, sein Tier wieder in den Griff zu bekommen. Das Tier preschte bereits auf die Magierin zu, Cadan nährte sich ihr seitlich, und weder sie noch das Tier sahen ihn kommen. Nur der Ork hatte ihn bemerkt und schwang erneut seinen Morgenstern, den er dem Hünen erneut über den Schädel ziehen wollte, sobald er in Reichweite war. Allerdings hatte der Trolljäger anderes im Sinn. Nicht der Ork war sein Ziel, sondern das Tier selbst und wenn er es schon nicht den Ork mit einem Schlag erledigen konnte, so konnte er aber beide mit einem Schlag aufhalten. Er war dichter an der Frau, so das er die Distanz zu ihr schneller hinter sich bringen konnte, als das Schwein es tat, wenn auch nur um Sekunden.
„SPRINGT!“, schrie er ihr entgegen, während er seine Axt über seinen eigenen Kopf schwang, sich dann auf seine Knie fallen ließ um das letzte Stück zu rutschen, dabei dem Schlag des Orks ausweichend, seine eigene Axt mit einer solchen Wucht in ein Bein des Ebers schlug, das sie glatt durchging. Der Morgenstern verfehlte seinen Kopf dabei nur um Zentimeter und hätte Cadan seinen Streitaxt nicht so geschwungen, das es eins der Beine durchtrennte, wäre ihm selbige wohla llein durch die Wucht des Aufpralls aus der Hand gerissen worden.

Ein Schreckliches quieken war die folge, das Schwein stürzte und überschlug sich, warf dabei den Ork ab und rollte sich mehrmals um die eigene Achse, bevor es vor Wut und Schmerz quiekend am Boden liegen blieb und strampelte. Cadan sah zuerst nicht, ob die Frau seiner Anweisung gefolgt war, aber nur einen Augenblick später sah er sie im Dreck liegen, nur knapp neben der Furche die das Schwein gezogen hatte bei seinem Sturz. Schnell sprang er wieder auf, eilte die wenigen Schritte zu ihr, packte sie am Arm und zog sie auf die Beine.
„Kommt!“
Weder das Schwein noch den Ork beachtete er, sonder zog sie mit sich in Richtung Wald.

coel
20.06.2016, 09:04
https://abload.de/img/ainecyauv.pngAine schrie vor Schmerzen auf, als ein orkischer Pfeil sich in ihren Oberschenkel bohrte. Doch sie fiel nicht, sondern rannte mit zusammengebissenen Zähnen weiter. Vor ihr spaltete der Mann, der ihr wieder einmal geholfen hatte, gerade einem Ork den Schädel. Wütend brüllte der Mann auf, da er merkte, dass er die Axt nicht mehr aus dem Kopf des Orks ziehen konnte. Er nahm ein Schild vom Boden auf und beschleunigte wieder seine Schritte.
Obwohl ihre Lungen brannten wie ein zwergischer Hochofen, hörte sie nicht zu laufen auf. Sie wollte aus diesem Grauen entkommen und das mit jeder Faser ihres geschundenen Körpers. Die Furcht um ihr Leben trieb sie an. Für kurzen einen Moment, wagte sie einen Blick hinter sich.
Die Grünhäute hatten die Linie der Menschen nun völlig durchbrochen. Kein Soldat dachte mehr an seinen Kameraden, an Ehre oder an einen Sieg. Jeder rannte um sein Leben, während die Orks, Goblins und Trolle sich mit wahnwitziger Leichtigkeit durch die letzten verzweifelten Verteidiger mähten wie ein Bauer mit der Sense durch ein Getreidefeld. Ein Schauer lief ihr über den Rücken. Das war Aine nicht gewohnt. Der metallische Geschmack von Blut, der Gestank von Fäkalien aus zerrissenen Därmen und der klebrige Schweiß lagen schwer in der Luft. Egal, wo sie hinsah, krümmten sich Menschen wie auch Grünhäute im Schlamm und klammerten sich an die Überreste einer Gliedmaße oder versuchten ihre Eingeweide davor zu bewahren aus ihren Bäuchen zu quellen.
Mittlerweile waren sie aus dem größten Getümmel heraus und flüchteten wie auch andere wenige Glückliche über eine grüne Ebene in die Richtung eines angrenzenden Waldes. Dicht gefolgt von Orks, die nach einem Kampf grölten. Eine Soldatin stolperte ungeschickt über einen Stein. Sie schrie nach einer Rettung, doch niemand folgte ihrem Ruf. Stattdessen war es die Axt eines Orks, die mit voller Wucht in ihren Rücken geschlagen wurde. Der Waldesrand schien zum Greifen nah und brachte neue Kraft in Aine.
Vereinzelt flogen noch Pfeile an Aine vorbei, aber nur selten fanden diese ein Ziel. Umso überraschter war es Aine, als Pfeile aus der anderen Richtung geschossen wurde und jeder von diesen einen blutrünstigen Verfolger traf. Erst jetzt konnte Aine die Gestalt erkennen, die ihren Bogen unablässig spannte, um ihnen die Flucht zu sichern.
Endlich hatte Aine den Wald erreicht. Nach einigen weiteren Metern versuchte sie etwas Halt an einer dicken Kiefer zu gewinnen, doch sie sank keuchend neben diesen. Bräunliche Kiefernadeln blieben an ihrem Gesicht hängen und der feuchte Geruch von Moos stieg ihr in die Nase. Beinahe wäre sie vor Erschöpfung eingeschlafen, als eine Hand zärtlich ihren Arm berührte. Sie rollte sich immer noch heftig atmend zur Seite, wobei sie darauf achtete, dass der Pfeil nicht noch tiefer in ihr Bein drang.
Aine blinzelte ungläubig über die Person, die sie aufmunternd, aber voller Sorge anlächelte.
„Ist das ein Traum?“, ging es leise über Aines aufgesprungenen Lippen.
Die wunderschöne Elfe mit dem feuerroten Haar und den Augen, die wie Smaragde glänzten, schüttelte den Kopf. Ihr Äußeres schien fern von all dem Schrecklichen und Hässlichen vor dem sie noch vor Sekunden weggerannt war. Die helle Haut glich einer marmornen Statue, rein und ebenmäßig ohne jeglichen Makel. In den langen, spitzen Ohren hingen kunstvoll gefertigte Ohrringe, die wie grüne Tränen aussahen und im jeden Augenblick zu Boden fallen würden. Ihre feingliedrigen Finger waren weich und sanft beim Abtasten ihrer Verwundung.
„Nein“, sagte die Elfe mit einer melodischen Stimme, „Nein, ihr träumt nicht.“

Ich hoffe, ich bin dir nicht etwas blöd zuvorgekommen, Rosered.
Du hast ein paar wenige Orks erledigen können, aber genug Pfeile hast du sicher nimmer für den Rest ^^
Jetzt heißt es erstmal, dass wir uns tiefer in den Wald begeben.

Rosered_Strauss
20.06.2016, 15:08
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari wandte den Blick von der Frau ab, die Ihr gewissermaßen vor die Füße gefallen war, und sah wieder in Richtung der Schlacht. Ihre warm glühenden, smaragdfarbenen Augen verengten sich, als Sie die Orks weitaus rascher näher kommen sah, als Sie es gerne gehabt hätte. Doch irgendetwas störte Sie auch bei deren Anblick. Es schien Ihr, als würden Sie... grobschlächtiger sein. Und Ihre Tracht unterschied sich von der, die sie über lange Jahre kennen gelernt hatte. An welcher Flanke war Sie? War Sie noch in derselben Schlacht, oder hatte die Magie Ihres Meisters Sie weiter fort gebracht als bis dato angenommen? Alles Fragen, die später geklärt werden müssen. dachte Sie sich. Als Sie wieder zu der Frau sah, fragte diese Sie gerade in höchst seltsamen Dialekt, ob dies ein Traum wäre. Der Kommentar kam für Sie solcherart unerwartet, dass Sie unwillkürlich lächelte. Für Aine war es, als würde die Sonne aufgehen - trotz der Situation vergass die Maga für einen Moment, dass Sie sich mitten im Kampf befanden. Das Lächeln bekam jedoch schnell eine sorgenvolle Note, als Ihr Auge die Verletzungen erfasste, die Ihr Gegenüber erlitten hatte. [Nein.] sprach Sie, [Nein, Ihr träumt nicht.] Es schien, als wären die Worte Teil eines Liedes, aus dem Sie heraus genommen worden wären. Alaris Sprache haftete eine unscheinbare Melodie an, die Ihre exotische - beinahe archaische - Art zu sprechen weiter betonte.

Ein Blick an Ihre Seite zeigte einen Muskelberg von einem Mann, der auf Alari ein wenig wie aus einem groben Felsblock heraus gemeißelt vorkam. Wie viele männliche Menschlinge trug er sein Haupthaar unter dem Kinn, was, soweit Sie es richtig verstanden hatte, von Ihnen 'Bart' genannt wurde. Auch dessen Blick drückte eine Mischung aus Überraschung, Argwohn, Ehrfurcht und weiterem aus - im Gegensatz zu der Frau Ihm jedoch auch weitaus mehr Unverständnis. Scheinbar hatte er Sie nicht verstanden, des elfischen schein er nicht mächtig zu sein. So wechelte auch Alari in die Gemeinsprache. "Gebot der Stunde ist es, nicht zu verweilen und schnell zu schreiten. Einer Mannigfaltigen Horde trutzen wir, doch Kampf wird hier nicht erfolgreich sein. Schreiten wir von dannen, während das Lied meiner Seele uns durch das große Grün leiten wird." War Aine die Sprache der Elfe schon zuvor etwas altertümlich vorgekommen, so war Sie nun vollends von diesem Eindruck überzeugt. Zwar sprach die Elfe die Gemeinsprache, doch bediente Sie sich einer alten Sprechweise, die schon seit langer, langer Zeit nicht mehr verwendet wurde; und nur Ihrem Studium war es zu verdanken, dass Sie verstehen konnte, was die Frau von sich gab. Diese hatte sich jedoch schon wieder abgewendet, um einen weiteren Pfeil in Richtung der Horde zu verschiessen. Unglücklicherweise bemerkte Alari, wie erschöpft Sie immer noch wahr. Immerhin war Sie auch vor nicht allzu langer Zeit aus der Schlacht hinaus gerissen worden, um dem Tod um Haaresbreite zu entgehen, bevor Sie schliesslich wieder hier aufgetaucht war. Von den Entbehrungen, die Sie auf ihrer 'Reise' erlitten hatte, ganz zu schweigen. Und als wäre das noch nicht genug, zählte Ihr Köcher auch nicht mehr allzu viele Pfeile. Sie winkte den beiden Menschlingen zu. "Folget mir! Im großen Grün werden Orken und deren Alliierte uns nicht zu erspähen vermögen."

coel
20.06.2016, 19:06
Das kleine Lagerfeuer knisterte melodisch und neben der wohligen Wärme, die es spendete, beruhigte es Nalim auf eine Weise, die er nicht beschreiben konnte. Feuer hatte schon immer eine gewisse Anziehungskraft auf ihn gehabt. Deswegen war er auch Schmied geworden. Die lodernde Hitze, das Schmelzen von Metall und die blitzenden Funken, wenn sein Hammer das Eisen traf, waren alles, was er im Leben gebraucht hatte.
Er vermisste diese Zeit.
Seine gelben Schuppen, die vereinzelt weiße Flecken aufwiesen, glänzten im Flammenschein, während er mit einem kümmerlichen Ast in der Glut stocherte. Er hörte Schritte im Sand hinter sich, machte sich jedoch nicht die Mühe seinen Kopf zu wenden. Hier draußen in der Wüste lauerten Gefahren, die nur Unvorbereitete traf. Zu lange schon reisten sie durch diese Gegend, als dass sie leichtsinnig Fehler machen würden.
Getrocknete Scheiben von Nauglir-Fleisch sowie eine Kürbisflasche wurden ihm über die Schulter gereicht und er dankte mit einem stummen Nicken.
Rijok Silberklinge setzte sich neben ihn und kramte aus einer der Taschen, die an einem diagonal über seine Brust verlaufenden Gurt befestigt waren, ein paar Nama-Blätter heraus. Eine gängige und beliebte Droge der Drah’Zil. Ihre entspannende und schmerzlindernde Wirkung wurde auch auf Schlachtfeldern genutzt. Doch die Jahre, in denen die Drah’Zil Krieg führten, waren schon lange vorbei. Jetzt war es nur noch ein Genussmittel für ruhige Momente.
Dankend lehnte Nalim ab, als Rijok ihm zwei Blätter anbot.
„Nein, danke“, sagte er und gab sie zurück, „Ich verzichte.“
Rijok zuckte die Schulter und stopfte sich auch diese Blätter noch in das Maul. Mit einem tiefen Seufzer erhob sich Nalim, streckte sich und schritt zu dem Käfig. Wie immer hatte Rijok ihnen befohlen, dass die Nauglir kreisförmig um die Sklaven schlafen sollten. Er ließ sie nie völlig satt werden, damit sie nicht träge wurden, aber vor allem, keine leichten, spontanen Mahlzeiten verschmähen würden. Die Biester waren sehr unruhige Schläfer und mehrere glühend gelbe Augen beobachteten seine Bewegungen. Die Drah’Zil mussten sich mit der Drüsenflüssigkeit der Nauglir einreiben, um von den Tieren als Teil des Rudels angesehen zu werden. Denn auch sie standen auf der Speisekarte dieser gefährlichen Jäger der Wüste.
Nalim verdrehte die Augen, als er bereits die dritte Nacht schon wieder ein Schluchzen aus dem Käfig hören konnte. Verängstigt schreckte die Elfin auf, als die stechend roten Augen von Nalim sie durch die Gitterstäbe musterten.
„Die morgige Reise wird lang, Elfenweib“, zischelte er, „Reiß dich zusammen, bevor du die anderen aufweckst.“
Seine Worte schienen sie zur Besinnung zu bringen und sie senkte ihre Lider zum Schlaf. Das hoffte Nalim zumindest. Er kehrte zurück an das Feuer, wo er seinen Ast hineinwarf. Kleine Funken flogen in die Luft und verblassten so schnell wie sie aufgetaucht waren.
„Willst du wirklich in Salingen Halt machen?“, fragte er Rijok ungläubig, „Wollen wir nicht gleich bis nach Ashan reiten?“


https://abload.de/img/ainecyauv.pngDer Wald war dichter und tiefer als er von außen gewirkt hatte. Dunkle Gewitterwolken breiteten sich wie ein Omen über ihnen aus und grollten bereits zornig. Es würde nicht lange bis zum Regnen dauern.
Insgeheim hieß Aine die kommenden Tropfen willkommen. Auf diese Weise, würde wenigstens der Dreck und das Blut von ihr gewaschen werden. Nicht jedoch die Bilder aus ihrem Kopf. Schnell verbannte sie die allzu deutlichen Erinnerungen und konzentrierte sich auf das Jetzt.
Aus der verzweifelten Flucht war inzwischen ein vorsichtiges Versteckspiel geworden. Obwohl der Ort der Schlacht weit weg von ihnen lag, so hatten viele Grünhäute die Verfolgung aufgenommen und suchten nun hitzig nach Überlebenden.
Die Elfin, deren Namen Alari war, hatte sich als Führerin durch das Waldgebiet erklärt, wofür Aine ausgesprochen dankbar war. Ihre ganze Kraft setzte Aine in sich selbst, um nicht hinzufallen und dadurch ihr Schicksal einfach anzunehmen. Der Mann wollte eine helfende Stütze sein, doch Aine weigerte sich vehement. Sie war etwas zur Besinnung gekommen und konnte es nicht mehr ertragen, dass sie nur noch eine Last für die Beiden darstellen würde. Die panische Angst war dem Stolz gewichen.
„Dieser Wald ist groß“, murmelte der Mann namens Cadan, „Wisst ihr überhaupt, wo wir hingehen?“
„Dem Feinde so weit wie es nur möglich ist zu entfliehen. Dies ist mein Begehr“, antwortete ihm die Elfe, während sie aufmerksam ihre Umgebung beobachtete.
Aine hatte nur aus Büchern über das makellose Volk von Eremon gelesen. Die Elfin war von einer unvergleichliche Anmut. Jede ihre Bewegungen schien eine Eleganz zu besitzen, die für Aine völlig fremd war. Wie gebannt verfolgte sie ihre Schritte und stolperte dabei fast über ihre eigenen.
Auch wenn sie außer Sichtweite der Orks waren, so konnten sie sie dennoch hören. Ihre schweren Stiefel stampften durch den Wald und erleichtert es ihnen dem Feind auszuweichen.
Plötzlich spürte es Aine. Es war nur ein ganz schwaches Kribbeln, ein Gefühl, was sie lange nicht mehr gespürt hatte.
„Ein Riss“, flüsterte sie sich zu, dann dämmerte ihr es mit einem Schlag.
„Wir müssen in diese Richtung!“, teilte sie ihren beiden Begleitern mit, „Ich habe einen Weg gefunden, wie wir von ihr verschwinden können.“

Den Riss, der durch Alari's Kommen entstanden ist, spürt Aine und will diesen nutzen.
Es dauert etwas diesen wieder zu öffnen, deswegen müssen Ironhide und Rosered sie verteidigen. Das Problem: Das Öffnen ist nicht sehr leise.

Ihr müsst nicht unbedingt alleine kämpfen. Es laufen immer noch andere Menschen herum, die euch unterstützen können. Wie ihr das handhabt, ist euch überlassen :)

Ironhide
20.06.2016, 19:43
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Noch immer grummelte Cadan innerlich, das er seine Streitaxt auf dem Schlachtfeld zurücklassen musste. Auch sein Pferd war auf und davon, mit Sicherheit inzwischen tot. Dumm war, das ein Zweihänder bei dem Pferd gewesen war. Während der Flucht hatte er sich daher irgendein Schwert gegriffen, was auf dem Boden lag, um wenigstens etwas zu haben um sich zu verteidigen. Es war um einiges leichter und in seinen Händen fühlte es sich falsch an, so als würde es beim ersten Schlag zerbrechen. Gegen einen Ork oder gar einen Troll würde er mit so einer Waffe freilich kein Land sehen, aber sonst hatte er nichts mehr.
Der Elfe gegenüber war er misstrauisch, aber auch neugierig. Noch nie hatte er eine gesehen und von ihre Grazie und Anmut war er sehr angetan. Sie war schön, schöner als die Magierin, die auch äußerst ansehnlich war. Aber um sich Frauen anzusehen würde er ein andermal sicher mehr Zeit haben, denn die Gefahr war noch allgegenwärtig und wenn sie nicht aufpassten, würde er nie wieder irgendwas ansehen, außer Radieschen von unten. Zielsicher schritt die Elfe durch den Wald, so als wüsste sie jederzeit, wo sie hinmüsse, ohne einem Ork über den Weg zu laufen. Sie kennt sich hier also sehr gut aus, vermutete Cadan. Aber ihr Gerede war ihm völlig fremd. Das elfische sowieso, aber selbst die gemeine Sprache war nicht unbedingt das, was man erwarten würde.

„Ich glaub, ihr müsst auch was auf den Kopf bekommen haben, wenn euch erst JETZT einfällt, das ihr einen Fluchtweg kennt, der uns von all dem hier weg bringt.“, meinte er, bevor er ihre Worte richtig aufgenommen hatte. „Moment, gefunden? Wie habt ihr das denn gemacht? Adleraugen?“ Der Sarkasmus war nicht zu überhören, waren sie doch beide die ganze Zeit der Elfe hinterher gewandert. Und nicht nur sie, unterwegs hatten sie noch ein paar versprengte Menschen aufgegabelt, die irgendeinem Fürsten angehörten, den ´zumindest Cadan nicht kannte. Einer war verletzt und konnte kaum noch selbst laufen, ein weitere hatten einen Bogen aber nur noch eine Hand voll Pfeile und ein dritter trug nur noch sein Kurzschwert. Nicht gerade eine Schlagkräftige Truppe, aber er hatte so ein Gefühl, das er die noch brauchen würde.

Aeon525
20.06.2016, 20:16
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngRijok ließ sich den Vorschlag seines Mitreisenden einen Moment durch den Kopf gehen, während er in die tieforange Glut starrte. "Nein." entschied er schließlich. "Ohne Zwischenstopp könnte das Proviant knapp werden. Matsch wird in der Wüste nicht so erfolgreich jagen können wie im Wald. Ich möchte kein unnötiges Risiko eingehen." Er warf Nalim, dessen Augen noch immer auf dem lodernden Feuer ruhten, einen kurzen Seitenblick zu. "Vermisst du den Amboss?" Der Drah'Zil verzog sein Maul zu einem gequälten Lächeln. "Ich vermisse meine Bestimmung." Sein Blick verlor sich in den Tiefen der Glut, beinahe als hoffte er in ihr eine Antwort, eine Lösung, zu finden. "Wenn wir wieder in Hurt sind kannst du ja mal eine der Menschenschmieden aufsuchen." schlug Rijok vor. Nalim schnaubte nur verächtlich. "Die Schmieden der Schuppenlosen sind nicht mehr als eine erbärmliche Ansammlung von Kinderspielzeug. Die Scheiße der Nauglir ist heißer als das Feuer ihrer Hochöfen." Rijok schmunzelte. "Was würde ich drum geben zu sehen, wie du besten Darimstahl über den dampfenden Haufen der Nauglir zum glühen bringst." Nun stahl sich auch auf Nalims Gesicht ein süffisantes Grinsen, das seine schneeweißen Reißzähne entblößte und das Bedauern wich für einen Moment aus seinen Augen.

Eine angenehme Taubheit breitete sich in Rijoks Körper aus, während die Nama-Blätter langsam ihre Wirkung entfalteten. Er seufzte glückselig, während alle Anspannung schrittweise von ihm abzufallen schien. "Hast du uns was übrig gelassen?" Die beiden anderen Drah'Zil, der Krieger Arash und die Magierin Pehtia, gesellten sich zu ihnen ans Feuer und Rijok reichte beiden jeweils zwei Blätter der berauschenden Pflanze. "Alles in Ordnung mit den Nauglir?" fragte er in gewohnter Routine. "Den Biestern gehts gut." antwortete Pehtia, die von den vier Drah'zil am besten mit den Reitechsen umzugehen vermochte. "Inzwischen haben sie sich sogar an das Geschniefe des Elfenweibchens gewöhnt." Rijok schnaufte theatralisch. "Ist sie immernoch wach und am winseln?" "Sie schläft, aber Winseln tut sie trotzdem." kicherte Pehtia. "Bei meinen Schuppen, ich weiß nicht, was die Söldnermännchen an ihr finden. So ein Weibchen gebärt bestimmt keine starken Knaben." "Die Elfen wollen auch keine starken Knaben." knurrte Arash mit seiner charakteristisch tiefen und knarzenden Stimme. "Deren Männer sollen schließlich nicht kämpfen, sondern Bäume kuscheln. Wofür haben wir ihnen denn sonst die Shantiri geschenkt?" "Kein Wunder, dass sie sich so selten fortpflanzen." bemerkte Pehtia "Bei so schwachen Männchen hätte ich als Weibchen auch kein Interesse." "Ich hab mal gehört sie singen während der Fortpflanzung." kommentierte Rijok. "Angeblich steigert es die Gesundheit des Kindes." "Das soll ein Männchen mal bei mir versuchen." gluckste das Drah'Zil Weibchen. "Dann geb ich ihm aber Grund wirklich zu jaulen." Nalim stimmte in das Gelächter der Magierin mit ein während sich Rijok und Arash nur etwas betreten ansahen. Jeder von ihnen wusste, dass Pehtia vermutlich nie Eier legen würde. Zum einen waren die Eierschalen bei Infizierten wie ihr so dünn, dass mindestens die Hälfte der Echslinge die ersten Tage nicht überleben würden und zum anderen war Infizierten die Fortpflanzung vom Rat der Ältesten untersagt. Die Bruthöhlen, in denen sie die notwendige Ruhe und Nahrung bekamen, die für das Austragen der Eier notwendig war, waren für sie Tabu. "Du kannst die Elfenweibchen morgen ja mal Fragen was sie an den jaulenden Blumenschmusern so betört." schlug Rijok vor, bevor er hinzufügte: "Es ist wahrlich ein Jammer, dass wir kein Elfenmännchen haben, das uns den Brunftgesang seines Völkchens mal vortragen könnte." Nun ließ sich auch Arash vom Gelächter der beiden anstecken. "Sei doch froh darum." prustete Pehtia und spuckte dabei versehentlich eins ihrer Nama-Blätter ins Feuer. "Überleg nur, wie sehr das die armen Nauglir verstören würde, von Matsch ganz zu schweigen." Nun musste auch Rijok herzhaft lachen. Die Vorstellung wie Matsch versuchte sich einen Reim auf einen nackten, jaulenden Elfen zu machen amüsierte ihn zutiefst. "Vermutlich," scherzte Rijok mit einem schelmischen Augenzwinken, "würde er den Elfen mit einem Baum kuscheln lassen, von unten."

Sie saßen noch eine ganze Weile gemeinsam am Feuer. Wieder im Land ihres Volkes angekommen zu sein, aus dessen Mitte man sie verstoßen hatte, verstärkte nur das Gefühl der Isolation und Einsamkeit, dass sie nach gegenseitiger Gesellschaft suchen ließ. Rijok hatte gespürt wie die Anspannung seiner Leute mit jedem Kilometer, den sie näher an Tremorlor herangerückt waren, gestiegen war. Umso dankbarer war er nun für den Moment des Schalks und der Zerstreuung. Die kommenden Tage würden sie erneut mit Anfeindung, Ablehnung und Verachtung konfrontieren aber solange sie einander als Stützen hatten würden sie auch diese Widrigkeiten unbeschadet überstehen, dessen war er sich sicher.

Rosered_Strauss
21.06.2016, 00:46
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari sandte ein Dankgebet gen Eremon, als Aine sich als Magierin zu erkennen gab. Die Zauberei der Kinder Glenns war zwar noch sehr grob und ungeschliffen, aber schliesslich war es auch nicht allzu lange her, das sie dieses Geschenk empfangen hatten. Aber sie hatte keine Zeit, der Zauberwirkerin bei ihrer Arbeit zuzusehen. Vielmehr besah Sie sich das unmittelbare Umfeld näher und hatte schliesslich einen Baum ausfindig gemacht, der Ihren Zwecken dienlich schien. Leichtfüßig schwang Sie sich in die Äste, die Ihr Gewicht ohne Mühe zu tragen schien. Zwar konnte Sie nicht allzu hoch klettern, wollte Sie das Blätterdach doch nicht bitten müssen, ihre freie Sicht zu gewähren, doch würden die Orken zumindest nicht gleich an Sie heran kommen. Still und verborgen auf Ihrer Position verharrend, spitzte Sie die Ohren und achtete auf verräterische Bewegungen, die im umliegenden Pflanzenwerk zu sehen waren. Die Orks mochten zwar keine schlechten Jäger sein, doch an die Kunstfertigkeit eines Elfen reichten Sie auch mit all Ihrer Übung nicht heran. Ein Stich des Mitleides durchzuckte Alari. Letzten Endes war dieser Konflikt doch nichts anderes als der Streit unter ihren Eltern - und Sie, die Kinder besagter Eltern, konnten nichts anderes tun, als ihren jeweiligen Vätern und Müttern beizustehen. So war es in jeder Familie, und so war es auch bei Orks, Trollen und anderen 'Wilden'. Familie war für Sie alle von Bedeutung. Doch es half nichts. Diesen Konflikt mussten Sie austragen, denn Mitleid alleine hinderte Ihre Feinde nicht daran, all jene zu töten, die einem selbst lieb und teuer waren.

Ein Geräusch drang in ihre Ohren. Das Brechen von Zweigen. Schwere, beschlagene Stiefel, die sich ohne Rücksicht auf die zarte Schönheit des Waldes durch Felder von just erblühten Blumen trampelten. Das gierige Brüllen von Kriegern, die in einen Blutrausch versunken waren, um dem Grauen der Schlacht beizukommen. Dumpfe Hiebe und das Brechen von Rinde, als Kerben in stolze Bäume geschlagen wurden, nur, weil sie unfähig waren, Ihren Weg alleine zurück zu finden. Alari schüttelte den Kopf. Selbst in diesen beiläufigen Handlungen bewies sich, zu welchen Tieren der Krieg sie alle machte. Und wenn Sie ehrlich war, hatte selbst Ihr eigenes Volk einige Handlungen in jenem großflächigen Konflikt begangen, den sie mit zunehmender Intensität als 'Krieg' betitelt hatten, auf die sie nicht stolz war. Aber ohnehin war Sie eine Befürworterin des Friedens. Das Sie gerade deswegen zur Waffe hatte greifen müssen, war ein Umstand, den Sie bedauerte. "Ihre Ankunft steht bevor." liess Sie ihre Stimme erklingen. Die Neuankömmlinge, die sie zuvor noch nicht hatten sprechen hören, sahen zu Ihr auf, doch Sie schenkte Ihnen keine weitere Beachtung. Normalerweise hätte Sie einige aufmunternde Worte für Sie übrig gehabt, doch nun musste sie sich konzentrieren, ihre verbliebenen Kräfte zum größtmöglichen Erfolg bündeln. Sie mussten Zeit gewinnen, auf dass die Zauberin ihren Spruch weben konnte. "Versperrt die Ohren und den Geist. Richtet Euch gänzlich auf jene Berufung, die Euch im Augenblick als die vortrefflichste erscheint! Lasst Euch nicht ablenken, und dies wilde Gebrüll soll sich im großen Grün verlieren und am heutigen Tage nimmermehr an Eure Ohren dringen." Mit dieser Warnung begann Sie Ihr Lied.

(Zur Stimmung: https://www.youtube.com/watch?v=KTlPVNTH-b4. Bis Minute 5 klingt das Lied ungefähr so ;) )

Langsam erklang Ihre Stimme, als sich nun alle Blicke der Anwesenden auf Sie richtete. Ihre Stimme war von einer Energie erfüllt, die keiner von Ihnen je in dieser Weise vernommen hatte - beinahe schien es, als würde nicht eine Einzelne, sondern ein Chor von Elfen die Melodie erklingen lassen. Wie sanfte Wellen schwoll Ihr Gesang auf und ab, als sich der Blick der Willensschwachen unter den Zuhörern unweigerlich in der Umgebung verlor und ziellos wurde. Sie konnte an den Orken hören, wie die ersten in ihrer Raserei nachliessen, verwirrt und eingelullt von dem Sirenengleichen Lied, das aus Ihrer Kehle drang. Ihre Stimme war das süße Quellwasser, dass dem Verdurstenden Rettung versprach; Land für jene, die zu ertrinken drohten; und fester Boden für jene, die verzweifelt um Halt rangen. Er war eine schöne Gestalt, ein freundlicher Wegführer, der den Verirrten an die Hand nahm und fort von all dem Grauen führte, das die Realität für Ihn bereit hielt. Es schien, als würde der Wald selbst auf Alaris Gesang antworten, als sich Wege durch das Dickicht bahnten und Unterholz dort wich, wo zuvor noch kein Durchkommen gewesen war - nur, um sich hinter den hindurch Schreitenden wieder zu verschliessen und Sie somit heillos in die Irre zu führen. Ihr Gesang war die zarte, lustvolle Verdrängung all dem, was im Moment zuvor noch wichtig gewesen war - und die, die Ihm zu aufmerksam folgten, wurden von Ihm hinfort getragen wie ein Stück Treibholz, das in einen vor sich hin plätschernden Bach fiel. Langsam, aber stetig wurden die ersten Orken von der Meute fort getrieben, suchten andernorts, verloren sich im Wald.

Der Wind selbst trug Ihr Lied in den Wald hinaus, ganz so, als jubilierte Eremon, dass ein solches Lied nach Zeitaltern des Schweigens erneut gesungen wurde.

coel
21.06.2016, 10:45
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDas Kribbeln war nun so intensiv, dass es sich anfühlte, als würde lauter kleine Nadeln in ihre Haut gestochen werden. Es war kein unangenehmes Empfinden, aber es machte Aine unruhig. Chandra, ihre Lehrmeisterin, hatte ihr damals eines dieser Risse gezeigt. Es waren Zeitrisse, die durch Teleportation entstanden. Eine Art der Reise, die eigentlich in der Natur nicht vorgesehen war und das Gefüge ins Ungleichgewicht brachte. Das Schlimmste, was passieren konnte, dass Deimonen durch den Riss in die Welt strömen würden oder man selbst in deren Welt landete. Allein der Gedanke ließ Aine schaudern. Die Orks waren grausame und erbitterte Krieger, aber gegen Deimonen würden sie den Kürzeren ziehen. Zumindest hatte das Aine gelesen und über Deimonen gab es nur verbotene Literatur, dafür hatte der Magierzirkel gesorgt.
Sie konnte den Riss sogar sehen. Ein kaum erkennbares Flimmern, dass sich wie eine Wunde durch die Luft zog, die man unbarmherzig mit einem Schwert geschlagen hatte. Es wirkte eindeutig unnatürlich und Aine fragte sich, wer hier eine Teleportation oder sogar eine Deimonenbeschwörung vollführt hatte. Egal, wie es passiert war, sie musste dies nun ausnutzen, sonst würden sie nicht von hier wegkommen.
Sie schlug ihr Buch auf und blätterte hastig durch die Seiten. Nach kurzer Zeit fand sie den Teleportationszauber. Deutliche Warnungen waren bei diesem Spruch eingetragen worden, aber Aine brauchte sie nicht zu lesen. Jede Sekunde zählte, denn die Orks würden sie finden. Immerhin standen sie inmitten einer Lichtung, ganz so, als würden sie sich dem Feind darbieten wollen.
Es war ein schwerer Zauber. Hätte Aine sich mehr mit der Magie beschäftigt und geübt, müsste sie nicht einen Kreis aufzeichnen, damit sie den Zauber stabilisiert. Aufmerksam ging sie jedes Wort im Kopf durch. Es gab mehrere Varianten des Zaubers. Sie wählte die Sicherste von diesen, denn sie glaubte nicht, dass sie die anderen erfolgreich umsetzen würde. Sie kaute verärgert auf ihren trockenen Lippen. Wenn sie Chandra jetzt so sehen würde… Sie wollte gar nicht daran denken.
Sie holte tief Luft und sprach dann zu den Männern und Frauen, denen sie auf dem Weg hierher begegnet waren und mitgenommen hatten. Unter ihnen befanden sich auch die Elfe und der Trolljäger.
„Ich werde mit dem Zauber beginnen! Haltet euch bereit! Die Grünhäute werden uns hören und sie werden kommen.“
Die Gesichter um sie herum wurden hart und verbissen. Sie hatten einen Funken Hoffnung geschöpft und würden diesen verteidigen. Gut, dachte sich Aine, dann erhöhen sich auch meine Überlebenschancen, wenn sie mich schützen.
Mit ihrer Feuermagie hatte sie einen magischen Zirkel in den Boden gebrannt. Sie hoffte, dass dieser bei dem Regen standhalten würde, denn plötzlich donnerte es geräuschvoll und vereinzelt fielen Tropfen vom Himmel herab.
Sie wollte gerade anfangen den Zauber zu sprechen, da hörte sie einen fremden Gesang aus einer Baumkrone. Es war… unbeschreiblich. So etwas hatte Aine noch nie vernommen. Sie spürte die Magie in dem Lied, eine ganz besondere Art von Magie. Fast als wäre diese aus einer anderen Zeit. In dieser Elfe steckte scheinbar mehr als nur ihre beeindruckende Schönheit.
Aine wandte sich ab und konzentrierte sich. Sie musste den Riss größer machen, damit auch alle hindurch konnten. Obwohl Aine nicht viel vom Beten hielt, gab sie sich einen Moment die Götter um ihre Gunst zu bitten. Dann begann sie die Formel aufzusagen.
Ein immer lauter werdendes Knistern erfüllte die Lichtung. Die Grünhäute hatten nun ein Ziel und sie marschierten ohne Zögern in diese Richtung.

Aine ist beschäftigt und die Orks kommen. Ihr könnt auch Goblins und Trolle einfügen. Es wird eine grüne Masse kommen. Zwar nicht so gewaltig wie in der Schlacht, aber groß genug, um euch mit der Zeit zu überrennen. Vor allem, da Rosered nur die schwachen Geister fortgejagt hat, werden bösere kommen ;)

Hier noch ein Bild von einem Ork (http://orig00.deviantart.net/26a1/f/2014/254/e/0/orc_overlord_by_88grzes-d7ysbn9.jpg), Goblin (http://vignette4.wikia.nocookie.net/labibliotecadelviejomundo/images/d/d2/Gobbo.jpg/revision/latest?cb=20130419205944&path-prefix=es)und Troll (http://orig09.deviantart.net/48e0/f/2012/016/4/c/forest_ogre_by_guzboroda-d4mj5xj.jpg), damit ihr euch die Biester vorstellen könnt.

Rosered_Strauss
22.06.2016, 13:30
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari musste nahezu ihre ganze Konzentration auf die Orks und Goblins richten - und kam doch nicht umhin, um einzelne Eindrücke der Magierin bei Ihrer Arbeit aufzuschnappen. Sie wunderte sich immens darüber - Sie hatte nicht gehört, dass eine menschliche Maga bereits einen solchen Grad der Meisterschaft erlangt hatte. Zwar war ihre Art der Zauberkunst nach elfischen Maßstäben roh und grob, doch die Kräfte, die sie zu bündeln verstand, überstieg das, was sie selbst an Macht zu entfesseln vermochte, bei weitem. Schaffte Sie es etwa, sich an dem Überbleibsel der Magie Ihres Meisters zu bedienen? Doch diesen Gedanken konnte sie nicht weiter nachhängen, zu dringlich war die drohende und äusserst greifbare Gefahr. Mit einem gutturalen Brüllen signalisierten die Grünhäute, dass die kleine Gruppe bemerkt hatten. Alari war plötzlich sehr froh, diese Menschlinge gefunden zu haben, ansonsten hätte Sie sich den kräftigen Kindern Noroshs womöglich alleine stellen müssen, hätten diese Sie eingeholt. So aber konnte Sie die kräftigen Schwertarme Ihrer Alliierten mit dem Bogen unterstützen, anstatt sich selbst im Nahkampf wieder zu finden. So erschöpft, wie sie war, war sie für diesen Umstand mehr als dankbar. Jedoch würde sich das wohl früher oder später nicht vermeiden lassen, waren Ihre Pfeile doch begrenzt, während die Horde, der Sie alle sich gegenüber sahen, ohne Zahl schien.

So war es auch die Elfe, die den ersten Schuss abgab. Als die Orken gerade noch brüllten, um sich selbst noch weiter in Rage zu versetzen, löste sich der Pfeil von der Sehne Ihres Bogens, schnellte durch die Bäume hindurch und bohrte sich in die Schulter der vordersten Grünhaut. Deren Schrei brachen ab, um durch ein Jaulen ausgetauscht zu werden, als sich jedoch der Rest auf die Lichtung stürzte. Ihnen allen war klar, dass Sie auf Zeit spielen mussten. Daher legte es Alari vor Allem darauf an, Ihre Verbündeten zu schützen. Wann immer ein Ork versuchte, Ihnen in die Flanke zu fallen oder einer der Kämpfer in allzu starke Bedrängnis geriet, sandte sie einen Pfeil in Richtung des entsprechenden Aggressors, dem gegenüber besondere Vorsicht gewaltet werden musste. Ohnehin hatte Sie nicht die Zeit, Ihre Schüsse auf besonders lethale, kleine Stellen zu richten - zu groß war die Anstrengung, während des Kampfes überhaupt noch das Lied zu singen, das es Ihnen ermöglichte, nicht völlig überrant zu werden.

Fruwluamressaw
23.06.2016, 00:51
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png
Vergangenheit:
Gerade erreichte sie die "frohe Botschaft". Groznok Khull. Den kannte sogar sie, obwohl sie sich nicht sonderlich für Orks interessierte. Orks zu Bestehlen wäre etwas für Leute, die gerne am Limit leben und die einen Fetisch für stinkige Lumpen haben. Zu diesen Leuten, wenn es sie überhaupt gab, gehörte Nezlez ganz sicher nicht.
Sie war alles andere als erfreut. In eine Schlacht zu ziehen war ein Risiko ohne eine nennenswerte Belohnung. Und nichts anderes würde er von ihr verlangen. Mit ihm zu reden war vermutlich aussichtslos, aber sie wollte dem Idioten, der ihr die Lebenszeit rauben will, Angesicht zu Angesicht begegnen.
Also sprach sie mit ihren Männern:
"OK hört zu. Er ist ein hässlicher, aufgepumpter Wichser. Das finde ich und ihr solltet das auch finden..." Einer ihrer Männer, er war ein großer Bewunderer der Orks, machte schon Anstalten den Mund aufzumachen, doch sie bemerkte es und erstickte seine Intention mit einem bösen Blick in seine Richtung. "Ihr würdet es spätestens dann finden, wenn euch sein ekliger Gestank entgegenschwebt. Er will meinen Trupp für seine Armee, und das ist eine Frechheit. Trotzdem müsst ihr die Klappe halten. Lasst mich sprechen und steht solange einfach da. Von mir aus haut euch gegenseitig, ist mir egal, aber wehe ich sehe einen von euch an seinen miefigen Zehen rumlecken, dann bringe ich ihn um!"
Keine Widerworte, nur das typische herumgetuschel. Sie drehte sich um, machte eine seitliche Bewegung mit dem Kopf um anzudeuten, dass man ihr folgen sollte und ging mit ihrem Trupp zu Groznok.
Als sie vor ihm Stand, war es durchaus nochmal ein seltsames Gefühl, jemandem gerade mal bis an den Gürtel zu gehen. Aber das änderte nichts an ihrer schlechten Laune, schon gar nicht, als er äußerst grimmig zu ihr hinab blickte, als er sie sah. Sie erwiderte seinen Blick sehr entnervt.
"Nässläss, als ich von deinem Ruf hörte, hätte ich dich mir...größter vorgestellt. Allerdings, du bleibst eine Gobbos schätze ich. Er grinste böse." Das ärgerte sie, aber angesichts seiner Erscheinung beherrschte sie sich und fragte nur scharf "Was willst du?" "Das weist du. Ihr werdet mich morgen begleiten. Du und deine Leute. Wie der Rest deines Stammes und auch alle Stämme in der Umgebung. Ich hoffe, dass du dich genauso auf die Schlacht freust wie ich es tue." Es war nicht seine Absicht, zu scherzen. Kalt und eindringlich schaute er sie von Oben herab an, wissend, dass sie im Zweifelsfall auch Futter statt Mitstreiterin sein würde. Nezlez wurde verunsichert. Aber so schnell wollte sie sich noch nicht abwimmeln lassen. "Nagut, kein Problem, aber... was haben mein Trupp und ich davon?" Groznoks Gesichtsausdruck verhärtete sich. "Du hast davon, dass du vorerst überlebst. Und wenn du deine Sache gut machst, wirst du auch noch eine Weile weiter überleben. Wenn ihr Glück habt findet ihr vielleicht die Gelegenheit, einige der Toten mit euren dreckigen Fingern zu plündern." Er schaute sie recht abfällig an. "Aber vorher werdet ihr kämpfen, Gobbos". An der Sache mit dem Plündern war etwas dran. Vermutlich würden die Soldaten der feindlichen Truppe weit wertvollere Gegenstände mit sich führen, als einfache Bauern oder arme Händler. Außerdem war Groznok anzusehen, dass er weitere Widerworte nicht dulden würde. Darum nickte sie nur noch kurz, aber nicht ohne ihm einen grimmigen Blick zuzuwerfen. Einer ihrer Männer jauchzte freudig auf und hielt sich dann den Mund zu. Als sie sich umdrehte und ging, wandte sie sich Augenrollend an Pemp. "Du bist wirklich peinlich weist du das."

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Gegenwart:
Da waren sie nun also. Im Wald, direkt anbei der Schlacht. Nezlez hatte das Chaos der Schlacht so gut es ging ausgenutzt und hatte sich mit ihren Männern nach und nach abgekapselt. Natürlich war sie nicht desertiert...sie hatte ihre strategische Position verlagert. Natürlich hätte sie auch bei den Hauptstreitkräften bleiben können. Es wäre nicht einmal so unsicher gewesen, zumindest wirkte es bisher so, als wäre die Armee der Orks zahlenmäßig den Gegnern weit überlegen. Aber sie hatte gerne eigenen Handlungsspielraum. Nach der Pfeife von Groznok zu tanzen, war schlussendlich nicht ihr Ding. Nicht alle ihrer Männer waren noch bei ihr. Zwei fielen im Kampf durch den Gegner, einer wurde aus versehen von einem der Orks erschlagen, der etwas sehr fahrig mit seine Axt umging. Pemp und sein bester Freund Kassk blieben bei den Hauptstreitkräften. Für Diskussionen war keine Zeit mehr gewesen. Das bedeutete, dass sie noch 7 Goblin hinter sich hatte. Sie waren also insgesamt zu 8t.
Obwohl die Goblins in ihrem Trupp wie die meisten Goblin nicht besonders helle waren, bewegten sie sich außerordentlich geschickt im Wald, das musste man ihnen lassen. Während die Orks sich über solche Dinge keinerlei Gedanken machten, und auch nicht machen mussten, hatte Nez' Goblintrupp gelernt, sich möglichst lautlos an die Opfer ihrer Raubzüge zu schleichen. Einige Meter vor ihr sah sie Frex auf sich zukommen, sie hatte ihn zum spähen vorausgesendet, als sie in einiger Entfernung Schritte hörte. Sie nickte ihm kurz zu. "Menschhhen! Ein großer Starker und noch drei weitere. Dann eine Menschenfrau. Und eine garstige, GARSTIGE Elfin!" Er spuckte angewidert zur Seite. "Vergiss doch nicht das wichtigste, depp, haben sie etwas brauchbares dabei? Sind es Soldaten?" "Soldaten...hm...hm...vielleicht! Bewaffnet alle, aber die meisten verletzt, der Große macht mir Angst, die anderen nicht! Oh oh! Oooh! Die Menschenfrau! Sie! Sie sah so aus wie eine, die etwas von Wert dabei haben würde! Ja, ja!"
Sie dachte kurz nach. Sie waren zu 8t. Wenn Frex gut gesehen hatte, waren ihre Feinde etwa zu 6t. Das waren eigentlich noch zu viele, aber wenn sie verletzt waren, sahen ihre Chancen gut aus. Und das mit der Menschenfrau reizte sie. Bestimmt würde sie Schmuck und Juwelen besitzen. "Wir folgen ihnen!" beschloss sie und sie machte sich mit ihrem Trupp schnell wieder auf den Weg. Gelotst wurden sie von Frex, dessen Begeisterung nun entfacht war, da er eine so wichtige Rolle gut ausgeführt zu haben schien.
Sie verfolgten die Menschen und die Elfe bis kurz vor den Rande einer Lichtung. Keiner von den Goblins hatten je die Magie richtig kennengelernt. Schon garnicht Elfische. Der plötzliche Gesang war für die Goblin fremd und unheimlich. Nezlez spürte, wie ihr Elan sank und sie auf einmal müde wurde. Fast wäre sie kurz zusammen gesackt, dann schoss es ihr durch den Kopf. ("Die Elfe! Sie will uns verhexen!") Verärgert schüttelte sie sich und schaute nach den anderen Goblin die ähnlich beeinflusst wurden. Sie zischte und boxte einige von ihnen an, sagte ihnen, sie sollten sich gefälligst zusammenreißen und nicht auf das Gesülze irgendeiner elfischen Hure hereinfallen. Manche schafften es, sich zusammenzureißen, andere hielten sich zur Sicherheit die Ohren zu.
Sie schlichen sich weiter heran, begannen zu kriechen und schließlich konnte sich Nezlez selbst ein Bild machen. Was sie sah gefiel ihr. Frex hatte Recht gehabt, mit der Art ihrer Feinde und auch was die Frau betraf. Die anderen Menschen standen schützend um sie herum. Sie musste etwas wertvolles bei sich tragen, vielleicht war sie sogar selbst wertvoll als Geisel. Nezlez wurde sich in ihrem Vorhaben immer sicherer. Und doch war sie auch beunruhigt. Die Frau laß in einem Buch. Irgendetwas seltsames war an dieser Lichtung, irgendetwas seltsames lag in der Luft. Es war nicht nur der Elfengesang, Nez spürte, dass noch mehr Magie im Spiel sein musste. Und das Trommeln und Gebrülle, dass sich in den Gesang mischte, war auch nicht sonderlich hilfreich. Moment.
"Verdammte scheiße!" fluchte sie. "Sind nicht mehr alleine, Herrin! Die Orkse sind nachgerückt", flüsterte einer ihrer Männer zu ihr.
Das hatte ihr gerade noch gefehlt. Nicht nur, dass ihre ersehnte Beute Magiebewandert war, nun kamen auch noch die Orks und wollten ihr ihre Beute streitig machen. Das einzig Gute war, dass die Orks auf IHRER Seite waren. Sie wäre gerade ungern in der Haut der Menschen auf der Lichtung.
Sie drehte sich kurz zu ihrem Trupp und sprach in sehr ernstem Ton: "Bleibt unten!! Wir lassen die Orks die Vorarbeit leisten. Vielleicht gelingt es uns, den richtigen Moment abzupassen. Mich interessiert nur die Frau. Alle anderen können wir ruhig sterben lassen."

coel
23.06.2016, 12:22
https://abload.de/img/ainecyauv.pngJeder Zauberkundige wusste, dass die Art wie Aine den Riss öffnete, plump war. Gewandte Magier konnten eine Teleportation bewerkstelligen, ohne dabei gewaltsam ein Portal zwischen den Welten zu erschaffen. Wenn ihre Lehrmeisterin sich teleportierte, war es wie ein Schnitt mit dem Skalpell. Hingegen benahm sie sich wie der unerfahrene Metzger mit einer Säge.
Doch es reichte. Es musste ausreichen.
Die Orks hatten sie gefunden und den Kampf zu ihnen getragen. Die Soldaten, die sie auf dem Weg hierher gefunden haben, klammerten sich verzweifelt daran zu überleben. Die Elfin schoss ihren letzten Pfeil in das Auge eines Orks ab, der gerade eine am Boden liegende weibliche Soldatin erschlagen wollte. Dankbar nickte sie der Elfin zu, richtete sich auf und stellte sich dem nächsten Gegner.
Wo es anfangs nur ein paar vereinzelte Orks waren, kamen nun immer mehr. Kriegshörner dröhnten grauenhaft durch den Wald und kündeten Verstärkung an. Eine muskulöse Orkfrau mit einem schartigen Zweihänder hackte mit zwei Hieben gleich zwei Männer nieder, nur um daraufhin durch den Trolljäger zu sterben. Sein Schwert hatte ihren Kopf von den Schultern getrennt und dunkelrotes Blut, das fast schon schwarz war, spritzte aus dem Halsstumpf in jede Richtung.
Schweißperlen sammelten sich auf der Stirn von Aine, während sie langsam den Riss auseinanderklaffen ließ. Es war nun soweit, doch bevor sie die Überlebenden zur Flucht aufrufen konnte, sprang sie ein Goblin an. Seine Klinge verfehlte knapp ihre Kehle und von der Wucht seiner Attacke sowie von der Überraschung fiel Aine rückwärts auf den Erdboden. Seine gelben, spitzen Zähne grinsten sie überlegen an und die Klinge näherte sich wieder gefährlich. Eine freie Hand nutzte Aine jedoch, um einen Zauber zu bündeln. Geifer tropfte ihr ins Gesicht.
„Stirrb, Menschenweib!“, zischte der dunkelgrüne Goblin und verstärkte den Druck auf das Messer, um den abwehrenden Arm von Aine zu schwächen.
„Nein“, sagte Aine grimmig.
Das Fleisch schmolz beinahe von den Knochen des Goblins, nachdem sie ihre Hand, die wie der heißeste Schmelzofen brodelte, sich in dessen hässliche narbige Grimasse presste. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihr abrupt in die Nase. Sein Todesschrei war kurz, dann lag sein Körper ohne jegliche Regung auf ihr. Schnell stieß sie den Leichnam von sich, stand stöhnend auf und bemerkte die näherkommende Gruppe von schwarzgekleideten Goblins. Jeder Blick aus den kleinen roten Augen war teuflisch und blutgierig. Das Gewitter und der Kampflärm hatten ihr Anschleichen verschleiert und nun befanden sie sich hinter der Verteidigungslinie.
„Schnappt sie!“, kreischte eine weibliche schrille Stimme aus der kleinwüchsigen grünen Rotte.
Doch bevor diese ihren Befehl in die Tat umsetzen konnten, ertönte ein markerschütterndes Gebrüll. Für einen Augenblick erstarb der Kampflärm und nur das Aufschlagen der Regentropfen war zu hören. Eine massive Gestalt stampfte auf ihre Position zu. Seine Aura war fast greifbar, so eine Macht strahlte das gewaltige Monster von einem Ork aus. Seine Größe schien beinahe an die drei Meter zu sein. Abgetrennte Schädel von Menschen, alt wie auch frisch, hingen aufgespießt seinem groben Stachelschild.
Furchterregt wichen die Grünhäute, Menschen und die Elfe zurück, als der Größte aller Bosse sich wie ein unaufhaltsamer Felsbrocken auf sie zubewegte.
Groznok Khull richtete seine grobschlächtige doppelschneidige Axt in deren Richtung.
„Da feigen Mänschenz!“, brüllte er heraus, „Tötet se alle!“
Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, erschlug er einen der umstehenden Orks mit einem kraftvollen Hieb seiner Axt und brach somit den Bann, den sein Kommen auf sie alle gelegt hatte.
„Der Riss ist offen! RENNT!“, schrie Aine so laut sie konnte.
Zuerst sprangen zwei Soldaten hindurch, gefolgt von dem Trolljäger, der sich einen schlaff herabhängenden rechten Arm hielt. Die Elfe zögerte, doch auch sie trat in den Riss. Wenige Augenschläge waren vergangen, als auch Aine fliehen wollte, da spürte sie einen Ruck.
Die weibliche Goblin klammerte sich an ihr goldbeschlagenes Buch und versuchte die Kette zu lösen.
„Du entkommst nicht, Menschenweib!“, kreischte sie bösartig.
Aine schlug mit einer Faust nach ihr, aber anstatt sie zu treffen, bohrten sich ihre Zähne in ihre Hand. Schmerzhaft aufschreiend, fand Aine nur noch einen Weg ihrem Tod zu entrinnen.
Sie sprang in den Riss und eine Goblin wurde mitgezogen.
Mit einem gewaltigen Knall fiel der Riss in sich zusammen und schleuderte Orks wie auch die verbliebenen Menschen, die die Flucht ihrer Kameraden sichern wollten, beiseite.

...
Die Sonne brannte heiß und unbarmherzig. Immer wieder stießen sie auf die Überreste von Reisenden, die sich nicht ausreichend vorbereitet hatten. Entweder tranken sie zu gierig ihr Wasser, verirrten sich oder fielen den anderen Gefahren der Wüste zum Opfer. Es war keine leichte Strecke für sie, denn sie schleppten auch noch Sklaven mit sich. Der Käfig mit seinem Inhalt wog schwer und verlangsamte sie enorm, weswegen sie fast doppelt so viel Proviant mitnehmen mussten, um sich nicht plötzlich gezwungen zu fühlen, dass sie sich von ihrer lebenden Ware ernähren müssen.
Obwohl die Menschen und Elfen in ihrem verhangenen Gefängnis unter der Hitze litten, so traf es doch den Troll am Härtesten. Matsch war es nicht gewohnt derartige Strapazen auf sich zu nehmen. Nalim kannte sich zwar nicht mit Trollen aus, aber man sah es deutlich ihm an. Es verstärkte nur seine Meinung von der Dummheit dieser Kreaturen, dass es Rijok überhaupt folgte. Selbst, wenn es dafür leiden musste.
Nalim hatte an diesem Tag die Späheraufgabe inne und ritt mit seinem Nauglir weit vor dem Sklavenzug. Sie benutzten einen der Karawanenpfade, da dieser sich durch trockene Erde sicherer als bloßer Sand erwies. Der Troll konnte zusammen mit den Nauglir den Käfig aus dem Wüstensand heben, falls dieser wieder einmal eingesunken war, aber die Zeit, die dabei verging, machte sie zu leichten Zielen. Wenn etwas Rijok hasste, dann war es ein unnötiges Risiko einzugehen, das wusste jeder von ihnen.
Nalim gönnte sich einen Schluck aus seiner Kürbisflasche. Die Drah’Zil waren derartige Temperaturen gewohnt und brauchten auch deutlich weniger Flüssigkeit. Ihren Brüdern auf der Insel würde es allerdings etwas schwerer fallen.
Er konnte bereits schwach in der Ferne das Dorf Salingen. Dort würden sie rasten und ihre Vorräte aufstocken, um danach weiter zum Handelszentrum von Ashan zu ziehen. Er freute sich auf die Basare mit ihren verschiedenen exquisiten und außergewöhnlichen Waren. Wenn er Glück hatte, könnte er vielleicht ein neues Langschwert erwerben.
Nalim wurde schlagartig in seinen Gedanken unterbrochen, als sein Nauglir aufgeschreckt zurücksprang und brüllte. Er versuchte das Tier zur Vernunft zu bringen, doch da spürte es selbst. Ein unangenehmes Knistern, feine Nadeln, die sich durch seine dicken Schuppen bohrten. Mit einem lärmenden Knall fielen nicht unweit von ihm mehrere Gestalten auf den staubigen Boden. Nalim traute seinen Augen nicht.
Nachdem er seinen Nauglir beruhigt hatte, näherte er sich vorsichtig diesem Phänomen.
...

Alles schmerzte. Es war heiß und sie spürte wie Sand in ihren Mund drang, als sie diesen leicht öffnete. Der Nebel vor Aine’s Augen lichtete sich nach und nach.
Sie vernahm ein Schnauben. Sie drehte ihren Kopf in die Richtung dieses Geräusches, um kurz darauf, erschrocken in das schuppige Gesicht einer schweren Echse zu blicken. Auf dieser ritt ebenfalls eine weitere Echse, die jedoch im Vergleich zu ihrem Reittier weitaus intelligenter wirkte. Allerdings beäugte sie diese humanoide Echse auf eine Art, wie es sonst nur Kaufmänner bei Waren taten.
Aine schützte ihre Augen vor den Sonnenstrahlen und wollte etwas sagen, da unterbrach sie bereits die Echse, deren gelbe Schuppen vereinzelt weiße Stellen hatten.
„Du hast dich umsonst geärgert, mein verehrter Rijok. Anscheinend werden wir doch mit reicher Ware zurückkehren.“

Willkommen in der Wüste von Tremorlor!

Ihr seid alle ohnmächtig in dieser gelandet. Wer sagte, dass meine Dame gut zaubern kann? Sie hat euch geradewegs in die Arme der Sklavenjäger befördert ^^
Viel Spaß im Käfig und auf dem Weg zur Oase von Salingen. Einem kleinen Dorf, welches auf dem Weg zur großartigen Handelsstadt von Ashan ist.

Ihr seid übrigens alle ziemlich geschafft von den Kämpfen, d.h. jede Faser eures Körpers schmerzt. Es ist verdammt heiß, was keiner von euch gewohnt ist.
Viel Vergnügen beim Schreiben, ihr Sklaven!

Aeon525
24.06.2016, 10:46
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngDer stechende Geruch nach Schweiß und Fäkalien, der sich Rijok entgegenwarf, als er die Plane zurückschlug, lies selbst die Nauglir angewidert aufschnauben. Mit dem ohnehin stark ausgeprägten Geruchssinn der Drah'Zil war der Gestank für den weißgeschuppten Sklavenhändler kaum zu ertragen. Mit einem genervten Knurren bemerkte er, dass der Notdurfteimer dringend geleert werden musste. Eigentlich war es Aufgabe des Eigentums den Käfig in einem ordentlichen Zustand zu halten, doch die heißen Temperaturen hatten sie noch behäbiger gemacht als ohnehin schon. Scheinbar fühlte sich nun keiner von ihnen mehr zuständig. Rijok stieß einen verärgerten Zischlaut aus. "Du!" er deutete auf das blonde Menschenweibchen, das als einzige von den Neuankömmlingen bereits wach war. "Du hast Latrinendienst! Wenn wir unterwegs sind und der Eimer voll ist, kippst du ihn nach hinten aus. Nicht nach vorne und nicht zur Seite. Nach hinten! Verstanden?" Er wartete eine Antwort gar nicht erst ab. "Wenn du dafür zu dumm bist, werde ich die Söldner fragen, ob sie womöglich einen Nutzen für dich haben." Damit zischte er ein letztes mal bedrohlich und lies die Plane wieder über die Stahlstreben fallen.

Er war angespannt. Eigentlich sollte er sich über den unverhofften Fund freuen, und das tat er auch. Allerdings konfrontierte ihn die neue Ware auch mit Problemen. Der Mann war ein Geschenk des Schicksals. Er war deutlich kräftiger als die Fünf, die er bisher hatte und würde mit Leichtigkeit für das Doppelte seiner männlichen Konkurrenz über die Ladentheke gehen. Die Weibchen hingegen waren ein Problem. Die Nachfrage nach menschlichen Weibchen war in Ashan äußerst überschaubar und die größeren Märkte der Fürstentümer würde er erst wieder in einigen Wochen besuchen. Das bedeutete er würde, statt drei, nun fünf Weibchen durchfüttern müssen, fünfeinhalb mit dem Goblin. Rijok konnte nicht anders als pausenlos im Kopf nachzurechnen, ob sich die Investition für ihn tatsächlich lohnte. Sicher, er beklagte sich nicht über geschenktes Gut und die Frauen, mal von dem Goblin-Weibchen abgesehen, waren eindeutig hochwertige Ware und in der oberen Preisklasse anzusiedeln. Als Pehtia sie entkleidet hatte, war das für die Söldner ein absolutes Spektakel gewesen. Gejohlt und gepfiffen hatten sie. Rijok konnte ihre Aufregung beim besten Willen nicht nachvollziehen aber sie zeigte ihm deutlich, in welche Preiskategorie er die Weibchen einzuordnen hatte.

Die blonde Menschin hatte sich selbst entkleidet, allerdings nicht ohne vorher so lange zu zetern bis sie die Aufmerksamkeit der Nauglir auf sich gezogen hatte. Deren interessierte Blicke hatten sie sehr schnell sehr kleinlaut werden lassen. Nun trug auch sie die gleiche dunkelbraune Kutte wie die andere Ware, selbst das Goblinweibchen. Ihre Kutte war eigentlich für Kinder gedacht und etwas zu lang aber laufen musste sie im Moment ohnehin nicht.

Nachdem Rijok nun nach seinem neuen Eigentum gesehn hatte, stieg er wieder auf seine Reitechse und gesellte sich zu Arash und Pehtia, deren Nauglir im Moment den Wagen zogen. Nalim war voraus geritten um in Solingen schon einmal Abendessen und neues Proviant zu bestellen. Das plötzliche Auftauchen der seltsam zusammengewürfelten Gruppe hatte sie beinahe eine ganze Stunde gekostet. Eigentlich hatte Rijok Solingen vor Beginn der Dämmerung erreichen wollen. Nun begann es bereits zu dunkeln und die Silhouette des Dorfs war noch in weiter Ferne.

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Sie erreichten die kleine, nur mit einem Palisadenwall geschützte, Siedlung kurz vor Mitternacht. Zu ihrem Glück war der Mond in dieser Nacht voll und tauchte die Wüste in silbernes Licht. Nalim wartete bereits mit vollen Proviantkisten und einem halben Dutzend Fleischspießen auf sie. Obwohl ihnen allen der Magen knurrte, befahl Rijok vor dem Essen die Zelte aufzubauen. Da der Sklavenhändler und seine Begleiter unter Bleichhaut litten, durften sie das Dorf nicht betreten und mussten ihr Quartier jenseits der provisorischen Mauer errichten. Nachdem auch das letzte der Zelte aufgebaut war, wurden die Lagerfeuer entzündet und Echsen und Söldner saßen jeweils unter ihresgleichen zusammen, lachten tranken und aßen.

"Die Ware muss noch gefüttert werden." erinnerte Pehtia. Rijok und Arash lagen auf dem Rücken und starrten mit leicht entrücktem Blick in den sternenklaren Nachthimmel. Arash gluckste nur vergnügt, während seine spitz zulaufende Zunge mit einem der Nama-Blätter in seinem Mund spielte. "Kannst du nicht gehen?" fragte Rijok ungewohnt zaghaft. Die betörenden Blätter ließen ihn regelrecht handzahm werden, eine Tatsache, die seinen Begleitern nicht entgangen war. "Ich hab vorhin schon die Nauglir versorgt." antwortete die Magierin ruhig aber bestimmt. "Was ist denn mit Nalim?" "Der hat sich hingelegt, weil er später Wache hat." Rijok zischte verärgert, überlegte einen Moment und entschloss sich dann doch dafür aufzustehen. Wüst fluchend rappelte er sich auf und strich den Sand von seinen schneeweißen Schuppen. Einen würdevollen Eindruck machte er dabei nicht, aber immerhin stand er nun auf seinen Beinen. In einer weit ausholenden, regelrecht theatralischen, Bewegung griff er sich den Sack mit den Rationen, die vor allem aus Wasserflaschen, Brot und etwas gepökeltem Fleisch bestanden, und wuchtete ihn über seine Schulter. Dabei machte er einen so jämmerlichen Eindruck, dass Pehtia beschloss ihren Anführer zu begleiten, damit er nicht noch aus Versehen auf einen schlafenden Nauglir trat.

Dieses Mal war der Gestank weit weniger aufdringlich. Scheinbar hatte das blonde Weibchen ihre Aufgabe verstanden. Rijoks Augen brauchten nur wenige Sekunden, um im Dunklen des Käfigs die 12 Augenpaare auszumachen, die ihm mit einer breiten Variation von Emotionen entgegenstarrten. Immerhin hatten sie sich noch nicht gegenseitig umgebracht. Ausgezeichnet. "So viele hungrige Mäuler." lamentierte er mit einer leichten Melodie in der Stimme und an die Frauen gewandt fuhr er fort. "Ich hoffe aufrichtig, die Adligen in den Fürstentümern sind genauso interessiert an euch wie die Söldner." Sein Blick glitt über die verschwitze, im Mondlicht glänzende, Haut und die sich unter dem Stoff abzeichnenden Wölbungen, ohne auch nur den Hauch einer Regung in ihm auszulösen. "Ich werde es nie verstehen." murmelte er, während er eine kleine Luke aufschloss, durch die er anschließend den Proviantsack drückte. Er hatte das kleine, quadratische Fenster gerade wieder verschlossen, als sein Blick auf das Goblinweibchen fiel, das etwas abseits der Gruppe saß. "Sag mal Goblin." begann er, einer plötzlichen Eingebung folgend. "Für was ist Deinesgleichen eigentlich zu gebrauchen? Ins Bett nehmen wollen dich die Schuppenlosen bestimmt nicht und wie eine kräftige Arbeiterin siehst du mir auch nicht aus. Warum sollte ich dich nicht direkt an die Nauglir verfüttern?"

Fruwluamressaw
24.06.2016, 13:11
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png
Es ging alles sehr schnell. Unermüdlich und gierig nach Blut rasten die ersten Orks und Goblin der Armee an ihrem Trupp vorbei auf die Menschen zu und attackierten diese. Es war deutlich, dass die Menschen dem Druck der Orkarmee nicht lange standhalten konnte und schnell sah es sehr brenzlich aus. Nezlez kniff die Augen zusammen und beobachtete die Menschenfrau. Ihr Ziel. Was GENAU tat sie da eigentlich? Ihre seltsame Magie. Es schien so, als würde sich ein Riss in die Luft reißen der sich dann immer weiter öffnete. War es ein magischer Angriff? Oder gar eine Art magische Tür zur Flucht? Sie hatten keine Zeit mehr. Jetzt oder nie.
"Los!!" rief sie ihren Männern zu. Frex war der Erste, wie aus einer Pistole geschossen düste er los. Heute war sein Tag. Er würde sich ein zweites Mal beweisen und endgültig wäre er Nezlez rechte Hand. Vielleicht sogar würde er den Trupp selbst übernehmen können. Jetzt war er nah genug. Siegessicher sprang er die Frau an und verfehlte mit seinem Messer nur knapp ihre Kehle. Sie fiel auf den Boden und nun war er auf ihr. Eine überlegene Position. Sie hielt seinen Arm fest, doch wie besessen übte er immer weiter Druck aus und bald würde er ihren Hals durchschneiden. Es war sein großer Moment. „Stirrb, Menschenweib!“, zischte er.
Und dann stand sein Gesicht in Flammen. Ihre zweite Hand war erbarmungslos auf sein Gesicht gepresst. Er schrie auf. Unvorstellbar höllische Qualen durchdrangen ihn, aber sie hatten ein schnelles Ende. Und dieses Ende nannte sich Tod.

Nezlez hatte es mit angesehen. Ihre Augen weiteten sich und ihr Blick wurde zornig. ("Diese verdammte Hexe!"). "Schnappt sie!". Doch dann hallte ein brachiales Brüllen im Wald wider und Groznok khull stampfte ins Kampfgeschehen. ("Nicht dieser Wichser schon wieder..."). Ihr Trupp schien von seiner Anwesenheit irritiert, es war egal, sie hatten keine Zeit mehr. Die Menschen sprangen in den Riss, der jetzt weit geöffnet war. Sie musste schnell sein und sprintete wie wahnsinnig. Fast hätte die Frau das Portal erreicht, da machte Nez einen Satz und klammerte sich an das Buch der Frau, welches an einer Kette befestigt war. „Du entkommst nicht, Menschenweib!“, kreiste sie sie böse an. Die Frau wollte sie mit der Faust treffen, aber Nez wich dem Schlag ruckartig aus und haute dann ihre Dolchartigen Zähne direkt in die Hand, die sie eben noch treffen wollte. Doch die Frau machte keine Anstalten, sich weiter zu wehren. Stattdessen sprang sie in den Riss. ("Nein! Nein, nein, NEIN! NICHT!") Ein protestierendes "MMMH!" drang aus ihrem Mund. Aber es war zu spät.
Die Welt um sie herum zersprang wie ein Glashaus. Gleißendes Licht. Das Gefühl unfassbarer Beschleunigung, dass sie immer weiter in dieses Licht schoss. Sie wurde ohnmächtig. Schwärze.

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Das erste, was sie bemerkte, als sie aufwachte, waren die unsanften Hände einer echsenartigen Kreatur, die sie fest gepackt hatten und mitschleiften. "He...was....nein! LOSLASSEN!" Irritiert und verärgert zappelte sie protestierend herum "LOOSLAASSSEEEN!", ohne Erfolg. Um sie herum karge Wüstenlandschaft, die Sonne knallte erbarmungslos auf sie herab aber das war ihr geringstes Problem. Immer wieder versuchte sie sich loszureißen und um sich zu beißen, aber sie hatte keinerlei Chance und schnell verließen sie wieder die Kräfte, die Teleportation war nicht ohne weiteres an ihr vorbei gegangen. Erst, als man Anfing sich ihrer Kleidung, Waffen und sonstigen Gegenstände zu bedienen, fing sie wieder an sich zu wehren. Als man ihr ihr Lieblingsjuwel, einen kleinen Rubin in goldener Fassung aus ihrer kleinen Seitentasche, wegnahm fing sie wie wahnsinnig an um sich herumzutreten und hysterisch zu kreischen. Sie schaffte es sogar, einen der Echsenartigen einen Tritt ins Gesicht zu verpassen. Vielleicht war das nicht so klug gewesen, denn nun kümmerte sich ein weiterer und weitaus kräftigerer Echsenmann um sie. "AUAAA! Nicht so fest du Vollidiot wirst mir noch die Knochen brechen!! Auuu! Lass das! STOP!"

Eingesperrt in einem Käfig. Man hatte ihr alles genommen. Ihre Männer. Ihre Ausrüstung. Ihre Kleidung. Nicht einmal ihre Stiefel durfte sie anbehalten und damit verschwand auch die Möglichkeit, die dort versteckten Dietriche zu benutzen. Jetzt hatte sie nur noch einen ekligen Lumpen an. Sogar ihre Orientierung hatte man ihr genommen. Dafür hatte die Menschenfrau gesorgt. Wo zum Henker war sie hier? Und sie war nicht allein im Käfig. Andere Menschen und Elfen waren eingesperrt und ebenfalls in Lumpen. Außerhalb konnte sie die Menschenfrau sehen, sie war gerade nackt und einige bewaffnete Männer geilten sich wohl daran auf und gaben prähistorische Lockrufe zum Besten. Dann bekam sie ebenfalls Lumpen und wurde in Richtung Käfig gebracht. Offenbar war sie keine Verbündete der Echsen. Als sie in den Käfig gebracht wurde, zischte Nezlez sie feindseelig an: "Dämliche Hexe!! Ist das etwa deine Vergeltung für EINEN Biss? Du beförderst mich zum Arsch der Welt, bringst mich in die Gefangenschaft, bringst mich um meine Ausrüstung, um meine Männer und DANN hockst du dich auch noch zu mir in den Käfig um mich mein Leben lang mit deiner Anwesenheit zu quälen?!" Nachdem sie es aussprach musste sie sich eingestehen, dass diese Art der Bestrafung ihre eigene Idee hätte sein können. Aber sie würde sich hüten, die Bewunderung darüber laut auszusprechen.
Dann zogen die Echsen zusammen mit der Fracht, also sie und die anderen Gefangenen, weiter. Sie war sich mittlerweile fast sicher, dass es Sklavenhändler sein mussten. Sklaverei war ihr kein Fremdbegriff. Es war ein Beruf, der dem Diebstahl nicht zu unähnlich war. Ein Sklavenhändler stahl keine Gegenstände, sondern lebende Kreaturen, und verkaufte diese weiter. Eine Möglichkeit, die sich auch Nezlez offen gehalten hätte, wäre es nicht außerordentlich unlukrativ gewesen. Der Transport von Menschen und Zwergen war ohne Hilfsmittel viel zu anstrengend, von Gnomen vielleicht abgesehen, und die meisten in der Umgebung hätten nicht viel zu bieten gehabt. Nur zum Aufessen hätten sie sich geeignet. Nez hatte sich in eine der Ecken verkrochen und achtete darauf, möglichst weit weg von den anderen fünf Insassen ihres Käfigs zu sein. Sie war immernoch sehr wütend über die Gesamtsituation. Erst als sie mitbekam, dass die Menschenfrau zum Latrinendienst verdonnert wurde, huschte ihr ein Grinsen übers Gesicht. Genugtuung. Ein bisschen.

Bald wurde es dunkel und offenbar machte der Sklaventransport einen Halt vor irgendeiner Siedlung, die sie natürlich nicht kannte. Einer der zweibeinigen Echsen kam zu ihrem Käfig und stopfte etwas Proviant durch eine Luke. Nez griff sich sofort etwas davon, bevor andere es ihr wegnehmen konnten. Dann sprach die Echse, wohl eine männliche, zu ihr und drohte ihr an, sie zu verfüttern.
Was er sagte, verärgerte sie. Ihre Augen verengten sich und sie schaute ihn Herausfordernd an. "Du bist ein Narr, Reptil! Hast du überhaupt eine Idee, mit wem du sprichst? Ich bin Nezlez Tintentick. Ich führe eine Armee von nahezu 1000 Elite-Goblin an. Sie werden mich bereits suchen. Oh, und wenn die es nicht tun... dann wird bald Groznok Khull mit seiner Armee über euch hereinbrechen. Er ist einer meiner direkten Verbündeten. Du hast 1 Troll? Er hat hunderte! Und weitere Orks und Goblin! Lass mich hier raus und vielleicht lege ich ein gutes Wort ein! Andernfalls kann ich für nichts garantieren!"
Ja, es war vielleicht ein bisschen überspitzt. Und okey, okey, zugegeben, es war auch ein klein wenig Lüge dabei. Aber hey - Betteln war auch nicht gerade eine Option - Schließlich hatte und hätte SIE nie etwas zurückgegeben, nur weil jemand darum gebettelt oder gebeten hat.

Rosered_Strauss
25.06.2016, 00:43
https://abload.de/img/alariavae5u3u.png Zum Zweiten Mal innerhalb weniger Stunden eines Tages erwachte Alari aus einer tiefen Ohnmacht. Ihr Körper ächzte und stöhnte der Strapazen wegen, die sie durchstanden hatte, während ihr Muskeln schmerzten, von deren Existenz sie bislang nur aus ihren Lektionen Kunde hatte. Doch als wäre das körpereigene Martyrium nicht genug, befand sie sich auf unangenehmen Untergrund, während tiefe Dunkelheit ihr verriet, dass sie wohl eine ganze Weile das Bewusstsein verloren hatte. Mit einem Ruck fuhr sie nach oben, als mit einem Schlag die vergangenen Geschehnisse auf sie einstürmten. Dabei stieß sie mit jemandem zusammen. [Oh... Verzeihung.] erwiderte sie hastig in ihrer Muttersprache. [Ich muss wohl schlecht...] Doch sie führte ihren Satz nicht zu Ende. Sie sah sich der Menschenfrau gegenüber, die sich Aine genannt hatte. Und sie befand sich mit ihren Mitstreitern der Flucht aus der Schlacht in einem Käfig, eng aneinander gedrängt wie Legehennen. Sie alle waren in ein schmutziges Gewand gehüllt, das wohl vor der Hitze bewahren sollte, welches ihnen weiterhin schweissnass am Körper klebte. Ihr wurde noch mulmiger zumute, als sie realisierte, dass irgend jemand sie ausgezogen und eingekleidet haben musste.

Es war jener Moment, als es ihr langsam zu dämmern begann, in welchen Schwierigkeiten sich befand, als ein Drah'Zil zu sprechen begann. Seine Worte klangen seltsam, und sie hatte Mühe, ihnen zu folgen – ähnlich wie die Menschlinge sprach er einen Dialekt, der ihr fremd war; zumal seine Aussprache noch durch seine Anatomie zusätzlich verzerrt wurde. Doch was sie von ihm verstand, war, dass sie scheinbar alle in Gefangenschaft geraten waren – und auf dem Sklavenmarkt verkauft werden sollten. Ihr Herz wurde bleischwer, als es ihr unwillkürlich fröstelte; ein Umstand, der definitiv nicht ausschliesslich an der nächtlichen Kälte lag. All diese Eindrücke – die niedrigen Temperaturen, die Gefangenschaft mit mehreren essentiell Unbekannten, die Bedrohnis der Sklaverei, die Ferne von ihrer Heimat und ihren Bekannten – stürmten auf sie ein und zogen ihr Gemüt in Richtung Verzweiflung hinab. Doch sie fasste sich, um zumindest äusserlich ruhig zu bleiben. Wenn schon sie als Elfe derart schwer mit der Situation zu kämpfen hatte, wie würde es da erst den Menschlingen gehen? Natürlich würden sie verzweifelt sein, natürlich würden der Eine oder die Andere Bravado zeigen... aber es war wichtig, dass jemand mit gutem Beispiel voran ging, damit diese nicht vollkommen den Kopf verlören. Es war wichtig, dass jemand furchtlos blieb oder zumindest diesen Anschein erweckte. Sollten sie sich dann tatsächlich in absehbarer Zeit wieder fangen, könnten sie womöglich sogar einen Fluchtplan ausarbeiten.

Alari, die zumindest die Kontrolle über ihre Mimik wieder gefunden hatte, streckte den Rücken etwas durch und sah sich im Käfig um, während die kleine grüne Frau eine Erwiderung fauchte. Wie war sie überhaupt her gekommen? Sie wusste es nicht. Aber es sollte nichts an ihrer Situation ändern. Zwar wollte sie sich eigentlich auch zu Wort melden, doch erst einmal wartete sie die Antwort des Drah'Zil ab. An dieser würde sie besser nachvollziehen können, wie es wirklich um ihre Lage stand. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, dass sie nicht die Einzige gefangene Elfe war, was sie erstaunte. Doch vielmehr noch war sie durch den Umstand verwirrt, dass diese beiden... anders wirkten. Ihr Äusseres wich subtil von Alari ab, was die Elfen 'gewöhnlicher' wirken liess. Menschlicher beinahe. Aus welchem Hause waren sie? Alari nahm sich vor, sie unbedingt danach zu fragen - doch all dies würde warten müssen, als sich ihre smaragdenen Augen auf die Echse richteten und im Gegensatz zu ihren Mitelfen selbst in der Dunkelheit von einem leicht glühenden Innenleben zu erfüllt sein schienen.

Ironhide
25.06.2016, 09:33
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Es war ein erwachen, wie es Cadan sonst nur hatte, wenn er viel zu viel Bier hatte. Und das passierte selten. Halt, nein, es war schlimmer, weit schlimmer. Denn nicht nur sein Kopf dröhnte als wenn noch immer jemand mit einem Morgenstern auf ihn einschlug, nein auch sein rechter Arm war nicht zu gebrauchen und die restlichen Knochen und Muskeln in seinem Körper fühlten sich an, wie von Orkboss persönlich malträtiert. Der Nebel der ihn selbst umgebene hatte, verging nur sehr langsam. Eine Weile war er nun schon wach, aber er hatte eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, halbwegs klar zu werden und das geschah auch erst, als er etwas Wasser zu sich nehmen konnte, was ihnen gereicht wurde. Soviel hatte er schon mitbekommen, sie waren Gefangene, aber von wem und wohin man sie brachte, das lag für ihn weiterhin in einem Nebel aus Unwissenheit.
Irgendwer hatte sich um seine Wunden gekümmert, das stand fest. Zu seiner Freude war sein Arm nicht gebrochen, nur ausgekugelt. Das war er zumindest, als er durch diesen Riss oder was auch immer geflüchtet war, nur um dann hier auf zu wachen. Es waren die letzten klaren Erinnerungen, die er hatte. Auch das sie Arm ausgekugelt war. Da er sich diesen wohl nicht selber eingerenkt haben konnte, war es irgendwer der anderen, wobei es ihm einerlei war, wer es war. Seinen neuen 'Besitzer' sah er nun nicht zum ersten mal, aber er fühlte sich erst jetzt in der Lage, etwas zu sagen.
Außerdem nervte ihn schon jetzt diese Goblinfrau, die, wie sie selbst preis gab, ebenso von Aines Fluchtmöglichkeit Gebrauch gemacht hatte.Und so wie es sich angehört hatte, nicht ganz freiwillig.

Doch Cadan war dieses Mädchen egal. Von ihm aus konnten die Sklavenhändler mit ihr machen was sie wollten. Aber sie sagte ihm etwas, was ihn aufhorchen ließ. Er hatte einen Troll? Diesen hatte er noch nicht gesehen. Die meiste Zeit war der Käfig verhangen und außer ein paar Söldner und den Echsen hatte er noch niemanden weiter gesehen – mit Ausnahme seiner Leidensgenossen. Der Troll wäre bei all dem noch der gefährlichste Gegner, der hier rum lief und wenn es stimmte, das er einen in seiner Gruppe mitführte, wäre das bei einem Fluchtversuch das erste Ziel was Cadan beseitigen müsste. Bei seiner Ausrüstung waren noch drei dieser Brandbomben, die ihre Gruppe entwickelt hatte. Damit würde er den Troll sicher in Schach halten können. Bei dem Gedanken daran, das er nun der letzte Trolljäger war, aus dem seine Gruppe einst bestand, fühlte er sich komisch. Sie waren gute Freunde, die ihm fehlten, gerade jetzt könnte er ihr Kampfgeschick gebrauchen. Sie wüssten schon, was zu tun sei.

„Hey du, halt dein Maul oder ich stopfe es dir.“, brummte er die Goblindame an, denn es ging ihm wirklich auf den Sack, was sie von sich gab. Ungeachtete einer Antwort wandte er sich nun an diese Echse auf zwei Beinen. Es war für ihn das erste mal, das er so ein Wesen sah und ihm gefielen sie nicht. Das lag sicher auch daran, das sie ihn gefangen hielten und an irgendjemanden als Arbeitssklaven verhökern wollten. Nicht gerade ein Leben wie es sich Cadan vorstellen konnte.
„Und du komische Eidechse, wie wärs mal mit was anständigem zu essen? Ich hab gehört, Reptil am Spieß soll eine Delikatesse sein? Zufällig welche in der nähe?“ Es war sicher nicht klug, als erstes denjenigen zu beleidigen, der das sagen hatte, aber Cadan konnte nicht anders. Er war ziemlich angepisst und seine Laune ließ er nun an jene raus, die ihn ungefragt in diese Lumpen gesteckt und diesen Käfig geworfen hatten.
Im Grunde wollte er einfach nur seine Ruhe, weswegen er hoffte, das die Echse wieder von dannen zog. Die letzten Stunden, zumindest den wenigen die er wieder bei Bewusstsein war, gingen seine Gedanken das ein ums andere Mal zurück zur Schlacht und all dem erlebten seitdem. Gut, es war nicht viel, aber dennoch stellten sie alles auf den Kopf. Nach und nach erst realisierte er, was diese Schlacht ihm gebracht hatte. So ein Gemetzel hatte er noch nie erlebt, einige Bilder würden sich auf ewig in seinen Geist brechen, vor allem wie seien Freunde gestorben waren. Einen wurde die Gedärme beim lebendigen Leib aus dem Bauch gerissen, als irgendein Troll seine Zähne in seinen Unterleib schlug. Die Magier kamen da noch glimpflicher davon, starben beide durch Pfeile von Armbrüsten. Dennoch mochte er nicht wirklich daran denken.
Dann noch seine eigene Flucht bis hin zu diesem Punkt. Nicht gerade ein Tag, an den er sich gerne erinnern würde.

Rosered_Strauss
25.06.2016, 18:04
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAls Alari hörte, wie auch der muskulöse Krieger nicht dazu beitrug, dass sich ihre Situation besserte - dessen war sie sich ohne jeden Zweifel sicher - meldete sie sich doch schon weitaus früher zu Wort, als sie es geplant hatte. "Ich hoffe, Ihr vermögt es, Ihnen Ihre hastig gesprochenen Worte zu verzeihen. Diese unsere Gemeinschaft hat viel durchgestanden, daher mag es nicht verwunderlich ansinnen, wenn die Gemüter hinblicklich unserer misslichen Lage erhitzt und von Strapazen geschlagen sind." Sie neigte ihr Haupt leicht vor der Echse, als sie fortfuhr: "Ich möchte Euch überdies meinen ehrlich empfundenen Dank aussprechen. Ihr hättet uns zu leicht liegen lassen können, in gar fremder wie feindlicher Umgebung. Ohne ausreichend Proviant und Orientierung, wie uns beides nicht vergönnt zu sein schien, hätten unsere Seelen wohl bereits den Weg zu unseren Herren angetreten, hättet Ihr uns nicht mit Euch genommen und uns so nicht den schauderhaften Tod durch die Hitze der Sonne oder die Kälte der Nacht erspart. Gerne will ich tun, was in meiner Macht liegt, um Euch diese großzügige Geste zu vergelten. Mein Name ist Alari Iníon Wellensang, und eine Schuld vergesse ich nicht, solange sie noch nicht beglichen ist. Eine Freude wäre es mir, auch den Eurigen Namen in Erfahrung zu bringen."

Ihre Worte, bis dahin zwar ihr unbewusst sehr formell und in altem Dialekt gesprochen, waren warm gewesen, doch jetzt mischte sich ein merklicher Hauch von geschmiedetem Stahl hinzu. Man mochte darüber lächeln, dass die Elfe sich umständlicher auszudrücken pflegte wie ein Greis, der Amt und Würden nicht aufgeben wollte und beinahe so sehr Produkt einer anderen Zeit war wie Alari selbst. Man mochte auch verwundert darüber sein, dass sie es schaffte, selbst in schweissnassen Lumpen und hinter Gitterstäben ohne jeden Zweifel so zu klingen, als wäre das, was sie sagte, unumstößlicher Fakt. "Jedoch befürchte ich, das die Bezahlung, welche Ihr Euch von uns erhofft, nicht möglich ist. Ihr mögt annehmen, wir wären wie Waren, die einen Hübschen Preis einbringen. Doch da irrt Ihr Euch, Drah'Zil, dessen Name ich aus Unkenntnis noch nicht zu nennen vermag. Ihr könnt unsere Leben nicht für Euch beanspruchen, ganz gleich, welche Macht Ihr Euch von dem geschmiedeten Stahl in Eurer Hand auch erhofft. Unsere Leben sind nicht die Unsrigen, und so können wir sie Euch nicht darbieten. Meines gehört Eremon wie auch Fandrasâr allein, und überdies ist unser aller Schicksal mit jenem Konflikt verwoben, den wir trauernd 'Krieg' nennen müssen. Dies Ereignis ist zu groß, zu weitläufig und zu gewaltig, als das jemand ihm zu entfliehen vermag, ganz gleich, wie schnell er auch zu Fuße ist. Lasst es mich daher in aller Deutlichkeit sagen: gebt uns frei, und nennt uns eine andere Möglichkeit, wie wir Euch danken können. Denn Sklaven können wir nicht sein, denn das Gehorsam, dass Ihr Euren Klienten zu verkaufen gedenkt, werdet Ihr niemals Euer Eigen nennen können, weder durch Wort noch durch Feuer und Eisen. Schlecht wäre der Händler, der ein Geschäft auf einer Lüge gründet." Nach ihrem Vortrag, anders konnte man den Schwall aus Wörtern nicht nennen, blickte sie die hoch gewachsene Echse freundlich an und liess ihren Blick auf seinen Augen ruhen. Nun würde sich zeigen, an was für einen Mann sie geraten waren.

coel
25.06.2016, 22:23
Nalim beobachtete aufmerksam das Spektakel aus dem Hintergrund, während er die Nauglir fütterte. Gierig schlangen die Bestien große Mengen an rohem Fleisch herunter und ihre kräftigen Kiefer zermalmten mit Leichtigkeit Knochen. Wiederum achtete er darauf, dass sie nicht allzu satt wurden. Die Nauglir schienen zwar nicht sehr erfreut über die Tatsache zu sein, aber sie waren ausreichend abgerichtet worden, um nicht über Nalim selbst herzufallen.
Nachdem er das letzte Stück in die gefräßige Gruppe geworfen hatte, ging er langsam zu dem Käfig, wobei er interessiert jedes Wort mitverfolgte, dass die Elfe von sich gab. Es fiel ihm recht schwer sie zu verstehen, denn sie sprach eine sehr alte Variante der Gemeinsprache.
Durch das dicke, eiserne Gitter durchdrangen seine rubinroten Augen die der Insassen.
Er hatte so etwas schon einmal gesehen. Elfen mit ein paar Menschen waren nach Ashan gekommen und zeigten eine Art von Schauspiel, das sie Zirkus genannt haben. Eben dies konnte er auch gerade hier miterleben. Viel sinnloses Gerede und Kunststücke, die nur die Langeweile der anwesenden Echsen verstärkt hatte. Es überraschte ihn, dass Rijok so gelassen die Elfe angehört hatte. Wahrscheinlich lag es an diesen Nama-Blättern, die seine Kameraden die vergangenen Tage öfters als sonst gekaut haben.
Auch jetzt fiel ihm der leicht gläserne Blick seines Anführers auf.
Seine muskulösen, schuppigen Arme verschränkend, verengte er seine Augen und starrte auf die Sklaven herab.
„Ihr wollt wohl nicht begreifen, in welcher Lage ihr euch befindet“, sagte er mit seiner tiefen Stimme, deren Spannung man jedoch deutlich spüren konnte. Er hatte sich mit seinem Makel abgefunden, seinem Schicksal. Die Schwäche, die diese Weichhäute zeigten, widerte ihn fast schon an.
„Ihr seid Sklaven und ihr werdet auch so behandelt. Weigert ihr euch, dann seid ihr nur noch Futter für die Nauglir. Glaubt mir, sie mögen schreiende, flüchtende Beute lieber als die Fleischklumpen, die wir ihnen für gewöhnlich vorwerfen.“
Fast als hätten die Reitechsen ihn verstanden, stießen zwei der Tiere ein kurzes Gebrüll aus.
„Rijok mag vielleicht geduldig mit euch sein. Ich bin es nicht. Das weiß er, nun wisst ihr es auch und ihr solltet das nicht vergessen. Bis Ashan sind es noch einige Tage. Wenn euch die Fahrt im Käfig zuwider ist, so dürft ihr laufen. An Ketten hinter dem Wagen, ohne den Schutz der Decke bis euch die Sonne Verstand eingebrannt hat.“
Er schwieg für einen Moment, dann deutete er mit dem Zeigerfinger seiner Klauenhände auf den Krieger und das Goblinweibchen.
„Ihr werdet den ersten Lauf machen.“


https://abload.de/img/ainecyauv.pngAine schwieg. Stumm ertrug sie die Schmerzen, die ihr Körper wegen der Flucht immer noch litt. Beinahe war sie glücklich über den Umstand, dass sie nicht mehr gehen musste, sondern transportiert wurde. Ihre Wunde am Bein, ja sogar die Hand mit der Bissspur, war sorgsam von den Drah’Zil verbunden worden. Die Nahrung, die aus getrockneten Früchten und Wasser bestanden hatte, war schnell verzehrt worden. Besonders die Flüssigkeit erwies für ihren trockenen Hals als wahren Segen.
Die Worte des Stämmigsten unter den Drah’Zil, der Nalim genannt wurde, hatten eine auf Aine deutliche Wirkung gemacht. Diese Echsen übten ihr Handwerk schon deutlich länger aus. Sie wussten, was sie taten und sie kannten jeden Trick. Entweder täuschte sich Aine oder sie strahlten tatsächlich diese Erfahrung aus. War eine Flucht überhaupt möglich?
Ihr Kopf lehnte an dem kühlen Eisen des Gitters, während sie nachdachte.
Obwohl man ihr Buch weggenommen hatte, beherrschte sie um die fünf Sprüche noch auswendig. Sie konnte problemlos die Gitterstäbe zum Schmelzen bringen, aber gegen die absolute Mehrheit der Drah’Zil mit ihren Reittieren, Söldnern und ihrem Troll würde sie nicht den geringsten Hauch einer Chance haben.
Außerdem wohin sollte sie rennen, wenn sie frei wäre? Die Wüste war ihr Tod. Sie stammte aus einem gemäßigten Klima und war derartige Hitze nicht gewohnt. Die Nächte schienen im krassen Unterschied zum Tag zu sein. Aine hatte sich auf ihre Füße gesetzt, um ihnen dadurch mehr Wärme zu geben.
So blieb also nur noch Ashan. Die größte Handelsstadt in der bekannten Welt. Nur in Ashan konnte man alle Völker und Tierarten vorfinden. Berühmt für ihr reiches und exotisches Warenangebot aus fern und nah, berüchtigt für die Diebe und Halsabschneider, die dort ihr Unwesen trieben.
Komm nach Ashan, wenn du alles sehen willst, so sagt man.
„Was wird mich wohl dort erwarten?“, fragte sich die Magierin, dann fielen ihr vor Erschöpfung der vergangenen Schrecken die müden Augen zu.

Ich stelle euch noch frei, ob ihr noch über diese Nacht schreiben wollt oder ob bereits der nächste Tag beginnt. Ich möchte, dass Rosered von einer der Elfen angesprochen wird. Er soll mich diesbezüglich noch anschreiben, wenn er das gelesen hat, weil ich da etwas plane.
Was Ironhide und Fru betrifft: Ich hoffe, ihr mögt ein wenig gesunde Bräune :)

Fruwluamressaw
26.06.2016, 01:44
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png
Ihre Drohung schien nichts bewirkt zu haben. Naja, wäre auch zu schön gewesen. Dann pöbelte auchnoch der bullige Mann drauf los. Sie warf ihm einen äußerst giftigen Blick zu. Das schlimmste war aber eigentlich die Elfe. Was zur Hölle säuselte sie da nur vor sich hin? ("Blablabla, auf ewig Dankbar, blablabla und ihr habt so wunderschöne Schuppen, blabla aber im Endeffekt bin ich auch dafür, dass ihr uns freilasst; Wie kann sie nur auf so eine furchtbar altbackene Weise faseln, das muss doch anstrengend sein..."). Elfen bildeten einen krassen Kontrast zu Goblins. Kein Wunder, dass sie bei Goblin auch nicht sonderlich beliebt waren. Aber gut, immerhin war sie nicht so unverschämt wie der große Mensch.
Ein weiterer Echsenmann trat vor den Käfig, noch weitaus weniger kooperativ verpasste er den Insassen einen verbalen Einlauf. Und dann setzte er dem ganzen die Krone auf und verdonnerte Nez und den großen Mann dazu, fortan in Ketten hinter dem Sklaventransport herzulaufen.

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("Wüsten sind scheisse!"). Nachts war es kalt. Tagsüber dann wieder heiß. Sehr heiß. Und am heißesten war es, wenn man nichts über dem Kopf hatte und die Sonne einen direkt auf die Haut knallte. Das brannte ganz schön, vor allem auch an der Stelle, an der sie festgekettet war, denn die Kette wurde durch die Strahlung besonders heiß. Mühselig und unglaublich frustriert trottete sie hinter dem Sklaventranspor her.
Entnervt und sich selbst keiner Schuld bewusst keifte sie den großen Mann, der neben ihr lief und nicht weniger glücklich drein blickte, an: "Das hast du ja super hingekriegt, du blöder Ochse! Warum musstest du es direkt übertreiben? War ja klar, dass bei einem Verbündeten der Hexe nichts gutes aus dem Mund kommt!"

Sie ächzte unzufrieden vor sich hin, verlor Stück für Stück die Lebenslust, bis sie daran dachte, was ihr alles in dieser kurzen Zeit passiert war und genommen wurde. Das machte sie so zornig, dass sie, von Rachegedanken und Überlebenswillen gepackt, wieder energischer durch die öde Landschaft stapfte.
....Um wenige Momente später wieder keinen Elan mehr zu verspüren...Und dann wurde sie wieder sauer! ("Diese Missgeburten! Mein schönes Juwel! Meine Stiefel! Was wollen die schon damit?! Als ob sie damit etwas anfangen können! Sollen sie sich doch eine Schaufel klauen und Löcher buddeln, das würde viel eher zu ihnen passen. Hmpf.") Dieses Gedankenprozedere würde sich noch einige male wiederholen.
"Aaaaargh!!", rief sie verzweifelt aus.

Ironhide
26.06.2016, 09:20
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Drei Echsen, die hatten hier das sagen, einige Söldner, die mit der Hitze nicht so zurechtkamen in ihren Klamotten, das konnte Cadan nun sehen und ein Troll, der der erste Wäre, der draufgehen würde in dieser Wüste, wenn die Vorräte knapper sein würden. Cadan konnte sehen, das ihm jeder Schritt schwer fiel. Die Reittiere wären wohl noch am gefährlichsten, denn er schätze sie am schnellsten ein. Entweder würde sie daher niedergeritten oder aber von den Viechern einfach gefressen werden. Im Grunde wäre das hier die beste Möglichkeit, für ein Fluchtversuch, wenn es da nicht das eine, kleine Problem gäbe. Wohin dann? Außerdem war er selbst viel zu erschöpft, der Marsch in der prallen Sonne war nicht unbedingt Gesundheitsfördernd. Zuerst war es eine Qual, aber als sich seine Beine daran gewöhnt hatten, tat es ihm sogar ein wenig gut, denn die Muskeln hörten auf zu schmerzen, anfänglich. Dafür setzte ihm aber die Sonne immer mehr zu und er spürte, wie er immer erschöpfter wurde. Auch seine Beine fingen irgendwann wieder an zu schmerzen, war doch der Untergrund nicht gerade für lange Märsche gedacht.

Aber am nervigsten war dieser grüne, nervende Zwerg neben ihm. Am liebsten hätte er ihren Kopf in den Sand gedrückt, bis sie endlich tot wäre, aber er war sich sicher, das er sie dann tragen oder hinter sich herziehen müsste. Also versuchte er sie zu ignorieren. Warum sollte er sie auch von diesen Strapazen erlösen, wenn er weiter leiden sollte? Gut, sie gehörte zum Feind und vor nicht ganz vierundzwanzig Stunden hätte er ihr ohne mit der Wimper zu zucken den Schädel gespalten, doch nun wäre das nur eine unnötige Kraftanstrengung gewesen. Lieber konzentrierte sich Cadan auf das Beobachten der Händler und Söldner, um möglichst viel von ihnen zu erfahren. Er war sich längst darüber im klaren, das er keinen von ihnen am Leben lassen wollte, sobald er die Chance dazu hatte. Doch brauchte er Unterstützung, und die gab es im Käfig. Ein paar Männer, Elfen und die Magierin. Er hoffte das sich die meisten davon als nützlich erweisen würden. Seine Ausrüstung hatte er bereits auf einem der Reittiere ausfindig gemacht, scheinbar war da auch das Zeug der anderen. Sollten sie wirklich ausbrechen, müssten sie schnell an das Zeug kommen, denn sonst würde das ein schnelles ende nehmen.

Mit zunehmender Strecke die er aber zurückgelegt hatte, schoben sich diese Gedanken in den Hintergrund, denn der Durst übernahm bald alle seine Gedanken und verdrängte sie.Es war Anstrengend, sehr anstrengend und so langsam dämmerte es ihm, das es nicht unbedingt seine beste Idee war, diese Echsenmenschen anzupöbeln.

Rosered_Strauss
26.06.2016, 16:40
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermutet, dass mit den Echsen nicht zu reden war, dennoch tat es weh, diese Befürchtung bestätigt zu sehen. Nachdem der Drah'zil seine kurze Klarstellung der Dinge beendet hatte und sich wieder abwandte, machten sich die Käfiginsassen daran, sich zur Ruhe zu legen. Auch Alari bildete keine Ausnahme von diesem Unterfangen, saß ihr die Erschöpfung doch trotz der langen Ohnmacht immer noch in den Gliedern. Bevor ihre Augenlieder flatterten und sich daran machten, Schwärze über ihr Bewusstsein sinken zu lassen, fragte sich die Elfe noch, warum die Translokation sie solcherart Erschöpft hatte. Sicherlich war der Zauber nicht wie beabsichtigt durchgeführt worden, waren doch die Umstände allzu chaotisch gewesen, als Fandrasâr sie mit den Brüdern und Schwestern ihres Hauses vom Schlachtfeld gerettet hatte. Ihre Gedanken kreisten noch um sich herum, wie um sich vor dem Grauen zu schützen, das durch die Erinnerungen an den Ort hervorgerufen worden waren, an dem sie sich nach dem Zauber befunden hatte.

Der nächste Morgen war im Großen und Ganzen so, wie sie es erwartet hatte. Sie bekamen eine Kelle Wasser, um die kommenden Reisestunden zu überstehen, bevor der menschliche Kraftprotz und der kleine Grünling nach draussen beordert wurden, um den Marsch in Ketten hinter dem Wagen her zu verbringen. Die Aufseher der Karawane liessen sie weitestgehend in Ruhe, wenn man einmal von der ständigen Wachsamkeit der Drah'Zil und den lüsternen Blicken der menschlichen Söldlinge absah. Alari, die sich weder sonderlich zuversichtlicher oder glücklicher fühlte als am Vortag, blieb dennoch ihrem Entschluss treu und summte leise ein Lied, dessen besänftigende Ruhe nicht zu jemandem in ihrer Position zu passen schien. Wurde die Fahrt anfangs noch vom Gezeter des Goblins und dem verhaltenen Fluchen Cadans begleitet, so senkte sich bereits im Laufe des Vormittags bedächtige, erschöpfte Ruhe über die Karawane. Man durfte freilich nicht den Fehler machen, diese Ruhe mit Stille gleichzusetzen, denn Stille war es nicht. Die Zugechsen schnaubten und knurrten, die Söldner und Drah'Zil unterhielten sich manches Mal miteinander, der Wagen knarrte und der Troll stampfte, während er hin und wieder fröhlich ein paar klobige Worte heraus brachte, die genau so primitiv zu sein schienen, wie er sich auch gab. 'Stille' gab es nur bei den Sklaven, denn die hinter dem Wagen herlaufenden sprachen kein Wort, um sich ihre Kraft zu erhalten, während die Gefangenen im Wagen sich entweder der Erschöpfung, der Hitze oder der Verzweiflung wegen still verhielten - mit der Ausnahme Alaris. Doch in manchen Momenten waren sie alle, Sklavenhalter und Sklaven, gleich. Die Wüste war unbarmherzig, ein Ort, an dem niemand von ihnen ungeschoren davon kam. Und obgleich die Echsen widerstandsfähiger waren als die Menschen, forderte der Marsch doch auch von Ihnen Tribut. Unter der Sonne, so erkannte Alari, waren sie alle einander ähnlich. Es gab schlichtweg Gewalten im Leben, denen gegenüber Sie alle gleich waren, ungeachtet des eigenen Standes und der eigenen Positionen.

Während sie also ihr Lied vor sich hin summte, sehnte sie sich danach, ein paar freundliche Worte zu wechseln. Natürlich sollten sie sich mit Ideen dazu beschäftigen, wie sie entkommen könnten. Doch es dürfte auch nichts schaden, sich einander überhaupt einmal vorzustellen. Und so war Alari freudig überrascht, als eine der gefangenen Elfen sie während der Reise ansprach. [Und? Wie seid Ihr entkommen?] wandte sie sich geradewegs an Alari. Diese liess noch die Melodie ausklingen, ehe sie sich im Schneidersitz zu ihr umwandte und sie neugierig beäugte. Scheinbar fasste ihr Gegenüber dies als Rüge auf, denn sie fügte an: [Verzeiht, meine Manieren haben in der Sonne gelitten. Mein Name ist Liviael, und meine Gefährtin dort drüben ist Sanae. Ich befürchte jedoch, sie wird euch nicht zur Verfügung stehen, denn die Gefangennahme versetzte sie derart in Panik, dass sie sich in den Wahn flüchtete. Aber es ist auch verstänlich, bedenkt man, dass ihr Haus stark unter dem Aufstand leiden musste.] Alari runzelte die Stirn. [Dem Aufstand?] echote sie. [Von welchem Aufstand sprichst du? Der Krieg, den wir führen, ist gegen die Kinder Noroshs, nicht gegen uns selbst.] Dies brachte ihr einen verblüfften und anschliessend misstrauischen Blick ein. meinte sie vorsichtig. [Ich wollte euch nicht des Urteiles bezichtigen, während der Revolte aus Arlondo geflohen zu sein. Feigheit ist nicht die Art der Hohen Herren und Damen, das weiss ich.] Nun war Alari vollends verwirrt. [Was redet ihr da? Ich fürchte, ihr verwechselt mich. Ich bin keine 'Herrin', sondern eine Dienerin. Als Dienerin Eremons stelle ich mich nicht über andere meines Volkes, sondern diene im Gegenzug der Allgemeinheit, so gut ich es vermag.] Nun war es an Liviael, die Augen zu weiten. [Eine Priesterin Eremons? Verzeiht, ich wusste nicht... es tut mir leid. Ich dachte nicht, das jemand von Euch überlebt hatte. Ich hätte es gleich an der alten Sprache erkennen müssen, in dessen Ton ihr Euch äussert.] Noch während die Elfe sprach, bildete sich ein eisiger Klumpen in Alaris Magengegend. [Sicherlich, der Kampf gegen Noroshs Söhne fordert einen großen Tribut von uns allen. Doch ich kenne noch genügend der Priesterschaft, um dir zu versichern, dass wir noch nicht am Ende sind. Aber ihr spracht von Arlondo...] Die Elfe nickte traurig auf ihren Halbsatz hin, ihre Worte scheinbar anders interpretierend.

[Ja, es ist eine Tragödie. Unser ganzes Reich, dahingerafft in so kurzer Zeit, sodass wir nur noch in den Wäldern des Nordens Zuflucht finden können. Ich selbst komme aus Arlondo, müsst ihr wissen. Und seitdem sich die Shantiri entschlossen, unsere Fürsorglichkeit mit Blut zu vergelten, bin ich auf der Flucht, bis ich von jenen aufgegriffen wurde, die wohl auch dafür gesorgt haben, dass unser Volk an den Rand des Unterganges getrieben wurde. Ich weiss, ich weiss - die Eltern können nicht für die Sünden ihrer Kinder zur Verantwortung gezogen werden - aber Fakt ist doch, dass die Shantiri uns von den Drah'Zil geschenkt wurden, ehe Sie ihrerseits zu leiden hatten.] Alari stand der Mund offen, als die Elfe sprach. Von was redete sie da? War ihr die Sonne zu Kopf gestiegen, sinnierte sie im fiebrigen Delirium? Nein, das konnte nicht sein. Ihr Blick war zwar getrübt, doch von ungebrochener Geisteskraft. Der Wahnsinn hatte sich ihrer noch nicht bemächtigt. Sie war vollkommen von dem überzeugt, was sie sagte. Was wurde hier gespielt? Der Untergang ihres Volkes? Shantiri? All diese Begrifflichkeiten und Ereignisse waren ihr unbekannt. Doch ehe sie sich weiter wundern konnte, wurde sie tiefer in Verwunderung gestürzt. [Ich erinnere mich noch an jene Nacht, als ob es just passiert wäre. Der Mond war rot diese Nacht, ganz so, als wüsste er, dass diese Nacht Blut wie Wasser über die Straßen fliessen sollte. Jede Familie hatte Shantiri, die ihnen beim Bewältigen des Tagesgeschäftes halfen. Und so wurde in jedem Haus - ob Palast oder Zimmer, Adliger oder Bürger - die Klinge gewetzt, und Elfenblut floss über jede Treppe hinab. Diese Bastarde mussten das schon lange geplant haben, zu zielsicher, zu planmäßig gingen sie vor. Mit eigenen Augen sah ich, wie der Palast unseres Herrschers in Flammen stand, mit eigenen Ohren hörte ich das Bersten der Portale, die aus den Angeln der Tempel gerissen wurden.]

Sie begann zu zittern, als die Gewalt der Erinnerungen sie mit sich riss. So klein wurde sie, dass Alari trotz aller Umstände instinktiv reagierte und die Elfe an sich zog. Sie sagte ihr nicht, dass sie nicht zu weinen brauchte. Diese Floskel hatte sie noch nie von sich gegeben und würde es auch nie tun, waren doch Tränen oftmals heilsamer als eine harte, stoische Fassade. Stattdessen strich sie ihr mit der Sanftheit einer Mutter über das Haar, die ihr Kind in den Armen in den Schlaf wiegt. Liviael war erst erstarrt, als die Pristerin sie an sich zog, doch gleich darauf entspannte sie sich und liess die Tränen ungehindert an ihren Lumpen fliessen, in die sie ihr Gesicht drückte. [Ich werde... werde diese Nacht nie vergessen.] schluchzte sie. [All das Blut... die Kämpfe, die Feuer... ich selbst bin nur entkommen, weil sich mein Seelengefährte mitsamt demjenigen aus dem Fenster warf, der schon ihn tödlich verwundet hatte. Er... er wusste, dass er es nicht schaffen würde, also tat er es für mich. Er trug meinen Namen auf seinen Lippen, als er fiel. Ich konnte mich noch nicht einmal von ihm verabschieden...] Ein zittriges Schluchzen entrang sich ihrer Kehle, während auch Alaris Augen feucht wurden. So viel Schmerz lag in ihren Worten, dass sie beinahe meinte, die Gewalt jenes Abends am eigenen Leibe spüren zu können. [Ich konnte nicht gleich losrennen. Ich habe noch nicht einmal etwas zusammen gepackt. Ich saß einfach da, habe nur auf das Fenster geblickt. Ich war so sicher, dass ich jeden Moment aufwachen würde, mein Liebster neben mir, der Alptraum der Nacht bald nur noch eine Ferne Erinnerung. Doch ich wachte nicht auf. Stattdessen wurde ich von einem Stein aus meiner Starre erweckt, der durch das Fenster flog, als ein Fenster neben dem meinen eingeworfen wurde. Da rannte ich. Ich nahm nichts mit, ich rannte nur noch, nur mit der Kleidung an meinem Leib als Gepäck. Als ich es wie durch ein Wunder aus der Stadt geschafft hatte... Straßen voller Blut, all die blicklosen Augen, Elfen, überall tote Elfen... kam ich auf einem Hügel zum stehen. Ich war so erschöpft, ich konnte nicht mehr laufen. Arlondo brannte, es war weithin zu sehen. In der Nacht brannte die Stadt in einem Fanal, als hätte Norosh selbst sich dort hin begeben und seiner Wut freien Lauf gelassen.]

Alari, die die Elfe immer noch im Arm wiegte, war fassungslos über die Grausamkeit, die sie mit anhören musste. Wie hatte so etwas ihrer Aufmerksamkeit entgehen können? Sicherlich, sie war ohne Unterlass auf Reisen, hatte Drah'Zil, Menschen, Zwerge und Naga besucht, mit Drachen gesprochen und die Elfenhäuser mit ihren Brüdern und Schwestern der Priesterschaft zusammen geschweisst... doch während dem Krieg hatte sie nie davon gehört, dass so ein Massaker verübt worden war. Und was hatte sie noch gesagt? Ihr ganzes Reich, ihr Volk gar, sei untergegangen? Und welche Stadt war es, die sie als Arlondo bezeichnete? [I]Vielleicht ist eine unserer Städte in diesem seltsamen Dialekt einfach mit einem anderen Namen bedacht worden, dachte sie sich. Wie konnte es denn anders sein? Doch es war jener Zeitpunkt, als Liviael in ihren Armen aufgehört hatte zu reden und nur noch leise vor sich hin weinte, dass sich Zweifel in Alari schlichen. Was war geschehen? Seit sie wieder Fuß in die Schlacht gesetzt hatte, schien alles anders zu sein. War es möglich, dass sich ihr Blick so sehr hatte ablenken lassen? Unmöglich, entschied sie. Nein, hier war etwas im Gange, dem sie nachgehen musste. Doch nicht jetzt. Sie konnte es nicht wagen, Liviael weiter einen solchen Schmerz durchleiden zu lassen, wenn sie nicht von sich aus davon berichten wollte. Niemals würde sie sich aus eigener Neugierde, wie berechtigt diese auch sein mochte, so über die Gefühle einer Schwester hinweg setzen. Leise sang sie ein beruhigendes Lied, welches die weinende Elfe in ihren Armen langsam durch die Macht ihrer Stimme zur Ruhe brachte. Ihr Blick jedoch wanderte unruhig im Wagen umher, fixierte erst die gebrochene Shanae, wanderten über die Wärter und schliesslich ihre Mitgefangenen, bis sie schliesslich an Aine hängen blieb. Bislang hatte sie sich eingebildet, dass die junge Menschenfrau für die Maßstäbe des kurzlebigen Volkes gebildet war, immerhin beherrschte sie sogar die Grundzüge der elfischen Sprache. Ihr Blick suchte den Ihren, und als ihre Augen einander schliesslich gefunden hatte. nickte sie ihr Ernst zu. [Aine, nicht wahr? Wäre es Euch genehm, wenn ihr mir ein paar Fragen gestatten würdet?]

Aeon525
27.06.2016, 01:43
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngRijok runzelte nur die Stirn, als ihn die kleine Goblinfrau anblaffte. In seinem umnebelten Zustand war er eher überrascht als verärgert über das Aufbegehren seines Eigentums. Ihre Drohung ignorierte er schlichtweg, denn Groznok war weit im Osten und zwischen Tremorlor und ihm lagen immer noch die Fürstentümer. Zudem hatten die Orks keinerlei Interesse an der heißen Wüste der Drah'zil, zumindest nahm er das an. Schließlich sagte man von Orks, dass sie Hitze nicht ausstehen konnten und es gab kaum etwas heißeres als die Wüste der Drah'Zil. Er funkelte das Goblinweibchen hämisch an, ehe er erwiderte: "Ich kann garantieren, dass dein Leben deutlich unangenehmer werden wird, wenn du den Leuten die dich füttern nicht gebührenden Respekt entgegenbringst." er hatte den Satz kaum beendet, als sich das blonde Männchen zu Wort meldete. Das war sogar noch unverschämte als die halbe Portion in Grün und Rijok war für einen Moment sprachlos vor Verblüffung. Der Schuppenlose schien von einer besonders dämlichen Sorte zu sein, wenn er die Machtverhältnisse nicht begriff. Glücklicherweise war Intelligenz für den Preis unwichtig. Solange er kräftig war und arbeiten konnte würde Rijok einen guten Preis für ihn bekommen. Dennoch konnte man ihm eine derartige Dreistigkeit nicht durchgehen lassen.

Rijok überlegte gerade welche Strafe wohl angemessen war, als auch die Elfe das Wort ergriff. Er stieß ein genervtes Zischen aus, ehe er sich der Sprecherin zuwandte. Ihrer Stimme wohnte eine seltsame Melodie inne, die Rijok nicht zu deuten vermochte. Er hatte nie jemanden so sprechen hören, auch keinen der Elfen. Sie sprach verworren und kompliziert, beinahe als wäre sie von hoher Abstammung. Ihre Schmeicheleien berührten ihn nicht. Er konnte weder Schwätzer noch Elfen sonderlich leiden und die Person vor ihm war die wohl geschwätzigste Elfe, die ihm seit Langem untergekommen war. "Ich weiß nicht wie viel euch eure Schicksalsgenossen bereits erzählt haben," schnaubte er herablassend "also erklär ich euch die Situation noch einmal kurz. Ihr seid in der Wüste von Tremorlor. Tremorlor ist Gebiet der Drah'Zil und Fremde ohne gültige Genehmigung des Rates sind Eigentum des Finders, in diesem Fall mir. Ich würde euch raten diese Tatsache einfach zu akzeptieren. Sowohl die Elfen als auch die Menschen akzeptieren diese Regelung. Bezichtigt mich also nicht der Lüge, Weib! Wenn ihr nichts von dieser Regelung wusstet, habt ihr diese Misere allein eurer Ignoranz und Dummheit zuzuschreiben."

Glücklicherweise schaltete sich nun Nalim ein und verdonnerte Goblin und Männchen für den folgenden Tag zum Laufen. Eine angemessene Strafe, wie Rijok fand. Für ihn war das Gespräch damit beendet. Müde machte er sich auf den Weg zu seinem Zelt und sah zu, dass er etwas Schlaf bekam.

coel
27.06.2016, 12:13
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDer große Käfig schaukelte wegen einer Unregelmäßigkeit auf dem vertrockneten Weg und weckte Aine abrupt aus ihrem Schlummer, nachdem ihr Kopf schmerzhaft gegen das Eisengitter stieß. Sie ächzte, als sich ihre steifen Glieder aufgrund der ungewohnten, aber auch unbequemen Schlafposition bemerkbar machten. Mit tränenden Augen bemerktes sie, dass bereits der Tag schon lange begonnen hatte. Die Sonne stand hoch oben am wolkenlosen Himmel, wo sie wie ein Fieber jedem die Kraft zu rauben schien, der sich unter ihre Strahlen wagte. Durch die Fasern der rabenschwarzen Decke, die die Sklavenjäger über sie ausgebreitet hatten, sah sie schwach den leuchtenden, brennenden Kreis. Das Leinengewand, welches sie trug, zeigte Umrisse von den Stellen, wo sie besonders viel geschwitzt hatte. Ihre Haare waren durch den ihren Schweiß zu groben Strängen verklebt und sie roch unangenehm streng. Doch nicht nur ihren hervorstechenden Geruch musste sie wahrnehmen, sondern auch den der anderen Insassen. Der säuerliche, beißende Gestank der Männer widerte Aine instinktiv an. Überraschenderweise besaßen die Elfen einen feinen, süßlichen Duft. Es war fast schon so, dass Aine die Gesellschaft mit schwitzenden elfische Frauen willkommen hieß.
„Diese Hitze macht mich offensichtlich schon wahnsinnig“, murmelte Aine frustriert über ihren letzten Gedankengang.
Sie vernahm das Schluchzen einer der Elfen und ihre Augen wanderten zu dem bedauerlichen Geräusch. Fest umarmt hielt Alari die Weinende in ihren Armen, um ihr scheinbar Trost zu spenden.
„Die einst stolzen Elfen sind nur noch ein Schatten ihres Selbst“, dachte sich Aine bei diesem Anblick von unglücklicher Schicksalswendung. Sie wollte sich wieder abwenden, als ihre Augen von Alari angezogen wurden. Die Elfe versuchte ihre Aufmerksamkeit durch diese Art von Kontaktaufnahme zu erreichen. Nachdem Aine sie neugierig anstarrte, begann die Elfe zu reden.
„[Aine, nicht wahr? Wäre es Euch genehm, wenn ihr mir ein paar Fragen gestatten würdet?]“
Sie sprach wieder elfisch. Chandra hatte ihr damals die elfische Sprache zum Studieren gegeben, damit sie auch deren Art der Zauberwirkung nachvollziehen konnte. Es war eine sehr wohlklingende Sprache, die mehr einem Gesang als niederen Gesprächen glich. Selbst ein Fluch klang wie ein Lied. Das Lernen war ihr sehr schwer gefallen, doch mit der Zeit erreichte sie Basis von Elfisch.
„[Fragt]“, antwortete ihr Aine knapp.
„[Sagt euch das Volk der Shantiri etwas?]“
Aine stutzte für einen Moment. Wie konnte die Elfe nicht von den Shantiri wissen? Zwar waren sie ihr weit im Osten begegnet, fern vom Reich der Elfen, aber von den Shantiri hatten selbst Menschen im Reich des Imperiums gehört.
„[Eure Sklaven. Das geschenkte Volk der Drah’Zil an eure Rasse als Zeichen der Freundschaft.]“
Die Elfe schien sichtlich verwundert.
„[Warum sollte mein Volk sich Sklaven halten?]“
„[Es war ein Geschenk, das ihr dankbar angenommen habt. Die Drah’Zil waren der Meinung, ihr bräuchtet Muskelkraft, die eurem Volk fehlt, um eure Hauptstadt Arlondo zu bauen.]“
„[Kennt ihr Arlondo?]“
„[Ja]“, sagte Aine nickend, „[Auch wenn ich von dieser Stadt nur gelesen habe. Sie wird auch als die silberne Stadt bezeichnet, eine der schönsten Beweise zu was die Baukunst der Elfen fähig ist. Hohe gläserne Türme aus Silber, hängende Gärten, die mit duftenden Blumen, die die marmornen Straßen erfüllen… Es soll wahrlich eine der schönsten Städte sein.]“
Für einen Moment schwiegen beide, bis die Elfe wieder anfing zu sprechen.
„“
Aine zweifelte nun völlig an der geistigen Verfassung ihrer Gesprächspartnerin. Entweder sie wusste tatsächlich nichts davon und lebte Jahrhunderte als Eremit in den Bergen oder die Hitze machte sie schwachsinnig. Die letztere Vermutung würde sogar die glaubhafteste Erklärung für Aine sein.
Die Elfe konnte offenbar ihre Gedanken lesen.
„[Glaubt mir, verehrte Magierin. Ich kenne weder das Sklavenvolk der Shantiri noch diese silberne Stadt der Elfen. Die Hauptstadt der Elfen ist für mich Norad.]“
Plötzlich dämmerte es Aine. Der Riss innerhalb des Waldes, die veraltete Sprachweise der Elfe, ihre sonderbare Art der Magie…
[I]„Aine“, sagte ihr Chandra damals, als sie zum ersten Mal eine Teleportation vollführt hatten, „Fürchte Teleportationen, gehe nie leichtfertig mit diesem Zauber um. Er kann dich durch die Zeit schleudern oder dich in die hungrige Arme von Deimonen führen. Tteleportiere dich nie, wenn du nicht weißt, was du tust.“
Alari war aus einer anderen Zeit. Norad wurde von Arlondo als Hauptstadt abgelöst, nachdem der erste Krieg geendet hatte. So erzählte man es sich. Doch der erste Krieg und das goldene Zeitalter waren Jahrtausende in der Vergangenheit. Wie konnte sie so weit in die Zukunft befördert worden sein? Selbst für die mächtigsten Magier war dies eine Unmöglichkeit.
Es sei denn…
[„Einer der Erstgeborenen Eremons residierte im hohen Tempel von Norad, der große Drache Fandrasâr. Er selbst kämpfte sogar an unserer Seite!“]
Fandrasâr, einer der mächtigen fünf Erzdrachen, verschwand im ersten Krieg. Den Legenden nach sollte er den Elfen zur Seite stehen, wenn der Zorn von Norosh wieder die Welt plagen würde.
Alari hatte sich schon längst von der schluchzenden Elfin, welche die Nähe ihrer anderen Gefährtin gesucht hatte, abgewandt und saß nun vor Aine. Ihre Augen spiegelten ihre Verwirrung und einen Hauch von Verzweiflung wider.
Die Magierin zögerte. Sollte sie ihre Vermutung offenbaren? Die Illusion brechen?
Aine schwieg und beide Frauen saßen sich stumm gegenüber. Dennoch versuchten sie hinter das Schweigen zu sehen und dort eine Antwort zu finden.
Resigniert seufzte Alari. Eine ihrer Hände umfasste die von Aine und jegliche vorherige Anspannung löste sich durch diese simple Geste.
[„Wo finde ich den nächsten Drachen?“]
Ohne es zu merken, lächelte Aine. Der Name der Stadt, zu der sie wanderten, besaß diesen nicht ohne Grund.
["In Ashan. Dort lebt der Herr des Rates. Sein Name ist Asha."]

Ich hoffe, dass das soweit für dich passt, Rosered.
Der Drache ist übrigens weiblich und die Vorsteherin des Drah’Zil Rats. Drah’Zil werden von einem Rat regiert.

Fruwluamressaw
27.06.2016, 20:06
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Langsam, viel zu langsam, sank die Wüstensonne dem Horizont entgegen und tauchte den Sand in ein angenehmes rotes Licht. Es war jetzt nicht mehr so heiß, aber ihre nackten Füße schmerzten sehr vom vielen Laufen auf dem heißen sandigen Untergrund. Sie war lange nichtmehr sauer, nurnoch müde und erschöpft und dachte an warmen Braten und kühles Zwergenbier. Irgendwann, sie spürte ihre Füße schon gar nicht mehr richtig, hielt die Karawane an. Erschöpft lies sie sich vorneüber auf den weichen Sand plumpsen. Neben ihr stand der Menschenriese noch tapfer auf seinen Beinen und schnaubte verächtlich. Kurze Zeit später, sie war bereits eingedöst, kam der Echsenmann, den sie am Tag zuvor angesprochen hatte. Mit einem Gesichtsausdruck der irgendwo zwischen Arroganz und Tadel einzuordnen war, schaute er hinab zu Nezlez. Sie schien irgendetwas wirres zu Träumen und murmelte Worte vor sich hin "....mhmhmmm.....paaren..?!....na warte...mmgrmgm.....abschneiden....".
Der Echsenmann räusperte sich. Keine Reaktion. Dann stieß er sie unsanft mit seinem Fuß an. "Aua! Und jetzt trittst du mich auch noch du unverschämter kleiner....Oh!" Wo eben noch das Gesicht eines Goblin aus ihrem Stamm war, da waren plötzlich die schmalen Pupillen des Echsenmannes, die sie eindringlich anschauten. "Und? Wirst du dich fortan benehmen oder hast du gefallen am Laufen gefunden? Mir macht es nichts aus, dir einen zweiten Marsch zu gönnen..."
"Nein nein nein, schon gut! Ich bin jetzt brav....wirklich!" ("Mal sehn...") Es hatte derzeit keinen Sinn zu rebellieren, das war ihr klar geworden. Wenn sie überleben wollte, müsste sie sich etwas einfallen lassen. "Gut, ich nehme dich beim Wort Goblin." "Nezlez, das habe ich doch schon gesagt" Sie war sehr bemüht, nicht genervt zu gucken. "...Wie auch immer. Brichst du dein Wort, wirst du beim nächsten mal verfüttert. Denk daran!" Sie nickte und er nahm ihr die Fesseln ab und schleppte sie wieder zu den anderen in den Käfig.

Die Ration lag bereits dort. Total dehydriert nahm sie sich von dem Wasser und schüttete sich eine große Ladung den Rachen hinunter. Dann nahm sie etwas von dem Trockenen Brot und begann es zu essen. Die Elfen schienen sich mittlerweile gut zu verstehen. Nezlez hingegen kam sich vor, wie von Feinden umringt. Die Mitgefangenen auf der einen und die Echsen auf der anderen Seite. Keine besonders gute Position, wenn sie weiter überleben wollte. Die Echsen waren Herren ihrer Lage und waren nicht zu überreden. Vielleicht war es klug, sich nicht weiter mit den anderen Käfiginsassen anzufeinden. Sollte es je eine Chance auf eine Flucht geben, so wäre es besser, wenn man ihr half anstatt sie zurückzulassen oder zu töten. Der Gedanke war ihr zwar zuwider, aber um des Überlebens willen nahm sie sich vor, fortan freundlicher zu den anderen zu sein. Wennauch nur vorübergehend. Sie schluckte den letzten Bissen hinunter. Gut schmeckte es hier nicht. Unter normalen Umständen hätte sie auf so eine Art Verpflegung verzichtet. Aber was waren schon noch normale Umstände. Normale Umstände waren, dass man nicht plötzlich durch ein Portal mitten ins Unglück gestürzt wurde.
Da kam ihr eine Idee.
Sie wandte sich an die Menschenfrau. "Guten Abend, Hexe. Wie war dein Tag so? Bestimmt total zauberhaft..." Sie schaute sich um. Kein Echsenmann in der Nähe der von ihrer genialen Idee hören würde. "Du hast uns mit deiner Teleportation in diese Lage gebracht. Warum teleportierst du uns nicht einfach nochmal? Ich schlage Wiringol vor, ein toller Zielort. Kannst du das nicht machen? Das wäre echt total nett von dir..." ("..du dumme F**ze.."). Nezlez versuchte, eine freundliche Miene aufzusetzen. Es gelang ihr nicht und sie lies es sein.

coel
28.06.2016, 12:31
https://abload.de/img/ainecyauv.pngAshan.
Nach vier langen, drückenden Tagen hatten sie Ashan erreicht.
Die Stadt, wo man genauso schnell reich wie arm werden konnte. Das Zentrum des Handels in der bekannte Welt, wo man alles finden konnte, was das Herz begehrt. Kräftige und wunderschöne Sklaven, makellose Edelsteine, seltene und mächtige Artefakte, meisterlich geschmiedete Waffen oder exotische Gewürze waren nur einige der unzähligen Waren, die die Händler anpriesen. Dieser Ort war ein Symbol, es war etwas, was die Drah’Zil am Meisten auszeichnete. In einem Buch über die Stadt hatte Aine gelesen, wenn man die Drah’Zil wahrlich verstehen wollte, muss man nach Ashan gehen.
Die Gründung der Stadt fand nach dem ersten Krieg statt. Asha, der große Drache der Ordnung, sah, dass die Drah’Zil unter der Hitze der Sonne litten. Auf ihrer Heimatinsel war ihnen unendlicher Sand fremd, stattdessen hatten sie Sümpfe und feuchten Dschungel. Asha bedauerte das Volk der Drah’Zil sehr und so schlug sie ihre Klaue in die Hügel. Lebensspendendes Wasser murmelte aus der Wunde des Gesteins heraus. Die Drah’Zil waren dankbar für dieses Geschenk. Dankbar bauten sie eine Stadt in ihrem Namen und baten sie darum ihnen mit Rat zur Seite zu stehen. So geschah es, dass Asha als einziger der großen Fünf seinen Platz inmitten eines der Völker fand, wo sie das Schicksal von diesem mitbestimmen sollte.
Es dämmerte bereits, doch die hohen, goldenen Türme und farbigen Dächer von Ashan waren immer noch zu sehen, wie sie unter den Sonnenstrahlen glänzten. Die Stadt saß auf einem hohen Hügel, so dass man nur einen schnörkeligen Bergpfad zu den Toren kommen konnte. Am Fuße des Hügels befand sie ein großer See, der durch die Bergquelle mit kristallklarem Wasser gefüllt wurde. Für Aine schien es so, als wären sie an einem ganz anderen Ort. Sie durchquerten ein Tal, um den Gebirgspfad zu erreichen, hörte sie eine der Echsen sagen. Hier im Tal war es unglaublich grün, voll mit Palmen und anderen Pflanzen, die schwere saftige Früchte trugen. Beim bloßen Gedanken daran, knurrte ihr Magen geräuschvoll. Aine hatte sich schon so an die hoffnungslose Leere der Wüste gewohnt, dass sie nun völlig gebannt auf ihre Umgebung starrte.
Den anderen Insassen im Käfig ging es nicht anders, bis auf Cadan. Ihn hatten die Drah’Zil fast zweieinhalb Tage laufen lassen. Am Mittag des dritten Tages war er einfach in den Sand gestürzt und hatte sich nicht mehr bewegt. Die Drah’Zil hatten ihn in den Käfig verfrachten, wo er sich allmählich wieder erholte. Die Anstrengung des Laufes sah man ihm trotzdem noch an und Aine fragte sich schon, ob sie den Trolljäger gebrochen hatten. Sein Gesicht war verbrannt und die Haut schälte sich schon ab. Er war kein schöner Anblick und beinahe empfand sie Mitleid für ihn.
Sie wendete sich ab, nur um daraufhin in die bösartigen Augen des Goblins zu starren. Wenn es nach Aine ging, hätte man diesen grünen Abschaum in der Wüste zurücklassen sollen. Besonders verwundert war sie gewesen, als sie von dieser Nezlez – so nannte sie sich – angesprochen worden war. Doch die Überraschung schlug schnell in Verachtung um, als diese einen lächerlichen Vorschlag zur Flucht empfahl. Allerdings musste sie zugeben, dass die Goblin keine Ahnung von Magie zu haben schien und daher nicht bemerkte, aus welchem Material der Käfig bestand.
Winkeleisen war ein Metall, das Magie negierte. Um einen Magier festzunehmen, benutzte man Handschellen aus Winkeleisen, so dass er keinen Zauber mehr wirken konnte. Allerdings mussten die Handschellen aus absolut reinem Winkeleisen bestehen, denn ein erfahrener Magier würde sich mit ausreichend Konzentration aus diesen befreien. Unglücklicherweise war Winkeleisen auch sehr robust, weswegen auch sehr gut als Käfig diente.
Sie hatte der Goblin geantwortet, dass eine Teleportation ohne ihr Buch nicht möglich war, was auch stimmte. Über das Material des Käfigs hatte sie jedoch kein Wort verloren.

...

Nalims Brust schwellte vor Stolz an, als er endlich die Umrisse von Ashan sehen konnte. Es war sein Geburtsort, seine Heimat und trotz der Abneigung seiner Artgenossen wegen seines Makels ihm gegenüber würde es das immer für ihn sein. Im Gegensatz zu Rijok nahm er die Bleichhaut als Strafe der Götter hin. Er war ein Mörder und die Götter hatten ihn deswegen rechtens bestraft. Der Anblick seines blutigen Schmiedehammer, von dem das Blut eines erschlagenen Drah’Zil tropfte, war eine Erinnerung, die er sich immer wieder ins Gedächtnis rief, wenn er sich bemitleidete.
Der wütende Aufschrei eines menschlichen Händlers riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Nauglir hatte hungrig nach einem Pferde geschnappt und jenes war wiehernd aufgesprungen, was die ganze kleine Karawane in Unruhe brachte.
„Achte mal auf deinen Nauglir, du Idiot!“, schrie ihm der dunkelhäutige Menschling entgegen, während er seine Pferde wieder beruhigte.
„Verzeiht meine Unachtsamkeit“, entschuldigte sich Nalim und zog stark an den Zügeln des Nauglir, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen.
Ashan war ein Platz für Händler. Eine neutrale Zone, die nur als reiner Markt diente. Ausgewiesene Kaufleute aus allen anderen intelligenten Rassen durften die Stadt betreten. Ebenso wie auch Nalim bald die Tore zusammen mit Rijok durchqueren durfte. Sein Anführer hatte sich einen Namen als Sklavenjäger gemacht. Unter einer kleinen Gruppe, die den Sklavenmarkt in Ashan kontrollierte, war er einer der wichtigsten und bekanntesten. Deswegen durfte er auch mit einem Infizierten seiner Gruppe die massiven Tore der Stadt passieren, ohne dabei in das Dorf, welches außerhalb für Bleichhäute geschaffen worden war, verwiesen zu werden. Ihre anderen beiden Gefährten würden derweil mit den Nauglir und den Söldner im Dorf auf ihre Rückkehr warten.
Sobald sie in der Stadt angekommen waren, würde Nalim die freie Zeit nutzen, um sich nach einer neuen Waffe umzusehen. Der Verkauf der Sklaven fand erst am nächsten Morgen in aller Frühe statt, da die Sonne noch nicht wie ein Schmelzofen die Sklaven marterte und für Verkäufer als auch Käufer somit am Günstigsten war.
Rijok war neben ihn geritten. Sein nachdenklicher Gesichtsausdruck verriet, dass er bereits den Preis seiner Waren im Kopf durchging. Nalim gluckste vergnügt.
Er würde sich ein wertvolles Schwert kaufen können.


Bild von Ashan:
http://orig13.deviantart.net/a01a/f/2010/170/a/d/palace_by_nuro_art.jpg

Rosered_Strauss
29.06.2016, 23:25
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari starrte verzückt auf den prachtvollen Anblick, der sich ihr bot. Inmitten des tristen, von allem Grün verlassen zu scheinenden, endlosen Sand erblühte ein wahrer Ausbund an Farben. Wasser war hier in solcher Hülle und Fülle vorhanden, dass die Vermutung nahelegte, dass es eine Quelle gab, womöglich sogar mehrere. Die gesamte Umgebung war ein Bruch mit der Wüstenlandschaft, doch die Elfe störte sich nicht daran. Zum Einen zeigte es Ihr, dass Aine wohl tatsächlich richtig gelegen hatte und ein Drache vor Ort residierte, denn sie konnte sich niemand anderen vorstellen, der zu solchen Wunderwerken in der Lage war. Zum Anderen war sie schlicht und ergreifend hingerissen von dem Bild, das sich ihr bot. Ihre Augen erfassten dutzende Eindrücke der Stadt auf einmal. Es begann mit einem Händler, der in einem seine Schuppenfarbe komplementierenden bräunlichen Überwurf eine vielzahl von exotisch anmutenden, bunten Früchten anpries, während einige kleine Echslinge (wie sie die jungen Drah'Zil betitelt hatte) sich darum rissen, als erstes an den Stand zu gelangen und seinen saftigen Inhalt zu erstehen. Ein Kriegertrupp von schwer gerüsteten Gardisten marschierte in exaktem Gleichschritt über die Straße, die Speere hoch erhoben, die Schwänze wie im Takt eines unhörbaren Marschliedes zuckend. Vor Alaris Augen wirkte es, als ob die unterschiedlichen Farben all der Schuppenkleider der sichtbaren Bewohner Ashans Teile eines großen Wandteppiches waren, ein jeder Drah'Zil ein bunter Faden, der durch seinen Weg durch die verschlungenen Straßen seinen eigenen Faden mit denen der Anderen verflocht. In der hellen Sonne strahlten die Dächer, als wären sie aus Edelmetallen gefertigt. Womöglich waren es einige sogar tatsächlich, wenn man dem Schein nach ging, der durch das reflektierte Licht verursacht wurde.

"Wahrlich, welch ein Anblick ist dies!" gab sie leise ehrfürchtig von sich. "Selten sah ich eine Stadt diesen Ausmaßes, gar noch nie, so deucht es mir. Welch Wunder, einen solchen Hort der Zivilisation anzufinden..." ihre Stimme verlor sich, als sie erst jetzt wieder der Gitterstäbe gewahr zu werden schien, welche sie umgaben. Doch selbst dies schien ihre Stimmung nicht zu trüben. Mit leuchtenden Augen und noch strahlenderem Lächeln wandte sie sich Aine zu, der sie als Einzige eine ähnliche Reaktion zutraute. "Ist dies nicht wunderlich und wunderbar? Dies, werte Aine, ist ein Gemälde, dessen Künstler es noch immer hingebungsvoll zu vollenden bemüht. Nur die Altvorderen, die Erstgeborenen Eremons, bringen eine solche Geduld und eine solche Kunstfertigkeit auf! Eure Worte waren wahrhaftig weise, mir deucht, die himmlische Herrin Asha residiert fürwahr in diesem Juwel!" Sie begab sich an den Rand des Käfigs, streckte ihren rechten Arm hinaus und liess ihre Finger sanft über einen geschwungenen Palmwedel streichen. "Wahrhaftig, dies erfreut mein Herz." meinte sie leise, während ein Söldner sie erst aufhalten wollte, jedoch nach einem Blick auf ihre vor Freude glühenden Augen selbst ein verwirrt- fröhliches Lächeln aufsetzte und sie gewähren liess. "Ist dies nicht ein Zeichen, dass sich auch in dunkelster Nacht eine Laterne der Hoffnung entzünden lässt? Inmitten all des Sandes, inmitten der tristen Einöde, liegt ein solcher Schatz verborgen, der seinen Bewohnern Wasser, Schutz und Zuflucht gewährt." Ihr Blick wanderte in die Ferne, während sie begann, eines der Lieder des Windes zu summen. [Den Meisten zumindest...] fügte sie an, ehe sie den Arm wieder zurück in den Käfig zog und sich erneut der Maga zuwandte. [Wir dürfen es nicht länger hinaus zögern. Wir brauchen einen Plan. Sobald man uns verkauft, wird es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, aus dieser Situation zu entfliehen. Die Reise war voller Entbehrungen, doch ich habe erst zuvor noch... schlimmeres durchleiden müssen. Verglichen mit jener Tortur war dies beinahe erholsam, und die Wärter haben mir meinen Schlaf gegönnt. Ich denke, ich kann die Wachen dazu bringen, den Käfig aufzuschliessen - jedoch nicht mit den besten Intentionen. Ihr Wollen wird gänzlich auf mich gerichtet sein, und ich zweifle nicht daran, was Männer in einer solchen Stimmung Frauen in meiner Lage anzutun vermögen. Doch ihre Aufmerksamkeit wie auch ihr Begehr lastet auf mir, Ihr Anderen seid nur am Rande für sie da. Traut Ihr es Euch zu, mit den Anderen zur Tat zu schreiten und die Männer zu überwältigen? Gerade bei den Drah'Zil bin ich nicht sicher, ob und welche Wirkung mein Lied auf diese haben wird, sollten sie ebenfalls vor Ort sein. Ich werde notfalls etwas anderes anstimmen müssen, doch am Besten wäre es, wir würden dies so ungesehen wie möglich machen.] Ihr Blick wanderte gen Zentrum der Stadt, und beinahe erwartete sie, einen Drachen in der Ferne gen Himmel aufsteigen zu sehen. [Sollten wir es jedoch schaffen, hier unbemerkt heraus zu kommen, so ist mein Vorschlag, dass wir uns zur Herrscherin der Stadt begeben. Unsere Umstände sind unglücklich, doch ich bin die höchste Priesterin Fandrasârs, und noch nie habe ich in meinem Dienste an Eremon die Unwahrheit gesprochen. Auch ist meine Kenntnis und Artikulation der drachischen Sprache gut genug, damit ich sie dazu bringen können dürfte, mir zuzuhören. Doch alleine schaffe ich dies nicht.] schloss sie ihre Ausführungen und sah Aine erwartungsvoll an.

Ironhide
30.06.2016, 12:59
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Wie lange hatte er geschlafen? Hatte er überhaupt geschlafen? Sein Haupt hatte er in den Sand gelegt, das war zumindest das letzte, woran er sich erinnern konnte, als er zu Boden gegangen war. Cadan wusste da schon nicht mal mehr, wie lange er schon in der Hitze gelaufen war, drei Tage oder waren es doch vier? Jedenfalls zu lange. Seine Haut schmerzte von der Sonne, die Beine vom Marsch und der Rest vor Hunger und Durst. Doch hatten sie ihn nicht sterben lassen. Kaum das er wach war, reichte man ihm Wasser, eine der Elfen tat dies, glaubte er. So ganz sicher war er sich nicht.
Cadan war erst kurz vor dem Morgengrauen erwacht und fühlte sich elendig. Er hatte kaum die Kraft, sich auf zu setzten und immer wenn er es versuchte, fing sein Kopf an die Welt um ihn herum in eine solche Drehung zu versetzten, das ihm schlecht wurde. Etwas anderes als liegen konnte er nicht. Dafür bekam er aber reichlich Wasser und sogar etwas mehr als nur trocken Brot. Er war wohl doch wertvoller für den Sklavenhändler, als er angenommen hatte. Stunden später fühlte er sich bereits etwas besser, wenn es auch nicht viel war. Erst als sie die Stadt erreichten, merkte auch Cadan selbst eine kleine Besserung, es drehte sich nicht mehr alles. Von der Stadt sah er aber nicht viel im liegen, im Grunde gar nichts. Der Käfig war noch immer verhangen und dort wo sich seine Mitinsassen an die Seite drängten um hinauszuspähen, hörte er nur all die Geräusche von draußen. Sie waren ihm aber gleichgültig, zumindest in seinem Zustand war es ihm das. Er nahm an, das dies Ashan sein müsse, was ja auch das Ziel der Sklavenhändler war. Er hatte von der Stadt schon mal gehört, würde sie auch gerne sehen wollen, in seinem Zustand jedoch, war er froh einfach nur liegen zu können, um sich von den Strapazen zu erholen. Er war sich sicher, das er seine Kraft später noch brauchen würde und daher war jede Minute ohne Anstrengung wichtig. Die Stadt würde er halt ein andermal sehen und er war sich sicher, das er das als freier Mann tun würde. Dennoch versucht Cadan sich erneut aufzusetzen und mit Hilfe eines der anderen Männer die verkauft werden sollten, gelang es ihm auch. Er lehnte sich gegen die Stäbe, um etwas Stabilität zu haben. Die Gitterstäbe waren angenehm kühl, was ihn erneut überraschte. Das sie in solch einer Hitze kaum wärme aufnahmen, war schon etwas verwunderlich. Vielleicht waren sie mit irgendeiner Magie belegt. Ihm war diese Gegebenheit egal, selbst gewöhnlichen Stahl von solcher Stärker könnte er nicht verbiegen, verzaubert hin oder her.

„Wie geht’s nun weiter? Wenn wir an unserem Ziel sind, wird es sicher nicht mehr lange dauern, und wir werden an den Meistbietenden verhökert.“, stellte der Trolljäger überflüssigerweise fest. Es wurde ihnen ja immer wieder gesagt, unnötig es den anderen nochmal in Erinnerung zu rufen.

Fruwluamressaw
30.06.2016, 23:34
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png
("Schade. Die Idee mit dem Wegteleportieren war wohl doch nicht ganz so genial. Wäre wohl zu schön gewesen..") Mittlerweile waren sie in Ashan angekommen und Nezlez lies es sich nicht nehmen, aus dem Käfig zu spicken. Es war eine willkommene Abwechslung zur kargen Wüste - Wasser, sehr viel Wasser. Und wie es für Gewässer üblich war, brachten sie auch hier viel Grün mit sich. Die Bäume sahen hier zwar deutlich anders aus, waren aber dennoch als solche zu erkennen. Teilweise wuchsen Früchte daran. Noch erstaunlicher waren allerdings die Gebäude der Stadt. Nezlez war bisher vor allem Goblinhöhlen und schlichte Menschenhütten gewohnt. Die hier sahen deutlich prachtvoller aus und Nez viel es schwer, nicht beeindruckt zu sein. Neugierig wanderte ihr Blick. Ein weiterer Kontrast zur Wüste, neben der Optik, war auch die Geräuschkulisse. Ashan wirkte sehr lebendig, viele verschiedene Stimmen, die da durcheinander sprachen. Sie konnte viele Händler und Kaufleute sehen. Ein Paradies, wenn man etwas stehlen wollte hatte man hier die Qual der Wahl. Nezlez juckte es bereits in den Fingern. Aber ebenso musste man auch vorsichtig sein, Nezlez war nicht entgangen, dass auch einige bewaffnete Soldatenpatrouillien auf den Straßen unterwegs waren. Aber jetzt gerade war es ohnehin egal, denn sie war ja immer noch in Gefangenschaft. Frustriert grummelte sie vor sich hin. Die Teleportation war keine Möglichkeit und ihr wollte keine andere einfallen.

Neben sich hörte sie die Elfe mit der Hexe tuscheln. Was hatten die beiden zu bereden? Sie spitzte die Ohren und lauschte, aber die Elfe sprach in einer Sprache, die sie nicht verstand. ("Typisch Elfe! Verschwendet ihre Zeit mit verworrenen Wörtern und Geheimnistuerei!") - Aber vielleicht schmiedeten die beiden bereits einen Plan?. Wenn dies der Fall wäre, und Nezlez Teil dieses Planes werden wollte, so musste sie sich jetzt einbringen. Bessere Alternativen gab es gerade leider ohnehin nicht. Sie biss sich auf die Lippe, überlegte kurz und setzte sich dann im Schneidersitz neben die beiden Frauen, die sie direkt, Aine eher abfällig, die Elfe eher verwundert, anschauten. "Was gibt's denn hier zu Tuscheln, Elfe? Tauscht du dich mit der Hexe über Kräuter und Frösche aus?" Sie beugte sich vor und flüsterte "Oder hast du mittlerweile eine Idee, wie wir aus diesem Kasten kommen?" Die Elfe zögerte kurz, nickte aber dann. "Gut. Aus eigenem Interesse werde ich das Spiel mitspielen. Oder würdest du lieber einen weiteren Feind anstatt einer Verbündeten bevorzugen? Nein, SO doof kannst du ja nicht sein. Wie hast du es dir überlegt? Wie wollen wir an unsere Ausrüstung kommen? Die ist bei diesen fetten Transportechsen. Hast du das denn bedacht, Elfe? Ich traue unserem Männlein *sie nickte zu Cadan* zwar zu, auch ohne eine Waffe etwas mit seinen Riesengriffeln ausrichten zu können, aber ich hätte lieber mindestens einen Dolch zur Hand. Außerdem habe ich da auch noch einigen Kram, auf den ich ehrlich gesagt nur sehr ungern verzichten würde."

coel
01.07.2016, 11:57
Schmerz durchzuckte sie, als die rasiermesserscharfe Klinge sich in ihr Fleisch schnitt. Blut, welches so dunkelrot war, dass es beinahe schwarz zu sein schien, tropfte auf den staubigen Pflastersteinboden, wo der Basar aufgebaut worden war. Ein kurzer Schmerzlaut glitt über die dünnen Lippen und der Mund öffnete sich leicht, wobei er zwei saubere Reihen von kleinen spitzen Zähnen entblößte. Ein Hauch von Überraschung kroch wie ein Insektenschwarm über die raue, dunkle Haut des kantigen Gesichts und das glühend rote Auge beäugte ungläubig die so schnell geschehene Verwundung. Dann wechselte ihr Ausdruck in ein teuflisches Grinsen.
Der Zwergenhändler, der die hohe Gestalt misstrauisch betrachtete, erkundigte sich nach einem Moment des Wartens, ob seinem Gegenüber die Ware gefiel. Das Wesen bleckte die Zähne wie ein Raubtier, was den Zwerg nur noch mehr verunsicherte, dann gab sie das Schwert zurück.
„Es ist scharf“, sagte es mit einer tiefen, rauchigen Stimme, „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch andere Schwerter gibt, die so gut schneiden.“
„Dann seid ihr noch nie einem guten Zwergenschmied begegnet“, sagte der stämmige Zwerg stolz und verstaute seine Ware wieder sorgsam, um sich dann wieder dem potenziellen Käufer zuzuwenden, „Ihr werdet erstaunt sein, zu was für Werken unser Volk fähig ist.“
„Dessen bin ich mir sicher.“
Nach diesen Worten riss sie mit einer Schnelligkeit ein Schwert aus der Scheide an ihrem Gürtel, dass der Zwerg erschrocken zurückwich und schützend seine Hände vor sich hob.
Das Schwert mit kunstvollen Runen schien wie ein Stein in einem Fluss geformt worden zu sein. Glatt und natürlich wirkte es so, als wäre es aus einem Bergwerk geschlagen worden und hätte weder die kräftigen, formenden Schläge eines Hammers noch die reinigende, sengende Glut des Ofens erfahren. Faszination überkam den Zwerg beim Anblick der makellosen Klinge, die strahlend das morgendliche Sonnenlicht reflektierte.
„Das ist ein ordinisches Schwert! Diese Kunstwerke wurden den Elfen geschenkt. Nur ein hochgeborener Elf trägt eine derartige Waffe, aber ihr seid kein Elf!“, blaffte der Zwergenhändler fast schon erbost über das Schicksal des zwergischen Handwerks.
„Es gehörte einem Elfen, Zwerg“, sprach das Wesen und ihr Auge verengte sich zu bedrohlichen Schlitzen, „Ich habe sein Herz verspeist, nachdem ich ihm in seiner sterbenden Anwesenheit seine letzte Tochter wie ein Vieh ausgeweidet habe.“
Die Shantiri grinste boshaft und der Zwerg konnte die unaussprechlichen Grausamkeiten der Vergangenheit vom narbigen Gesicht lesen als würde er ein Gemälde betrachten.
Ihre klauenartigen Hände lüfteten eine schwarzes, ledernes Band, das diagonal auf ihrem Kopf lag, und zeigten ein grobes Loch, wo früher einmal ein zornig starrendes Auge gewesen war.
„Er raubte mir ein Auge, ich raubte ihm seine ganze Existenz“, sagte sie so kalt, dass der Zwerg erbleichte und seine Finger taub vor Entsetzen wurden.
Das Schwert verschwand wieder in seiner Scheide, dann blickte die Shantiri den Zwerg noch ein Herzschläge stumm an.
„Ihr habt ausgezeichneten Waffen, Herr Zwerg“, begann sie plötzlich, „Ich werde euch demnächst wieder besuchen. Gehabt euch wohl.“
Ivras nickte dem immer noch geschockt wirkenden Zwerg zu, dann drehte sie sich auf dem Absatz und verschwand in Masse der Besucher des Basares.

...

https://abload.de/img/ainecyauv.pngAine schüttelte lächelnd über die Naivität der Beiden den Kopf.
„Glaubt ihr wirklich wir kommen hier einfach weg?“, flüsterte sie mit der Elfe und der Goblin, „Wir sind in Ashan. Hier wird alles gehandelt, was zum Handel freigegeben ist.“
Sie deutete auf Alari.
„Ich bezweifle, dass sie eine Sklavin auch nur in die Nähe des Palastes lassen.“
Sie machte eine Pause und richtete ihre Augen auf Nezlez.
„Du fällst auf wie ein pinker Kater. Du kommst nicht von ihr und ich bezweifle, dass die Drah’Zil etwas frei herumlaufen lassen, was sie nicht kennen“, sagte fast schon verächtlich und fuhr sich durch ihre blonden verfilzten Haare.
„Wir werden auf eine geeignete Gelegenheit warten müssen“, gab sie schließlich resigniert zu.
Bevor die Beiden etwas einwenden wollten, erkannten sie, dass Aine wusste, wovon sie redete. Sie zogen sich schweigend in eine Ecke des Käfigs zurück und verloren sich in ihre Gedanken.
Nachdem sie das Tor passiert hatten, marschierte die bleiche Echse namens Rijok belgeitet von den menschlichen Söldner mit ihnen durch die Straßen der Stadt. Das Tuch hatte er schon lange vom Käfig gezogen, so dass sie nun die Gebäude und Bewohner von Ashan betrachten konnten. Keiner von den Einheimischen schien sie jedoch eines eingehenderen Blickes zu würdigen. Offenbar waren sie das Bild eines vorbeiziehenden Käfigs, der gefüllt mit anderen Rassen war, schon lange gewohnt. Ebenso machten sie auch einen großen Bogen um Rijok und manche hörte Aine fluchen, als sie ihn kommen sahen. Die bleiche Echse ließ sich nichts anmerken und führte den Käfig langsam, aber sicher zu einem weitläufigen Hof.
Eine rotschuppige Echse, dessen riesige Statur und Muskeln sowohl den Drah’Zil ja sogar Cadan in den Schatten stellte, näherte sich kauend Rijok. In seinem Maul lagen auch die Blätter, welche die anderen Echsen gerne als Zeitvertreib nutzten.
„Rijok Silberklinge, ich grüße dich“, sagte er mit tiefen grollenden Stimme.
„Samael, es ist mir eine Ehre“, entgegnete ihm Rijok und verbeugte sich leicht, „Wie du siehst, bringe ich Ware für den morgigen Markt. Sind meine Zellen gesäubert und bereit?“
Der Echsenriese schaute an Rijok vorbei zu dem Käfig, wobei sich für einen Moment die Augen von ihm und Aine trafen.
„Wie ich sehe, hast einen guten Fang gemacht. Ich hoffe, die Sklaven taugen auch was.“
„Ich verkaufe keine minderwertige Ware, das solltest du wissen. Jetzt schaff mir meine Lieferung in den Zellen. Die Reise war lang und ich bin müde.“
Knirschend öffnete sich ihr Käfig und Aine spürte, wie ihre Gelenke von der wenigen Bewegung schmerzten, als sie ihr Heim der letzten Tage zum ersten Mal verließ. Jedem Sklaven wurden die Füße zusammengekettet, dann wurden sie zu dem Lagerhaus gebracht. Aine hatte bereits Verließe gesehen und rechnete schon damit, von einem unangenehm Gestank überwältigt zu werden. Doch die Luft roch nur schwach nach Ausdünstungen und die Zellen waren ausgesprochen sauber. Sie wurden nach Geschlecht getrennt in eine der leeren Zellen geschafft, wo sich Aine auf das ausgestreute Stroh am Boden legte. Die Ketten an ihren Füßen klirrten dabei.
Die bleiche Echse starrte sie noch eine Weile an, dann verließ er sie ohne ein Wort zu sagen.

Sodala... Es geht weiter... Bald

Ich habe jedoch eine Aufgabe an euch. Jeden von euch Mitspielern. Gebt mir im Diskussionsbereich Bescheid, sobald ihr alle bereit seid :)
Bis dahin: Schreibverbot!

Waltikon
03.07.2016, 13:03
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png„Celriel, komm, wir ziehen uns zurück!“
Die Angesprochene, deren Blick eben noch in die Ferne gerichtet war, drehte sich in die Richtung, aus der sie die Stimme ihres Hauptmannes vernommen hatte. Zu ihren Füßen lag ein Shantiri, dessen Todeskampf sie, nachdem sie ihn während des Kampfes mit ihrem Schwert die Gliedmaßen beinahe abgetrennt hatte, nicht ohne eine gewisse Befriedigung beobachtet hatte, sorgfältig darauf bedacht, ihm zusätzliche Schmerzen zu bereiten, ohne sein Ableben unnötig zu beschleunigen.
„Sie sind aber da lang.“ erwiderte sie und zeigte mit der Hand zum Waldrand, in dem sich die nach Süden führende Straße verlor. Der Hauptmann seufzte. Sie musste doch selbst sehen, dass ihnen die Verfolgung unmöglich war.
Der Kampf war zwar nur kurz gewesen, dafür aber heftig. Drei Tage lang waren sie den Spuren dieser Karawane gefolgt, ehe sie sie endlich eingeholt hatten. Wie der Sturmwind waren sie im Morgengrauen über ihr Nachtlager hergefallen und hatten sie regelrecht abgeschlachtet, doch die Shantiri verstanden sich zu wehren, und so hatten auch sie ein paar Tote und mehrere Verwundete zu beklagen. Doch das war es wert, hatten sie doch eine Handvoll Elfen befreien können. Sauber abgenagte Knochen neben dem niedergebrannten Lagerfeuer ließen erahnen, welches Schicksal ihnen sonst geblüht hätte.
Eigentlich sollte man sie einfach niederringen, fesseln und mit zurückschleppen, aber er hatte wirklich keine Lust, sich dieses Theater anzutun, also versuchte er, sie mit Worten zu überzeugen. „Du siehst doch selbst, dass die Verwundeten behandelt werden und die Zivilisten in Sicherheit gebracht werden müssen.“ Er war zu ihr hingegangen, hatte die Hand auf ihre rechte Schulter glegt und sah ihr fest in die Augen. „Wir befinden uns schon fast an der südlichen Grenze des Shantiri-Gebietes. Wir können sie nicht einfach alleine zurückschicken, wir müssen sie auf dem Rückweg beschützen!“
Ihr Blick blieb auf den ihres Hauptmanns gerichtet. Sie musste sich nicht umsehen, um seine Worte bestätigt zu sehen, immerhin war sie sich der Situation sehr wohl bewusst. Und dennoch, was dieser Shantiri ihr mit seinen letzten Atemzügen voller Verachtung noch entgegengeschleudert hatte, durfte nicht ignoriert werden. Offenbar war die Karawane auf eine Abordnung mit einer hochrangigen Shantiri getroffen, und eine der Wachen hatte sich verplappert und verraten, dass sie nach Ashan unterwegs wären. „Wenn an dem, was dieses Ding gesagt hat, auch nur ein Funken wahr ist, dann müssen wir die Absichten dieser Abordnung in Erfahrung bringen!“ Celriels Blick wanderte wieder gen Süden, ihr Blut geriet in Aufruhr. Einst hatten die Drah'Zil den Elfen die Shantiri zum Geschenk gemacht, und nun, nachdem diese ihre Herren verraten hatten, schickten sie eine Abordnung in die Hauptstadt derer, die sie als Sklaven erschaffen hatten? Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Was, wenn ...
Ihr Entschluss stand fest. „Ich werde sie verfolgen.“ Sie sagte es ganz ruhig und sachlich, und dem Hauptmann war klar, das er sie nicht würde umstimmen können.
„Also gut.“ Er drehte sich zu den anderen um und brüllte Befehle:„Packt soviel Wasser und Hafer auf ihr Pferd, wie sie bis Ashan brauchen werden!“
„Nein,“ erwiderte Celriel, „ihr braucht das Pferd dringender als ich. Die Shantiri sind nicht sehr schnell, ich werde bald zu ihnen aufschließen.“ Sie ging zu ihrem Pferd, schnappte sich ihr Bündel, den Bogen sowie den Köcher mit den Pfeilen und schulterte alles. Ihre Kameraden gaben ihr noch mehrere Wasserflaschen.
„Beschaffe die Information und komm wieder zurück. Geh kein unnötiges Risiko ein, hörst du?“ Der Hauptmann packte sie an den Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen:„Du wirst zurückkehren. Gib mir dein Wort!“
Celriel legte die rechte Hand aufs Herz und verbeugte sich leicht. „Du hast mein Wort.“ Mit einem knappen „Macht's gut!“ verabschiedete sie sich noch von ihren Kameraden, dann lief sie auch schon die Straße hinunter.

Zwei Wochen. Zwei lange Wochen war sie den Shantiri nun schon durch diese verdammte Wüste mit ihrer verfluchten Hitze gefolgt, ohne von ihnen mehr als ihre Spuren zu Gesicht zu bekommen. So paradox es klingen mag, aber sie hat ihre volle Montur anbehalten. Zwar schwitzte sie dadurch mehr, gleichzeitig brachte das dem Körper aber auch die ersehnte Kühlung (und schützte sie nebenbei noch vor einem äußerst unangenehmen Sonnenbrand). Einzig ihre Narbe machte ihr zu schaffen, explodierte ihr Kopf doch in dieser Hitze förmlich vor Schmerzen. Um die wenigen Namablätter, über die sie verfügte, zu sparen, hatte sie anfangs eine der Wasserflaschen auf den Kopf gelegt und mit der Kapuze ihres Umhanges fixiert,um die Schmerzen zu lindern, aber mittlerweile war das wenige verbliebene Wasser fast schon so heiß wie die Wüstenluft um sie herum. Also hatte sie letztendlich doch wieder Blätter kauen müssen (wobei dies den Speichelfluss anregt, was wiederum das Durstgefühl lindert).

Endlich war Ashan vor ihr aufgetaucht. Majestätisch erhoben sich die Türme der Stadt über das saftige Grün dieser einsamen Oase inmitten des endlos scheinenden Sandes. Auf dem befestigten Weg, der zu den Toren der Stadt auf dem Hügel führte, konnte sie lebhaftes treiben erkennen. Unzählige Fuhrwerke mit Gütern aller Art strebten darauf zu und begehrten Einlass. Auch Celriel folgte diesem Weg, als sie jedoch am See vorbeikam, begab sie sich zu dessen Ufer. Nicht ohne sich vorher zu vergewissern, dass sie keinen Unmut erregte, kniete sie nieder, schöpfte mit beiden Händen Wasser und schüttete es sich ins Gesicht und in den Nacken, ehe sie – nach einem nochmaligen Rundumblick – kurzerhand den ganzen Kopf ins angenehm kühle Nass steckte. Es vermochte sogar ihren tobenden Kopfschmerz ein wenig zu lindern. Sie trank noch ein paar Schluck und füllte danach schnell eine der Flaschen mit frischem Wasser (mehr auf einmal würde hier nicht nötig sein), ehe sie sich wieder in die Kolonne der auf die Stadt zustrebenden einreihte.
Allmählich fiel ihr auf, dass sie die Aufmerksamkeit der sie umgebenden Wesen erregt hatte. Sollte der Anblick einer Elfe wirklich so selten geworden sein? Oder lag es an etwas anderem? Sie roch an ihrer Kleidung. Ja, sie stank, aber bei weitem nicht so, wie diese Menschen neben ihr, und der Geruch der Drah'Zil war ohnehin eigen. Na ja, sie würde hoffentlich bald Gelegenheit haben, sich und ihre Kleidung zu waschen.
Die Torwache musterte sie und blockierte ihr schließlich den Weg. „Du da,“ herrschte der Wächter sie an, „Ich will deine Lizenz sehen!“
Ganz ruhig griff sie unter ihren Umhang und holte das gewünschte Papier hervor, welches sie bei einer armen Seele, die der Wüste zum Opfer gefallen war, gefunden hatte. „Hier, bitte.“
Sie reichte das Dokument der Echse, die es sorgsam prüfte und sie mißtrauisch beäugte. Dann beugte sie sich zu ihr herunter und gab ihr die Lizenz zurück. „Du stinkst förmlich nach Ärger! Wenn du hier Schwierigkeiten machen willst, dreh besser um, ansonsten landest du bei deinesgleichen in der Sklaverei!“ Dabei zeigte der riesige, rotschuppige Echsenkrieger auf einen vorbeifahrenden Käfig, in dem neben mehreren Menschen und einem kleinen, grünes Wesen mit blauen Haaren auch drei Elfen saßen.
„Soviel zur ,Freundschaft' zwischen Drah'Zil und Elfen!“ dachte sie erbost. Sie zwang sich, ein höfliches Gesicht zu machen. Am liebsten wäre sie dieser Echse einem Wolf gleich an die Gurgel gesprungen, aber da dies ihrer Mission nicht dienlich wäre, erwiderte sie, während sie das Dokument wieder unter ihrem Umhang verstaute, so freundlich, wie es ihr eben möglich war: „Ich versichere Euch, dass ich mich durchaus zu benehmen weiß. Und meinen unangenehmen Geruch lasst bitte meine Sorge sein, ich werde mich in Bälde darum kümmern.“
Mit einer Geste, die einem verächtlichen Naserümpfen ähnlich war, machte der Drah'Zilsoldat den Weg frei, und Celriel gelangte endlich hinter die kühlenden Mauern dieser zweifelsohne beeindruckenden und lebendigen Stadt.
Am liebsten hätte sie gleich nach den Shantiri gesucht, aber sie war nach all den Strapatzen ziemlich ausgelaugt. Und es war schon spät. Sie würde sich eine Unterkunft suchen, sich waschen, was ordentliches Essen und dann schlafen. Morgen war auch noch ein Tag ...

Rosered_Strauss
12.07.2016, 21:23
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngDie Nacht verstrich, und als der Tag für die Gefangenen begann, konnte sich keiner des mulmigen Gefühles entziehen, das sich unter ihnen breit gemacht hatte. Schon früh morgens traten gleichsam mit den ersten Sonnenstrahlen echsische Arbeiter ein, die die Gefangenen einzeln aus ihrer Zelle holten, sie wuschen und in frische, weisse Gewänder kleideten. Diese waren zwar von billiger Qualität, machten die 'Ware' aber zumindest präsentabel. Für Alari war es wohl das erste Mal, dass sie dafür dankbar war, dass sie von den Drah'Zil und nicht von Menschen gefangen gehalten wurden, denn die Kleider waren für Männer wie auch für Frauen identisch. Die Kaltblüter legten wenig Wert auf die äusserlichen Vorzüge des schönen Geschlechts - für sie galten andere Tugenden. Dennoch fühlte sich Alari wie auf dem Präsentierteller, als sie sich nicht lange nach Sonnenaufgang in Ketten wiederfand. Selbst, wenn ihre Wächter ihr nicht allzu viel zutrauten, waren sie doch vorsichtig genug. Zu oft schienen sie Häftlinge gesehen zu haben, die sich zu Verzweiflungstaten hinreissen liessen. Doch die Elfe war nicht verzweifelt. Sicherlich, sie war gestresst, sehr sogar. Die Strapazen des Krieges und ihrer magischen Beförderung setzten ihr immer noch zu, und die Tortur des Transportes unter für sie sehr großer Hitze hatte nicht dazu beigetragen, dass sie sich sonderlich erholen konnte. Doch sie hielt den Kopf nicht gesenkt, den Blick nicht stets zu Boden gerichtet. Wann immer es möglich war, ging sie aufrechten Hauptes, ihre Bewegungen immer noch so geschmeidig, als wären sie alle Teil des gleichen Gedankens. Ihr war klar, dass der Rest ihrer jüngsten Gefährten sie zumindest für entrückt, wenn nicht gar für verrückt halten mussten, war ihr Blick doch während der Fahrt zum Sklavenmarkt doch in weite Ferne gerichtet. Irgendwann schloss sie die Augen, während sie der Melodie der Stadt lauschte und schliesslich begann, diese leise vor sich hin zu summen. Eine Melodie, die geprägt durch eine Hoffnungsvolle Note war; war die Stadt doch eine sichere Zuflucht inmitten der Wüste, während das Wasser es ihnen ermöglichte, hier ein sesshaftes Leben zu führen. So viele Verse überlagerten sich hier an diesem Ort: Noten der Hoffnung rangen stets mit Noten der Verzweiflung, während einzelne Stimmen ein Lied der Einsamkeit und des Leides anstimmten, ungehört von all jenen, die noch nicht gelernt hatten zu hören. Gesänge des Stolzes, der Aufrichtigkeit und der Härte schwollen hundertfach auf und ab, so dominant, dass Alari sich beinahe sicher war, dass sie aus der Kehle eines jeden Einwohners stammten. Und je eindringlicher sie lauschte, je tiefer sie sich auf die einzigartige Symphonie Ashans einstimmte, desto mehr konnte sie die Existenz einer machtvollen Stimme wahrnehmen, die als das Leitmotiv der Stadt agierte. Eine Stimme, die so komplex und machtvoll war, dass sie von keinem sterblichen Wesen stammen konnte. Ihrer Erfahrung nach hatten nur Drachen eine solche Stimmgewalt.

So sehr hatte sie sich darauf konzentriert, zu 'hören' und zu 'singen', dass es ihr schien, als würde sie mit dem Halten des Wagens gleichzeitig aus einem Traum erwachen. Sie blinzelte kurz, ehe die Wirklichkeit sie wieder wie mit einer schallenden Ohrfeige einholte. Ihre Ketten klirrten, als Sie zuerst mit den anderen 'schwächeren Waren' nach draussen geleitet wurde. Jetzt, da sie sich wieder auf ihre unmittelbare Umgebung konzentrierte, überfluteten die Eindrücke ihres Umfeldes ihre Sinne nahezu. Das goldene, stechende Gleissen der Mittagssonne zeigte ihr, dass sie heute morgen viel mehr Zeit als ursprünglich angenommen verträumt hatte. Stimmgewirr von etlichen Menschen erfüllte den Markt, der sich um einen großen, zentral angelegten Stand aus massivem Holz herum erstreckte. Dort waren auch die großen, schweigenden Kriegerechsen zu finden, die dafür sorgten das niemand den Stand verliess und niemand ihn unbefugt betrat. Und natürlich konnte sie die Verzweiflung der Anderen nahezu schmecken. Leere Augen, kraftlose Glieder, hoffnungslose Seufzer. Wieder musste sie sich anstrengen, ganz auf die Gegenwart bedacht zu sein. "Verzaget nicht." meinte sie leise zu ihren Mitgefangenen, als nicht mehr viele Frauen vor ihr heraus gezogen wurden. "Es mag nun schwer sein, aber lasst die Hoffnung nicht fahren. Sie rechnen damit, uns schon bald zu brechen. Doch bleiben wir standhaft, mag sich eine Gelegenheit für uns ergeben." Die Drah'Zil zogen nun sie aus dem Wagen. "Ich werde für Euch singen." fügte sie noch als Abschiedsworte an, während sie so zuversichtlich aussah, wie ihre Mimik es hergab. Sie weigerte sich, die düsteren Gedanken zuzulassen, die sie plagten, verdrängte sie in die dunkelste Ecke ihres Geistes. Fandrasâr hatte Sie nicht ausgebildet, damit sie nun in Selbstmitleid verging. Lieber wollte sie sterben, als seine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Und es bestand die große Wahrscheinlichkeit, dass er nach ihr suchte. Selbst, wenn sich für sie keine Gelegenheit ergeben sollte - er würde sie sicherlich aus ihrer misslichen Lage befreien, solange sie nur aushielt.

Als sie auf das Podest geführt wurde, musste sie die Augen zusammen kneifen, um nicht von der Sonne geblendet zu werden. Im Schein des Lichtes sah es beinahe so aus, als wären die Dächer der Stadt aus Juwelen, so sehr glitzerten die verschiedenen Farben. Etliche Türme standen in ständigem Wettstreit miteinander, wer von ihnen wohl zuerst den Himmel erreichen mochte. Grün und Blau verschmolzen miteinander, wenn künstliche Wasserfälle durch dschungelartige Vegetation flossen, in Parks oder auf Privatgrundstücken angelegt. Doch die Wunder der Stadt waren nicht das, was ihre Aufmerksamkeit mit der Eindringlichkeit eines um den Hals geschlungenen Würgegriffs fesselte. Es waren die Augen, die sie regelrecht durchbohrten. Viele kalte, leidenschafts- und mitleidslose Blicke, die sie mit der Art von Aufmerksamkeit betrachteten, die man einem Teeservice zukommen liess. Doch es waren nicht nur Drah'Zil anwesend. Sie waren in der deutlichen Mehrheit, doch es waren auch Vertreter mancher anderer Völker anwesend. Und gerade diese, allen voran die Menschen, verschlangen sie mit den Blicken hungriger Tiere. Da half es nichts, dass ihre Gewandung sie zwar verhüllte, doch durch die Hitze lag die Kleidung eng genug an, um die Fantasie potentieller Käufer anzuregen. Sie fühlte sich äusserst unwohl ob dieses nackten Begehrs, und konnte nur mit Mühe den Drang niederkämpfen, ihre Hände zum Schutz vor den Körper zu halten, hätte sie doch damit die unangenehmeren Naturen nur weiter darin beflügelt, sie zu begaffen. Wenigstens konnte man die Schamesröte, die ihr ins Gesicht stieg und dieses farblich an Ihr flammendes Haar annäherte, nur zu leicht durch die Hitze erklären, die hier herrschte. Mit einem lauten Ruf kehrte unterdess Stille ein, als die Auktion begann. Es war, als ob jemand eine Tür geschlossen hätte - fast alle Geräusche und Gespräche auf dem Platz erstarben augenblicklich, nur ausserhalb der Auktion wurde noch verhandelt. Doch die Menge lauschte nun gebannt den Worten des Sprechers, der in blütenweissen Gewändern die Vorzüge seiner Auslage anpries. Alari hörte ihm nur mit halbem Ohr zu, während ihre Blicke über die Menge wanderten. Ihr war nämlich ein Augenpaar aufgefallen, dass nicht wie die anderen war. Es zeigte weder kalte Gleichgültigkeit noch mildes Interesse, weder schlichtes Begeheren oder aufbrodelnde Lust. Nein, der Blick, der sie fest gebannt hielt, war von reinem, unmaskierten Zorn erfüllt, von Hass gar. Es war der Blick von jemandem, der sich ganz der Rache verschrieben hatte - aber warum war dieser Blick auf Sie gerichtet? Sie war eine Priesterin Eremons. Warum sollte ihr jemand zürnen, geschweige denn sie mit leidenschaft hassen? Sie wandte ihre Aufmerksamkeit erst von der Gestalt ab, als sie hörte, dass sie selbst nun versteigert wurde. Sie staunte nicht schlecht, dass es einige Angebote zu ihrer Person gab, wenngleich dies natürlich an dem Umstand gemessen werden musste, dass sie immer noch weniger Gebote bekommen würde als die kräftigeren Männer. All diese Gedanken entstanden in einem distanzierten, klaren Teil ihres Verstandes - dem Teil, der nicht von dem wachsenden Grauen erfüllt wurde, dass gerade sie selbst versteigert wurde wie ein Stück Handwerksware. Eine klare, schneidende Stimme brachte in jenem Moment die übrigen Gebote zum Erliegen. Die Fremde! Sie hatte keinen Beweis dafür, doch diese klirrend kalte Stimme passte zu dem Bild, dass sie sich von der Fremden mit jenen intensiv lodernden Augen geformt hatte. Sie hatte sie und ihre beiden Schwestern ersteigert. Gerade, als sie nun zu einem anderen Teil des Standes geführt wurde, erhaschte sie einen Blick auf ihre Reisegefährten. Diese schienen aufgebracht zu sein. Ja, ihre beiden Mitversteigerten schluchzten sogar offen, oder flüchteten sich in katatonische Geisesabwesenheit. Doch ein solches Mitleid lag in manchen Blicken, die sie von jener Stelle erhielt, dass ihre Knie weich zu werden begannen. Sie fühlte sich unwissend. Unwissend und hilflos.

Wie hätte sie auch ahnen sollen, welche Torturen die Shantiri sie durchleiden lassen würde?

Ironhide
13.07.2016, 02:29
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
'Vom Regen in die Traufe.', dachte sich Cadan als es in eine neue Unterkunft ging. Die Ketten die man ihm anlegte – und all den anderen – ließen etwaige aufkommende Fluchtgedanken gleich wieder verschwinden. Momentan konnte er nichts weiter tun als das was man ihm sagte, auch wenn sein Blick gegenüber den Echsen eher von grausamen Schmerzen sprachen als von einem fügsamen Charakter. Aber die Neuen Zellen waren, wie er feststellen musste, wesentlich bequemer als er es aus anderen Kerkern kannte. Frisches Stroh und es war sogar sauber. Es roch nicht mal so miserabel wie in den üblichen Verliesen, die er schon gesehen hatte. Da er im Moment nichts groß tun konnte, ließ er sich auf das Stroh nieder und streckte seine Glieder aus, soweit es die Ketten zuließen. Es gab weit aus schlimmeres als sich auf frischen Stroh und einer schattigen Zelle auszuruhen und Kraft zu tanken. Nach einer Weile gab es auch etwas zu essen und ausreichend Wasser, so das keiner für diesen Abend Hunger haben würde oder Durst leiden musste. Zusammen mit zwei weiteren Gefangenen teilte sich Cadan eine Zelle und in der Nebenan waren die Frauen untergebracht. Sehen konnte er sie nicht, denn sie waren von einer dicken Mauer getrennt, die äußerst stabil aussah. Von der Stadt selbst hatte er wenig mitbekommen, erst auf den Weg in ihre Zellen hatte er sich genauer umgesehen. Aber viel erblicken konnte er nicht, denn der Aufenthalt unter freiem Himmel war nicht sehr lange gewesen.
Ihm blieb vorerst nichts anderes, als den morgigen Tag ab zu warten. Da es in den Morgenstunden los gehen sollte, beschloss Cadan sich weiter aus zu ruhen, was sollte er auch anders tun. Er schlief irgendwann ein uns wenn er erwachen würde, sollte es kurz vor dem Morgengrauen sein.

Anders als Cadan gedacht hatte, wurde er nicht unsanft geweckt, sondern war wach bevor die Wächter ihn und seine Zellengenossen weckten. Das war gar nicht mal so schlecht, denn er mochte es nicht, geweckt zu werden. Aber an eine gute Laune war dennoch nicht zu denken, wenn man die Lage betrachtete, in der er steckte.
Nach einigen Stunden die vor allem für Cadan daraus bestanden, dem Versuch zu widerstehen, niemanden mit seinen Ketten zu erwürgen, wenn er nicht sterben wollte, befand er sich auf dem Platz, wo die Sklaven verkauft werden sollten. Zuerst begutachteten die Käufer die 'Ware', wobei sie bei den Männer wenig bis keine Regungen zeigten, ob ihnen gefiel was sie sahen. Ab und an gingen sie um einen herum, betrachtete die Statur genauer oder stellten Fragen, die Cadan selten verstand, aufgrund mangelnder Sprachkenntnis.
Irgendwann war er an der Reihe. Vor ihm verließen gerade die drei Elfen das Podest und zusammen mit den Männer mit denen er sich den Käfig geteilt hatte, stand nun er oben. Zuerst war einer der anderen an der Reihe, und wenn es Cadan richtig verstand, überboten sich die Käufer in einer Tour, bis es aber wieder recht schnell abflaute und nach nicht mal einer Minute alles vorbei war. Das was Cadan verstand war immerhin soviel, das ein Großteil der Bieter Leiter von Kampfarenen waren. Nachdem auch die beiden anderen Männer an den gleichen Mann verkauft worden waren, war er nun an der Reihe. Der ersten Aufforderung, nach vorne zu treten, verweigerte Cadan mit einem grimmigen Blick was ihm einen Hieb mit einer Peitsche einbrachte, den er hinnahm, als wäre es nichts. Dabei brannte seine Haut und schmerzte fürchterlich, aber er wollte sich nichts anmerken lassen, nicht hier vor so vielen Leute. Ungewollt treib er damit seinen eigenen Preis nur noch in die Höhe, aber das war ihm nicht bewusst.
Bei ihm schienen sich die Gebote zu überschlagen, während er grimmig drein guckte und die Prozedur über sich ergehen ließ.Ihm blieb ja keine andere Wahl. Wie hoch letztendlich der Preis für ihn war, konnte er nicht sagen aber er schien sehr hoch zu sein, denn einige nickten Anerkennend in die Richtung des Mannes, der ihn ersteigert hatte und andere fluchten wohl, das sie nicht mithalten konnten. Er ging an den gleichen Käufer wie auch die anderen drei, einem Käufer den man ansah das er zu den Wohlhabenden der Stadt gehörte. Als er vom Podest geführt wurde, sah er Rijok mit sowas wie einem breiten grinsen auf dem Gesicht – wenn er es denn als ein solches identifizieren konnte. Die Söldner ketten ihn wieder an seine 'Gefährten' und sprachen dabei von sowas wie Glück für ihn, denn er wurde an einen Arenameister verkauft, einem der bekannt dafür war, die besten Männer in den Kampf zu schicken um das Volk zu Unterhalten. Derweil vernahm er unter der Menge der Käufer ein wenig Getuschel und einzelnen Rufe, auf denen Augenblickliche schallendes Gelächter ausbrach. Verstehen tat er aber wieder nichts. Irgendwas erregte Aufmerksamkeit auf dem Podest, ob das nun gut oder schlecht war, wusste er nicht.

Fruwluamressaw
13.07.2016, 03:09
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Ohje, nun war es bald soweit. Die Hoffnung eines Ausbruchs hatte die Hexe ihnen genommen und nun wurden sie vom Käfig in eine neue Zelle befödert, die sich in einem eher unscheinbaren Lagerhaus befand. Morgen sollten sie auf dem Marktplatz verkauft werden. Das bedeutete ab jetzt wurde es entweder besser oder schlechter. Spätestens ab dem Moment, als ihre Füße zusammengekettet wurde, konnte es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen. Der Käfig war schon grauenvoll gewesen, jetzt noch stärker der Bewegungsfähigkeit beraubt zu werden war für Nezlez furchtbar. In so einer erniedrigenden und beschämenden Situation war sie seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen, doch sie hatte nicht die Möglichkeit, die Schuldigen jetzt dafür bezahlen zu lassen.
Aber sie würde es sich gut einprägen.
Sie war zusammen mit den anderen Frauen in einer der Zellen. Alle waren sehr still. Vermutlich kreisten ihre Gedanken darum, was mit ihnen nun passieren würde. Auch Nezlez machte sich solche Gedanken, als sie im Stroh auf dem Zellenboden lag. Doch diese Gedanken wurden von den vielen Möglichkeiten der Rache überdeckt. So dachte sie etwa an ausgestochene Augen, die sie denselbigen dann zum Fraß vorwerfen würde und ähnliche Grausamkeiten. Irgendwann war sie einfach eingeschlafen.

Am nächsten Tag wurden sie alle zum Marktplatz gebracht. Sie waren bei weitem nicht die einzigen Sklaven, die auf dem Markt angeboten werden sollten. Aber es war auch viel los. Es herrschte ein sehr reger Betrieb und aus den vielen unterschiedlichen Stimmen von überall bildete sich ein einziges großes Gemurmel. Nach und nach wurden ihre Mitgefangenen auf ein erhöhtes Podest geschickt. Dort standen sie dann in ihren Lumpen und waren im Fokus der Schar aus Drah’zil und anderen Rassen. Während es bei den Elfendamen vor allem vulgäre Sprüche und Pfiffe regnete, waren bei den Männern eher die Gebote präsent. Insbesondere bei dem großen Mann, der noch geraume Zeit zuvor mit ihr durch die Wüste gestapft war, übertraf ein Gebot das andere. Schließlich wurde er für eine hohe Summe an denselben Mann verkauft, der auch die anderen Männer gekauft hatte. Er sah kräftig, aber auch wohlhabend aus. An seinem Bauch war zu erkennen, dass er so schnell keine Hungerprobleme kriegen würde. Protzig kommentierte er seinen Kauf den anderen Bietern gegenüber, von denen er die meisten offensichtlich kannte. („Pah. Für den hätte ich nicht mal eine Kupfermünze gegeben. Aber viel Spaß mit ihm!“), dachte sich Nezlez. Dann war sie selbst an der Reihe. Das merkte sie daher, dass sie unsanft nach vorne gestoßen wurde, weshalb sie stolperte und fast hingefallen wäre.
Es hätte Nezlez nichts ausgemacht, vor vielen Leuten zu stehen. Sie war sehr von sich überzeugt und war ja als Anführerin des Trupps auch immer stolz vor jenem gestanden. Davon abgesehen wusste sie auch, dass es sie optisch noch weitaus schlimmer hätte treffen können, wenn sie mal an andere Goblin Frauen dachte, die sie so kannte. Es war bei Goblin nicht unbedingt immer einfach, Männlich und Weiblich außeinander zu halten. Aber ja...es HÄTTE ihr nichts ausgemacht, wäre sie nicht in Lumpen und in Ketten. Aber auf diese Weise war es sehr erniedrigend und kaum stand sie vor der Masse, wurde das Getuschel und die Blicke groß. Hier, in Ashan, waren die Reaktionen auf ihre Haare…nunja, etwas anders, als sie es bei ihrem Goblinstamm in der Heimat gewesen waren. „Was ist denn mit dieser Goblin los? War da wieder ein Zauberer am rumexperimentieren?“ rief ein Drah’Zil aus der Menge und verursachte ein Gelächter. Das machte Nezlez wütend und sie keifte in die Richtung der Menge „Haltet gefälligst die Fresse!“, welche sie aber überhaupt nicht ernst nahm, sondern nur noch lauter lachte. Zudem wurde sie auch noch mit einem Hieb der Echse zurechtgewiesen, damit sie wieder still werden sollte. Dann schaltete sich auch wieder der protzige Kerl ein, der zuvor die Männer gekauft hatte. Noch halb im Gelächter prustete er los „Bwahaha! Aber wisst ihr was? Die Leute stehen doch auf so nen skurrilen Scheiß!….komm, ich nehm sie direkt auch für die Arena! Habe gerade gute Laune!“ Das heizte das Gelächter der Menge nur noch weiter an und niemand machte anstalten, das Gebot des Mannes, das im Verhältnis zu dem Gebot für die Männer zuvor sehr mikrig ausfiel, anzufechten.
Nezlez wusste nicht, was ihr weniger gefiel. Die Tatsache, dass sie an diesen lächerlichen Typen verkauft wurde oder die Tatsache, dass sie für viel weniger verkauft wurde, als die Männer. Da konnte doch irgendwas nicht stimmen. Die Leute hier mussten wirklich unheimlich dumm sein! Aber nagut, vielleicht könnte sie diese Dummheit bald einmal ausnutzen.

coel
15.07.2016, 22:08
https://abload.de/img/ainecyauv.png„Du kannst dich glücklich schätzen.“
Aine presste die Lippen fest aufeinander, um die Worte zu unterdrücken, die ihr ansonsten aus dem Mund gekommen wären, als die riesige rotschuppige Echse seine Klauen auf ihr Kinn legte und ihren Kopf hin und her bewegte, um sie dadurch eingehend studieren zu können.
„Man kann wirklich nur exzellente Ware von dir erwarten, Rijok Silberklinge“, sagte er mit seiner grollenden Stimme, die einem Felssturz gleichkam. Er selbst wirkte wie eine Macht, die problemlos Berge zerschmettern konnte. Gewaltige, massive Muskeln erlaubten unter den dicken Schuppen eine Ahnung, zu welcher Kraft sie möglich waren. Der Trolljäger wirkte im Vergleich zu diesem Ungetüm zwar nicht schwächlich, aber dennoch chancenlos.
Nach seiner Begutachtung nahm er die Klauen von ihr und wandte seinen breiten Schädel in Richtung von Rijok.
„Und das obwohl du eine verfluchte Bleichhaut bist.“
Der Sklavenhändler ließ diese Bemerkung an sich vorübergehen und verfolgte die Übergabe der Goblinfrau, die gerade verkauft worden war. Aine erhaschte die Ungläubigkeit von Rijok, der scheinbar es nicht für möglich gehalten hatte, dass er einen Käufer für das grüne Biest finden würde.
Auch Samael tat seine Überraschung kund.
„Ich glaube es nicht. Da hat doch tatsächlich Nahar dieses Goblinweibchen gekauft.“
„Sie taugt auch zu nichts mehr als Attraktion.“
Samael nickte.
„Den Menschen hätte ich allerdings lieber als Arbeiter gesehen. Wenn ich Kämpfe sehen will, gehe ich zu der Nauglir-Arena.“
Ein Horn ertönte, um die nächste auszustellende Ware anzukündigen und die Menge für einen kurzen Augenblick ruhig. Samael schob ohne Vorwarnung Aine in Richtung der Stufen, die auf die Bühne führten, die dabei fast gestolpert wäre. Beim Anblick der gaffenden Menge auf dem riesigen lebhaften Platz überkam Aine ein Gefühlschaos, der sie zittern ließ. Es war ein Gemisch aus Angst, Zorn und Verzweiflung. Wenn nicht die Ketten wären und sie ihr Zauberbuch hätte, würden sie alle durch ein tobendes Flammenmeer in kümmerliche Asche verwandeln. Doch sie hatte keines von beidem und so starrte sie in die Leere, während die Scham ihre Wangen rot färbte.
Die Angebote hielten sich etwas zurück, so dass der Auktionator missmutig zu einer anderen Strategie wechselte. Das Wenige, was Aine noch geblieben war, wurde ihr gerade abgenommen. Nackt wurde sie nun der Masse präsentiert und wiederum versuchte der Drah’Zil für eine Aine einen Käufer zu finden, indem er ihre körperlichen Eigenschaften hervorhob.
Alles schrie in Aine. Noch nie war sie dermaßen gedemütigt worden. Sie bebte und ihre Fingerspitzen wurden taub vor Aufregung. Sie senkte ihren Kopf, um niemanden in die Augen sehen zu müssen.
Endlich meldeten sich vereinzelt Stimmen. Der Preis stieg, wenn auch nur sehr zögerlich bis es schließlich zu einem letzten Angebot kam.
„Verkauft!“
Aine wurde wieder angezogen und eine rotschuppige Echse begann sie von der Tribüne zu ihrem Eigentümer zu führen. Gerade als sie die letzte Stufe erreicht hatte, drang eine allzu bekannte Stimme hörbar an die Ohren aller Anwesenden.
„Halt, diese Frau wird nicht verkauft!“
Ein Raunen ging durch die Menge und Aine konnte erkennen, wer sich grob durch Drah’Zil und Menschen sowie andere Rassen nach vorne schob. Ihre langen flammenroten Haare spielten im seichten Wind und ihr Gesicht war vom Zorn verzerrt. Diesen Ausdruck hatte Aine schon als Kind gefürchtet. Mit einer Hand in der Hüfte positionierte sich die Frau vor dem Versteigerer und presste ihm beinahe das Pergament auf die grünen Schuppen.
„Das ist eine Einladung vom Rat, dass ich nach Ashan kommen soll.“
Der irritierte Drah’Zil brauchte einen Moment, um die Fassung zu gewinnen.
„Was hat das mit der Ware zu tun?“, gab er verärgert zurück, „Ihr unterbrecht die Geschäfte! Wache!“
Eine große Flammenkugel erschien in ihrer Hand und ließ den Auktionator zurückschrecken. Die Krieger wiederum richteten schlagartig die Waffen auf sie.
„Ich bin Chandra Nalaar und ich befehle euch, dass ihr die Frau freilasst!“

Die Lehrerin von Aine kommt ihr zur Hilfe. Sie wird Aine freibekommen, trotzdem sollst du, Aeon, mit ihr diskutieren. Sie ist ziemlich temperamentvoll und launisch. Eine sehr mächtige Zauberin mit starkem Willen. Bin gespannt wie Rijok darauf reagiert :)

Waltikon
16.07.2016, 13:12
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngAls sie aufwachte, erblickte sie anstatt des erwarteten Himmels eine schmucklose Zimmerdecke. Noch etwas desorientiert richtete sie sich im Bett auf. Eben noch hatte sie geträumt, auf einer Blumenwiese neben einem murmelnden Bach zu liegen. Dieses Murmeln war mittlerweile dem einem tosendem Fluss gleichen Gewirr aus Stimmen, Fußtritten und knarzenden Wagenrädern gewichen, das von der Straße herauf durch das mit einem feuchten Tuch verhangenen Fenster an ihr Ohr drang.
Schließlich realisierte sie, dass sie unter dem dünnen, zart nach Blumen duftenden Laken (ob das für ihren Traum verantwortlich war?) völlig nackt war. Richtig, nach all den Wochen war sie äußerst froh gewesen, endlich ihre Klamotten ausziehen zu können. Diese Herberge, die sie Abends ausgewählt hatte, bot neben Unterkunft und Verpflegung auch noch ein heißes Bad und eine Kleiderreinigung für ihre Gäste. Von diesem Angebot hatte sie nur zu gerne Gebrauch gemacht. Gut, ganz billig war das alles nicht, aber ab und an verdiente sich auch eine Kriegerin etwas Luxus …
Ihre Blöße mit dem Laken bedeckend, öffnete sie die Tür ihres Zimmers und fand davor, wie erwartet, ihre Kleidung, getrocknet, sauber gefaltet und perfekt aufeinander gestapelt. Sie nahm das Bündel auf und roch daran. „Wieder dieser Blumenduft... Ob sie einfach nur der Ansicht sind, alle Frauen müssten nach Blumen duften?“ Der Gedanke an nach Blumen riechenden Männern entlockte ihr ein Schmunzeln. Sie zog sich wieder in ihr Zimmer zurück, wo sie ihre Kleider nach einer morgendlichen Katzenwäsche anlegte. Dann schnappte Sie ihr ganzes Zeug und verließ die Herberge.

Sie begab sich zum Basar. Vermeintlich begutachtete sie die feilgebotenen Waren, doch in Wahrheit hielt sie nur nach Shantiri Ausschau und streute dementsprechende Fragen ein. Doch vergebens, niemand wollte einen oder mehrere gesehen haben. Celriel seufzte. Sie würde wohl zu anderen Mitteln greifen müssen.
Schließlich erreichte sie einen Durchgang, hinter dem sich der Sklavenmarkt befand. Dem Lärm zufolge, der aus dem geöffneten Tor drang, waren bereits Auktionen im Gange. Celriel beschloss, sich da drin mal umzusehen.
Gleich hinter dem Tor wurde sie von einer Wache aufgehalten. „Waffen sind hier verboten!“ Er zeigte nach rechts an einen Stand. „Dort kannst du sie gegen eine Gebühr hinterlegen, oder du drehst um und gehst wieder!“
Zähneknirschend fügte sie sich und gab Bogen und Schwert ab. Den Dolch wollte sie zur Sicherheit bei sich tragen, doch der Wächter hatte sie durchschaut.
„Alle Waffen sind abzugeben!“ donnerte seine fordernde Stimme an ihr Ohr. Mit einem Grinsen ähnelnden Gesichtsausdruck beugte sich die Echse zu ihr herab: „Gibst du sie freiwillig her oder soll ich dich hier vor allen durchsuchen?“
Wütend griff sie in ihren rechten Stiefel, zog den Dolch hervor und warf ihn zornig zu ihren anderen Waffen am Tresen. Die ihr gereichte Quittung riss sie der Bedienung mit einem gezischten „Danke!“ förmlich aus der Hand.

Als sie nun endlich den Durchgang durchquert hatte, öffnete sich vor ihr ein großer Platz. Links und rechts waren Stände, weiter vorne das Podest, auf dem die angebotenen Sklaven präsentiert wurden, dahinter waren diverse Transportkäfige zu sehen. Der Platz vor dem Podest, auf dem gerade ein paar Menschenfrauen versteigert wurden, war gerammelt voll. Drah'Zhil vor allem, aber auch Menschen und Angehörige anderer Völker waren unter den Bietern. Und - Celriel traute ihren Augen nicht – da stand tatsächlich mittendrin ein Elf!
Sein Erscheinungsbild ließ keinen Zweifel zu, dass es sich um einen jener Eremon-Priester handelte, die sich in der Blutnacht mit den Tempelschätzen aus dem Staub gemacht hatten. In Celriel keimte eine Idee auf. Dieser feige Verräter würde ihr von Nutzen sein.
„Wie schön, so fern der Heimat einen Angehörigen unseres Volkes zu sehen!“ Celriel war neben ihn getreten, und ihr Blick war weit weniger freundlich, als ihre Worte.
Das hochnäsige Gesicht, das sich ihr herablassend zuwandte, nahm einen erschreckten Ausdruck an, als es sich der Brosche der Wolfsgarde vor der Brust Celriels gewahr wurde. „Äh... ja... wirklich...“ stotterte der Elf herum.
Celriel rückte näher an ihn heran und raunte ihm ins Ohr: „Ich hoffe für Euch, dass die drei Elfensklavinnen, die ich gestern Abend im Käfig eines Sklavenhändlers gesehen habe, noch nicht an der Reihe waren. IHR werdet sie nämlich kaufen! Andernfalls endet Ihr als Shantirifutter.“
Der Elf wollte etwas erwidern, aber Celriels Blick ließ die Widerworte verstummen. Der Elf schluckte nur und nickte zustimmend.
Dann waren auch schon die drei Elfen an der Reihe. Zuerst eine schlanke, geradezu zierliche Rothaarige. Celriel stieß den Elf in die Seite, und sogleich begann er zu bieten. Alles schien gut zu laufen, als plötzlich eine schneidende Stimme ein unerhört hohes Gebot für alle drei Elfen abgab. Celriel kannte diesen Klang nur allzu gut! Ihr Blick suchte die Menge nach jenem Ungeheuer ab, während sie sich fragte, wie ihr dessen Präsenz nur entgangen sein konnte. „Weiterbieten!“ zischte sie den Elf an, der ihr verdattert zu erklären versuchte, dass er nicht so viel Geld mit sich führte und hier nur Bar bezahlt werden könne. Sie hörte gar nicht hin, weil ihre Augen mittlerweile das Monster erspäht hatten. Als sich ihre Blicke trafen, verzog die Shantiri ihr Gesicht zu einer hässlichen Grimasse, die wohl ein hämisches Grinsen darstellen sollte. Dabei machte sie mit den Händen eindeutige Gesten, die das Schicksal der ersteigerten darstellten. Celriels Antwort fiel ebenso unmissverständlich aus: Der quer über die Kehle wandernde Daumen.

Während der Abwicklung der Verkaufsmodalitäten ließ Celriel die Shantiri nicht mehr aus den Augen, und als sie schließlich mit den gekauften Elfen den Platz durch das Tor verließ, hetzte Sie hinterher, stürzte zum Waffenverwahrungsstand und forderte die sofortige Herausgabe der ihren. Doch wieder waren die Wächter gegen sie.
„Immer mit der Ruhe! Du wirst der Shantiri nicht nachsetzen. Euer Krieg interessiert uns nicht, wir halten uns da raus und ihr werdet ihn nicht in unserer Stadt austragen!“
Celriel explodierte regelrecht. „Ihr wollt euch raushalten und verkauft uns an unsere Feinde?! Ihr elenden, dreckigen, stinkenden Heuchler!“ schrie sie den Wächter an. Sie wollte über den Stand hechten und sich ihre Waffen schnappen, doch kräftige Hände hielten sie plötzlich von hinten an ihren Armen fest.
„Wie dem auch sei, du wirst hier artig warten, bis die Sanduhr abgelaufen ist, oder du stehst als nächstes da oben! Und hüte besser eine Zunge!“ Mit Schwung wurde sie vorwärts unsanft zu Boden geworfen.
Während sie sich wieder aufrappelte, hatte ein anderer Wächter eine kleine Sanduhr auf den Tresen gestellt, die – so schien es ihr – quälend langsam herunterlief. Wütend stand sie da, die Hände verschränkt, in der einen Hand den Bon, mit der anderen am Oberarm mit den Fingern trommelnd, und starrte auf die Sanduhr. So konzentriert war sie, dass sie den Tumult, der sich mittlerweile am Podest abspielte, gar nicht richtig mitbekam. Als das letzte Sandkorn durchgelaufen war, nahm sie sogleich ihre Waffen in Empfang und stürmte die Straße hinunter, welche die Shantiri genommen hatte. Natürlich war nichts mehr von ihr zu sehen. Sie würde sich durchfragen müssen, obwohl ihr ihre Nase eine Richtung vorzugeben schien...

Aeon525
17.07.2016, 00:30
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngRijok war angenehm überrascht. Er hatte nicht erwartet das keifende Goblinweibchen überhaupt los zu werden, schon gar nicht zu einem solch guten Preis. Das Geld, das ihm der kräftige Mann in die Kassen gespült hatte, war im Bereich seiner Kalkulation gewesen und auch die Elfen hatten guten Umsatz gemacht. Die übrigen Männer stieß er billiger ab. Er hatte vor alle Sklaven noch heute loszuwerden und schnellstmöglich wieder aufzubrechen. Die unfreiwillige Ergänzung seines Warenangebots hatte die Reise mehr als lohnenswert gemacht. Dennoch wollte er nicht länger in der Stadt verweilen als unbedingt nötig. Er war geduldet, aber alles andere als willkommen und erwünscht. Er konnte die Abneigung seiner Artgenossen regelrecht auf der Zunge schmecken. Samael, der als einer der wenigen Vertreter der hiesigen Händlergilde tatsächlich mit ihm sprach, wollte gerade das blonde Menschenweibchen zu seinem neuen Besitzer führen, als ein Tumult ausbrach.

Eine kleine, rothaarige Menschin schob sich zeternd durch die Menge auf sie zu. Vor dem Versteigerer angekommen kramte sie ein Pergament aus einer ihrer Taschen und drückte es ihm ins Gesicht. Samael war nicht weniger verärgert als Rijok selbst und nun waren sie es die zu dem etwas verwirrten grüngeschuppten Drah'Zil hinzutraten, um einen Blick auf das Pergament zu werfen. Es war tatsächlich eine Einladung des Rates. Rijok musterte das Weibchen neugierig. Es war äußerst selten, dass der Rat tatsächlich Einladungen an Menschen aussprach. Er wollte der Frau gerade, mit höflicher Entschiedenheit, erklären, dass eine Einladung des Rats ihr keinerlei politisches Recht verschaffte, als sie einen Flammenball aus dem Nichts beschwor. Erschrocken zuckte Rijok zurück und seine Hand griff zum Schwert an seiner Seite, jenes Schwert, das im Moment jedoch bei der Wache am Tor lag. Einige in der Menge der Händler schrien erschrocken auf und sorgten dafür, dass auch die letzte Wache herbeigeeilt kam, um nach dem Ursprung der Unruhe zu sehen. Mehrere Speere richteten sich auf das Weibchen und die umstehen Händler zogen sich rasch ein ganzes Stück zurück. Rijok fühlte sich sicher. Die Wachen der Drah'Zil waren kräftig und schnell. Das Weibchen würde sterben, bevor der erste ihrer Feuerzauber sein Ziel erreichte. Selbstbewusst schob er den Auktionator beiseite und baute sich vor der Frau auf. "Dieses Weibchen habe ich in der Wüste gefunden, ohne Proviant und ohne Pass. Nach dem Gesetz der Wüste und beim Willen von Asha ist sie mein Eigentum." Aus der Menge kam zustimmendes Gemurmel. "Bei Asha, keine Nacht hätte sie überlebt hätte ich ihr nicht Nahrung und Wasser gegeben." "Spar dir deine Lügen, Weißgeschuppter." zischte das Weibchen und ein Raunen ging durch die Menge. "Meine Schülerin würde sich niemals von einem niederen Aussätzigen gefangen nehmen lassen." Rijok spürte, wie Wut in ihm aufstieg. Wer war diese Menschin, dass sie ihn dermaßen beleidigte? Seine Pupillen verengten sich zu schmalen Schlitzen, die an ein wildes Raubtier erinnerten. "Ganz vorsichtig, Menschin!" knurrte er bedrohlich. "Das Geschäft endet erst mit der Übergabe des Geldes und noch habe ich keine einzige Münze gesehen. Noch ist deine kleine Freundin mein Besitz und wenn du jetzt nicht seeeeeehr vorsichtig bist, lasse ich den Handel platzen und schlitze ihr direkt vor deinen Augen die Kehle auf. Du wirst ihr direkt in die Augen sehen können während das Lebens aus ihrem Körper weicht und sich ihre Augen trüben. Du wirst hören können, wie ihr Blut auf den warmen Sand tropft und sie ihren letzten Atemzug tut. Und du wirst nichts dagegen tun können. Eine falsche Bewegung und du kannst sie direkt in die Welt eurer Götter begleiten." Mit einem derart aggressiven Auftreten schien die Magierin nicht gerechnet zu haben. Einen Moment lang starrte sie den bleichen Jäger nur mit hasserfüllten Blick an dann lies sie die Feuerkugel einfach verpuffen und wandte sich an Samael. "Ich bin ein wichtiger Gast des Rates und in wichtiger Mission hier. Sollte diese Frau verkauft werden, verlasse ich umgehend die Stadt und euer Rat muss sein Problem ohne mich lösen." "Du bist ein Gast, Magierin." erwiderte die rot geschuppte Echse mit einer Ruhe und Gelassenheit die Rijok beeindruckte. "Nicht mehr und nicht weniger. Wenn dir das Weibchen so sehr am Herzen liegt, hättest du sie ersteigern sollen." "Ihr wollt also euren Rat enttäuschen?" fragte ihn die Rothaarige provokant. "Der Rat steht nicht über dem Gesetz. Eher lässt der Rat euch ziehen, als dass er auf euren Wunsch hin Ashas Gesetze bricht."

Die Magierin wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als eine Stimme über den Platz hallte. "Was ist hier los?" Von zwei ganzkörpergepanzerten, groß gewachsenen Drah'Zil Kriegern flankiert schob sich Sni'jat, der Vorsteher der Handelsgilde durch die Menge auf sie zu. Als er die rothaarige Menschin erblickte, wich sein verärgerter Gesichtsausdruck einer Mischung aus Anspannung und Misstrauen. Scheinbar wusste er, wer sie war. "Diese Menschin stört den Abschluss eines Handels, Meister Sni'jat." Samael, der das Wort ergriffen hatte, deutete erst auf Rijok dann auf die blonde Frau. "Nach dem Gesetz der Wüste ist dieses Weibchen Eigentum von Rijok, doch diese Frau beansprucht sie für sich und hat Magie beschworen." Die geschuppte Stirn des Gildenvorstehers legte sich in Falten. "Meisterin Nalaar, die Gesetze der Wüste sind absolut. Möglicherweise können sie ihre Bekannte ja dem Käufer abwerben. Ich bin mir sicher der Rat bürgt für sie, sollten sie eine entsprechende Summe nicht zur Hand haben." "Kein Sandkorn zahle ich für meine Schülerin. Ihr werdet sie freigeben oder euer Rat kann zusehen, wie er seine Probleme löst." Stumme Wut flackerte für einen Moment in den Augen Sni'jats auf, ehe er gefasst fortfuhr: "Nun denn, dann regeln wir das eben anders." Mit lauter Stimme brüllte er über den Platz: "Wer ist der Käufer dieses Weibchens?" Ein sichtbar verunsicherter Menschling trat vor. Seine Kleidung wies ihn als Adligen aus. "Wie viel Gold habt ihr bezahlt?" "60 Gold." stammelte der Jüngling, der einen ziemlich jämmerlichen Eindruck machte. "Ich gebe euch 80 für das Weibchen, in Ordnung?" Der Mann nickte eifrig. Es war ihm anzusehen, dass er einfach so schnell wie möglich hier weg wollte. "Einen Moment." schaltete sich nun Rijok wieder in die Diskussion ein. "Noch ist sie mein Eigentum." An den Menschen gewandt erklärte er: "Der Handel ist nichtig. Ihr könnt gehen." Der Mann lies sich das nicht zwei Mal sagen und war innerhalb von Sekunden in der Menge verschwunden. "Nun gut, Rijok. Dann sollt ihr eben die 80 Gold bekommen." Rijok grinste dreckig und entblößte seine blendend weißen Zahnreihen. "80? Ich finde das etwas wenig für eine derart hübsche Menschin. Ich denke, das Doppelte wäre angemessener. 160 Gold und sie ist dein." Sni'jot stieß ein wütendes Knurren aus. "Verdammt sollst du sein." Er zog einen schweren Beutel aus einer Innentasche seiner Kleidung und lies ihn in Rijoks Hand fallen. "Hier hast du dein Gold. Und du Magierin, nehm deine Schülerin und geh. Solltest du den Markt noch einmal stören wird dich auch dein Status nicht schützen können." Rijok war völlig verblüfft. Seine Forderung war völlig überzogen gewesen. Er hatte erwartet, dass ihn Sni'jot auf mindestens 100 Gold runterhandeln würde. Sein musternder, forschender Blick glitt über die glatte Haut der noch immer völlig entkleideten Magierschülerin. Wer war diese Frau, dass ein gerissener Geschäftsmann wie Sni'jot bereitwillig und ohne zu feilschen 160 Gold auf den Tisch legte.

Inzwischen hatte die Frau, die den Namen Nalaar trug, dem blonden Weibchen ihren Umhang übergezogen und war gerade im Begriff sie aus dem Markt zu geleiten als Rijok ihr hinterherrief: "Wenn ihr Interesse am magischen Buch habt oder an der Kleidung eurer Schülerin interessiert seit, sucht mich morgen früh am unteren Markt. Ich mache euch auch einen fairen Preis." Der Blick, den er sich für die Bemerkung einfing, hätte Nauglir töten können und Rijok begann zu zweifeln, ob der Kommentar eine so gute Idee gewesen war. Allerdings fühlte er sich hinter den Mauern von Ashan sicher. Die Magierin mochte in den Fürstentümern tun und lassen können, was sie wollte. Hier war sie an das Gesetz der Wüste gebunden. Dass sie das Buch kaufen würde, stand für ihn fast außer Frage. Er wusste gut, wie wichtig das Grimoire für die menschlichen Magier war. Er würde nur darauf achten müssen, dass genug Wachen in der Nähe seines Standes waren. Dieses kleine Weibchen, und da war er sich absolut sicher, war gefährlich. Sobald er morgen Vormittag die Waren verkauft hatte, würde er wieder aufbrechen. Magier waren ihm suspekt. Lieber kämpfte er mit einem Dutzend Banditen und wilder Biester, als mit Magiern die Feuer regnen lassen konnten.

Dennoch durchaus zufrieden mit sich selbst und den Verkäufen, verließ Rijok den Markt, den Beutel mit dem Gold liebevoll mit seiner Hand wiegend. Die Anderen würden ihren Augen nicht trauen. Heute Abend gab es auf jeden Fall ein Festmahl.

Rosered_Strauss
17.07.2016, 16:37
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngIhre beiden Mitgefangenen wimmerten herzergreifend, als sie mit Alari in den abgesperrten Bereich für die Warenübergabe gebracht wurden. Es zerriss sie innerlich, dass sie in ihren Ketten nichts tun konnte, um ihr Leid zu lindern. Es war auch nicht unbedingt der selbstloseste Gedanke – indem sie sich daran klammerte, was sie für die Anderen zu tun vermochte, verhinderte sie, dass sie selbst durch die Situation zerbrach. Sie wusste, dass sie keine Kämpferin war. Ihre einzige Chance, zu entkommen, bestand in dem Warten auf eine passende Gelegenheit oder in der Hoffnung auf eine Rettung. 'Oh, Herr... ich hoffe, ihr findet mich bald.' dachte sie, als sie grob am Arm gepackt und durch Lederschnallen fixiert wurde. Ihre Augen weiteten sich, als sie das Zischen von erhitztem Metall vernahm. Ein Brandeisen! „Wie wünscht Ihr, dass Euer Besitz gekennzeichnet wird?“ fragte ein Verkäufer zischend. Angesprochener war die Gestalt mit den hasserfüllten Augen. Sie war in weite Gewänder gehüllt, sodass man darunter nur zu leicht Rüstung und schmalere Waffen verstecken konnte, von der eigenen Identität ganz zu schweigen. Durch den getragenen Kopfschutz konnte sie noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob ihr Gegenüber ein Mann oder eine Frau war.

„Das ist nicht wichtig.“ drang dessen Stimme just gedämpft unter den Lagen Kleidung hervor. „Ihr braucht Euch nicht darum bemühen, diese Fleischstücke zu kennzeichnen. Es wird nicht notwendig sein. Sie werden stets so schnell verbraucht...“ Sie gab ein leises, gefühlloses Lachen von sich, dass ihr das Gefühl vermittelte, als würden ihre Fingernägel über festen Untergrund kratzen. Mit einem Fingerzeig wurden ihre Binden gelöst, da sie nun dankbarerweise doch kein Brandzeichen verpasst bekam. Doch dafür ergriffen kräftige Hände sogleich ihre Ketten, sodass sie und die beiden Elfen dem Unbekannten nachgezerrt wurden. „Oh bitte, ihr Wolfsgardisten... rettet uns vor dem Ende durch die Shantiri.“ Alari blinzelte, als sie sich bemühte, nicht zu ihrer rechten zu sehen. Wolfsgardisten? Waren etwa einige von ihnen hier in der Stadt? Aber was machten sie so weit südlich? Sie straffte sich, den Blick starr geradeaus. Als ihr künftiger Peiniger sie tiefer in das Gewirr der Stadt führte, durch entlegene Gassen und Orte abseits der Augen der Öffentlichkeit, hatte sie nur einen Gedanken: Nicht klein beigeben!

Fruwluamressaw
17.07.2016, 19:51
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez, Cadan und die anderen Männer sollten bereits zur Übergabe fertiggemacht werden. Nez hatte sich gerade etwas von dem Spott beruhigt, da brach schon der nächste Tumullt auf dem Platz los. Die Echsen hielten ein und alle schauten wie gebannt auf die Frau, die sich ihren Weg durch die Menge gebahnt hatte und die Übergabe der Hexe, wie sie Nez immer noch nannte, verlangte. Offensichtlich war sie auch selbst eine Hexe, anders wäre kaum zu erklären gewesen, dass sie einen Feuerball in ihrer Hand erschienen ließ. Die Echsen, die sie verkauft hatten, zeigten sich wenig begeistert und wollten die zweite Hexe, die sich sehr laut und selbstbewusst als Chandra Nalaar vorgestellt hatte, zunächst festnehmen lassen. „Na toll die Alte soll jetzt natürlich eine Gratis-Rettung bekommen, nachdem sie uns in diesen ganzen Schlamassel erst gebracht hat?!“ sagte Nez. Cadan der neben ihr Stand gab nur ein „Hm.“ von sich und beobachtete interessiert.
Zunächst schien es, als wären die Echse Herren der Lage, aber weil Nalaar nicht nachgeben wollte, schaltete sich ein weiterer, wohl sehr wichtiger Echsenmensch in das Gespräch ein. Die Argumente Nalaars schienen wohl so bedeutend, dass sie sich tatsächlich durchsetzen konnte („Lächerlich, die Echsen sind bewaffnet und in der Überzahl und lassen sich von sowas beeindrucken?“). Und so nahm Nalaar die Hexe einfach mit sich mit. Nez konnte da nur den Kopf schütteln „Also verdient hat sie das nicht. Fehlt noch, dass die beiden Händchenhaltend davon tänzeln.“ Dann wurde sie wieder unsanft gestoßen „Du sollst nicht immer so viel Plappern, Goblin“ sagte eine der Echsen.
Nahar hatte soeben das Gold überreicht. „Schafft sie mir in meine Arena, ihr wart ja schon mal dort und wisst wohin. Ich habe etwas Trinkgeld für euch dazu getan. Ein sehr amüsanter Tag, das muss man schon sagen!“ Erneut wurden sie in einen Transportkäfig gebracht. „Ich kann diese verdammten Gitterstäbe langsam nicht mehr sehen!“ meckerte Nezlez, während sie in Richtung Arena transportiert werden. Cadan nutzte die Gelegenheit, sich während der Reise die Stadt anzugucken. Er schien sichtlich beeindruckt.

coel
18.07.2016, 23:07
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDie dunkelhäutige Frau schrubbte ihr behutsam den Rücken, während Aine wortlos in die verschwommene Spiegelung ihres Gesichtes starrte, welche das warme Wasser auf seiner Oberfläche zeigte. Die Frau sang ein Lied in einer fremden Sprache bei ihrer Arbeit und ihre wohlklingende Stimme schien Aine zu beruhigen. Doch die innere, betäubende Scham, die sie wie ein spitzer Dorn in ihrem Herzen anfühlte, wollte nicht verschwinden.
Von allen Menschen, denen sie am Wenigsten begegnen wollte, war es ihre alte Lehrmeisterin. Eben diese Frau hatte sie vor nicht allzu kurzer Zeit vor einem Leben als Sklavin bewahrt. Es war keine Dankbarkeit, die Aine gegenüber Chandra empfand, sondern es war die blanke Bloßstellung ihres Versagens. Sie schämte sich, aber vor allem hasste sie sich und ihre ganze Umgebung. Alles fühlte sich einengend, drückend an, so dass sie am Liebsten aus der Wanne gestiegen und davongerannt wäre.
Sie würde ihr nicht in die Augen sehen können. Nie wieder.
Nachdem die Dienerin auch die Kopfhaare von Aine gewaschen hatte, wurde sie mit einer Geste gebeten, aus der Wanne zu steigen. Dann wurde sie sorgfältig abgetrocknet und saubere, farbenfrohe Kleidung wurde ihr zum Anziehen gereicht. Schließlich verließ die Dunkelhäutige den Raum und ließ Aine mit ihren Gedanken alleine.
Genau in diesem Augenblick brach es aus ihr heraus. Sie weinte und konnte nicht aufhören. All die Niederlagen, die Erniedrigungen und die Verzweiflung der letzten Tage überwältigten sie und brachen den Damm ihrer äußeren Fassade wie eine tosende Flut. Die Tränen flossen zwischen ihre Finger hindurch und prasselten vereinzelt auf die blauen Bodenfliesen. Sie wollte aufhören, zwang sich leiser zu schluchzen, doch hielt sie diesem Willen nicht lange stand. Zu sehr brauchte ihr Geist eine Erholung, musste das Geschehene verarbeiten und mit jeder Träne fiel auch ein Brocken der Last von ihr, die sich in ihr aufgetürmt hatte.
Sie wusste nicht wie lange sie weinte, doch irgendwann konnte sie nicht mehr und begann ihr Gesicht aus ihren feuchten Händen zu nehmen. Für mehrere Augenschläge blickte sie sich einfach nur den Raum, in welchem sie sich befand, um, dann ging sie zur Wanne und wusch sich die Spuren eines schwachen Momentes ab.
Als sie sich wiederhergerichtet hatte, klopfte es an der Tür und mit einem krächzenden „Herein“ gab sie die Erlaubnis. Sie brauchte nicht hinzuschauen, um zu wissen, wer eingetreten war. Chandra Nalaar begegnete ihr mit giftgrünen, neugierigen Augen, die sie konzentiert musterten.
„Du hast geweint“, sagte sie ohne Umschweife.
Es klang wie ein Vorwurf und Aine erwiderte nichts, sondern kümmerte sich um das Trocknen ihrer Haare. Chandra wäre jedoch nicht Chandra, wenn sie bereits bei dieser offensichtlichen abneigenden Haltung umgekehrt wäre. Stattdessen verschränkte sie die Arme und verengte ihre Augen zu bedrohlichen Schlitzen.
„Aine, ich will, dass du mir alles erzählst. Ich will wissen, wie du hierhergekommen bist und warum. Sofort“, sagte sie und betonte dabei beim letzten gesagten Wort jeden Buchstaben besonders deutlich.
Nach einem tiefen Seufzer begann Aine alles zu erzählen. Sie beschränkte sich dabei auf die einfachen Geschehnisse ohne irgendwelche Ausschmückungen. Überraschenderweise wurde sie dabei kein einziges Mal von ihrer ungeduldigen Lehrmeisterin unterbrochen. Schließlich endete sie mit dem Sklavenmarkt und eine unangenehme Stille folgte, in welcher Aine mit einer gewissen Furcht auf die Reaktion von Chandra wartete.
„Du hast die Teleportation gewirkt, um von der Schlacht zu fliehen?“, fragte Chandra.
Aine nickte.
„Wie sicher warst du dir beim Skandieren?“
Wie ein ertapptes Kind fing Aine zu stottern an, denn plötzlich schien sie sich nicht mehr sicher zu sein, ob sie damals den Zauber richtig ausgeführt hatte.
„Ich… weiß es…. Ich glaube schon.“
Eine kräftige Ohrfeige ließ Aine nach hinten stolpern. Während sie noch ganz benommen ihre glühende Wange hielt, bemerkte sie voller Entsetzen den Blick von Chandra. Es spiegelte das Feuer in ihr wieder, welches wie ein Vulkan drohte aus ihr zu brechen und alles um sich herum in Schutt und Asche zu legen. Einen Blick, den sie nie vergessen hatte und an den sie sich wieder ängstlich erinnerte.
„Du dummes Mädchen“, presste Chandra über ihre vor Zorn bebenden Lippen, „Dein tölpelhafter Zauber hat dich zwei Jahre in die Zukunft befördert!“

...

Trálir eilte durch die Gassen bis er sich so sicher fühlte, dass er seinen Schritt zu einem normalen Tempo verlangsamte. Sein Herz klopfte ihm fast bis zum Hals. Mehrmals wendete er sich um, damit er sicher ging, dass ihm auch wirklich niemand folgte. Die Begegnung mit der Wolfsgardistin hatte ihn zutiefst schockiert.
Was suchte diese Einheit so weit im Süden? Waren sie auf der Suche nach ihm?
Seine Gedanken rasten und erneut beschleunigte er seinen Gang, nur um sich wieder einmal zu beruhigen.
„Nein“, sagte er zu sich selbst, „Das konnte nicht sein.“
Achtsam schob er sich an den Bewohnern in den Straßen vorbei und versuchte dabei sich so natürlich wie möglich zu verhalten. Allerdings wollte er sich so schnell wie möglich zurückziehen. Er brauchte einen sicheren Ort, damit er nachdenken konnte.
Zuerst die feindlichen Shantiri, nun die berüchtigte Wolfsgarde?
Er schluckte.
Was würde sie dazu sagen? Sie wäre nicht erfreut. Auf keinen Fall.
Schweißperlen, die sich auf seiner Stirn gesammelt hatten, wurden eilig weggewischt. Die Furcht schien beinahe Überhand zu nehmen, da erreichte er endlich das ersehnte Ziel. Das verschlossene Tor des riesigen Gebäudekomplexes im inneren Teil von Ashan wurde aufgeschlossen und Trálir eilte durch den Innenhof vorbei an dem murmelnden Springbrunnen in dessen Mitte. Nach einigen Türen blieb er vor einer stehen, die von einer Gestalt in einer schweren Rüstung bewacht wurde. Trálir wusste nicht, was in dieser stählernen Hülle steckte, doch ein kalter Hauch umgab es und sein Atem wurde sogar zu einer flüchtigen Dampfwolke. Es brauchte einen Moment, bevor er den Mut fassen konnte, mit der Gestalt zu reden.
„Ich muss deine Herrin sehen.“
Mit einem knirschenden Geräusch wurde der gehörnte Helm mit den tiefschwarzen Augenschlitzen zu ihm runter bewegt. Das Wesen hatte keine Stimme, doch Trálir meinte jedes Mal, dass es sich wie ein eisiger Wind anhörte, wenn es versuchte etwas zu sagen.
„Ich bitte dich, es ist von größter Wichtigkeit“, sagte Trálir nervös.
Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis sich die Gestalt ein weiteres Mal regte. Mit seiner gewaltigen Hand schob es die verstärkte Tür hinter sich auf und erlaubte Trálir somit den Eintritt in das innere Heiligtum seiner Herrin.
Fackeln aus blauem Feuer erhellten die lange Halle und ein süßlicher Geruch von Zimt lag in der Luft. Am Ende des Raumes stand ein schlichter Thron aus silbrig glänzenden Stahl, gepolstert von weißen Kissen. Auf diesem saß eine hochgewachsene Frau mit blasser, fast bläulicher Hautfarbe. Sie hatte ihn bereits erwartet.
„Trálir, was ist dein Begehr?“
Jedes Wort klang wie von zwei Personen gleichzeitig gesprochen. Anfangs hatte es Trálir irritiert, doch mittlerweile fand er in dieser Stimme Beruhigung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
„Eine Wolfsgardistin ist mir auf dem Sklavenmarkt begegnet! Sie hat mich gehindert an die Elfe zu kommen, deren Kauf du gewünscht hast.“
Ihre langen, filigranen Fingernägel klopften rhythmisch auf den Stahl ihres Throns. Ihre leuchtend hellblauen Augen lagen schwer auf ihm. Sie sah in ihn. Sie konnte ihn lesen wie ein offenes Buch.
„Du bist geflohen.“
Trálirs Kehle schnürte sich plötzlich zu.
„Ich…“, er konnte nicht lügen, „Ja, ich bin geflohen.“
„Finde heraus, wer sie gekauft hat“, sie machte eine Pause und leckte sich leicht über die vollen Lippen, „Und bringe sie zu mir.“

...

Nurekhi hatte es im Blut eine gewisse Genauigkeit in ihre Arbeit zu stecken. Als Dienerin war sie eine geschickte Handwerkerin und beherrschte eine Perfektion die sogar Elfen beneideten. Sie erreichte eine Stufe der Kunst, die ihren Herren in den Schatten stellte und öffentlich zum Gespött gemacht hatte. Allerdings war es nicht ihr daran gelegen, dass es zu dazu kommen sollte, denn sie liebte ihren Herren und Lehrer. An diesem Tag hatte sie bittere Tränen geweint, als sie auf das Werk seines Hasses starrte. Die Schmerzen waren nie verschwunden. Das Pochen ihrer Finger erinnerte sie an den Augenblick, wo ihr Threodil der berühmteste Goldschmied von Arlondo, ihr Liebhaber und Lehrmeister, jedes einzelne Glied an ihren Händen brach, damit sie nie wieder den schönsten Schmuck im ganzen Elfenreich herstellen konnte.
Ihre entstellten Finger würden nie wieder goldene Ketten oder Spangen formen, aber sie reichten für das Schärfen von Klingen. Ein weiteres glänzendes Messer gesellte sich zu den anderen auf dem Holztisch, der von einem Kerzenständer beleuchtet wurde. Der ganze Kellerraum war in ein tiefes Rot getaucht und angenehm kühl. Doch das würde sich bald ändern, denn bereits jetzt konnte sie den lieblichen Schweißgeruch ihrer Gäste in ihrer verkrümmten Nase riechen.
Ihre Gesichter ähnelten dem Ihrigen, als ihr Herr über sie hergefallen war. Bis zu der Mondnacht, an welcher alle Schrecken zurückgezahlt wurden. Das Blut stand bis zu ihren Knien in den Straßen von Arlondo, wo sich die Leichen türmten und Tod wie ein schweres Tuch überall in der Luft hing. Die Götter, die jedes ihrer Gebete stumm angenommen haben, hatten sich nun dazu entschlossen, ihre Klagen zu beantworten. Anfangs hatte sie sich gefürchtet, doch dann musste sie lachen. Lachen über die Ironie des Schicksals.
Das erste Lachen seit einer langen Zeit.
Seitdem war das Lachen ihr ständiger Begleiter. Das zögerliche, verzweifelte Töten änderte sich zu einem leidenschaftlichen, begierigen Morden. Das Abschlachten würde nicht genug sein. Es würde nicht enden bis jeder Elf für seine Taten bezahlt hatte.
Nurekhi hörte Schritte, die von den Treppen, die zu ihr runter in den Keller führten, an ihr Ohr drangen. Ein rotes Auge blitzte im Dämmerlicht auf und sie erkannte ihre Freundin und Anführerin.
„Ivras, es ist schön dich zu sehen“, sie deutete auf ihren stolzen Fang, „Schau, was ich auf dem Sklavenmarkt gefunden habe.“
Ivras grinste wölfisch, als sie die drei Elfinnen betrachtete, die anfingen sich zu regen und damit die Ketten, die ihre Hände fest umschlossen, zum Klirren brachten. Sie wirkten wie Schlachtvieh: Nackt von der Decke hängend, durchgetreckt, doch noch knapp den Boden berührend.
„Ich denke, ich lasse dich dann wieder alleine, Nurekhi“, sagte Ivras freundschaftlich, um daraufhin in einen düsteren, bedrohlichen Ton zu wechseln, „Denn du wirst gleich sehr beschäftigt sein.“
Eine Elfe begann zu schluchzen, nachdem Ivras wieder den Keller verlassen hatte. Unterdessen hatte Nurekhi eine der kurvigen, scharfen Klingen genommen und war zu einer der Elfen mit der reinen, fast elfenbeinweißen Haut gegangen. Sanft strich sie über den warmen Körper und näherte sich mit ihrem Gesicht dem der Elfin.
„Hast du schon einmal Elfenfleisch gekostet, mein Kind?“
Dann fing sie an zu schneiden.

Rosered_Strauss
19.07.2016, 01:50
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari hatte bereits auf der Hälfte der Strecke aufgehört, sich den Weg zu merken. Sie hatte es schlicht nicht mehr gekonnt, zu hoch war der Tribut, den die Erschöpfung von ihr forderte. Doch sie hatte bezweifelt, dass ihr dieses Kunststück selbst im ausgeruhten Zustand gelungen wäre, zu verschlungen waren die Gassen, durch die ihr Aufpasser sie geführt hatte. Doch dies waren Gedanken der Vergangenheit. In der Gegenwart jedoch waren diese Gedanken von keinerlei Belang. Denn im Hier und jetzt zählte nur ein einziger Gedanke. Und dieser manifestierte sich in einem lauten Schrei, als das scharfe Messer ihr in die Wange glitt und die Haut mit gespenstischer Leichtigkeit durchtrennte. Zu allem Überfluss wusste die Besitzerin der geschwungenen Klinge auch noch überaus genau, wo sie ansetzen musste, um Schmerzen zu verursachen. Ihr Leid wurde durch das Entsetzen verstärkt, das sie verspürte, als sie die Klinge ihrem linken Auge immer näher kommen sah. Immer und immer größer schien ihr das Messer, bis sie glaubte, jeden Kratzer auf dem gut gepflegten Folterinstrument erkennen zu können. Doch knapp, bevor ihr glühendes smaragdgrünes Auge sein Licht verlieren sollte, hielt die Shantiri inne. Ein leises Kichern ertönte. „So... schwach. So... verweichlicht. Von uns hat man erwartet, das wir jeden Schmerz stumm ertragen, jede Schmähung einfach so hinnehmen. Aber jetzt, wenn ihr selbst einmal etwas Unbill ausgesetzt seid, quiekt ihr in den höchsten Tönen! Wo ist Euer ganzer Stolz jetzt, hmmmm?“ Zur Unterstreichung ihrer Worte hatte die Shantiri ihre Klinge an die Lippen Alaris gelegt, an denen sie jetzt mit der flachen Seite langsam auf- und ab fuhr. „Ich weiss nicht, von was ihr redet! Ich habe nie einem der Euren etwas angetan – ich kenne Euch nicht einmal!“ brachte die Elfe heraus, nachdem sie in tiefen Atemzügen wieder die Gewalt über ihre Stimme zurück erhalten hatte. Ihre Peinigerin hielt inne. „Ach – du bist unschuldig? Na, das tut mir aber leid. Dann bist du wohl nur durch eine Verwechslung hier her geraten. Warte nur einen Augenblick... das bekommen wir wieder hin.“ Die Frau trat aus ihrem Blickfeld, als die Kette klirrte und sie zu Boden gelassen wurde. Unfähig, ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, atmete Alari erleichtert aus – ehe sie mit einem Ruck in die Höhe gerissen wurde.

Ihr überraschter Aufschrei wurde mit einer in loderndem Zorn gespienen Erwiderung vergolten. „Was glaubst du eigentlich, was du bist! Ich kenne den Hochmut deines Volkes, oh ja! Denkst wohl immer noch, du wärest etwas Besseres! Für dich ist die silberne Stadt wohl immer nur ein Ort der Freude gewesen, wie?“ Alari wollte gerade antworten, als ein lauter Knall ertönte und ihr Rücken mit einem Mal in Flammen zu stehen schienen. Ein weiterer Schrei erstickte jedweden Satz, den sie gerade von sich hatte geben wollen, als ein erneuter Knall ertönte, gefolgt von einem weiteren Auflodern. „Silber war diese Stadt nur für ihre Tyrannen! Aber ich werde dir deinen Hochmut noch austreiben!“ Schlag auf Schlag drosch die Shantiri mit einer Peitsche auf Alaris Rücken ein, bis diese zu schreien aufgehört hatte. Sie schluchzte nur noch, als ihr Rücken schliesslich von blutigen Striemen gezeichnet war. Es schien, als hätte sie damit das Interesse ihres Folterknechts verloren, denn sie trat erneut in ihr von Tränen verschwommenes Sichtfeld, würdigte sie jedoch keines weiteren Blickes. Flüchtig nur sah sie ein metallenes Aufblitzen in ihrer Hand, ein weiteres Messer womöglich. Dann war ein widerliches, schmatzendes Geräusch zu hören. Eine ihrer Mitgefangenen schrie gurgelnd auf – doch das Herz der Shantiri blieb hart, und mit der Gefühllosigkeit eines Schlachters, der für das auslandende Angebot eines Metzgers sorgte, setzte sie Schnitt um Schnitt, bis das Blut sogar in Alaris Sichtfeld spritzte. „Warum?“ flüsterte diese gerade. „Warum tust du das? Ich habe dir nichts getan... auch diese beiden... sie haben nie eine Waffe geführt, waren keine Soldaten... warum quälst du sie so?“

Stille war ihre Antwort. Doch dann, zwischen den heiseren Schreien und Schluchzern der anderen Elfe, sprach die Shantiri wieder. „So, du beharrst also darauf, dass du etwas Besseres bist. Das du die gute Elfe und wir die bösen, bösen Monster sind. Aber ich verrate dir ein Geheimnis: Du... bist keinen. Deut. Besser.“ In dem flackernden Licht der Laterne, die als einzige Lichtquelle an diesem Ort diente, sah sie das Glitzern der Zähne der Shantiri. Sie lächelte – ein boshaftes, widerwärtiges verziehen der Lippen, das die Augen nicht erreichte. „Aber gut – ich gebe dir die Gelegenheit, es zu beweisen. Ich werde diese beiden zu Tode bringen. Werde ihnen das zurück zahlen, was man mir genommen hat. Und ich werde mir Zeit damit lassen, oh ja. Es wird nicht hübsch werden. Selbst mir wird dabei kalt werden. Aber sie... sie werden leiden.“ Sie richtete die Klinge auf Alari. „Aber du, die du ja so viel besser bist als eine wie ich, kannst das verhindern! Du musst nur dieses Messer nehmen und ihr Leiden beenden, und du ersparst ihnen Stunden des Schmerzes, der Folter, der Qual. Du musst mich nur darum bitten, dass du das für sie tun darfst, und ich lasse dich gewähren. Überlege es dir...“ Mit diesen Worten machte sie sich wieder an die Arbeit, während Alaris Welt wieder in den Schreien der Elfen, dem schweren Geruch des Blutes, den brennenden Schmerzen ihres gemarterten Leibes und dem Flackern der Laterne bestand.

Waltikon
20.07.2016, 14:27
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngEs war zum Aus-der-Haut-fahren!
Stundenlang suchte sie nun schon nach dem Versteck dieser verfluchten Shantiri. Dank der ach so neutralen Drah'Zil hatte sie die drei Elfen und ihre Käuferin aus den Augen verloren. Zwar hatte sie anfangs noch schwach ihren Geruch wahrgenommen, aber in diesen belebten Straßen ging er rasch im Gemisch der verschiedensten Düfte unter. Auch wenn ihre Nase viel sensibler als die ihrer Mitelfen war (was ihnen in den Wäldern schon so manches Mal zum Vorteil gereichte), hier konnte sie ihr nicht weiterhelfen. Sie war nun mal kein Bluthund!
Und dieser elende Verräter war ihr auch entwischt! Bestimmt hätte er ihr zumindest ungefähr sagen können, wo die Shantiri zu finden sein könnten ...

Erschöpft lehnte sie sich rücklings an eine Fensterlose Wand. Das herumgerenne in dieser, dank der hereinbrechenden Dämmerung mittlerweile nachlassenden, Hitze zwang sie zu einer Verschnaufpause. Sie holte die Wasserflasche hervor, trank einen Schluck und goss sich etwas über ihr Haupt, nicht nur, um sich abzukühlen, sondern auch, um den hämmernden Kopfschmerz zu lindern, der sie schon den ganzen Tag plagte. Sie hatte keine Nama-Blätter mehr und war einfach noch nicht dazu gekommen, neue zu kaufen. Also hieß es eben durchhalten und Zähne zusammenbeissen.
Als sie noch einen Schluck nahm, sah sie aus dem Augenwinkel eine Gestalt, welche die enge Gasse zu ihrer Rechten betrat. Diesen Gang, diese Körperhaltung kannte sie trotz des Weiten Umhanges mit seiner den Kopf bedeckenden Kapuze nur allzu gut. Das konnte nur eines dieser Untiere sein!
Schnell die Wasserflasche wieder verstaut, und schon folgte sie der Gestalt in sicherem Abstand, in der Hoffnung, dass jene sie zu ihrem Versteck führen möge. Wenn nicht, könnte sie dieses Ding ja immer noch ausquetschen, ehe sie seinem Leben ein Ende setzte ...

Nach wenigen, ihr viel zu lange vorkommenden Minuten erreichten sie schließlich einen kleinen Platz. Längst war keine Seele mehr zu sehen, was wohl nicht nur an der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit lag, die Gegend selbst schien etwas heruntergekommen und zwielichtig zu sein.
Um nicht aufzufallen, musste sie im Schatten an der Ecke warten, bis der Shantiri den Platz überquert haben würde. Dieser strebte aber nicht etwa auf eine weiterführende Gasse zu, sondern geradewegs auf ein größeres Gebäude, dessen Tor darauf schließen ließ, dass es sich um ein Lagerhaus handelte. Celriel vermeinte, von dort gedämpfte Schmerzeinsschreie zu hören.
Links vom Tor stand eine weitere verhüllte Gestalt, offenbar eine Wache. Nachdem ihr Führer kurz mit dieser gesprochen hatte, klopfte sie mit der rechten Faust dreimal an das Tor. Dieses öffnete sich kurz, um sich gleich hinter dem Ankömmling wieder zu verschließen.
Celriel hatte sich die Stärke und den Rythmus des Türklopfens gemerkt. Wenn es ihr gelänge, den Wächter lautlos auszuschalten, würde sie selbst anklopfen und sich so schnell Zutritt verschaffen können …
Ein Pfeil in den Hals würde hier die effektivste Methode sein. Gedacht, getan! Sie spannte den Bogen, trat aus dem Schatten, zielte, schoss, und – der Pfeil ging glatt in die Brust und ließ den Wächter mit einem Schmerzensschrei scheppernd zu Boden fallen! „Warum probier ich das eigentlich, ich sollte es doch besser wissen!“ tadelte sich Celriel seufzend selbst.
Keine Zeit zu zögern! Sogleich sprintete sie Richtung Tor los, dabei den Bogen wieder auf den Rücken umhängend, Schwert und Dolch ziehend. Da öffnete sich auch schon das Tor und mehrere Shantiri stürmten mit gezückten Schwertern heraus. Dem ersten schleuderte sie sogleich den Dolch entgegen, welcher diesen zwischen den Augen traf und tot zu Boden gehen ließ, während sie dem zweiten mit einem schnellen Hieb die Schwerthand abschlug, sodass dieser sich kreischend vor schmerzen am Boden krümmte und dabei mit der andern Hand den Armstumpf umklammerte.
Die beiden anderen waren vorsichtiger, gingen nach links und rechts, um sie in die Zange zu nehmen. Langsam stieg Celriel zurück, um keinen völlig aus den Augen zu verlieren. Ihr Schwert hielt sie mit beiden Händen waagrecht vor ihrem Körper, um jede Attacke, egal von welcher Seite sie kam, sofort parieren zu können. „Was ist?“, stichelte sie, dabei jeden abwechselnd ansehend,„Wollt ihr nicht endlich angreifen? Oder habt ihr etwa Angst vor einer einzigen Elfe?“ Dann, viel aggressiver, schrie sie, während sie allmählich das Schwert hob: „Kommt endlich her, ihr Feigen Ratten!“
„Aber, aber, warum so ungehalten? Wo wir uns doch extra die Mühe gemacht haben, dich zu uns zu führen.“
Diese Stimme ...!
Aus dem Dunkel hinter dem Tor trat ein weiteres dieser Monster hervor. Ein einzelnes, hasserfüllt glühendes Auge richtete sich auf Celriel, während es langsam sein Schwert zog. Ein Schwert von solch makelloser Schönheit und Perfektion, dass es nur von Zwergenhand geschmiedet worden sein konnte!
Es war Ivras.

Ironhide
20.07.2016, 20:41
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Gerne wäre er an der Stelle von dieser Maga gewesen, aber für ihn hatte sich niemand so vehement eingesetzt. So saß er erneut in einem Käfig, zusätzlich noch angekettet, was wohl hieß, das die fahrt nicht all zu lange dauern würde. Diesmal sah der Trolljäger auch mehr von der Stadt und war nicht weniger begeistert, wie seine Mitgefangenen noch am Tag zuvor. Die Nacht hatte ihm wirklich gut getan, das spürte er und wenn die nächste ähnlich erholsam sein sollte – sofern das unter diesen Umständen möglich sein würde, dann wäre er morgen sicherlich wieder bei vollen Kräften. Aber nicht, um in irgendeiner Arena zu kämpfen, das hatte er nicht vor. Soviel hatte er inzwischen rausgehört, das ihr Käufer der Besitzer einer der größten Arena in der Stadt war und immer wieder neuen Kämpfer brauchte. Die großen Kämpfer der Stadt, die jeder hier kannte, sollte nicht nur immer gegen schwache Diebe und Beutelschneider antreten, sondern auch hier und da mal gefordert werden. Dann kauften die Arenenbeseitzer meist ein paar kräftige Sklaven, bildete sie notdürftig aus und schickte sie dann gegen die Helden in die Schlacht, Ab und an war auch mal jemand dabei, den sie weiter ausbildeten und zu einem richtigen Kämpfer machten, der ihnen jede Menge Geld einbrachte. Zu letzterer Kategorie gehörte wohl Cadan, bei der Menge die der Mann auf den Tisch gelegt hatte.

Schweigend fuhren die Insassen des Käfigs ihrem Schicksal entgegen, als Cadans Blick auf das Goblinmädchen fiel. Er sah sie einfach nur an und fragte sich, wie sie es wohl fand, als Sonderbarkeit irgendeinem wilden Tier oder Kämpfer vorgeworfen zu werden. Dabei musste er leicht grinsen, denn er stellte es sich schon lustig vor, wenn sie mit einem drittklassigen, dazu noch stumpfen Schwert und einen gebrechlichen Schild, wenn überhaupt einem, in die Arena geschickt werden würde. Nur zu gerne würde er das sehen. Vielleicht konnte er aber mit ihr auch eine der Wachen bewerfen und ablenken, sonderlich groß war sie nicht und wirklich schwer sicherlich auch nicht. Auch das trieb ihm ein Grinsen ins Gesicht und er hätte fast laut zu lachen angefangen, aber hielt sich zurück. Erstmal musste sich überhaupt eine Gelegenheit bieten, hier raus zu kommen und auch wenn man es ihnen immer wieder gesagt hatte, das Flucht zwecklos sei, würde er seine Situation nicht einfach so hinnehmen. Seine Freunde waren schon tot, vor nicht mal zwei Tagen hatten sie noch gelebt und darüber gestritten, wer in der Schlacht wohl die meisten Orks niederstrecken würde. Bei starkem Bier und deftigem Essen hatten sie gelacht und gescherzt – bei Beginn der Schlacht fielen bis auf ihn alle fast sofort dem Verrat des Fürsten zum Opfer. Er wollte hier raus und zurück, denn er hatte eine Rechnung offen, die er unbedingt begleichen wollte.
Wenn sie nicht irgendwas konnte, was ihm weiterhalf, war sie allerhöchstens als Ablenkung gut, genauso wie der kümmerliche Rest in diesem Wagen.

Fruwluamressaw
21.07.2016, 21:39
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Schon nach einigen Minuten konnte man das Arenagebäude sehen. Im Gegensatz zu anderen Gebäuden der Stadt hatte es viel Platz um sich herum, wie ein einzelner Baum in einer Lichtung. Dadurch und durch seine vielen Verzierungen und den rostigen Waffen die dekorativ an den steinernen Wänden angebracht waren war die Arena sehr auffällig. Es waren keine Besucher zu sehen, offensichtlich fanden heute keine Kämpfe stand, was aufgrund des reichlich besuchten Sklavenmarktes aber auch nicht weiter verwunderlich war. Sie steuerten allerdings nicht auf den Haupteingang zu, sondern wurden zu einem Seiteneingang gebracht, der in die unterirdischen Katakomben führen musste.

Ihre Fesseln wurden gelöst und der Käfig geöffnet. Den Rest des Weges ging es nun also zu Fuß weiter. Sie liefen zu je 2 Leute in einer Reihe. Hinter und vor den Gefangenen liefen jeweils Wachen. Diese waren mit Speeren und Säbeln bewaffnet und machten eine Flucht so sehr unwahrscheinlich. Erst ging es eine Treppe hinunter, dann waren sie in einem längeren Gang. Nezlez musste neben Cadan laufen und nutzte die Zeit, um zu meckern. „Weist du, eigentlich hast du es echt viel zu gut. Hätte uns die Hexe nicht wegteleportiert, hätte dich die Armee überrannt und du hättest keine Chance gehabt. Ohnehin sehr dumm von dir, dich in diesem Wald mit ihr herumzutreiben. Aber was erwarte ich schon?“ Eins von Cadans Augenliedern zuckte und er gab ein genervtes Brummen von sich. „Außerdem, diese Arena ist doch genau das richtige für dich. Dass ich Besseres verdient habe, steht außer Frage, aber für einen einfältigen Muskelprotz wie dich ist das doch der sinnvollste Job den d…“ – Sie wurde jäh unterbrochen, als Cadan das tat, was er sich ursprünglich nur Scherzes halber ausgedacht hatte. Er packte Nezlez mit seinem monströsen Arm und mit einem kräftigen Schwung schleuderte er sie nach vorne, wodurch sie auf eine der Echsenwachen krachte und beide zu Boden fielen. Cadan konnte nicht anders, als bei diesem Anblick kurz loszulachen. Nezlez hatte damit natürlich nicht gerechnet und war entsprechend geschockt. Ziemlich weh getan hatte es auch. („Du verdammter Mistkerl!“). Als sie sich abstützen und wiederaufrichten wollte, bemerkte sie auf dem staubigen Steinboden einen alten Nagel. Sofort schlugen ihre Diebesinstinkte an, sie griff sich den Nagel und steckte ihn sich zwischen die Zähne, sodass man ihn nicht sehen würde, solange sie den Mund zu hatte. („Ein Draht wäre mir lieber gewesen, aber ein Nagel ist schonmal besser als garnichts“).

Sowohl Nezlez als auch Cadan blieben nicht ohne Strafe. Mit brutalen Hieben schlugen die Wächter auf die beiden ein – diesmal noch mit der stumpfen Seite der Speere. Das würde einige blaue Flecken geben. Nezlez wäre normalerweise sehr sauer gewesen – nagut, sie war ziemlich sauer. Aber nicht so Zornig, wie sie sein konnte. Denn auch wenn Cadan es nicht beabsichtigt hatte, so hatte sie durch ihn jetzt einen Nagel. Einen schäbigen Nagel. Wohl auch etwas rostig. Und er schmeckte widerlich. Aber in ihrer jetzigen Lage, war es wie ein Schatz, den sie behüten würde. Als der kleine Tumult um war, wurden sie weitergeführt. An den Seiten des Ganges waren viele Türen. Einer dieser Türen wurden nun geöffnet und sie wurde unsanft in den Raum geschubst. Dann wurde die Türe zu geknallt und verschlossen. Durch ein kleines Fenster mit Gittern an der Tür sprach einer der Wächter noch zu ihnen: „Ihr habt Brot und Wasser. Wenn ihr etwas Richtiges zu essen haben wollt, müsst ihr euch in Zukunft gut anstrengen bei den Kämpfen. Wenn ihr überhaupt überlebt, versteht sich.“ Dann ging er.
Es war sehr dunkel. Weit oben in dem Raum, der eher eine Zelle war, befand sich eine kleine Öffnung die dafür sorgte, dass zumindest ein wenig Luft und ein paar Fetzen Sonnenlicht hineinkam. Auch an dieser Öffnung waren Gitterstäbe. Nezlez nahm den Nagel kurz aus ihrem Mund – das war in Ordnung, solange keine Wache es sehen konnte – und nahm sich etwas von dem furchtbar trockenen Brot und dem Wasser, das so wirkte als stünde es schon seit heute Morgen hier. Ihr tat einiges Weh. Den Kopf hatte sie sich an der Rüstung der Wache angeschlagen, Arme und Rücken waren von den Speerschlägen geschunden. Auch das beschämende Gelächter auf dem Sklavenmarkt hatte seinen Schaden beigetragen – wenn auch nicht physisch. Schmollend hockte sie sich in eine Ecke des Raumes und dachte nach.

Ironhide
28.07.2016, 03:19
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Es war irgendwann, mitten in der Nacht, als Cadan wieder erwachte. Etliche blaue Flecken hatte er sich am Tag eingefangen, die zwar nun schmerzten, aber nicht weiter hinderlich sein würden. Er hatte schon bei weitem schwerere Verletzungen in seinen Jahren davongetragen. Dennoch ließen sie ihn nicht schlafen. Er blickte an die Decke seiner Zelle, dachte nach über die letzten Tage und wie er in diese Situation gekommen war. Diese Maga, sie hatte ihn hier her gebracht. Im Grunde war es also ihre Schuld. Anderseits würde er nun nicht mehr leben, dessen war er sich ebenso bewusst. Und wenn jemand Schuld hatte, dann ja wohl der Fürst persönlich, der mit seinem Verrat das ganze erst hatte eskalieren lasen. Dafür würde er sich noch in aller Form bedanken – möglichst mit einer sehr stumpfen Waffe, beschloss er. Die verursachten mehr Schaden und vor allem Schmerzen, wenn man es richtig anstellte.
Seine Gedanken wurden aber gestört. Gestört von einem metallischen Geräusch und sowas wie ein leises fluchen, was er aber nicht verstand. Cadan setzte sich auf, versuchte das Geräusch aus zu machen, denn viel sehen konnte er nicht. Das wenige Licht was einige Fackeln auf dem Gang spendeten, reichten gerade so aus, zu erkennen, wo die Tür war. Er hörte genauer hin und nach einiger Zeit glaubte er zu wissen, das es aus der Nachbarzelle kam. So als wenn sich jemand an dem Türschloss zu schaffen machte. War da etwa jemand dabei, aus zu brechen? Wenn er sich vollends verhörte, müsste das die Zelle sein, in der sie dieses kleine, grüne Ding gesteckt hatten, nachdem er sie durch die Gegen geworfen hatte. Cadan beschloss dem auf den Grund zu gehen. Er begab sich zu seiner Zellentür, spitzte nochmal seine Ohren und gluabte, das seine Vermutung richtig war. Leise flüsterte er in die Dunkelheit.
„Hey... du, bekommst du das Schloss auf?“
Keine Antwort und auch die Geräusche hörten Schlagartig auf. Nach kurzem warten sprach er daher einfach weiter. „Wenn du abhaust, dann viel Glück. Ohne mich wirst du hier nicht rauskommen. Die Wachen sind überall und wenn dich eine erwischt, kannst du dir ja ausmalen was dir blüht. Lass mich hier raus, und ich helfen dir mit ihnen.“

Gute Reden konnte Cadan noch nie schwingen, daher hoffte er, das dieser doch recht klägliche Versuch auf fruchtbaren Boden traff. Denn wenn er recht hatte, dann war es das Goblinmädchen und dann war ihm auch bewusst,d as sie sicher nicht gerade gut auf ihn zu sprechen war. Aber er hatte auch nicht unrecht mit dem was er sagte. Die Wachen waren ihr allesamt überlegen und er bezweifelte, das sie sich jemals mit einem überlegenden Gegner angelegt hat, wenn sie ihm alleine Gegenüber stand. Für ihn war das dagegen sein Lebensunterhalt und er so eine Echse war bei weitem kein Troll, aber dafür schlauer und wenn auch nur eine Wache die Möglichkeit haben würde, Alarm zu schlagen, wäre ihre Flucht eh vorbei.
„Ich räume jede Wache aus dem Weg, schnell und leise, damit wir unentdeckt bleiben. Schaffst du das auch? Also, hol mich hier raus.“

Fruwluamressaw
28.07.2016, 14:29
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez hatte sich eine ganze Weile ausgeruht. Dann, wenn vermutlich auch die letzte Person tief und fest schlief, mal von Wachen die Schicht hatten abgesehen, begann sie mit ihrem Vorhaben. Es war nun spät in der Nacht, in wenigen Stunden würde die Sonne wieder ihr Gesicht zeigen. Vermutlich würde sie bereits heute in die Arena geschickt. Sie war im Kampf nicht hilflos, aber wer wusste schon, was sie dort erwarten würde? Sie würde definitiv ihr Leben aufs Spiel setzen, zumal sie ja mitbekommen hatte, hier nur eine Showeinlage zu sein. Sie musste hier raus und jetzt war ein guter Zeitpunkt. Nez nahm den Nagel und steckte ihn probeweise in das Schloss ihrer Tür, fummelte ein wenig herum um ein Gefühl zu bekommen. Dann begann sie damit ihn an er Steinwand ein wenig zu verbiegen und steckte ihn erneut in das Schloss. Diese Prozedur wiederholte sie einige Male.
Ein Schloss zu knacken war für sie eine Routinetätigkeit. Normalerweise hätte sie einige fertige Dietriche bereits dabeigehabt. Nun aber musste sie einen neuen Dietrich formen, mit diesem widerspenstigen alten Nagel. Sie fummelte erneut in dem Schlüsselloch. Hatte sie es? Nein, nicht ganz. „Scheissteil!“ fluchte sie flüsternd. Warum auch musste es so dunkel sein? Wenigstens der Mond hätte mal hereinscheinen können. Plötzlich eine dunkle Stimme. Sofort hörte sie auf und steckte sich den verbogenen Nagel wieder in den Mund. Dann stellte sie fest, dass es der große Mann war, der zu ihr sprach. Ja, genau DER Typ, der sie gestern durch die Gegend geworfen hatte. Und nun wollte er tatsächlich, dass sie auch ihn befreite? Was er sagte stimme allerdings schon. Jemand schnell und leise aus dem Weg schaffen war ihr mit den richtigen Waffen nicht unmöglich – aber die besaß sie nicht. Dem großen Kerl hingegen traute sie durchaus zu, jemandem den Kopf umzudrehen. Ihn für ihre eigenen Zwecke auszunutzen, wäre wohl klug. Schließlich hatte sie lange Zeit auch ihren Trupp für eigene Interessen ausgenutzt. Aber der Trupp war ihr loyal gewesen. Konnte Sie dem Mann vertrauen? Insgesamt betrachtet wahrscheinlich nicht, aber sie war sich sicher, dass seine oberste Priorität gerade ebenfalls war, hier herauszukommen. Und solange dies der Fall war, würde er kooperieren.
Klack. Sie hatte es geschafft. Mit einem dezent leisen Quietschen schob sich langsam ihre Tür auf. Vorsichtig lugte sie um die Ecken, analysierte den Gang. Keine Wachen waren direkt auf dem Gang, die hätte sie auch zuvor gehört. Sie spitzte die Ohren, weiter hinten im Gang, hinter einer Abbiegung, waren leise Schritte zu hören. Dann Stimmen. Zwei Wachen die miteinander sprachen? Dann wieder Schritte, diesmal von zwei Fußpaaren. Das Geräusch kam näher. Schnell machte Nezlez die Tür wieder zu, allerdings ohne sie wieder abzuschließen, und kauerte sich in eine Ecke der Zelle. Die Wachen mussten jetzt ganz nah sein. Hoffentlich bemerkten sie nicht, dass ihre Tür nichtmehr abgeschlossen war. Aber dafür war keine Zeit mehr gewesen. „HALT! Was ist das denn?!“ sagte einer der Wachen überrascht. Nezlez blieb fast das Herz stehen. Das war es wohl mit ihrer Flucht.

„Nicht zu fassen! Ich hab tatsächlich noch einen gezuckerten Nussriegel in der Gürteltasche! Sollen wir uns den Teilen Chaz? Der sieht noch voll in Ordnung aus!“ Die andere Wache seufzte. „Mach doch nicht immer aus allem ein Theater. Fast dachte ich, hier versucht zur Abwechslung tatsächlich mal jemand auszubrechen.“ „Ich sage dir – es sind die kleinen Dinge im Leben, die es Lebenswert machen! Willst du nun ein Stück oder nicht?!“ „Ich hätte jetzt zwar lieber ein paar Muscheln mit Soße als nen ollen Nussriegel, aber gib schon her.“ Dann zogen sie knuspernd wieder von dannen.

Nezlez war zugleich erleichtert wie verwirrt. („Ein….Nussriegel? Wirklich? Was stellen die denn für Wachen ein?“) Sie wartete noch ein paar Momente ab, dann schlich sie wieder nach draußen. Sie ging zur Nachbartür und steckte ihren Dietrich hinein. Er passte. Offensichtlich war man sich bei all den Zellen zu schade gewesen, immer andere Schlösser zu benutzen. Bevor sie aufschloss, flüsterte sie warnend: „Ich rate dir, mich nicht zu hintergehen, Mensch.“

Ironhide
30.07.2016, 15:54
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So wirklich gerechnet hatte er nicht damit, aber sie half ihm. Zur Abwechslung mal eine positive Eigenschaft, auch wenn ihm sehr bewusst ist, das es nur eine Zweckgemeinschaft sein wird. Das machten auch ihre warnenden Worte deutlich, aber Cadan hatte ebenso welche für sie. Er wartete jedoch, bis sie die Zelle aufgeschlossen hatte.
„Lass dir nicht einfallen, mich zu verarschen, solange wir hier nicht raus sind. Das würde deinen Knochen nicht gut tun.“, knurrte er unmissverständlich zurück. Nez schloss seine Tür wieder, genauso wie sie es mit ihrer getan hatte, nachdem sie ihre Zelle verlassen hatte. Abschließen konnte sie die Tür nicht, oder besser wollte sie einfach nicht, aber solange die Türen nicht offen standen, würde so schnell niemand verdacht schöpfen, so hoffte der Trolljäger.

Die zwei Wachposten waren irgendwo in den Gängen verschwunden, weder er noch das Goblinmädchen hörten sie noch, geschweige denn sahen sie. Die Sicht hier unten war eh nicht sonderlich gut, kaum Fackeln, und Fenster nach draußen gab es nur sehr wenige. Zusammen schlichen beide von Ecke zu Ecke, immer darauf achtend, in der Dunkelheit zu bleiben um nicht gesehen zu werden. Cadan war etwas überrascht, das es kaum Wachen gab, das war gut für sie, vielleicht aber auch schlecht, das konnte Cadan nun noch nicht sagen. Nach wenigen Minuten des schweigenden Schleichens kamen die beiden an eine Kreuzung. „So, die Frage ist nun, wo lang?“

Fruwluamressaw
30.07.2016, 20:17
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez überlegte, welchen Weg sie einschlagen sollten. Der Gang nach links machte auf sie einen ähnlichen Eindruck wie der Gang aus dem sie gerade kamen, daher vermutete sie dort weitere Zellen. Geradeaus war, sofern sie sich noch richtig erinnerte, irgendwann eine Treppe die zum Nebenausgang führen würde, durch den sie Gestern hineingekommen waren. Der Gang nach rechts war am besten beleuchtet. Vermutlich führte dieser Gang zum Kampfplatz der Arena. Und ihr Gefühl sagte ihr: Wenn es etwas zu stehlen gab, dann in dieser Richtung. Sie hoffte vor allem auf Waffen.
„Mit leeren Händen gehe ich hier bestimmt nicht raus. Komm.“ Cadan folgte ohne Widerworte, vermutlich, weil er den Vorschlag für gut befand. Sie schlichen sich weiter voran. Als sie um die nächste Ecke lugte, sah sie eine Wache, die an einer Tür gelehnt saß. Sofort gab sie ihrem Begleiter ein Handzeichen stehen zu bleiben. Bei genauem Hinsehen bemerkte sie allerdings, dass diese Wache hier am Dösen war, ihr Kopf war gesenkt und sie rührte sich kaum. Nezlez grinste, hielt ihren Finger vor den Mund und gab ein Zeichen, weiter zu schleichen. Sie schlich sich an die Wache und tipte ihr auf eine Schulter. Erschreckt fuhr die Wache hoch, schaute sie an und wollte gerade losbrüllen, als ihr Cadan von Hinten das Genick brach. Dann packte er ihn, damit er nicht laut zu Boden fiel und Lärm verursachte und legte ihn hin. „Nicht schlecht“, Stellte Nez anerkennend fest. Dann machte sie sich an der Tür zu schaffen, vor der eben noch die Wache saß. Der Dietrich passte nicht, das bestätigte ihren Verdacht, dass hier etwas Wichtigeres drin sein musste. „Gib acht, dass keiner kommt, das wird nicht lange dauern.“ „Nagut, aber beeil dich gefälligst“. Cadan ging zurück zur Ecke um dort schmiere zu stehen. Der Gang hier war wesentlich besser beleuchtet, so dass Nezlez auch deutlich einfach arbeiten konnte. Innerhalb weniger Minuten hatte sie das Schloss geknackt und die beiden betraten den Raum. „Hehe, na wer sagt‘s denn“ zufrieden schaute sie in den Lagerraum. Hier lagen mehrere Kisten mit allerhand Ausrüstung. Zudem standen einige Waffenständer herum. Auch Rüstungen gab es, die ihr allesamt zu groß waren. Cadan inspizierte die Waffen und entschied sich schnell für ein großes Breitschwert. Zudem legte er ein Kettenhemd an, welches er mit einem Gurt festzurrte. An den Gurt befestigte er noch einen Streitkolben und einige Messer. Zwar gab es für Nez keine Rüstung in passender Größe, allerdings gab es Stiefel- und Handschuhpaare aus Leder, die passten. Nun müsste sie schonmal nicht mehr Barfuß rumlaufen müssen. Auch Cadan hatte sich Stiefel angezogen. Riesenteile. Nez nahm sich ebenfalls einen der Gurte um ein paar Wurfmesser, sowie ein stabil wirkendes Seil daran zu befestigen. Der Gurt den sie anlegte hatte bereits eine kleine Tasche angebracht, in dem sie ihren Nagel verstauen konnte. Dann suchte sie sich noch den spitzesten Dolch aus den sie finden konnte. Leider gab es hier keine sehr hochwertigen Waffen und schon gar keine Schätze, aber die Ausbeute war dennoch sehr gut. Gerade wollte sie noch eine der Kisten inspizieren, als sie Schritte hörte. „Ok, Zeit zu verschwinden.“ Cadan nickte und sie huschten aus dem Raum. Zu spät, sie wurden bereits gesehen. Eine Echsenwache, die wohl gerade den Toten ablösen wollte, kam um die Ecke.

Geschockt und wütend brüllte er: „Ihr Schweine! Was habt ihr mit Nog’lar gemacht?! ALARM! AUSBRUCH!“ Die Wache zog ihr Schwert und ging auf Nez und Cadan los. Cadan parierte seinen Angriff mit wenig Mühe und setzte mit so viel Druck nach, dass die Wache nach Hinten umfiel. Dann machte er ihr mit einem kräftigen Hieb gegen den Hals den gar aus. Schnell rannten die beide den Gang weiter. Sie wussten nicht genau, wie viele Wachen hier tatsächlich stationiert waren, aber sie waren nun allesamt alarmiert und würden bald auftauchen. Sie liefen so schnell sie konnten und dennoch konnten sie bereits Stimmen und Tritte hinter sich ausmachen. Sie durften jetzt nicht mehr umkehren. Eine steile breite Treppe führte auf ein großes Tor zu, welches an den Seiten durch Fackeln beleuchtet waren. Sie spurteten die Treppe hinauf auf das Tor zu. Als sie durch das Tor gingen stellten sie fest, dass sie nun mitten in der Arena waren. „Schau dir das an, Chaz! Da ist ja unser Besuch!“ Die beiden Wachen, die bereits vorhin einmal an ihren Zellen vorbei, standen Mitten in der Arena, als hätten sie bereits auf Nez und Cadan gewartet. „Habt ihr euch wirklich für so schlau gehalten? Wir kennen die Gänge hier in und auswendig. Ihr kommt hier nicht raus. Der gute Chaz hier hat dieses Jahr die Auszeichnung zur besten Wache erhalten. Willst du ihnen nicht eine Kostprobe geben Chaz?“ Die Wache, die er Chaz nannte, grunzte nur amüsiert und beide zogen ihre Schwerter. Ein Blick nach hinten vermittelte Nez, dass es keine Chance auf umkehren gab. Mindestens 4 weitere Wachen waren gerade dabei, die Treppe hinaufzusteigen. „Wir haben keine Wahl! Wir müssen an den Beiden vorbei!“. „Na und? Ich wundere mich schon über dein Zögern. Auf geht’s!“ Mit einem kampfeslustigen Grinsen und dem Breitschwert in der Hand, stürmte Cadan nach vorne. Nezlez hechtete ihm nach, so schnell sie es mit ihren kurzen Beinen konnte.

coel
01.08.2016, 02:34
Die kleinen Spitzen bohrten sich schnell in die freiliegende Haut und setzten dort ihre Wirkung schon bald um. Nahar bemerkte, dass der Mensch die Treffer bemerkt hatte und in seinem Ansturm stehen geblieben war. Er kratzte an der Stelle, wo die Pfeile ihn getroffen hatten und zog sie heraus, um sie daraufhin ungläubig zu betrachten. Der anfängliche, bedrohliche Zorn des Kriegers veränderte sich in ein wackliges Geradestehen. Nahar hatte das schon mehrmals beobachtet und es war nach so vielen Malen immer noch interessant bei der Veränderung durch die Droge zuzusehen.
„Saubere Arbeit, Chaz!“, rief er seinem Leibwächter zu, der sich bereits ohne seinen Befehl mit seinem Kameraden aus der Arena entfernte. Das Goblinweibchen schien immer noch nicht realisiert zu haben, was gerade geschehen war und deswegen wollte Nahar sie nicht länger auf die Folter spannen.
„Wie lange glaubst du, dass ich dieses Handwerk schon ausübe, Grünling?“, fragte er sie von den Zuschauerplätzen aus. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie seine anderen Wachen die Blasrohre mit neuen Pfeilen sorgfältig nachluden. Man konnte nie sicher genug sein.
Er wartete nicht erst auf eine Antwort, sondern erzählte weiter, während der große Mann mittlerweile zu Boden gesunken war. Die Beiden waren nun allein in der Arena, die er nun abgesperrt hatte.
„Lang genug, um zu wissen, dass nur wenige Sklaven gern in meiner Arena kämpfen.“
Er schritt die Reihen der treppenartig gestuften Sitzplätze ab und verschränkte dabei die Arme hinter seinem Rücken.
„Allerdings habt ihr mir einen Verlust zugetragen, der mich außerordentlich überrascht hat. Nog’lar war jedoch unvorsichtig gewesen, also scheint mir das die gerechte Strafe zu sein.“
Er blieb abrupt stehen und fixierte die immer noch perplexe Goblin an. Diesen Blick kannte er nur zu gut. Die Frage nach dem Wie prangte auf ihrem Gesicht, wie das gekünstelte Lächeln eines Händlers, der schlechte Ware loswerden wollte.
„Das ‚wie konnte das passieren‘ braucht dich nicht mehr zu stören. Nicht, weil ich es dir erläutern werde, sondern…“, er machte eine Pause und deutete auf den Menschen, der den Kampf mit der Droge aufgegeben hatte, „Weil diese Muskeln dich höchstwahrscheinlich bald umbringen werden.“
Er bleckte die Zähne und wusste, dass sich das Goblinweibchen in diesem Augenblick über diese demonstrative Darstellung von Überlegenheit maßlos ärgerte.
„Genieß die Herausforderung, Goblin. Entweder stirbst du durch seine Hand oder eine Überdosis der Kampfdroge bringt ihn vorher um.“
Nahar setzte sich auf einen bequemen Stuhl in dem Bereich, wo nur großzügige Zuschauer Platz nehmen durften und beugte sich leicht nach vorne, als sollte dies seinen folgenden Worten mehr Ausdruck verleihen.
„Oder ihr überrascht mich.“

Überraschung!

Ich bin mal so frech und gebe euch mal einen Wechsel der Situation. What a twist!
Ihr kämpft nun gegeneinander! Oder besser gesagt, Ironhide steht unter Drogen und will dich umbringen. Entkommen aus der Arena ist nicht möglich.
Bin gespannt, wer wen zuerst umhaut :P

Fruwluamressaw
01.08.2016, 20:17
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Diese gerissenen Bastarde hatten ihnen eine Falle gestellt. Offenbar waren sie deutlich besser auf Ausbrüche vorbereitet, als sie annahmen. Noch dazu waren sie so Feige, sich allesamt in die Zuschauerreien zu verpissen. Ihr großer Begleiter war derweil selbst zur Gefahr geworden. Seiner Sinne vollständig beraubt wirkte er in etwa wie ein blutrünstiger Ork. Und nun hastete er auf sie zu, mit leeren Augen, schaumigem Mund und erhobener Klinge. Nezlez rannte vor ihm weg, so schnell es der sandige Boden zuließ. Cadan war zwar nicht unbedingt flink, aber durchaus schnell und bald hatte er sie wieder eingeholt. Es gab keinen Fluchtweg. Der Weg in die Katakomben war durch Wachen versperrt. Der große Haupteingang der Arena war durch ein massives Tor geschlossen und verriegelt. Am Rand der Arena waren hohe Steinwände, die überdies am oberen Ende mit Eisenspeeren versehen waren. Diese Wände endeten dort, wo die Zuschuerplätze treppenartig anfingen und wo nun einige der Wachen sowie der Arenaleiter saßen.
Nezlez musste zur Seite hechten, um einem Hieb von Cadans Breitschwert zu entgehen. Der Sand schürfte ihr beim Landen die Haut auf. Cadan setzte mit einem Stoß nach unten nach. Mit einer schnellen Rolle wich sie dem Hieb aus und Cadans Klinge rammte kurz neben ihrem Ohr in den Boden, mit einer solchen Wucht das ihr Sand in die Augen spritzte. Mit seiner freien Hand stieß Cadan nach unten und packte Nezlez Gesicht. Dann übte er so viel Druck aus, dass Nezlez vor Schmerz schrie und Angst bekam, er würde ihr den Schädel zerdrücken. Genau das schien er tatsächlich vor zu haben. Adrenalin schoss durch ihren gesamten Körper und sie verpasste Cadan einen verzweifelten Tritt zwischen die Beine. Selbst ein Koloss wie Cadan hatte diese Schwachstelle, schmerzhaft zuckte er zusammen, sein Griff wurde locker. Nezlez trat noch einmal nach, rollte sich dann unter Cadan hinweg und warf ein Messer auf Cadan, dass sich in eins seiner Beine bohrte. Dann richtete sie sich wieder auf.
Was sollte sie nur tun? Sie traute sich einen Zweikampf mit dem Riesen nicht wirklich zu. Um ihn zu töten brauchte sie viele Stiche, während ein Hieb von ihm ausreichen würde, ihr Leben frühzeitig zu beenden. Außerdem war er nicht ihr eigentlicher Feind - der saß auf den Zuschauerplätzen und amüsierte sich. Zeit zum Nachdenken wurde ihr kaum gewährt, denn Cadan raste wie ein Stier bereits erneut auf sie zu, vollkommen unbeeindruckt von der Wunde an seinem Bein. Nezlez versuchte erneut, von ihm wegzulaufen, doch er zeigte keinerlei Müdigkeit und drängte sie wieder in die Enge. "Hör endlich auf damit du Vollidiot! Reiß dich zusammen!" Er hechtete in seiner wilden Rage auf sie zu und sie krachte gegen einer der Steinwände. Ihr Kopf schlug gegen den Stein, sodass ihr kurz schwarz vor Augen wurde. Sie wurde nicht ohnmächtig, konnte aber das warme Blut spüre, dass an ihrem Kopf herunterlief. Cadan wollte erneut mit seiner massigen Hand nach ihr greifen und hatte es diesmal auf ihren Hals abgezielt, doch Nezlez biss sich mit ihren scharfen Zähnen in seine Hand, bevor er dazu kam. "Graaaah!" Cadan gab einen verärgerten Aufschrei von sich. Dann wirbelte er wie ein Hammerwerfer um sich, bis Nezlez es nicht mehr schaffte, sich mit ihren Zähnen festzuhalten. Sie flog wörtlich durch die Luft auf einer der Speere, die an den Wänden befestigt waren und wurde beinahe aufgespießt, konnte sich stattdessen aber an dem Speer festhalten und baumelte nun hoch oben an der Wand. Doch Cadan war groß. Er hob sein enormes Breitschwert auf, dass er beim Ansturm auf sie verloren hatte. Damit würde er an sie herankommen oder mindestens ihre Beine abschlagen können.

Nezlez schoss eine Idee in den Kopf. Jetzt da sie schon so weit oben war, eröffneten sich neue Möglichkeiten. Sie schwang sich hin und her. Als sie genug Schwung hatte, sprang sie mit einem beherzten Salto auf die Zuschauertribüne, noch bevor Cadan sie erreichen konnte. Überrascht wollte Nahar, der nun direkt vor ihr war, ein Zeichen an seine Wachen geben. Aber sie war schneller. Sie sprang ihm an die Kehle und hielt ihren Dolch direkt an seinen Hals. "Die Waffen runter!" sagte sie zornig. "Denkst du wirklich, ich habe Angst vor dir? Sieh dich doch um, naive Goblin." gab Nahar ihr zu verstehen und meinte damit natürlich seine Wachen, die bereits auf sie anvisiert waren. Nezlez drückte ihren Dolch stärker an seinen Hals, sodass die scharfe Klinge ihm bereits einen blutigen Schnitt verpasste. "DIE WAFFEN RUNTER!!" schrie sie jetzt laut und beinahe hysterisch. Nahars Wachen schauten sich gegenseitig an und wirkten eingeschüchtert. An Nahar gerichtet fügte sie hinzu: "Ihr könnt gerne einen Pfeil auf mich feuern lassen. Aber ich garantiere euch, sobald ich auch nur ein Pieksen spüre seid ihr tot, noch bevor ich es bin." Sie verstärkte abermals den Druck ihrer Klinge.
Nahar konnte nicht verstehen was gerade passierte. Wieso war er hierauf nicht vorbereitet gewesen? Wieso war Chaz nicht direkt an seiner Seite? Wie konnte die Goblin auch nur ein paar Sekunden gegen den riesigen Krieger überleben?
"Macht was sie sagt." Die Wachen murmelten irritiert, lagen aber dann ihre Klingen, Bögen und Blasrohre nieder. "Gut. Jetzt lasst das Tor öffnen." Nahar gab den Befehl und das Haupttor zur Arena wurde wieder aufgeschlossen. Cadan, der immer noch wie ein Berserker unten in der Arena herumwütete und herumfuchtelte, rannte in Richtung Ausgang und floh. Dabei schlug er die Wache, die eben das Tor geöffnet hatte, Brutal nieder und verschwand in der Stadt. "Ihr begleitet mich." Sie beobachte Nahar eindringlich und hielt stets die Klinge auf ihn gerichtet, während sie zusammen zum Haupteingang liefen. "Du wirst das bereuen, Goblin. Bisher war alles nur Spaß. Bereite dich also lieber vor, denn bald wirst du wahre Qual kennen lernen." "Jaja, halts maul Arschloch." antwortete Nez schroff.

Sie erreichten den Haupteingang. Nezlez vergewissterte sich, dass Nahars Wachen außer Reichweite waren. Dann sprach sie: "Weißt du was? Lass uns doch noch einen witzigen Handel machen! Schließlich bist du ja auch Händler...." Sie griff sich Nahars dicken Geldbeutel und steckte ihn ein. "Ich nehme mir das. Und du bekommst ...das hier!" Dann rammte sie ihm eins ihrer Messer in den Bauch. Er ächzte und zuckte zusammen. "Du Fotze! Ergreift sie! Schnell!" Schnell spurtete sie in Richtung Stadt, sobald sie erst einmal in den Gassen war, könnte sie übrige Verfolger leicht abschütteln. "Ein fairer Handel nicht wahr?" rief sie spöttisch, als sie davonrannte.

Rosered_Strauss
04.08.2016, 23:49
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari wusste nicht, wie oft sie bereits in die verschlingende Schwärze der Ohnmacht hinein geglitten und wieder heraus gerissen worden war. Sie wusste nur, das das 'aufwachen' stets weitaus schlimmer war als das 'wegtreten', machte sich die Shantiri doch akribisch daran, sie Schmerzen durchleiden zu lassen. Ihr Zeitgefühl hatte die Elfe eingebüßt. Hätte man sie gefragt, sie hätte nicht gewusst, ob sie nicht sogar schon Tage hier unten war. Natürlich waren Schmerzen für sie nichts Neues, dafür hatte der Krieg gesorgt. Sie hatte Verletzungen davon getragen und Blut verloren, hatte sogar Narben zurück behalten. Sie hatte Kameraden und Freunde sterben sehen sowie schmerzhafte Entscheidungen treffen und Zugeständnisse machen müssen. Doch noch nie war sie in die Hände eines Folterknechtes gefallen. Und definitiv noch nie in die Hände einer Shantiri, die den Schmerz zu ihrer eigenen Kunstform erhoben hatte. Es war schon eine Weile her, dass Ihre Schreie heiser geworden waren und schliesslich gänzlich verstummt waren. Lediglich ein mehrstimmiges Wimmern drang aus ihrer Kehle, wenn sie erneut geschnitten oder gestochen wurde. Erst, wenn es ihre Peinigerin wirklich darauf anlegte - was leider in regelmäßigen Abständen der Fall war - krächzte Sie heiser, war ihre Stimme doch zu strapaziert von den Schreien zuvor. Längst hatte sie aufgehört, die neuen Verletzungen zu zählen, die sie davon trug - ihr ganzer Leib brannte, als ob Flammen ihren Körper hinauf leckten und mehr und mehr Haut zu schmerzender Asche verbrannte.

Bald war der Moment erreicht, an dem das Überleben ihrer beiden Mitgefangenen auf Messers Schneide stand. Sorgfältig hatte die Shantiri sie an den Rand des Todes geführt, ohne jedoch einen einzigen Zoll zu viel über die Schwelle zwischen Leben und Tod zurück zu legen. "Es ist Zeit." meinte sie, nachdem Alari mit einem gequälten Stöhnen wieder in das Reich der Wirklichkeit zurück geholt worden war. Mit dem Griff eines Ihrer Werkzeuge hob sie Ihr Kinn an, bis ihre träge umher gleitenden Augen so klar geworden waren, dass sie ihre Peinigerin erfassen konnte. "Ich war sehr nachsichtig mit dir, habe gewartet, bis du selbst sprichst. Du hast es nicht getan und mich damit verärgert, aber im Gegensatz zu deinesgleichen werde ich dir dennoch eine Chance geben. Ihretwegen." Sie strich mit der flachen Seite eines ihrer Messer an Alaris Wange entlang. "Die beiden werden sterben. Das ist dir so klar wie mir. Doch du hast die Möglichkeit, ihnen zu helfen. Lässt du das Messer in meiner Hand, wird es noch Stunden dauern, Tage, wenn ich gewillt bin. Am Ende dieser Zeit würden sie eurem Gott selbst ins Gesicht spucken, wenn Sie glauben würden, dass es ihre Schmerzen linderte. Ihr Dasein wird ein einziger, langer Augenblick der Agonie sein... wenn du es zulässt. Du kannst dich natürlich entscheiden, ihnen zu helfen. Erlöse sie, hier und jetzt. Ich gebe dir das Messer, und du kannst ihnen helfen." Alari konnte nicht anders - der Gedanke sickerte in ihren Kopf, ehe sie ihn hindern konnte. Erlösung. Ein Umstand, den sie sich selbst sehr, sehr stark herbei sehnte. Konnte sie ihren Schwestern tatsächlich helfen? Ein Blick zur Seite zeigte, dass beide gerade nicht bei Bewusstsein waren. Sie würden es nicht einmal merken... im Vergleich zuvor wäre es eine Gnade.

Gerade, als sie antworten wollte, drang die Erinnerung an die Lehre ihres Meisters in ihre Erinnerung. Sie merkte, wie sie schwach den Kopf schüttelte. "Wirklich?" fragte die Shantiri, ihre beinahe gehauchte Stimme bar jedweder Regung. "Also willst du sie wirklich ihrem Verhängnis überlassen? Du willst sie mir überlassen?" Alari regte sich nicht weiter, und die Shantiri schnaubte. "Sieh einmal einer an. Ich ermögliche dir, sie zu erlösen, und du lehnst ab." Sie beugte sich noch etwas vor, um ihr ins Ohr zu flüstern. "Wenn du sie schreien und wimmern hörst, wenn ihre Gebete unbeantwortet bleiben - denke daran, dass es deine Stimme war, die sie in diese Lage gebracht hat." Mit diesen Worten ging sie wieder zu den Beiden hinüber und setzte ihr blutiges Werk fort. Alari hatte das Gefühl, dass sie weinen sollte. Gerade passierte etwas schlimmes und sie sollte Trauer zeigen. Doch sie war so müde, so unglaublich erschöpft... Vor ihren Augen begann die Umgebung zu verschwimmen. Gesichter tauchten in diesem Nebel auf und verschwanden wieder. Manche kamen ihr nur vage bekannt vor, manche liessen sie aufmerken. Waffenbrüder, Mitpriester, Schwestern, Soldaten, Bekannte, Familie... es waren die Antlitze all derer, die auf sie warteten. Ein Funke des Widerstands entzündete sich in ihrem Geist. Sie würde diese Situation überstehen müssen. Sie wusste, dass auf sie gewartet wurde. Sie konnte sie nicht im Stich lassen! Sie würde überleben müssen, alleine schon ihretwegen! An diese Gedanken klammerte sie sich, als die Elfe neben ihr wieder zu schreien begann.

Waltikon
05.08.2016, 21:52
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngIvras!
Schon lange wollten die Elfen dieser Bestie und ihrer Mörderbande habhaft werden, doch jeder Versuch endete in einem blutigen Desaster.
Celriels erster Einsatz, nachdem ihre Wunden der Blutnacht verheilt waren, führte ihre Truppe gegen jene berüchtigte Gruppe von Shantiri. Sie gerieten in einen Hinterhalt, und sie musste mit ansehen, wie Nianna, ihre Kommandantin und eine der wenigen Freundinnen, die ihr verblieben waren, von diesem einäugigen Monster geradezu rituell enthauptet wurde. Rasend vor Zorn wollte sich Celriel damals auf sie stürzen, doch ihre Kameraden hielten sie zurück, ja, zerrten sie förmlich vom Schlachtfeld...
Und nun stand sie vor ihr. Celriel zitterte innerlich vor Aufregung. Endlich. Endlich würde sie für ihre Verbrechen mit ihrem Blut bezahlen müssen!

„In deiner Überheblichkeit stehst du deinem Volk wirklich nichts nach, Goldlöckchen!“
Ivras stand ihr gegenüber, mit einer Handbewegung hatte sie ihre zwei verbliebenen Untergebenen hinter sich befohlen. „Wie sonst kommt es, das du in eine so offensichtliche Falle gehst?“ fuhr sie fort. „Ich wollte es erst gar nicht glauben, als mir Nurekhi von einer Wolfsgardistin berichtete, die sie am Sklavenmarkt gesehen hat. So hohen Besuch wollten wir natürlich nicht lange warten lassen!“ Mit einem hämischen Grinsen deutete sie eine Verbeugung an.
Die Erkenntnis traf Celriel wie ein Schlag. Die Shantiri am Sklavenmarkt hatte sie ja auch gesehen! Wer weiß, wie viele Shantiri noch hier waren. Womöglich war sie bereits umzingelt, waren mehrere Bögen von den Dächern auf sie gerichtet …
Nein, dem war nicht so. Das hätte sie bestimmt gemerkt. Zwar wagte sie nicht, sich umzudrehen, aber sie war sich sicher, die einzigen Shantiri hier waren vor ihr.
„Deine Falle war aber ein ziemlicher Reinfall, wenn ich mich so umsehe!“ Sie umfasste ihren Schwertgriff fester. „Die Hälfte von euch liegt schon am Boden – und du bist die nächste!“
Mit diesen Worten stürmte Celriel vorwärts und hieb mit voller Wucht auf Ivras ein, doch diese war einfach beiseite getreten, sodass der Schlag ins Leere ging. Gleich darauf spürte Celruiel einen Tritt in ihren Hintern, der sie noch weiter vorwärts stolpern ließ – genau auf einen der beiden anderen Shantiri zu! Sie wollte schon das Schwert gegen diesen führen, doch achtete dieser penibel darauf, genügend Abstand zwischen sich und der Elfe zu wissen. Offenbar wollte Ivras sie für sich allein haben. Nun gut, umso besser!
Der Tritt hatte Celriel nur noch wütender gemacht. Aber sie war auch wütend auf sich selbst, solch eine plumpe Attacke ausgeführt zu haben.
„Einer Wolfsgardistin hätte ich doch eine geschicktere Vorgehensweise zugetraut,“ stichelte Ivras, „aber womöglich habe ich zuviel erwartet.“
Die Bestie wollte also mit ihr spielen, zum Glück, sonst wäre sie jetzt wohl tot. „Ich wollte nur deine Reflexe testen, Sklavin!“ provozierte Celriel zurück.
Kurz erstarb das hämische Grinsen in Ivras Gesicht, nur, um mit einem noch hasserfüllteren Blick als vorher zurückzukehren. „Oh, verzeiht Herrin, dass ich Eure wertvolle Zeit verschwende.“ Jedes Wort war mit einem spöttischen Unterton versehen. „Bitte, stoßt zu und rettet eure Gefährtinnen – oder was von ihnen noch übrig ist.“
So standen sie sich gegenüber, Ivras mit ausgebreiteten Armen, das Schwert in der rechten Hand, Celriel ihr Schwert mit beiden Händen haltend, und belauerten sich, umkreisten sich. Noch einmal würde sie nicht blind vorstürmen, versuchte Celriel, ihren Zorn und ihre Wut zu kontrollieren, doch es gelang ihr nur halb. Wieder und wieder stieß sie vor, schlug Stahl auf Stahl, wurde ihr Hieb pariert und mussten von ihr gegnerische Hiebe pariert werden.
Wieder wetzten ihre Klingen aneinander, als Celriel unachtsam wurde und sie zu spät erkannte, dass Ivras ihre Klinge zur Seite gedrückt hatte. In diesem Moment verpasste ihr die Shantiri einen so heftigen Stoß mit dem Kopf gegen die Nase, dass ihr – ganz kurz nur – schwarz vor Augen wurde. Doch dieser kurze Moment genügte der Schlächterin, um Celriel in die Seite zu stechen. Ein höllisch brennender Schmerz breitete sich in Celriel aus. Erstaunt blickte sie auf das Blut an ihrer Hand, mit der sie an diese Stelle gegriffen hatte. Sie war verwirrt. Es war nicht viel, auch schien ihr die Stelle nicht gefährlich, und doch hatte sie solch einen großen Schmerz gespürt. Doch er war irgendwie – anders. Und sie fühlte sich auch plötzlich so seltsam benommen... sollte diese Kreatur etwa ihre Klinge vergiftet haben? Das war es! Gift!
Sie taumelte rücklings an die Wand, sackte an ihr zu Boden. „Du Feige... du hast mich... was hast du...“ stammelte sie.
Ivras kniete sich vor sie, damit Celriel sie sehen konnte. „Vielleicht wäre es amüsant, dich weiterleben zu lassen, nur um dich eines Tages vor all deinen ach so großartigen Kameraden bei lebendigem Leibe auszuweiden.“ Sie machte eine Pause. „Aber das werde ich besser nicht tun. Nurekhi wird sicher große Freude daran haben, dich ganz besonders leiden zu lassen, nicht wahr?“
Sie drehte den Kopf, und ein anderes Gesicht tauchte neben ihr auf, eines, das Celriel vorher nicht bemerkt hatte. Wo kam diese Kreatur her, und wann war sie gekommen? Erst jetzt wurde ihr klar, dass die dumpfen Schreie, die sie anfangs vernommen hatte, schon lange erloschen waren. Sie musste bei den Gefangenen gewesen sein.
Verkrüppelte Finger einer Hand griffen ihr ans Kinn und drehten ihren Kopf. „Oh ja, wir zwei werden ganz viel Spaß zusammen haben, sobald ich mit deiner Vorgängerin fertig bin. Es wird mir ein ganz besonderes Vergnügen sein, dir deinen Hochmut auszutreiben!“ Sie lachte. Ein grausames Lachen, das einem das Blut gefrieren lassen konnte. Oder lag das an diesem Gift?

„Tötet sie! Und holt die Elfe da raus!“ Plötzlich stürmten mehrere Krieger auf die Shantiri zu. Ihre Kameraden waren gekommen! Sie waren hier, um sie zu retten!
Nein, nicht ihretwegen, es waren andere Krieger, und die Stimme gehörte zu einem Gesicht, dass sie schon mal gesehen hatte, aber wo? Der Elf vom Sklavenmarkt, natürlich!
Dieser unerwartete Angriff fesselte die ganze Aufmerksamkeit der Shantiri, sie mussten sich den neuen Gegnern stellen. Das war ihre einzige Chance! Celriel, noch immer benommen, bot all ihren Willen auf und krallte sich ihr Schwert. Dann zwang sie sich dazu, sich an der Mauer wieder aufzurichten, um dann nach rechts drehend durch das offene Tor in das Lagerhaus zu gelangen. Sie taumelte in den Raum. Zwar verschwomm vor ihren Augen irgendwie alles, doch vermochte sie einen Abgang zu erkennen. Dort unten mussten die drei Elfen sein. Gleich, gleich würde sie bei ihnen sein und sie befreien...

Rosered_Strauss
05.08.2016, 23:21
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlaris Gedanken waren immer noch so vollkommen auf ihre eigene Welt fixiert, dass es eine Weile brauchte, bis sie ihre Umgebung erneut wahrnahm. Ihre 'Wärterin' war fort! Und als sie sich mit aller Kraft konzentrierte und den Nebel einer neuerlichen, drohenden Ohnmacht beiseite drängte, konnte sie sogar Lärm von oben hören. Metallisches Klingen, als ob Schwerter aufeinander treffen würden, Flüche und schwere Tritte, das Geräusch von klappernden Rüstungen und aufeinander reibendem Leder... da oben musste ein Kampf im Gange sein! Sie hob den Kopf, als noch ein weiteres Geräusch in ihre Ohren drang – Schritte. Nicht die nahezu unhörbaren, leicht schlurfenden Schritte ihres Folterknechts und persönlichen Alptraumes. Nein, diese Schritte waren von jemand anderem. Von jemandem, der verletzt zu sein schien, gemessen daran, dass er – oder sie – sich an der Wand abstützen musste und dementsprechend langsam voran kam. Hoffnung stahl sich in ihren Geist. Konnte es sein, dass diese Tortur eine unerwartete Wendung nehmen würde? War einer ihrer Gefährten gekommen, sie zu retten? Oder jemand aus der zusammen gewürfelten Gruppe, die sie auf ihrer Flucht kennen gelernt hatte?

Wie es sich heraus stellen sollte, waren beide Ideen nicht korrekt. Eine Elfe trat ins Licht der Fackel – eine Elfe, die Alari noch nie gesehen hatte. Sie mutete ihr sehr kriegerisch an, das konnte sie sofort an ihrer Ausrüstung und mehr noch an ihrer Haltung erkennen, wenngleich letztere beeinträchtigt war. Es schien ihr so, als würde sie durch etwas gelähmt. Ob nun durch Entsetzen, eine Verwundung oder etwas Anderes, das konnte sie weder beurteilen noch feststellen. „Wer seid ihr?“ fragte sie, bevor sie zurück schreckte. Ihre Stimme klang so schwach und gepresst, dass es sie beinahe ängstigte. Sie konnte sich noch nicht einmal sicher sein, ob ihre Schwester ihre Worte überhaupt vernommen hatte, war deren Aufmerksamkeit doch ganz von den beiden anderen Elfen eingenommen. Ein Keuchen entfuhr ihr, als sie sah, wie zugerichtet sie alle waren. Verglichen mit ihnen wirkte Alari beinahe unbeschadet, wenngleich sie offenkundig ebenfalls unter der Folter der Shantiri gelitten hatte. Doch die beiden Anderen... sie befanden sich bereits in einem Zustand, in dem keine Rettung mehr möglich schien. Es war mittlerweile sogar unmöglich, näheres über Alter oder Identität auszusagen, so zugerichtet waren sie.

Mit einiger Mühe schaffte es Alari, sich bemerkbar zu machen. „Seid ihr hier... um uns zu retten? Um mich zu retten?“ verbesserte sie sich, als sie einen kurzen, traurigen Blick auf die Anderen warf. Die andere Elfe setzte dazu an, etwas zu sagen, doch Alari vernahm die Worte nicht mehr. Ihr Blick wurde wieder trübe, und nur unter Aufwendung sämtlicher geistiger Kräfte schaffte sie es, bei Bewusstsein zu bleiben. Doch es war klar, dass sie so nicht hier raus kommen würde. Sie musste zumindest klar denken können! Und nicht nur sie, ihre Retterin sah ebenfalls danach aus, als könnte sie ein wenig Hilfe gebrauchen. Sie holte tief und rasselnd Atem, was zur Folge hatte, dass sie von einem Hustenanfall geschüttelt wurde. Doch sie liess sich nicht beirren und machte nach Ende des Anfalls stur damit weiter, bis sie so etwas wie eine ruhige Atmung hatte. Sie ging tief in sich, suchte nach einem kleinen Rest ihrer Kraft, der es ihr ermöglichen würde, etwas zu tun. Einem letzten Funken... Panik überkam sie, als sie nichts fand. In ihrer Verzweiflung beschwor sie erneut das Bild Fandrasârs vor ihrem inneren Auge. Da! Tief in ihrem Inneren glomm wie zur Antwort ein letzter, trotziger Anflug von Widerstand auf. Diesen Funken liess sie in sich wachsen und gedeihen, näherte ihn – und liess ihn fliessen. Langsam und sanft wie aufziehender Nebel begann ihre Stimme aus ihrem gepeinigten Rachen empor zu steigen. Ihr mehrstimmiger Gesang war wie eine unterschwellige Melodie, eine innere Stimme, die einem bei der Reflexion half. Sie spürte, wie sich der Rest ihrer Magie entfaltete und ihr etwas der Trägheit und des Schmerzes nahm, der sie in seinen eisernen Klauen gefangen hatte. Auch die Kriegerin spürte, wie ihre Gedanken fester und klarer wurden und die Unbill zurück gedrängt wurde. Nach kurzem Zögern trat sie entschlossen zu ihr hin und begann, die Manschetten zu lösen, die sie an den Ketten hielten. Als diese gelöst worden waren, fiel Alari erschöpt nach vorne in die Arme der Elfe, die sie auffing und ihr dabei half, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

coel
06.08.2016, 02:41
Sie duckte sich im letzten Moment unter dem Schlag weg, der ihr ansonsten den Kopf abgetrennt hätte. Mit einem schnellen Stich erwiderte sie den Angriff, doch das Schild ihres Gegners blockte die Schwertspitze.
Neben ihr schrie Reves, einer ihrer Untergebenen und gelegentlicher Liebhaber, auf, als ihm eine Lanze durch den Bauch gerammt wurde. Zwar tötete er denjenigen, doch konnte er sich nicht der anderen erwehren, die an seine Stelle traten, um Reves endgültig auszuschalten. Zwei Schwerter beendeten das Leben eines vertrauten Kameraden, der mit ihr gekämpft und gelitten hatte. Jemand bekanntes und gewohntes war für immer aus dieser Welt genommen worden und an seine Stelle traten Erinnerungen an vergangene Tage.
Zorn flammte in Ivras auf. Sie wollte nicht mehr ihrer Freunde sterben sehen. Sie wollte ein Ende nach all der Dunkelheit, die sie ihr ständiger Begleiter war. Sie brüllte ihren Hass heraus und wuchtete ihre Klinge so stark gegen ihren Gegner, dass nicht einmal sein Schild ihn schützen konnte. Es schnitt sich zur Hälfte in den Stahl und traf dadurch den ungeschützten Schädel. Sie riss ihr Schwert aus dem Kopf, in welchem die Augen sie ungläubig anstarrten, als hätte ihr Feind den Tod nicht erwartet.
Sie blickte sich schnell um. Sie waren eindeutig in der Unterzahl.
Noch vor kurzem stand sie siegessicher vor dieser schwächlichen Elfe und nun kämpfte sie ums nackte Überleben.
„Die Elfe!“, ihr Auge suchte nach der Wolfsgardistin, „Wo steckt dieses verfluchte Weib?“
Sie schlug sich durch die Angreifer, damit sie das Gebäude erreichen konnte und rannte hinab in den Keller. Nachdem sie die Tür aufgestoßen hatte, stockte sie für einen Moment. Der brutale Geruch nach Blut und der Anblick von so viel Schmerz ließen sogar Ivras kurz inne halten.
„Fort“, murmelte sie und kaute nachdenklich auf ihrer Lippe herum, „Wo… wo bist du? Wo versteckst du dich?“
Vor Zorn durchtrennte sie den leblosen Leib einer Elfin. Sie wollte gerade den anderen Leib auf dieselbe Art und Weise schänden, da hörte sie die entfernten Rufe von Nurekhi.
„Ivras! Wir müssen fliehen! Es sind zu viele!“
Verfluchte Elfen.
Sie blickte angewidert auf den entstellten, durchtrennten Leib der Elfin herab und spuckte auf diesen.
„Ich werde euch zwei finden“, schwor sie sich beim Heraufeilen der Treppenstufen, „Ich werde euch finden und euch töten. Beim Blut meines Volkes.“


Die Shantiri waren ein zähes Volk. Ihre Haut schützte sie sogar besser als die dicke Haut der Orks. Außerdem übertrafen sie die Elfen in Stärke und Ausdauer, doch das bedeutete nicht, dass man sie nicht töten konnte.
Nein, sagte sich Trálir, während er die Leichen der Shantiri entlangschritt und jeden dabei genau betrachtete.
Nein, sie starben und das sehr gut.
Unglücklicherweise nicht schnell genug, als er die Verluste unter seinen Untergebenen zählte. Nicht umsonst hatten sie Arlondo übernehmen können. Sein Volk war nachsichtig mit den Shantiri geworden und erlebte die schrecklichen Konsequenzen.
Trálir vermisste seine Heimat. Arlondo schien mittlerweile nur noch eine ferne Erinnerung zu sein. Als würde ein Erwachsener an seine Kindheit zurückdenken. Einer seiner Leute schritt auf ihn zu und bedeutete ihm, dass er ihm folgen sollte. Trálir nickte ihm zu.
Ein Schleier der Trauer und der Bedrücktheit hatte sich über ihn gelegt. Seine Augen folgten den Bewegungen des vor ihm gehenden Soldaten. Er war kräftiger gebaut als ein Elf und seine Ohren schienen etwas kürzer zu sein. Ein weiterer Preis, den Trálir eingegangen war, als er sich in seiner Verzweiflung an die Herrin gewandt hatte.
Er musste einfach sein Ziel erreichen. Egal, was er dafür geben musste.
Schließlich erreichten sie den Keller des Gebäudes. Trálir hatte die Schrecken von Arlondo gesehen, doch das… er schluckte… all seine Hoffnung verblasste. Das Entsetzen wich der Furcht. Der Furcht vor dem, was ihm seine Herrin antun würde, wenn er wieder versagt hatte.
„Ist sie…“, er wischte sich Schweiß von seinem bleich gewordenen Gesicht, „Ist sie darunter?“
Es war mehr eine Frage an sich selbst, denn nur er konnte sie beantworten. Nur er hatte ihr Gesicht sehen können, denn seine Herrin hatte es ihm gezeigt.
Erleichtert schnaufte er aus und gewann wieder seine Fassung zurück. Sie musste überlebt haben, doch wo war sie?
„Die Stadtwache wird bald hier sein“, sagte er zu dem Untergebenen, „Wir müssen von hier verschwinden.“
Er machte eine Pause.
„Nehmt die Leichen mit. Wir dürfen sie nicht zurücklassen.“
Während sein Befehl ausgeführt wurde, fiel sein Blick auf die zwei toten Elfen.
„Eremon segne euch, Schwestern.“

Fruwluamressaw
06.08.2016, 16:57
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez rannte pausenlos durch die Stadt. Mehrmals war sie der Meinung, ihre Verfolger abgehängt zu haben und wurde immer wieder von herannahenden Schritten enttäuscht. Die Wachen waren keine Amateure und kannten sich in der Stadt gut aus. Sie raste an mehreren Marktständen vorbei und schlängelte sich durch die Leute, die bereits früh am Morgen schon hoher Anzahl unterwegs waren. Das war der Vorteil, dass es jetzt wieder Tag war. Der Nachteil war, dass ihr der dunkle Mantel der Nacht als Schutz fehlte. Plötzlich kreuzte ein Echsenmensch mit einem Holzkarren voller Melonen ihren Weg. Sie hatte keine Wahl und versuchte über den Karren zu springen, schaffte es aber nicht ganz und trat mit dem Fuß auf dem Karren auf und fiel dann nach vorne auf den Boden. Zu ihrem Glück hatte sie dadurch gleichsam den Karren umgeschubst und die rollenden Melonen hielten ihre Verfolger für kurze Zeit auf. Genug Zeit für Nez, wieder aufzustehen und weiter zu rennen. Das laute Geschimpfe des Obsthändlers ignorierte sie. Ihr ging langsam die Puste aus, ihre Atem ging pausenlos und ihre Beine brannten. Sie nahm mehrere enge Gassen hintereinander und verschanzte sich dann hinter einigen aufgestapelten Kisten. Als nach einigen Sekunden der Achtsamkeit immer noch keine Spur von ihren Verfolgern war, ließ sie sich erschöpft zu Boden fallen.
An die Hauswand hinter ihr gelehnt saß sie da und versuchte sich zu beruhigen. Ihre Beine dankten es ihr. Allgegenwärtig wurde wieder der Schmerz an ihrem aufgeschürften Gesicht und, vor allem, an ihrem Hinterkopf. Nur noch sehr schwach tropfte Blut aus der Wunde. Das meiste war ihr bereits über den Kopf gelaufen und trocknete. Das machte ihr ohnehin angeschlagenes äußeres Erscheinungsbild nicht gerade besser und wenn auch Goblin nicht für Hygienebegeisterung bekannt waren, so hatte sie große Lust sich einmal gründlich zu waschen. Aber vorerst waren andere Dinge wichtiger. Sie musste unbedingt ihr Gesicht verdecken, um sich zumindest einigermaßen in der Stadt bewegen zu können. Außerhalb der Gasse waren ein paar Kinder und kickten eine Strohkugel durch die Gegend. Nezlez überlegte kurz und stand dann ächzend auf und ging zu den Kindern. „Hey!“ rief sie ihnen zu. Die Kinder, noch jung und naiv, gingen neugierig auf sie zu. „Was bist du denn für eine?“ fragte das älteste Kind. „Tja, nun…ich bin so etwas wie eine gute Fee.“ „Du siehst aber nicht wie eine gute Fee aus!“ merkte ein Menschenmädchen an. „Das liegt daran, dass Böse Leute mich so zugerichtet haben!“ erwiderte Nez trotzig. „Wow wirklich? Das klingt gemein…“ „Ja, nicht wahr?! Wollt ihr mir nicht helfen?“ Sie kramte einige Münzen aus dem gestohlenen Geldbeutel und hielt sie den Kindern hin. „Könnt ihr mir damit ein Tuch kaufen? Wenn es geht nehmt auch noch etwas Wasser und irgendwas zu essen mit.“ Die Kinder starrten mit offenem Mund auf die Summe, die ihnen Nez hinhielt. „Was denn? Reicht das aus oder nicht? Wenn was übrig bleibt behaltet es von mir aus.“ Die Kinder nickten schnell, nahmen das Geld und huschten eilig davon. („Na hoffentlich kommen die überhaupt wieder.“). Der Gedanke was berechtigt, denn sie wäre als Kind einfach mit dem Geld abgehauen. Sie zog sich in die Gasse zurück und ruhte sich eine Weile aus. Mittlerweile hatte sich auch ihr Magen zu Wort gemeldet und forderte nach Essen. Glücklicherweise kamen die Kinder tatsächlich recht bald wieder. Sie hielten Nezlez ein paar Fleischspieße, einen Krug Wasser und…ein blaues Tuch mit Blumenmuster hin. „Das ist häs… -äh….das ist super! Ihr habt eine gute Tat begangen und das Glück wird euch hold sein!“ Sie versuchte ihr Missfallen über die Optik des Tuches zu verbergen, da sie die Kinder nicht verunsichern wollte. Die Kinder strahlten fröhlich und gingen wieder spielen. Nez machte sich gierig über die Fleischspieße her und schüttete sich das frische Wasser geradezu die Kehle herunter. Das tat unheimlich gut.
Dann nahm sie das Tuch und wickelte es sich wie ein Wüstentuch um den Kopf. Damit sah sie zwar immer noch äußerst merkwürdig aus, aber man erkannte nicht mehr sofort, dass sie eine Goblin war. Sie musste es versuchen, sie konnte ja auch nicht ewig in diesen staubigen Gassen herumhängen. Sie mischte sich also unter die Leute auf dem Markt und schaute sich ein wenig um. Sie wurde von Einigen schräg angesehen aber niemand machte Anstalten, auf sie los zu gehen. Dennoch blieb Nezlez wachsam und war bereit, jederzeit wieder los zu sprinten. Ihre Beine waren immer noch etwas zittrig von der vorherigen Hetzjagd, aber würden ihren Zweck im Notfall wohl erfüllen.

„Zwergenhandwerk! Feinstes Zwergenhandwerk!“ sofort wurde sie auf den Ruf des Händlers aufmerksam. Da Zwerge, wie Goblin, nicht besonders groß waren, hatte sie hier die besten Chancen, etwas Vernünftiges zum Anziehen zu finden. Sie konnte den grauen Lumpen nicht mehr sehen, den man ihr übergezogen hatte. Er verstärkte außerdem den Eindruck, dass sie gerade eine Sklavin auf der Flucht sein könnte. Wenn auch sie ohnehin zu keinem Zeitpunkt zugestimmt hatte, überhaupt eine Sklavin zu werden. Aber vermutlich ging das allen Sklaven so. Jedenfalls – der Lumpen musste weg. Beiläufig wirkend trat sie an den Stand des Zwerges heran.
„Hallo. Ich möchte etwas kaufen.“ Der Zwerg wandte sich zu ihr, kniff dann misstrauisch die Augen zusammen und analysierte Nezlez von oben bis unten. „Du…du bist doch eine Goblin! Gesindel wie dich bediene ich hier nicht, du willst mich doch nur bestehlen! Verschwinde, bevor ich die Wachen rufe!“ („Ohje, bitte nicht das schon wieder“). Nezlez nahm seufzend ihren Geldbeutel in die Hand und klimperte damit vor dem Zwerg herum. „Shh! Nicht so laut! Seht ihr? Ich will wirklich etwas kaufen. Also was ist nun?“ Der Zwerg war immer noch misstrauisch. „Wo habt ihr das Geld überhaupt her?“. „Ich habe es in der Arena gewonnen….beim Wetten.“ Das war nicht einmal gänzlich gelogen. Schließlich überwiegte die Gier des Zwerges, ein gutes Geschäft abzuschließen. „Na schön. Was kann ich…“ Er schaute immer noch reichlich abfällig auf Nezlez. „…euch...anbieten?“ Nezlez entschied sich für eine robuste Lederrüstung. Soweit sie das beurteilen konnte, war sie gut verarbeitet. Aber viel zu teuer. Sie war sich ziemlich sicher, dass der Zwerg absichtlich mehr verlangt hatte. Aber Nezlez war eine erfahrene Diebin und keine erfahrene Händlerin. Außerdem waren noch genug Münzen im Beutel und sie wollte nicht riskieren, durch einen Streit unnötige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Sie bog abermals in eine Seitengasse ab. Diesmal nicht, um sich zu verstecken, sondern lediglich, damit nicht gleich jeder auf ihre nackte Haut glotzte, wenn sie sich umzog. Angewidert von dem grauen Lumpen zerschnitt sie ihn symbolisch mit ihrem Dolch und warf ihn auf den staubigen Boden. Sie hatte gerade die Lederhose hochgezogen, die Stiefel wieder angezogen und wollte nun das Oberteil anlegen, als sie bemerkte, dass sie beobachtet wurde.

Ironhide
06.08.2016, 19:49
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Es war ein Gefühl, welches Cadan seid ewig nicht mehr gehabt hatte. Ein Gefühl welches er sehr gut kannte, aber doppelt so stark wie normal. Dabei hatte er nicht mal was getrunken, zumindest erinnerte er sich nicht mehr, das er etwas zu sich genommen hätte. Das letzte, was er ganz klar im Kopf hatte war, das er zwei der Wachen in der Arnea niedergemetzelt hatte. Er erinnerte sich auch daran, wie gut es getan hatte, den Ärger der letzten tage an den beiden aus zu lassen, es war richtig befreiend gewesen und auch wenn er dabei verletzt wurde, war es doch ein gutes Gefühl gewesen. Doch dann wurde alles schwarz und er hatte keine Ahnung, wie er nun hier her gekommen war, inmitten von irgendwelchen Abfällen in irgendeiner engen, stickigen Gasse. Das Schwert lag neben ihm, da wo er es wohl hatte fallen lassen. Es war tatsächlich von oben bis unten voller Blut, das meiste schon getrocknet. Er griff danach, fühlt es sich doch besser an, eine Waffe in den Händen zu haben, aber er erschrak, als er seinen Arm danach ausstreckte. Auch der war voller Blut, genauso wie sein andere Arm. Er blickte an sich runter und stellte fest, das seine Lumpen nicht besser aussahen, wie auch seien Haut. Er war überall mit dem roten Lebenssaft bedeckt und ihn einem leichten Anfall von Panik tastete er seinen Körper hektisch nach Wunden ab, doch fand er keine tieferen Schnitte oder schlimmeres. Ein paar Kratzer, wenn man es so nennen wollte, aber nichts was er nicht schon öfters davon getragen hatte. Er beruhigte sich wieder nachdem er festgestellt hatte, das ihm wohl nichts fehlte.
Nachdem er sich irgendwie wieder aufgerappelt hatte, stand er nun in der Gasse, aber weiter wusste er auch schon nicht mehr. Er hatte keine Ahnung, wie er hier her gekommen ist und wo er eigentlich genau war. Es war sicher noch die Stadt, in der sie diese Echse verkauft hatte, dessen war er sich sicher. Aber das war auch schon alles, dessen er sich sicher war. Nez war nirgends zu sehen, aber das war nur nebensächlich, vielleicht ist sie umgekommen bei dem Fluchtversuch, vielleicht hatte er sie auch selbst getötet. Wenn ja, sei es eben so. Er war aus der Arena immerhin entkommen, jetzt wäre sie sicher nur eine Belastung für ihn gewesen.

Vorsichtig wagte sich Cadan ein paar Schritte vorwärts, die Gasse entlang die aufgrund der noch tiefstehenden Sonne einen relativ guten Schutz bot, da es dunkel genug warm um nicht sofort gesehen zu werden. Die Gasse mündete in einer Straße, die auch auch nicht viel größer war, aber dafür auch nicht sehr belebt. Das fand Cadan wiederum gut. Er spähte die Straße herauf und herunter, aber bis auf vereinzelte Bewohner die wohl ihren Tätigkeiten nachgehen wollten, sah er niemanden großartig. Er verbarg das Schwert so gut es ging, trat aus der Gasse und huschte an der Häuserwand ein paar Meter entlang, um dann mit drei schnellen schritten auf der gegenüberliegenden Seite in einer anderen, dunkeln Gasse zu verschwinden. Zwei Sachen waren für Cadan nun wichtig. Wasser, einmal um seine trockene Kehle zu befeuchten, zum anderen um sich das Blut grob abzuwaschen und andere Kleidung. Zwar hatte er auch Hunger, aber das konnte warten, Wasser war durchaus wichtiger. Mit ersterem hatte er Glück. Nach einem weiteren Schleichgang durch eine weitere enge Gasse, die in einer Straße mündete, die zu einem kleinen Platz führte, sah er auf diesem Platz einen kleinen Brunnen. Zum Brunnen selbst konnte er nicht, aber er konnte sich jemanden schnappen, der mit einem gefüllten Wassereimer die Straße entlang und an der Gasse vorbeikommen würde. Es brauchte nur etwas Geduld und bestenfalls jemanden, dem er körperlich deutlich überlegen war. Zwar wäre er wohl den meisten überlegen, aber eine Frau oder ein Kind eigneten sich am besten. Einen Kampf, so kurz er mit Sicherheit auch sein würde, wollte er auf jeden Fall vermeiden.

Wie er erwartet hatte, dauerte es auch nicht lange, bis eine verhüllte Gestallt mit einem Eimer Wasser vom Brunnen die Straße entlang ging. Aus der Dunkelheit der Gasse heraus, vergewisserte sich Cadan noch, das niemand in in die Richtung der Person sah, dann packte er zu und riß die Person zu sich ran, legte seine Kräftigen Hände über den Mund damit kein Schrei entkommen konnte und mit der anderen packte er den Eimer, damit das Wasser nicht verschüttet wurde. Ein bisschen ging daneben, aber das hatte er auch erwartet.
„Sein ruhig, wenn du leben willst, oder ich breche dir mit der bloßen Hand das Genick!“, knurrte Cadan sein 'Opfer' an und drehte es zu sich um. Schmutziges Gesicht, ungewaschene, braune Haare und eine Angst in den rehbraunen Augen, die Cadan kurz zweifel ließ an seiner Tat. Aber nur kurz. Er hatte sich eine der vielen menschlichen Sklavinnen geschnappt, die es hier wohl gab und zur Abwechslung war sie wohl mal eine,m die nicht das Bett mit ihrem Besitzer teilen sollte. Zumindest konnte sich Cadan das kaum vorstellen.
„Schreist du, wirst du sterben.“, wiederholte Cadan erneut, hielt dem verängstigten Mädchen aber weiter die Hand vor den Mund. „Ich will nur dein Wasser, verstanden?“ Sie nickte,m so gut es halt ging. Vorsichtig nahm er seine Hand weg, das Mädchen bleib ruhig, hatte aber Angst und zitterte, was Cadan nicht entging. Endlich etwas Wasser in seienr Kehl, dann wusch sich Cadan eilig das Blut aus dem Gesicht und von Händen und überall dort ab, wo es auffallen könnte. Das Wasser was noch im Eimer verblieb, war bald schon dunkelrot von Dreck und Blut. Aber Cadan säuberte damit noch notdürftig das Schwert. „Du verstehst mich anscheinend, dann sag mir wo ich die Arena finde.“ Mit dünner und zittriger Stimme erklärte ihm das junge Ding wo sie zu finden war, dann drückte ihr Cadan den Eimer in die Hand und scheuchte sie davon, mit der Warnung das sie niemanden etwas sagen sollte. Ob sie das einhielt, wer wusste das schon, aber er hatte zumindest einen groben Überblick. Die Arena lag auf der anderen Seite der Stadt. Aber sicherlich würden sie nach ihm suchen und das einzige was Cadan hatte waren die dreckigen Lumpen und ein Schwert. Keine idealen Voraussetzungen.

Und sein Kopf hämmerte bei all dem weiter.

Waltikon
08.08.2016, 21:56
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngVorsichtig lugte sie durch die Spalten zwischen den morschen Brettern nach draußen in die Dunkelheit, doch es war keine Bewegung auszumachen. Auch keinerlei Geräusche waren zu hören, wenn man von ihrem schweren Atem absah. Sie waren in Sicherheit, vorerst zumindest. Sie hätte zwar gerne noch mehr Distanz zwischen sich und ihre Peiniger gebracht, doch brauchten sie in ihrem Zustand dringend eine Pause, ihre neue Weggefährtin noch mehr als sie.
Celriel drehte sich zu der schwer atmenden, rothaarige Elfe um und betrachtete sie genauer. Kaum zu glauben, dass diese zierliche, ja, fast zerbrechlich wirkende Frau solch eine Kämpfernatur war.
Als Celriel endlich den Keller erreichte (und, vom sich ihr bietenden Anblick und Gesank entsetzt und angewidert zugleich, den aufkommenden Brechreiz unterdrücken musste), hatte die doch glatt angefangen zu singen! Leise zwar, und aufgrund ihrer Verfassung etwas weinerlich klingend, aber dennoch erklang diese Melodie in einer Reinheit und Harmonie, die sie fasziniert und das rundherum fast vergessend zuhören ließ, ehe sie, sich allmählich wieder besser fühlend, die Unglückliche von ihren Fesseln befreite. Als sie ihr in die Arme fiel, verstummte ihr Gesang, doch hallte er noch eine Weile in Celriels Ohren nach.
Die soeben befreite stellte sich als in den Umständen entsprechend guter Verfassung heraus, und nachdem Celriel ihren entblößten und gemarterten Leib mit ihrem Umhang bedeckt hatte, humpelten die beiden, sich gegenseitig stützend, die Treppe hinauf und zur Hintertür hinaus.
Erst als sie sich schon ein Stück die Gasse hinunter geschleppt hatten, verstummte das Lied in Celriels Kopf, und sie begann sich wieder schwächer zu fühlen. Es war, als ob das Lied für diesen Kraftschub gesorgt hätte, doch das war völlig unmöglich. Zwar kannte sie die Geschichten über die Zaubersänger und die Macht ihres Gesangs, doch diese Kunst beherrschte schon seit einer Ewigkeit niemand mehr. Selbst die ältesten unter den Elfen wussten von ihnen nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern.
Ein krächzendes Husten riss Celriel aus ihren Gedanken. Ihre Kameradin, die noch immer nicht mehr als Celriels Umhang als Bekleidung trug, war aufgewacht. Sie nahm ihre Trinkflasche und setzte sie der Rothaarigen an den Mund, sorgsam darauf bedacht, ihr nicht zu viel zu trinken zu geben, weil das sonst den geschundenen Körper überfordern würde. „Schsch, nicht so hastig, schön langsam trinken!“ sagte sie sanft, aber bestimmend zu der nach jedem Schluck Gierenden. Dann, nachdem sie die Wasserflasche abgesetzt und wieder verschlossen hatte, setzte sie sich wieder an die Bretterwand und spähte nach draußen.
„Ich denke, wir sollten uns mal vorstellen,“ begann Celriel, während ihre Blicke die Gasse beobachteten, „ich bin Celriel Donthonion, und wie heißt du?“

den nun folgenden dialog werden Rosered_Strauss und ich zusammen als einen Post verfassen

Rosered_Strauss
09.08.2016, 00:30
https://abload.de/img/alariavae5u3u.png„Alari Iníon Wellensang nennt man mich. Ich stamme aus dem Hause der Windjäger und bekleide das Amt der Hohepriesterin des Eremon in Fandrasârs Tempel. Erlaubt mir, Euch für meine Rettung zu danken. Ohne Euch hätte mich dieses... Ding sicherlich zu Tode gefoltert. So, wie es es mit meinen Schwestern der Gefangenschaft getan hat..."

Na toll, jetzt hatte sie auch noch eine Eremon- Priesterin gerettet. Celriels Ton wurde sogleich merklich unfreundlicher. "Diese Dinger nennt man Shantiri. Das solltest du eigentlich wissen, immerhin hattet ihr auch genügend in euren Diensten. Aber klar, dass du nicht weißt, wozu diese Monster fähig sind, ihr Priester habt ja gleich zu Beginn der Blutnacht die Beine in die Hand genommen."

Alaris Augen zogen sich zusammen - teils aus Schmerz, der aus ihren sich anspannenden Muskeln erwuchs, die sich nach der vorher gegangenen Tortur äussert deutlich bemerkbar machten, teils aus Ärger über den Vorwurf der Elfe und schliesslich auch teils aus Frust über die gesamte Lage, in der sie sich befand. "Ich würde aufpassen, wem ihr diesen Vorwurf macht! Wollt ihr mir Feigheit vorwerfen, wenn ich mich einem direkten Befehl Fandrasârs füge und mich deswegen über mehrere Monde auf Reisen und an der Front befand? Diese 'Blutnacht', von der du sprichst, habe ich nicht erlebt! Ich habe auch diese Frau zuvor nie gesehen! Mir ist ihre Art bislang noch nicht einmal bei den Naga begegnet!"

Erst war Celriel über Alaris heftige Reaktion überrascht, doch mit jedem weiteren Wort wurde das Ganze umso lächerlicher, bis sie am Ende ein Lachen nicht mehr unterdrücken konnte. " Entschuldige, ich fürchte, die Folter hat deinem hübschen Köpfchen geschadet, oder du hast in euren Tempelarchiven zu viele alte Schriften gelesen?" Wieder musste sie kichern. "Bemerkst du nicht selbst, welchen Unsinn du da erzählst?"

Die rothaarige Elfe wurde durch das Lachen nur noch mehr in Rage versetzt, gab sich dadurch aber nur umso kühler. "Bei Eremon, ich kann nicht glauben, dass es eine einfache Kriegerin wagt, sich in diesen Zeiten derartig aufzuführen. Was tust du überhaupt hier, anstatt an der Front zu sein? So dankbar ich dafür bin, dass du zur Stelle warst, umso unschöner ist es natürlich, wenn sich die Retterin als Flüchtige entpuppt und der Schlacht zu entkommen versucht." Ihr Blick wurde etwas weicher, als sie eindringlich anfügte: "Dir muss klar sein, dass es kein Entkommen gibt. In diesem Konflikt, diesem... Krieg, gibt es keine neutralen Parteien mehr. Die Kinder Noroshs trachten danach, uns alle anzugreifen. Gerade in diesen Zeiten müssen wir zusammen halten, wenn wir nicht zulassen wollen, das so vieles, was gut und rechtens war, zerstört wird!"

Alaris Vorwurf der Desertation ließ Celriel alle Zurückhaltung vergessen, sie schoss förmlich wie ein Pfeil auf sie zu, bis ihre Gesichter nur wenige Zentimeter voneinader entfernt waren und zischte sie wie eine Giftschlange an. "Wage es nie wieder, mich als Deserteurin zu bezeichnen, du elende Märchentante! Wo wart ihr, als die Shantiri die Bevölkerung Arlondos heimtückisch niedermetzelten?! Wo wart ihr in den letzten Jahren, in denen wir die Wenigen, die von unserem Volk noch übrig sind, vor der Ausrottung schützen?!" Sie spuckte verächtlich zur Seite." Ihr verfluchten Priester habt die Tempelschätze gepackt und habt euch nach weiß Eremon wo abgesetzt und auf euer Volk gepfiffen! Erzähle du mir nichts von Plichterfüllung und Gerechtigkeit!"

Was auch immer Celriel als Reaktion auf ihren Ausbruch erwartet hatte - sicherlich war es nicht diejenige gewesen, die nun folgte. "Ich weiss es nicht..." meinte sie leise. Als die kriegerische Elfe scharf aufsah, sah Alari zu Boden. "Seitdem ich aus der Schlacht befördert wurde... seitdem ich hier in den Süden teleportiert wurde... geschieht so vieles, von dem ich nie gehört habe. Wo liegt Arlondo? Ich habe meinen Lebtag noch keinen Fuß in eine Stadt gesetzt, sie sich so nannte. Und auch diese... Shantiri habe ich nie kennen gelernt. Die einzigen Diener, die ich hatte, waren die Novizen des Tempels, die sich um die alltäglichen Pflichten gekümmert haben." Sie sah auf, ihre Augen glänzten mit mühsam unterdrückter Traurigkeit, ihr Leuchten war abgestumpft. "Sind so viele von uns gegen die Orken gefallen? Noch vor wenigen Wochen sah ich die Heerschau unter General Eldariel. Sind sie etwa alle verstorben? Trotz all der Alliierten, die wir um uns geschaart hatten? Die Zwerge unter Bergvater Obolosch? Das Naga- Regiment unter der Aufsicht Shinx'liirs? All die Menschen? Sie hätten uns doch niemals sterben lassen!"

So schnell wie Celriels Zorn heraufgezogen war, so schnell verschwand er auch wieder angesichts dieses Häufchens Elends, das plötzlich vor ihr saß. Sie zog sich auf ihren Platz zurück. "Zuerst müssen wir dir ordentliche Kleidung beschaffen, danach müssen wir jemanden finden, der sich auf elfische Heilkunst versteht." Sie blickte Alari wieder in die Augen. "Alles, wovon du sprichst, ist Äonen her. Fandrasâr wurde seit dem ersten Krieg nicht mehr gesehen, und alle, deren Namen du erwähnt hast, sind schon lange, lange tot." Sie machte eine Pause. "Aber es stimmt irgendwie, die Zeiten sind ähnlich schlimm wie sie damals gewesen sein müssen. Die Menschen wurden von den Orks überrannt, die Zwerge haben sich in ihren Höhlen eingeschlossen, und wir Elfen ... nun, wir wurden von unseren eigenen Sklaven massakriert."

Alaris Augen weiteten sich. Ihr Mund öffnete sich, doch es dauerte einige Momente, bis sie ihre Stimme fand. "Äonen?" hauchte sie. Wie in einem grausigen Puzzle begannen auf einmal verschiedenste Teile zueinander zu passen. "Das kann doch... nein..." Ihre Stimme brach. Schiere Verzweiflung breitete sich auf ihren Zügen aus, als ihr eisig kalt ums Herz wurde. "Du musst dich irren..." sprach sie so leise, dass es kaum zu hören war. Plötzlich schnellte sie vor und packte Celriel an den Armen. Ein hoffnungsvoller Schimmer mischte sich in das lähmende Entsetzen, das sie ausstrahlte. "Du erlaubst dir einen Spaß mit mir, nicht wahr? Äonen... wir sind noch mitten im... wir haben noch so viel... wir..." Sie drückte etwas fester zu, was aufgrund ihres Zustandes immer noch erbärmlich schwach war. "Sag es mir! Sag, dass du mir eine Lüge erzählst, weil du dir einen Spaß gönnen möchtest! Aber ich bitte dich, sage mir jetzt die Wahrheit! Mir ist nicht nach Späßen zumute, nicht nach all dem..."

Celriel erschrak für einen Moment, als Alari sie plötzlich packte. Ihr wirres Gestammel stimmte sie endgültig wieder milde. Die Ärmste war so völlig von ihrer Geschichte überzeugt, sie konnte Einem einfach nur leid tun. Was hatten diese Monster ihr nur angetan, dass sie sich in solche Fantastereien geflüchtet hatte? Sicher, so zierliche Elfen hatte sie bisher nur auf alten Bildern gesehen und auch ihre Sprache klang altertümlich, aber ... nein, das war völlig unmöglich. Sie KONNTE unmöglich aus so alter Zeit stammen. "Es tut mir leid." erwiderte sie sanft, löste sich sachte aus Alaris Griff, um sie zu umarmen. "Es tut mir ja so leid für dich, aber es ist kein Scherz. Bei allem, was mir heilig ist, schwöre ich dir, dass ich die Wahrheit spreche."

(Zur Stimmung, wer das mag: https://www.youtube.com/watch?v=Am7eHyJ8_1Y )

In Alari ging bei diesen Worten etwas zu Bruch. Bislang hatte sie die Verwirrung ertragen können, befand sie sich doch weiter südlich als jemals zuvor. Immerhin hatte sie einen Teleport und eine wilde Flucht hinter sich gehabt – zusammen mit den Strapazen der vergangenen Schlachten musste das ja ihren Tribut fordern. Doch die Elfe, die vor ihr saß, sprach mit absoluter Sicherheit in der Stimme die schrecklichste mögliche Erklärung für all diese Ungereimtheiten aus. Warum alle Elfen, die sie bislang gesehen hatte, so... kläglich aussahen. Warum all die Leute so seltsame Sprachgewohnheiten pflegten. „Oh...“ meinte sie nur, als ihr ganzer Körper erschlaffte. Bilder von ihren Freunden, ihren Kameraden, ihrer Familie begannen, vor ihrem inneren Auge vorbei zu ziehen. „Oh...“ meinte sie wieder, dieses Mal etwas leiser, etwas verzweifelter. Die Bilder wurden schmerzhaft klar, als sie sich bewusst wurde, dass ihre ganze Welt nun eine andere war. Das sie niemanden mehr hatte. „Oh... nein...“ hauchte sie, als Celriel sie schliesslich aus ihrer Umarmung entließ. Sie fiel zurück, richtete sich mühsam auf. Etwas alarmiert sah die Elfe ihr nach, doch Alari liess sich davon nicht beirren. Luft! Sie brauchte frische Luft!

Draussen angekommen sah sie in den mittlerweile verdunkelten Nachthimmel, der von schweren Wolken verhangen war. Ihr Blick wanderte ziellos umher, während ihre Füße sie zu einem nahen Gärtchen trieben, der sich direkt neben ihrem Unterschlupf befand. Als sie vor dem dort zentral stehenden Baum ankam, brach die Realität schliesslich vollends in ihrer grausamen Klarheit über sie herein. Sie hob ihren Kopf erneut gen Himmel, als die Mischung aus Trauer, Verwirrung, Entsetzen, Schmerz, Leid und tiefer Verzweiflung in ihr aufstieg und sich schliesslich Bahn brach. Ein Schrei entrung sich ihrer Kehle, der solcherart gequält klang, dass er ein Herz schier zu zersplittern vermochte. Ein Chor aus etlichen Kehlen schien ihr Unbill in den Wind zu schreien, als sie auf die Knie fiel. Der Baum erzitterte, die umstehenden Häuser schienen blasser zu werden – und der Regen setzte ein. Die ganze Macht ihrer Stimme, durch den Extremzustand ihrer Gefühle zum Wirken gebracht, liess die Wolken beben und brachte sie dazu, ihre schwere, nasse Fracht über der Stadt abzuwerfen. Ihr Schrei wurde unterdess nicht weniger intensiv, noch immer hielt er an, noch immer dröhnte er vielstimmig in die Nachtluft hinein.

Sie klappte vornüber, das Feuerrote Haar hing wie ersterbende Glut um ihr aschfahles Gesicht herum zu Boden. Ihre Finger gruben sich in die Erde, als ihre Stimme heiser zu werden drohte, doch ihrer Qual war noch lange kein Ende gesetzt. Sie fühlte sich, als wäre ihr eigenes Herz durchbohrt worden und drohte mit jeder weiteren Sekunde, noch stärker auseinander zu driften. Tränen strömten ihr über das Gesicht, ein Umstand, den nicht einmal der einsetzende Regen zu kaschieren vermochte. Mit einer letzten Kraftanstrengung erreichte ihre Trauer einen neuen Höhepunkt, ihr Schrei eine neue Intensität – ehe er abbrach und sie wie eine Marionette mit durchtrennten Fäden zur Seite kippte und schluchzend und nun wieder einstimmig schreiend am Boden liegen blieb. Noch immer plagten sie die Bilder all jener, die nun schon vor Zeitaltern verstorben sein mussten.

coel
10.08.2016, 11:09
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDer Palast hatte gewaltige Ausmaße, die Aine noch nie zuvor gesehen hatte. Sie beobachtete die Kanäle, die sich durch die weiträumigen Säulenhallen zogen, in denen silbriges Wasser vor sich hinmurmelte. Jeder Raum strotzte von einem atemberaubenden Reichtum. Anfangs dachte sie, dass das Langhaus ihres Vaters das größte und eindrucksvollste Bauwerk war, was sie je sehen würde, aber sie hatte sich getäuscht. Mosaikbilder aus farbigen Fliesen erzählten unbekannte Heldengeschichten aus der Vergangenheit der Drah’Zil. Kleine Gärten erfüllten die Hallen mit einem beruhigenden Duft. Egal, wie lang sie durch den Palast schritt, sie würde sich nicht satt sehen können. Jeder Raum bedurfte einer ganz eigenen Aufmerksamkeit, bei der ein flüchtiges Vorbeischreiten nicht mal ansatzweise gleichkam.
Chandra, die sie begleitete, ging neben ihr und schien sich nicht für ihre Umgebung zu interessieren. Ihre Mentorin war seit dem Verlassen des Zimmers in Schweigen gehüllt. Aine merkte, dass Chandra nachdachte und über nichts erfreuliches, wenn man ihr Gesicht aufmerksam betrachtete. Die rothaarige Feuermagierin nickte ein paar Drah’Zil zu, die sich in einer kleinen Gruppe über ihre Heimatinsel Sheran unterhielten. Ihre Begrüßung wurde ebenfalls mit einem Nicken erwidert, um sich kurz daraufhin wieder dem Gespräch zu widmen.
„Auf Sheran gibt es noch nicht so viele Sklaven“, begann Chandra plötzlich, „Es gibt zwei verschiedene Gruppe. Die eine will mehr Sklaven dort, die andere will die Heimat so rein wie möglich halten.“
„Das klingt äußerst rassistisch“, entgegnete Aine.
„Echsen waren noch nie dafür bekannt andere Rasse als gleichwertig anzusehen. Ihre alte Größe, auf die so stolz sind, werden sie wahrscheinlich nie wieder erreichen. Nicht in diesen schwierigen Zeiten.“
In ihrem letzten Satz lag so viel Schwere, dass Aine überrascht ihre Mentorin ins Gesicht blicken musste. Die sonst so feurige Chandra wirkte älter und müde, aber vor allem nachdenklicher. Ihr Ausdruck sprach von vielen Sorgen, auf die sie noch keine Antwort gefunden hatte. Insgeheim fragte sich Aine, was der Auslöser für diese Veränderung gewesen war.
„Wohin gehen wir eigentlich?“, fragte Aine schließlich.
„Das wirst du gleich sehen, Aine“, sagte Chandra schleierhaft.
Sie waren schon seit einiger Zeit unterwegs, da erreichten sie ein reich verziertes Tor, vor der ein stämmiger, fürchterlich vernarbter Echsenkrieger in goldener Rüstung stand.
„Aine, wie viele Leute sind durch deinen Riss geschritten, den du für die Teleportation geöffnet hast?“
„Ich…“, sie erinnerte sich beim besten Willen nicht mehr daran, „Ich weiß es nicht mehr genau.“
Chandra verschränkte die Arme.
„Es sind nicht alle durchkommen. Das weißt du genauso gut wie ich.“
Tatsächlich konnte sich Aine nun vor dem geistigen Auge sehen, wie mehrere Menschen in den Riss gesprungen waren. Am Ende waren es jedoch nur sehr wenige gewesen, die dann von den Sklavenjägern aufgegriffen wurden.
„Ich sehe, dass du dir dessen bewusst geworden bist. Ist dir auch klar, was das bedeutet?“
Die Augen von Aine weiteten sich vor Schrecken. Chandra sprach ihre Befürchtungen aus.
„Deimonen. Sie sind in der Welt der Deimonen gelandet und irren dort nun herum. Wahrscheinlich werden sie dort für immer bleiben.“
Chandra deutete auf eine kleine marmorne Bank, auf die sich dann setzten.
„Jede Teleportation ist ein Gang durch zwei Welten. Unsere und die der Deimonen. In der Welt der Kinder von Thanos läuft die Zeit anders. Es können zwanzig Jahre vergehen, während in ihrer nur ein paar Sekunden verstrichen sind. Deswegen ist Teleportation überhaupt erst möglich.“
Sie lehnte sich auf der Bank zurück.
„Allerdings gibt es eine große Gefahr. Der Teleportationszauber muss absolut fehlerfrei sein, damit es keine Nachwirkungen gibt oder man hängen bleibt.“
„Nachwirkungen?“, fragte Aine verwundert.
In ihren Studien hatte sie über einige Risiken einer Teleportation gelesen, aber noch nie von Nachwirkungen gehört.
„Richtig“, Chandra schloss für einen langen Moment die Augen, „In den letzten Jahren sind Teleportationen viel gefährlicher geworden. Die Deimonen sind aus irgendeinem unbekannten Grund stärker. Sie wollen mehr als sonst in unsere Welt eindringen und es gelingt ihnen auch.“
Sie fixierte Aine.
„Ich habe dich hergebracht, um zu prüfen, ob du das Mal von Thanos an dir trägst.“
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, erhob sich Chandra und forderte Aine auf ihr zu folgen. Der stark vernarbte Drah’Zil öffnete mit Leichtigkeit das schwere, massive Tor und dahinter erkannte Aine einen Schrein der Merva. Sie war Göttin der Heilung und Hauptgöttin der Drah’Zil. Der Altar war wie in jeder ihrer heiligen Plätze eine sprudelnde Quelle und stand am Ende des kleinen Tempels.
„Ich bitte dich, dass du zu diesem Altar gehst. Ich warte hier.“
Als Kind war Aine oft in den Tempeln gewesen, um den Göttern Tribut und Respekt zu leisten. Mit der Zeit hatte sie dieser Aufgabe nur wenig Interesse entgegen gebracht. Der Grund war nicht ihr mangelnder Glaube, sondern sie sah es während ihren Studien als Zeitverschwendung an.
Misstrauisch setzte Aine den Fuß über die Schwelle. Sie wusste nicht, was das Mal von Thanos war, doch es stand in einem Zusammenhang mit den heiligen Hallen von Merva.
Nach wenigen Schritten spürte sie es. Eine Klaue, die sich in ihre Schulter bohrte, ließ ihren Körper vor Schmerzen zusammenbrechen. Sie glaubte, dass diese unsichtbare Klauenhand sie zurückziehen wollte. Weit weg vom Altar und je näher sie diesem kam umso stärker wurden der Schmerz und der Druck auf ihrer Schulter. Schweißperlen sammelten sich auf ihrer Stirn und sie riss sich den Stoff herunter, um die Stelle des Schmerzes zu sehen. Der kohlschwarze Abdruck einer deformierten Klaue prangte auf ihrer Schulter. Der Anblick versetzte sie in eine Schreckensstarre.
„Oh nein…“, flüsterte sie wieder und wieder, „Nein, nein, nein!“
Sie war nicht einmal in Reichweite des Altares gekommen, da lag sie bereits auf den Knien und kämpfte mit dem Schmerz und der Angst. Der Echsenkrieger hatte sie schließlich herausgetragen und auf die Bank gelegt, wo sie schwer atmend die stechend grünen Augen ihrer Mentorin voller Sorge über sich sah.
„Was du gerade erlebt hast, war das Mal von Thanos. Die Deimonen haben nach dir gegriffen und wollten dich in ihre Welt zerren. Sie haben es nicht geschafft, aber ihr Versuch zeichnet dich und macht es dir unmöglich einen Schrein jeder Gottheit zu betreten.“
Nach wenigen Augenschläge war das Mal wie auch die Schmerzen verschwunden. Zurückblieben Schweiß und Angst sowie viele Fragen, die nun durch ihren Kopf schossen.
„Gibt es eine Heilung?“
Chandra schüttelte den Kopf.
„Noch wissen wir von keiner Heilung. Der Magierzirkel forscht verbissen danach, doch bislang ohne jeglichen Erfolg.“
Sie strich ihr ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht, die ihr wegen dem Schweiß angeklebt waren.
„Du hast vorhin gesagt, dass nur wenige es mit dir durch den Riss geschafft haben.“
„Ja“, sie versuchte sich an jeden zu erinnern, „Eine Elfe, ein Mann und eine Goblin.“
Verwundert hob Chandra ihre Augenbrauen.
„Das sind aber seltsame Gefährten“, sie machte eine Pause, „Wir müssen jene finden und hierher bringen. Es ist sehr wichtig, Aine.“
Sie wollte Chandra nicht enttäuschen, aber Aine zweifelte daran.
„Wir wurden auf dem Sklavenmarkt verkauft. Sie können überall sein.“
Chandra lächelte. Es war jedoch kein beruhigendes Lächeln.
„Wir haben zwar keine Heilung für das Mal gefunden, Aine, allerdings wissen wir, wie man die Gebrandmarkten findet. Die Sucher werden deine Gefährten hierher bringen, ob sie wollen oder nicht.“

Sodala, weiter geht's.
Rosered, Fru und Ironhide werden von den Suchern mit Unterstützung von Echsenkriegern ausfindig gemacht. Waltikon kann sich gerne von ihnen mitnehmen lassen :P

Die Sucher sind starke Magier. Sie brechen euren Widerstand und sie finden euch, egal wo ihr euch versteckt. Achja, ihr werdet sie kommen riechen ^^
Sie hüllen sich in Weihrauch und sehen aus, wie die Pestdoktoren, falls euch das was sagt. Sie sind keine sehr freundlichen Zeitgenossen und wollen euch so schnell wie möglich in den Palast bringen. Euer Mal wird warm in ihrer Anwesenheit, aber es wird nicht schmerzen. Wo die Klaue euch gezeichnet hat, bleibt euch überlassen. Es kann überall am Körper sein.

Sobald eure "JETZT werde ich schon wieder geschnappt!"-Posts beendet sind, gehts weiter mit dem SL Post.

Fruwluamressaw
10.08.2016, 15:55
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Jemand stand dort am Eingang der Gasse und schaute finster in ihre Richtung. Er gab selbst für Goblin-Maßstäbe ein äußerst verstörendes Gesamtbild ab. Er war komplett in eine dunkle Robe gehüllt und seltsam maskiert. Zudem war er von einem Rauch umgeben, dessen stechender Geruch bereits bis zu ihr drang. Eine seltsame Hitze pochte oberhalb Nezlez linkem Knöchel, als die Kreatur unheimlich langsam auf sie zuschritt. Hoffentlich waren ihre Beine fluchttauglich. Was zur Hölle ist DAS denn? Will dieser Arena-Heini mir mit dieser Vogelscheuche Angst machen? Dann bemerkte sie, dass die Kreatur nicht alleine war. Durch den weißen Rauch waren zwei Echsensoldaten verhüllt gewesen, die nun hervortraten. Warum zögerte sie überhaupt noch? Schnell legte sie ihr Oberteil an, dann warf sie ein Wurfmesser in Richtung der Kreatur und rannte weg. Der Sucher beschwor mit einem lässigen Schwung seiner Hand Windmagie und das Messer wurde zur Seite geschleudert ehe es ihn erreichte.

Nezlez raste ohne nach hinten zu sehen über den Martplatz. Mehrfach wäre sie Beinahe in Passanten hineingerast, die ihr nachschimpften. Einem Passenten hatte sie im vorbeirennen einen Apfel gestohlen, welchen sie jetzt hastig aß, während sie weiter versuchte den Abstand zwischen sich und ihren Verfolgern zu vergrößern. Dann warf sie den Apfelbutzen weg und bog in eine der Seitengassen. Schwer Atmend blieb sie kurz stehen. Erschreckt weiteten sich ihre Augen. Die unheimliche Kreatur stand in der Gasse, als hätte sie hier bereits auf Nezlez gewartet. Schnell kehrte Nezlez um und wollte gerade wieder aus der Gasse flüchten, als die Echsensoldaten aus der Richtung angerannt kamen, von der Nezlez eben kam. Ein kräftiger Arm griff nach ihr, doch mit einer mutigen Hechtrolle wich Nezlez aus und rannte schnell weiter. Durch das Ausweichmanöver verlor sie ihr Kopftuch, doch dafür war jetzt keine Zeit. Mit zusammengebissenen Zähnen und brennenden Beinen spurtete sie weiter. Ich hasse diese Stadt….
Mit erschrecken stellte sie fest, dass sie sich bereits wieder in der Nähe der Arena befand. Bei den ganzen Hetzjagden war sie also mittlerweile wieder dort, wo diese angefangen hatten. Schlimmer noch, im Vorbeirennen bemerkte sie den Echsenwächter, den sie als Chaz ausmachen konnte. Ihre Blicke trafen sich kurz. Nicht der schon wieder.... Chaz schien allerdings überrascht und wirkte nicht so, als wäre er ihr gerade auf den Fersen gewesen. Gehörten ihre Verfolger wirklich zu den Leuten aus der Arena? Unabhängig davon konnte sie hören, wie Chaz den Befehl zur Verfolgung brüllte. Nun hatte sie also noch weitere Verfolger am Hals und ihre müden schmerzenden Beine und ihre Atemlosigkeit ließen ihre innere Verzweiflung auf Höchstwerte ansteigen. Aber sie wollte nicht wieder gefangen werden…

Eine große Ansammlung von Leuten gab ihr die Möglichkeit, ihre Verfolger in die Irre zu führen und mit letzter Kraft sprintete sie durch die Masse zu einem offenstehenden Laden und betrat ihn ohne Umschweife. Mit ein wenig Glück, hatte keiner ihrer Verfolger bemerkt, dass sie ihn betreten hatte.

Aber…was war das für ein stechender Geruch? ...was?!...wie?! Nezlez konnte es nicht fassen. Furcht stieg in ihr hoch.
Hinter dem Ladentresen stand der Sucher. Seine unheimliche, Vogel-Artige Maske starrte sie unentwegt an. Diesmal würde er ihr keine Flucht mehr erlauben. Ein starker Wind stieß sie von ihren zittrigen Beinen und sie fiel unsanft auf ihren Po. Der Sucher und seine zwei Soldaten liefen auf sie zu. Dann betraten auch Chaz und zwei weitere Arenawachen den Laden. „Endlich haben wir dich, du schlüpfrige kleine Missgeburt!“. Als Chaz den Sucher und seine Soldaten bemerkte, fügte er irritiert hinzu: „Oh..?“.

Waltikon
10.08.2016, 19:55
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngAls Alari hinaustaumelte, eilte Celriel ihr besorgt hinterher. Nicht, dass sie wieder den Shantiri in die Hände fiel, oder diesem Elf mit seiner Truppe. Gut, sie hatte sich als Eremon-Priesterin vorgestellt, also bestand die Möglichkeit, dass diese Kerl sie ursprünglich sowieso hatte freikaufen wollen, aber dennoch, irgendetwas schmeckte Celriel an dieser ganzen Sache nicht. Sie würde ihren Schützling nicht eher aus den Augen lassen, als sich ein erfahrener Heiler ihrer angenommen hatte.
Der Schrei Alaris ließ sie zusammenzucken, ja, er verursachte ihr sogar Schmerzen, so, als ob sich deren Qualen auf sie übertrügen. Und gleichzeitig begann es zu regnen. Was heißt regnen, es schüttete wie aus Eimern. Und das mitten in der Wüste!
Als Alaris Schrei erstarb und sie wimmernd zur Seite kippte, verschwanden Celriels Schmerzen ebenso rasch, wie sie gekommen waren. Auch der Regen endete so abrupt, wie er begonnen hatte, und die Wolken verflüchtigten sich.
Celriel stand für einen Moment völig verblüfft neben der wimmernd am Boden liegenden Priesterin. „Warst … warst DU das etwa?!“ fragte sie, aber erhielt keine Antwort. Alari lag einfach nur wimmernd da und schien alles um sie herum gar nicht wahrzunehmen.
Gleich darauf hatte Celriel sich wieder gefasst. Hier konnten sie auf keinen Fall noch länger bleiben. Dieser Schrei musste das halbe Viertel aufgeweckt haben. Bestimmt war schon die Stadtwache unterwegs, um Nachschau zu halten, oder schlimmer noch, die Shantiri.
„Komm, wir müssen schleunigst weg von hier!“ Sie beugte sich zu Alari hinunter und zog die völlig apathische Elfe auf die Füße. Untätig und Teilnahmslos stand sie einfach nur da. Celriel legte sich ihre Linke Hand um die Schulter und umfasste sie mit der Rechten an der Taille. Mit sanftem Druck konnte sie so Alari dirigieren, die einfach nur, von Celriel auf diese Weise mitgezogen, automatisch einen Fuß vor den anderen setzte.
So war ein rasches Vorankommen jedenfalls unmöglich. Sie musste einen Unterschlupf in der Nähe finden, der aber nicht das Interesse der Wache erregen sollte.

Rosered_Strauss
10.08.2016, 20:46
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlaris Sinne waren getrübt. Ihre geöffneten Augen hatten viel von ihrem inneren Glühen verloren und sahen blicklos ins Leere, ihre Wahrnehmung fast vollständig auf ihr Innerstes fokussiert. Nur am Rande bekam sie mit, wie sie von Celriel in die Höhe gezogen und sanft mitgeschleift wurde. Doch welchen Weg sie nahmen, wohin sie gingen, was die andere Elfe ihr sagte, das alles entging ihrer Aufmerksamkeit. Vielmehr war es ihr im Moment völlig gleich. Ihre Gedanken rasten nicht, sie waren wie erstarrt, fokussiert auf den einen einzigen Gedanken: es war Zeitalter her. Sie war hunderte von Jahren in der Zukunft! Alles, das sie kannte; jeder, den sie liebte - schon vor Jahrzehnten zu Staub zerfallen. Falls ihr Haus überlebt hatte, würde sie sich ihm kaum enthüllen können. Wie auch? Es fiel ja selbst ihr schwer, diesen unfassbaren Sachverhalt zu akzeptieren. Und so sehr sie sich danach sehnte, dass dieser Gedanke ein Irrtum war, so fühlte er sich zu erschreckend wahr an. Es entbehrte nicht einer gewissen Logik - die Teleportation musste beträchtliche Risiken haben, ungeachtet davon, dass es ohnehin eine verzweifelte, spontane Reaktion ihres Meisters gewesen war. Nichts in der Welt war ohne Preis - und der Preis dafür, dass sie überlebt hatte, war nun einmal dieser. Aber war es das wert? Was wies sie jetzt noch aus?

Diesem Gedanken hing sie apathisch nach, während sie einer Puppe gleich den Bewegungen Celriels nachfolgte, die sie schliesslich nach einigen Gassen eine Treppe oder etwas vergleichbares hinaufführte. Ihre Familie war nicht mehr, denn sie konnte wohl kaum als vor Zeitaltern vergangene Tochter der Windjäger auftauchen. Ihr Amt war schon vor langer, langer Zeit von einer Reihe anderer Hohepriester besetzt worden. Und wenn das, was Celriel ihr wütend erwidert hatte, schienen es nicht immer die besten Entscheidungen gewesen zu sein. Es herrschte überdies immer noch Krieg, ihr Volk war stark dezimiert und nur noch ein Schatten ihrer früheren Herrlichkeit. Keine Stimmen hallten durch den Wind, die sie bislang hätte erlauschen können. All dies trug dazu bei, dass sie sich entsetzlich einsam fühlte. Derart einsam, dass sich ihr Herz zusammen zog, bis es ihr schien, als würde sie keine Luft mehr bekommen. Sie fühlte sich wie eine Schiffbrüchige, die in eine fremde Welt gestolpert war, ohne Möglichkeit der Rückreise. Alles war ähnlich und doch anders, als sie es kannte. Es war, als ob alle, die sie kannte, vom einen auf den nächsten Moment getötet worden wären. Für andere waren es Jahrhunderte, für sie selbst nur wenige Tage.

Es dauerte einige Momente des trüben Grübelns über diese Gedanken, bis Alari merkte, dass sie angehalten hatten. Für einen kurzen Moment richtete sie ihren Blick wieder auf die Gegenwart, wie am sanften aufglimmen ihrer Augen zu bemerken war. Sie befanden sich auf einem von einer langen Reihe von Flachdächern. Celriel spähte vorsichtig über den Dachrand hinaus, wohl, um nach Verfolgern Ausschau zu halten. Ihr eigener Blick wollte sich schon wieder trüben, als diese auf einmal hastig an ihre Seite eilte und sich schützend vor ihr aufbaute. Alari konnte nur einen dunklen Schemen sehen, der auf einmal in ihrer Nähe aufgetaucht war. Sein Gesicht war merkwürdig, ganz so, als ob er eine Maske tragen würde. Er sprach mit leiser, eindringlicher Stimme, die wie ein Hall von weit her an ihr Ohr drang. Ihre Fluchthelferin antwortete in gefasstem, autoritärem Tonfall, was ihr Gegenüber jedoch nicht zu beeindrucken schien. Er kam gemächlichen Schrittes auf sie zu, weitere Worte wurden ausgetauscht. Schliesslich spürte sie, wie die Winde aufbauschten, als sich der Fremde einer ihr unbekannten Magie bediente. Für Alaris Empfinden fühlte sie sich... grob an, gezwungen. Es war nicht die sanfte Harmonie ihres Gesangs, mehr wie das Schlagen eines Hammers. Durchschlagend, doch mit fehlender Grazie und Schönheit. Auch fiel ihr auf, dass sich eine seltsame Wärme von ihrem Hals abwärts ausbreitete, je näher ihr der Unbekannte kam. Schliesslich stemmte Celriel sie wieder in die Höhe und blieb dicht bei ihr, während sie hinter dem Fremden her schritten. Auch waren auf einmal echsische Krieger um sie herum - Alari hatte keine Ahnung, wo diese so bald hergekommen waren. Oder waren sie die ganze Zeit über da gewesen? Es war ihr gleich. Sie war so müde... sie wollte sich nur noch hinlegen und in einen tiefen Schlummer fallen.

Ironhide
13.08.2016, 18:18
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Es war gar nicht so einfach, etwas passendes zu finden, schlussendlich musste Cadan sich mit einem einfachen Gewand begnügen. Mittels provisorischem Schwertgurt – im Grunde nichts weiter als ein Seil, welches er sich um die Hüfte gebunden hatte – konnte er sogar das Schwert gerade so unter der Robe tragen. Ohne die Waffe wollte er dann doch nicht durch die Straßen gehen, wobei es unauffälliger wäre, hätte er sich dessen entledigt. Inzwischen war es geschäftiger auf den Wegen, Cadan musste aufpassen, wohin er ging. Er fiel immer noch auf, war seine Größe doch beeindruckend genug und konnte ihn schneller verraten, als ihm lieb sein würde. Es gab zwar durchaus größere Wesen in der Stadt, vor allem die Echsen waren zum Teil größer als er, aber einen Menschen der ihm in Größe in nichts nachstand, hatte er hier noch nicht gesehen. Un ihm fehlte der Fortsatz, den die Echsen ihr eigen nannten. Hätte er so ein Reptilienanhängsel, würde man ihn vielleicht gar nicht beachten, aber ohne diesen Schwanz fiel er auf.

Es wunderte ihn daher wenig, als er am ende einer der weiteren, engen Gassen, die er bevorzugt nahm, jemand ihm den Weg versperrte. Die Gestallt sah komisch aus, in einen Umhang gehüllt und roch nach etwas, was Cadan nicht so schnell einordnen konnte. Der Geruch war schon eine ganze Weile da, aber dabei hatte sich der Trolljäger nichts gedacht. Doch die Quelle des 'Gestanks' stand nur vor ihm. Und das fand er gar nicht gut.
„Geh mir aus dem Weg, Vogelscheuche.“
Doch die Gestalt regte sich nicht, sondern blieb dort stehen wie angewurzelt. „Was ist, Sand in den Ohren? Geh aus dem Weg.“
„Ihr werdet mit mir kommen.“, sagte die Person ruhig. Die Stimme war komisch, wie Cadan fand, was an der Maske liegen konnte, die die Person vor dem Gesicht trug. Cadan konnte nicht mal sagen, was es war, Mensch, Echse oder ein Kind was auf den Schultern eines anderen Stand. Letzteres wäre aber wohl doch sehr abwegig. Aber er wollte nun auch keinen Ärger, das würde sonst nur noch mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Und das war das letzte was er wollte. Daher drehte cadan einfach umn und wollte dieses Etwas umgehen, doch kaum wollte er einen Schritt machen, standen am anderen Ende drei Echsen, die bis an die Zähhne bewaffnet waren. Dort ging es also auch nicht weiter.
„War ja so klar...“ Cadan zog sein Schwert, anders kam er hier ja wohl nicht mehr raus. „Eure Scheiß Arena könnt ihr euch sonst wo hin stecken, wenn ich schon in dieser Stadt zugrunde gehen soll, dann machen wir das hier und jetzt!“, knurrte Cadan die Echsen an und wollte gerade zum Angriff über gehen, als sich die Welt erneut anfing zu drehen, diesmal aber sehr viel schneller und heftiger. Ein Gefühl der Benommenheit packte ihn, das Schwert wurde immer schwere, oder seine Arme und Hände immer schwächer. Schlussendlich glitt es ihm aus der Hand und landete klirrend auf dem Boden und Cadan kurz darauf daneben. Kurz bevor er das Bewusstsein verlor, ahnte er schon, das er wieder von irgendeinem Giftpfeil getroffen worden war, lag aber diesmal falsch.

Die drei Echsen schritten auf den Kampfunfähigen Mann zu und vergewisserten sich, das er keine Gefahr mehr darstellte.
„Na klasse, sollen wir den nun schleppen?“
„Nächstes mal, Sucher, wende doch einen Zauber an, der ihn einfach nur gefügig macht.“ Doch der Maskenmann schenkte den Echsen nur wenig Aufmerksamkeit, sondern drehte sich wortlos um und ging aus der Gasse. Kurz darauf erschienen weitere Wachen, die ihren Kameraden halfen, Cadan aus der engen Gasse zu tragen und auf einen Karren zu schmeißen. Die wenigsten Leute interessierte das und auch, wohin der Karren verschwand.

coel
15.08.2016, 14:01
Ein Meer aus sattem grünem Gras erstreckte sich vor ihrem Auge. Wellen zogen sich durch die weite Ebene, als der Wind stärker wurde. Erinnerungen erwachten an die weißen Sandstrände von Thuan, wo sie zum ersten Mal das Meer gesehen hatte. Es brachte ein Lächeln in ihr Gesicht, aus welchem sie wegen dem Wind immer wieder Haarsträhnen strich. Sie beugte sich herab und ließ ihre Hand durch die Halme streichen. Die grünen Felder von Varlor waren eine der schönsten Kreationen der Götter. Hier konnte man sich einfach hinlegen, brauchte keine Gefahr zu fürchten, sondern sich ganz einer Ruhe hinzugeben, die es, wie sie es hier gab, sonst nirgends zu finden war. Tief atmete sie die reine Luft ein und blickte in den wolkenlosen blauen Himmel mit einer vollen strahlenden Sonne, die ihrer Haut mit einer wohligen Wärme schmeichelte.
Sie hörte schwere Schritte hinter sich, doch sie brauchte sich nicht zu wenden. Sie kannte diesen bedächtigen Gang, das ruhige Schnaufen und den markanten Duft von frisch zermahlenem Holz.
Fandrasârs goldene Schuppen glänzten im Licht. Seine Flügel schlugen für einen kurzen Moment, um dann in ihre normale Haltung zurückzukehren. Der große Drache sah Alari nicht an, sondern starrte schweigend in das Bild hinaus, welches sich Alari vor kurzem geboten hatte. Beide genossen sie diesen Augenblick von Frieden, der ihnen in diesen schwierigen Zeiten nur selten gegönnt wurde. Sie legte ihre Hand auf sein rechtes Vorderbein. Die Berührung entspannte sie, machte sie glücklich. Er war ihr Fels in dieser grünen Meeresbrandung und würde es immer sein.
„Alari“, sagte er mit seiner tiefen melodischen Stimme, bei der jedes Wort wohlüberlegt klang.
Sie sah dem Drachen in sein Gesicht, das wie von Elfenhand geformt zu sein schien, so perfekt war dessen Form.
„Es wird ein Sturm kommen.“
Die Elfe war verwirrt. Nichts deutete darauf hin, dass es bald gewittern würde.
Der Drache schüttelte langsam den Kopf.
„Nein, treuste Freundin, nicht hier. Nicht in deinem Traum. Nach so viel Schrecken sucht dein Geist nach Zuflucht. Er fand sie in einer deiner Erinnerung.“
Sie nahm die Hand von seinem Bein. War es wirklich ein Traum? Fandrasâr beantwortete ihre Frage.
„Es ist ein Traum, doch es steckt auch eine Botschaft in ihm.“
Sein Kopf drehte sich nun völlig zu ihr, so dass sie in seine beiden silbernen Augen blicken konnte.
„Hüte dich vor Asha, Alari.“


Chaz kochte vor Wut. Er wollte sie lebendig ausweiden und häuten. Selbst das würde sie nicht befreien von der Schuld ihrer Frechheit, die sie am vorherigen Abend veranstaltet hatte. Sie war in seiner Reichweite. Ein kräftiger Schlag von ihm wurde sie problemlos ohnmächtig machen, doch er zögerte.
Die Gestalt mit der Vogelmaske, der ein stechender Weihrauchgeruch anhaftete, hatte eine haltende Geste ausgeführt. Allerdings war es nicht die Geste, die Chaz in seinem Tun gestoppt hatte. Nein, es war die Ausstrahlung dieses… Wesens. Irgendwas haftete ihr an. Er konnte es nicht beschreiben, was es war, aber die bloße Anwesenheit machte ihn unruhig.
„Wer bist du“, fragte er schließlich misstrauisch.
„Im Auftrag des Rates handele ich hier.“
„Ach?“
Tatsächlich kramte die Gestalt aus ihrem Mantel eine Schriftrolle, die ihm erlaubte, dass er eine Person festnehmen konnte. Diese schien offensichtlich das Goblinweibchen zu sein.
Anfangs zweifelte Chaz. Allerdings verschwand dieser Zweifel, als er die zwei gewaltigen Palastwachen durch die Tür in das Geschäft eintreten sah.
„Chaz, hör auf den Sucher in seiner Arbeit zu stören. Verschwinde in die Arena und ärgere deine jämmerliche Ware“, entgegnete ihm eine der Wachen.
Frustriert schnaubte er auf und winkte seine Leute herbei. Noch immer tobte er innerlich. Er war wütend, dass er sich nicht an dem Goblinweibchen auslassen konnte. Eine Widersetzung des Rates wäre jedoch sogar ihm zu riskant. Irgendjemand musste für die Blamage seines Herren bezahlen.
„Chaz“, sagte Jikharr, „Nahar wird nicht zufrieden sein, wenn wir mit leeren Händen zurückkommen.“
„Ich weiß“, knurrte er zurück.
„So viel Geld hat er bei dieser Bleichhaut Rijok rausgeworfen“, Jikharr schüttelte den Kopf, „Es ist echt ein Jammer.“
Erst jetzt erkannte Chaz, wo er seiner Wut freien Lauf lassen konnte. Es musste schnell passieren, aber wenn er Glück hatte, würde es sich lohnen.
„Kommt mit, Leute“, sagte Chaz und grinste dabei wölfisch, „Wir statten dem Lager der Bleichhäute einen Besuch ab.“


Sodala, weiter geht's.
Ihr seid bis auf Rijok selbstverständlich alle im Palast. Jeder von euch hat ein eigenes Zimmer bekommen und einen Sklaven, der euch bedient. Wie ihr das für euch gestaltet, steht euch frei. Sobald ihr euren Raum verlässt begleitet euch aber eine Palastwache. Also keine Dummheiten machen ^^
Wenn ihr wollt, könnt ihr euch beim herumwandern begegnen. Es würde mir gefallen, wenn ihr dabei auch den Palast beschreibt. Was seht ihr? Stellt euch die alten maurischen Paläste in Spanien vor. Alles wirkt sehr orientalisch.
Ihr könnt Aine über den Weg laufen, wenn ihr wollt. Sagt mir aber dann bescheid!

Was Rosered mit der Erfahrung des Traumes anstellt, bleibt ihm überlassen.

Aeon wird derweil einen Besuch von einem gereizten Pack von Chaz und seinen Männern bekommen. Was sie tun werden und wie du damit umgehst, bleibt dir überlassen!

Fruwluamressaw
15.08.2016, 20:45
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez hatte aufgegeben. Zu schwer waren ihre Beine, zu aussichtslos war die Situation. Der unheimliche Magier schien bezüglich der Frage, von wem sie nun Gefangen werden würde, die Oberhand zu haben. Der wütende Chaz hatte das Nachsehen und verließ mit seinen Leuten den Laden. Ob das nun gut oder schlecht war, da war sich Nezlez noch nicht ganz sicher. Bestimmt hätte Chaz sie mindestens aufs Ärgste verstümmelt, aber der maskierte Magier in seiner Kutte machte ihr große Angst, auch wenn sie es nicht offen zugeben würde. Im Auftrag des Rates war er wohl gekommen, das hatte sie aufgeschnappt. Aber sie konnte sich daraus keinen Reim machen.

Nezlez seufzte schwer, dann richtete sie sich mühsam wieder auf, wobei ihre zittrigen Beine ihr nicht viel Halt gaben und sie ins Straucheln brachten. Einer der Echsenwachen durchsuchte sie und nahm ihre Waffen an sich. „Die behalte ich erst einmal“, gab er ihr zu verstehen. Dann packte er sie sich ungeduldig und legte sie sich über seine Schulter. Das fiel ihm nicht schwer, war er doch mindestens doppelt so groß wie sie und sehr stark. Da lag sie nun also unbequem auf der Echse, während sie, die andere Wache und der Unbekannte durch die Stadt liefen. Sie gab keinerlei Widerstand oder Widerworte mehr. Resignierend schaute sie die Pflastersteine auf dem Boden an. Einen Teufel würde sie tun, darum zu beten, selbst laufen zu dürfen. Sie wollte für immer und ewig liegen bleiben.
Da sie nicht nach vorne sah, bemerkte sie erst dann, dass sie sich im Palast befanden, als die groben Pflastersteine einem edlen Marmorboden wichen. Was zum Kuckuck wollten sie hier nur von ihr? Die Palastwache, die sie trug, öffnete eine Tür und betrat einen Raum. Dann wurde Nezlez auf ein weiches Bett geworfen. Irritiert schaute sie zu der Palastwache. Die andere Wache und der Maskierte waren bereits gegangen und nur die Wache die sie eben getragen hatte stand noch da. „Das ist bis auf weiteres dein Zimmer. Du darfst es nur in meiner Begleitung verlassen. Ich werde vor dem Zimmer Wache stehen, also komm nicht auf dumme Gedanken. Achja noch etwas: Es wird in kürze eine Versammlung im Ratssaal geben.“ Dann verließ er das Zimmer und machte die Tür hinter sich zu, schloss allerdings nicht ab.

Ein weiches Bett? Ein Zimmer im Palast? Versammlungen im Ratssaal…? Entweder man hat mich verwechselt, oder aber die Leute aus Ashan haben endlich begriffen, wie toll ich bin. Aber dann hätten sie mir gefälligst meine Waffen lassen sollen. Sie ruhte sich eine Zeit lang auf dem gemütlichen Bett aus und schaute sich in dem kleinen, aber lauschigen Zimmer um. Ein kleines Tischchen stand neben dem Bett, darauf eine mit Schnörkeleien verzierte Lampe. An der Zimmerwand befand sich ein Regal mit diversen Büchern, aber Nezlez interessierte sich nicht sonderlich für das Lesen. Das einzige Fenster im Raum war mit edlen Vorhängen verdeckt.
Nach einer Weile klopfte es an der Tür. Da Nezlez nicht darauf reagierte, klopfte es nochmals. Sie war es nicht gewohnt, Leute in ein Zimmer ‚hinein zu bitten‘. „Was ist denn? Es ist nicht abgeschlossen“. Vorsichtig öffnete ein Elf die Tür und betrat das Zimmer. In seiner Hand befand sich ein Tablett. Misstrauisch schaute Nez den Elfen an. „Ich habe hier einige Früchte der Region für euch, Frau…“. „Ich bin Nezlez. Nezlez Tintentick. Und du bist?“ „Ich bin nur ein einfacher Sklave, Frau Tintentick. Mir wurde aufgetragen, für euren angenehmen Aufenthalt zu sorgen.“ Nezlez argwöhnischer Blick wandelte sich in ein dreckiges Grinsen. Ein eigener Sklave, dann auch noch ein Elf. Super. Sie nahm sich einige Datteln und Trauben. Das Zeug schmeckte sehr süß aber auch verdammt gut. Der Elf schaute leicht verstört, als sie in kürzester Zeit das Tablett leergeräumt hatte. „Lecker! Bring mir mehr davon!“ „Wie ihr wünscht…“

Nach wenigen Minuten kam er mit einem neuen Tablett zurück. Nezlez lachte fies: „Sehr gut. Nun füttere mich mit den Trauben!“ „Ich bin mir nicht sicher, ob das im Rahmen meines mir zugetragenem…“-„nun ICH bin mir sehr sicher!“ einschüchternd funkelte sie den Elfen an und zeigte dabei auch ihre spitzen Zähne. „I-i-ich muss Sie darauf hinweisen, dass sich immer noch eine Wache vor der Tür befindet.“ Antwortete der Elf kleinlaut. „Ach, stimmt, da war ja was…“ Nezlez seufzte genervt. „Dann eben nicht, dämlicher Spießer. Verschwinde!“ Der arme Elf ließ sich das nicht zwei Mal sagen und wollte gerade umdrehen, als Nezlez noch hinzufügte: „Das Tablett lässt du gefälligst hier!!“
So lag sie denn weiter Trauben mampfend auf dem Bett herum und dachte nach.


Bald wurde ihr zu langweilig. Sie hüpfte vom Bett und ging aus dem Zimmer. "Ich seh mich wohl ein wenig um". Die Wache nickte und folgte ihr. Die Gänge des Palastes waren großzügig angelegt, sehr breit und hoch. Die steinernen Wände waren mit Gravierungen kunstvoll verziert. Protzige Säulen stützten zahlreich das Gemäuer. Immer wieder konnte Nezlez wertvolle Vasen entdecken, mal zu mal wurden auch wunderschöne Juwelen auf samtigen Kissen präsentiert. Gerne hätte sie ein paar davon mitgenommen. Wer würde sie schon vermissen. Aber sie war ja nicht alleine. Die schweren Schritte der Wache waren ein deutlicher und naher Begleiter. Nezlez ging auf eine Art Balkon zu. Von hier aus war die Aussicht auf Asha wirklich atemberaubend. Am Geländer des Balkons stand eine Frau mit dem Rücken zu ihr, schaute in die Weite und schien in Gedanken verloren. Auch sie wurde offenbar von einer Palastwache begleitet, welche die Wache von Nezlez Kopfnickend grüßte, als sie den Balkon betraten. Bei näherem Hinsehen stellte Nezlez mit Entsetzen fest, dass sie die Person kannte, die dort am Geländer stand.
Es war niemand anderes als diese jene Frau, die ihr den ganzen Schlamassel eingebrockt hatte. "DU?!"

coel
16.08.2016, 00:49
https://abload.de/img/ainecyauv.pngAshan, die immergrüne Juwel der Wüste, das Paradies der Händler und das Herz der Drah’Zil. Es gab so viele Namen für diese Stadt inmitten des Sandmeeres, doch Aine entschied sich, dass keiner auch nur ansatzweise die Würde und Pracht beschrieb, die sich ihr gerade bot. Sie stand am Balkon und blickte auf die Stadt unter ihr herab. Ihre Augen hatten sich vor Staunen geweitet. Sie wollte eigentlich Chandra Nalaar einen Besuch abstatten, doch der Ausflug auf den Balkon hatte diesen Weg für einen Moment zum Halten gebracht.
Die Wache neben ihr schien den Ausblick ebenfalls zu genießen, denn Aine glaubte, dass sie den Anflug eines Lächeln im Gesicht des Drah’Zil erkennen konnte. Falls derartige Darbietungen von Emotionen überhaupt bei dem Echsenvolk möglich waren.
Die Sonne bereitete sich auf ihren Abschied vor, doch sie brannte immer noch mit einer Kraft, die Aine unangenehm schwitzen ließ. Die Temperaturen in dieser Region war sie nicht gewohnt und sie gönnte sich seit ihrer Befreiung so oft es ging ein kühlendes Bad.
Endlich konnte sie behaupten, wieder sie selbst zu sein. Sie war nicht mehr eine hilflose Sklavin, sondern eine Magierin in einem Palast. Etwas, was sie in vollen Zügen auskostete. Ihre dunkelhäutige Dienerin wurde ihre stete Wegbegleiterin, um sie zu versorgen und ihren Wünschen nachzukommen. All die Qualen der letzten Tage versuchte sie nun in diesem Glanz und Reichtum zu ersticken, damit sie wieder einen klaren Kopf bekam.
Sie brauchte ihren Verstand mehr denn je. Sie befand sich in einer völlig fremden Umgebung und sie war fern von allen ihren Ressourcen, auf die sie in ihrer Heimat zugreifen konnte. Als Gast in dem Palast von Ashan waren ihre Mittel auf ein Maß begrenzt worden, dass sie so gut wie nichts ausrichten würde.
Aine seufzte lange und schwer. Sie musste sich einen Überblick verschaffen. Vielleicht bot sich eine Möglichkeit, die ihr noch nicht aufgefallen war. Einen Weg zurück in das Vertraute, in die Heimat zu ihrer Familie.
Ein Kreischen hinter ihr holte sie ruckartig aus den Gedanken. Sie drehte sich um und erkannte den Störenfried, der sie boshaft von unten hinauf ankeifte.
„Du Miststück, du Hexe! Weißt du, was ich wegen dir durchstehen musste?“
Mit ihren dreckigen Fingern deutete das kleine Goblinbiest auf sie. Aine hatte nur pure Verachtung für den grünen Abschaum übrig.
„Ein ordentliches Bad? Wenn nicht, dann würde ich dringend eines empfehlen.“
Zornig funkelte das Goblinweib sie an.
„Ich warne dich, Schätzchen. Das nächste Mal, wenn sich die Chance bietet, wird es nicht bei einer bloßen Bisswunde bleiben“, drohte sie.
„Kann es kaum erwarten“, antwortete Aine kühl, „Ich habe dir wahrscheinlich mit der Teleportation dein wertloses Leben gerettet. Bedenke das.“
„Du hast mir mein Leben ruiniert, das hast du getan!“
Aine lächelte diese Nezlez gekonnt auf eine arrogante Art an, dass sie sich noch mehr ärgern sollte.
„Man kann einer Ruine wie dir nicht genug schaden.“
Mit diesen Worten verließ Aine den Balkon und würdigte den grünen Teufel keines Blickes mehr.

Rosered_Strauss
16.08.2016, 13:27
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari schüttelte unwillkürlich den Kopf, ihre Hand immer noch auf den goldenen Schuppen Fandrasârs. Sie erwiderte den Blick aus seinen silbernen Augen mit ihren glühend grünen, als sie seufzte. "Ich werde mich in Acht nehmen. Es wird mir schon etwas einfallen." Ihr Blick wanderte wieder von dem massigen Drachenkörper fort zu den friedlichen Wiesen, auf denen sie sich befanden. "Nur ein Traum...? Wenn dies nur ein Ort der Zuflucht ist, dann lasse mich nur noch einen Augenblick hier ruhen. Es mag sein, dass ich diesen Anblick nie wieder geniessen kann...“ Darum bemüht, nicht zu blinzeln, nahm sie jede Einzelheit ihrer Umgebung in sich auf. Das tiefe Brummen, das Fandrasârs Atem war, die wogenden Weiten des lebenden Grüns, das sanfte Rauschen des dichten Blätterdaches... Schliesslich schloss sie die Augen, gab ihre Sicht auf, um sich ganz dem 'hören' ihrer Umgebung zu beschreiben. Ein Gefühl des Friedens hatte sich in ihrer Brust ausgebreitet...

… das jäh verschwand, als sie die Augen öffnete und sich in einem unbekannten, großen Gemach wiederfand. Sie blinzelte verwirrt, als sie sich umsah. „Wo bin ich?“ murmelte sie, als sich hinter ihr eine ruhige, leise Stimme zu Wort meldete. „Im Palast zu Ashan, dem Sitz des Rates. Ihr seid ein Gast, bis der Rat mit euch sprechen möchte.“ Alari zuckte zusammen, als sie sich umdrehte und die unbemerkte Sprecherin ansah. Es handelte sich um eine junge Frau in einem einfachen Leinengewand des örtlichen Stils, die durch ein Halsband klar als Sklavin gekennzeichnet war. „Der Rat?“ wiederholte sie. „Warum sollte der...“ bevor sie den Satz zu Ende sprechen konnte, drangen die Geschehnisse der letzten Zeit mit Macht in ihr Bewusstsein. Die Elfe stockte, hielt inne und musste sich an einem Stuhl festhalten, um nicht ins Wanken zu geraten. Richtig. Sie befand sich in Ashan. Nachdem versklavt worden war. Nachdem sie für Fehler gefoltert worden war, die hunderte von Jahren nach ihrer Zeit begangen wurden...

Alari holte tief Luft. Die Trauer legte sich erneut wie eine übergroße dunkle Wolke über all ihre Gedanken, doch zumindest wurde sie dieses Mal nicht davon überwältigt. Zwar wollte sie weinen, doch musste sie feststellen, dass sie zu unglücklich für diese Gefühlsregung war. Das Licht ihrer Augen erlosch bis auf ein Glühen. „Ah... ich... erinnere mich.“ meinte sie leise. Sie strich sich ihr flammfarbenes Haar aus dem Gesicht, als sie ihre Gedanken unter Zuhilfenahme aller Disziplin, die sie aufbringen konnte, auf die nahe Zukunft konzentrierte. Celriel. Sie war bei ihr gewesen, an das erinnerte. Erst einmal sollte sie die Kriegerin finden. „Es... mag mir doch frei gestattet sein, mich ohne Restriktion bewegen zu dürfen?“ fragte sie in dem ihr eigenen, altertümlichen Dialekt. Falls die Sklavin davon irritiert war, so zeigte sie es nicht. „In Grenzen, und nicht ohne Begleitung. Ihr könntet Euch verlaufen.“ meinte sie. Alari verstand. „So sei es denn. Ich hege das Vorhaben, meiner Begleiterin habhaft zu werden.“ Mit diesen Worten verliess sie das Zimmer, neben dem ein riesenhafter Drah'zil stand und scheinbar nur auf sie gewartet hatte. Mit dem leisen Geräusch aneinander reibender Schuppen setzte er sich in Bewegung, als ob er ihr übergroßer Schatten wäre.

Sie wanderte durch die langen Gänge des Palastes, während sie hin und wieder inne hielt, um auf die Stadt Ashan hinab zu sehen. Es war ein erhabener Anblick. Für einen Moment liess sie sich von der Pracht ablenken, die sie erblicken durfte. Doch der Augenblick erlosch, und sie setzte ihre Suche fort. Sie begegnete einigen Elfen, doch diese waren Sklaven, nur noch Schatten ihres ohnehin veränderten Volkes. Für Alari war es schmerzlich zu sehen, wie sie sich verändert hatten. Sie erinnerten sie beinahe mehr an Menschen als an ihresgleichen, wenngleich sie natürlich immer noch feinere Gesichtszüge und wohl auch noch feinere Sinne besaßen. Doch ihre Magie... der Zauber ihres Volkes war verändert, grober geworden. Er war zum Werkzeug degradiert worden, anstatt ihr Wesen zu durchfliessen. Gerade, als sie noch ihren Gedanken über den Niedergang ihres Volkes wie auch die Magie nachhing, hörte sie eine bekannte Stimme – einer Begebenheit, die dieser Tage selten geworden war. Sie begab sich zur Tür, durch die sie sie gehört hatte, und gab ihre Anwesenheit durch ein Klopfen bekannt. Sie lauschte den Schritten der Menschenfrau, bis diese verstummten und die Tür sich öffnete. „Ihr seid es.“ meinte Alari, einen Nachhall von Freude verspürend, der jedoch schnell wieder verblasste. „Ihr seid jenem Schicksal entgangen!“ Das sie selbst nicht so glimpflich davon gekommen war, erwähnte sie nicht extra. Alleine die Narben, die trotz des Gewandes an Händen und Armen zu sehen waren, erzählten eine lange Geschichte des Leides.

Fruwluamressaw
16.08.2016, 16:12
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Zornig wollte Nezlez Aine hinterherjagen, doch die Palastwache reagierte schnell und hielt sie fest. Sie zappelte und versuchte sich aus dem Griff zu befreien doch die Wache ließ nicht locker. Schließlich gab sie auf und warf der Wache einen grimmigen Blick zu.
„So eine hochnäsige und aufgeblasene Schnepfe. Was glaubt sie nur wer sie ist? Am liebsten würde ich ihr ihren arroganten Blick aus der Fresse schlagen.“ „Du hast nicht viele Freunde, oder?“ stellte der Echsenmann fest. „Freunde? Wozu? Ich hatte etwas besseres: Loyale Untergebene… zumindest bis diese Frau aufgetaucht ist!“ Sie zögerte kurz, dann fragte sie: „Sehe ich wirklich so schlimm aus?“. Die Wache schaute sie überrascht an, zuckte dann mit den Schultern und antwortete: „Nun. Naja. Wer erwartet bei Goblins schon etwas Anderes?“ „Fängst du jetzt also auch schon so an? Zeig mir lieber, wo ich mich Waschen kann.“ Die Wache zeigte ihr die Richtung.

Sie betrat einen Raum mit einem großen Becken voll warmen Wasser. Die Wache blieb am Eingang stehen. Nezlez zog sich nackt aus, tauchte in das Wasser ein und wusch sich Blut, Dreck, Staub und was sich sonst noch alles angesammelt hatte von ihrer grünen Haut. Das warme Wasser machte sie träge, daher blieb sie eine Weile im Becken und versuchte sich zu beruhigen. Sie war immer noch sehr sauer auf die Menschenfrau. Und sie spürte, wie äußerst seltene Gefühle in ihr aufkamen. Sie vermisste die Goblins aus ihrem Trupp. Sie waren zwar nicht die Hellsten gewesen, aber dafür waren sie unkompliziert und hatten Respekt vor ihr. Schnell schüttelte sie diese unerwünschten Gefühle wieder ab.

Aeon525
18.08.2016, 11:18
Rijok lag seitlich auf einer breiten Liege und kaute genüsslich auf einem frischen Paar Nama-Blätter herum, während aus einer reich verzierten Keramikschale betörender Weihrauch aufstieg. Eine Magd trug gerade mit ihrer weiß geschuppten rechten Hand mehrere, verführerisch duftende, Platten herein. Arash, Pehtia und Nalim starrten von ihren Liegen aus ebenfalls erwartungsvoll auf das dampfende Geschirr. Rijok hatte die Zutaten selbst auf den Märkten von Ashan erstanden und dem Besitzer des Gasthauses nur zur Zubereitung übergeben. Da die meisten Bewohner des Aussätzigendorfs weder eine Einnahmequelle hatten noch die Stadt betreten durften waren sie auf die zugewiesenen Rationen beschränkt, die man jeden Tag vor den Stadttoren abstellte. Diese bestanden meist aus einem körnigen Brei, den die Drah'Zil Succus nannten. Wer in einem der hiesigen Gasthäuser etwas Besseres wollte, brachte es entweder selber mit oder zahlte horrende Summen.

Man sah dem Raum, den Rijok in dem Gasthaus gebucht hatte, an, dass er schon länger nicht mehr benutzt worden war. Die Tapeten an den Wänden waren vergilbt und es hatte modrig gerochen, bevor der wohlriechende Rauch jeglichen Fremdgeruch vertrieben hatte. Nachdem die Magd sämtliche Speisen auf dem niedrigen Tisch vor ihnen ausgebreitet hatte, schenkte sie jedem von ihnen einen Krug Bier ein, wobei ihr hungriger Blick immer wieder zu dem prall gefüllten Tisch wanderte. Rijok entging dies nicht. Er brach einen großzügigen Schenkel aus der Seite eines Wüstehuhns und reichte ihn der Drah'Zil. "Euer Trinkgeld." Ertappt wich sie seinem Blick aus. Ihre mattschwarzes Schuppenkleid verriet sie als ehemaliges Mitglied einer der höheren Kasten. Und den alten Stolz abzulegen, das wusste auch Rijok, war kein leichtes Unterfangen. Schließlich gab sie doch ihrem Verlangen nach und griff nach der Keule, verbeugte sich vornehm und zog sich aus dem Raum zurück.

Während sie zu essen begannen, erzählte Rijok seinen Kameraden stolz von den Ereignissen auf dem Sklavenmarkt. Besonders der Verkauf des Goblins und die ungeheure Summe, die die Magierin eingebracht sorgten für überraschte Ausrufe und ausgiebigen Diskussionsstoff. "Ich hätte nicht gedacht, dass du dieses grüne Bündel Garstigkeit tatsächlich loswirst." murmelte Arash gleichermaßen verblüfft wie belustigt, bevor sich seine Gesichtszüge wieder verhärteten. "Wer denkt ihr könnte diese Beraterin des Rates gewesen sein?" Rijok zuckte nur mit den Schultern. "Keine Ahnung. Scheinbar war die Ware aber ihre Schülerin, deswegen die hohe Summe." "Sie war ihre Meisterin?!" Pehtia war aufgesprungen und starrte Rijok entgeistert an. "Scheinbar. Wieso?" "Wenn sie wirklich eine Beraterin des Rates ist, muss sie große Macht und Einfluss haben. Was wenn sie sich rächen will?" Mit einer Verwunderung, die nur teilweise den Drogen zuzuschreiben war, fragte Rijok: "Wieso sollte sie? Sie hat ja nun ihre Schülerin wieder und ich hab nichts Unrechtes getan. Das Gesetz der Wüste..." "Die Menschen scheren sich einen Dreck um das Gesetz der Wüste!" fiel ihm Pehtia aufgebracht ins Wort. Stille breitete sich in dem kleinen Raum aus. "Denkst du wirklich sie, könnte eine Fehde starten?" "Durchaus möglich." Wieder schweigen. Schließlich räusperte sich Rijok. "Wir brechen morgen Mittag auf, sobald die Vorräte aufgestockt sind. Ihre Tätigkeit als Beraterin wird die Magierin an Ashan binden." Damit lockerte sich die Stimmung in der Gruppe wieder sichtlich auf. Dem ständige Anblick Ashans, einer Stadt die Heimat und Schandmal zugleich war würden seine gefleckten Kameraden ohnehin nicht lange hinterhertrauern. Mit sich stetig bessernder Stimmung wurde das Festmahl wieder aufgenommen, bis es unvermittelt an der Tür klopfte.

Die schwatzgeschuppte Bedienstete trat ein und schloss die Tür hinter sich. "Chaz ist im Dorf und sucht nach Rijok, der Bleichhaut." "Wer?" fragten vier Stimmen gleichzeitig. "Nahars rechte Hand. Er ist mit einigen seiner Schläger hier und terrorisiert die Bewohner." "Wieso sollte Nahar seine Leute nach mir senden?" "Er schreit die ganzes Zeit etwas von einem entflohenen Goblin..." Rijok und Nalim brachen in schallendes Gelächter aus. "Ihnen ist der Goblin entkommen?" fragte Arash ungläubig. "So scheint es." erklärte das Drah'Zil Weibchen, dem die ganze Situation sehr unangenehm zu sein schien. "Chaz scheint euch für den Vorfall verantwortlich zu machen. Und da ihm niemand Auskunft gibt, schlägt er gerade das halbe Dorf kurz und klein. Wenn er so weiter macht wird..." Rijok winkte ab. "Der wird sich schon wieder einkriegen. Nicht mein Problem, wenn er unfähig ist, einer Sklavin von der Größe eines Krugs habhaft zu werden." Man konnte der schwarz geschuppten Drah'Zil ansehen, dass ihr eine Erwiderung auf der Zunge lag. Schließlich verbeugte sie sich jedoch nur kurz, verbeugte sich und verschwand nur um eine knappe halbe Stunde später erneut ins Zimmer zu platzen. Diesmal klopfte sie nicht...

Eine Mischung aus Angst und Panik zeichnete sich deutlich auf ihrem Gesicht ab und alles in Rijok zog sich zusammen. Von einer Sekunde schien sein ganzer Körper unter Strom zu stehen und jegliches Anzeichen von Entspannung war von ihm abgefallen. Auch die anderen waren aufgesprungen und Nalim und Arash waren bereits zu ihren Waffen gehechtet, die am Ende des Raums gelagert hatten. "Sie... Sie sind gleich hier." stammelte das junge Weibchen aufgeregt. Rijok fluchte. Er verspürte im Moment wenig Verlangen nach körperlichen Auseinandersetzungen. Das Essen war ohnehin nahezu beedet. Arash spuckte ein paar Waranknochen aus und seufzte. "Sollen wir etwas mit ihnen spielen?" Rijok winkte ab. "Wozu?" und an die Magd gewandt fur er fort: "Gibt es hier eine Hintertür?" Ein Nicken war die Antwort.

Geschwind führte man die kleine Gruppe durch das heruntergekommene Holzhaus zu einer schmalen Türe in einem angebauten Lagerraum. Rijok bedankte sich höflich und deutete eine Verbeugung an. "Nun denn. Dann wollen wir mal dem Krankenviertel einen Besuch abstatten. Da traut er sich garantiert nicht rein."

Info: Das Krankenviertel ist ein abgetrennter Bereich des Dorfes in dem die hochinfiziösen Fälle versorgt werden die u.a. nicht auf Medikamente reagieren oder evtl. gegenüber den herkömmlichen Behandlungsmethoden immun sind. Wenn die Krankheit zu weit fortgeschritten ist werden hier auch die Sterbenden versorgt.

Waltikon
20.08.2016, 18:27
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngAls der Maskenmann und seine Begleitwachen plötzlich in ihrem Rücken aufgetaucht waren, musste sich Celriel zähneknirschend eingestehen, dass ein Kampf aussichtslos wäre. Überraschenderweise hatte man aber ihrer Forderung, dass Alari nur mitkommen würde, wenn sie sie stützen und begleiten dürfte, nachgegeben und sie mitgehen lassen. Die Drah'Zil hielten sie offenbar für Alaris Dienerin oder Leibwächterin (oder beides).
Nachdem man sie in den Palast gebracht und dort in ein geräumiges und durchaus luxuriöses Zimmer bugsiert hatte, war auch sogleich eine Sklavin herbeigeeilt. Celriel schickte sie nach etwas zu essen und Verbandszeug. Anschließend befahl sie ihr, auf die noch immer apathische Alari achtzugeben, da sie sich auch kurz ausruhen wollte.
Man hatte ihr eine kleine, fensterlose Kammer zugewiesen, welche nur durch Alaris Zimmer erreicht werden konnte. In ihr befanden sich außer einer einfachen Liege nur eine schmucklose Kommode sowie ein kleiner Tisch mit einem Stuhl. Eine Öllampe diente der Beleuchtung, und auf dem Tisch befand sich noch zusätzlich ein einfacher Kerzenleuchter.
Celriel packte ihre Sachen auf die Kommode – die Waffen hatte sie, nicht ohne zu Murren, am Tor abgeben müssen – und legte auch Umhang und Rüstung ab. Hier würde sie beides einstweilen nicht brauchen.
„Lasst mich euch helfen,“ sagte plötzlich jemand hinter ihr, als sie sich gerade um ihre Wunde kümmern wollte. Es war die Sklavin, die, ohne eine Antwort abzuwarten, auf Celriel zuging und die Wunde in Augenschein nahm. „Das haben wir gleich.“ fuhr sie nach einem prüfenden Blick fort, und gekonnt hatte sie im Nu die Wunde gereinigt, genäht und verbunden.
Celriel bedankte sich mit einem knappen „Danke“ und schickte die Sklavin wieder hinaus, um über Alari zu wachen. Sie aß noch etwas und entschied sich dann, obwohl sie müde war, den Palast zu erkunden.

Die stampfenden Schritte ihres Begleiters stets im Ohr, wanderte Celriel durch die riesig anmutende Palastanlage. So beeindruckend sie in ihrer Pracht auch war, ihre üppig mit Ornamenten verzierten Mauern und die von zahlreichen, dünnen Säulen getragenen hohen Bögen sowie die Säulengänge, die allerlei verschiedenste kleinere Gartenanlagen umrahmten, verblassten dennoch im Vergleich zum Palast der Elfen in Arlondo, ja sogar im Vergleich mit der silbernen Stadt selbst.
Diesen Beinamen verdankte sie nicht nur ihren hohen, schlanken Türmen, die schon von weitem im Sonnenlicht hell erstrahlten und so jedem Reisenden den Weg wiesen, sogar die einfachen Häuser waren aus weißem Stein erbaut, welcher selbst im Fackellicht noch hell und freundlich strahlte. Und so viel Grün gab es in Arlondo! Bäume, Wiesen und Sträucher überall! Nicht so wie hier, in dieser Oase, wo das bisschen Grün nur unter größten Anstrengungen am leben erhalten werden konnte und die gleißende Wüstensonne auf alles und jeden unbarmherzig niederbrannte.
Arlondo... Sie sehnte sich zurück zu den unbeschwerten Tagen, die nun schon so lange zurücklagen. Jene Tage, an denen Sie mit ihrem Liebsten unbehelligt ganze Nächte auf der Wiese lag und sie die Sterne betrachteten, oder frühmorgens, als es noch dunkel war, die Hügel oberhalb der Stadt bestiegen, um den Sonnenaufgang zu bewundern...

Doch sie musste sich auf das hier und jetzt konzentrieren. Dieser „Spaziergang“ diente einzig und allein dazu, einen möglichen Fluchtweg zu finden. Als man sie zu ihrem Zimmer führte, hatte sie nämlich in dem Gewirr von Gängen, Türen und Plätzen die Orientierung verloren, diese galt es nun wiederzufinden.

Ironhide
20.08.2016, 19:06
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Schon … wieder.
Schon wieder wachte Cadan auf und hatte keine Ahnung, wo er sich befand. Die Umgebung war anders, die Kopfschmerzen geblieben.
Es dauerte eine Weile, bis er sich orientiert hatte und nachdem er sich dessen bewusst geworden war, das er in einem Bett lag – so halb, macht er sich daran, sich aus selbigen zu erheben. Irgendwer hatte wohl versucht, ihn darauf zu hieven und entweder entnervt aufgegeben, oder es war ihm egal, ob er es bequem hatte. Cadan vermutete letzteres.
Zuerst musste er sich erneut darüber im klaren werden, wo er eigentlich gerade war. Auf jeden Fall bei irgendjemanden, der genug Geld hatte, um sich so eine Behausung zu leisten. Das Zimmer war äußerst vornehm eingerichtet, selbst die Gemächer des Fürsten in dessen Dienst er noch bis vor einigen Tagen stand, waren nicht so dekadent. Hier schien jemand sehr wichtiges zu leben, jemand mit sehr viel Einfluss, mehr als es irgendeiner der Fürsten die er kannte. Womöglich der Herrscher dieser Stadt?
Kurz schmunzelte Cadan über diesen Gedanken, denn warum sollte man ausgerechnet ihn zu dem König, Kaiser, oder wer weiß schon wem, bringen? Er meinte eh gehört zu haben, das hier ein Rat regierte.

„Ihr seid wach. Gut. Der Rat erwartet in Bälde euer Erscheinen.“ Selten in seinem Leben hatte sich Cadan so erschrocken, rechnete er ja nicht mal ansatzweise damit, das noch jemand im Zimmer sein könnte. Er fuhr herrum, was er soifort wieder bereute, da es seinen Kopfschmerzen nicht gut tat. „Wer zum Geier bist du nun wieder?!“, wollte der Trolljäger wissen, konnte sich die Frage aber schon halb selbst beantworten. Ein Sklave. Genauer gesagt, eine Sklavin. Nicht gerade die schönste, was womöglich auch an der Kleidung lag, die sehr schlicht war und dem Brandzeichen, was man ihr verpasst hatte.
„Ich stehe euch während eures Aufenthalts zur Verfügung.“, sprach das Mädchen mit monotoner Stimme.
„Aha... wie wäre es dann mit einem Krug Bier und was ordentlichem zu essen?“
„Bier?“
„Wein geht auch, aber ein vernünftiger, kein verdünnter Traubensaft!“
„Wie ihr wünscht.“, meinte sie und ging eiligen Schrittes aus dem Zimmer. Cadan sah ihr nach und als sie die Tür öffnete, erspähte er auch die Wache, die davor stand. Kurz prüfte die Wache, wer da das Zimmer verließ, beachtete dann aber die Sklavin nicht weiter. „Hätte mich auch gewundert...“, grummelte Cadan vor sich hin.

Sich aus dem Zimmer schleichen war also keine Option, das hätte Cadan auch gewundert. Er schritt zu den Fenstern, die allesamt auf nur einer Seite des Raumes lagen, gegenüber der Tür. Er spähte hinaus und das was er dort sah, war schlicht beeindruckend für ihn. Nun war er sich ziemlich sicher, das hier war nicht einfach nur ein nobles Anwesen, neind as war eine ganze Anlage, die den Ausmaß eines Palastes hatte. Er ahnte noch immer nicht, das er sich tatsächlich in einem Befand. Zu Abwegig war der Gedanke für ihn. Zu seinem Missfallen war aber auch das fenster keine Möglichkeit, ungesehen hier raus zu kommen. Zu viele Personen streiten durch den Hof, den er einsehen konnte. Kurz darauf stand die Sklavin wieder in seinem zimmer und hatte etwas zu essen und einen Krug mit Wein dabei. Rotem Wein. Den schnappte sich Cadan zuerst und nahm, einen kräftigen Schluck.
„Na ja, nicht unbedingt das beste was ich getrunken hab, aber es genügt.“ Mit dem Essen selbst war Cadan weniger zufrieden. Fleisch schien Mangelware zu sein, er fand nicht viel davon auf der Platte, die sie ihm gebracht hatte. Etwas Käse und jede Menge Obts, irgendwas, was er als so eine Art Brot identifizierte, eine seltsam wirkende Paste die er nicht einordnen konnte. Immerhin etwas Fleisch ließ sich finden. Die Sklavin meinte zu ihm, das es sich dabei um Kapaun handelte. Sie bat um Verzeihung, das selbiger wohl nur noch lauwarm sei, aber er selbst hätte zu lange geschlafen. Etwas verwundert sah er sie an, denn erneut hatte sie ihn damit überrascht. Denn ihm war es egal, ob es warm oder kalt war. Er hatte Hunger und auch wenn ihm ein saftiger Braten lieber wäre, dazu ein deftiges Bier und dunkles Brot, so war diese Mahlzeit erst mal ausreichend. Einiges würde er zwar nicht anrühren, aber bevor er gar nichts bekam, nahm er eben das. Cadan fragte bei essen die Sklavin ein wenig aus, wo er denn eigentlich sei und wie er hier hin gekommen war. Viel konnte sie ihm nicht erzählen, aber immerhin, wer ihn hier her gebracht hatte und das er tatsächlich im Palast des Rates der Stadt Ashan ist.
Cadanb blieb fast das Stück Apfel im Halse stecken, als sie ihm dies eröffnete. „Im Palast? Was zum Kukuck mache ich hier?“
Darauf hatte die Sklavin leider keine Antwort, sondern vertröstete ihn erneut auf den Rat. Cadan beschloss der Sache auf den Grund zu gehen und machte sich daran, das Zimmer zu verlassen, als sich die Sklavin erneut einmischte. Allerdings deutete sie sein Vorhaben etwas anders.
„Wenn ihr wünscht, könnt ihr euch nun baden. Ein Zuber steht bereit und ich werde umgehend heißes Wasser holen. Passende und angemessene Kleidung ist bereits gebracht worden.“
Cadan überlegte kurz, aber musste zugeben das er nach den Strapazen der letzten tage ein Bad sicher nötig hatte. Außerdem wäre es eine Wohltat, aus dieses dreckigen Lumpen herauszukommen, die er noch immer trug.
„Also gut. Dann mach du mal.“
Nach dem Bad würde er aber auf jeden Fall die Umgebung erkunden, bevor man ihn zu dem Rat schleift.

coel
20.08.2016, 21:53
https://abload.de/img/ainecyauv.png„Ich grüße Euch, ehrwürdige Magierin. Mein Name ist Sni’jot, Palastverwalter. Wie ich sehe, seid ihr ausgeruht?“
Der Drah’Zil mit den Schuppen, deren glänzendes, feuchtes Grün Aine an Moos erinnerte, verbeugte sich tief, aber nicht so weit, dass er wie ein Kriecher wirkt und sie damit beleidigen könnte. Diese alte Echse wies deutliche Erfahrungen in Verhaltensweisen am Hofe auf. Aine fiel es schwer bei den Drah’Zil das Alter zu schätzen, doch die Tatsache, dass sich dieser auf einen Eisenstab stützte, verstärkte ihre Vermutung, es mit einem Greis zu tun zu haben.
„Danke, Ihr habt mich ausgesprochen großzügig versorgt.“
Sni’jot nickte bestätigend, machte einen Schritt beiseite und deutete auf die Tür, durch welche er vor kurzem in ihr Zimmer geschritten war.
„Dürfte ich Euch jetzt bitten, dass Ihr mir zum Ratssaal folgt? Ihr werdet erwartet.“
„Gewiss.“
Sie gingen nicht allein durch den Palast. Zwei große rotschuppige Wachen, deren Statur einem Rammbock glich und die Beiden mit Sicherheit auch die gleiche Kraft besaßen, begleiteten sie und ihre schweren Schritten hallten durch die weitläufigen Gänge.
Sni’jot klärte sie auf dem Weg über die verschiedenen Mosaikbilder auf, die an den Wänden nach Bewunderung verlangten und diese auch erhielten. Es waren Erzählungen von Heldentaten früherer großer Drah’Zil, aber auch einige von der Gründerin dieser Stadt. Aine wagte es nicht, dass sie ihren Begleiter fragte, ob der große Drache dem Rat beiwohnen würde. Insgeheim wünschte sie es sich jedoch. Noch nie zuvor hatte sie einen Drachen gesehen. Es waren faszinierende, göttergleiche Geschöpfe, deren Macht keine Grenzen zu haben schien. Das sagten zumindest die Bücher, die sie gelesen hatte.
Schließlich erreichten sie einen Vorraum zum Ratssaal, wo bereits schon mehrere Gestalten warteten. Die meisten Gesichter erkannte Aine sofort. Unglücklicherweise gehörte auch das Goblinweibchen dazu. Sie schürzte die Lippen über deren Anblick und auch diese hielt ihre Begeisterung in Zaum, als sie Aine erblickte. Allerdings konnte Aine ein „verfluchtes Hexenweib“ vernehmen, was sie aber trotz Verärgerung ignorierte.
Zu ihrer Überraschung war auch eine weitere Elfe anwesend. Sie trug eine schwere Rüstung, die schon einige Dellen aufwies. Auf ihrer Brust prangte stolz ein silberner Fürspann, der ihren Umhang hielt. Auf diesen wurde ein grimmiger Wolfskopf dargestellt. Offensichtlich war sie ein Mitglied der elfischen Wolfsgardisten.
„Was suchte eine Wolfsgardistin am Hof von Ashan?“, fragte sie sich und betrachtete die gerüstete Frau eingehender.
Aine zögerte für einen Moment. Diese Elfe unterschied sich nicht sehr, aber doch auffällig in ihrer Statur von anderen ihrer Rasse. Breiter und muskulöser Körper, kantigere Gesichtszüge und graue Augen. Eine derartige Augenfarbe kam so gut wie nie unter den Elfen vor, es sei denn…
Eben jenes Augenpaar sah sie auf einmal forsch an. Instinktiv wendete Aine ihren Blick ab. Weitere Versuche die Frau zu beobachten scheiterten, denn Aine wurde nun gemustert und die Magierin wollte nicht den Anschein erwecken, dass sie unhöflich starrt.
Es dauerte nicht lange, da wurde das gewaltige Tor zum Ratssaal von zwei Palastwachen geöffnet und jeder wurde hereingebeten. Aine, wie auch die anderen Anwesenden wichen zurück, als zwei finstere Personen aus dem Saal stampften. Die roten, glühenden Augen von denen es insgesamt drei waren, brannten wie glühende Kohlen in den narbigen Gesichtern der Beiden. Die Einäugige blieb abrupt stehen, nachdem sie die Elfe in der schweren Rüstung bemerkt hatte. Eine Grimasse aus purem Hass drohte, dass etwas Unvorhergesehenes passieren würde, doch der erfahrene Sni’jot erkannte die Situation und reagierte blitzschnell.
„Verzeiht mir, werte Ivras Kheru, wir dulden hier keine Streitigkeiten zwischen den Rassen. Respektieren Sie unsere Regeln.“
Die Shantiri schätzte ihre Chancen ein. Darauf antworteten die Palastwachen mit einem festeren Griff um ihre Waffen. Zähneknirschend gab sie ihr Vorhaben auf.
„Wir werden uns wiedersehen. Das schwöre ich dir.“
„Ich kann es kaum erwarten“, gab die Wolfsgardistin kampfeslustig zurück.
Aine befürchtete schon das Schlimmste wie sich die beiden Frauen durchbohrten, aber die Shantiri winkte ihrer Begleiterin.
„Komm, Nurekhi.“
Aine verfolgte die beiden Frauen, wie sie verschwanden und wunderte sich abermals über die Vielfalt der Völker, die sich in Ashan aufhielten. Die Wolfsgardistin hatte die Hand auf den Griff eines Schwertes gelegt, welches nicht in seiner Scheide steckte, denn man hatte sie selbstverständlich aller Waffen entledigt. Irgendetwas war zwischen der Elfe und der Shantiri geschehen. Aines Neugier musste vorerst abgelegt werden, weil man sie im Ratssaal erwartete.
Sie traten in einen kreisrunden, marmornen Raum ein, der von verschiedenen Blumendüften erfüllt war. Dieser Geruch überanstrengte Aines Sinne nicht, sondern schien sie eher zu beruhigen. Ihr fiel auf, dass sie aufgeweckter wurde und sich langsam entspannte.
Inmitten des Ratssaales befand sich ein großes, kreisförmiges Becken, in dem gelber Wüstensand ausgebreitet lag. In einem halben Ring saß der Rat an einem Tisch aus massivem Stein. Auf jedem Stuhl saßen Drah’Zil von unterschiedlicher Schuppenfarbe. Doch ihre wirkliche Aufmerksamkeit erregte ein Geschöpf mit einem Schlangenkörper. Dieses ähnelte den Zeichnungen von Naga, aber ihr Gesicht war das einer Schlange. Ihr menschlich weiblicher Oberkörper war in ein schlichtes, aber hochwertiges Gewand gehüllt. Die kupferfarbenen Augen glühten von einer Kraft, die Aine noch nie gespürt hatte. Ihr Blick drang nicht in sie, sondern schlich sich durch, um zu ihren Gedanken zu gelangen. Es war eine betörende Ausstrahlung, doch selbst diese Beschreibung kam nicht an das Gefühl heran, welches Aine empfand. Das Ende ihres langen Schwanzes bewegte sich ruhig in einem steten Hin und Her, als Aine es endlich sprechen hörte. Eine Stimme, die einem Instrument gleichkam, doch von einer Meisterhand geführt und jeder Ton eine perfekte Melodie zauberte.
„Willkommen im Palast von Ashan. Willkommen, werte Gäste. Ich bin Asha.“
Aine stockte der Atem. Ein Drache. Begeisterung, Neugier, Erstaunen, aber auch Furcht prallten wie die Wucht eines gebrochenen Dammes auf die junge Magierin. Sie hatte Fragen, so viele Fragen, dass ihre Lippen bebten, doch sie unterdrückte den Drang, denn eine der großen Drachen begann wieder zu reden.
„Ihr seid nicht ohne jeglichen Grund hier. Ihr tragt das Zeichen von Thanos an euch. Einen deimonischen Abdruck und deswegen braucht der Rat euch.“
Sie machte eine Pause.
„Und ihr braucht uns.“
„Wieso?“, krächzte plötzlich dieser unverschämte grüne Zwerg. Aine wollte sie am liebsten in Asche verwandeln.
Asha zeigte so etwas wie ein Lächeln.
„Weil ihr sonst sterben werdet. Das Zeichen ist ein schleichendes Gift. Die Deimon haben einmal von euch gekostet und das vergessen sie nicht. Ich gebe euch die Möglichkeit auf eine Heilung, wenn ihr mich anhört.“
Aine schrak auf, als der Sand in der Mitte des Raumes einen filigranen Kelch formte. Scheinbar kontrollierte Asha den Sand auf magische Weise, auch wenn Aine nicht einmal eine Andeutung von Magiewirkung des Drachen aufgefallen war.
„Die Tränen von Merva. Ein lang vergessenes Artefakt, welches nahezu jede Verwundung heilt. Es befindet sich im Besitz eines menschlichen Fürsten.“
„Wir sollen es klauen?“
Schon wieder die Goblin! Aine loderte innerlich vor Zorn. Ihre Hände begannen sogar leicht zu glühen.
„Ihr habt es erkannt, Goblin. Das Volk der Drah’Zil kann sich eine derartige Tat nicht leisten, aber das Schicksal hat uns euch gesandt und ihr müsst es tun.“
„Wie sollen wir das anstellen?“
Aine war kurz davor einen Feuerball in Richtung des grünen Abschaums zu werfen, als Asha etwas sagte, dass sie plötzlich irritierte.
„Wir schicken dem Fürsten euch als Sklaven.“

---

Nalim kaute immer noch auf dem Knochen eines Warans rum, als er den kleinen Trupp bemerkte. Ihren Rüstungen nach, schienen es Abgesandte des Palastes zu sein. Die wuchtigen Wachen des Palastes waren selbst für Drah’Zil erschreckend groß. Gegen diese Echsen hatten sie nicht die geringste Chance, wenn es keinen friedlichen Grund für ihr Kommen gab. Dieser äußerst seltene Anblick machte Nalim misstrauisch und er machte die Anderen darauf aufmerksam.
„Bei Merva, was wollen die denn hier?“, sagte Arash mit offenem Mund starrte.
„Das werden wir bald erfahren…“, meinte Rijok voller Argwohn, der aus dem Zelt getreten war und sich nun den Ankömmlingen stellte.
„Rijok Silberklinge?“, fragte eine große, rote Palastwache.
„Der bin ich.“
„Kennt ihr Fürst Hafgan?“
Selbst Nalim kannte diesen Fürsten. Dieser Mann hatte sehr exotische Wünsche, was seine Sklaven betraf und nur Rijok wagte es mit ihm zu handeln. Hafgan war ein gefährlicher Mann, dessen Geduld einem dünnen Faden ähnelte. Oft schon stritten sich Rijok und er beim Verhandeln. Nach einem erfolgreichen Verkauf, nahm er plötzlich einen der Sklaven und tötete ihn vor ihren Augen. Dieses Handeln wurde nie von ihm erklärt und es wagte keiner ihn danach zu fragen. Nalim hasste eine derartige Verschwendung von Ressourcen. Kein Drah’Zil verstand so etwas.
Rijok nickte.
„Ich kenne ihn. Ein sehr…“, Rijok überlegte seine nächsten Worte, „schwieriger Käufer.“
„Der Rat benötigt deine Hilfe und er wird dich großzügig dafür entlohnen.“
Nalim sah das Glänzen in den Augen von Rijok und seufzte innerlich.
„Was bietet ihr mir an?“
Die Palastwache räusperte sich.
„Ihr seid der einzige Sklavenhändler, der das Vertrauen dieses Menschen besitzt. Deswegen müsst ihr ausgewählte Leute zu ihm bringen und diese dann wieder zurückbringen.“
„Mehr nicht?“, fragte Rijok misstrauisch.
„Mehr nicht. Genaueres erfahrt ihr im Palast.“
„In Ordnung.“
Rijok wollte sich umdrehen und wieder in sein Zelt gehen, da hielt ihn die Wache mit seiner breiten Krallenhand auf.
„Ihr kommt jetzt mit in den Palast“, sagte die Palastwache streng, „Wenn ich euch bitten darf.“



Es geht munter weiter. Rijok soll euch ins Menschengebiet bringen. Ihr seid eine Art "Pseudosklaven". Da Hafgan exotische Waren liebt, wird er nichts gegen eine Goblin und die anderen einwenden.

Ihr werdet ausgerüstet mit dem, was ihr verlangt. Diese Sachen wird Rijok sorgfältig mit sich mitführen und ihr habt, wenn es nach Rijok geht, hoffentlich eine gute Reise ^^
Was euer Weiterschreiben betrifft, seht bitte im Diskussionsthread nach, da ich euch Alternativen gebe.

Rosered_Strauss
21.08.2016, 01:36
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAls sie alle in den Ratssaal geführt wurden, machte sich ein mulmiges Gefühl in Alari breit. Spätestens, als sie die Gestalt Ashas in all ihrer Pracht sehen konnte, erreichte dieses ihren Höhepunkt. Es waren widersprüchliche Gefühle, die in ihr um die Vorherrschaft stritten: Verwunderung, Ehrfurcht, Freude, Hoffnung, Furcht, vorsichtiges Misstrauen, Verwirrung. Ihr Traum trat ihr mit aller Macht wieder vor Augen, die Worte ihres Meisters klangen in ihren Ohren. Doch sie sah keine andere Option, als offen und ehrlich zu sprechen. Etwas anderes kam bei einem Drachen von ihrer Statur auch nicht in Frage. Als Asha geendet hatte – Aine und die Goblin- Frau warfen einander noch giftige Blicke zu – trat sie vor und verneigte sich. Als sie sich wieder erhob, glommen ihre Augen in altbekanntem, Smaragdgrünem Feuer – ihre Hoffnung war erstarkt, und ihr Blick spiegelte dies wieder. Doch nicht die gebrochene, archaische Gemeinsprache drang aus ihrem Mund, ebensowenig wie ihr genauso archaisches Elfische. Nein, flüssig drangen die grollenden Laute der Drachen hinaus. [Ich grüße Euch, Erhabene. Mögen Eure Schwingen euch hoch in die Lüfte tragen und euer Feuer den Flammen eures Herzens entsprechen.] Mit ihren Worten zog sie die Blicke aller Anwesenden auf sich. Die Ratsmitglieder blickten verblüfft, immerhin sprach jemand, der nicht unter ihresgleichen war, die hohe Sprache der Erstgeborenen. Asha selbst verriet mit keiner Geste und mit keiner Reaktion, was sie dachte oder empfand. Erst, als sie ihr mit einem Fingerzeig bedeutete, sich zu erheben, fuhr die Elfe fort. [Ich erbitte von Euch die Gunst, auf eine dringliche Frage Antwort zu erhalten. Eine Frage, die mir wohl niemand Anderes als Eure Erhabenheit beantworten kann. Denn sehet, ich suche nach meinem Meister. Möget Ihr wissen, wo sich Fandrasâr der Eherne befindet?] Dies entlockte eine stärkere Reaktion der Anwesenden. Während die Gäste allesamt verwirrt dreinsahen, verstanden sie doch kein Wort der Konversation, wurden die Ratsmitglieder unruhig. Wer war die Elfe, die es wagte, eine solche Frage zu stellen? An Asha selbst? Doch unter ihren stechenden Blicken verhielt sich Alari ruhig und gefasst. Sie nahm weder sie noch die Magierin Chandra wahr, die mit zusammen gekniffenen Augen zu ergründen versuchte, was hier gespielt wurde.

Asha veränderte ihre Haltung um eine Winzigkeit. Was zuvor Gelassenheit gewesen war, verriet nun einen Hauch von Anspannung, von vorsichtigem Interesse. [Wer bist du, dass du mir eine solche Frage zu stellen wagst? Und woher beherrscht du diese Zunge? Ich war mir nicht bewusst, dass es noch Elfen gibt, dir ihrer mächtig sind.] Alari richtete sich auf, um ihre Herzhand auf die Brust zu legen. [Mein Name ist Alari Iníon Wellensang aus dem Hause der Windjäger. Ich bekleide das Amt der Hohepriesterin des Eremon und diene als rechte Hand meines Meisters, Fandrasâr des Ehernen. Ihr möget Euch an mich erinnern, Erhabene – ich begleitete meinen Meister zur großen Zusammenkunft von Helkarim, auf der auch Ihr in Eurer natürlichen Majestät zugegen wart. In der Form einer großen, blauen Drachin.] Die Unruhe der Ratsmitglieder steigerte sich, während Asha nur die Augen geringfügig zusammen kniff. [Ich erinnere mich. Doch ich erinnere mich an eine Person, die schon seit langer Zeit tot sein müsste.]

Ein Ratsmitglied, ein grobschlächtiger Drah'Zil mit blutroter Schuppenfarbe, gab einen Wink, der die nahen Wachen dazu brachte, ihre Waffen fester zu umschliessen. Doch bevor sie einen Schritt tun konnten, um die unverschämte Elfe festzusetzen, erhob diese erneut die Stimme. Sanft erklang erst ihre Stimme, dann eine weitere. Zweistimmig wob sie eine sanfte Melodie, hauchte sie beinahe – und die Winde antworteten. Bewegung kam in den Raum, als ein sanfter Luftzug in die Mitte des Raumes strömte, sie umwaberte und schliesslich beinahe sichtbar wurde. Alari streckte ihre Hände aus, als sich nebelartige Luft darüber sammelte, sie umwaberte und sich schliesslich wieder im Raum verteilte. Als sie endete, herrschte im Raum totenstille. Die magisch kundigen sahen sie an, als hätte sie es gerade bewerkstelligt, ihnen zu beweisen, dass eins und eins zusammen drei ergaben. Sie wussten, dass Magie gewirkt worden war, das wussten sie alle... doch niemand hatte eine solche Art jemals gesehen. Niemand bis auf Asha. In der Stille war es fast überdeutlich zu vernehmen, als sie sich erhob. Ihr Blick war wie üblich unleserlich, und doch meinte Alari, dass Neugier sich ihrer bemächtigt hatte. [Folge mir. Dieses Gespräch führen wir unter vier Augen fort.]

Die Elfe verbeugte sich erneut, erhob sich, und folgte Asha an der vollkommen verblüfften Anwesenden vorbei. Keine Wache machte Anstalten, ihnen zu folgen, denn die Drachin hatte ihnen keine Anweisung erteilt. Was bedeutete, dass sie sich tatsächlich alleine mit ihr zu unterhalten gedachte. Ihr Weg führte sie durch die Flure des Palastes, ehe sie in ihren privaten Räumlichkeiten ankamen – oder zumindest in den privaten Räumlichkeiten, die sie den seltenen Gästen, die sie empfing, präsentierte. Sie liess sich auf einem großen, güldenen Diwan nieder, der durch eine rote, seidenweiche Decke gepolstert wurde. Der Schein ihrer selbst in diesem Leib vorhandenen Schuppen brach sich in dem einfallenden Sonnenlicht und überbot selbst den Rest des durchgängig edel eingerichteten Gemachs an Glanz. Alari selbst nahm auf einem Kissen Platz, das sich am Boden befand, beinahe so, als ob sie ihre Ankunft erwartet hatte. [Du scheinst tatsächlich zu sein, wer du zu sein vorgibst. Daher will ich dir eine Frage gestatten. Doch verlange ich für jede Frage auch eine Antwort auf eine der Meinen.] Alari neigte zustimmend ihr Haupt. [Ihr habt mein Wort darauf, Erhabene. Die erste Frage, die ich stellen möchte – stellen muss! - ist die nach meinem Meister. Ich vernahm, dass er seit jener Schlacht im Krieg... den man nun wohl den 'ersten Krieg' nennt... nicht mehr gesehen wurde.] Asha sah sie unverwandt an, ehe sie zu einer Antwort ansetzte. [Es ist wahr. Seit jener Schlacht wurde Fandrasâr nicht mehr gesehen. Doch wird es dich freuen zu hören, dass ich weiss, dass er jenes Ereignis überlebte. Doch wohin er ging, wo er sich heute aufhält oder was er tut, das vermag ich dir nicht mitzuteilen.] Alari wurde vor Erleichterung beinahe schwindlig. Er lebte! In den vergangenen Tagen, in denen Katastrophe auf Katastrophe folgte, war dies wie die Ankündigung, dass sie dereinst ins Paradies einkehren würde. Tränen traten ihr aus den Augen, die ob der Ankündigung heller glühten als je zuvor. [Habt Dank, Erhabene. Seid tausendfach bedankt! Ihr... Ihr gabet mir das, was ich dieser Tage schmerzlich missen musste.] Mit einem graziösem Nicken nahm Asha den Dank entgegen, während sie sich auf dem Diwan leicht vorbeugte. [Doch nun beantworte mir meine Frage: wie kommt es, dass du hier bist? Du solltest tot sein. Kein Elf, nicht einmal die Ersten Eures Volkes, verfügen über eine derartige Lebensspanne. Und doch bist du hier vor mir.]

Alari räusperte sich, auf einmal mit einem großen Klos im Hals. Sie fuhr sich über die schlagartig ausgetrockneten Lippen, ehe sie langsam antwortete. [In jener Schlacht... wir... die Schlacht verlief nicht gut für uns. Als die Orken unsere Stellung überrannten, griff Fandrasâr zu verzweifelten Mitteln, um mich und etliche meiner Brüder und Schwestern zu retten. Mit einem gewaltigen Kraftakt öffnete er ein Tor für mich und meine Artgenossen, auf das wir in Sicherheit dislokalisiert wurden. Doch es kam anders. Ich fand mich an einem seltsamen Ort wieder, an einem... schrecklichen, verdrehten Ort. Ich weiss nicht, wie lange ich dort war. Ich weiss nur, dass ich dort Dinge sah, die... die mich bis heute verfolgen. Die mich in meinen Gedanken belagern, denke ich nicht an etwas anderes, wichtiges. Es ist erst zwei Wochen her, seitdem ich in einem kleinen Wald wieder erschien. Doch alleine, ohne meine Geschwister. Dort traf ich die Anderen, die Euch vorgeführt wurden. Wir wurden zurück gedrängt, denn erneut waren Orken zugegen und drangen mit Waffen auf uns ein. Die Magierin, Aine, wob einen Zauber an der Stelle, an der ich wieder das Licht der Welt erblickte. Durch diesen trafen wir in der Wüste ein und wurden von einem Händler der Drah'Zil gerettet und versklavt. Ab diesem Zeitpunkt dürfte Euch meine weitere Reise bekannt sein.] Es dauerte einige Augenblicke, ehe Asha antwortete. Als sie es tat, schien sie tief in Gedanken versunken zu sein, denn sie nickte lediglich. Somit fasste Alari den Mut, eine weitere Frage zu stellen.

[Sagt, Erhabene... ist es möglich, dass es noch weitere geschafft haben? Ich war bei weitem nicht die Einzige, die von dem Zauber meines Herren aus dem Gefüge der Welt gerissen wurde. Sind diese womöglich ebenfalls in dieser Zeit gestrandet? Und... und wenn nicht, wenn sie noch immer in jenem Reich gefangen sind, ist es nicht möglich, sie von dort zu retten?] Die Antwort auf diese Frage erfolgte weitaus schneller als zuvor. [Das Reich Thanos' ist auch für meinesgleichen nicht zugänglich. Es ist von uns abgeschnitten, was auch gut ist.] Etwas ruhiger und beinahe sanfter fuhr sie fort: [Ob es noch weitere deiner Geschwister geschafft haben, vermag ich nicht zu sagen. Doch wenn du diese... Reise bewältigt hast, ist es zumindest möglich. Doch Sicherheit kann ich dir keine bieten.] Erneut neigte Alari das Haupt. [Seid erneut bedankt, Erhabene – ich werde die Antwort auf jene Frage in der kommenden Zeit zu ergründen suchen.] Sie verharrte in der gebeugten Haltung, war doch jetzt wieder die hohe Drachin an der Reihe, ihren 'Preis' einzufordern. [Wirst du an der Mission teilnehmen?] war die Frage, die ihr die Drachin schliesslich nach einigen Momenten der Stille stellte. Sich unter dem abwartenden, prüfenden Blick Ashas plötzlich sehr klein vorkommend, räusperte sich Alari erneut. [Ja, ich werde daran teilnehmen. Auch ich bin von jenem Mal betroffen, überdies glaube ich, dass es der Wille Eremons ist, der mich mit ihnen zusammen geführt hat. Ausserdem bin ich in dieser Zeit fremd und brauche kundige Führung.] Mit dieser Antwort scheinbar zufrieden gestellt, gab sie ihr mit einer Handbewegung die Gelegenheit, noch ein letztes Mal ihre Stimme zu erheben. Alari, die erkannte, dass sich die Audienz dem Ende neigte, stellte die letzte Frage, die ihr auf der Zunge brannte.

[Sagt, Erhabene... wie steht es um die Götter? Führen sie immer noch Krieg gegeneinander? Wie ist es um Norosh bestellt?] Asha schüttelte den Kopf. [Auch wir Erstgeborene haben keinen Einblick in die Gemüter der Götter. Wie auch immer es um sie bestellt ist wissen nur sie und sie alleine.] Alari neigte ihr Haupt, bis ihre Stirn beinahe den Boden berührte. [Seid bedankt für eure Zeit, Erhabene. Ich werde mich nun zurück ziehen, um mich auf die bevorstehende Aufgabe vorzubereiten.] Keine Antwort erfolgte, als sie nach wie vor in ihrer Haltung verharrte. Als sie schliesslich aus den Augenwinkeln eine Bewegung sah, richtete sie sich langsam auf. Asha hatte ihren Diwan verlassen und war auf Gesprächsdistanz heran gekommen. [Ich wünsche Euch viel Erfolg bei Eurem Unterfangen – ganz besonders dir. Alari, bitte vertraue mir.] meinte die Drachin, als sich die Elfe langsam erhob.

coel
25.08.2016, 13:58
https://abload.de/img/ainecyauv.pngNachdem Aine den Ratssaal verlassen hatte, schwirrten ihr mehr Fragen als Antworten durch den Kopf. Der Ärger und die Empörung über das respektlose Verhalten des Goblinweibs verblasste so schnell wie er aufgewühlt worden war, denn die Forderung von Asha – wie eine Bitte klang es keineswegs – ließ die Pläne von Aine wieder einmal in den Hintergrund treten. Es schien, dass sie in etwas geraten war, aus dem sie so leicht nicht mehr rauskommen würde. Unbekannte Mächte bestimmten über ihr Leben, was sie damals ohne weiteres in Griff hatte. Sie spürte, wie ihr die Entscheidungen über ihre Zukunft genommen wurden und das störte sie immens. Spätestens nach dem Erfüllen des Befehls von dem großen Drachen würde sie versuchen wieder ihren eigenen Weg zu gehen, ohne von anderen abhängig oder an andere gebunden zu sein.
Sie schritt als Erste aus dem Saal und eilte beinahe zurück in ihr Gemach. Zurückgezogenheit und Einsamkeit brauchte sie jetzt mehr als sonst. Sie musste ihre nächsten Schritte planen und sich die vergangenen Momente durch den Kopf gehen lassen. Sie hasste es, sich unüberlegt in ein Abenteuer zu stürzen und das kommende schien zudem auch noch riskant zu wirken.
Schließlich warf sie sich in eine gepolsterte Liege, deren Beine mit kunstvoll geschnitzte Verzierungen geschmückt waren, während ihre Dienerin ihr eine Schale mit frischem Obst reichte. Dankbar nahm sie diese an und begann gedankenverloren Trauben zu pflücken.
Dabei erinnerte sie sich an den Besuch bei der Elfin Alari.
Die Elfe hatte sichtbar gelitten. Woher sie diese Narben erhalten hatte, konnte oder wollte sie nicht sagen. Es schien sie jedoch geprägt zu haben. Vermutlich hing es mit den Shantiri zusammen, die sowohl bei der unbekannten Elfe als auch beim Anblick von Alari äußerst aggressiv reagiert haben.
Dies war jedoch nicht die Frage gewesen, welche Aine der Elfe stellen wollte. Sie wollte mehr über dieses Relikt einer alten Zeit erfahren. Nicht etwa, um ihr zu helfen, sondern der Geschichte wegen. Vieles war im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen, darunter auch die eigentliche Anwendung der Magie. Damals war Magie mehr ein Gefühl als ein Werkzeug. Aine hatte das beim Gesang von Alari fühlen können. Dieser war vergleichbar mit dem Fließen von eines Bachs, dem Säuseln des Windes und dem sanften Zittern einer Flamme. Aine’s Magie kam einem Steinschlag gleich. Laut und grob bahnte es sich seinen Weg anstatt zu fließen, ja gar zu schweben.
Unglücklicherweise war die Elfe zwar physisch recht erholt gewesen, aber ihr Geist wirbelte immer noch wie ein tosender Sandsturm und versuchte alles zu begreifen. Alari stellte Aine viele Frage und ließ nur wenige Möglichkeiten, dass Aine auch welche stellen konnte. Zwar konnte sie ein wenig herausfinden, doch die Magierin wollte mehr aus der Vergangenheit wissen. Aine musste einen anderen Moment abpassen, wo sie die Elfe ausfragen könnte und sie sich dabei nützlicher erweisen würde.
Allmählich fielen ihr die Augen zu und sie entschied, dass sie schlafen gehen sollte. Der Tag hatte sie aufgewühlt und sie brauchte dringend Ruhe. Ein letzter Gedanke begleitete sie, bevor sie endlich eingeschlafen war.
Werde ich je wieder meine Heimat sehen?

Fruwluamressaw
25.08.2016, 16:52
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Da waren sie also…schon wieder. Die ganze versklavte Gruppe, die jetzt abermals versklavt werden sollte. Dieses Mal zum Glück aber nur als Vorwand. Nezlez wusste natürlich nicht, dass sie verflucht war. Und es könnte ebenso auch eine Lüge sein. Zwar hatte sie an ihrem Bein tatsächlich etwas Magisches gespürt, als der Sucher hinter ihr her war, aber das hätte ebenso auch eine Missempfindung sein können, schließlich war sie sehr viel gerannt. Anderseits war das Risiko, dass sie wirklich verflucht war und ohne Heilung bald sterben würde, zu groß.
Etwas zu stehlen, war eine Aufgabe, die ihr sehr zusagte. Zwar war es wesentlich besser, für sich selbst zu stehlen, aber immerhin war es eben etwas, bei dem sie den anderen beweisen konnte, wie Unnütz diese im Vergleich zu ihr selbst waren. Wenn es nach Nezlez ginge, sollten die anderen ihr einfach gehorchen, so wie es ihr Trupp damals getan hatte. Schließlich hatte das gut funktioniert. Allerdings bezweifelte sie, dass sich insbesondere die vermaledeite Hexe kooperativ zeigen würde.

Nezlez ging zu Cadan, der an einer Säule gelehnt stand und die Arme verschränkt hatte. Irgendwie hatte er wohl den Drogenrausch überstanden. Giftig schaute sie ihn von unten an. „Na wenn das nicht der wilde Stier ist der versucht hat mich umzubringen. Idiot. Ich hab immer noch eine riesen Beule davon, dass du mich an die Wand geknallt hast. Aber das hast du nicht mal mitbekommen, eh?“ Sie gab ein unverständliches grummeln von sich. „Was hältst du von dieser…Mission? Glaubst du, man erzählt uns hier überhaupt die Wahrheit?“ fragte sie ihn dann.

Waltikon
27.08.2016, 19:49
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngNachdem Alari und der Drache den Ratssaal verlassen hatten, wurden auch sie und die anderen mehr oder weniger unsanft hinauskomplimentiert. Die Menschenfrau, die sie zuvor so unhöflich lange angestarrt hatte, war als erstes aus dem Saal hinaus und regelrecht davongerannt. Als ob sie dadurch ihrem Schicksal entkommen könnte …

So wie die anderen war auch sie überrascht, als Alari in dieser ihr unbekannten Sprache mit dem Drachen zu sprechen begann, und auch über die Art der Magie, die sie verwendet hatte. Möglicherweise war diese zierliche Elfe doch nicht so verrückt? Sie würde ihr später noch einige Fragen zu beantworten haben.
Aber wie dem auch sei, sie würde Alari bei diesem Auftrag zur Seite stehen. Zwar wäre sie lieber gestern als Heute wieder zu ihren Kameraden zurückgekehrt, aber wenn sie sich diese seltsame Gruppe so ansah … eine verwöhnte, hochnäsige Menschenfrau, ein keifendes Goblinweib, bei dem man immer auf seinen Rücken achten sollte und dazu noch ein muskelbepackter Grobian. Nein, sie würde auf Alari aufpassen und dafür sorgen, dass sie dieses irrwitzige Unternehmen überlebte.

Während sie so vor sich hin grübelte, hatte sie sich von den anderen entfernt. Plötzlich schoss es ihr durch den Kopf: Sie wollte doch herausfinden, was die Shantiri in Ashan wollten. Und die kamen auch noch direkt aus dem Ratssaal! Sie hätte den Rat doch einfach fragen können!
Während sie sich über sich selbst ärgerte, achtete sie nicht darauf, was vor ihr war, und prompt stieß sie mit jemandem zusammen. In ihrem Ärger war sie noch dazu nicht gerade diplomatisch: „Pass doch auf, wo du hinlatscht!“ schimpfte sie, ohne zu schauen, mit wem sie da eigentlich zusammengestoßen war.

Ironhide
28.08.2016, 19:03
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Bevor es in den Ratssaal ging, gab es schon fast die erste Auseinandersetzung zwischen dieser Elfe in Rüstung – die Cadan noch nie zuvor gesehen hatte und einer Shantri, zumindest ging der Trolljäger davon aus, das es eine war. Gesehen hatte er noch nie eine, aber er wusste immerhin grob, wie die Sympathien der Rassen gegenüber waren. Dann wurden sie in den Ratssaal geführt und in dem kurzen Gespräch erfuhren sie, was eigentlich los war. Von irgendwelchen Zeichen und dergleichen, hörte er zum ersten mal und er selbst entdeckte an sich nichts, was ihn freute. Richtig untersuchen konnte er sich aber nicht, er blickte nur Beiläufige auf seine Arme und die Stellen, die er schnell überblicken konnte. Doch wurde er von den Worten die gesprochen wurden, schnell wieder abgelenkt und schob das auf später. Das sich das Zeichen auf seinem Rücken befand, ahnte Cadan nicht einmal.
Von dem Drachen, Asha wie sie wohl hieß, war er beeindruckt und enttäuscht gleichermaßen. Nicht das sie keine beeindruckende Erscheinung wäre und ihre Stimme einen Klang hatte, der wirklich einzigartig war, aber einen Drachen hatte sich Cadan stets mächtiger, größer und weit aus imposanter vorgestellte. Mit riesigen Flügeln, die ausgebreitet die Sonne verdecken konnten, Klauen mit denen sie ganze Bäume hätte ausreißen können und einem Maul voller Reißzähne, schärfer als jeder Dolch. Doch diese hier war 'nur' ein Schlangen ähnliches Wesen. Eine sehr große, wie er aber zugeben musste. Während der Besprechung sagte er nichts, sondern hörte einfach nur zu.

Für wirklichen Tumult sorgte erst die Elfe, als sie anfing, irgendwas von sich zu geben. Er selbst verstand nichts, rein gar nichts. Aber Asha schien es und die Ratsmitglieder ebenso. Es schien wohl wichtig zu sein, wie Cadan annahm, aber darauf konnte er sich nun keinen Reim machen. Was auch immer da grad passiert war, die Situation löste sich auf, als Asha mit der Elfe verschwand.

Das schien wohl nun zur Gewohnheit werden, Sklave von irgendwem zu sein. Gut, es war nur ein Vorwand, weswegen Cadan damit leben konnte und solange die 'Händler' es nicht übertrieben, würde er sie sogar in Ruhe lassen. Bevor er sich aber im klaren darüber werden konnte, was nun eigentlich gerade passiert war, sprach ihn das Goblinmädchen an – und warf ihm erst mal irgendwas an den Kopf.
„Ich kann dir auch hier und jetzt dein kümmerliches Genick brechen, wenn du das willst.“, meinte der Trolljäger nur. Er hatte keinerleich Erinnerungen an das, was sie ihm da vorwarf. Das letzte mal wo er sie gesehen hatte, war in der Arena, als sie gerade den Kampfplatz betraten. Danach setzten seine Erinnerungen erst wieder ein, als er in der Gasse aufgewacht war.
„Hm... woher soll ich das wissen? Geh doch nochmal hin, und frag nach.“ Cadan fand die Frage eher nervend. Selbst wenn er es wissen würde, die Alternative sah ziemlich düster aus. „Ich mein, was würdest du mit dem wissen tun? Wir haben gar keine andere Wahl, denn die andere Option scheint mit einem ziemlich schnellen Ende unserer Leben zusammen zu hängen.“
Cadan seufzte, denn selbst das unterfangen was ihnen dargelegt wurde, war nicht frei von Gefahren. Ihre Gruppe war ein zusammengewürfelter Haufen von Individuen, die allesamt sich gegen seitig die köpfe einschlagen würden, wenn sie unter anderen Umständen zusammengekommen wären. Da waren diese zwei Elfen, die eine war offensichtlich gefoltert worden, was mit Sicherheit auch ihren Geist nicht unbeschadet gelassen hatte (wobei er daran zweifelte, nach der Vorstellung eben), die andere eine Kämpferin. Immerhin eine Kämpferin, das war nicht mal so schlecht. Dann dieses grüne Ding vor ihm, verschlagen, hinterhältig. Cadan würde immer einen Blick auf sie haben, denn sie würde wohl noch am ehesten ihm in den Rücken fallen. Sie war immerhin ein Feind. Und wer blieb da noch? Diese Magierin, die offensichtlich nicht sehr angetan war von dem Vorschlag, so deutete Cadan ihre regelrechte Flucht zumindest.

„Ich denke, ich werde mich erst mal um Ausrüstung kümmern. Unbewaffnet gehe ich nirgendwo mehr hin. Und das solltest du auch tun.“, meinte er zu der Goblindame. „Hey, hey du, wo bekomme ich denn Waffen und Rüstung?“ Sni’jot reagierte prompt auf Cadan un ignorierte sogar seinen Ton. Er erklärte ihm kurz, wo er besagte Gegenstände finden würde und das die Palastwache ihn dort hinführen können. „Klingt gut. Dann führt mich mal dahin.“

Fruwluamressaw
01.09.2016, 17:23
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez kontrollierte sorgsam die Dolche, indem sie vorsichtig deren Schärfe austestete. Sie war Cadan einfach nachgelaufen, schließlich brauchte sie tatsächlich wieder Waffen, nachdem man ihr diese abgenommen hatte. Mit der Rüstung, die sie dem Zwerg abgekauft hatte, war sie allerdings bereits zufrieden.
Der grummige Cadan hatte nicht ganz unrecht, eine Alternative gab es gerade nicht, zumal sie sich im best bewachtesten Ort der Stadt befanden. Trotzdem gefiel es ihr nicht, dass er sich keinerlei Schuld bewusst war. Er war ein starker Kämpfer und wäre nützlich, wenn es darauf ankäme. Aber leider war er nicht dumm genug und außerdem viel zu überheblich, als dass sie ihn kontrollieren könnte. Und dann war da noch diese Sache mit der Droge. Nezlez würde lieber Abstand von ihm nehmen, wenn es zu einem Kampf käme. Sie würde nicht denselben Fehler zweimal machen.

Sie bediente sich mit so vielen Klingen wie möglich, schließlich kostete es hier nichts. Sie musste nur darauf achten, dass ihre Beweglichkeit nicht durch zu viel Zeug beeinträchtigt wurde. Dabei dachte sie über ihren kommenden Auftrag nach. Die Tränen von Merva…
Jede Wette, dass die sehr wertvoll sind, wie auch immer die…oder dieses Artefakt…nun aussehen. Aber das finde ich schon noch heraus. Und wer weiß... ein diebisches Grinsen huschte ihr durchs Gesicht vielleicht kann ich es dann auch für mich behalten? Wenn es Verwundungen heilt, ist es nicht nur wertvoll, sondern bestimmt auch mächtig. Und dann zeige ich den anderen schon noch, wo ihr Platz ist! „Hehehehe…“ Sie konnte sich das fiese Lachen nicht unterdrücken und erntete dafür misstrauische Blicke von Cadan und den Palastwachen. „Was denn?! Ich habe mir nur vorgestellt, wie hervorragend diese Klingen schneiden.“ Diese Aussage machte es nicht wirklich besser, aber die Palastwachen blieben ruhig. Schließlich waren sie sich ihrer Überlegenheit bewusst und würden Nezlez keine Chance lassen. Aber Nezlez hatte ja garnicht vor, zu rebellieren. Nein, sie würde das Spiel mitspielen, bis sich eine Gelegenheit ergab, alleine mit dem Artefakt zu verschwinden. Also würde sie auch dafür sorgen müssen, dass sie es war, die es in die Hände bekam. Aber darüber musste sie sich später weitere Gedanken machen, denn noch hatte sie zu wenig Informationen über den Ort, an dem sich das Artefakt befand.

coel
03.09.2016, 11:26
https://abload.de/img/ainecyauv.pngSie starrte in die Dunkelheit, doch diese wollte sie nicht einhüllen in den Schlaf, nach dem sie sich so sehr sehnte. Es herrschte eine Stille in ihrem Zimmer, von der sie nicht wusste, ob sie sich wohl oder unsicher fühlen sollte. Dieses Empfinden machte sie nervös und jegliche Versuche einzuschlafen schlugen dadurch fehl. Schließlich entschied sie sich, dass sie stattdessen ein wenig spazieren ging, denn das hatte ihr schon immer geholfen. So hüllte sie sich in eine leichte Leinenrobe und verließ ihre – ihrer Ansicht nach – offene Zelle. Die große, rote Echse begleitete sie wieder. Sie betrachtete seinen geschuppten Kopf, der von Narben gezeichnet war, die einen Menschen möglicherweise getötet hätten. Eine Verwundung hatte ihm ein Auge gekostet. Etwas, was nicht weiter verwunderlich war, denn Aine hatte schon einige dieser Opfer gesehen. Ein Preis für Unachtsamkeit oder der Tribut für das Überleben. Diese Narbe ging ihm jedoch so tief in den Schädel, dass sie bei dessen genauerer Betrachtung kurz erschrak. Glücklicherweise waren die Drah’Zil kein kriegerisches Volk und kämpften gegen eine Seuche, die sie fast ausgerottet hatte. Ansonsten fragte sich Aine, wie das Machtverhältnis auf dieser Welt aussehen würde, wenn dem nicht so wäre.
Gemeinsam schritten sie durch das Zwielicht der langen Gänge. Vorbei an den farbigen Mosaiken, den kleinen Gärten und kunstvollen Brunnen, die ununterbrochen klares, kühles Wasser spendeten. Zu einem von diesen wollte Aine gerade schreiten, als sie von einer Person grob angerempelt wurde. Die Magierin wollte sich schon aufregen, da merkte sie erst, wer da in sie reingelaufen war.
Eine Elfe in voller Rüstung, auf der ein grimmiger Wolf ebenso gefährlich schaute, wie der Träger dieses Schmuckstücks und Auszeichnung. Das schöne und doch von vielen harten Kämpfen gezeichnete Gesicht der Wolfsgardistin spiegelte Ärger wider, doch verblasste dieser augenblicklich, als sie der Magierin gewahr wurde. Sie verbeugte sich, was offenbar eine Entschuldigung darstellen sollte und wollte sich abwenden, aber Aine hielt sie auf.
„Moment“, sagte sie und die Elfe drehte sich zu ihr um.
„Was wünscht Ihr, Magierin?“
Erwartungsvoll wurde sie von der Gardistin betrachtet. Scheinbar herrschte ein gegenseitiges Interesse zwischen ihnen.
„Tal’drahim“, sprach Aine die höfliche, elfische Begrüßung aus, „Wer seid Ihr?“
Aine war der Ausdruck von Verwunderung der Elfe nicht entgangen. Dieser Moment hielt jedoch nicht lange. Die grauen Augen, die Aine an Stahl erinnerte und ebenso hart wie dieses wirkten, verengten sich zu Schlitzen, die die typische elfische Arroganz ausdrückte. Selbst nach all den Rückschlägen schienen die Elfen sich immer noch als eine höhere, überlegene Rasse zu sehen. Obwohl es diese Kriegerin in ihrer Stimme und Wortwahl nicht preisgab, so sprachen ihre Haltung und Mienenspiel Bände.
„Tal’drahim. Mein Name ist Celriel Donthonion. Wie nennt Ihr euch?“
„Aine mac Cairr, Pyromagierin und…“, sie stoppte. Sie war nicht mehr die Beraterin eines Fürsten. Eilig gelangte sie wieder Fassung, „Und erfreut Euch kennenzulernen. Darf ich fragen, was Euch in den Palast führt?“
„Ich könnte Euch dasselbe fragen, Magierin“, antwortete die Elfe und lächelte.
„Ihr seid nicht gekleidet wie eine Sklavin, daher meine Neugier.“
Die Lippen dieser Celriel pressten sich nach dieser Aussage aufeinander und ihre Kieferknochen traten wiederholt hervor.
Nun war es Aine die lächelte.
„Wollt Ihr mich erzürnen oder warum habt Ihr mich angesprochen?“, sagte die Gardistin schroff.
„Nein, keineswegs, entschuldigt mein Verhalten“, sagte Aine, meinte es aber nicht, „Darf ich meine Frage erneut stellen?“
Sie ging ein paar Schritte und bewegte dadurch Celriel ihr zu folgen.
„Was führt Euch in den Palast?“

...

Nalim wusste schon beim Anblick von Rijok, als er in ihr Lager zurückkehrte, dass es etwas nicht verlaufen ist, wie es hätte sein sollen. Sein ganzer Körper wirkte angespannt. Normalerweise sah man Rijok in dieser Verfassung, wenn er einen schweren Verlust gemacht hatte. Nicht immer war ihr Arbeit mit Profit verbunden, aber sie verdienten dennoch mehr als sich viele Drah’Zil wünschten. Es war nicht die Arbeit für die sie geboren worden waren. Es war die Arbeit, die sie machten, weil sie sonst nichts anderes tun konnten.
„Nun?“, fragte Nalim, während sich auch die anderen aus der Gruppe um Rijok versammelt hatten.
„Könnt ihr euch noch an diese Sklaven erinnern, den wir in der Wüste gefunden haben?“
Alle nickten.
„Wir müssen diese wieder transportieren.“
„Oh, wurden sie etwa wieder weiterverkauft?“, hackte Pehtia neugierig ein.
„Nein, sie sind im Palast untergebracht und sollen nun zu Hafgan gebracht werden.“
Nalim hörte Arash mit den Zähnen knirschen. Von ihnen war es, der diesen Käufer am Meisten verabscheute. Allerdings hatte Arash den Fehler begangen, dass er sich unbedingt mit einer Ware anfreunden musste. Als dieser dann ohne jeglichen Grund von Hafgan erschlagen wurde, wäre Arash beinahe auf ihn losgestürmt und hätte ihm den Kopf abgerissen.
„Wieso müssen wir zu diesem verabscheuungswürdigen Menschenwesen?“
„Ein Befehl des Rates.“
Stille.
Der Rat hatte absolute Macht und seine Entscheidung bestimmten das Schicksal der Drah’Zil. Warum würde der Rat sich deswegen an sie wenden?
Rijok konnte offensichtlich ihre Gedanken lesen.
„Der Rat weiß, dass wir die Einzigen sind, die diesen Hafgan beliefern. Der Weg ist tückisch und dieser Mann noch viel mehr. Aber er liebt exotische Ware und zahlt gut dafür.“
„Warum bringen wir diese Sklaven zu ihm?“, fragte Pehtia.
„Wir unterstützen einen Raub, den der Rat vollführen will. Dafür braucht er unsere und die Hilfe der Sklaven.“
Nalim hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Vor allem ging es hier um Hafgan und ihn zu bestehlen. Er wollte sich nicht ausmalen, was dieser Irre mit ihnen anstellen würde, wenn der Raub scheitert.
„Du weißt, wie riskant diese Aufgabe ist?“, tastete sich Nalim vorsichtig vor. Nalim würde der Letzte sein, der den Rat in Frage stellt, aber in dieser Angelegenheit hatte ein flaues Gefühl. Alles in ihm widersetzte sich alleine schon bei der Idee.
„Wir halten es so gut es geht aus dem raus“, antwortete Rijok, „Ich war erst gegen dieses Handel, aber man drohte mir mit Entzug des Rechts als Sklavenhändler zu arbeiten und sogar Exil.“
„Bastarde“, zischte Arash zornentbrannt, „Als ob wir nicht schon genug ertragen müssen!“
Rijok legte ihm die Hand auf die Schulter und schaute jeden von ihnen genau an.
„Ich werde euch nicht im Stich lassen. Wir werden diesen Handel hinter uns bringen und uns so gut es geht raushalten. Der Rat hat bisher nur das nötigste für uns getan, also werden wir dasselbe tun.“
Nalim und die Anderen schienen zufrieden zu sein, aber noch nicht beruhigt.
„Packt die Sachen und füttert die Nauglir und Matsch. Morgen früh ziehen wir los.“

Ironhide
03.09.2016, 15:12
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Die Waffenkammer, in der sie geführt wurden, glich eher einem Paradies für einen Waffenhändler. Es gab von kleinen Dolchen über Bögen, Speeren und Schwerter bis hin zu übergroße Zweihandwaffen - die selbst für Cadan zu groß waren - alles was man sich nur wünschen konnte. Ebenso Rüstungen, die mit Sicherheit nicht alle nur von Echsen getragen wurden. Schnell hatte Cadan im Blick, was seinen Vorstellungen entsprach und steuerte geradewegs darauf zu. Die vier Palastwachen, die sich wohl nicht ohne Grund hier aufhielten, ignorierte er, aber umgekehrt hatten sie den Trolljäger fest im Blick. "Mit diesen kleinen Zahnstochern da, wirst du wohl kaum jemanden verletzten können.", meinte er nur zu Nez, die aber irgendwie in ihre Welt abgetaucht war und dann anfing komisch zu Lachen, was Cadan mit einem Misstrauischen Blick würdigte.
"Das hier, damit tut man jemanden weh!", meinte er kurz darauf und hielt eine mächtige Zweihandaxt hoch. Ihr Schaft war gut halb so lang, wie Cadan groß war und hatte die nötige dicke, um den mächtigen Kopf, der aus einem Doppelblatt bestand, zu halten. Die Axt war sehr gut verarbeitet, beinahe perfekt ausbalanciert und war für seien Größe genau richtig. Der Waffenmeister, eine Echse die die Palastwachen noch zu überragen schien, meinte nur, das diese Waffen auf dem Markt von einem zwergischen Händler beschlagnahmt wurde. Den Grund dessen erzählte er jedoch nicht. Zudem war es Cadan eh egal. Aber das erklärte immerhin, warum die Waffenkammer so gut gefüllt war und das mit allerlei unterschiedlichen Waffen. Die meisten Waffen waren bei weitem besser, als das, was die Menschen so nutzten, besonders die Waffen der Elfen stachen in der Verarbeitung hervor, nicht weniger imposant waren die Waffen der Zwerge, wobei diese weit robuster wirkten, als die der Elfen. Es gab noch etliche andere, wie der Waffenmeister nicht ohne einen gewissen Stolz erklärte, doch hatte Cadan dafür kaum ein Ohr. Er würde das meiste eh wieder vergessen.

Die wuchtige Streitaxt die er in Händen hielt, war auch von Zwergen gemacht, dessen war sich der Waffenmeister absolut sicher. Cadan ging in die Mitte der Waffenkammer, dort wo er etwas platz hatte und Schwang das gute Stück ein paar mal Testweise hin und her. „Liegt gut in der Hand, ich denke die werde ich mitnehmen.“ Aber er brauchte noch mehr, nur mit der Axt ohne eine Reserve würde er nicht auf reisen gehen und dann brauchte er noch eine Rüstung und er war sich sicher, hier würde er mit Sicherheit fündig werden.
„Die anderen scheinen wohl keine Waffen zu benötigen?“, überlegte Cadan kurz, in Hörweite von Nez, bevor er sich direkt an sie wand. „Hast du eigentlich einen Namen, oder soll ich dich einfach mit 'grünes Vieh' anreden?“

coel
05.09.2016, 14:35
Je näher er der Kammer kam umso schwerer und langsamer wurde sein Schritt. Hinter der Tür, die er bald öffnen und durchqueren würde, lauerte eine Gefahr, der er sich die Tage oft gestellt hatte. Sie war gleichzeitig Hoffnung und Ende, doch was er anstrebte, war eine Erlösung. Eine Wiedergeburt, ein neuer Anfang und ein Entkommen aus dem Loch, in welches er gefallen war und sich verzweifelt an dessen Rand festkrallte. Sie alle hatten einen Pakt geschlossen für ein höheres Wohl und ein einflussreicher Teil dieser Entscheidung befand sich hinter dieser Tür.
Seine behandschuhte Hand blieb lange auf dem Türknauf liegen, bevor er diesen endlich runterdrückte und die Kälte ihn bedrohlich umfing. Obwohl er in eine dicke Robe gehüllt war, begann er zu frieren und sein Atem wurde zu flüchtigen Dampfwolken. Flüstern drang an seine spitzen, langen Elfenohren, doch sprachen sie in einer Sprache, die er nicht verstehen konnte und auch nicht wollte. Er fürchtete diese Stimme, die ihn müde machten und ihn einluden, dass er sich der Kälte hingeben lassen sollte. Ebenso fürchtete die riesige Rüstung, in der eine unbekannte Gestalt steckte und irgendwo im Zwielicht stand, wo sie dumpf und bedächtig schnaufte. Am Meisten fürchtete er jedoch seine Herrin, die ihn bereits erwartet hatte.
„Trálir“, sprach sie so klar wie das Eis der Zapfen, die von der Decke hingen, „Du hast erneut versagt.“
Trálir schluckte, doch nichts wollte durch seinen staubtrockenen Hals laufen, damit er seine Stimme nicht verlieren würde. Es half nichts also krächzte er eine Antwort.
„Meine Herrin, das Schicksal scheint es nicht zu wollen.“
Die hochgewachsene Frau hob ihre feingezupften Augenbrauen in einem Ausdruck von Verwunderung über die Worte von Trálir.
„Ich bin eine Weberin des Schicksals, treuer Trálir. Ich habe euch damals gewarnt, doch euer Hochkönig wollte mich nicht anhören.“
Trálir nickte. Er wusste, wovon sie redete. Er war dabei an dem Tag, bevor die silbernen Straßen vom roten Blut seines Volkes bedeckt wurden. Ein Mahnmal für eine Entscheidung die sie nicht getroffen haben.
„Das Ritual braucht diese Frau. Wir brauchen diese Frau. Das Volk der Elfen braucht diese Frau“, sagte sie und trat näher auf ihn zu, wobei sie vom bläuchlichen Schein einer magischen Fackel beleuchtet wurde.
Er sah sie nun in ihrer Pracht, die ihn damals so fasziniert hatte. Diese Frau vereinte Schönheit, Wissen und Macht in einer Weise, die unvergleichbar war.
Warum verbarg sie sich dann vor dem großen Drachen? Wieso holte sie nicht selbst das, was sie brauchte?
„Weil Asha gerissen ist, Trálir“, sagte sie und lächelte, „Sie lebt seit Anbeginn der Zeit und hat Gedeih wie auch Verderb gesehen. Unterschätze die großen Drachen nicht. Eremons Lieblinge tragen eine enorme Macht in sich. Vergiss das nie.“
Trálir senkte seinen Kopf. Wieder einmal zweifelte er an seiner Herrin, dabei glaubte er an sie. Bisher hatte sie immer Recht behalten. Warum verlor er dann seine Zuversicht?
„Weil du Angst hast, Trálir.“
Nun war sie ihm ganz nah. Ihre Haut war so weiß wie Schnee, auch wenn sie leicht blau zu sein schien und ihre schwarzen Haare waren zu einem dicken, schweren Zopf geflochten. Sie trug eine leichte, dünne Robe, die Anzeichen auf ihre weiblichen Reize und den schlanken Körper gab. Sie roch nach winterlicher Bergluft. Frisch und doch reizte es die Lunge.
Sie nahm seinen Kopf in ihre Hände und blickte ihn mit ihren kobaltblauen Augen an. Sie drangen tief in ihn hinein und suchten nach der Angst, die ihn schon so oft befallen hatte. Er gab sie ihr hin. Langsam spürte er, wie er sich entspannte.
„Ich gebe dir etwas mit, was dir die Angst nehmen wird, treuer Trálir.“
Plötzlich umklammerte ihn die Kälte, raste in seinen Körper und Geist. Das, was er nun empfand, war keine Befreiung. Er wollte sich los reißen und wegrennen, aber der Griff seiner Herrin war eisig und fest. Sein Mund öffnete sich, damit er schreien konnte, doch seine Stimme war nur noch weißer Dampf.
Dann umfing ihn das Eis seiner Herrin und würde ihn nie wieder loslassen.

Rosered_Strauss
06.09.2016, 01:59
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAls die Audienz mit Asha beendet war, machte sich Alari nachdenklich auf den Weg zurück zu ihren und Celriels Gemächern. Es hatte sie nicht überrascht, dass sich all ihre künftigen Gefährten bereits zurück gezogen hatten. Sie konnte es ihnen nicht verdenken, es war nicht nur ein äusserst langer Tag gewesen, ihre Situation hatte sich nicht gerade zum Besseren gewandelt. Waren sie zuvor Sklaven gewesen, waren sie nun noch schlimmer dran. Ihre vorigen Herren waren aus Fleisch und Blut, doch jetzt wurde ihr Handeln durch ein Mal geprägt, gegen das es womöglich nur diese eine Heilung gab. Und als wäre das nicht genug, war sie selbst noch mehr als ausreichend durch ihre eigenen Umstände abgelenkt. Mit eiserner Disziplin zwang sie sich dazu, die bedrückenden, ihren Verstand verschleiernden Gedanken beiseite zu legen; doch ihre Stimmung hellte sich dadurch nur unmerklich auf. Immerhin sah sie sich so in der Lage, ihren Verstand auf die Aufgabe zu fokussieren, was nun zu tun war.

Die Antwort darauf lag eigentlich auf der Hand. Sie alle wollten überleben, also benötigten sie das Artefakt. Das Artefakt konnten sie nur stehlen, wenn alles reibungslos lief und sie zusammen arbeiteten. Damit dies jeweils getan werden konnte, mussten sie jedoch mehr voneinander wissen. Zumindest, was ihre Fertigkeiten anging, mussten sie miteinander vertraut werden. Alari hätte auch nichts dagegen, sie näher kennen zu lernen, aber ob dies möglich war, würde sich erst noch zeigen. Jedoch war dies eine Aufgabe, der sie sich morgen zuwenden musste, hatten sich die Meisten doch bereits schon zur Ruhe gelegt. Und, wenn sie ehrlich war, hatte ein wenig Bettruhe auch bitter nötig. Ihre Narben schmerzten, sodass ihre ganze Haut in Flammen zu stehen schien. Man hatte ihr eine lindernde Salbe auf die Male ihrer Folter aufgetragen, doch das änderte nichts an den scharfen Stichen, die sie hin und wieder bei einer unbedachten Bewegung durchzuckten. Noch dazu hatte sich ihre Stimmung zwar aufgehellt, als sie durch die Unterredung mit Asha Hoffnung hatte schöpfen können, doch noch immer war sie eine Fremde in dieser Zeit, eine Fremde, die vollkommen alleine war. Als sie ihr Gemach erreicht hatte, löste sich ein tiefer, melancholischer Seufzer mehrstimmig aus ihrer Kehle, als sie die vergangenen Geschehnisse noch ein letztes Mal Revue passieren liess, ehe sie sich zur Ruhe begab.

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Die Sonnenstrahlen des nächsten Morgens schienen durch die großen Fensterfronten des Palastes hindurch. Auf dem großen Tisch, an dem selbst eine Gruppe ihrer Größe mühelos Platz nehmen konnte, befanden sich feine, erlesene Speisen. Das prächtigste Frühstück, was sie alle seit langer, langer Zeit (oder gar ihres ganzen Lebens) zu sich genommen hatten, war von den anwesenden Sklaven aufgetragen worden. Die marmorne Oberfläche des Tisches war durch sandfarbene Deckchen geschützt, um versehentlich fallengelassene Speisen daran zu hindern, die Pracht des Möbelstückes zu mindern. Um ihn herum befanden sich Individuen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Die kriegerische Celriel, eine Elfe der neuen Zeit, befand sich in ihrer Nähe, scheinbar darauf erpicht, sie vor Unheil zu bewahren. Unheil mochten dabei für sie vor Allem der große, überaus muskulöse Menschling Cadan und die kleine, hämische Goblinfrau Nezlez bedeuten, die sich gerade noch leise unterhielten. Aine, die Magierin, der sie den Zwei- Jahres- Sprung wie auch ihr Überleben zu verdanken hatten, maß die Anwesenden nachdenklich mit Blicken.

„Ich danke Euch, dass Ihr Alle Euch beim ersten Licht des Tages hier eingefunden habet. Ich muss wohl niemandem nahe bringen, weswegen wir hier zusammen gekommen sind. Unsere Leben sind in Gefahr, und unsere einzige Hoffnung liegt in diesem Artefakt, um welches wir unsere Hände legen wollen. Doch schwer wird die Aufgabe sein, sehr schwer. Daher müssen wir einander ergänzen, unsere Schwächen durch die Stärken der Anderen kompensieren. Wir müssen zusammen arbeiten, und dies so harmonisch wie nur irgend möglich. Doch noch können wir dies nicht. Wir wissen nichts voneinander, kennen uns nicht. Und sobald wir dort sind, wird unsere jede Bewegung von garst'gen Augen beobachtet werden, private Konversation wird dort kaum möglich sein.“

Sie hatte sich von ihrem Sitz erhoben und vollführte einen altertümlichen, höflichen Knicks, der ihnen Respekt zollte, jedoch ihre eigene Stellung hervorhob. „Und da ich zu sprechen begonnen habe, werde ich mich auch als Erste vorstellen. Ich würde Euch bitten – Euch Alle! - es mir gleich zu tun, auf das wir uns zu ergänzen vermögen. Alari Iníon Wellensang ruft man mich, geboren im Hause der Windjäger von Einst. Ich bin eine Hohepriesterin des Eremons, eine Zaubersängerin und Diplomatin. Ich kann auf über hundert und fünfzig Eurer Jahre an Reiseerfahrung zurück blicken, in denen ich mich mit Kundigen und Priestern anderer Völker traf, die tiefen Wälder des Nordens durchwanderte und damit begann, meinen Bogen kennen zu lernen. Im Krieg diente ich mitunter als eine Worführerin, als Feldscherin und als Schützin, wenn ich nicht im Auftrag meines Meisters für unseren Sieg sang.“ Als ihre melodische Doppelstimme die Musik ihrer Worte verklingen liess, richteten sich die leuchtenden, smargdfarbenen Augen auf die restlichen Anwesenden, während ein freundliches Lächeln auf ihren Zügen lag. Niemand dachte, dass sie mit ihrer Ausführung ihre Vorzüge in den Vordergrund stellen wollte, denn dafür war sie zu freundlich gewesen. Es schien, als würde ihr ganzes Wesen Sympathie hervorrufen, solcherart warm waren Blick und Mimik.

Fruwluamressaw
06.09.2016, 20:12
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Zusammen mit dem Rest der bunten Truppe saß Nezlez an einem großen edlen Marmortisch der mit Allerhand Speisen gedeckt war. Nezlez schnappte sich mit ihren Fingern eine Fleischkeule und schmatzte vor sich hin, ohne auch nur irgendeinen Wert auf Etikette zu legen. Cadan, der neben ihr saß, tat es ihr gleich. Das Besteck ignorierten die beiden völlig und ernteten dadurch einen angewiderten Blick aus Aines Richtung. Cadan und Nezlez hatten sich am Tag zuvor in der Waffenkammer bereits einander vorgestellt und so wusste sie nun, dass er ein Trolljäger gewesen war. Trolle hatte sie bereits gesehen, bevor sie versklavt wurde. Nicht nur der Troll des Sklavenhändlers war imposant, alle Trolle hatten riesenhafte Größe und Stärke inne. Insofern konnte sie kaum anders, als einen gewissen Respekt vor Cadans Arbeit zu haben. Und umso glücklicher war sie gewesen, die Arena überlebt zu haben. Das allerdings stand sie sich natürlich nicht ein – nein. Ihre Gerissenheit, Schnelligkeit und Intelligenz waren es gewesen, die sie aus dieser Situation retteten – nichts Anderes und schon gar kein ‚Glück‘.
Das Fleisch schmeckte gut und war fein gewürzt, aber sie hatte keine Ahnung von welcher Kreatur es überhaupt stammte. Daher sprach sie mit Cadan darüber – er sah schließlich so aus als hätte er außer einen Drachen schon jede Art von Kreatur verspeist. Cadan klärte sie auf und erklärte überdies noch die geschmacklichen Unterschiede zu anderem Fleisch, als sich die Elfe erhob. Sie war mittlerweile nicht mehr die einzige Elfin, eine andere Elfin war ebenfalls zur Gruppe gestoßen, auch wenn diese seltsamerweise einen gänzlich anderen Eindruck machte, als gehörten sie nicht derselben Rasse an.

Die Elfe, die sich nun als Alari vorstellte und an die sich Nezlez noch gut erinnerte, sprach in ihrer üblichen altbackenen Art, die für Nezlez viel zu dichterisch und schwammig war. Dennoch wollte es Nez einfach nicht gelingen, die für sie übliche Abneigung gegen Elfen zu zeigen. Irgendetwas magisches lag gerade in der Stimme der Elfe, die dies unmöglich machte. Beinahe empfand sie es als angenehm, der Elfe zuzuhören und schüttelte irritiert den Kopf. Alari war sehr alt, viel älter als Nezlez. Das war eigentlich nicht so verwunderlich und passte zur bisherigen Erscheinung der Elfe. Erwartungsvoll schaute Alari in die Runde und erwartete wohl, dass sich die anderen nun auch vorstellten. Beherrsch dich Nez! Du wirst dich doch wohl nicht von irgendeiner garstigen Elfenhexe manipulieren lassen?! Aber als sie es zuende gedacht hatte, war sie bereits aufgestanden. Nagut, dann war sie nun eben an der Reihe.

Die arme verschränkend und wichtigtuerisch stand sie da und begann sich vorzustellen: „Ich bin Nezlez Tintentick, eine Goblin ursprünglich vom Stamm der Plankenplünderer. Den müsst ihr nicht kennen, außer mir ist er eigentlich nicht der Rede wert. Ich bin, zusammen mit meinem eigenen Trupp, eine berüchtigte und erfolgreiche Diebin und Plünderin. Naja. Zumindest WAR ich das, bis GEWISSE UMSTÄNDE“ sie bemühte sich sehr, Aine keinen bösen Blick zuzuwerfen“ dazu führten, dass ich von meinem Trupp getrennt wurde. Und versklavt wurde…den Teil kennt ihr ja wohl selbst. Mal abgesehen davon, dass ich die Beste Diebin bin die sich derzeit in Asha befindet, hab ich mit meinen Dolchen auch schon mehr als eine Person umgebracht – also seid besser nicht so dumm mich nur wegen meiner Größe zu unterschätzen. Aber wie auch immer, ich denke wir sind uns einig, dass meine Fähigkeiten bei unserem Auftrag eine wesentliche Rolle spielen werden.“ Sie grinste. „Ich werde ‘uns‘ dieses Artefakt schon holen, macht euch da mal keine Sorge. Kümmert ihr euch ruhig um den Rest…Leute niederschlagen, herumhexen…mir egal, Hauptsache wir kriegen es hin uns nicht weiter gegenseitig zu behindern. Also auf gute Zusammenarbeit…oder so ähnlich…“ Nezlez fletzte sich wieder auf ihren Sitz zurück. Sie hatte sich sehr bemüht, diplomatisch zu bleiben. Dafür musste sie sich erstmal mit einer weiteren Fleischkeule belohnen.

Ironhide
07.09.2016, 12:45
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
150 Jahre, Cadan würde schwören sie wäre nicht älter als Mitte zwanzig, wenn man all die Verletzungen mal beiseite lassen würde, die sie kürzlich beigebracht bekommen hatte. Was ihre Stimme anging, so erging es ihm nicht anders als Nez, die sich zu seiner eigenen Überraschung als erstes erhoben hatte. Er selbst knabberte weiter an seiner Fleischkeule, die er bereits fast bis auf die Knochen abgenagt hatte. Bier gabs auch hier wieder nicht, aber Wein, Immerhin etwas.
„Nun tu mal nicht so, als wärst du jemals wichtig gewesen.“, meldete sich Cadan dann zu Wort, nachdem sich Nezlez gesetzt hatte und erst mal niemand weiter etwas sagte.“Und schieb nicht so viel in dich rein, sonst Platz du, weil du so gierig warst.“ Da Cadan nun aber schon am reden war, ging sein Blick zu dem der Elfe, die noch stand und mit einem Ausdruck in die Runde blickte, den Cadan nicht so wirklich deuten konnte.
„Dann werd ich mal weiter machen. Ich bin Cadan. Cadan der Trollschlächter so ruft man mich, wenn man das als Namen sehen möchte.“ Es war nur ein kleiner Seitenhieb in Richtung der Elfe, den er aber nicht mal böse meinte. Er selbst stammte aus einfachen Verhältnissen, da brauchte man keine Nachnamen. „Was ich gut kann, nun, das dürfte wohl nicht all zu schwer zu erraten sein, denk ich mir. Zuletzt stand ich im Dienstes eines Fürsten – eines Verräters, wie sich herausstellte.“ Cadans Mine verfinsterte sich bei dem Gedanken daran, wem er all das hier zu verdanken hatte. Seine Rachegedanken konnte man ihm fast vom Gesicht ablesen. „Wie das endete, wissen wir ja alle.“ Weiter ging er jedoch nicht darauf ein.
„Wie dem auch sei, holen wir uns das Ding und sehen zu das wir diese komischen Zeichen wieder los werden. N andere Möglichkeit haben wir ja wohl kaum.“ Anders als Nezlez und die Elfe, hatte sich Cadan nicht erhoben. Er sah keinen Grund darin, extra aufzustehen. Er war sich sicher das er auch so gut zu sehen war und so viele Personen waren zur Zeit eh nicht im Raum.
„Der nächste darf dann mal.“

coel
10.09.2016, 15:31
https://abload.de/img/ainecyauv.pngWie eine Katze, die die Bewegung einer Maus verfolgt, so beobachtete Aine das jetzige Treiben am morgendlichen Tisch. Die Aufforderung der Elfe, dass sich die unfreiwilligen Wegbegleiter einander vorstellten, wurde zu Aines Verwunderung von allen angenommen. Die Goblin und der Trolljäger hatten sich nach Alari dazu aufbringen können, etwas über sich zu erzählen. Leider waren es genau die zwei Personen, an denen Aine am Wenigsten interessiert war. Sie waren die Art von Individuen, die man benutzte. Ein Werkzeug und nicht die Hand, die es führte. Jeder fühlte sich, als würde er etwas bewirken können und seine Taten den Lauf der Geschichte ändern. Eine pure Illusion der einfachen Denker. Man musste Stufen aus diesen machen, damit es einen Wechsel geben konnte. Aine sah diese Runde um sich als ihre Treppe. Falls es ihr gelang, würde sie nach dem Diebstahl des Artefaktes die Gruppe unter sich vereinen und einen Ausbruch aus Ashan planen. Sie musste zurück in ihre Heimat Sanguin und dies konnte sie nur mit Hilfe erreichen.
Nachdem der Trolljäger mit seiner dürftigen Erzählung über sich geendet hatte, begann Aine ihre Ansicht der Geschehnisse den Anderen zu erläutern.
„Wir alle sind einer unbekannten Gefahr ausgesetzt, die wir nur durch dieses Artefakt bannen können. Ich habe die Bibliothek in der gestrigen Nacht nach Erzählungen über die Tränen von Merva durchsucht.“
Sie machte eine Pause, um einen Schluck aus ihrem Kristallglas zu nehmen.
„Es war früher im Besitz der Naga und soll jede Verletzung wie auch Krankheit heilen können. Es ist ein silberner Kelch, der unerschöpflich ist. Wenn man den Legenden Glauben schenkt, so soll Merva bittere Tränen bei dem ersten Krieg geweint haben, als sie die vielen Verluste auf beiden Seiten gesehen hatte. Die für ihre Schläue bekannte Glenn fing ihre Tränen auf und erschuf einen magischen Kelch, der diese Tränen nie versiegen lassen sollte. Dann schenkte sie diesen Gegenstand den Menschen, um ihre Verwundeten der Schlachten zu heilen. Norosh erfuhr von diesem Artefakt und sandte seine besten Krieger aus, damit sie es zerstören. Ob es ihm gelungen ist, steht nicht geschrieben. Doch scheinbar versagte er, denn der Kelch scheint immer noch zu existieren.“
Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und fixierte die Runde, welche ihr aufmerksam zuhörte.
„Wenn er tatsächlich solche Wunder vollbringt, dann ist er unsere einzige Rettung. Dieses Mal von Thanos soll Deimonen anziehen. Keiner von euch will deren Aufmerksamkeit. Das ist kein Troll, den man mit Feuer zum Rückzug bewegt oder ein Ork, dessen Schädel man mit einer Axt spaltet. Deimonen können nicht sterben. Man kann sie nur bannen. Ein schwieriges und riskantes Unterfangen. Hofft, dass wir nicht mit einem Deimonen konfrontiert werden.“
So endete Aine ihre Vortrag und trank wieder aus ihrem Glas. Sie hatte gelogen, doch das brauchte keiner zu wissen. Sie hatte keine Ahnung, was dieses Mal bewirken würde. Sie wollte Angst und Sorge unter ihnen schüren, denn nur dadurch erhielt der Auftrag eine noch größere Dringlichkeit. Sie ließ ihre Worte ein wenig wirken und bemerkte dabei amüsiert, dass ihre Information Früchte trug, denn alle waren in Gedanken versunken.
„Nun will ich mich aber vorstellen“, fing sie nach einer kurzen Zeit an zu sprechen, „Mein Name ist Aine mac Cairr. Ausgebildete Pyromagierin unter der Lehrmeisterin Chandra Nalaar und ehemalige Hofberaterin des Fürsten Goll mac Thuin. Ich führte seine Truppen bei der Schlacht auf den Hügeln des Zwergengebietes an, von welchem wir dann fliehen mussten und dank MIR auch überlebt haben.“
Dabei warf sie einen Blick auf Nezlez, die sie wieder einmal böswillig anfunkelte. Vielleicht ergab sich eine Möglichkeit dieses grüne Biest bei der Mission in Asche zu verwandeln.
Ein seltsames Lachen aus einer Ecke des Raumes brachte alle dazu, dass sie sich dem Geräusch zuwendeten. Eine dunkel gekleidete Echse mit schwarzen Schuppen stand kichernd mit verschränkten Armen dort. Seine weißen, spitzen Zähne blitzten im morgendlichen Sonnenlicht, als er sein Maul zum Sprechen öffnete.
„Und euch geradewegs in Sklaverei beförderte.“
Abschätzig warf Aine ihm einen Blick zu, den die Echse jedoch mit ihren gelben Augen konterte.
„Kch, kch, kch“, kicherte er wiederholt, was sich mehr anhörte wie ein kränkliches Husten, „Ich entschuldige meine Aussage, hochwürdige Magierin.“
Er verbeugte sich leicht, um seine Entschuldigung zu verdeutlichen, aber Aine spürte weder in seinen Worten oder seiner Geste eine Ernsthaftigkeit, die sie überzeugen würde.
„Ihr seid?“, fragte Alari interessiert.
„Da sich die Gesellschaft gerade eben so äußerst höflich vorgestellt hat, nahm ich an, dass auch für mich nun der beste Augenblick wäre, mich zu präsentieren. Ich bin Itza, der euch mit einer Gruppe von Suchern begleiten wird. Wir halten uns im Hintergrund und achten auf jeden eurer Bewegungen. Der Rat will sicher gehen, dass dieses Unterfangen erfolgreich endet“, wieder ein Kichern, „Wir werden uns vor den Stadttoren sehen.“
Ohne auf die möglichen aufkommenden Fragen zu warten, verließ diese Gestalt wieder den Raum und ließ die Gruppe zurück.

Aeon525
11.09.2016, 00:53
Rijok hatte schlecht geschlafen. Ihm gefiel die ganze Sache überhaupt nicht. Der Auftrag des Rates machte keinen Sinn. Ashan besaß schier endlosen Reichtum, genug um Hafgans halbes Fürstentum aufzukaufen wenn nötig. Warum sollten Sie sich frischer Sklaven bedienen, die vermutlich bei der ersten, sich bietenden, Gelegenheit die Flucht ergreifen würden. Sie doch die Palastgardisten und Sucher hatten, die es leicht mit einem Dutzend menschlicher Soldaten aufnehmen konnten? Nein, die ganze Situation war ihm suspekt. Er traute weder der Magierin noch den Suchern und den ehemaligen Sklaven. Es war offensichtlich, dass man ihm etwas verschwiegen hatte. Eine dumpfe Wut stieg in Rijok auf. Er würde sich nicht wie ein Werkzeug benutzen und wegwerfen lassen, ganz bestimmt nicht.

Plötzlich und völlig unerwartet kam ihm eine Idee, schlich sich in seine Gedanken wie ein langsam wirkendes Gift. Was wenn er Hafgan den Plan des Rates verriet? Sicher, er war eine widerlicher Schuppenloser, von einer Grausamkeit, die wohl selbst manchen Ork schockiert hätte. Doch er war ein ebenso verlässlicher Handelspartner, wie er grausamer Tyrann war. Wenn ihm Rijok einen Brief senden würde, der denn Plan des Rates verriet würde man es ihm am Hof hoch anrechnen. Gleichzeitig konnte er dem Rat eins auswischen, ohne seine Mission zu verraten. Denn schließlich sollte er lediglich die Sklaven verkaufen.

Er war sich allerdings unsicher, was der Rest seiner Gruppe von der Idee halten würde. Arash würde ihn wohl unterstützen, schließlich hasste er den Rat mehr als jeder von ihnen. Nalim und Pehtia hingegen fühlten sich dem Rat noch immer sehr verbunden. Er hielt es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass sie etwas mittrugen, das sie wohl für einen indirekten Verrat an ihrer Heimat empfinden würden.

Schließlich verschob er die Entscheidung und betrat die großflächige Palastanlage. Itza kam ihm kurz vor dem Treffpunkt entgegen. "Sei mir gegrüßt, Rijok. Auf eine gute Zusammenarbeit." dabei kicherte er süffisant. Rijok schnaubte und erwiderte dann mit triefender Höflichkeit. "Auf eine gute Zusammenarbeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass sich deine Sucher beim Bewachen von Sklaven besser schlagen werden als bei der Suche nach einem Heilmittel." Itzas Augen funkelten einen Moment lang böse auf. "Pass auf was du sagst, bleicher Jäger. Du magst die Epidemie überlebt haben, eine Auseinandersetzung mit den Suchern überlebst du nicht." Damit kicherte er erneut, diesmal weit weniger süffisant, und verschwand in einen Seitengang. Die Aussicht nun auch Itza als Reisebegleitschaft zu haben drückte seine Stimmung erheblich. Genervt trat er an die Tür, klopfte kurz und trat ein.

Er erkannte die Gesichter wieder. Seine ehemaligen Sklaven saßen allesamt am Tisch und aßen ein Festmal, das sich mit seinem Gestrigen messen konnte. Alle waren sie gewaschen und neu gekleidet. Sogar der Goblin sah auf eine seltsame Art und Weise gepflegt aus, zumindest für Goblinverhältnisse. Auch ein fremdes Gesicht saß am Tisch. Eine Elfe die Rijok fremd war. Seine Ankunft löste nicht gerade helle Begeisterung aus, doch er ignorierte die Blicke geflissentlich. "So sieht man sich also wieder.", adressierte er die Anwesenden und seine Stimme klang dabei deutlich missmutiger als vorgenommen.

Ironhide
11.09.2016, 15:41
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Bei dem Namen horchte Cadan auf. Nun hatte die Magierin erst recht seine Aufmerksamkeit und gleichermaßen weniger Ansehen bei ihm. Schlagartig verfinsterte sich seine Mine, hatte er es doch durch das ganze hin und her die letzten Tage in den Hintergrund geschoben, wer für seien Situation eigentlich verantwortlich war. Dieser Dreckskerl von einem Fürsten würde dafür noch bluten müssen, soviel stand fest. Und sie könnte sich dafür vielleicht als nützlich erweisen. Zum einen wäre es einfacher, mit einem Mitglied der Familie bis zum Fürsten vorzudringen, zum anderen könnte er sie immer noch als Geisel nehmen, um seinen Willen zu bekommen. Doch musste das warten, es gab andere Dinge die zuerst erledigt werden müssten.
„Ich würde vorsichtig sein, ob du dir diese Lorbeeren wirklich zusprechen solltest, uns gerettet zu haben. Soweit ich weiß, hast DU uns erst in diese Situation gebracht, also nimm deine Nase runter, sonst tu ich das. Der Tot wäre immerhin Ehrenvoll gewesen.“ Und Sinnlos, doch das brauchte er nicht anfügen.
„Und was diese Träne oder der Kelch auch immer kann, nun ja, sei's drum. Wir werden ihn wohl eh nicht lange haben, wenn ich den Auftritt des komisch kichernden Kauzes richtig deute.“ Für Cadan war das Thema damit auch mehr oder weniger beendet, denn für ihn war die Situation simpel. Sie würden sterben, wenn sie nicht taten, würden sterben wenn sie versuchen würden zu fliehen und würden sterben wenn sie den Plan an diesen Fürsten verraten würden.

Als dann aber Rijok den Saal betrat, wollte Cadan ihm am liebsten seine neue Axt durch den Schädel ziehen, blieb aber sitzen, vorerst. „Guck an, die hässliche Eidechse soll also unser Fuhrmann sein? Oder bist du nur hier, um die Teller ab zu räumen?“ Das roch regelrecht nach Streit und da Cadan nicht darauf achtete, entging ihm auch, wie sich der Griff einiger Wachen etwas fester um ihre Speere legte. Auch mit dem hatte er noch eine Rechnung offen, wobei ersie hier und jetzt gerne begleichen würde. Er war aber schlau genug, sich innerhalb der Stadtmauern – und erst recht im Palast – zu nichts hinreißen zu lassen.

Aeon525
16.09.2016, 11:22
Rijok bedachte die kindische Äußerung nur mit einem herablassenden Lächeln. „Ihr mögt den Körper eines starken Mannes haben, Schuppenloser. Euer Geist jedoch ist der eines Kindes. Vermutlich könnte euch mein Troll im Schachspiel schlagen.“ Er grinste süffisant und deutete auf den Gnom der noch immer Essen in sich hineinstopfte als gäbe es kein Morgen. „Selbst euer gnomischer Kumpan beweist mehr Würde und Reife als ihr, Welpe. Benehmt euch also bitte euren Jahren entsprechend oder ich werde die Sucher bitten müssen euch anzuleinen und in Windeln zu wickeln.“

Damit war das Thema für ihn abgehakt und er ließ sich auf einen noch leeren Stuhl fallen, dessen Tischplatz jedoch nicht gedeckt war. „Wir brechen gegen Mittag auf. Das ist zwar etwas kurzfristig aber ich weiß aus sicherer Quelle, dass ihr ohnehin nicht viel zu packen habt. Und was euch angeht…“ Er wandte sich Chandra zu, deren stechender Blick ihn wesentlich stärker beunruhigte als der des Schuppenlosen. Gleichzeitig war er sich sehr wohl der Position bewusst, die er innehatte. Ohne ihn gab es keinen Handel mit Hafgar und ohne Handel mit Hafgar kam der Rat nicht an sein Objekt der Begierde. Selbst die Magierin war im Moment verzichtbarerer als er. „Dass wir uns so unverhofft wiedersehen muss ein Wink des Schicksals sein. Um diesen denkwürdigen Tag zu feiern bin ich bereit euch bis Sonnenuntergang 20% Nachlass auf das magische Buch eurer Schülerin zu gewähren.“

Fruwluamressaw
17.09.2016, 15:39
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez war nicht sonderlich überrascht, als Rijok den Raum betrat. Klar – welcher andere Sklavenhändler als eben derjenige, der sie erst nach Asha gebracht hatte, sollte diese Aufgabe auch übernehmen. Nun war die „alte Truppe“ also endgültig wieder komplett.
Mit vollem Mund gab sie gerade so verständlich zurück: „Also, dass ich würdevoll und reif bin hab‘ ich mir schon immer gedacht.“ Sie schluckte den Bissen herunter. „Aber ein GNOM bin ich ganz bestimmt nicht! Wie kann man mich nur mit diesen bärtigen Verrückten vergleichen…!“ unverständnisvoll schüttelte sie den Kopf.

Als die Echse das Zauberbuch der Hexe zurückverkaufen wollte, horchte Nezlez auf. Das war doch die ideale Gelegenheit, der Hexe eins auszuwischen. Nezlez Hand griff an den Geldbeutel an ihrer Seite. Einen guten Anteil hatte sie bereits beim Zwerg in der Stadt ausgegeben, aber er beinhaltete immer noch eine Menge Münzen. Sie hatte zwar keine Vorstellung davon, wie viel so ein Buch wert war, aber der Versuch war es definitiv wert. An Rijok gewannt sprach sie: „Ich mische mich hier mal ein…20% weniger…wie viel kostet denn das dann noch? Ich würde das Buch auch gerne kaufen!“ sie grinste verschlagen und zwinkerte Aine zu.

Waltikon
18.09.2016, 16:11
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.pngCelriel erhob sich, wobei sie ihren Sessel laut zurückschob, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Stramm stehend, mit den Armen am Rücken, begann sie zu sprechen: „Auch ich sollte mich vorstellen. Mein Name ist Celriel Donthonion, ich diene meinem Volk als Leutnant der Wolfsgarde.“ Sie machte eine kurze Pause. „Ihr fragt euch sicher, was ich mit dieser Sache zu tun habe. Nun, ich habe geschworen, meine Schwester hier“ -sie zeigte auf Alari- „sicher zu ihrem Volk zurückzubringen. Und da ihr Wohlergehen von diesem Unternehmen abhängt, werde ich euch begleiten und, so gut es mir möglich ist, dabei unterstützen.“ Sie ließ ihren Blick von einem zum anderen Schweifen. „Da es hier um das wohl jeden einzelnen geht, wäre es von Vorteil, wenn jeder seine persönlichen Befindlichkeiten hintanstellen würde.“
Nun richtete sich ihr Blick auf Nezlez. „Nur gemeinsam werden wir diese Aufgabe erfolgreich beenden können. Das Grimoire der Menschenfrau wird dir nichts nützen, sie jedoch kann ohne dieses Buch keine Zauber wirken. Du solltest es ihr überlassen.“
Sie setzte sich wieder und widmete sich weiterhin ihrem Frühstück. Unter anderen Umständen hätte sie der Goblin womöglich noch ein paar Münzen zugesteckt, um diesem elenden Menschenweib eins auszuwischen, aber so …
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„Was führt Euch in den Palast?“ Die Menschenfrau war weitergegangen, wodurch Celriel gezwungen war, ihr zu folgen.
Sie hätte sich einfach abwenden und gehen können, aber sie wollte ihr diese Genugtuung einfach nicht gönnen. Nach kurzer Überlegung entschied sich Celriel dazu, bei der Wahrheit zu bleiben, verkürzt natürlich. „Ich verfolgte eine Gruppe Shantiri, befreite eine Elfe aus ihrer Gewalt und wurde zusammen mit ihr hierher gebracht. Und was führt Euch hierher?“
Aine erzählte ihrerseits in kurzen Sätzen von den Erlebnissen seit jener Schlacht.
„Ach, dann war Alari also Teil Eurer Gruppe?“ Als Aine bejahte, fragte Celriel zögerlich nach: „War sie da auch schon so … verwirrt?“
Aine blieb stehen und sah sie verständnislos an. „Ihr zweifelt an ihrem Verstand?“
Aines Gegenfrage enthielt einen derart vorwurfsvollen Unterton, auf den Celriel nur herausfordernd reagieren konnte: „Ihr seid doch die Magierin, also sagt Ihr es mir: Ist es möglich? Kann sie tatsächlich aus so alter Zeit stammen?“
Aine setzte sich wieder langsam in Bewegung, wodurch Celriel wieder gezwungen war, ihr zu folgen. Konnte dieses verdammte Menschenweib nicht einfach mal stehenbleiben? „Nun,“ begann Aine in belehrendem Ton,„wir wissen, dass es bei Teleportationszaubern zu Zeitsprüngen kommen kann. Zwar ist bisher noch kein so gewaltiger Zeitsprung überliefert, aber alles spricht dafür, dass sie die Wahrheit sagt. Und ja, sie war schon so, ehe sie am Sklavenmarkt von den Shantiri gekauft wurde.“
Schweigend ging Celriel neben ihr her. Eine Elfe aus alter Zeit... Wer weiß, womöglich könnte sie dem Volk der Elfen zu altem Glanz verhelfen. Wenn...

Aine unterbrach Celriels Gedankengang. „Sagt, wie ist es um euer Volk bestellt? Seit dem Fall Arlondos hört man nur noch wenig von euch. Es heißt, ihr seid beinahe ausgerottet worden.“
Celriels Blick verhärtete sich. Warum fragte die Menschenfrau das? Mit Neugier in den Augen wartete Aine auf Antwort. War es wirklich nur Neugier, oder steckte mehr dahinter? „Die Behauptung der Shantiri über unsere Auslöschung sind maßlos übertrieben, es leben noch genug von uns.“ Von wegen, diese Mistviecher haben uns ordentlich den Arsch aufgerissen!
„Wo lebt ihr denn nun? Habt ihr euer altes Reich aufgegeben?“
Daher weht also der Wind! Dieses Menschenweib glaubt doch nicht wirklich, dass ich ihr sage, wo wir Schutz gefunden haben! Celriel blieb so abrupt stehen, dass Aine beinahe erschrak. Celriel s Augen funkelten die Magieren kampfeslustig an. „Nicht einen Fußbreit unseres Reiches werden wir den Shantiri überlassen! Wir werden sie bis auf den letzten jagen und töten, egal wo sie sich verkriechen! Sie werden für ihren Verrat tausendfach bezahlen!“
Sie machte einen Schritt auf Aine zu und sah ihr voller Zorn in die Augen.„Hört gut zu, Menschenweib! Das Reich der Elfen wird wieder auferstehen, prächtiger und glorreicher als je zuvor! Und sobald wir mit den Shantiri fertig sind, werden unsere `Freunde` ihren gerechten Lohn erhalten! Überlegt also gut, wem Ihr zur Seite stehen wollt!“ Ohne eine Erwiderung abzuwarten oder sich zu verabschieden machte Celriel am Absatz kehrt und ging den Weg zurück zu ihrer Unterkunft.

Ironhide
19.09.2016, 13:15
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Mit einer solchen Reaktion hatte der Trolljäger gerechnet, aber so stehen lassen wollte er sie dann doch nicht. Die kurze Zeit im Palast und in der Stadt hatte er immerhin mitbekommen, woran man einen Aussetzigen erkannte und das sie nur geduldet wurden, mehr jedoch kaum. Zudem zeugte die Anwesenheit der Echse davon, das auch er keine große Wahl gehabt haben muss. Wahrscheinlich würde es ihm ähnlich ergehen wie ihnen, sollte er sich dem Rat widersetzten.
„Wie war das noch? Seid ihr nicht sowas wie Pestkranker, mit euren komischen weißen Schuppen? Ich bezweifle das die Sucher euch auch nur ansehen werden, wenn ihr versucht mit ihnen zu reden. Euch ergeht es wohl kaum anders als uns, entweder ihr macht das, was man von euch verlangt, oder ihr seid ähnlich tot wie wir – vielleicht auch schlimmeres. Also haltet euer Maul, wenn ihr nur Drohungen aussprecht, die ihr eh nie haltet werdet.“
Bevor Cadan aber weiter reden konnte, ging es am Tisch weiter. Nez wollte Rijok das Buch abkaufen, dies Elfe schien etwas dagegen zu haben. Dabei wunderte sich Cadan etwas, das sie sich da auch noch einmischte. Aber ihr Argument war gar nicht mal so verkehrt. „Du kannst doch eh nicht lesen, oder glaubst du, das es ein Bilderbuch ist?“, meinte Cadan nur an Nezlez gerichtet.

Die Wolfsgarde kannte der Trolljäger auch nicht, aber er kannte viele Garden andere Rassen nicht. Zumal es unzählige gab und es ihm schlicht egal war, wer wo diente oder gedient hatte. Im Reich der Menschen kannte er sich besser aus, dort war ihm viel ein Begriff. Auch was Orks anging, Goblins und Trolle, war er nicht unwissend. Doch was seinen Aufenthalt hier anging, so wurde es ihm immer bewusster, das es noch viel gab, was er nicht kannte.

Fruwluamressaw
19.09.2016, 18:57
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png „Pah! Das ich nicht lache! Woher willst du denn wissen, ob ich lesen kann oder nicht?“ Er hatte recht, sie konnte es nicht. Würde es aber an dieser Stelle nicht zugeben. Sie verschränkte trotzig die Arme. „Und selbst wenn es so wäre, also, nur mal angenommen….- ich sammle eben gerne interessante Dinge, na und? Alles eine Frage des guten Geschmacks, aber was weist du schon davon“ log sie.

Die Elfe hatte natürlich recht. Nezlez konnte selbst mit dem Buch nicht viel anfangen. Die Menschenhexe hingegen schien wohl tatsächlich von dem Buch abhängig zu sein. Aber genau das war ja der Grund, dass Nezlez es ihr wegschnappen wollte. „Dass sie nur mit diesem Buch gescheit hexen kann, beweist nur, dass sie viel eingebildeter ist als sie es sein dürfte!“ Nezlez dachte darüber nach, wie sie mit der Situation nun umgehen würde. Auf der einen Seite stand das Verlangen, Aine eins auszuwischen, auf der anderen Seite konnte es natürlich auch dafür sorgen, dass ihr Wohlbefinden innerhalb der Gruppe unnötig verkompliziert wurde. „Noch gehört es ohnehin unserem Sklaventreiber...echsen...kumpel.....typ." Er könnte sich ruhig auch mal anständig vorstellen. Aber Hauptsache von mir verlangt man Höflichkeit, pff "Ich will erst einmal wissen, was er dafür verlangt!“ Es sah Nezlez nicht ähnlich, sofort klein bei zu geben und so blieb sie vorerst hartnäckig. "Also?".

Aeon525
21.09.2016, 13:57
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngDas Rauschen in Rijoks Ohren übertönte das Angebot des Goblins. Wie konnte diese Weichhaut es wagen? Langsam schritt er auf den blonden Mann zu und baute sich vor ihm auf, bebend vor Zorn. Doch der Mensch grinste nur spöttisch. Das Gefühl der Überlegenheit war ihm deutlich anzusehen. Die dümmliche Arroganz seines Blicks war eine Einladung, der Rijok nicht zu widerstehen vermochte. Mit einem ausholenden, regelrecht gurgelnden, Atemzug sammelte der Drah‘Zil sämtliche Flüssigkeit seines Rachenraums und spuckte sie dem Schuppenlosen mitten ins Gesicht.

Noch während der Hüne versuchte sich die zähe Flüssigkeit aus dem Gesicht zu wischen, lies Rijok seine Faust folgen. Krachend traf die geschuppte Hand das völlig ungeschützte Gesicht des Mannes und lies das Nasenbein gefährlich laut knacken. Die Wucht des Schlags warf Mann samt Stuhl rückwärts zu Boden und ohne auch nur eine Sekunde Zeit zu verlieren, vergrub Rijok seinen Fuß tief in dessen Magengrube. Der malträtierte Körper quittierte die Behandlung mit einem gequälten Ächzen, dem anzuhören war, dass es sämtliche verbliebene Luft aus den Lungen seines Besitzers presste. Die Wachen machten einige unentschlossene Schritte auf Rijok zu, griffen jedoch nicht in die Situation ein. Langsam ließ sich Rijok vor dem Mann auf die Knie sinken und starrte ihm direkt in die Augen, sofern dessen flatternde Augenlider dies zuließen. „Du überschätzt deinen Wert, Weichhaut!“ knurrte er drohend. In seinen verengten Pupillen brannte eine beinahe animalische Wut. „Du bist nichts als ein austauschbares Stück Fleisch über das der Rat verfügt wie Vieh. Aber nur zu. Trage deine Arroganz mit stolzgeschwellter Brust zur Schlachtbank, du einfältiger Haufen Haut!“ Damit erhob er sich wieder und schritt zur Tür. Dort wandte er sich ein letztes Mal um und erklärte, noch immer mit einem drohenden Knurren in der Stimme: „Für einen Geschäftsmann wie mich sind Worte bindend wie Blut. Nie habe ich mein Wort zurückgenommen, nie einen Vertrag gebrochen, nie ein Versprechen nicht eingehalten. Wenn ihr es noch einmal wagt mich derart zu beleidigen werde ich euch eigenhändig die Zunge aus dem Rachen reißen. Drauf gebe ich euch mein Wort!“ Damit verließ er den Raum und ließ die Tür krachend hinter sich ins Schloss fallen.

coel
22.09.2016, 21:00
https://abload.de/img/ainecyauv.pngEine angespannte Stille herrschte im Speisesaal, nachdem Rijok die Tür hinter sich zugeknallt hatte. Es waren einige geschockte Gesichter unter den Anwesenden, aber auch überraschte wie das von Aine. Sie hatte bereits eine derartige Eskalation befürchtet. Die Reaktion des Sklavenhändlers war nachvollziehbar. Das Volk der Drah'Zil wurde nicht ohne Grund in ihrem Stolz mit den Elfen verglichen. Mit einem Niederschlagen des Trolljägers hatte sie jedoch nicht gerechnet.
Diese Gruppe war ein brodelnder Kessel über einer offenen Flamme. Eine falsche Handbewegung und man würde sich die Finger verbrennen oder schlimmeres. Insgeheim war sie beruhigt die einzige Kampfmagierin unter ihnen zu sein. Eine magische Attacke hätte mehr Schaden angerichtet als ein bloßer Faustschlag.
Sie beobachtete, wie sich der Trolljäger stöhnend aufrichtete und dabei mit einer Hand seine blutende Nase schützend umschlossen hatte. Er litt eindeutig Schmerzen, aber Aine spürte, dass sein Stolz deutlich mehr angegriffen worden war. Wut loderte in seinen blauen Augen und bereits jetzt schien er auf Rache zu sinnen. Irgendwie fühlte sich Aine bei diesem Anblick an ein Sprichwort aus ihrer Heimat erinnert: So wie man in den Wald hineinruft, so hallt es heraus. Er hatte diese Attacke heraufbeschworen. Obwohl dieser Sklavenhändler ein Aussätziger unter seinem Volk war, so war er immer noch ein Teil von ihm. Wenn es darauf ankam, konnte dieser Rijok mit sicherlich mehr Unterstützung rechnen als Cadan.
Aine wandte sich schließlich von dem Geschehen ab, was den Rest noch fest im Bann hielt und verschwand aus dem Saal, um dem Sklavenhändler zu folgen. Nach kurzer Zeit hatte sie diesen erreicht und mit dem Ruf seines Namens zum Halten bewegt.
"Wollt Ihr mich nun auch beleidigen, Menschenweibchen?"
Seine Frage klang bedrohlich und wirkte wie das Knurren eines kampfeslustigen Tieres. Aine versuchte ihn zu beruhigen.
"Nein, dies habe ich nicht vor. Ich bin sicher, Ihr wisst, warum ich mit euch sprechen will."
Die zuvor noch wütend dreinblickenden Augen wechselten in das wachsamen Blitzen eines Geschäftsmannes.
"Natürlich, das Buch, nicht wahr?"
Aus einer Leinentasche, die er um die Schulter hängen hatte, holte er das schwere, beschlagene Buch hervor und reichte es ihr. Gerade als sie danach greifen wollte, zog er es schnell zurück, so dass ihre Hände in die Luft fassten. Verärgert funkelte sie den Drah'Zil an.
"Wollt Ihr es mir nun geben oder nicht?"
"Alles hat seinen Preis, Menschling."
"Hat man Euch nicht schon genug entlohnt? Habt Ihr nur noch das Gold im Sinn?"
"Es ist alles, was mir geblieben ist", antwortete er bitter, "Es achtet nicht auf die Farbe meiner Schuppen, noch fürchtet es eine Krankheit."
Aine war nicht in der Stimmung eine Diskussion zu führen. Stattdessen wollte sie Gold von ihrer Lehrmeisterin leihen, um ihr Buch wieder zurückzuerlangen. Für die menschlichen Magier war das Grimoire nicht nur eine Sammlung von Zaubersprüchen, sondern auch ein Statussymbol. Zudem waren es auch äußerst wertvolle Werke, die durchaus mit Gold aufgewiegt werden konnten.
"Wie viel?"
"70 Gold."
Aine verschränkte die Arme. Diesen astronomischen Preis konnte der Drah'Zil unmöglich verlangen. Sie versuchte zu feilschen.
"35 Goldmünzen."
"Meint Ihr das ernst?", Rijok lachte. Die Echse schien sich genau in ihrem gewohnten Gebiet zu finden. "50 Goldmünzen ist mein letztes Angebot, ich werde nicht mehr runtergehen."
Mit diesem Preis war Aine einverstanden, auch wenn sie dafür eine gewaltige Schuld auf sich nehmen müsste. Allerdings benötigte sie dieses Buch. Jedes dieser Bücher war ein Unikat und selbst Aine konnte den eigentlichen Wert nicht genau bestimmen. Außerdem war sie eine schwache Magierin. Sie musste während der Hinreise die Zauber wieder einstudieren, um den Anderen, aber vor allem sich selbst, von Nutzen sein zu können.
"In Ordnung."
Sie wollte ihm gerade die Hand reichen, um den Handel einzugehen, als eine krächzende Stimme hinter ihnen dem Trommelfell Schmerzen zufügte. Die Goblin war ihnen gefolgt und fuchtelte mit einem klimpernden Säckchen vor ihnen herum.
"Ich gebe dir, 54 Goldmünzen und 6 Silbermünzen für das Buch!", keifte der unverschämte, grüne Abschaum.
"Der Handel ist bereits besiegelt worden", sie grinste das Ding überlegen an, "Du kommst zu spät, Zwerg."
"Wenn etwas schon lange zu spät gekommen ist, dann ein Dolch, der deine gespaltene Zunge abschneidet, du verzogene Menschengöre!"
"Ich werde dich auf der Reise töten", dachte sich Aine plötzlich in ihrer blanken, aufkeimenden Wut, "Ich werde dich in Staub verwandeln als hätte es dich nie gegeben!"

Aeon525
27.09.2016, 13:35
Rijok zog das schwere Buch mit einer Hand aus der Tasche und hielt es der jungen Magierin entgegen, die andere fordernd geöffnet. „Ich habe das Geld nicht mit mir. Ihr bekommt es später.“ erklärte die Magierin unerwartet demütig, während sie die Hand vorsichtig nach dem Buch ausstreckte. Rijok knurrte verärgert. „Ich fürchte so funktioniert das nicht, Weibchen.“ Er zog die Hand mit dem Buch wieder zurück, hielt dann jedoch für einen Moment inne und überlegte. „Nun gut.“ Gab er schließlich nach. „In Ordnung. Der Rat bürgt schließlich für euch.“ Kaum war das Geschäft besiegelt kam auch schon das Goblin-Weibchen zeternd um die Ecke. Die Menschin, wohl aus Angst Rijok könnte es sich anders überlegen, nahm das Grimoire rasch in ihren Besitz und verstaute es in einer Tasche.

Die Auseinandersetzung zwischen Mensch und Goblin verfolgte der Drah’Zil mit wachsender Verwunderung. Er rechnete jeden Moment damit, dass Dolch oder Feuerball die Diskussion endgültig mit dem Tod einer der Teilnehmer beendete. Wieso in aller Welt hatte der Rat eine solch chaotische und verstrittene Gruppe gebildet, um einen hochriskanten Diebstahl durchzuführen? Vermutlich brachten sie sich schon auf dem Weg zu den Fürstentümern gegenseitig um.

Nachdem die Magierin nun hatte, weswegen sie gekommen war, verschwand sie wieder Richtung Ratssaal und lies Rijok mit der, noch immer fluchenden, Goblindame zurück. Die offensichtliche schlechte Laune des durchtriebenen grünen Wesens brachte ihn jedoch auf eine Idee. „Sag, Goblin. Was hältst du von dem blonden Mann, der sich gerade ein wenig überschätzt hat?“ Ihr abfälliger Gesichtsausdruck sprach Bände und machte eine mündliche Antwort überflüssig. „Hör zu. Ich mache dir einen Vorschlag.“ Begann Rijok in versöhnlichem Ton seinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. „Wir wissen beide, dass den Menschen nicht zu trauen ist. Es würde mich nicht wundern, wenn sie eigene Pläne haben. Wir Außenseiter sollten uns zusammentun. Ihr werdet die kommenden Wochen als Gruppe reisen. Sollten sie etwas aushecken, möchte ich, dass ihr mich informiert. Ich werde euch natürlich angemessen für eure tatkräftige Unterstützung entlohnen. Ob in Gold, Nahrung oder Tabak stelle ich euch frei. Sind wir im Geschäft?“

Fruwluamressaw
28.09.2016, 01:18
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Ärgerlich! Nezlez war zu spät und so hatte die Hexe bekommen was sie wollte. Na schön. Dann freu dich über dein dämliches Buch... solange du noch kannst! Zähneknirschend starrte sie ihr nach, als sie plötzlich von der Echse angesprochen wurde. Zunächst fragte er sie nach Cadan. Der war ihr zwar deutlich lieber als die eingebildete Hexe, aber sonderlich freundlich war er zu ihr nun auch nie und außerdem hätte er sie beinahe umgebracht. Auch wenn er das unter Umständen gar nicht wollte, hatte er ihr auch klargemacht, dass es ihm egal gewesen wäre, falls es so gekommen wäre. Dann machte Rijok Nezlez einen dubiosen Vorschlag.

Es stimmte schon, sie traute den Menschen nicht wirklich. Sicherlich, sie könnten eigene Pläne haben. Diese Sorge der Echse war ziemlich lustig, denn eins wusste Nezlez: Sie selbst hatte ja einen eigenen Plan. Und zwar, wenn möglich, alleine mit dem Artefakt abzuhauen. Ob sie wohl mit dieser Idee gar nicht alleine war? Sie musste die Hexe unbedingt im Auge behalten...; Nezlez fand es gut, dass die Echse Anstalten machte, mit ihr zu kooperieren. Das war schonmal eine deutliche Steigerung zu allem bisherigen. Allerdings war auch hier Vorsicht angebracht. Noch kannte Nezlez den Sklavenhändler nicht gut genug. Er will also, dass ich ihn informiere? Tehehehe. Vielleicht tue ich das sogar…alles was mich benachteiligen würde, kann ich ihm schließlich jederzeit vorenthalten. „Mir gefällt, wie du denkst.“ Sie grinste. „Aber, wenn du schon von Misstrauen sprichst…was sagt mir, dass ich dir trauen kann? Eine kleine Belohnung vorab würde unserem Vertrauensverhältnis bestimmt nicht schaden, was meinst du? Die verdammte Wüstensonne hat meiner Haarfarbe nicht gerade gutgetan. Du hast nicht zufällig ein Fläschchen Tinte? Und was ist dieser Tabak von dem du sprichst?“

coel
30.09.2016, 10:42
https://abload.de/img/ainecyauv.png„Na, komm schon, du elendiger Gaul!“
Aine machte sich nicht die Mühe, dass sie ihren Kopf wendete, um zu sehen, was wenige Schritte hinter ihr passierte. Bereits als sie mit ihrer Reise begonnen hatten, schien die Goblin sich nur noch über das Pony zu ärgern. Der Rat war äußerst großzügig in den Mitteln gewesen, die sie für ihren Auftrag gefordert hatten. Allerdings konnten sie nicht alle Wünsche erfüllen.
Die gewohnten Reittiere der Goblins waren Wölfe, ja sogar Spinnen. Ponys dienten dagegen eher als Nahrung für diese. Offenbar spürte das kleine Pferd diese Abneigung und nur der Gedanke stattdessen im Käfig weiterzureisen, hielten Nezlez davon ab, dass sie das störrische Tier umbrachte.
Der Rest der Gruppe wiederum plagte sich mit ganz anderen Problemen. Auch wenn sie bereits mehrere Wochen unterwegs waren, so hatten sich die Stimmung und vor allem das Vertrauen unter ihnen nur sehr mäßig gebessert. Der Trolljäger Cadan wartete nur auf den geeigneten Moment, um die erlittene Schmach dem Drah’Zil zurückzuzahlen. Doch diese Gelegenheit ergab sich nicht und würde wahrscheinlich auch nie geschehen, denn der Sklavenhändler hatte eine Sicherheit in Form von zwei muskulösen Drah’Zil, von denen einer sogar Cadan überragte, einer schwachen, aber dennoch fähigen Drah‘Zil Magierin und die wuchtige, brutale Fleischmasse eines Trolles, namens Matsch. Aine schätzte, dass sich Rijok auch alleine effektiv zur Wehr setzen konnte. Ein Drah’Zil besaß dicke, widerstandsfähige Schuppen, tödliche Klauen und ein Maul gefüllt mit scharfen Zähnen sowie einem kräftigen Kiefer. Selbst ohne eine Waffe war einem Drah’Zil genug von den Götter geschenkt worden, dass sie die perfekten Krieger darstellten. Trotzdem mieden die Drah’Zil sogar vor ihrer erschreckenden Seuche, Auseinandersetzungen und Kriege. Sie beschäftigten sich lieber mit dem Handel und der Alchemie als mit dem Bedürfnis ihre Macht auf diese Weise zur Schau zu stellen.
„So würde es auch Rijok angehen“, dachte sich Aine. Er machte nicht den Eindruck eines gewalttätigen Einfältigen, sondern vielmehr als ein Kaufmann wie er im Buche stand. Obwohl er durch die Seuche gezeichnet worden war, hatte er ein beeindruckendes Ansehen und stolzes Vermögen erreicht. Aine beeindruckte das sehr, doch gleichzeitig sah sie in ihm die größte Gefahr. Dieser Drah’Zil war schlau, aber vor allem genauso gerissen wie sie selbst. Ansonsten würde er irgendwo in den schäbigen Behausungen der Infizierten außerhalb der Städte sein Dasein fristen und nicht als einflussreicher Händler einen begehrten Platz auf dem größten Markt der bekannten Welt haben. Wenn sie einer derartigen Person damals am Hofe begegnet wäre, so hätte sie diese so schnell wie möglich ausgeschaltet, um sich einer ernsten Gefahr zu entledigen.
Insgeheim hoffte sie jedoch, dass er sie alle noch bis zur Ankunft dulden würde, denn bisher hatte er ihr Überleben gesichert.
Nezlez hatte zu Fluchen aufgehört und saß bereits wieder auf dem Pony, welches ausgesprochen glücklich zu sein schien. Das Abwerfen und sture Anhalten bereitete der Stute deutlich Vergnügen, während die Gesichtsfarbe der Goblin dabei immer wieder zu Rot wechselte. Aine müsste lügen, wenn sie den Anblick nicht genießen würde. Sie hielt sich jedoch zurück und versuchte sie nicht noch mehr zu reizen. Mittlerweile hatte auch Aine eingesehen, dass sie nicht einschätzen konnte, wie der Raub verlaufen würde. Alle waren sie aufeinander angewiesen. Mehr als bewusst war ihr das geworden, als sie sich mit der weiblichen Drah’Zil, namens Pehtia über Hafgan unterhalten hatte.
Dieser Mann beunruhigte Aine. Laut Pehtia war er unberechenbar und gefährlich. Zwar zahlte er dank der Goldminen seines Fürstentums beachtlichen Summen für die Ware, aber jedes Mal befürchtete Pehtia, könnte es möglicherweise ihre letzte Reise sein.
Aine durfte sich vorerst keine Feinde machen und musste sich, auch wenn es ihr widerstrebte, sogar mit dem Goblin Frieden schließen. Sie würde die heutige Nacht für einen derartigen Schritt wagen, doch in diesem Moment lenkte sie ihr Pferd zu Pehtia und trabte neben ihr.
Sie hätte es nicht geahnt, doch sie mochte die ruhige Drah’Zil. Beide waren magisch begabt und daher bestand ein gegenseitiges Interesse. Schnell erkannte Aine das Potenzial in ihr. Niemals würde sie die Zauber wirken, die Aine zustande brachte, aber das störte sie auch nicht. Sie richtete ihre Fähigkeit zum Nutzen ihrer Gefährten aus. So hatte sie sich auch nicht auf ein Element fixiert, was bei den Menschen eine Verletzung der magischen Gesetze gewesen und sie im schlimmsten Fall auf den Scheiterhaufen gelandet wäre. Stattdessen nutzte sie elementare Magie des Wassers, um leichte Wunden zu heilen, Quellen zu finden und aufgebrachte Nauglir zu besänftigen.
In diesem Moment reichte jedoch das kräftige Anziehen der Zügel, damit der Nauglir nicht nach Aines Pferd schnappen würde.
„Ist er hungrig?“, fragte Aine, um ein Gespräch anzufangen.
„Eher gierig“, berichtigte sie Aine und zog noch einmal ruckartig, um ihren Befehl zu verdeutlichen, „Er ist der Erste und Letzte, wenn es ums Fressen geht. Wenn ich so recht drüber nachdenke, wundert es mich, dass er nicht der fetteste Nauglir ist.“
Beide lachten kurz über den Scherz. Nicht, weil dieser äußerst lustig war, sondern eher aus Höflichkeit.
„Wo wollen wir rasten?“, sagte Aine nach einem kurzen Moment des Schweigens, „Ich glaube, es wird bald dämmern.“
„Wir befinden uns im Lebensraum von Baloths“, antwortete Pehtia und ihre Stimme erhielt plötzlich einen grimmigen Unterton, „Diese Bestien jagen normalerweise Bergziegen, doch auch unvorsichtige Reisende gehören zu ihrer bevorzugten Beute. Wir haben oft Verluste nach Konfrontationen beklagen müssen, aber es ist der schnellste und sicherste Pfad durch das Gebirge. Zum Glück bestanden die Verluste nur aus Sklaven und Nauglirs. Dank Matsch stehen unsere Chancen gegen Baloths deutlich höher. Obwohl Baloths auch Trolle jagen, so war es bis jetzt immer Matsch, der sie danach gefressen hat.“
Daran zweifelte Aine nicht im Geringsten. In ihrer Heimat sorgten sich Trolljäger wie Cadan um das Problem dieser gefräßigen Monster, die immer wieder die Dörfer und Bauernhöfe nach Nahrung in Schutt und Asche verwandelten. Jedes Kind lernte daher wie man sich gegen Trolle verteidigt. Trotz ihrer enormen regenerativen Fähigkeit und ihrer ungeheuren Kraft, die einen Menschen zerquetschen konnte, fürchteten sie das Feuer, denn es stoppte ihre Heilung.
Ohne Feuer musste man sich auf einen langen, schweren Kampf einstellen, bei dem die kleinste Unachtsamkeit den Tod bedeutete.
„Dann wollen wir trotzdem hoffen, dass wir keinem dieser Baloths begegnen“, sagte Aine in der Hoffnung, dass dies wirklich auch passieren würde.



Nalim hatte wie bei jeder Reise die Aufgabe des Spähers inne. Er hatte dagegen nichts auszusetzen. Immerhin ritt er den wendigsten und schnellsten Nauglir von ihnen und außerdem liebte er die gelegentliche Abgeschiedenheit. In letzter Zeit fiel es ihm jedoch deutlich schwerer seine Kameraden allein zu lassen. Natürlich blieben Matsch und Arash bei ihnen, doch Pehtia und Rijok waren keine Krieger. Nalim musste nach seiner Infizierung als Arenakämpfer um seine tägliche Nahrung hart arbeiten, ansonsten wäre er in den Außenbezirken auf die Versorgung des Rates angewiesen und diese war alles andere als ausreichend. Auch seine eigentliche Aufgabe in der Gesellschaft der Drah’Zil als Schmied, hatte seinen Körper gestärkt. Sobald er sie hinterließ, befürchtete er eine leichtsinnige Attacke dieser Fremden. Vor allem dieser Cadan, den Rijok eine Lektion erteilt hatte, wollte sich mit großer Wahrscheinlichkeit rächen. Wenn es dazu kommen würde, wollte er nicht als Späher weit entfernt vor ihnen herumreiten.
Nachdem Nalim eine kleine Steigung hinter sich gelassen hatte, witterte der Nauglir plötzlich etwas. Etwas Großes. Normalerweise fielen Nauglir über alles her, was ihren Hunger befriedigen würde, doch auch sie erkannten, ab wann ein Angriff Selbstmord war.
„Was riechst du, mein Kleiner?“, fragte ihn Nalim und kraulte seinen schuppigen Hals.
Die Frage war unnötig geworden, als er den riesigen Kadaver sah. Ab diesem Moment wusste Nalim, dass er so schnell wie möglich zurückreiten musste. Der stinkende, leblose Leib des schweren Bergbullens würde jeden Baloth in einem gewaltigen Umkreis anlocken. So eine fette Beute würden sie sich nicht entgehen lassen. Was Nalim jedoch mehr beunruhigte, waren die Verwundungen des Tieres. Es war nicht natürlich gestorben, aber auch nicht von einem Raubtier gerissen worden. Irgendjemand wollte, dass…
Ein gutturales Brüllen dröhnte durch die Berge. Ein Geräusch, was sich ihm seit der letzten Reise durch dieses Gebiet in seine Erinnerung eingebrannt hatte. Nur dank Matsch hatten sie überlebt, aber sogar er war nach diesem Kampf schwer verwundet gewesen. Drei Tage mussten sie rasten, bevor sie sich alle von ihren Verletzungen erholt hatten.
„Oh verdammt, nicht dieser Bastard. Nicht jetzt.“
Er war der größte Baloth, den sie je gesehen hatten und er würde direkt in die Gruppe reinlaufen. Die Bergbewohner hatten ihm den Namen Mork gegeben, was in ihrer Sprache so viel hieß wie Vernichtung. Unglücklicherweise traf dies genau auf die Bestie zu. Nalim gab seinem Nauglir die Sporen und hoffte, dass er nicht zu spät kommen würde.

Ich bin jetzt sehr großzügig vorgesprungen und will euch endlich mal in Action lesen ^^
Falls jemanden das stört, dann schreibt mich bitte an! :)

Baloths steuern auf euch zu und einer davon, der gute Mork, ist auch dabei. Ihr könnt euch noch vorbereiten oder eine halsbrecherische, verzweifelte Flucht versuchen.

Hier mal ein Bild zum Veranschaulichen der Baloths:
http://orig14.deviantart.net/3686/f/2012/304/1/4/roaring_primadox_by_namesjames-d5jjmav.jpg

Hier auch ein Bild, damit ihr euch mal den Matsch vorstellen könnt:
http://orig09.deviantart.net/48e0/f/2012/016/4/c/forest_ogre_by_guzboroda-d4mj5xj.jpg

Rosered_Strauss
06.10.2016, 23:43
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngNachdem Rijok aufgetaucht war, war die Stimmung zu Tisch ins Schwanken gekommen. Es war offenkundig, das es aufgrund der Andersartigkeit der verschiedenen Gruppenmitglieder allerlei Differenzen und Konflikte gab. So zerstreute sich die Runde bereits nach der Vorstellung, was Alari weder unterbinden konnte noch wollte. Jeder von ihnen brauchte Zeit, und solange sie diese noch zur Verfügung hatten, war es für alle besser, sich diese auch zu nehmen. Sie selbst erhob sich als Letzte aus der Runde, um sich gleich darauf in den verschlungenen Gängen des Palastes wiederzufinden, nur von ihrem Schatten begleitet. Scheinbar gaben die Wachen und Sklaven auch weiterhin darauf Acht, dass sie nie ohne ein aufmerksames Augenpaar unterwegs waren. Ziellos wanderte sie umher, bis ihre Füße sie zu einer größeren Terrasse getragen hatten. Inmitten als des Marmors und des Zierrats war dieses Stück gezähmter Natur eine Oase, in die sich die Elfin nur zu gerne begab. Sich auf einer Bank niederlassend, richtete sie den Blick gen Himmel, ihre Gedanken umherwirbelnd wie Blätter im stetig auf- und abflauenden Wind. Die letzten Tage hatten derart viele Veränderungen mit sich gebracht, dass sie kaum noch die Kraft aufbrachte, überrascht zu sein. Sie fühlte sich wie eine Fremde, die unverhofft an bislang unbereiste Gestade gespült worden war. Sie kannte niemanden, und noch nicht einmal ihr eigenes Volk konnte sie als eine der Ihren betrachten. Sie hatte Zeit in der Welt der Dämonen verbracht, und dieser Aufenthalt schien sie gezeichnet zu haben, solcherart sogar, dass es sie das Leben kosten würde. Und es war noch nicht allzu lange her - auch wenn ihre Wunden bereits versorgt und behandelt worden waren - dass sie von einer Angehörigen eines Volkes gefoltert worden war, das die Elfen der neueren Zeit entgegen aller früheren Moral als Sklaven angenommen und gehalten hatten. Fügte man dann noch hinzu, dass sie sich niemandem anvertrauen konnte - war doch schon die Verständigung äusserst mühselig, war die Kunst der Lieder doch ebenfalls abhanden gekommen - war sie darüber überrascht, dass sie noch nicht vollends zusammen gebrochen war. Se erhob sich schliesslich wieder, ihre Gedanken mit Gewalt auf ihr aktuelles Unterfangen gerichtet. Als sie dank der kundigen Führung ihrer stetigen Begleitung den Weg zu ihrem Zimmer zurück gefunden hatte, verschwendete sie keine weitere Zeit und legte sich unverzüglich schlafen.

Die Reise in den nachfolgenden Tagen verlief mehr oder minder ereignislos. Und so fand sich Alari größtenteils dabei wieder, wie sie ihren Gedanken nachhing. Dabei und beim Lauschen der Welt um sie herum. Da ihre Heilung gut voran ging, konnte sie ihre Aufmerksamkeit schweifen lassen. Manchmal kam es ihr beinahe so vor, als würde zwar die Sonne so sein, wie sie sich an sie erinnerte, doch alles, was von ihr beschienen wurde, war anders. Es war ein unwirkliches Gefühl, und mehr als einmal ertappte sie sich dabei, wie sie sich in die Hand kniff, nur um sicherzugehen, dass sie wach und nicht in einem Traum gefangen war. Hier war sie, inmitten von Drah'Zil, die sie erst gestern noch auf dem Sklavenmarkt verkauft hatten. Es war am zwölften Tag ihrer Reise, als sie mit einem Mal jäh aus ihren Gedanken heraus gerissen wurde. Die Sonne schien warm auf sie herab, ein Umstand, den die Drah'Zil jedoch nur grimmig kommentierten, war es doch nicht die Hitze, die sie gewohnt waren. Es war ein ruhiger Vormittag, an dem sie sich daran gemacht hatten, ein größeres Waldstück zu durchqueren, nach dessen Ende sie sich endlich wieder in der 'Zivilisation' befinden würden. Ein Begriff, den Alari mit Erstaunen vernommen hatte, waren ihr die Reiche der Menschen doch bislang ebenso wenig zivilisiert vorgekommen wie die Kultur der Drah'Zil, die noch an archaischen, barbarischen Bräuchen und Systemen wie der Sklaverei festhielten.

Ihre Ohren zuckten, als entfernte Geräusche an ihr Ohr drangen. Ein Knacken, biegen und Brechen erscholl in vielfacher Ausfertigung, als sie den Blick hob und nach der Quelle der Geräusche suchte. Ihre Augen glommen in smaragdgrünem Licht, das selbst im Tageslicht zu sehen war. Dem steigenden Lärmpegel nach zu urteilen kam die Ursache - oder waren es gar mehrere? - stetig näher. "Da kommt etwas." meinte sie erst zu niemandem bestimmten, ehe sie ihre Stimme erhob, um alle Mitglieder der Karawane auf den Umstand aufmerksam zu machen. "Da kommt etwas! Etwas großes!" Noch während sie sprach, hatte sie ihren Bogen von ihrem Gepäck gelöst und sich daran gemacht, die Sehne mit sicherem, routiniertem Griff einzufädeln.

Es stellte sich heraus, dass sie nicht die Einzige war, die die Gefahr bemerkt hatte. Unter lauten Rufen kehrte ihr Späher zurück, der ihnen bereits aus der Entfernung durch hektische Gesten bedeutete, das Gefahr im verzug war. Noch während er die Arme schwang, brach hinter ihm eines der größten Raubtiere aus dem dichten Wald hervor, welches sie je gesehen hatte. "Baloth!" entfuhr es ihr, als sie das Geschöpf erkannte. Diese Kreaturen hatte es bereits zu ihrer Zeit gegeben, und es wunderte sie nicht, dass sie bis zum heutigen Tage überlebt hatten, war ihre Rasse doch mehr als dazu in der Lage, sich zu behaupten. Unter den Mitreisenden war sofort hektische Betriebsamkeit, die man nur zu leicht mit Panik verwechseln konnte, ausgebrochen. Alari wusste, dass sie dem Untergang geweiht wären, würden sie sich in alle Himmelsrichtungen verteilen. "Rückzug ist das Gebot der Stunde!" rief sie in altertümlicher Gemeinsprache, während sie mehr als je zuvor innerlich die Kommunikationsschwierigkeiten verfluchte, die das Verständnis ihrer Worte erschwerte. Sie zog ihr Pferd an der Mähne - sie hatte dem Tier den Sattel abgenommen, war dies doch erniedrigend und unnötig für sein Wohlbefinden - und sah sich nach ihren Gefährten um.

Fruwluamressaw
08.10.2016, 19:14
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png „Dieses verfluchte Pony! Diese Idioten vom Rat haben doch locker absichtlich dafür gesorgt, dass ich das störischte und unnützeste Reittier in ganz Ashan bekomme!“ Als Antwort darauf blieb das Pony kurzerhand stehen. „HE! Von Pause hat noch keiner etwas gesagt du Vieh!“ Sie rüttelte wenig sensibel an dem Pony herum, bis es gehorchte und weiterlief, aber nicht ohne vorher einen Satz nach vorne zu machen, dass Nezlez kurz aufkreischte und fast zu Boden geschleudert worden wäre.
Abgesehen von ihrem Reittier verlief ihre Reise bisher sehr entspannt. Ja, tatsächlich, es kam, von vereinzelten Wortgefechten abgesehen, auch nie zu einem Kampf über Leben und Tod zwischen Aine und Nezlez. Stolz war sie darüber, wie schön Königsblau ihre Haare jetzt wieder waren. Zudem hatte sie ihr Gesicht kriegerisch geschminkt und fand, dass sie jetzt äußerst bedrohlich und ernstzunehmend aussah. Also noch mehr als sonst. Tatsächlich hatte ihr Rijok die Tinte gegeben und mehr noch, die beiden kamen mittlerweile überraschend gut miteinander aus. Rijok hatte ihr viel über das Leben als Sklavenhändler erzählt. Das war nicht einmal uninteressant. Sie kam zu dem Schluss, dass die vielen Verhandlungen mit Käufern und anderen Parteien wohl das lästigste an seinem Beruf waren. So empfand sie es zumindest. Umgekehrt erzählte auch sie Rijok von ihren eigenen „Abenteuern“. Er verachtete sie nicht für ihre Diebstähle, sondern hörte sogar aufmerksam zu, was sie ihm anrechnete. Rijok kam auch nicht darum zu fragen, wie Nezlez und Cadan überhaupt aus der Arena entfliehen konnten. Nezlez erzählte es ihm gerne, wobei sie die Geschichte deutlich heroischer ausschmückte, als sie eigentlich war. Worte wie „zum Glück“ hatten da keinen Platz.
Was die anderen aus der Gruppe anging... Cadan war zwar ein Arsch, aber er war eben ehrlich und direkt und damit konnte Nezlez etwas anfangen. Ab und zu sprach sie mit ihm. Mit Alari sprach sie nicht viel, denn wenn sie sprach, war es immer sehr schwammig und kompliziert. Es war eben eine Elfe. Sie war für Nezlez Geschmack etwas zu gutmütig und freundlich, aber sie vertraute ihr seltsamerweise. Und solange sie mit Alari keinen Streit hatte, machte sie sich wegen Celriel auch keine Sorgen. Meistens war sie in Alaris nähe, was nicht verwunderlich war, da sie eben beide Elfen waren. Dennoch unterschied sich Celriel sehr von Alari. Celriel sprach nicht so schwammig und war auch alles andere als sanft. Aber dieses hochnäsige-elfische-wirsinddietollsteRasse Gefühl bekam sie auch bei ihr. Die Konfrontationen zwischen Aine und Nezlez wurden seltener, aber die Abneigung zwischen den beiden war dennoch allgegenwärtig. Nezlez war sich sicher, dass Aine sich jedes Mal darüber freute, wenn sie mit ihrem Pony Probleme hatte. Und gerade konnte sie so schön auf Aines Nacken zielen, dass die Verlockung groß war. Aber so doof war sie nicht, sie wusste, dass der Moment dafür nicht jetzt war. Vor allem nicht, weil sich jetzt Gefahr anbahnte.

Die Elfe und ihr Drahzil-Späher teilten es als erstes mit: Etwas Großes kam auf sie zu. Nezlez klappte fast die Kinnlade herunter, als der erste der riesigen, tobenden Monster mit Gebrüll aus dem Unterholz brach. Für einen Moment, der länger vorkam als er war, fühlte sich Nezlez wie gelähmt – ihrem Pony ging es ebenso. Was sollte sie gegen so ein Monster tun? Mit einem Dolch würde sie kaum mehr als ein Stück durch die Haut kommen. Sie hatte keine Chance. Sie musste weg von hier und zwar schnell. Warum zögerte sie überhaupt noch? Schließlich ergriff das Pony initiative und nahm ihr die Entscheidung ab, es wieherte laut, drehte sich um und raste mit einer Geschwindigkeit los, die Nezlez ihm nie zugetraut hätte. Schon als es sich ruckartig umgedreht hatte, wäre Nezlez fast vom Sattel gefallen. Mit aller Kraft krallte sie sich fest, aber ihre Beine hatten bereits ihren Halt verloren und flogen hinter ihr in der Luft, während das Pony seinen Sprint fortsetzte. „..Nicht…so…schnell…verdammtes….!“ Sie merkte, wie sie den Halt verlor. Das Pony machte einen Satz. Nezlez Griff löste sich, sie wurde durch die Luft geschleudert und landete mit einem Rumms auf dem Boden. Das Pony stieß durch die Gruppe der Seher hindurch, die den hinteren Teil der Gruppe bildeten, und war erst einmal verschwunden. „…Mistvieh!!! Aaaargh!“ Ihr Rücken schmerzte sehr durch den Fall und sie hatte Probleme, sofort wieder aufzustehen. Laute Rufe und lautes Gebrüll. Mit verschwommenem Blick versuchte sie auszumachen, was nun vor sich ging.

Waltikon
09.10.2016, 18:29
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Celriel war froh darüber, dass sie endlich die Wüste hinter sich gelassen hatten. In der Hitze hatte sie mehr als nur einmal das Gefühl gehabt, als ob ihr Kopf regelrecht explodieren würde. Glücklicherweise hatte sie ihren Vorrat an Nama-Blättern noch vor ihrer Abreise wieder auffüllen können, sodass sie den Schmerz wenigstens etwas zu lindern vermochte.
Trotz aller Befürchtungen war die Reise bisher ereignislos verlaufen. Nicht, dass sie einen Angriff erwartet hätte, vielmehr fürchtete sie, dass innerhalb der Gruppe schwelende Konflikte ausbrechen könnten. Auch den Drah'zil mochte sie nicht so recht über den Weg trauen. Und so hatte es sich ergeben, das Celriel zwar immer in Alaris nähe ritt, aber kaum ein Wort mit ihr – oder auch den anderen – gewechselt hätte. Nicht etwa aus Unhöflichkeit, sie war die ganze Zeit praktisch im Alarmzustand, beobachtete jede Bewegung ihrer Begleiter.
Alari schien das allerdings kaum zu stören, im Gegenteil, sie saß die ganze Zeit in Gedanken versunken auf ihrem Pferd. Dieses gutmütige Tier wiederum trottete einfach in ihrer seltsam anmutenden Karawane mit. Man gewann fast den Eindruck, als säße Alari auf einem Stück Treibholz und ließe sich einfach von der Strömung dahintreiben...

Entfernte, sich aber schnell nähernde Geräusche von brechendem Geäst und losgetretenen Steinen zogen ihre Aufmerksamkeit auf sich. Geschichten von altgedienten Kameraden der Wolfsgarde, die in diesem Grenzgebiet einstmals patrouillierten, drängten sich in ihr Bewußtsein. Geschichten über gewaltige, fünf Mann große Raubtiere mit Hauern, so lang wie ein Arm und klauenbewehrten Pranken, die den Kopf eines Mannes umschließen und zerquetschen konnten.
Baloth, so wurden sie genannt.

Alari hatte bereits eine Warnung ausgesprochen und einen Pfeil auf die Sehne gelegt, als auch schon der Drah'zil-Späher wild gestikulierend auf die Gruppe zugaloppierte. Unmittelbar hinter ihm brachen auch schon die ersten dieser Bestien aus dem Unterholz. Zwar keine fünf Mann hoch, aber immer noch groß genug.
Sie wollte schon nach ihrem Bogen greifen, als sie sah, wie das Pony des Goblinweibchen scheute, davonstob und schließlich seine Reiterin verlor. Diese lag kurz da, um sich gleich darauf benommen wieder aufzurichten, ohne sich der von hinten nähernden Bestie gewahr zu sein. Kurzerhand zog Celriel ihr Schwert und galoppierte los. Um nicht zuviel Geschwindigkeit zu verlieren, ritt sie ihre Attacke in einem Bogen, um den auf Nezlez zustürmenden Baloth von hinten kommend mit einen Schwertstreich gegen seine linke Schulter aus der Balance zu bringen. Dieses Vorhaben gelang, und während der Baloth strauchelte, beschleunigte Celriel ihr Pferd noch. In vollem Galopp, sich mit der rechten in der Mähne ihres tapferen Reittieres festklammernd, ließ sie sich so weit es möglich war nach links hängen, packte die noch immer benommen wirkende Nezlez am Schlafittchen und warf sie regelrecht hinter sich auf den Rücken ihres Pferdes.
„Halt dich ja gut fest, denn ein zweites Mal hole ich dich nicht mehr!“ fuhr sie Nezlez schroffer, als es eigentlich gemeint war, an. Diese krallte sich daraufhin so fest an Celriel, dass diese meinte, ihre Krallen würden sich durch ihre Lederrüstung bohren. Sie galoppierten auf ihre Kameraden zu, die sich auf eine bessere Position zurückgezogen hatten...

coel
10.10.2016, 12:02
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDie Drah’Zil reagierten schnell und ohne, dass Rijok einen Befehl ausrufen musste, verteilten sie sich und bildeten einen losen, aber schützenden Ring um den Käfig. Dieser wurde nun nicht mehr von den zwei bulligen Nauglir gezogen, sondern auch der Troll half beim Vorankommen. Rijok wollte Abstand zwischen sich und die Bestie schaffen, die aus der Tannengruppe herausgestampft war und nun für ein Durcheinander in der Gruppe sorgte.
Doch dieses Gefühl hatte nur Aine. Sie selbst war derartige Situationen nicht gewohnt, was auf den Rest der Gruppe nicht zutraf. Ihr meistes Wissen beruhte auf Büchern und sie hatte dies kaum anwenden müssen. Die einzige wirkliche Praxis, die sie erhalten hatte, war die Ausbildung bei Chandra und diese war schon viele Jahre her. Seitdem hatte sie auf der Reise ein paar Zauber gefestigt und einstudiert, aber sie fühlte sich ferner von Magie als je zuvor. Eine beschuldigende Gewissheit, die sie gleichzeitig frustrierte und wütend machte. Wütend auf sich selbst.
Aine versuchte sich an ihren Begleitern zu orientieren. Alari schien Celriels Rückzug mit Nezlez, die nun vor ihr auf dem Pferd saß, zu schützen, indem sie gezielte Pfeile in Richtung des Baloths sendete. Einer davon hatte sogar eines der vier Augen getroffen. Allerdings merkte Aine, dass Alari sorgfältig auf die Anzahl ihre Pfeile achtete. Bisher hatte sie drei davon verbraucht und beim Vierten schien sie zu zögern, ob dieser wirklich notwendig sein würde.
Cadan merkte man seine eigentliche Aufgabe in seinem jetzigen Handeln an. Auch er ritt anfangs vom Baloth weg, aber um es scheinbar zu studieren und mögliche Schwächen herauszufinden. Man konnte merken, dass er auf Kampf aus war. Er wollte diesen Baloth zur Strecke bringen, doch nach dem flüchtigen Beobachten der Gruppe, würde er mit Sicherheit bald alleine dastehen. Die Drah’Zil und die Elfen, ja sogar die Sucher machten Anzeichen, dass sie eine Konfrontation vermeiden wollten. Eine Entscheidung, die Aine nur gutheißen konnte, besonders als ein weiterer Baloth erschien und sich auf die Gruppe zubewegte.
Ein entferntes, fürchterliches Brüllen wogte wie eine gewaltige Welle auf sie zu. Etwas viel Größeres als diese beiden Bestien stampfte in ihre Richtung. Aine fühlte sich wie auf glühende Kohlen. Instinktiv wollte sie von hier weg, wie das Pony von Nezlez einfach wegrennen und die Gefahr weit hinter sich lassen. Doch mittlerweile hatte sich ein schwaches, jedoch existentes Gefühl innerhalb der Gruppe entwickelt. Ein Zusammenhalt, eine Gewissheit nicht alleine aus diesem aufgezwungenen Auftrag herauszukommen, ohne dabei möglicherweise sein Leben zu riskieren.
„Zieht euch zurück“, rief Nalim, „Ansonsten werden wir Mork begegnen!“
Rückzug. Insgeheim war Aine zufrieden mit dieser Entscheidung und so kehrten sie den Baloths den Rücken. Allerdings hatten diese beiden Monster sie als Beute auserkoren und so nahmen sie die Verfolgung auf. Sie waren überraschend schnell, doch bei so einer Masse würden sie nicht lange hinter ihnen herrennen können. Unglücklicherweise verlangsamte sie der Käfig.
„Werft das verdammte Ding doch ab, ihr törichten Echsen!“, dachte sich Aine und verfluchte sie.
Dieser Gedanke hätte sie beinahe das Leben gekostet, doch ein Ruf von Celriel ließ sie das Pferd wenden und wich somit im letzten Augenblick einem Felsbrocken aus, der krachend neben ihr einschlug. Der hintere Baloth hatte einen auf sie geworfen und hätte sie damit umgebracht, wäre Celriel nicht gewesen.
Diese zwei Baloths würden nicht aufhören sie zu jagen. Entweder sie ließen den Käfig zurück oder stellten sich einem Kampf.

Fruwluamressaw
10.10.2016, 18:56
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Kaum hatte Nezlez das riesige Ungetüm bemerkt und immernoch halb benommen ihren Dolch gezogen, der ihr wahrscheinlich nicht mehr viel genutzt hätte, wurde der Baloth von einem heftigen Schwertschlag getroffen und dadurch mit einem schmerzenden Brüllen kurz zu Fall gebracht. Der Baloth richtete sich schnell wieder auf, doch bevor er seinen Angriff fortsetzen konnte, kam Celriel herangaloppiert und schnappte sich Nezlez. Sie landete hinter Celriel auf dem Pferd und klammerte sich fest. Hat sie mich gerade…gerettet? „G-gut gemacht..“ stammelte Nezlez, die sich von dem Schock kurz erholen musste.
Die Gruppe hatte sich auf eine Flucht geeignet und da neben den zwei Baloths, welche sie verfolgten noch ein weitaus gigantischeres Ungetüm seine Ankunft sehr laut bemerkbar machte, hielt Nezlez das auch für das Beste. Allerdings waren sie in der Gruppe nicht schnell genug - so konnten sie die Baloth kaum abhängen. Nezlez bekam wieder einen klaren Kopf, und dass sie direkt hinter der kämpferisch-begabten Celriel saß, gab ihr auch ein Stückweit Sicherheit. Sie musste sich nicht darum kümmern, das Pferd zu reiten, also drehte sie sich zu ihren Verfolgern um, während sie darauf achtete, sich immer noch gut an der Elfe festzuhalten. Mit ihrem freien Arm zog sie eines ihrer vielen Wurfmesser vom Gürtel und warf es auf den Balroth, der den beiden am nächsten war. Das Messer traf und stach in den Oberkörper des Tieres, konnte aber kaum effektiven Schaden anrichten. Es war sehr schwierig, bei all dem Herumgewackel und zusätzlich den Bewegungen des Baloths, eine Schwachstelle zu treffen. Trotzdem schleuderte sie ihm noch zwei weitere Messer entgegen. „Friss das, du stinkiges Drecksvieh!“

Aeon525
15.10.2016, 20:58
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngSchon als Rijok bemerkte, wie Nalim auf ihn zuhetzte, befahl er den anderen auf der Stelle kehrt zu machen. Er rief Matsch, um den Nauglir beim ziehen des Wagens zu helfen. Mit eisernem Befehlston wies er die Söldner an, als Nachhut den Rückzug zu decken.

Als Nalim die Gruppe erreichte, hatte der Sucher-Trupp um Itza gerade zu ihnen aufgeschlossen und die Sucher analysierten, gleichermaßen gefasst wie angespannt, die beharrten Kreaturen die aus dem Dickicht auf die breite Handelsstraße herausbrachen, um Nalim nachzusetzen. Noch hatte ihr Anführer ihnen keinen Befehl erteilt aber es war klar, dass ein Kampf kaum zu vermeiden war. Inzwischen waren die Bestien dazu übergangen Steinbrocken nach ihnen zu werfen, was den Rückzug gehörig ins Stocken brachte. Ob sie bereits am Ende ihrer Ausdauer waren? Doch Rijok freute sich zu früh. Mit einem ohrenbetäubenden Brüllen stürmte Mork aus dem Forst und geradewegs auf die Karawane zu. Es war offensichtlich, dass diesem Monstrum eines Baloths nicht so schnell die Puste ausgehen würde wie seinen Kollegen.

Die ersten seiner Söldner ergriffen bereits bei seinem Anblick die Flucht. Das war definitiv eine vernünftige Idee, allerdings bezahlte Rijok sie nicht für ihre Vernunft sein. Matsch wusste bereits, was er zu tun hatte. Situationen wie diese waren alles andere als selten. Die angeheuerten Söldner der Schuppenlosen besaßen nur selten Rückgrat. Der Troll griff sich die erstbeste Leibwache, die an ihm vorbeizustürmen versuchte, und schleuderte sie in hohem Bogen Richtung Mork. Der fing den schreienden Menschen mit spielerischer Leichtigkeit und biss ihr in einer fließenden Bewegung den Kopf ab. Der Schrei erstarb abrupt. Unschlüssig blieben die fliehenden Söldner stehen, ehe der unfreiwillige Flug eines weiteren Kameraden sie zu der Überzeugung kommen ließ, dass ihre Überlebenschancen als Nachhut besser standen.

Mork kaute auf einem der Söldner herum, wobei die Rüstung des Mannes unnatürlich laut knirschte. Der gierige Blick lauerte jedoch weiter auf Rijoks Gruppe. Sein Hunger war noch nicht befriedigt und auch seine beiden kleineren Artgenossen nahmen wieder die Verfolgung auf.

Rijok hatte indes den Wagen in Sicherheit gebracht, zumindest vorläufig. Sowohl die Gruppe der ehemaligen Sklaven als auch die Söldner, Sucher und Drah'Zil standen nun zwischen den wilden Biestern und seiner Ware. Die beiden Baloth hatten die Gruppe inzwischen fast erreicht. Einer setzte Nezlez nach, obwohl es vermutlich eher an ihrem Pony als an ihr selbst interessiert war. Der andere stürmte auf den menschlichen Krieger zu, der noch immer zu Pferd ein ganzes Stück vor den Söldnern stand und es ganz offensichtlich auf einen persönlichen Zweikampf anlegte. Zu Rijoks Verdruss machten die Sucher noch immer keine Anstalten einzugreifen. "Ich muss schon sagen, Itza" rief Rijok über den Kampfeslärm hinweg. "Ich habe noch keine Schausteller gesehen die so überzeugend Statuen gespielt haben wie deine Sucher. Können die auch mit Bällen jonglieren?"

Ironhide
15.10.2016, 22:51
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Kein Schlachtross wie er es kannte, aber ein ähnlich gutes Pferd hatte man Cadan auftreiben können. Es gab in Ashan wohl nichts, was es nicht gab, na ja, fast nichts. Wie man ihm versicherte, würde das Tier ihm gute Dienste leisten, es war Ausdauernd für so eine lange Reise und kräftig genug ihn mit all seiner Ausrüstung tragen zu können ohne irgendwelche Anzeichen von Ermüdung zu zeigen. Zu Cadans Freude stellte sich das als wahr heraus. Nun, den Großteil seiner Ausrüstung hatte er nicht mal bei sich, doch ohne zumindest einen leichten Körperschutz und seine Streitaxt war er nicht aufgebrochen.
Die Tage und Wochen der Reise verliefen einigermaßen ereignislos, hier und da führte man einzelne Gespräche, aber im Grunde blieb jeder für sich. Das Misstrauen war doch zu groß. Cadan selbst wechselte die meisten Worte mit der Wolfsgardistin, vor allem aber, um sie auf seiner Seite zu wissen, oder zumindest nicht gegen sich zu haben. Zudem, schien sie die Echsen eben sowenig zu mögen wie er. Früher oder später würde er Rijok die Erniedrigung zurückzahlen, wie würde sich zeigen, aber er würde es tun. Da war es besser, einen gewissen Rückhalt zu haben und auch wenn die Elfe sich für etwas besseres hielt, war sie noch die, die ihm am ehsten zur Seite stehen würde. Noch nie hatte Cadan eine Rechnung unbeglichen gelassen. Er hatte nicht vor, diesmal damit anzufangen. Er war ein wenig in Gedanken, als wie aus dem Nichts diese Viecher auftauchten, die er noch nie zuvor gesehen hatte.

Zuerst machte er kehrt, wie alle anderen, aber auch nur, um zu sehen wie diese 'Tiere' sich verhalten würden. Sie waren schnell, aber nicht sehr Ausdauernd, wie er vermutete. Und sie suchten sich stets das leichteste Opfer, zumindest was sie als ein solches Identifizierten. Und Nez mit ihrem Pony sah nicht wirklich so aus, als wenn sie den Ungetümen etwas entgegen zu setzten hatte.
Flucht? Das war das löetzte woran Cadan dachte.
Hier galt es zu kämpfen und zu siegen. Würde er sterben, was hatte er dann schon verloren? Seine Aussichten standen eh nicht sehr gut, die nächsten Monate zu erleben, selbst wenn ihre Mission ein Erfolg sein würde. Hier konnte er immerhin so sterben, wie er es wollte. Mit einer Waffe in der Hand und ehrenhaft, auch wenn das keinen Interessierte. Ceriel hatte bereits eins dieser – was auch immer es war – verletzt, wenn auch nur leicht. Doch er selbst hatte es mit dem zweiten zu tun, sofern es nicht abdrehen würde. Aber Cadan wusste auch, das er sich hier, in der vordersten Front, keine Goldstücke erkämpfen würde, aber als scheinbar leichte Beute zu gelten, war Teil seines Plans. Mit dem Giganten sollte er sich nicht anlegen, dessen war sich der Trolljäger durchaus bewusst, zumindest nicht solange, wie dieser nicht alleine war.

Hinter ihm befanden sich die Söldner, welche bereits Verluste hinnehmen mussten, dank dieses elendigen Trolls, der im Grunde der beste Schutz war, den sich diese Echse hatte leisten können. Wenn Cadan es geschickt anstellen würde, könnte er mit einem Schlag so einen Baloth töten, und Rijoks Verteidigung schwächen, denn entweder gingen diese Söldner drauf, oder aber sie würden danke dem Troll nicht mehr wirklich viel auf das Gold geben, was Rijok ihnen versprochen hatte, wenn sie dafür als Opfer herhalten mussten.
Wie dem auch sein, Cadan hatte einen groben Plan. Keinen exzellent ausgearbeiteten, den hatte er nie und wenn doch, dann musste er ihn eh meist wieder spontan umändern, weil irgendwas nicht so funktionierte, wie er es wollte. Sein Plan war simpel:
Bring das Monster zu Fall und treibe ihm deine Axt durch den Schädel. Funktioniert eigentlich bei jedem Gegner. Noch besser war es, ihm den Schädel gleich von den Schultern zu hauen, aber das war um einiges schwerer, als ihn einfach zu spalten. Der auf ihn zu stürmende Baloth brüllte, Cadan wich langsam zurück und erweckte den Anschein, Als würde er abhauen wollen. Er wollte das dieses Vieh in ihm leichte Beute sah, das es sich auf jeden Fall mit ihm auseinander setzte. Es sollte glauben das Cadan ein leichtes Ziel war.
Der Trolljäger selbst war gespannt auf das, was ihn erwarten würde. Wie strak war das Monstrum? War es fähig, die Falle zu erkennen? War seine Falle überhaupt eine? Er hatte ja keine Zeit, sich mit den Söldnern, die er im Rücken hatte,m abzusprechen, aber wenn sie nur einfach da blieben, könnte es klappen. Der Baloth musste sich nur voll und ganz auf ihn konzentrieren, dann hatte er eine Chance.
Im besten Fall würde Cadan nicht mal eine Schramme davon tragen, aber er war sich bewusst, das dieser Kampf mit Sicherheit einige Narben hinterlassen würde. Wie tief seine Wunden sein würden, das müsste sich noch herausstellen. Außerdem gab es ja noch den anderen Baloth und dieses noch viel größere Ungetüm. Sollten die sich einmischen, würde Cadans schöner Plan in Rauch aufgehen, und er müsste doch die Flucht antreten.

Rosered_Strauss
15.10.2016, 23:04
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari presste die Lippen aufeinander, bis sie nur noch ein feiner Strich waren. Das der Troll – womöglich auf Instruktion seines echsischen Herren – damit anfing, Menschen auf die Raubtiere zu werfen, missfiel ihr. Nicht nur, dass es eine sinnlose Verschwendung von Leben war, sie sollten sich auch mehr auf eine Flucht als auf einen Kampf vorbereiten. Diese Handlung trug nicht zu jenem Ziel bei. Jedoch sah sie ebenfalls ein, dass sie im Moment nicht an Flut denken konnten. Sie waren ihnen bereits zu Nahe und waren zu schlau, um sich jetzt von einer schmackhaften Beute ablenken zu lassen. Damit sie sich in Sicherheit retten konnten, mussten drastischere Mittel ergriffen werden.

„Ein Krieger wählt sich die Kämpfe, die er bestreitet! In diesem hier können wir nichts gewinnen, wir können aber vieles verlieren! Ergreift die Flucht – ich sorge dafür, dass sein Streben auf mich gerichtet wird! Doch gegen seine Artgenossen muss Eure eigne Kraft ausreichen.“ Mit diesen Worten teilte sie ihrem neuen Gefährten eine wortlose Bitte mit, und ihr Ross beschleunigte daraufhin sein Traben. Sie sah sich um, ehe ihre smaragden leuchtenden Celriels Blick fanden und sich in den Ihren brannten. Feurige Entschlossenheit war aus ihren Augen zu lesen, eine Entschlossenheit, die die Kriegerin bei einer zierlichen Priesterin, gleich aus welcher Zeit, niemals vermutet hatte. In ihrem alten Elfischen rief sie dieser zu: [Celriel! Helft mir, die Aufmerksamkeit dieses Riesen zu bannen! So schlau er auch sein mag, wenn wir seinen Zorn wecken, wird er sich auf uns konzentrieren und nicht auf unsere Gefährten. Folgt mir nach, Tochter Eremons!] Mit diesen Worten begann ihr Pferd zu galoppieren, als sie ihren Bogen spannte, während sie ihr Ziel fixierte. Und schliesslich kam ihre Gelegenheit. Als Mork das Maul öffnete, um ein tiefes Brüllen anzustimmen, zischte ihr Pfeil von der Sehne und bohrte sich in dessen Zahnfleisch. Der riesenhafte Baloth verschluckte sich kurz, als er daraufhin umso zorniger brüllte, steckte die Pfeilspitze doch mitten in einer empfindlichen Region und verursachte ihm Schmerzen, waren seine Pranken doch auch zu groß, um die im Vergleich winzige Spitze hervor zu ziehen. Und Alari liess es nicht dabei bewenden. Als das Untier herum trampelte, begierig darauf, denjenigen zu verschlingen, der ihm solches Unbill bereitete, wagte sie einen weiteren riskanten Schuss. Als der Baloth ihr für einen kurzen Augenblick den Rücken zudrehte, um Matsch zu fixieren, der einen weiteren Söldner geschleudert hatte, liess sie einen weiteren Pfeil von der Sehne. Dieser bohrte sich in seine Ferse, was ein erneutes zorniges Brüllen provozierte. "Komm und hol mich doch!" rief sie ihm trotzig zu, während sie froh war, dass das Adrenalin die Angst im Zaum hielt, die ihr andernfalls die Knie zu Wachs hätte werden lassen.

coel
16.10.2016, 11:49
https://abload.de/img/ainecyauv.pngIn dem Augenblick, als Mork erschien, war sich Aine sicher, dass es nun kein Entkommen mehr geben würde. Dieses Ungetüm konnten sie nicht abhängen, denn wo ihr Pferd nur fünf Schritte machte, brauchte dieser Baloth nur einen. Während sie ihr Pferd durch den Druck ihrer Schenkel über die Bergwiese lenkte, blätterte sie wild in ihrem Zauberbuch. Nach kurzer Zeit hatte sie endlich den Spruch gefunden, der gegen diese Monster helfen würde.
Aine sprang von ihrem Pferd und legte das Buch zu ihren Füßen. Sie war weit genug von der Gefahr entfernt, um diesen komplizierten Spruch zu wirken. Zusätzlich gewann sie auch noch eine Sicherheit, als sie sah, wie mehr und mehr ihre Begleiter versuchten, die Baloths zurück zu drängen. Zu ihrer Überraschung konnte Aine sehen, wie die beiden Elfen den riesigen Baloth wie Fliegen beharkten und so die Aufmerksamkeit auf sich lenkten. Immer wieder versetzten sie ihm kleine Stiche, die das Monster anfangs kaum störte, doch als ein Dolch von Nezlez ihm ein Auge raubte, kehrte er der Gruppe den Rücken zu und verfolgte vor Wut brüllend den Elfen.
Einer der Baloths hatte mittlerweile auch beinahe den Käfig erreicht, da stießen er und der Troll zusammen. Zusammen mit den anderen Drah’Zil und den Söldner unterstützten sie den fetten, gerüsteten Matsch. Sogar der Sklavenhändler, der beim Käfig Befehle schrie, warf einen Speer auf den Baloth, der diesen tief in die Schulter drang.
Nun musste auch sie ihr Bestes geben, auch wenn nicht mehr viel davon übrig war, als sie den Spruch in ihrem Kopf wiederholte. Sie hoffte, dass sie genug Zeit haben würde, um die ganze Formel zu vollenden. Gerade begann sie diesen zu rezitieren, da bemerkte sie wie der zweite Baloth auf sie zu stampfte. Nicht weil er sah, dass sie einen Zauber zu wirken schien, sondern weil die Sucher diesen bekämpften. Mit Erstaunen sah sie deren geübte Magie, die dem Baloth zu schaffen machte. Wasser- und Windmagie brachten den Baloth immer wieder zum Straucheln, doch jedes Mal konnte er, scheinbar von Hunger und Wut getrieben, sich wieder erheben und die Jagd nach den beiden Magiern aufnehmen. Erst jetzt erkannte, dass die Sucher das Monster absichtlich zu ihr führten. Zwanzig Fuß von ihr entfernt, brachten sie den Baloth endgültig zum Halten. Mit einem kräftigen Windstoß zwang einer der Sucher ihn auf alle Viere und kurz darauf ließ der Andere dessen Gliedmaßen am Boden festfrieren.
„Vollführt euren Zauber, Magierin!“, rief ihr einer der Sucher zu, während er eine großzügige Kurve um sie herum ritt.
Die Formel war gesprochen und Aine fokussierte ihre Gedanken auf das Ziel. Ihre beiden Handflächen schlug sie auf die Erde, dann hörte sie das Lodern unter dem Ungetüm. Mit einer gewaltigen Wucht brach eine Flammensäule empor und hüllte den Baloth vollkommen ein, der wild und verzweifelt seinen Schmerz sich loszureißen versuchte. Das Eis, was ihn festgehalten hatte, schmolz in der Hitze dieses Feuersturms und schwerfällig machte der Baloth Anstalten sich fortzubewegen. Aine schrie, als sie noch mehr Energie kanalisierte. Ihre Hände schmerzten und sie roch verbranntes Fleisch, welches nicht nur von dem massigen Leib des Monsters kam. Sein dichtes Fell verschwand, seine Haut wurde rot und Blasen bildeten sich. Das Feuer zeigte kein Erbarmen und würde es auch nicht, solange Aine nicht aufhörte, ihren Zauber zu kanalisieren. Nicht nur der Drang zum Überleben zwangen die Magierin weiterzumachen, sondern auch das niedere Vergnügen das Ungetüm leiden zu sehen. Sie hätte ihn schon vor wenigen Augenschlägen umbringen können, doch sie ließ ihn stattdessen kochen. War es die Frustration über die Machtlosigkeit der vergangenen Tage in Ashan oder die zur Schau Stellung ihrer Macht? Aine wusste nur, dass sie diesen Moment genoß, ohne dabei auf ihre Schmerzen zu achten.
"Bringt es endlich zu Ende!", kreischte ein Sucher, der scheinbar erkannte, was Aine tat, "Seid ihr wahnsinnig?!"
Mit einem letzten Kraftaufwand hob er eine seiner Arme, der bereits einem verkohlten Baum glich, um seine Peinigerin niederzustrecken. Doch diesen Versuch vereitelte Cadan, der die Hand am Gelenk mit einem kräftigen Hieb abtrennte, so dass diese Klaue einen Meter von ihr entfernt in die verbrannte Erde fiel.
Zufrieden starrte Aine den niedergestreckten Baloth an, von dessen Körper nur noch ein schwarzer Klumpen mit Auswüchsen übrig war. Ihre Kleidung haftete an ihrem verschwitzten Körper und ihre Hände fühlten sich an, als hätte sie diese in glühenden Kohlen gewaschen.
Cadan schien ihr noch irgendetwas zu sagen, doch diese Worte konnte sie nicht mehr hören. Noch ein paar Schritte auf ihn zu machend, sank sie plötzlich schlaff und kraftlos vor dem Trolljäger zusammen.

Waltikon
16.10.2016, 14:19
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Celriel traute ihren Augen und Ohren nicht. Alari wollte sich ausgerechnet mit diesem riesigen Baloth anlegen. Anstatt also, wie eigentlich von ihr beabsichtigt, Cadan zu helfen – diesen unmöglichen Feiglingen in seinem Rücken, die sich Söldner nannten, traute sie allenfalls die Rolle als Bauernopfer zu – musste sie nun dieser offensichtlich völlig verrückt gewordenen Priesterin nachjagen, um das Schlimmste zu verhindern.
Derweil machten die Drah'zil keinerlei Anstalten, sich am Kampf zu beteiligen. Kooperation sah anders aus...

„Festhalten!“ sagte sie in barschem Ton zu Nezlez, dann gab sie ihrem Pferd auch schon die Sporen und sie jagten auf Mork, der mindestens doppelt so groß war wie seine Artgenossen, zu.
Alari hatte bereits einige Pfeile in die Bestie geschossen. Celriel griff ebenfalls zu ihrem Bogen und begann Mork mit Pfeilen zu spicken. Anders als bei Alari waren ihre Pfeile nicht so gezielt platziert, aber um dieses Unding zu treffen, reichten ihre Bogenfertigkeiten allemal. Na ja, fast. Ein Pfeil ging über Mork hinweg, was Nezlez unnötigerweise auch noch mit: „Wie kann man auf diese Entfernung nur daneben schiessen?!“ kommentierte.
„Machs halt besser!“ blaffte sie zurück, woraufhin Nezlez mit einem geschickten Wurf eines ihrer Messer genau im Auge des Ungetüms versenkte.
Dieses wurde daraufhin noch rasender und fixierte sich nun auf Alari.

Mork schien nun durch nichts mehr aufzuhalten zu sein. Sie warfen Messer und schossen Pfeile auf ihn, doch er ließ sich nicht mehr von seiner Beute ablenken. Kühn versuchte Celriel sogar, ihm mit Schwerthieben zuzusetzen, doch schienen diese an seiner dicken Haut einfach abzuprallen.Alari allerdings musste, um nicht in die Enge getrieben zu werden, kehrtmachen und auf die Gruppe zureiten.
Diese wiederum hatte sich mittlerweile der beiden kleineren Baloths angenommen. Doch waren die anderen zu sehr verteilt, um dem anstürmenden Mork effektiv bekämpfen zu können. Irgendwie musste dieses Ungetüm doch zu bremsen sein!
Da fiel ihr Blick auf eine im Boden steckende Lanze, und sogleich hatte sie einen Entschluss gefasst. Im Vorbeiritt zog sie sie aus der Erde, legte sie wie eine Turnierlanze an und trieb ihr Pferd noch mehr an. Sie wollte die Kniekehle dieses Untiers treffen und es so zu Fall bringen.
Dies gelang ihr auch, doch womit sie nicht gerechnet hatte, war, dass der Riese vor Schmerz aufschreiend seine Pranke nach hinten reißen würde – genau auf sie zu!
Zum Reagieren blieb keine Zeit mehr. Die Pranke traf das Pferd mit voller Wucht und das Tier, Nezlez und Celriel flogen meterweit durch die Luft.
Durch diesen mächtigen Hieb verlor Celriel die Besinnung. Dass sie rücklings auf dem steinigen Boden aufprallte, bekam sie gar nicht mehr mit.

Ironhide
21.10.2016, 02:42
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Sein schöner Plan... erledigt bevor er überhaupt anfangen konnte. Er hatte sowas irgendwie erwartet, dennoch war er etwas überrascht. Die Magier setzten dem Ungetüm zu und es verlor das Interesse an Cadan, oder besser gesagt, waren die Magier und Aine wohl die größere Gefahr, die er aus dem Weg räumen wollte.Die Söldner zogen sich umgehend zum Käfig zurück, wo ihr Geldgeber irgendwelche Befehle schrie, die Cadan wenig interessierten. Echsen und Söldner und ein Troll gegen eins dieser Biester, sollte ausreichen. Dann wandte er sich wieder seinem Ursprünglichen Ziel zu und erblickte Aine, die einen mächtigen Zauber wirkte und den Baloth zu einem Stück gegrilltest Fleisch verwandelte. Der Lärm des Monstern war Ohrenbetäubend und klang schrecklich gequält. Da wüprde er nichts mehr zu tun haben. Im Hintergrund endteckte er dann, wie die Elfen und Nezlez sich mit dem Giganten Mork anlegten und das mit einem gewissen Erfolg. Sie lebten immerhin noch. Cadan versetzte seinem Pferd einen Klaps mit der schweren Axt, woraufhin dieses los galoppierte, wollte die Elfen unterstützen, aber Aine machte ihm vorerst einen Strich durch die Rechnung.

Der brennende Baloth hatte es geschafft, sich recht nahe zu Aine zu manövrieren und wollte sie mit seiner Pranke erschlagen, was ihm auch gelungen wäre, wenn der Trolljäger nicht bereits im vollen Galopp daher geritten kam. Die Streitaxt glitt durch den Arm wie Butter, wahrscheinlich weil die dicke Haut schon verkohlt und aufgeplatzt war, bei dem Inferno was der Baloth darstellte. Die abgetrennte Hand landete der Magierin vor den Füssen. Cadan machte kehrt, um zu sehen ob das ausgereicht hatte oder er nochmal zuschlagen müsste. Doch inzwischen bewegte sich da nichts mehr. Aine kam auf ihn zu.
„Was sollte das werden, wolltest du in den Boden gerammt werden?“
Aine antwortete ihm nicht, sondern klappte einfach zusammen und lag vor ihm auf den Boden. „Toll....“ Cadan stieg ab und kniete sich neben Aine nieder. Er vergewisserte sich, das sie noch lebte, mehr konnte er auch nicht tun. Sein Blick fand schnell die Sucher und diese Echse, dessen Namen er schon wieder vergessen hatte. „Wenn ihr da eh nur rumsteht, passt wenigstens auf, das sie nicht umkommt hier.“ Irgendwas bekam er als Antwort, doch Cadan hörte gar nicht hin, er wollte nicht der Pfleger sein für die Verletzten, er wollte kämpfen.
Und auch wenn Aine sich selbst überlassen worden wäre, von den Suchern und ihrem Anführer, so würde wohl kaum einer trauern, wenn sie das nicht überleben würde. Sie war nicht unbedingt die beliebteste, da ihr im Grunde alle die Schuld in die Schuhe schoben, für ihre Lage. Aber irgendwas sagte Cadan, dass das hier nicht passieren würde. Weit und breit war nichts zu sehen, was ihnen hätte gefährlich werden können, außer eben jene Biester, die sie eh schon bekämpften.
Cadan steig wieder auf sein Pferd und preschte los. Sein Ziel war nun Mork, die Gigant unter den Baloths.

Erneut musste Cadan staunend mitansehen, wie ein waghalsiges Manöver beinahe nach hinten losging. Das Ende vom Lied war, das eine Lanze in der Kniekehle von Mork steckte, aber Ceriel und Nezlez mitsamt Pferd einen unfreiwilligen Flug durch das Geäst hinlegten und unsanft auf den Boden aufschlugen. Doch Cadan konnte sich kaum darum kümmern, wie es ihnen nun ging, denn Mork war rasend vor Wut. Cadan hatte noch einige Meter, bis er ihn erreichen würde, also blieb ihm noch etwas Zeit, die Sache zu analysieren. Mork war angeschlagen, lange noch nicht so, das man ihn hätte einfach töten können. Wer das glaubte, würde wohl in den sicheren Tot rennen. Derzeit versuchte er aber irgendwie mit wilden Bewegungen die Lanze los zu werden. Sein rechtes Augen war von irgendwas getroffen worden, was konnte er nicht erkennen. Jedenfalls kniff Mork es zu, die Lanze steckte auch in der rechten Kniekehle. Das war es, was Cadan ausnutzen musste. Würde er die linke Seite Morks attackieren, hätte er mit Sicherheit schlechte Karten, denn das Ungetüm hatte klar die größere Reichweite und die weit größere Kraft. Aber seine rechte Seite war angeschlagen. Er humpelte ständig bei dem versuch, sich die Lanze aus der Kniekehle zu ziehen, griff ungelenk danach aber bekam sie nur schwer zu fassen. Er sah nichts. Zudem war sein Körper mit Pfeilen bestückt, und ständig kamen welche von Alari nach. Die Pfeile waren sicher nervend, aber nicht weiter gefährlich für den riesigen Baloth. Aber Cadan kam das sehr recht, denn so war Mork abgelenkt. Der Trolljäger hatte nun einen Plan, ritt einen Schlenker und konnte so sicher stellen, das er Mork von rechts angriff, so das selbiger ihn gar nicht kommen sah. Nochmal trieb Cadan sein Pferd an, packte seine Streitaxt fest und lenkte sein Pferd so, das es knapp hinter Mork langlaufen würde. Kurz bevor er ihn erreichte, ließ er die Zügel los, packte mit beiden Händen seine Axt und holte weit aus um so kräftig zuzuschlagen, wie er konnte.

Ein sehr schmerzliches Brüllen, was alles übertönte, war zu vernehmen, als Cadan seine Axt seitlich tief in das angeschlagene Knie rammte. Die Geschwindigkeit des Pferdes, das scharfe Blatt der Axt, seine Kraft und der ausgiebigen Schwung des Schlages hatten eine Wunde in das Knie gerissen, was es dem Ungetüm eigentlich unmöglich machen sollte, noch auf den Beinen zu bleiben. Zwar war die Axt am Knochen von Mork abgeglitten und nicht durch das Gelenk gegangen, aber die Schneide hatte alles andere durchtrennt. Doch die Wucht des Aufpralls war so enorm gewesen, das es den Trolljäger dabei vom Pferd gerissen hatte und er unsanft auf den Boden knallte, unmittelbar hinter Mork. Geistesgegenwärtig rollte sich Cadan mit zwei, drei Umdrehungen von ihm weg und war schnell wieder auf den Beinen. Seine rechte Schulter schmerzte, doch das musste er nun ignorieren. Mork war auf das kaputte Knie gesunken und versuchte sich gerade wieder hoch zu kämpfen, aber es ging nicht. Dennoch war er gefährlich. Seine Arme waren noch unverletzt und mit selbigen würde er sicher nach Cadan schlagen, wenn er nur ihn nur sehen würde. Erneut versuchte sich Cadan außerhalb des Blickfeldes zu halten, was ihm auch recht gut gelang. Lange musste der Trolljäger aber nicht warten, bis er eine günstige Gelegenheit zum Angriff hatte. Mork versuchte sich zu erheben, indem er sich auf seine Arme stützte. Das war der Moment, in dem Cadan heranstürmte und einen kräftigen Hieb gegen das Handgelenk von Mork setzten konnte. Diesmal schlug er dem Baloth nicht die Hand ab, aber eine tiefe Wunde trug auch Mork davon. Das Krachen, als die Axt auf seinen Knochen traf, verriet dem Trolljäger, das er ihm den nun gebrochen hatte. Somit war auch mindestens die rechte Pranke des Monsters nicht mehr brauchbar. Ob nun aber gezielt, oder er aus Reflex, schlug Mork mit der verletzten Hand nach Cadan und traf auch. Zum Glück für den Trolljäger nicht richtig, aber er holte ihn von den Beinen und ließ ihn fast zwei Meter durch die Luft fliegen. Die Landung war entsprechend hart und Cadan musste sich erst mal schütteln. Eine Platzwunde am Kopf hatte er sich zugezogen, allerdings eher aufgrund der Landung, als durch den Schlag.
„Na warte, dein Kopf hole ich mir, Mitsvieh.“, knurrte Cadan und machte sich erneut bereit zum Angriff.

Rosered_Strauss
22.10.2016, 18:36
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari musste an sich halten, um nicht aufgrund der chaotischen Situation zu verzweifeln. Ein Teil der Kämpfer griff an, obwohl ein Rückzug in ihrer Lage besser gewesen wäre, während der andere Teil zurück blieb und weder floh noch kämpfte. Ihre Magierin war nach der Vernichtung eines Baloths ausser Gefecht – ob sie nach einem solchen Kraftaufwand bald wieder auf der Höhe sein würde, entzog sich bislang ihren Kenntnissen – und sowohl ihre elfische Begleiterin wie auch die kleine Goblin- Diebin hatten das Pferd verloren und waren somit dem Baloth hilflos ausgeliefert. Alles in Allem war die Situation nicht einmal als 'schlecht' zu bezeichnen – sie war katastrophal. Sie liess ihren Bogen sinken, als sich Mork ohnehin mehr auf den Menschen konzentrierte, der seine Axt in dessen Leib gewuchtet hatte. Er hatte ihm zwei erstaunlich harte Schläge beigebracht, die jedoch nur als Nahrung für dessen Wut dienten. Zu groß war der Baloth, als dass dessen Schläge überhaupt so tief vordringen konnten – sie schätzte, dass er das reissende, knackende Geräusch, das dessen harte Sehnen und Haut von sich gegeben hatte, mit dem Brechen seiner Knochen verwechselt hatte. Als die Bestie gerade ein zorniges Röhren von sich gab, nutzte Alari diese Ablenkung, um neben Celriel und Nezlez anzukommen. „Steiget auf – rasch!“ rief sie dem Goblinweib zu, ehe sie sich zu der Wolfsgardistin hinab beugte und deren Pulsschlag überprüfte. Er ging schwach und flatternd, aber sie lebte unzweifelhaft. Als sie sich die Platzwunde näher besah, die ihren Kopf verunstaltete, fiel ihr eine Narbe auf, eine, die bereits älter sein musste. Sie wirkte so, als hätte jemand nur durch Eremons Gnade den Versuch verpatzt, ihr den Schädel zu spalten – sie konnte sich nicht vorstellen, dass eine solche Verletzung jemals keine Schmerzen verursachen konnte. Als sie die Elfe auf die Füße stemmte, indem sie sie stützte, fiel ihr eine weitere große Narbe auf, die sich von der Schulter bis zu ihrem Arm zog – ihre Kleidung war verrutscht, sodass diese nun für jedermann sichtbar offen lag. [„Kommt schon, Schwester – gebt nicht auf! Wir entrinnen diesem Kampfe lebendig, das verspreche ich Euch!“] flüsterte sie ihr im elfischen zu, als ein lautes Krachen ertönte. Sie riss den Kopf herum, gerade rechtzeitig um mitzubekommen, dass Mork Cadan durch die Luft gegen einen Baum geschleudert hatte.

„Nezlez!“ rief Alari, als sie die Aufmerksamkeit des Goblins auf sich zog. „Passt auf Sie auf, ich bitte Euch! Ihr seid die Einzige, an die ich mich damit wenden kann. Reitet zu den Anderen zurück und bewegt sie zur Flucht, während ich Cadan von diesem Versuch abhalte, sich möglichst glorreich ins Jenseits zu befördern!“ Als sie sie mit Mühe schliesslich auf ihr Ross gewuchtet hatte – die Anstrengung dieses Unterfangens hatte dafür gesorgt, dass die Wolfsgardistin unter schmerzlichem Stöhnen bereits wieder erwacht war – strich sie dem Pferd über die Mähne. [„Lauf, mein Freund, lauf! Bringe sie beide in Sicherheit, während ich diesem großen Trampel helfe! Ich vertraue Dir ihr Leben an.“] Die Halbelfe blinzelte, als die Worte langsam zu ihr durchdrangen, obgleich sie nicht an sie gerichtet waren. Gerade schien sie fragen zu wollen, was geschah, als das Pferd sich bereits umdrehte. „Fliehet! Ich eile Euch nach, sobald ich Cadan geholfen habe!“ rief sie ihr noch einmal hinterher, damit sie nicht den törichten Versuch unternahm, hier ebenfalls ihr Leben zu riskieren, und hob den Bogen. Nun würde es wahrlich gefährlich werden. Mork hatte sich aufgerichtet und brüllte seinen Zorn aus voller Kehle hinaus, als er sich nach vorne wuchtete. Geistesgegenwärtig sprang Cadan zur Seite, um hinter einem nahen Baum in Deckung zu gehen – vergebens! Kraft und Masse des riesenhaften Baloths sorgten dafür, dass die Bäume durch seinen Ansturm zerbrachen wie Glas, das Opfer eines Steinschlages wurde. In einem Tosen zersplitterten diese, stürzten zu Boden und begruben beinahe den Trolljäger unter sich, der durch den abgeminderten Aufprall erneut durch die Luft segelte. Mork unterdessen liess nicht nach – seine schweren Klauen bohrten sich in einen nahen Stamm, den er vom Erdboden pflückte wie eine Blume, nur um ihn dann einem Speer gleich in Richtung seiner Peiniger zu werfen. Eine bösartige Intelligenz funkelte in seinen geweiteten, durch Rage blutunterlaufenen Augen, als Speichel an seinen Hauern aus seinem Maul hinunter troff. Sein Ziel war klar: auf die Eine oder Andere Art und Weise würden sie alle in seinem Magen landen.

Alari verwünschte ihren zu hastigen Aufbruch, denn es befanden sich lediglich Jagdpfeile in ihrem gefährlich leeren Köcher. Sie spannte den Bogen, wartete, zielte – und liess den Pfeil schliesslich von der Sehne schnellen. Flink wie ein Fisch im Wasser schoss es auf Mork zu, als dieser sich erneut aufbäumte und den Pfeil ins rechte Auge bekam. Sein Gebrüll kletterte einige Oktaven in die Höhe, als er nahezu wahnsinnig vor Schmerz zurück taumelte. Zwar hatte ihm der Pfeil nicht einmal ansatzweise in Lebensgefahr gebracht, doch der Schmerz, den er ihm bereitete, war immens. „Cadan!“ rief Alari ihm zu, als der Trolljäger erneut seine Axt fester umschlossen hatte und gerade auf den Baloth zu rennen wollte. „Haltet ein mit dieser Torheit und kommt zu mir! Zu den Anderen führt unser Weg, fort von hier! Dieser Kampf ist einer, den wir nicht lebendig verlassen können!“ Zur Verdeutlichung ihrer Worte, die durch das Brüllen das Baloths übertönt wurden wie das Plätschern eines Baches von einem Sturm, winkte sie ihn herbei und deutete in Richtung der Karawane. Doch obwohl sie seine Erwiderung ihre Ohren nicht erreichte, sah sie den ablehnenden, störrischen Ausdruck in dessen Gesicht. Ihre Augen glommen auf wie ein Lagerfeuer in der Dunkelheit der Nacht, als sie ihre gesamte Überzeugungskraft aufbot, um den Mann zum Einlenken zu bewegen. Magie in ihre Stimme legend, rief sie ihn herüber. „Lasst ab von diesem Kampf! Wenn es ein glorreicher Tod ist, den Ihr sucht, dann lasst ihn Euch in einer Schlacht ereilen, die Ihr auch gewinnen könnt! Krepiert hier ohne Sinn und Zweck, oder leistet meinen Worten Gehorsam und folgt mir!“ Eine Windböe untermalte die Intensität ihrer Worte, die Cadan wie ein Faustschlag trafen. Beinahe benommen nickte er, als er sich in Bewegung setzte – gerade rechtzeitig, denn Morks Raserei begann nun, in gefährliche Nähe zu rücken.

Ohne einen weiteren Blick zurück zu werfen, drehte sie sich um und begann, auf ihre sich immer weiter entfernenden Kameraden zuzurennen. Es dauerte nicht lange, bis der muskulöse Krieger sie eingeholt hatte und sie gemeinsam rannten, als ob die Dämonen hinter ihnen her wären. Sie mussten sich nicht umdrehen um zu wissen, dass er ihnen folgte – Äste brachen lautstark, Bäume wurden umgestoßen und Erdreich spritzte bis zu ihnen nach vorne, als die gewaltige Bestie sich im Zick- Zack- Kurs auf sie zubewegte, manchmal Haken um die massiveren Bäume schlagend, manchmal sie einfach umrennend. Er holte auf, viel zu schnell, als das sie ihm entkommen konnten. Das Bersten wurde lauter, als die Klauen Morks knapp hinter ihnen durch die Luft zischten und die Oberfläche eines Felsblockes zerfurchten, den sie zwischen sich und ihn gebracht hatten. Alari wurde mit einem Male mit kristallklarer Schärfe bewusst, dass sie hier sterben konnte. Sogar hier sterben würde, würde nicht noch ein Wunder geschehen. Doch sie biss die Zähne zusammen und verdoppelte ihre Anstrengungen, was in dem Halsbrecherischsten Lauf durch den Wald resultierte, den sie je unternommen hatte. Während Cadan zwar schneller laufe konnte, glitt sie beinahe durch die Vegetation, scheinbar jedwedem Hindernis aus dem Weg gleitend, dass zwischen ihr und ihrem Ziel erschien. Doch so gut sie auch voran kamen, der Baloth war schneller, denn er brach sich seinen eigenen Pfad. Erneut war er ihnen wieder so nahe gekommen, dass ihnen abgebrochene Äste gegen den Rücken prallte, Holzspäne, Pflanzenreich und Erdboden über sie spritzte und das Brechen von Baumstämmen alle anderen Geräusche ausblendete. In diesem Inferno war das plötzliche Wiehern ihres Pferdes der Wind, den Eremon ihr zur Ermutigung sandte. „Zu mir!“ rief sie Cadan zu, als sie auf einen nahen im Sturm gestürzten Baum und von diesem auf den Pferderücken sprang. Cadan nahm schlicht anlauf und wuchtete sich in die Höhe, schaffte es noch, sich an einem Ast entlang zu schwingen und landete unsanft hinter ihr.

Instinktiv umschloss er ihre Hüfte, war er es doch im Gegensatz zu ihr nicht gewohnt, auf einem ungesattelten Pferd zu reiten, während sie ihre Hände in der Mähne des edlen Tieres vergrub und nur ein einziges Wort flüsterte: [„Lauf!“]. Das Pferd galoppierte davon, als würden es Flügel anstatt Beine durch den Wald tragen. Zum ersten Mal seit Beginn ihrer wilden Flucht gewannen sie etwas Abstand zwischen sich und Mork, der das ganze mit einem neuerlichen, wütenden Aufschrei kommentierte. Doch Alari achtete nicht auf den Weg, sie vertraute sich ganz und gar ihrem vierbeinigen Gefährten an, sie zu ihrem Ziel zu führen. Sie bemerkte noch nicht einmal, dass ihr die Äste entgegen peitschten und Laub wie auch Striemen in ihrem Gesicht hinterliessen, sie versenkte sich ganz in sich und griff nach ihrer eigenen Melodie. Während diesen wilden Rittes begann sie, das Lied der 'Bilder des Windes' zu singen, das ihre Sinne durch die Lüfte davon trug und sie mehr sehen und hören liess, als jedes andere sterbliche Wesen es vermocht hätte. Sie biss ihre Zähne fest zusammen, als der Lärm des Baloths ihr ins Ohr drang wie tiefe Trommelschläge, die direkt auf ihr Trommelfell wirkten. Sie blendete alles andere aus, suchte, suchte nach der Hoffnung – und fand sie schliesslich. Als sie die Augen öffnete, hatte ihr Pferd sie zu ihren Gefährten getragen, die bereits samt und sonders die Flucht ergriffen hatten. Die Krieger waren ohnehin nicht darauf erpicht gewesen, den Kampf anzutreten, und dem rasenden Mork wollte niemand gerne gegenüber treten. Auch sah sie, dass Celriel wieder wach und mit Nezlez zusammen auf dem Wagen war, mit dem sie vor den Baloths flohen, die unter Morks Führung die Verfolgung aufgenommen hatten. „Flieht! Ich schaffe uns Mork vom Leibe und werfe ihn einem noch größeren Jäger zum Fraß vor! Ihr müsst Euch jedoch um die kleineren Bestien kümmern, sollten Sie Euch einholen!“

coel
22.10.2016, 20:03
Tapfere Narren.
Lange hatte er den Kampf beobachtet und ihre verzweifelten Angriffe mitverfolgt, wie sie sich der Baloths erwehren wollten. Sein Bauchgefühl hatte ihm schon gesagt, dass er sich die aufwändige Vorbereitung der Falle hätte sparen sollen, doch wieder einmal missachtete er diesen oft so unfehlbaren Instinkt.
Seinen gefährlichen Auftrag wollte er so schnell wie möglich hinter sich bringen, denn er vertraute dem Mann nicht, der diesen von ihm gefordert hatte. Zu starkes Misstrauen herrschte zwischen ihnen, auch wenn sie so sehr voneinander profitierten. Möglicherweise genau aus diesem Grund der Abhängigkeit keimte erst diese verborgene und doch spürbare Feindseligkeit auf. Man fürchtete einen Teil von sich zu einzubüßen, ja sogar wegzugeben. Sie beide waren Individuen, die es gewohnt waren nicht einander Hände zu halten, sondern die andere kraftvoll hochzuziehen oder los zu lassen.
Sein wettergegerbtes Gesicht wandte sich schließlich zu dem aufregendsten Schauspiel zu. Mork verfolgte die gewandte Elfe und den riesenhaften Menschen. Ihre Chancen zu Überleben waren so schwach, wie ein einzelnes gelbliches Herbstblatt im Wind. Seufzend erhob er sich aus seiner Hocke und eilte den Abhang hinunter, wobei er darauf achtete, dass kein Schritt ein leichtsinniger war.
Steine lösten sich, Gras wurde ausgerissen und trotzdem verlor er keinen Halt, sondern sprang und rutschte geschickt das immer steiler werdende Gelände hinunter. Mork holte immer weiter auf. Seine Wut war mittlerweile ein Wahnsinn geworden. Er würde nicht aufhören diese Beute zu jagen. Dies war nicht der Hunger der ihn trieb, sondern blanker Hass, der gebrochene Knochen und zerfetztes Fleisch forderte. Die Bergschneise, auf die die Elfe zuritt, würde ihn stoppen, doch sie konnten wertvolle Zeit dadurch gewinnen.
„Schlaue, kleine Elfe“, dachte sich der Mann, als er einen gewagten Sprung vollführte, „Reite weiter!“
Wenn sie dies taten, würden sie ihm entgegen kommen und er konnte ihnen helfen.
Doch dann sprang dieser Riese von dem Pferd ab. Die Elfe schrie ihn an, aber er wollte ihre Worte nicht mehr hören. Ihm bedeutete der Kampf wohl mehr als sein kümmerliches Leben. Entweder glaubte dieser Mann nicht mehr an eine Flucht oder er hatte den Verstand verloren. Mork klemmte für einen Augenblick in dem Spalt fest, der ihn von seinen Opfern trennte und mit wütenden Schlägen bearbeitete er das Gestein und formte es durch seine Kraft. Der Krieger mit der Axt bemerkte zu spät seinen törichten Fehler. Mit der Gewalt eines Sturmes brach Mork durch die Schneise, so dass große Felsbrocken in alle Richtungen geschleudert wurden. Trotz der schrecklichen Wunde an seinem Knie, stampfte der gewaltige Baloth auf die Beiden zu. Scheinbar starr vor Angst blickten sie ihrem Schicksal entgegen.
Ihm blieb nur noch eine Wahl.
Das Dröhnen des Horns hallte durch die Berge und erfüllte die Gegend für einen Lidschlag mit einer magischen Stille. Es schien das Brülllen einer sehr alten und mächtigen Kreatur zu sein. Der Ton war von einer geheimnisvollen fernen Kraft, die den Baloth dazu brachte, dass er in seinem Zorn angehalten wurde. Seine zwei verbliebenen Augen, die vorher noch wie glühende Kohlen brannten, leuchteten in einem bläulichen Licht und seine sehnigen Muskeln hatten sie entspannt. Ohne einen weiteren Laut zu geben, wendete sich Mork von ihnen ab, als würde es nie gegeben haben. Nach und nach verschwand er in dem dichten Wald, während noch immer das Echo des Horns zu hören war.
Schließlich verblasste es und hinterließ einen groben Menschenriesen sowie eine zierliche, wunderschöne Elfe, die ihn verwundert anstarrten. Linien aus Schweiß zogen sich über sein Gesicht und Tropfen fielen von seinem Kinnbart auf die Erde oder in seine schlichte Kleidung. Moosgrüne Augen gaben ihnen ein Gefühl von Hoffnung und sein Lächeln eine wärmende Freude in der Brust. Strähnen von seinen schulterlangen braunen Haaren aus dem Gesicht streichend, verstaute er das Horn, welches einmal Teil einer unbekannten Kreatur gewesen war, wieder an seiner Hüfte und näherte sich den Beiden.
„Mein Name ist Vidar“, sagte er in seiner beruhigenden Stimme, „Ich habe euch gerade das Leben gerettet. Ihr seid mir einige Krüge Bier schuldig.“

Die Gefahr ist gebannt und ihr lernt Vidar kennen. Auch genannt Vidar, der Wanderer. Mork ist weg und ihr habt eure Ruhe. Der andere Baloth wird sicher gerade von Matsch verspeißt.
Vidar wird euch zu Hafgan begleiten. Er arbeitet an dessen Hof und wie ihr sicher herausgelesen habt, war er für den Kadaver zuständig und wollte Mork herauslocken.
Leckt eure Wunden und betretet die kleine Grafschaft von Hafgan. Der Graf selber ist noch nicht da, aber ihr dürft das große Dorf bereits betreten.

Hier noch ein Bild von dem Dorf. Hafgan selbst lebt in einem gewaltigen Langhaus. Denkt euch den Schnee weg, aber Schlamm dazu. Das Dorf ist nicht wirklich schön und seine Einwohner nicht sehr freundlich ^^'
http://orig14.deviantart.net/e114/f/2012/312/8/5/855d6b38ffeadc9078ef7913bb9fe561-d52t2rf.jpg

Rosered_Strauss
22.10.2016, 20:58
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari starrte den Mann noch verblüfft an, denn Mork war einem Sturm gleich über sie gekommen. Eben noch hatte er sie mit einer Gewalt bedrängt, die ihres gleichen suchte, bevor sie mit einem Male abgeflaut und sich verzogen hatte. Das alles war diesem Fremden zu verdanken - oder dem Horn, welches er an seiner Seite führte. Der hypnotische Klang, der wie aus einer anderen Sphäre zu stammen schien... niemals hatte sie einen solchen Laut gehört. Doch das war noch lange nicht alles, was es an diesem Manne zu bestaunen galt. Als der Schock wich und sie sich wieder in die Gegenwart versetzt sah, kehrten auch ihre Manieren zurück. Sie neigte ihren Kopf so weit, wie es ihre höhere klerikale Stellung erlaubte, ohne sich selbst zu erniedrigen. "Seid vielfach bedankt, Vidar. Ihr habt uns wahrlich einen großen Dienst erwiesen - und wenn er in Bier zu zahlen ist, werde ich diesen Preis mit Freuden begleichen. Ihr habt meinem Begleiter - und wohl auch mir - das Leben gerettet." Sie hob den Kopf wieder, als sich ihre smaragden glühenden Augen in die moosgrünen ihres Gegenübers bohrten, die ihren Blick erwiderten. Im Gegensatz zu der Magie, die ihr ganzes Wesen umspielte wie Seide einen wohlgeformten Körper, vermittelten seine Augen einen gänzlich mundanen, warmen Glanz. Alari stellte fest, dass sie diese Augen nicht ungern betrachtete. Doch ihr Blick löste sich von ihnen, um zu dem zurück zu kehren, was ihre Aufmerksamkeit zuvor gebannt hatte. "Sagt... dies ist doch... dies ist eine elfische Klinge, nicht wahr? Ein Maella'tarach?" Sie sah ihn gebannt an, ehe ihre Aufmerksamkeit sich wieder der Waffe zuwandte.

Das Leuchten ihrer Augen liess nach, als Sturmwolken ihren Sinn umwölkten, fühlte sie sich doch in die Vergangenheit zurück versetzt. Sie holte tief Luft und liess sie nur langsam wieder entweichen, als ihre Augen für einen Augenblick feucht wurden. "Verzeiht." meinte sie auf die fragenden Blicke und brachte ein schwächliches Lächeln zu Stande. "Ich... war nur in Erinnerungen. Ich kannte einige Angehörige meines Hauses, die solche Klingen führten." In Gedanken versunken, verweilte ihr Blick auf dem Schwert. [„Ich frage mich, wessen Wesen er mit ihr zu nutzen vermag... gar den Wind aus dem Hause Eremons?“] grübelte sie, als sie Cadan neben sich etwas murmeln hörte, was sich verdächtig nach einem Kommentar darüber anhörte, dass solcherlei Schwerter nur zum Prunk und nicht in der Praxis taugten. "Macht Euch nicht lächerlich." schnappte sie, als sie ihren Ausbruch jedoch gleich wieder bereute und ihm entschuldigend zunickte. "Es sind nicht nur 'schöne Klingen'. Es ist der Gipfel der Waffenkunst, die Könige unter den Schwertern. Habt Ihr Euch je gefragt, woher die Rede kommt, dass das Schwert singt? Dass es Klänge verursacht, wenn es durch die Luft schneidet? Das man einen Tanz damit vollführt? All dies hat seinen Ursprung in der Kunst, diese Schwerter richtig zu verwenden." An Vidar fügte sie an: "Verzeiht. Es scheint, als hätte mich die Jagd durch das große Grün meiner Höflichkeit beraubt. Mein Name ist Alari Iníon Wellensang aus dem Hause der Windsänger. Und, wie Ihr sicherlich sehen könnt, eine der Elvari. Mein Begleiter hier hört auf den Namen Cadan."

Fruwluamressaw
24.10.2016, 04:04
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez wurde nicht zum ersten Mal durch die Luft geschleudert. Dass aber auch Celriel und sogar das Pferd durch die Luft sausten, dafür konnte nur eine Bestie wie Mork sorgen. Nezlez landete direkt auf Celriel, welche durch den Aufprall auf die harte Erde bewusstlos wurde. Auch Nezlez wurde kurz benommen, öffnete aber bereits wieder die Augen, als Mork, der von Cadan angegriffen wurde, laut herumbrüllte. Nezlez würde mehr als nur einen blauen Fleck bekommen und Blutete an beiden Armen und Knien, aber vergleichsweise ging es ihr gut. Von Celriel konnte sie das nicht behaupten, die hatte es wirklich schlimm getroffen. Aber die Gefahr durch Mork war allgegenwärtig und ausruhen war da nicht drin. „He da! Wach auf!“ Als Celriel nicht reagierte, rüttelte Nezlez an ihr herum. „Komm schon, so bist du mir keine große Hilfe!“ Die ohnmächtige Celriel war nicht mehr wach zu bekommen. Nezlez versuchte sie vom Ort des Geschehens weg zu zerren. Aber wenn schon eine nackte Celriel eine Herausforderung gewesen wäre, so war eine Celriel in voller Rüstung einfach nicht von Nezlez wegzubewegen. Sie gab ein entnervtes Stöhnen von sich. „HEEILEEER!“ kreischte sie laut. Als hätte Alari den Ruf gehört, kam sie plötzlich zu den beiden geritten. Sofort sprang sie vom Pferd und ging zu Celriel, gleichzeitig bat sie Nezlez auf das Pferd aufzusteigen, welche sich das nicht zweimal sagen lies. Dabei lukte sie immer wieder misstrauisch zu Mork, erpicht darauf, dass dieser seine Aufmerksamkeit nicht wieder auf die Damen lenkte.

Scheinbar konnte auch Alari auf die Schnelle nichts tun und bat Nezlez tatsächlich darum, die verwundete Celriel in Sicherheit zu bringen. „Zwei Elfen die die Hilfe einer Goblin benötigen? Süß.“ Sie grinste spöttisch, ging aber Alari sofort zur Hand als diese Celriel auf das Pferd heben wollte. Mit gemeinsamen Kräften und großer Anstrengung schafften sie es gerade so, auch wenn es für Celriel wohl schnell unsanft wurde. Celriel hatte ihren Wert als nützliche Verbündete bereits erwiesen und Nezlez hatte keinen Grund, sie jetzt hier zurückzulassen. Sie nickte Alari kurz zu, dann ritt sie mit deren Pferd davon. Zu ihrer Überraschung machte das Pferd keine Anstalten herumzumucken, im Gegenteil, es schien auch ohne Nezlez Anweisung zu wissen was es tun soll. Nez hielt sich mit einer Hand am Pferd fest, mit der anderen und einem Bein sorgte sie dafür, dass Celriel nicht plötzlich wegrutschte. Geschwind ritt sie an den Reihen der übrigen Verbündeten vorbei und schrie ihnen zu: „Steht nicht so dumm rum! Haut endlich ab, wenn ihr nicht verrecken wollt!“ Sie ritt weiter bis sie zu einem Wagen. Zwei Söldner, die scheinbar etwas Ahnung von Wundversorgung hatten, kümmerten sich hier gerade um einen Verwundeten. Nezlez vermutete, dass sie sich nur für diese Arbeit bereit erklärt hatten, um möglichst weit von der Front wegbleiben zu können. Aber gerade kamen sie ihr ganz recht. Als sie die Goblin auf dem hohen Pferd sahen mit der Elfe, schauten sie ziemlich verdutzt. „Was?! Ich hab hier Arbeit für euch, also los los!“

Der Gesamte Zug war nun am Flüchten, nur Cadan und Alari waren noch nicht wieder sichtbar. Dafür war aber auch Mork beruhigend weit entfernt. Matsch sorgte hinten dafür, dass es sicher blieb. Nezlez gesellte sich zu Rijok. Der grinste sie an. „Du lebst also immer noch, wie schön.“ Nezlez grummelte. „Pah! Sei bloß froh, dass du eine so kompetente Person wie mich mit an Bord hast. Die Baloths sind nun durchlöchert wie Käse. Und eine Elfe hab ich auch gerettet.“ Das Celriel zuvor Nez gerettet hatte, brauchte er ja nicht zu wissen. „Falls wir das überleben, will ich die nächsten Tage Extra-Rationen und von diesen Blättern! Und neue Messer werde ich wohl auch brauchen.“ Eben dieses Überleben stand wenige Sekunden später wieder auf dem Spiel, als Alari, Cadan, aber eben auch der riesige Mork wieder sichtbar wurden. Sie rasten schnell wie der Wind selbst. Dann ein lautes Geräusch. Ein Horn? Mork, der plötzlich wegrannte. Seltsam. Matsch gab gerade dem letzten der kleineren Baloths den Rest, dann kehrte Ruhe ein. Der Kampf war vorüber. Ein Mann, offensichtlich der Hornbläser, betrat die Szene. Er unterhielt sich mit Alari und Cadan. Komischer Kauz „Was ist das denn für einer? Gehört der zu uns? Wie hat er das nur angestellt?“ fragte sie Rijok.

coel
25.10.2016, 17:42
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDurch einen jähen Ruck aufwachend, öffnete Aine ihre Augen und fand sich im Transportkäfig wieder, der mit einem bedächtigen Ruckeln einen matschigen Pfad entlangtrottete. Sie erblickte müde Gesichter, die von der anstrengenden Konfrontation mit den Baloths erzählten. Daran erinnert, merkte Aine, wie plötzlich ihre Hände zu schmerzen begannen. Beide waren in Bandagen gehüllt, doch darunter pochte die verbrannte Haut, die bei jeder Bewegung Aine die Zähne zusammenbeißen ließ.
„Die Schmerzen werden vorüber gehen, Menschenweib“, antwortete ihr Itza durch die Gitterstäbe. Die Echse mit seinen haifischartigen Zügen würdigte sie dabei keines Blicks, sondern starrte misstrauisch auf den Fremden, der auf einem ihrer Pferde neben ihnen trabte.
„Haben wir Verluste gehabt?“, fragte Aine, die sich etwas aufrichtete, damit sie nicht von ganz so weit unten mit dem Drah’Zil reden musste.
„Keine wirklich nennenswerten“, gab er ihr zur Antwort und warf sich seine Kapuze über, als es allmählich anfing zu regnen. Es war ein sehr lichter Regen und die paar Tropfen, die auf das stählerne Dach des Käfigs prasselten, bestätigten Aine in dieser Vermutung.
„Versucht euch zu beherrschen, Menschling, sonst findet euch der Tod schneller als ihr glaubt.“
Bevor Aine darauf etwas sagen konnte, hatte Itza seinen Nauglir verlangsamt und war zurück zu seinen Begleitern geritten. Ein Schuldgefühl keimte in ihr auf, denn sie wusste, auf was der Drah’Zil angespielt hatte. Der Beweis für ihre riskante Tat waren ihre verbrannten Hände. Beim Wirken der Feuersäule wollte sie das Biest in Asche verwandeln. Ihre ganze aufgestaute Wut hatte sie in den mächtigen Zauber gesteckt und dabei vergessen, dass Pyromantie schnell Opfer forderte, wenn man sich seiner Gefährlichkeit nicht bewusst war. Aine war sich ihrer mehr als klar und dennoch hatte sie derartig leichtsinnig gehandelt. Sie würde ihre Hände in nächster Zeit kaum noch gebrauchen können.
„Beschäftigt Euch etwas?“
„Ich…“, Aine musste ihre Fassung wieder gewinnen, als sie merkte, dass der Fremde sie angesprochen hatte. Wann war er neben den Käfig geritten? Offensichtlich schien sie sich völlig in ihrer Gedankenwelt verloren zu haben. Sie atmete tief ein.
„Den Umständen entsprechend. Wie steht es um Euch?“
„Ich kann nicht klagen, aber…“, er deutete auf ihre Hände, die nach dieser Geste in einer beinahe kindlichen, tölpelhaften Scham zu verbergen versuchten, „Wie ich sehe, habt ihr Verletzungen davongetragen. Wie ist das geschehen?“
Gerade wollte ihm Aine antworten, doch sie schloss ihren Mund abrupt wieder, nachdem sie den Blick in seinen Augen bemerkt hatte. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen.
„Sie scheinen es zu wissen, warum sollte ich es Ihnen dann noch beschreiben?“, sagte sie nun in einem angriffslustigen Tonfall.
Der Mann lächelte und verbeugte auf eine Art so wie es ihm das Sitzen im Sattel ermöglichte.
„Habt Ihr einen Mann an Eurer Seite? Denn Ihr seid wahrlich geschickt darin, Lügen zu durchschauen.“
„Ich brauche keinen Lebensgefährten, um das zu erkennen. Wollt Ihr mich beleidigen?“
„Für eine Sklavin scheint ihr noch ziemlich viel Würde zu besitzen“, erwiderte der Fremde und musterte sie aufmerksam.
Verdammter… Aine presste zornig ihre Lippen aufeinander. Ihre folgenden Worte wurden durch das gereizte Brüllen des Nauglirs von Rijok übertönt, der sich neben den Fremden positioniert hatte. Ein unangenehmer Tritt brachte die Reitechse zum Schweigen und der Sklavenhändler wandte sich an den Fremden.
„Wenn sie noch weiter mit Euch reden wird, hat sie bald nicht mehr viel von ihrer Würde.“
Rijok funkelte sie dermaßen streng an, dass Aine ungewollt schlucken musste. Dann wandte er sich dem Fremden zu.
„Vidar war euer Name?“
Der Fremde nickte.
„Ich bedanke mich nochmals für Euren Beistand gegen den Baloth.“
„Immerhin seid Ihr erst wegen dem Kadaver, den ich als Falle für Mork ausgelegt habe, in diese missliche Lage geraten.“
„Seid Ihr einer von Hafgans Gefolge?“
Vidar schnalzte mit der Zunge und schüttelte daraufhin den Kopf.
„Ich bin wie ihr keinen Sklavenhandel mit Hafgan eingegangen, sondern einen ganz anderen.“
Neugierig weiteten sich die Augen des bleichschuppigen Drah’Zil. Vidar konnte die nächste Frage bereits erahnen.
„Ich benötige seine Hilfe, um ein sehr altes und mächtiges Artefakt zu bergen. Aus diesem Grund hat er mich auch auf die Jagd nach Mork geschickt.“
Glücklicherweise war der Blick des Fremden von dem Inneren des Käfigs abgewandt, so dass er nicht sehen konnte, wie bei der Erwähnung des Artefaktes alle blitzartig aufmerkten. Außer Rijok, der seinem Ruf als undurchschaubarer und erfahrener Kaufmann mehr als gerecht wurde.
„Dank seiner Goldminen wird Hafgan sicherlich dazu in der Lage sein“, sagte der Drah’Zil.
„Das ist wahr. Darf ich Euch nun eine Frage stellen?“
„Sehr wohl.“
„Warum sind Eure Sklaven nicht das, was sie zu sein scheinen?“

Aeon525
26.10.2016, 20:01
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngRijoks Gesichtsausdruck blieb eisern. Er hatte die Frage bereits erwartet. Der Mann vor ihm war mehr als ein einfacher Jäger. Im selben Maße in dem Hafgan außergewöhnliche Sklaven schätzte, hasste er inkompetente Bedienstete. Niemals würde er einen Auftrag von derartiger Brisanz an einen einfachen Jäger vergeben. Selbst die regulären Soldaten in Hafgans Gefolge mussten ihre Fähigkeiten beweisen, bevor sie auch nur das Lehnsherrengesuch stellen durften. Außerdem war Hafgan selbst eifriger Sammler von Artefakten. Eher verheizte er ein halbes Dutzend Soldaten bei der Jagd nach Mork als sein Streben nach einem alten und mächtigen Artefakt aufzugeben. Die Geschichte des Mannes, der sich selbst Vidar nannte, stank gewaltig.

"Sie haben ein scharfes Auge," antwortete Rijok mit feinster Kaufmannsstimme. "Diese Individuen sind Ware erster Hand. Zudem sind sie 'Geschenke der Wüste', wie wir Drah'Zil zu sagen pflegen. Meinen Magiern zufolge sind sie durch einen fehlgeschlagenen Teleportationszauber in der Wüste gelandet und dort in meinen Besitz übergegangen. Es ist ein äußerst ungewöhnliches und interessantes Warenangebot, wie ich finde und ich hoffe, dass Fürst Hafgan meine Ansicht teilt. Diese Exemplare beispielsweise:" Er deutete in einer fließenden Bewegung auf Aine und Nezlez.

"Die Menschendame hier könnte einem niederen Adelsgeschlecht entstammen. Ausgesprochen weiße Haut, sehr begehrt in den Fürstentümern. Unglücklicherweise ist sie auch ein ziemliches garstiges Exemplar. Ständig am zetern. Vermutlich werde ich sie geknebelt verkaufen müssen. Beinahe ebenso garstig ist das Goblinweibchen. Aber sehen sie nur die gefärbten Haare und den Körperschmuck. Ein absolutes Unikat." "Sie haben auch einige Elfen." bemerkte der Jäger. "Ja, leider sehr zerbrechliche Exemplare dieses Jahr. Die Gewinnspanne bei ihnen ist alles andere als vielversprechend." "Nun, ihre elfische Begleitung zu Pferd scheint mir sehr robust zu sein." Rijok wusste, dass er Celriel meinte, die zu Pferd und in voller Montur neben dem Wagen herritt. Die Elfin mimte seine Leibwache und Übersetzerin. Da sie sich nah am Elfengebiet befanden, war es für Händler wie ihn nicht unüblich eine einheimische Begleitung zu beschäftigen. "Die ist leider kein Teil des Angebots. Sie arbeitet als Leibwache und Übersetzerin." "Leibwache?" der Frage lag ein spöttischer Unterton inne. "Ihr vertraut euch einer Elfe an, wenn ihr Drah'Zil Kämpfer in euren Reihen habt?" "Leider ist es meinen Begleitern aus offensichtlichen Gründen untersagt Ashan zu betreten. Und das Weibchen weiß sich durchaus zu behaupten. Ein sehr geschicktes Exemplar." "Das glaube ich gerne." erwiderte Vidar großzügig. "Die Wolfsgardisten sind berühmt für ihre Kampfkunst. Ich wusste nicht, dass sie sich auch als Söldner und Übersetzer für Sklavenhändler darbieten. Der Kampf für die Freiheit ihres Landes lässt ihnen scheinbar doch mehr Freizeit, als ich erwartet hatte." Rijok überging den lauernden Unterton in der Stimme des Mannes mit einem amüsierten Glucksen.

"Das Weibchen ist eine Deserteurin. Elfen sind eben auch nur Schuppenlose und der Krieg macht aus jedem Idealisten früher oder später einen Opportunisten. Ideale füllen schließlich keine leeren Mägen. Für mich zu arbeiten allerdings schon." Vidar stieß ein heiseres Lachen aus und nickte. "Da haben sie wohl recht." "Ich würde ihnen auch raten etwas Abstand vom Käfig zu halten. Die Zugechsen sind die wildesten des Trupps." Mit einem Kopfnicken wies er auf einen der Nauglir, der bereits interessiert den kräftigen Oberschenkel des Jägers musterte. Der Jäger quittierte die Bemerkung mit einem schelmischen Augenzwinkern. "Alles klar. Dann will ich den Viechern mal keine falschen Hoffnungen machen." Damit gab Vidar seinem Pferd einen sanften Klaps und lies sich ein Stück zurückfallen, wo er nun einen der Seher ansprach, jedoch schlichtweg von Selbigem ignoriert wurde. Rijok winkte derweil unauffällig Celriel zu sich.

Ironhide
30.10.2016, 00:51
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Das Vidar gerade ihm den Hinter gerettet haben sollte, sah Cadan nun so überhaupt nicht. Zumal er niemanden darum gebeten hatte, ihn zu retten. Nun saß er wieder im Käfig, mit all den anderen bis auf Ceriel. Seine Waffe hatten man ihm abgenommen, was er auch nur sehr widerwillig zugelassen hatte, aber die Möglichkeiten waren nicht gerade sonderlich groß gewesen. Er hatte beschlossen, lieber den Mund zu halten, denn das Gefühl, erneut seinen Waffen beraubt worden zu sein, war nach dem Hochgefühl des Kampfes, ein beschissenes.
Lieber hörte er nun zu, zum einen, um die Mission nicht sonderlich zu gefährden indem er sie auffliegen ließ weil er seine ungeschönte Meinung über 'seinen Besitzer' rausließ, zum anderen weil er so mehr über die anderen erfuhr, als sie über ihn.Wobei es nicht sonderlich schwer sein dürfte, einiges von Cadan auch so heraus zu bekommen. Offensichtlich war er ja niemals ein Magier und auch niemals ein Gastwirt, Bauer oder Händler gewesen. Und offensichtlich konnte er auch gut kämpfen und hatten sich auf recht schwere Waffen spezialisiert. Das sollte er mindestens erkannt haben.

Cadan störte das eingreifen von Vidar noch immer, denn er war sich sicher, das er Mork hätte einen Kopf kürzer machen können. Vielleicht nicht sofort, es hätte sicher eine ganze Weile gedauert, aber der Trolljäger war im innersten davon überzeugt gewesen, das er Mork hätte besiegen können. Doch das würde er wohl nun nie mehr erfahren. Es wird sicher auch andere Möglichkeiten geben, mächtige Gegner zu besiegen und sich so im Kampf beweisen zu können, dessen war sich Cadan sehr bewusst. Nur wann würde das sein? Nun hing erst mal alles davon ab, wie sie bei Fürst Hafgan aufgenommen werden würden.
Das Gefühl des Trolljägers war seid dem auftauchen von Vidar kein gutes mehr. Und das lag nicht nur daran, das ihm der Mann in die Suppe gespuckt hatte, irgendwas an diesem auftreten passte Cadan einfach nicht und er war sich sicher, das es noch ärger geben würde, wenn sie ihn länger in ihre Nähe hätten. Nur ihn loswerden würde wohl kaum gelingen, zumal sie schon so gut wie an ihrem Ziel angekommen waren.

Das nicht alle im Käfig waren, sah cadan jedoch als ein gewissen pluspunkt. Gut, Ceriel, so geschickt sie sich auch im Kampf anstellen mag, würde gegen diese Übermacht schnell das zeitliche segnen, aber es war dennoch einigermaßen angenehm, jemanden mit einer Waffe in den Händen zu wissen, der eben nicht zu den Drah'Zil oder dem dezimierten Söldnertruppe gehörte. Ceriel reagierte auf den Wink der Echse und ritt unauffällig an ihn heran. Cadan meinte aber zu erkennen, das sie das nicht unbedingt in heller Freude tat. Da sie neben dem Käfig, was wohl kein Zufall war, hörten die Insassen genau, was die beiden zu besprechen haben würden. Immerhin hing ihr aller Leben davon ab, ob die Geschichten die sie eventuell erzählen mussten, übereinstimmten.

Waltikon
07.11.2016, 16:00
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Obwohl Sie so tat, als würde sie die Gegend im Auge behalten, galt ihre Aufmerksamkeit in Wahrheit diesem Menschen, der sich als Vidar vorgestellt hatte. Als Rijok sie nach seinem Gespräch mit ihm zu sich winkte, wusste sie schon, worum es ging. Es hatte sie einiges an Beherrschung abverlangt, ihm nicht gleich lautstark zu widersprechen, als er sie als Deserteurin ausgab.
„Ich habe es gehört. Was besseres, als meine Ehre als Soldat in den Schmutz zu ziehen, ist Euch nicht eingefallen?“ zischte sie ihn wütend an, noch immer bemüht, ihn nicht anzuschreien.
„Es schien mir die glaubwürdigste Erklärung zu sein,“ antwortete Rijok unbeeindruckt, „aber falls es Euch beruhigt: Ich glaube nicht, dass er es mir abgekauft hat. Ich hatte den Eindruck, dass er die Wolfsgarde nicht nur vom Hörensagen kennt.“
Celriel zuckte nur mit den Schultern. Nicht etwa, weil sie die Warnung hinter dieser Einschätzung nicht verstand, sie war einfach nur wütend auf Rijok. „Sonst noch was?“ frage sie ihn scheinbar gleichgültig.
„Haltet Euch einfach an die Geschichte. Wenn wir auffliegen, sind wir alle tot!“ sprach dieser und ritt weg.

Sie sah sich nach Vidar um. Er ritt hinten bei den Suchern und versuchte offenbar immer noch, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie betrachtete ihn genauer, nur so kurz, dass es nicht wirkte, als würde sie ihn anstarren, aber lange genug, um sich sein Aussehen einzuprägen, und wandte ihren Kopf wieder nach vorne.
Vidar... der Name war ihr nicht geläufig, und auch sein Gesicht kam ihr nicht bekannt vor. Aber immerhin waren einst viele Menschen nach Arlondo gekommen, die meisten, um Handel zu treiben, aber auch einfache Reisende. Dass sie ihn nicht kannte bedeutete nur, dass er dort nicht negativ aufgefallen sein dürfte.

„Das war ja ein tollkühnes Husarenstück vorhin!“ Vidar war plötzlich neben ihr und riss sie aus ihren Gedanken.
„Tja, aber leider nicht so effektiv, wie ich gehofft hatte.“ erwiderte sie, ohne ihm den Blick zuzuwenden.
„In der Tat, und Ihr scheint auch nicht ganz ungeschoren davongekommen zu sein“.
Er hatte also bemerkt, dass sie immer wieder kurz vor Schmerzen zusammenzuckte. „Auch das trifft zu.“ Nun sah sie ihm ins Gesicht. „Was wünscht Ihr von mir, Herr Vidar?“
„Wie wäre es als erstes mit Eurem Namen?“ Er lächelte sie freundlich an, doch der Ausdruck in seinen Augen passte nicht zu diesem Gesicht. Sie wirkten kühl, eindringlich, nachforschend.
„Celriel.“
„Ah, >Die Glänzende<. Ein schöner Name.“
Celriel wurde hellhörig. [„Ihr versteht unsere Sprache?“]
Er hob beschwichtigend die Hände. „Meine Güte, nein! Ich habe nur ein paar Sätze und Worte aufgeschnappt, und selbst die vergesse ich allmählich!“
Doch er hatte sich bereits verraten, hatte sie die Frage doch absichtlich in kaum verständlichen Dialekt gestellt. Nur wer lange unter Elfen lebte, hätte die Ohren, um das zu verstehen. Rijoks Einschätzung schien mehr als nur wahr zu sein. Obacht, Celriel!
„Und wie kommt eine tapfere Kriegerin wie Ihr an so einen Dienstherren?“
Dieses Schlitzohr versuchte doch tatsächlich, sie auszufragen! „Nun, ich hatte diesen aussichtslosen Krieg und das nicht enden wollende töten einfach satt, also bin ich … fortgegangen.“ Wie schwer es ihr fiel, diese Worte auszusprechen! Jeder Faser ihres Körpers sträubte sich dagegen, wollte am liebsten die Wahrheit hinausschreien. Doch sie musste diese Lüge aufrechterhalten.

„Dann bin ich allerdings überrascht, dass Ihr so voller Elan in den aussichtslosen Kampf gegen Mork gestürzt habt, und dass Ihr noch immer das Wappen der >Tirith Draug< tragt.“
Erwischt!
Sein Gesicht war ernst geworden. Hatte er selbst erkannt, dass er sich verraten hatte, oder warum benutzte er den elfischen Namen der Wolfsgarde? Aber viel wichtiger war, dass ihm offensichtlich die Bedeutung des Wappens bewusst war.
Sie lehnte sich zu Vidar hinüber und flüsterte ihm verschwörerisch zu: „Na gut, ihr habt mich durchschaut. Ich bin gar nicht desertiert, in Wahrheit bin ich in einer streng geheimen Mission unterwegs! Warum sollte ich mich dabei nicht nützlich machen und mir meinen Lebensunterhalt verdienen? Dem Sklavenhändler habe ich das nur erzählt, damit er nicht an meiner Loyalität ihm gegenüber zweifelt. Männer wie er glauben nicht an Ideale, und Loyalität ist für ihn wie alles andere nur eine Handelsware. Werdet Ihr mich jetzt verraten? Oder bleibt das unser kleines Geheimnis?“
Vidar lehnte sich ebenfalls zu ihr und flüsterte gleichfalls: „Würdet Ihr mir denn den Zweck eurer Mission verraten?“
Plötzlich warf Celriel ihm begehrliche Blicke zu und sagte: „Ich suche einen starken Mann, um mit ihm viele, viele Elfenkrieger zu zeugen!“
Vidars verdutzter Blick ließ ihre Fassade zusammenkrachen. Sie begann herzhaft zu lachen, und gleich darauf stimmte Vidar mit ein.
„Ihr seid mir ja eine!“ sagte er mit erhobenem Zeigefinger. „Beinahe hätte ich Euch diese Geschichte geglaubt.“ Dann, wieder ernster: „ Aber dennoch ist es ungewöhnlich, dass ein Deserteur das Emblem seiner alten Eineit trägt. Wäre es nicht klüger, es wegzuwerfen?“
Celriel griff an die Brosche, die den Umhang zusammenhielt. „Sicher wäre es das. Aber sie ist ein Erinnerungsstück. Vor allem an viele verstorbene Freunde...“ Und das war noch nichtmal gelogen!
„Das tut mir leid. Ich wollte keine alten Wunden aufreißen.“Seine Stimme klang mitleidsvoll. Meinte er das auch so?
Egal, soeben hatte sie ein dermaßen brennender Schmerz durchzuckt, dass sie sich, diesmal deutlich für alle sicht- und hörbar, stöhnend zusammenkrümmen musste.
„Ihr solltet besser einen Arzt aufsuchen! Glücklicherweise steht ein sehr guter in Hafgans Diensten. Haltet Ihr noch so lange durch?“ Vidars Stimme klang aufrichtig besorgt.
„Ja ja, es geht schon.“Sie richtete sich wieder auf und stopfte sich ein Nama-Blatt in den Mund. Wieder dieser seltsame Blick! „Ist was?“ fragte sie ihn, dabei auf dem Blatt herumkauend.
„Nichts, ich habe nur noch nie eine Elfe gesehen, die Namablätter kaut.“
„Wollt Ihr etwa auch eines?“ Sie hielt ihm den Beutel mit den Blättern hin.
„Oh nein, vielen Dank,“ winkte er ab, „Drah'Zil Drogen waren mir immer zu stark.“ Achselzuckend steckte sie den Beutel wieder ein.

Ein menschlicher Doktor. Als ob sie einen dieser menschlichen Quacksalber an sich ranlassen würde! Nein, sie würde sich nachts zu Alari schleichen. Die Priesterin würde schon über elfische Heilkunst Bescheid wissen, immerhin hatte sie ja selbst gesagt, dass sie einst im Krieg die Verwundeten versorgt hatte.

coel
09.11.2016, 01:28
https://abload.de/img/ainecyauv.pngHinter der langen Kette des Farfalgebirge an dessen Fuße lag die Stadt Irmheim. Ein Fluss, der vielmehr einem Wassergraben glich, da Aine kaum eine Strömung wahrnehmen konnte, umgab zusammen mit einem Palisadenwall diese schützend. Obwohl das Fürstentum nicht weit von ihrer Heimat entfernt war, ergab sich nie die Gelegenheit es zu besuchen. Beim genaueren Betrachten dieses Ortes wurde ihr bewusst, dass ihr nichts entgangen war. Von den reichen Silber- und Goldminen schien offensichtlich niemand zu profitieren.
Die hölzerne Brücke überquerend, erreichte sie bereits der modrige Geruch des Wassers. Abfall und andere hineingeworfene Überreste schwammen in der von klebrigen Algen durchsetzten Trübung. Die Wache am Tor, ein Mann mit nur drei Zähnen im schiefen Mund, hielt den Tross an. Sein unrasiertes, pickliges Gesicht verriet nur wenig Hingabe an Sauberkeit jeglicher Art. Ständig wanderten seine Hände an verschiedene Körperstellen, um sich zu kratzen. Wobei Aine mit Ekel feststellen musste, dass dies meist an seinem Schritt war. Speichel floss ihm beim Reden in Fäden aus den Mundwinkeln, die er durch herzhaftes Saugen wieder zurückzog.
„Euer Begehr, Echse?“
Die Drah’Zil konnten sich glücklich schätzen, dass ihre Gesichter nur zu wenig Ausdruck für Emotionen geschaffen waren. Dies wiederum diente ihnen als Händler sehr gut. Auch Rijok änderte seine Miene beim Anblick dieser Vogelscheuche nicht, sondern näherte sich mit seinem Nauglir. Zu Aines Überraschung zeigte sich der Mann völlig unbeeindruckt von der schwarzschuppigen Reitechse, die ihn bösartig anfauchte, trotz eines geringen Abstands von zwei Fuß zu dessen mit rasiermesserscharfen Zähnen gespicktem Maul.
„Drah’Zil“, sagte Rijok bestimmt.
„Was?“
Die Wache zog eine Grimasse und stemmte die breiten Arme in seine Hüften.
„Was redest du, Echse?“, fragte er, weil entweder dumm oder stur war.
Kein Interesse eine Diskussion zu beginnen, seufzte Rijok hörbar auf und deutete mit seinen Klauenhand auf das Gefolge hinter ihm.
„Ich komme mit neuen exotischen Waren für Euren mächtigen Fürsten. Mein Name ist Rijok Silberklinge und ich bitte um Einlass in die Stadt.“
Ein langes Schweigen folgte, in welchem die Wache an dem Sklavenhändler vorbeischritt, um jeden Einzelnen genauer zu betrachten. Als er schließlich Vidar gewahr wurde, brüllte er Ohren betäubend auf und stampfte freudig in dessen Richtung.
„Vidar! Sag bloß du hast es geschafft? Hast du diesen hässlichen Bastard endlich erledigen können?“
Ihr neuer Begleiter lachte bei diesen Worten.
„Das werde ich dir bei einem Krug in der Schenke erzählen, “, sagte Vidar und gähnte dabei gespielt, „Ich will mich aber schlafen legen, Borka. Die Reise war anstrengend und ich bin hundemüde.“
„Natürlich, natürlich…“, entgegnete ihm die Wache, während er Vidar mit einer Geste erklärte, er solle sich vom Pferd zu ihm runterbeugen. Ein undeutliches Gespräch zwischen den Beiden später, erlaubte ihnen dieser Borka die Stadt zu betreten. Mit einem Brüllen zogen die Nauglir den Käfig und mit ihm Aine in das Innere von Irmheims Schutzwall.
Die Straßen waren eine Mischung aus Schlamm, Pfützen und unebenen Pflastersteinen. Aine musste sich an die Gitter klammern, damit sie nicht unkontrolliert hin und her geschüttelt wurde. Die Holzhäuser waren dicht aneinander gebaut worden und jedes hatte einen oder mehrere Knicke als hätte jemand dagegen gestoßen. Es gab kaum Farben, die Aines Aufmerksamkeit erregt hätten. Stattdessen herrschten schmutziges Grau und Braun bis zu rußigem Schwarz an Häuserwänden wie auch an den Kleidern der Bewohner. Jene besaßen das Aussehen von harten Arbeitern und hochgewachsenen Nordmenschen. Haut und Haare waren hell und viele der Augen leuchteten mit einem stechenden Blau. Doch nicht selten war dieses getrübt und die Gesichter wirkten fahl und kränklich. Für Aine bedeutete dieser Ort, nicht ein Ziel zu sein, sondern ein Ende. Hier wurde man geboren und starb hier auch. Nichts deutete eine hoffnungsvolle Zukunft an und damit hatten sich die Bewohner schon lange zufrieden gegeben.
„Ich sorge mich“, hörte Aine Alari neben sich sprechen und wandte ihr daraufhin das Gesicht zu, „Kennt ihr diese Stadt?“
Aine schüttelte den Kopf.
„Soll sich ein Fürst nicht um das Wohl seiner Untertanen sorgen?“, fragte Alari und zog ihre Stirn in Falten, die so völlig untypisch auf der glatten Elfenhaut wirkten.
„Offenbar nutzt er den Ertrag der Minen für andere Ausgaben.“
„Vielleicht lagert er das ganze Gold irgendwo“, sprach die Goblin, welche mit vor Begeisterung glänzenden Augen alles um sich herum aufnahm, „Er kann doch unmöglich alles wegbringen… und ich sehe keines. Er muss es versteckt haben!“
„Wir sind nicht hier um Gold zu stehlen“, erklärte ihr Alari im Flüsterton, „Dem Artefakt gilt unsere gesamte Aufmerksamkeit.“
„Spricht etwas dagegen, dass ich mir ein Andenken mitnehme? Eine Bezahlung für all den Ärger?“, entgegnete Nezlez empört.
Deine Bezahlung sollte das Maul eines Nauglir sein, dachte sich Aine und stumm verfolgte sie, wie Rijok sie zu einem großen Haus führte.

Willkommen in Irmheim.
Das große Haus ist euer Lager für die Nacht, wo jeder von euch seinen eigenen Trip in die Vergangenheit beschreibt. Eine kleine Einleitung in den Traum wäre auch nett, wenn ihr euch die Mühe bitte macht. Liest sich besser ;)
Wenn ihr wollt, könnt ihr gerne noch Unterhaltungen führen. Auch Vidar wird dort nächtigen, allerdings nicht bei den Sklaven, selbstverständlich ^^
Wer also auch mit dem plauschen will, bitte.

Am nächsten Morgen lernen wir dann endlich den Fürsten kennen :)

Waltikon
09.11.2016, 19:45
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Die Stadt sah noch schlimmer aus, als sich Celriel eine Menschenstadt vorgestellt hatte. Nein, noch um ein vielfaches hässlicher und trostloser. Und ihre Bewohner sahen keinen Deut besser aus. Hatte sie den Wächter am Tor noch für einen einfach nur extrem unhygienischen Dreckspatz gehalten, musste sie nun entsetzt feststellen, dass sein Erscheinungsbild eher die Norm war. Es war nur schwer zu glauben, dass dies die Hauptstadt eines der reichsten Fürstentümer der Menschen sein sollte...

Als sie schließlich bei dem großen Haus angekommen waren, das Rijok für sie als Unterkunft ausgewählt hatte, waren die Schmerzen trotz der Namablätter, die sie unterwegs gekaut hatte, kaum noch auszuhalten. Sie fiel mehr vom Pferd, als sie abstieg. Trotz einiger mitleidiger Blicke und Hilfsangebote ließ sie es sich nicht nehmen, ihr Pferd selbst zu versorgen.

Nachdem dies erledigt und Vidars drängen, doch gleich den Arzt aufzusuchen, abgewiesen war, begab sie sich auf ihr Zimmer. Kaum dass sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, kippte sie fast um. Das halt ich bestimmt nicht mehr lange durch.
Sie nahm nochmal alle Kraft zusammen, verließ das Zimmer wieder und ging zu den Kammern, wo die „Sklaven“ untergebracht waren.
„Aufschließen!“ befahl sie dem Söldner, der die erste Wache übernommen hatte. „Ich nehme diese Elfe mit, sie muss mir zur Hand gehen.“ Um etwaigen Zweifeln des Söldners zuvorzukommen fügte sie noch hinzu: „Rijok hats befohlen.“
Daraufhin öffnete der Söldner die Tür, und Celriel befahl der am nackten Boden kauernden Alari in schroffem Ton, mitzukommen.
Als sie schließlich die Tür von Celriels Zimmer hinter sich geschlossen hatten, konnte diese sich nicht mehr auf den Beinen halten. Sie sackte auf die Knie und begann, ihre Rüstung abzulegen...

Rosered_Strauss
09.11.2016, 20:14
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAls Alari mit ihren Gefährten die Siedlung erreichte, staunte sie nicht schlecht. Sie war so vollkommen... anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Ähnlich wie zu dem Zeitpunkt, an dem sie in Ashan ankamen, hatte sie das Gefühl, über die Torschwelle in eine andere Welt zu treten. Doch diese sah wesentlich düsterer aus und hatte den durchdringenden Geruch nach Schweiß und Verzweiflung, der ihre Sinne benebelte. „Kein guter Ort ist dies... das Leben ist hier lange nicht so, wie es einem lebenden, denkenden Wesen angemessen wäre.“ meinte sie leise, als ihr Blick auf die Menschen fiel. Das smaragdgrün ihrer Augen schien nur noch schwach zu leuchten, als sie die Stille Akzeptanz des Elends um sich herum aufnahm.

Sie wurden zu einem der größeren Gebäude geführt und wurden in einem der bewachten Räume untergebracht. Gitterstäbe vor den Fenstern, Wachen vor der Tür und stabile Materialien liessen keinerlei Illusion darüber bestehen, dass sie in diesem Raum Gefangene waren. Nun sogar mehr als das – sie waren Sklaven und würden am morgigen Tage als solche verkauft werden. Der Gedanke, dass dies nur eine List war, machte den Umstand nicht besser, dass sie unter den selben Konditionen würden Leben müssen, mit einer sehr reellen Gefährdung des Selbigen. Allerdings wurde Alaris Gedankengang unterbrochen, als Celriel sich Zutritt verschaffte und ihr befahl, sie auf ihr Zimmer zu begleiten.

Dort angelangt, brach diese beinahe zusammen. Als sie begann, sich ihrer Rüstung zu entledigen, hielt Alari sie auf. [„Halte ein!“] befahl sie, als die Kriegerin inne hielt und sie fragend ansah. Die Priesterin half Celriel aufs Bett und machte sich dann mit geübten Handgriffen daran, ihr die Rüstung vom Leib zu nehmen. [„Ihr habt Erfahrung damit, wie ich sehe.“] merkte die Wolfskriegerin an, als Alari ein leises, melodiöses Lachen darauf erklingen liess. [„Celriel, ich habe während des Krieges viel Zeit im Lazarett verbracht, wenn mein Meister mich nicht gerade anderweitig auf Mission gesandt hatte oder die anderen Priester meine Stimme benötigten, um sie mit den Ihren zu vereinen. Ich mag ihre Hohepriesterin gewesen sein, aber wenn der Krieg eines ist, dann ein Gleichmacher. Wir alle waren davon betroffen, und alle waren gleichermaßen durch die Waffen unserer Feinde bedroht.“]

Als sie Celriel schliesslich ihres ledernen Schutzes beraubt hatte, nahm sie ihr nochdie obere Gewandung ab. [„lasst mich einen Blick darauf werfen. Ich weiss, dass ihr schwer gestürzt seid, doch würde ich mich gerne versichern, dass wir keine anderen Wunden übersehen. In Kürze werden wir alle Eure Stärke benötigen, und eine Entzündung wird weder Euch noch Uns dienlich sein. Wenn ihr Verbandszeug vor Ort habt, kann ich Euch sogleich verarzten, sofern Ihr dies zulasst.“]

Waltikon
09.11.2016, 23:37
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Celriel deutet auf ihren achtlos in die Ecke geworfenen Beutel. [„Da drin ist ein Medizinbündel. Verbandszeug und ein paar Kräuter.“] Sie ließ den Arm kraftlos sinken. Sogar diese simple Geste war die reinste Tortur gewesen. Während Alari sie mit kundigen Händen abtastete, musste sie sich mehrmals den Mund zuhalten, um den aufkommenden Schmerzensschrei zu unterdrücken.
[„Wie viele Eurer Patienten haben nochmal Eure Behandlung überlebt?“] giftete sie die Priesterin an, als diese eine besonders schmerzhafte Stelle gedrückt hatte.

["Leider nicht genug."] erwiderte die Priesterin ruhig, als sie vorsichtig eine der schmerzhafteren Stellen erneut untersuchte. ["Aber die meisten Wunden, die ich zu verarzten versuchte, waren abgetrennte Gliedmaßen oder dergleichen. Weder Medizin noch Verbände reichten für eine Schlacht, das taten sie nie. Mit der Zeit musste ein jeder von uns lernen, die Schreie und einfach alle schmerzlichen Umstände auszublenden, oder man würde im entscheidenden Moment eine zittrige Hand haben."]

War es du Ruhe, mit der Alari reagierte? Oder waren es die Worte selbst, die so nüchtern das wahre Wesen einer Schlacht auf einen einfachen Nenner brachten? Leben oder sterben, töten oder getötet werden. Das, und nur das, war es, worum es im Felde wirklich ging...
Erneut drückte Alari diese schmerzhafte Stelle, und erneut entlockte es Celriel einen Schmerzensschrei. [„Ja, genau hier tuts höllisch weh, falls Euch das beim ersten Mal nicht aufgefallen sein sollte!“]

[„Das ist gut.“] meinte Alari mit einem leisen Lächeln. [„Selbst wenn alles andere versagt, zeigt Euch der Schmerz, dass Ihr am Leben seid. Brennender Schmerz unterscheidet sich von der eisigen Kälte, die vielen Toden vorangeht, wenn das verlorene Blut den Körper zu sehr hat abkühlen lassen...“] Sie begann damit, einige Kräuter in einem Mörser zu zerstampfen, während ihr Blick zu Celriels Kopfpartie hinauf wanderte. [„Aber Ihr selbst seid mit solcherlei Schlachten ebenfalls vertraut, dass sieht man. Nicht umsonst tragt Ihr jene prominente Narbe... Eine solche Verletzung muss sehr schmerzhaft gewesen sein. Wie ist sie entstanden?“] Zur Verdeutlichung, welche Verletzung sie meinte, ließ sie kurz vom Mörser ab, fuhr ihr durchs Haar und ließ ihre Fingerspitzen sanft die lange, hell von ihrer Haut abstehende Narbe entlang gleiten.

Alaris Berührung verursachte ein kribbeln, das eigentlich nicht unangenehm war, doch die damit verbundenen Erinnerungen waren es.
[„Diese Narbe verdanke ich den Shantiri. Sie wurde mir in jener Nacht zugefügt, in der sie unser Volk massakrierten!“] Die Erinnerungen überschwemmten sie regelrecht, als sie ebenfalls über die Narbe strich, und ihre Hände begannen zu zittern. [„Ich hatte davor schon grauenhaftes gesehen, und danach ebenso, aber das...“] Ihre Stimme wurde beinahe weinerlich. [„Das Blut... es floss in Strömen durch die Straßen, und... überall lagen Leichen. Nicht nur Krieger, nein, auch Frauen, Kinder, Alte... Und die Shantiri, sie... sie schändeten sogar noch die Toten! Sie... sie haben sie sogar... angefressen.“] Sie begann zu schluchzen.

Als Alari sah, wie Celriels Augen nach und nach das innere Feuer verloren und sich trübe Mattigkeit in ihnen breit machte, hatte sich die Priesterin bereits vor die Wolfsgardistin gesetzt. Als die Tränen, die auch das Feuer ihres Blickes gelöscht hatten, aus den Fenstern ihrer Seele flossen, schloss sie die gestandene Kriegerin sachte in die Arme. [„Mein Herz blutet mit dir, Schwester.“] flüsterte sie, während sie den zitternden Leib der muskulösen Elfe gegen ihren eigenen, kleineren Körper drückte. [„Ich war nicht dort, daher kann ich niemals ganz nachvollziehen, wie viel das Volk der Elfen an jenem Tage verloren hat. Aber ich leide mit denen, die wie wir Narben durch die Hände dieser verlorenen Seelen davontragen mussten.“] Sacht fuhr sie ihr über das Haar, als sie weiterhin beruhigend auf sie einredete, ganz so, wie es eine Mutter mit ihrem Kind tun würde. [„Halte deine Tränen nicht zurück, Celriel. Lass deine Trauer hinaus und sperre sie nicht in dir ein. Lass nicht zu, dass der Schmerz nicht nur deine Vergangenheit, sondern auch deine Zukunft prägt.“]

Celriel fing sich wieder. Sie atmete tief durch und legte ihre Hände in den Schoß. [„Wir kämpften nur noch ums nackte Überleben. Keine Schlachtordnung, keine Fahnen, jeder für sich, irgendwo, umringt von Feinden. Schließlich wurde es schwarz um mich und das nächste...“] wieder stockte ihr die Stimme, [„das nächste, woran ich mich erinnere ist, wie ich aufwache, auf mir, unter mir, neben mir, überall Leichen. Und Blut, Gedärme, abgehackte Gliedmaßen, der süßliche Geruch beginnender Verwesung... Ich war... Ich war einfach...“] Sie machte eine Pause. [„Dann sah ich... einen Arm. Nur einen Arm, mehr war da nicht. Und doch wusste ich, es war...“] Wieder versage die Stimme. [„Ich wollte weg, nur noch weg! Ich... ich weiß nicht mehr genau... ich muss mich wohl aufgerafft haben und in den Wald gelaufen sein. Dort hat man mich dann später gefunden und in ein Lazarett gebracht.“]

Alari hatte sich von der Elfe gelöst, als diese zu sprechen anfing. Ihre Stimme hatte wieder etwas an Kraft gewonnen, doch ganz auf der Höhe befand diese sich noch nicht. Als sie von ihren Verletzungen erzählte, davon, welche Gräuel sie überstanden hatte, bemerkte sie, dass sie sich über den Armreif fuhr, den sie trug. Ihr fiel auf, dass sie die Wolfsgardistin noch nie ohne das Kleinod gesehen hatte. [„Und wenn mich nicht alles täuscht, spielt auch dieses hier eine wichtige Rolle in Eurem Werdegang, nicht wahr?“] meinte sie und umgriff Celriels Hand, als diese wieder über das Schmuckstück fuhr. [„Auch das verstehe ich. In diesen Zeiten, in denen uns oft nur Erinnerungen von den Dingen bleiben, die uns wichtig sind, sind solche Dinge von unschätzbarem Wert. Nur ein Narr würde sich ihrer schämen oder sie gar verschmähen.“]

Erst jetzt merkte Celriel, dass sie die ganze Zeit mit dem Armreif gespielt hatte. [„Er gehörte meiner Mutter...“] Sie drehte ihn so, dass Alari das wunderschön gravierte Plättchen an seiner Oberfläche bewundern konnte. [„Schön, nicht? Er ist absolut einzigartig. Solange ich mich erinnern kann, hatte sie den getragen. Nie hat sie ihn abgelegt. Niemals!“] Ihre Stimme wurde wieder härter. [„Daran erkannte ich, dass es der Arm meiner Mutter war, der da vor mir lag.“] Noch einmal holte sie tief Luft. [„Später, ich glaube es war im zweiten Monat meines Lazarettaufenthalts, kamen ein paar Kameraden zu Besuch. Sie erzählten mir, dass sie meinen Seelenpartner gefunden hätten – oder was von ihm noch übrig war.“] Wieder stockte ihre stimme. [„Die Shantiri hatten ihn grausamst zu Tode gefoltert. Ausgerechnet ihn, der sie doch immer wie gleichwertige behandelt hatte! Seine Leiche muss so furchtbar entstellt gewesen sein, sie ließen mich nichtmal von ihm Abschied nehmen...“] Wieder schluchzte sie kurz auf, ehe sie weitersprach: [„Sie haben mir alles genommen... und nicht nur mir...“]

Alari erwiderte nichts auf die Erzählung Celriels, machte sich sogar wieder an die Arbeit. Während sie die Elfe verband, berichtete diese von ihrem Armreif, von dem Schmerz, den sie durchlitten hatte und damit auch von dem Schmerz, den sie jetzt noch verspürte. [„Ich danke dir dafür, dass du mir davon erzählt hast. Nur du bist in der Lage, diese Wunde heilen zu lassen – das Reden darüber ist oftmals der erste, wichtige Schritt.“] Sie schnitt den Verband ab und besah sich ihr Werk. [„Und wo wir schon von Wunden sprechen... Du hast dir mehrere Rippen angebrochen und dir einige Prellungen zugezogen. Ich würde es an deiner Stelle die kommenden Tage so ruhig angehen lassen, wie es die Situation erlaubt.“]
[„Ja, Frau Doktor!“] Ein hochziehen der Augenbraue war das einzige Zeichen, dass Alari Celriels wiederhergestellte Fassung zur Kenntnis nahm.
Als sie sich erhob, deutete sie auf die Tasche. [„Es würde dir doch sicherlich nichts ausmachen, wenn ich ein paar Kräuter und Verbände mitnehme, oder? Einige meiner Begleiter sind verletzt, und ich würde auch sie gerne versorgen.“ ]

[„Natürlich, nimm mit, was du brauchst.“] Sie zog sich ihr Obergewand wieder an. Die Rüstung würde sie vor dem Morgen nicht mehr brauchen. [„Dann bringe ich dich jetzt wieder zurück.“] sagte sie, nachdem Alari ihre Taschen vollgestopft hatte. [„Und übrigens... Danke. Für alles.“] fügte Celriel noch hinzu, ehe sie, ohne eine Erwiderung abzuwarten, die Türe öffnete.
Nachdem sie Alari wieder in ihrer Zelle abgeliefert hatte, begab sich Celriel ebenfalls zur Ruhe, auch wenn sie annahm, dass es keine angenehme Nacht werden würde.

Rosered_Strauss
10.11.2016, 00:29
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAls Alari zurück in das Sklavenquartier gebracht wurde und ihr Blick zu ihren Gefährten wanderte, konnte sie einen schweren Seufzer nur mit Mühe unterdrücken. Es war seltsam – essentiell waren sie alle einander noch fremd, wussten gerade einmal Namen und Beruf voneinander, aber noch nicht viel mehr. Zu Celriel fand sie langsam Zutritt, aber sie war nur eine in ihrer kleinen Zweckgemeinschaft. Die Elfe vermutete jedoch, dass sie einander noch viel zumuten werden müssten, bis diese Situation gelöst war. Doch sie durfte sich von den Gedanken an die Zukunft nicht lähmen lassen und sich stattdessen der Gegenwart zuwenden müssen. Somit ging sie an den bereits schlafenden Individuen vorbei, die sich wohl schon zur Ruhe gelegt hatten. Ihr Blick blieb an Aine hängen, die scheinbar Probleme mit dem Einschlafen hatte – noch hatte man sich nur notdürftig um ihre Verletzungen gekümmert, einen Umstand, den sie nun beheben sollte.

„Verzeiht, dass ich Eure Versuche störe, Schlaf zu finden.“ meinte sie mit melodiöser Stimme, griff sich einen nahen Hocker und setzte sich zu der Maga ans Bett. „Doch dünkt es mir, als wollte sich Erholung nicht recht einstellen, da Eure Hände Euch Pein verursachen. Wenn Ihr es mir erlauben würdet, mir diese einmal näher zu besehen, könnte ich Euch jedoch womöglich helfen.“ Ihre altertümliche Sprache – sie musste sich unbedingt den aktuellen Sprachgebrauch aneignen! - erweckte Aines Aufmerksamkeit, als diese etwas träge das gesagte begriff, sich aufsetzte und Alari ihre Hände präsentierte. Vorsichtig streckte diese ihre eigenen danach aus, um sie sich näher zu besehen, während ihre eigenen, erst kürzlich erworbenen Narben unter den Ärmeln ihrer Gewandung hervor lugten.

Als sie sich die Verbrennungen nahe genug besehen hatte, machte sie sich daran, einige der mitgenommenen Kräuter abzuzählen und zu einer kühlenden Paste zu verarbeiten. Die Werkzeuge, die ihr hier zur Verfügung standen, rangierten von ungenügend bis nicht existent, daher musste sie improvisieren, doch sie war zuversichtlich, dass sie dies nicht aufhalten würde. „Warum?“ Die Elfe schaute überrascht auf und fand ihren eigenen Blick von dem Aines gebannt. „Warum tut Ihr all das? Es wäre doch einfacher, wenn jeder für sich kämpft. Sonst tun das doch fast alle hier...“ Alari erwiederte den Blick einige Herzschläge lang, während ihre Augen in dem dunklen Zimmer still vor sich hin glommen.

„Aus zweierlei Gründen, geschätzte Aine.“ meinte die Elfe, als sie sich wieder ihrer Arbeit widmete. „Zum Einen sind wir alle vom gleichen Schicksal betroffen. Wenn wir nicht aufeinander aufpassen, einander nicht vertrauen, wird es niemand tun. Wenn freundliche Worte und eine helfende Hand Linderung verschaffen und jemandem dabei helfen, ein Stück seines eigenen Weges zurück zu legen, will ich diese geben, so ich denn kann. Ich bin nicht zur Hohen Priesterin und Vertrauten meines Meisters aufgestiegen, ohne mein Herz in mein Streben zu stecken.“ Als sie die Paste fertig hatte, sah sie sie wieder an, das Gesicht hinter herunter fallenden Strähnen ihres feuerroten Haares verborgen. „Der andere Grund ist, dass es mir hilft. Es ist... schwer für mich, hier zu sein. All das zu erleben. Nicht nur, weil es Krieg ist oder weil es uns nicht gut geht. Ich habe die letzten Jahrzehnte im Krieg verbracht und bin mit dessen Gräueln vertraut, auch wenn sie mich immer noch berühren.

Nein, ich musste erkennen, dass ich dieser Tage eine Fremde bin. Mein Volk ist fort, andere Entscheidungen, als ich sie getroffen hätte, haben sie auf einen Pfad geführt, der auf einen Abgrund zusteuert. All jene, die ich kannte, sind schon vor Elfenaltern verstorben, ihren Familien bin ich unbekannt. Ich bin allein, habe nichts mehr, das mir Halt gibt, nichts, an das ich mich lehnen kann. Mir bleibt nur der Glaube und die Hoffnung, meinen Meister zu finden, so er tatsächlich noch auf dieser Welt wandert. Doch beides alleine ist magere Kost, wenn man hungern muss – und so konzentriere ich mich auf eine vertraute Aufgabe, konzentriere mich darauf, zu helfen. Ich tue dies für Euch genauso wie für mich, damit mich nicht die Last dessen niederdrückt, was mir das Schicksal auferlegt hat.“ Sie schenkte der Maga ein kurzes Lächeln, in dem so viel Trauer lag, dass Aine sich unwillkürlich fragte, warum sie überhaupt herum lief und sich nicht in eine Ecke zum Sterben zurück zog. „Und so harre ich aus, erdulde, was man mir auferlegt hat, und fahre fort zu hoffen. Und gleich, wie trügerisch diese Hoffnung auch sein mag – Asha selbst machte mir da keine Illusionen – ist sie doch alles, was mir verbleibt.“

coel
10.11.2016, 00:48
https://abload.de/img/ainecyauvrmy2u.pngDas gelbe, trockene Laub knirschte unter den beschlagenen Hufen des Pferdes, als es sich dem Stamm eines Apfelbaumes genähert hatte. Die wild herumliegenden Früchte, von denen einige bereits zu faulen begannen, zogen mit ihrem süßlichen Duft das Reittier an. Mit geschickten Bewegung der wulstigen Lippen führte es einen der roten Äpfel zum Maul, um diesen dann mit einem lauten, schmatzenden Geräusch gierig zu kauen. Aine gönnte ihrem Pferd dieses Vergnügen, denn immerhin war es tapfer mit nur wenigen Pausen galoppiert und hatte ihr somit mehr als treu gedient. Ihre mattblauen Augen wanderten über eine Landschaft, die jeden Maler mit Begeisterung dazu angeregt hätte, es auf eine Leinwand zu verewigen. Wie die Linien eines Buches verliefen die Weinreben lang an den Hängen und gediehen in der wohligen Wärme einer Sonne, deren Schein von keiner einzigen Wolke behindert wurde. Auf der Spitze eines großen Hügels thronte die Falkenburg mit ihren dicken, eckigen Türmen und einer massiven, scheinbar undurchdringlichen Mauer. Um diese herum glänzten die Dächer einer kleinen Stadt, deren schwere Tempelglocken mit wuchtigen Klängen die Mittagszeit verkündeten. Zwischen den Schlägen hörte Aine das Kreischen der Möwen, die als schneeweiße Punkte im blauen Himmel ihre Runden flogen. In der Mitte spiegelte die schimmernde Oberfläche des weitläufigen Sees Midra dieses Bild, welches Aine das Herz höher schlagen ließ. Sie war zurück in ihrer Heimat. Nach ihrer langen, grauenhaften Ausbildung war sie nun wieder dort, wo sie sich wohl und sicher fühlte.
Nachdem drei weitere Äpfel im Bauch des Pferdes verschwunden waren, lenkte es sie vom Baum weg und steuerte den Pfad, welcher zu der Falkenburg führte, an. Bauern, die auf ihren Karren die schnaubenden Ochsen antrieben, kamen ihr entgegen und begegneten ihr teils freundlich teils misstrauisch. Einige der Gesichter erkannte sie, Aine vermied es jedoch sich zu offenbaren, da es sie in die Stadt drängte. Diese war selbst von einer stattlichen Mauer umringt, allerdings wies sie nicht die gleiche Stärke die der Burg auf. Kaum war sie durch das Tor geritten, bemerkte sie begeistert, dass die Bewohner noch in den Vorbereitungen des Erntedankfestes waren. Vielmehr sollte es Weinfest genannt werden, denn genau das war es auch. Zwar dankte man den Göttern für eine reiche Ernte, doch die wirkliche Huldigung erhielt der beliebte Rebensaft. Der Stadtmarkt, der den ganzen Tag auf dem Mosaikplatz vor dem Glenntempel stattfand, war erfüllt von alten wie auch neuen Winzer aus der ganzen Region, die ihre rote oder weiße flüssige Ware anpriesen. Von einer kindlichen Neugier angeregt, versuchte Aine einen Freund zu entdecken, dessen Weingut sie oft als Kind besucht hatte. Doch bevor sie diesen finden konnte, erregte bereits etwas anderes ihre Aufmerksamkeit.
Eine bekannte Stimme drang an ihr Ohr, eine Stimme, die sie seit langer Zeit vermisst hatte. Behände stieg sie vom Pferd und folgte dem Laut. Kurz darauf erblickte sie, von vier Soldaten flankiert, ein Mädchen an dessen Körper sich schon die Merkmale einer Frau abzeichneten. Sie unterhielt sich angeregt mit einem greisen Händler, der versuchte, sie zum Kauf seiner Äpfel zu begeistern. Beim Beobachten der Art, wie sie mit dem Mann sprach, und ihre deutliche Scham sein Angebot zurückzuweisen, erkannte Aine ihre Schwester Ceridwen. Ihr Starren wurde jedoch nicht gern gesehen und so blickte Aine plötzlich in die durchdringenden Augen von einer Stadtwache, die ihr Tun skeptisch beobachtet hatte.
„Ich kenne jedes Gesicht auf diesem Marktplatz, doch deins habe ich noch nie gesehen“, schnaubte der schnurrbärtige, beleibte Mann, dessen breiter Kopf einem Kürbis glich, Aine an.
„Ich bezweifle ernsthaft, dass Ihr jedes Gesicht kennt“, gab Aine herausfordernd zurück, angestachelt durch die Behauptung der Wache.
„Deine Zweifel interessieren mich nicht. Entweder du sagst mir, woher du kommst und was du hier suchst oder wir machen einen Spaziergang zum Wachhaus“, entgegnete ihr die Wache in einem Ton, der keine Widerrede dulden würde.
Die Unterhaltung mit der Wache erregte die Aufmerksamkeit ihrer Schwester, die das Ganze nun gespannt mitverfolgte. Seufzend begriff Aine, dass ihre Chance auf eine Überraschung verblasst war und so griff sie zu einem Mittel, auf welches sie am liebsten verzichtet hätte.
Bevor Aine den Siegelring mit Falkenwappen auf ihren Finger überstreifen konnte, war die Wache schon auf die Knie gesunken.
„Ich…“, begann der Mann Worte zu finden, die sein Handeln entschuldigen würden, „Es tut mir leid, ich habe Euch nicht erkannt.“
Aber das interessierte Aine nicht, sondern das Mädchen, welches sich die Hände über den Mund hielt und dem Tränen der Freude über ihre rosigen Wangen zu laufen begannen. Sie selbst breitete ihre Arme aus, um ihre Schwester zu empfangen. Bald standen sie vereint und glücklich auf dem Marktplatz und weinten über die so lang ersehnte Rückkehr.

„Das ist unglaublich, Aine!“, sagte Ceridwen und kreischte fast vor Begeisterung, „Erzähl mir mehr! Ich will alles erfahren!“
Aine lächelte und drückte zärtlich die Hand ihrer Schwester, während sie durch den Burggarten wanderten. Sie war hier oft als Kind gewesen, um mit ihren Schwestern zu spielen oder aber auch zum Lesen. Ein Ort, an welchem sie sich zurückziehen konnte, wenn sie das Gefühl hatte, dass sie allein sein wollte. Doch nun freute sie sich über die Gesellschaft von Ceridwen, obwohl es sie zu einem anderen Familienmitglied zog.
„Bald werde ich dir alles erzähle, aber ich muss Vater endlich sehen.“
„Warum hast du uns keine Briefe geschickt? Edana und ich haben uns oft gefragt, wie es dir geht.“
Wie es mir erging, werdet ihr nie erfahren, dachte sich Aine verbittert.
„Es…“, sie seufzte, „Es ging mir gut.“
Wiederum lächelte sie, doch dieses Mal war es gespielt. Ihre Schwester schien zu durchschauen, als sie sie mit ihren großen blauen Augen ungläubig betrachtete, doch sie behielt ihre Gedanken für sich.
„Du weißt, dass Vater gerade in einer Besprechung ist. Jemand aus Wiringol ist sogar dabei.“
Dies überraschte Aine und machte zugleich neugierig. Wiringol war das östliche Grenzgebiet zum menschlichen Imperium, und war früher ein Teil dieses gewesen. Allerdings hatten es die Orkhorden nach ihrer letzten großen Invasion erfolgreich übernommen. Die Orks waren jedoch ein wilder aufgeteilter Haufen und nur durch rohe Gewalt konnte man sie vereinen. Sobald ihr Anführer gefallen war, zerfiel die gebündelte Kraft der Orks und verteilte sich überall in Wiringol. Trotz dieser Annektierung leben immer noch die Einheimischen dort und weigern sich vehement ihre Heimat zu verlassen. Die Wiringoler Orkschlächter sind im gesamten Menschenreich bekannte und begehrte Krieger. Niemand versteht und tötet die Orks besser als sie. Möglicherweise war dieser Jemand ein Mitglied dieser Elite.
„Über was reden sie?“, fragte Aine.
„Keine Ahnung“, antwortete Ceridwen ehrlich und fuhr sich nachdenklich durch das Haar, „Es hat sicher etwas mit langweiliger Politik zu tun.“
„Politik ist alles andere als langweilig, mein Kind.“
Eine unbekannte Frau in einer verstärkten Lederrüstung war im Garten erschienen. Ihr kurzgeschnittenes, rabenschwarzes Haar glänzte im Sonnenlicht, als sie aus dem Schatten der Überdachung trat. Ihr Gesicht war ein wildes Netz aus Narben, die ihre maskulinen Züge dadurch noch mehr hervorhoben. Sie war deutlich kräftiger gebaut als eine normale Frau, was das Knirschen des Leders ihrer Kleidung bewies, wenn ihre ausgeprägten Muskeln dagegen drückten. Dennoch strahlte sie eine für manche anziehende Weiblichkeit aus, die auch Aine bemerkte und bei diesem Gedanken kurz erschrak. Bevor sie sich darüber klar werden konnte, was ihr da gerade durch den Kopf gegangen war, hatte die Frau auch schon wieder begonnen weiter zu reden.
„Ich hörte, Ihr wolltet Euren Vater sprechen, Aine Mac Cairr?“
Aine nickte.
„Dann bitte ich Euch begleiten zu dürfen. Ich würde gerne mehr über euch erfahren.“

Nach acht langen Jahren hatte sich das Aussehen ihres Vaters bis auf ein paar graue Strähnen kaum verändert. Er war immer noch so, wie sie ihn in Erinnerung behalten hatte. Eine große, eindrucksvolle Statur, die einerseits bedrohlich andrerseits auch liebevoll sein konnte. Diesmal war sein Gesicht, welches einer aus Stein gemeißelte Büste mit harten, schnittigen Kanten ähnelte, eine undurchschaubare Fassade, deren Emotionen Aine nicht deuten konnte, während er ihr Kommen stumm von seinem Thron aus beobachtete.
Die Frau, mit der Aine zusammen durch die Hallen der Burg zu dem Thronsaal geschritten war, befand sich immer noch an ihrer Seite. Sie hatte sich Aine als Casta vorgestellt und eine leichte Unterhaltung über ihre Vergangenheit mit ihr geführt. Obwohl sie Aine als eine angenehme Person empfand, wollte sie mit ihrem Vater alleine sein. Zu ihrem Ärger, schien diese Casta keinerlei Anstalten zu machen, dass sie den Raum verlassen würde. Stattdessen stellte sie sich etwas abseits an eines der schmalen, aber hohen Fenster und starrte geistesabwesend durch diese.
„Ich freue mich, dich wiederzusehen, mein Kind“, durchbrach ihr Vater schließlich das angespannte Schweigen, wie ein Stein, der durch eine Scheibe geworfen wurde. Kaum waren diese Worte ausgesprochen, fühlte Aine, wie die Wut in ihr aufbrodelte.
„Ist das so?“, antwortete sie ihm giftig und verschränkte die Arme, „Dafür hast du mich ziemlich leichtfertig gehen lassen, Vater.“
Sie sah, wie ihr Vater kurz seine Augen schloss und dabei seufzte.
„Du weißt, dass ich das tun musste. Ich…“
„Falsch!“, unterbrach ihn Aine mit ihrem Zwischenruf. Doch bevor sie weiterreden konnte, war es ihr Vater, der sie mit einem strengen Ton stoppte.
„ICH bin DEIN Vater, Aine! Benimm dich deiner Stellung entsprechend!“
„Warum hast du mich dann mit dieser Hexe fortgeschickt?!“, schrie sie ihn an, ohne seinen vorherigen Worten Beachtung zu schenken.
„Weil es um deine Sicherheit ging. Ich habe bereits deine Mutter verloren und ich wollte nicht auch noch eines meiner teuren Kinder verlieren.“
„Es geht hier nicht um dich! Wessen Schicksal hast du auf diese Weise derart beeinflusst? Meines!“
Für einen Moment herrschte Schwiegen beide Seiten wie auch Casta, die sich nun umgedreht hatte und die Szene verfolgte. Aine interessierte sich nicht für sie und sah nur ihren Vater, auf den ihr ganzer Hass konzentriert war. Am liebsten würde sie ihn mit ihren neu erlangten Fähigkeiten zu Staub und Asche verbrennen, aber das konnte sie ihren beiden Schwestern nicht antun.
„Bist du etwa zurückgekehrt, um mir Vorwürfe zu machen?“, fragte ihr Vater, erhob sich von seinem Thron und schritt langsam auf sie zu.
„Nein, ich bin wegen meiner Pflicht gekommen.“
Ihr Vater blieb abrupt stehen.
„Deine Pflicht?“
„Meine Pflicht dein Erbe anzutreten“, antwortete sie ihm entschlossen.
„Das wird nicht geschehen“, sagte Casta plötzlich zu Aine gewandt, „Ihr dürft das Erbe Eures Vaters nicht antreten. Es ist durch ein königliches Dekret im gesamten Imperium untersagt worden.“
Aines Augen verengten sich.
„Ihr lügt“, entgegnete ihr Aine, auch wenn Zweifel in ihr aufkeimte.
„Es stimmt“, sagte ihr Vater und Aine bemerkte die Veränderung in seiner Stimme zu einer väterlich, sorgenden, „Magier dürfen keine Fürsten werden.“
All die Bilder einer neuen besseren Zukunft zersplitterten vor Aines geistigem Augen. Sie versuchte etwas zu sagen, doch ihre Kehle war von dem Schlag dieser Gewissheit wie zugeschnürt. Aufkommende Tränen unterdrückend, gelang es ihr schließlich zu sprechen.
„Ich verstehe.“
Ihr Vater wollte sie umarmen, doch sie wich seiner Bewegung aus.
„Es tut mir Leid, Aine.“
„Mir auch, Vater.“
Nach diesen Worten, drehte sich Aine um und verließ den Thronsaal ohne sich umzusehen.

Aeon525
11.11.2016, 01:07
Schweigend saß Rijok auf dem viel zu kleinem Bett des hiesigen Gasthauses. Inzwischen spürte er das Brennen in seinem Rachen kaum noch. Er nahm einen weiteren Schluck aus dem tönernen Becher, dann noch einen und noch einen. Nur langsam kroch ihm die warme Taubheit, die er sich gerade so verzweifelt herbeisehnte, in die Glieder. Seine glasigen Augen schweiften an der kahlen Wand entlang, als suchten sie etwas, woran sie sich festhalten konnten, woran ER sich festhalten konnte. Nur zwei Dinge hingen an der Wand. Ein Gemälde so vergilbt, dass es unmöglich war, seinen Inhalt auszumachen und ein Amulett. Sein Amulett. Die Erinnerungen brachen über ihn herein wie ein Sandsturm im Herbst. Vorsichtig nahm er es von der Wand und betrachtete es liebevoll. Es war ein wunderschön verarbeitetes Stück mit einem blauen Glaskristall in der Mitte. Zärtlich strich er über die empfindliche Oberfläche, ehe er es an der Rückseite griff und mit voller Wucht gegen den steinernen Fenstersims schlug. Wieder und Wieder. Bereits beim ersten Mal zerbrach der Stein in Dutzende Splitter. Aber es war nicht genug. Er schlug mit dem Amulett auf den Fenstersims wie ein Schmied auf seinen Amboss. Der laute Widerhall des metallischen Klirrens sorgte für eine angenehmes Stechen in den Ohren. Wieder und wieder.

Völlig entkräftet lies er sich auf das Bett sinken. Das Amulett war nichts mehr weiter als ein unförmiger Haufen Metall. Er griff nach seinem Becher, stellte jedoch fest, dass er leer war. Mit einem wütenden Brüllen schleuderte er das Gefäß gegen die Wand, wo es in unzählige Kleinteile zersprang. Als nächstes riss er das Gemälde von der Wand, zerbrach es wie einen Stock und warf die Bruchstücke achtlos in eine Ecke des Raumes. Es war ihm egal, dass er alles am Morgen beim Wirt würde bezahlen müssen. Ihm war alles egal. Selbst wenn er das ganze verdammte Gasthaus in Schutt und Asche legte, käme er nicht annähernd an den Betrag heran, den er den Priestern für das Amulett gezahlt hatte. Ganz zu schweigen von den unzähligen Stunden des aufrichtigen Betens, des peniblen Befolgens jedes noch so demütigenden Ritus. Alles umsonst.

Wie ein Brandmal leuchtete der weiße Fleck auf seiner Brust zwischen seinem sonst kohlrabenschwarzen Schuppenkleid. Er war verdammt, ausgerechnet er. Ihm war elendig zumute. Seine Wut verpuffte und ihn überwältigte ein Zustand absoluter Hilflosigkeit. Er sank in sich zusammen wie ein nasser Sack. Er wollte weinen, doch er konnte nicht. Apathisch saß er auf der Bettkante und betrachtete die Ansammlung weißer Schuppen auf seiner Brust. Sie erschienen ihm wie ein Fremdkörper. Sie waren kein Teil von ihm, sondern etwas Fremdes, etwas Unerträgliches, etwas Widerwärtiges. Ihn überkam das Verlangen sie anzufassen, das unauslöschbare Zeugnis seines Niedergangs, den Boten seines Endes, zu berühren aber er konnte nicht. Er traute sich nicht. Er hatte Angst, Todesangst. Es war ein seltsames Gefühl, das ihm gänzlich unbekannt war. Ihm wurde heiß und kalt, die Konturen seiner Umgebung verschwammen, gingen ineinander über, vermischten sich zu einem einheitlichen Gemisch aus Brauntönen. Er schloss die Augen und lauschte für eine Weile seiner eigenen unregelmäßigen Atmung.

Sehnsucht überkam ihn, plötzlich und unangekündigt. Eine Sehnsucht nach Halt, nach Stabilität, nach Gesellschaft. Es fiel Rijok schwer sich selbst wiederzuerkennen. Er war nie der gesellige Typ gewesen, aber nun, wo er einsam und verlassen war, sehnte er sich nach Gefährten. Doch dafür war es zu spät. Die anderen Drah'Zil seiner Karawane hatten ihn zurückgelassen. Händler die er seit Jahren, wenn nicht Jahrzehnten kannte, hatten ihm den Rücken zugedreht wie einem niederen Sklaven. Die Abneigung und Abscheu war unübersehbar gewesen. Nicht einmal menschliche Söldner hatten sie ihm für den Rückweg gelassen. Die drei Nauglir die er besaß waren die Einzigen die auf seine Ware, seltene Gewürze aus Sanguin, achtgaben. Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet die unberechenbaren und hochgefährlichen Reitechsen als seine treusten Begleiter erweisen würden. Ihm war zum Lachen ob der zynischen Komik, doch kein Laut entwich seiner trockenen Kehle.

Mit noch immer geschlossenen Augen kroch er auf das Bett, rollte sich zusammen wie ein junger Welpe und zog die Decke über sich, beinahe als hoffte er sich so vom Rest der Welt isolieren zu können. Auch der Schlaf war ihm heute nicht gewogen. Quälend lange lag er wach in der Dunkelheit, in die ihn die modrige Decke hüllte, ehe ihm der Schlaf die Gnade erwies zumindest für eine Weile in eine angenehmere, eine bessere, Welt flüchten zu können.

Fruwluamressaw
11.11.2016, 01:38
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Die Stadt war heruntergekommen und hässlich, das stimmte schon. Ein riesen Unterschied zu Ashan. Jedoch war das nichts, was Nezlez in irgendeiner Weise schockierte. Sie war unter Goblin aufgewachsen und die waren für Reinlichkeit nunmal nicht bekannt. Und so störte sie sich nicht weiter daran. Interessanter war vielmehr der Umstand, dass dieser Ort von einem reichen Fürsten regiert wurde. Da sich dieser Reichtum nicht gerade im Stadtbild äußerte, konnte das nur eines bedeuten: Irgendwo musste es eine Menge Schätze geben. Das Artefakt war sicherlich nur eines von mehreren Dingen in Hafgans besitzt. Nezlez spürte wie die Gier in ihr anstieg und sie motivierte. Je eher die Täuschung startete, umso besser. Erst einmal aber, musste die Gruppe übernachten und sich von den Strapazen des Tages erholen. Auch wenn Nezlez hochmotiviert war, so war sie ebenso sehr erschöpft. Und so hatte sie auch keine Probleme, schnell einzuschlafen.

In dieser Nacht hatte Nezlez einen Traum von einem ihrer vergangenen Raubzüge:

Sie waren noch vor der Dämmerung aufgebrochen. Der Bauernhof lag an einer kargen Felswand, direkt neben einem steilen mit Gras bewachsenem Hang, der zum Weiden des Viehs benutzt wurde. Das Vieh aber befand sich derzeit nicht auf der Weide, sondern war im Stall. Und so befanden sich Nezlez und ihr Goblin-Trupp dort alleine, geduckt im hohen Gras, und beobachteten noch.
Nezlez flüsterte Pemp zu: „Da, zwischen der Scheune und dem Wohnhaus, diese kleine Holzhütte. Du und Kassk müsst den Köter außer Gefecht setzen. Damit wäre die größte Gefahr gebannt. Naja, er wird ‚ne Menge Lärm machen und vermutlich den Bauer aufwecken, aber um den mach ich mir keine Sorgen.“ Dann sprach sie in etwas lauterem Ton, damit die anderen aus dem Trupp sie auch verstanden: „Frex, Wizzp und ich brechen ins Haus ein und nehmen wir uns was wir so finden können. Der Rest von euch kümmert sich um das Vieh. Und passt gefälligst mit den Viechern auf. Ich werd‘ keinen von euch nachher einfangen wenn er von einer Kuh weggeschleift wird Es wäre ja nicht das erste mal…, also nehmt gefälligst auch nur so viele mit, wie ihr unter Kontrolle kriegt. Und los!“ Und so stürmten sie alle mehr oder weniger lautlos in Richtung Bauernhof. Wie es bei Goblins nunmal so war waren einige einfach zu dumm, sich gierige Kicher- und Grunzlaute zu verkneifen. Aber sie hatten das Überraschungsmoment auf ihrer Seite und das war das wichtigste.

Mit ihren zwei Begleitern eilte sie zur versperrten Tür des Wohnhauses. Während sie die beiden das Schloss aufbrechen lies, bemerkte sie im Augenwinkel, wie gerade Pemp und Kassk mit dem Hund zugange waren. Sein lautes aggressives Bellen wurde schon bald zu einem Winseln, als die beiden ihn gemeinsam mit einem stachelbesetzten Netz einfingen und jegliches Widersetzen nur noch Schmerzen auslöste. Die Tür war offen, Nezlez, Frex und Wizzp betraten das Haus. Letzterer wurde sofort von einer Keule niedergeschlagen, als er eintrat. Der wütende bewaffnete Bauer stand, zum Kampf bereit, direkt neben dem Eingang. „Verschwindet von meinem Hof ihr widerlichen Ungeziefer!“ So wie er das aussprach war Frex bereits auf ihn zugestürmt und stach ihn mit seinem Messer tief in den Wamst. Der Bauer schrie auf. Nezlez ging auf ihn zu und versetzte ihm einen Tritt, dass er nach Hinten gegen die Wand fiel. Dann kniete sie sich zu ihm herunter und hielt ihm ihren Dolch an die Kehle. „W-warum tut ihr das?! Warum müsst ihr arme Leute wie mich bestehlen?!“ stammelte der Bauer. „Ich nehme mir eben gerne, wonach mir der Sinn steht. Und ob du so arm bist, davon überzeuge ich mich gleich noch selbst.“ Dann tötete sie den Bauen. Nach einem gekonnten Stich fand sein Leben ein schnelles Ende. Sie richtete sich wieder auf. „Pack alles in den Sack was wertvoll aussieht.“ „Kehehehe, Wizzp hats ganz schön erwischt! Was machen wir mit dem hmm?“ „Der steht schon wieder auf…“

Sie ging den Flur entlang. Öffnete eine Tür. Nur ein schäbiges Badezimmer…nichts wertvolles hier. Sie lief zur nächsten Tür und vernahm ein leises Wimmern dahinter. Misstrauisch hielt sie ihren Dolch bereit und trat in das Zimmer. Es war das Schlafzimmer. Eine Frau, vermutlich die Bäuerin, kauerte ängstlich auf dem Boden. In ihren Armen ein Kind, ein kleines Mädchen, es schluchzte. „B-bitte. Bring mich um wenn du willst aber bitte lass meine Tochter am Leben!“ Nezlez trat an die Beiden heran, ihr Dolch war gut sichtbar und einschüchternd. Die Frau drückte ihr Kind noch näher an sich. Nezlez Klinge näherte sich dem Hals der Bäuerin. „Nein! Nicht Mami! Du darfst Mami nicht töten!“ schluchzte das kleine Mädchen tottraurig. Nezlez interessierte nicht, was die beiden wollten. Entscheidend war, was sie wollte. Und was sie wollte wusste sie ganz genau. Sie hob ihren Dolch an und dann – ein präziser Schnitt.

Die Halskette mit dem goldenen Medaillon fiel in Nezlez Hand. „Gar nicht so schlecht für eine Bäuerin. Du hast einen guten Geschmack.“ Sie steckte das Medaillon in die Tasche, dann durchsuchte sie den Rest des Schlafzimmers, ohne die Frau und ihre Tochter weiter zu beachten. Diese saßen total eingeschüchtert dort und waren keine Bedrohung. Als Nezlez im Schlafzimmer fertig war, ging sie zurück ins Wohnzimmer. Frex hatte den Sack bis zum Rand vollgepackt. „Haste noch etwas Guuuutes gefunden Nez??“ „Zeig ich dir nachher.“ Sie würde das Medaillon verschweigen, denn die wertvollsten Schätze behielt sie stets für sich selbst. Die Frau und das Kind verschwieg sie ebenfalls.
Wizzp lag immernoch auf dem Boden. Nezlez seufzte entnervt und beugte sich zu ihm herunter. Sie horchte an sein Herz. „Du lebst noch, also stell dich gefälligst nicht so an!“ Sie verpasste ihm eine Ohrfeige. „Aufwachen!“ Wizzp blinzelte sie an. „Mutter? Du hier?“ „WEN NENNST DU HIER DEINE MUTTER? SEHE ICH AUS WIE NE ALTE SCHACHTEL ODER WAS?!“ Nezlez verpasste ihm direkt noch eine Ohrfeige. Frex kam aus dem Lachen kaum heraus.

Sie verließen das Haus, draußen warteten bereits 3 Kühe, die von jeweils 2 Goblin angeleint und festgehalten wurden. Sie konnten also aufbrechen. „Sehr gut! Lasst uns das Zeug nach Hause schleppen, heute Abend können wir uns zur Feier betrinken!“ Das motivierte die Goblins, sie sprangen und jubelten. Zusammen mit den Kühen und der übrigen Beute verschwanden sie vom Bauernhof.

Waltikon
16.11.2016, 20:47
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Wie befürchtet fiel es ihr schwer, einzuschlafen. Allerdings waren die Schmerzen nicht der Hauptgrund für diese Ruhelosigkeit, vielmehr beschäftigte sie das vorhin geschehene. Warum war sie plötzlich so sentimental gewesen? Ob es an dieser Priesterin lag?
Sie erkannte sich selbst nicht wieder. Hatte sie doch nicht mal damals geweint, als ihr das alles widerfahren war, und auch nicht bei der großen Trauerfeier, die man abhielt, nachdem sich die Überlebenden in den Ruinen von Norad, der alten, verlassenen Hauptstadt, versammelt hatten. Genau genommen hatte sie in den vier Jahren, die seit jener Nacht vergangen waren, nichts anderes mehr als Zorn verspürt. Und Hass. Unbändigen Hass auf alle Shantiri. Nur der Anblick eines elendig krepierenden Shantiri vermochte ihr in den letzten Jahren noch so etwas wie ein Lächeln zu entlocken. Doch es war kein freudiges, warmes Lächeln, sondern ein kaltes Lächeln der Befriedigung...

TRAUM

Unablässig prasselten die schweren Tropfen auf die Kapuze ein, welche die Elfe als Schutz vor dem Regen übergezogen hatte. Das Wasser, welches in kleinen Bächen über den Waldboden lief, verwischte mehr und mehr die Spuren, denen sie folgte. Doch der erfahrenen Fährtensucherin genügten auch kleinste Hinweise, um ihre Beute nicht zu verlieren. Nur noch vage erkennbare Fußabdrücke hier, abgebrochene Zweige dort wiesen ihr den Weg.
Die Spuren wurden allmählich immer deutlicher. Das konnte nur eines Bedeuten: Sie holten auf.
Die Aussicht, in Kürze endlich einige Shantiri für ihre Schandtat bestrafen zu können, versetzte ihr Blut ihn Wallung. Monatelang war sie gezwungen, untätig im Lazarett herumzusitzen, und nun konnte sie endlich wieder an der Seite ihre wenigen verbliebenen Kameraden ihre Pflicht erfüllen.
Die Spuren wurden plötzlich ungewöhnlich deutlich. Sie mussten ganz in der Nähe sein!
Auf ihr Handzeichen hin machten sich die ihr folgenden Kameraden kampfbereit, hoben die Schilde und zogen die Schwerter.
Da brachen die Shantiri auch schon johlend aus dem Unterholz und stürmten auf die Elfen zu. Doch obwohl sie das Überraschungsmoment auf ihrer Seite hatten, konnten sie diesen Vorteil nicht nutzen. Anders als in der Blutnacht hatten sie es diesmal mit einem vorbereiteten Gegner zu tun, und nach einem kurzen, aber heftigen Scharmützel lagen zahlreiche Shantiri tot und verstümmelt auf dem Schlachtfeld. Als die wenigen Überlebenden schließlich zu fliehen versuchten, wurden sie kurzerhand mit Pfeilen in den Rücken niedergestreckt.
Nur wenige Elfen lagen tot auf dem Waldboden, auch Verwundete hatten die Wolfsgardisten nur wenige zu beklagen. Die blonde Fährtensucherin ließ ihren Blick über den blutgetränkten, mit Leichen übersäten Kampfplatz schweifen. Trotz ihres Sieges wollte sich in ihr kein Gefühl des Triumphes ausbreiten, ja nicht einmal so etwas wie Erleichterung oder zumindest Genugtuung wollte sich einstellen. Frust und Scham waren die einzigen Empfindungen, die sich ihrer bemächtigten. Scham, weil sie in jener Nacht so kläglich darin versagt hatten, ihr Volk zu vor diesen jämmerlichen Kreaturen zu schützen, und Frust, weil sich diese Mörder als ein nicht einmal annähernd ebenbürtiger Gegner herausstellten, was wenigstens zum Teil ihr Versagen entschuldigt hätte.
Aus dem Augenwinkel bemerkte sie ein Bewegung zu ihrer rechten. Ein offensichtlich noch nicht toter Shantiri hatte sich mit letzter Kraft rücklings an einen Baum gelehnt. Sie ging hin, um sein Leben zu beenden, da erkannte sie ihn.
Es war der Diener ihres Seelenpartners.

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„Da, nimm!“ Unwirsch drückte die blonde Kriegerin dem ergrauten Diener ihren Umhang in die Arme, als dieser nach einer gefühlten Ewigkeit endlich die Tür geöffnet hatte. „Häng ihn auf, und danach bringst du mir einen Tee!"
„Jawohl, Herrin.“
„Na los, beweg dich, ich hab nicht den ganzen Tag Zeit!“ Mit einem ungeduldigen Handwedeln schickte sie ihn fort. Als er sich leicht verbeugte und zum Gehen umdrehte, fragte sie noch: „Er ist im Garten, nehme ich an?“
Langsam drehte er sich wieder zu ihr um. „Ja, Herrin. Ich werde sie sofort anmelden.“
Er wollte schon in Richtung Garten gehen, als sie abwinkte. „Lass das, ich will heute noch bei ihm ankommen. Kümmer du dich lieber um das, was ich dir aufgetragen habe!“
Wieder diese langsame, zittrige Verbeugung. „Sehr wohl Herrin. Ich werde ihren Tee dann im Garten servieren.“
Missmutig den Kopf schüttelnd sah sie ihm nach, wie er mit seinem langsamen, humpelnden Gang, bei dem er das linke Bein nachzog, in Richtung Küche verschwand.

„Ich bin wieder da!“
Der blonde, schlanke Elf hob nur kurz den Kopf in Richtung der Stimme, die so ihre Ankunft verkündete, und wandte ihn dann wieder dem Gewächs zu, an dem er gerade herumhantierte. „Ich habe dich schon von weitem gehört.“ antwortete er, wobei er weiterhin an der Pflanze herumzupfte.
Sie kniete sich hinter ihn und umarmte seine Schultern, wobei sie ihre Wange an seine schmiegte und betrachtete sein Werk. „Die sieht doch schon ganz passabel aus. Warum gibst du dich nicht damit zufrieden?“
„Weil auch die schönste Blume von allen nur in einem gepflegten Garten erblühen kann.“ Dabei drehte er den Kopf und sah ihr in die Augen.
„Ich bin aber ein wild wachsender Dornenbusch.“ erwiderte sie und stubste mit ihrer Nase an seine.
„Ich weiß. Stolz und ungezähmt, und majestätisch schön, wie eine Rose.“
„Und dafür liebst du mich.“
„Ja...“

Gerade als sie sich küssen wollten, ergoss sich heißer Tee über ihre Schulter. Erschrocken und verärgert zugleich sprang sie auf.
„Verzeihung, Herrin, erlauben sie mir-“
„Nimm deine dreckigen Pfoten weg, du seniler, alter Idiot!“ brüllte sie den alten Shantiri an, und zu ihrem Liebsten, immer noch aufgebracht: „Schmeiß diesen alten Krüppel endlich raus! Der ist doch zu nichts mehr zu gebrauchen!“
„Du kannst dich zurückziehen, Dorash, ich erledige das.“ bedeutete Fehrsil seinem Diener. Wortlos befolgte er den Befehl seines Herren.
„Alles in Ordnung? Hast du dich verbrüht?" Besorgt nahm er Celriels Arm in Augenschein.
„Nein, der Stoff hat das meiste zurückgehalten. Es hat mich mehr erschrocken als mir weh getan.“
„Gut.“ Fehrsil schien sichtlich erleichtert.
Doch Celriels Ärger war noch nicht verraucht. „Wenn ich hier einziehen soll, muss vorher dieser alte Knacker weg. Der treibt mich sonst in den Wahnsinn.“
„Er ist schon bei mir, solange ich denken kann.“ erwiderte Fehris. „Und außerdem ist er die gute Seele dieses Hauses.“
Celriels Blick zeigte deutlich ihren Unmut über das Gehörte.
„Aber du hast recht.“ lenkte Fehris beschwichtigend ein. „ Er schafft es alleine nicht mehr. Ich werde ihm wohl einen jüngeren zur Seite stellen müssen.“

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„Dorash.“
„Ah, die junge Herrin. Ihr habt also überlebt. Zu schade.“ Dorash atmete schwer. Er wusste, dass er sterben würde. Ob an den erlittenen Wunden oder durch das Schwert dieser Kriegerin, die vor ihm stand, war unwichtig.
„Warum hast du dich dieser Revolte angeschlossen? Du hattest es doch gut bei deinem Herrn.“
Diese Frage! Wie naiv waren diese hochnäsigen Spitzohren eigentlich? „Ich hatte es gut bei ihm?“ fragte er spöttisch.
„Aber ja, er sah in dir immer so etwas wie einen Freund-“
„Einen Freund?!“ verärgert unterbrach er die Kriegerin, die beinahe seine neue Herrin geworden wäre. „Einen Freund sperrt man nicht ein! Und man ersetzt ihn nicht einfach durch jemand jüngeren und wirft ihn auf den Müll!“ Verachtung lag in seiner Stimme und Verbitterung.
„Du hattest mehr Freiheiten als jeder andere Shantiri in Arlondo! Du konntest dich immer frei bewegen! Er hat dir immer vertraut!“ Die Kriegerin ließ seine Vorwürfe nicht auf ihrem verstorbenen Liebsten sitzen. „Und er wollte dir nur eine Hilfe zur Seite stellen! Er wollte dich behalten, obwohl Ich dagegen war. ICH, verstehst du?“
„Ihr versteht nichts, gar nichts!“ Er sprach jetzt leiser, aber dennoch nicht weniger leidenschaftlich. „Ihr nennt es Freiheit, und doch war ich ein Gefangener, mein ganzes Leben lang. Und auch wenn er immer freundlich zu mir war, so war ich doch nicht mehr als ein abgerichtetes Haustier, dessen Leben von seinem Wohlwollen abhängig war. Nennt ihr das etwa Freiheit?“
„Es war alles, was sich jemand von deiner Art erhoffen durfte.“
Welch Überheblichkeit lag in der Antwort dieses Elfenweibs! Er begann zu lachen. Wie sollte er auch anders auf diese Ignoranz, diese Uneinsichtigkeit reagieren? Er breitete seine Arme aus. „Seht her, das hier ist wahre Freiheit! Ich bewege mich außerhalb der mir vorgeschriebenen Grenzen, und ich habe die Art meines Todes selbst gewählt: Als freier Mann im Kampf gegen meine Unterdrücker!“ Er musste husten. Bald würde ihn das zeitliche segnen, doch vorher wollte er es ihr noch sagen, wollte er sehen, wie es ihr das Herz zerriss. „Ich war es. Ich habe es getan!“
Die Kriegerin schien irritiert. „Was meinst du? Was hast du getan?“
„Ich habe ihn getötet.“
„Du hast...“
Zufrieden sah er, wie sich ihr ungläubiges Erstaunen in Entsetzen wandelte. „Ja, ich habe ihn getötet.“ bestätigte er es nochmals. „Ich habe ihn nicht nur getötet, ich habe ihn auch gefoltert.“
„Warum...? Er war doch immer so gut zu dir...“
Dieses naive Ding wollte es einfach nicht begreifen! „Um meinem Volk meine Loyalität zu beweisen! Und um mir selbst zu beweisen, dass ich endlich Frei bin! Und um ihm zu zeigen, dass ich nicht länger sein Haustier bin.“ Er lachte. Er würde gleich sterben, aber er wollte sie brechen, sah er doch schon, wie sie vor Wut zitterte. Gleich, gleich würde sie ihn schlagen, wie sie es schon so oft hätte tun wollen. Er hatte es immer in ihren Augen gesehen, wenn sie ihn im Haus ihres Herren anfauchte. Nein, niemals hätte er ihr dienen wollen. Sollte sie ihn doch töten, ihre Wut würde sein finaler Triumph über sie sein! „Er hat gejammert und gefleht, gewinselt wie ein getretener Hund und vor Schmerzen geschrien. Und ich habe es genossen...“

Dieses Schwein! Dieses elende Monster! In Ihr explodierte etwas. Das Schwert glitt ihr aus der Hand. Stattdessen nahm sie einen herumliegenden Holzprügel und begann, auf den alten Shantiri einzuschlagen, wieder und wieder und wieder...
Sein Lachen war längst erstorben, doch sie hörte nicht auf, auf den leblosen Körper einzuprügeln. Längst war sein Kopf zu einer bizarren, klebrigen Masse geworden, die mit jedem Schlag auf die Elfe spritzte, auf die Kleidung, die Haare, das Gesicht...

Schließlich warf sie den Prügel achtlos zur Seite. Umstehende Kameraden hatten sich entsetzt abgewandt, und niemand wagte es, ihr zu nahe zu kommen.
Sie fuhr sich über das Gesicht und merkte, dass sie voller Blut und anderem war.
Und zum ersten Mal seit langem lächelte sie wieder. Dieser Ausbruch eben hatte etwas befreiendes gehabt.
Sie würde es allen Shantiri auf diese Weise heimzahlen...

Ironhide
17.11.2016, 16:16
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Cadan hatte einige Worte mit Ceriel noch wechseln können, nachdem sie auf dem Weg zu Hafgans Fürstentum mit Rijok gesprochen hatte, aber ihre Unterhaltung beschränkte sich auf ein Minimum. Die Stadt selbst war wohl eine der weniger reichen, oder besser gesagt, hielt der Fürst sie an der kurzen Leine. Eine sehr kurze Leine. Es gab angenehmere Städte, als dieses Drecksloch, doch war Cadan auch den Anblick solcher Ortschaften gewohnt. Cadan versuchte aber so viel wie möglich von der Umgebung in sich aufzunehmen, prägte sich das ein was er sah. Die Wachen machten einen äußerst ungepflegten Eindruck, sie würde kaum eine Gefahr darstellen. Erst recht nicht, wenn man sie überraschen würde. Anders sähe das sicher aus, wenn die richtigen Soldaten des Fürsten auftauchen und sich ihnen in den Weg stellen würden. Der Trolljäger war sich sicher, das die eigentlichen Truppen des Fürsten von einer ganz anderen Qualität sein würden.

Über alkl das machte er sich aber keine großen Gedanken mehr, als er in seine 'Zelle' geführt wurde. Er würde abwarten müssen, noch wusste keiner von ihnen, wo sie am morgigen tag sein würden und was sie dort erwarten könnte. Sie mussten erst mal rein in Hafgans Anwesen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Cadan brauchte einen Moment, bis er einschlief, war seine Unterkunft für die Nacht nicht gerade die bequemste von allen.

„Mutig, mutig, Junge!“, sprach Lian und fixierte Cadan mit seinen braunen Augen.
„Du meinst, ich pack das nicht?“
„Mh...“, überlegte Lian und sah Cadan weiterhin mit diesem Blick an, der nichts darüber verriet, was er dachte. „Warum sollte ich das Risiko eingehen?“
„Weil du es mir schuldig bist, deshalb.“, gab Cadan trotzig wieder, woraufhin Lian die Augenbrauen fragend nach oben zog.
„Ach, bin ich das? Wie kommst du zu der Erkenntnis?“
„Du bist es mir einfach.“ Cadan war es langsam leid, diese Diskussion weiter und weiter zu führen.
„Ach komm schon, Lian, lass ihn doch. Was soll schon passieren? Entweder er packt es oder eben nicht. Das wird sicher lustig und gegen eine kleine Tanzeinlage hat sicher niemand was.“, kicherte Riana, eine der beiden Pyromantikerin in der Gruppe Trolljäger. Lian zuckte mit den Schulter.
„Na was solls, dann werden wir sehen, ob du gut aufgepasst hast. Wenn du das hinbekommst, ist deine Ausbildung abgeschlossen, wenn nicht... nun ja.“ Lian brauchte gar nicht weiter zu reden, sollte Cadan versagen, würde das seinen Tot bedeuten.
…..........
Tot war er noch nicht, dem Feuer sei Dank. Der Troll war mehr damit beschäftigt, einen Ausweg aus der Feuerhölle zu suchen, in der die Trolljäger ihn hatten Tappen lassen, als sich um denjenigen zu kümmern, der mit Axt auf ihn losging. Es war ihm schon vorher klar, hätte er sich dem Troll gestellt, ohne das sie vom Feuer eingeschlossen waren, hätte er mit Sicherheit den kürzeren gezogen, aber so prügelte der Bergtroll erneut auf die Flammen ein und wich augenblicklich vor Angst zurück. Er glaubte wohl, mit Schlägen seiner Keule auf den brennenden Boden, würde er das Feuer bezwingen können, aber dem war nicht so. Riana und Melea hatten es unter Kontrolle, bändigten es dort, wo es sein musste und schürten es an Stellen wo es nötig war. Und Cadan mitten drin, mit dem Troll. Für Lian, dem Anführer der Gruppe und Arik war derzeit nur zusehen drin. Sie amüsierten sich prächtig über den 'Tanz' den Cadan da vollführte. Für den angehenden Trolljäger aber war es alles andere als Amüsant. Auch wenn das Feuer die Aufmerksamkeit des Trolls immer wieder ablenkte, so war die Panik des Ungetümes auch das, was Cadan gefährlich werden würde, passte er einmal nicht auf. Aber war es auch leid, sich noch länger mit dem Troll zu ärgern. Drei klaffende Wunden hatte er ihm schon zugesetzt, aber die hatten das Monster nur etwas verlangsamt, nicht jedoch in die Knie gezwungen. Jeder Mensch wäre schon nach dem ersten Streich erledigt gewesen, aber dieser hier wollte und wollte nicht krepieren. Cadan hatte versucht, ihn dort zu treffen, von denen er wusste, das sie dem Troll Schaden zufügten. Aber dennoch stand das Vieh. Nun setzte der Trolljäger alles auf eine Karte.
„Hey du Dreckvieh!“, schrei Cadan dem Troll zum, der erenut eher Augen für die Flammen hatte. Doch das rufen wirkte, der Troll drehte sich um und nutze den Schwung, um seine Keule einmal durch die Luft sausen zu lassen, wie schon so oft zuvor. Cadan hatte das kommen sehen, rechnete sogar damit und war entsprechend vorbereitet. Seine schwere Axt hatte er mit beiden Händen fest umschlossen und hinter sich hergezogen. Dem Schlag wich er aus, indem er sich, kaum das der Troll herumwirbelte, so tief duckte wie es ging. Dennoch verfehlte die Keule ihn nur um Zentimeter, der Luftzug war deutlich zu spüren. Kaum das die Waffe über seinen Kopf hinweggefegt war, richtete sich Cadan schlagartig auf, riss sie in einer fließenden Bewegung von Boden hoch in die Luft und ließ sie auf den Troll niedersausen. Die zuvor angewandte Taktik, dem Troll die Kehle aufzuschlitzen und verbluten lasen, hatte Cadan damit aufgegeben. Das was er nun versuchte war riskant, denn gelang ihm sein Schlag nicht, wäre er tot.
Doch ging sein Vorhaben auf. Das Blatt der Streitaxt krachte mit einer gewaltigen Wucht auf den Schädel des Troll und spaltete ihn. Fast bis zum Hals konnte Cadan mit seiner Wucht die Axt treiben, was dem Bergtroll die Lebensgeister augenblicklich raubte. Wäre ihm das nicht gelungen, hätte der Troll nun keine Mühe gehabt, Cadan zu packen und den Kopf ab zu beißen, ihm die Keule über den Schädel zu ziehen oder ihn einfach voll zu kotzen. So aber bleib Cadan das erspart. Der nun leblose Leib sackte einfach in sich zusammen.

Keuchend und erschöpft, zog Cadan mit einiger Mühe die Axt aus dem halbierten Schädel und stützte sich auf ihr ab. Das Feuer erlosch, da es nicht mehr von den beiden Magierinnen genährt wurde und Lian trat kurz darauf an seien Seite.
„Das war... dämlich.“, meinte er mit ernster Mine zu Cadan.
„Er ist doch tot, oder?“, keuchte Cadan zur Antwort.
„Mh... ja das ist er. Zweifelsohne.“
„Wo ist dann das Problem?“
„Nun.“, meinte Lian, „Dämlich war es, sich so direkt vor den Troll zu postieren. Dämlich war es, alles auf einen Schlag zu setzten.“
Cadan befürchtete schon, das Lian ihn doch nicht zu einem vollwertigen Mitglied erklären würde, doch aus Trotz und mit dem nun langsam aufkommenden Stolz endlich seinen ersten eigenen Troll besiegt zu haben, antwortete er Lian nun auch. „Ich wusste das es klappt.“
„Ich sag ja, dämlich. Jetzt muss ich noch mehr Belohung rausschlagen un dich besser bezahlen, das ist echt dämlich.“
Lian und Cadan sahen sich gegenseitig an, bis beide anfingen zu lachen. Cadan war nun endlich einer von ihnen und jetzt konnte der junge Cadan endlich einer rosigen Zukunft entgegen blicken.

coel
29.11.2016, 23:21
„Maella'tarach.“
Kleine glühende Funken stoben in die Luft, als Vidar ein weiteres Stück Holz in das kleine Lagerfeuer inmitten des Zeltes warf. Ihren eigenen kleinen Tanz vollbringend, schwebten sie lebhaft auf und ab, um schließlich ihren Glanz zu verlieren und als Asche zu Boden zu sinken. Der Geruch des verbrannten Holzes erinnerte Vidar an das frische Zimtgebäck einer alten Bäckerei, die er einmal mit knurrendem Magen in Sanguin besucht hatte. Doch es war die einzige Erinnerung, in die er sich gleiten ließ, bevor er sich wieder dem Satyren widmen konnte, der seine wertvolle Klinge in seinen knochigen Händen hielt. Lange drehte und wog das Schwert, bis er es Vidar mit einem dankenden Nicken überreichte.
„Was bedeutet dieser Name?“, fragte er mit seiner tiefen, melodischen Stimme.
„Singender Wind, die Menschen sagen auch Windklinge dazu“, antwortete ihm Vidar und verstaute dabei das Schwert wieder in seiner Scheide.
„Windklinge“, sagte er auf eine so gewissenhafte Art, dass die der Bezeichnung noch mehr Gewicht zu verleihen schien.
Vidar musterte den Satyren lange und aufmerksam. Seine Gefolgsleute hatten mit großem Respekt und Erfurcht von Ghazael dem Hüter gesprochen. Dabei wirkte der schwächlich aussehende Satyr mit seinem grauen Fell und blassen Augen nicht wie die beeindruckende Macht, von der er so viel gehört hatte. Vielmehr beobachtete Vidar mitleidig, wie der alte Satyr sich abermals in ein dickes, wärmendes Fell eines für Vidar unbekannten Tieres hüllte und näher ans Feuer rückte, als ein weiterer kühler Windhauch durch die Öffnung des Zeltes drang. In seine gewundenen Hörner waren verschnörkelte Linien eingeschliffen worden. Vidar glaubte, dass es die Schrift der Satyren war, da er ähnliches bei seiner Wanderung hierher auf Hinkelsteinen gesehen hatte.
„Was sind deine Fragen?“, sprach Ghazael plötzlich und riss Vidar blinzelnd aus seiner gedanklichen Reise.
„Wieso glaubt ihr, dass ich wegen Fragen gekommen bin?“, fragte er zurück.
Der Satyr schmunzelte auf eine Weise, wie es auch alte Menschen tun, wenn sie sich über die Jugend amüsieren.
„Weil kein Mensch sich ohne Grund in die nördlichen Wälder traut.“
Damit lag Ghazael nicht falsch. Die Menschen, ja sogar die naturverbundenen Elfen, mieden die nördlichen Wälder, denn sie glichen ihnen wie eine schlafende Katze für Mäuse. Man weckte nicht die lauernde Gefahr, die dort selbst unter den erfahrenen Satyren ihre Opfer fand. Die riesigen Bäume dieses Waldes existieren schon als die Rassen sich zum ersten Mal in der Magie versuchten. Es waren breite Stämme mit einer kräftigen Rinde, an denen nur wenige Äxte merklichen Schaden vollbringen konnten. Dies verriet auch viel über die dort lebenden Wesen. Glücklicherweise hatte Vidar einen satyrischen Führer gehabt, ansonsten hätte er sich mit Sicherheit verlaufen und wäre von einer Bestie mit Leichtigkeit überwältigt worden. Obwohl ihm keine begegnet war, so hatte er jedoch eine Ahnung von der Bedrohung erhalten können, als er die gewaltigen Skelette gesehen hatte.
„Ich suche nach etwas.“
Ghazael kramte eine hölzerne Schale hervor und begann mit einem kegelförmigen Stein verschiedene Früchte zu zerdrückten, ohne dabei seine Aufmerksamkeit von Vidar zu richten.
„Ich suche nach den Tränen Mervas“, sagte Vidar und bemerkte, wie sich bei der Erwähnung dieses Artefaktes die Ziegenohren des Satyren aufzuckten.
„Dieses Geschenk der Götter ist schon lange Zeit verschwunden. Viele haben seinen Namen bereits vergessen“, Ghazael mischte Wasser aus einem ledernen Sack in die Schale zu dem Früchtebrei, bevor er weitersprach, „Warum suchst du danach?“
„Ich habe jemanden ein Versprechen gegeben. Einer Person, die mir nicht nur das Leben zweimal gerettet hat, sondern der auch mein Herz gehört.“
Ghazael sog tief Luft ein und verteilte den flüssigen Brei auf eine weitere Schale, die er Vidar reichte. Dankend annehmend, roch er erst zögerlich daran, errötete jedoch vor Scham, als er den Blick des Satyren im Augenwinkel ausmachte. Er sollte den alten Satyren nicht so einschätzen.
Der Brei schmeckte ausgesprochen süß und verbreitete eine wohlige Wärme in seinem Inneren. Sogar eine leichte Müdigkeit schien er zu spüren, aber das konnte auch die anstrengende Reise von ihm gefordert haben. Nachdem Beide diese leichte Mahlzeit verspeist hatten, richtete sich der Satyr auf und bedeutete Vidar ihm zu folgen. Ohne ein einziges Wort zu wechseln schritten sie über den feuchten, moosigen Boden durch den finsteren Wald. Vidar orientierte sich an den Geräuschen des Satyren und versuchte ihm so nah wie möglich zu bleiben, um ihn nicht zu verlieren. Insgeheim fragte er sich, wie es Ghazael schaffte durch die Dunkelheit sein Ziel zu finden. Soweit er wusste, konnten Satyren nicht besser in der Nacht sehen als die Menschen.
Nach einer Zeit, die Vidar nicht bestimmen konnte, erreichten sie eine Klippe, von der aus Vidar ein vom Mondlicht erhelltes grünes Meer aus Bäumen bestaunte. Der Satyr deutete auf eine kaum erkennbare Erhöhung inmitten dieses dichten Waldes.
„Dort wirst du die Antwort finden.“


Die Erinnerung verblasste und fiel wie ein unsichtbarer Schleier von seinem geistigen Auge. Die Vergangenheit blieb das, was sie war und die Gegenwart zog ihn wieder mit sich davon. Seine Augen schmerzten leicht von zu wenig Schlaf. Unaufhörlich hatten ihn Gedanken geplagt, die ihn wie Nadeln stachen und daran hinderten, zur Ruhe zu kommen. Obwohl es nur eine lichte Ahnung war, so hatte sie sich als ziemlich hartnäckig herausgestellt.
Vidar hatte im Vorbeigehen an der Tür der Elfin gelauscht und die Worte, die gefallen waren, verließen ihn nun nicht mehr.
Wenn er die Möglichkeit erhalten würde, dann musste er diese Elfe namens Celriel alleine sprechen. Er zweifelte an der Wahrscheinlichkeit, dass sie das war, was er vermutete. Aber oft hatte er sich geirrt und er würde sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Unterdessen betrachtete er das rege Tun der Sklavenhändler, die sorgsam damit beschäftigt waren, ihrer Ware Fuß- und Handfesseln anzulegen. Für die Sklaven schien das entweder mittlerweile eine gewohnte Angelegenheit zu sein oder sie begriffen ihre Situation, denn sie leisteten keinen Widerstand. Gerade von der eitlen Magierin oder dem Goblin hätte er es erwartet, doch sie reichten den Drah’Zil sogar ihre Gelenke.
Rijok, wie sich der Anführer der Sklavenjäger nannte, half sogar dabei, dass diese Arbeit schnell vollbracht wurde. Gerade als er der Goblin die Ketten um die Handgelenke verschloss, vollführte er einen Trick, der Vidar beinahe nicht aufgefallen wäre. Ein dünnes Stück Eisen, welches im Licht aufblitzte, wurde der Goblin zugesteckt, die es ebenso eilig verschwinden ließ. Was es genau war, konnte Vidar nicht erkennen.
Eine Frage, die er bereits aus seinem Gedächtnis verbannt hatte, beschlich ihn wieder.
„Was führt ihr im Schilde?“
Die nächsten Augenblicke würden es offenbaren. Bis dahin würde Vidar auf seine Position und seinen Rücken achten.


https://abload.de/img/ainecyauvrmy2u.pngAine hatte schlecht geschlafen. Egal, wie viel Stroh sie sich untergelegt hatte, es war nicht genug. Ihr ganzer Körper schmerzte und würde sich für den restlichen Tag unangenehm steif anfühlen.
Nachdem die Drah’Zil mit ihnen fertig waren, begannen sie ihren Spaziergang durch die Straßen der Stadt. Rijok führte zusammen mit Vidar die Gruppe an, während die übrigen Drah’Zil und Celriel die Flanken beschützten. Aine und die anderen vermeintlichen Sklaven gingen in der Mitte. Oft musste Aine darauf achten, dass sie weder in stinkenden Unrat oder eine schmierige Pfütze stieg. Am frühen Morgen hatte Rijok sie alle waschen lassen. Trotz des offensichtlichen Nutzens zur Wertsteigerung seiner Ware, war ihm Aine dennoch mehr als dankbar. Die wenigen Momente, wo sie sich sorgfältig reinigen konnte, schienen immer seltener zu werden. Daher begrüßte sie mittlerweile jeden geeigneten Moment für ihre Hygiene, um nicht irgendwann wie ein Nauglir zu stinken.
Die Straßen wirkten unheimlich ruhig, doch Nalim beantwortete die Frage, bevor sie jemand stellen konnte.
„Die meisten Bewohner arbeiten jetzt in den Minen“, sagte Nalim ohne jegliche Emotion, „Jeder darf in den Minen arbeiten. Sowohl Frauen als auch Kinder.“
Für Aine war dies nichts Besonderes. Immerhin hatte sie selber einmal eine Mine im Auftrag ihres Fürsten besichtigen müssen und konnte die staubigen Gesichter der mageren Schürfer betrachten. Es war kein glückliches Schicksal, aber es war nicht das Ihrige. Deswegen verschwendete sie nicht ihre Energie für derartiges.
Allmählich erreichten sie ein gewaltiges Langhaus, das wie ein gekentertes Schiff von den Wellen in das Berggestein gewuchtet worden war. Nur die Hälfte ragte aus dem Felsen heraus und schien sozusagen als Vorraum zu dienen. Ihre Vermutung wurde bestätigt, als sie in das Innere gelangten. Offensichtlich war es ein ehemaliges Bergwerk gewesen und man nutzte, wie es die Zwerge normalerweise tun, diese nun als Wohnräume. Aine erwartete protzigen Reichtum, doch wurde sie mit einer Schlichtheit konfrontiert, die sie irritierte.
„Wohin verschwand das Vermögen?“, wunderte sich Aine nachdenklich.
Doch bevor sie sich mehr Gedanken darüber machen konnte, erschütterte eine laute donnernde Stimme den Raum.
„Rijok, alter Münzenzähler! Was für eine Überraschung!“
Kräftige Hände schüttelte die rechte Klaue von Rijok und Zähne, von denen einige vergoldet waren, blitzten inmitten eines stolzen Bartes. Sein derber, fassartiger Körper wurde durch die dicke Fellkleidung hervorgehoben. Obwohl in der Mitte des Raumes ein großes Feuer brannte und eine angenehme Wärme verbreitete, so trug dieser Mann dennoch diese Art von Kleidung. Für Aine wirkte er wie ein reicher Krieger, der sich zur Ruhe gesetzt hatte. Dicke goldene Ringe, an denen prächtige Edelsteine funkelten, schmückten seine Finger und sein schulterlanges Haar wurde von einer goldenen Spange zusammengehalten. Sein freundliches Auftreten überrumpelte die Anwesenden, dass sogar Rijok einen kurzen Moment brauchte, um die Begrüßung zu erwidern. Der Mann, von dem Aine so viel Schlechtes gehört hatte, stellte sich für den Anfang als eine völlig andere Person heraus.
„Die Freude ist ganz meinerseits, Fürst“, sagte Rijok, trat einen Schritt beiseite und lenkte die Aufmerksamkeit auf die Ware, „Ich bringe euch wieder außergewöhnliche Exemplare für eure Sammlung.“
„Ich erwarte auch nichts anderes von dir“, entgegnete ihm Hafgan und näherte sich der Gruppe, „Dann stell mir mal deine Sklaven vor.“

OK, Mädels, weiter geht's.
Ihr seid nun in Hafgans Domizil. Er inspiziert jeden von euch, d.h. ich will, dass ihr euch beschreiben lässt. Ob ihr Hafgan gefällt oder nicht, dürft ihr auch entscheiden. Denkt dran, er ist ein Sammler.
Zudem könnt ihr ruhig Aeon fragen, wie Rijok euch wohl beschreiben würde ^^
Oder mich, falls ihr noch Fragen habt. Fröhliches Schreiben.

Btw: Celriel wird auch von ihm inspiziert. Er fragt sich auch, was eine Elfe in den Reihen eines Drah'Zil sucht.

Fruwluamressaw
01.12.2016, 03:01
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez hatte gut geschlafen. Sie hatte von einem ihrer erfolgreichen Raubzüge geträumt. Es war eines der wenigen Male gewesen, in denen sie ganz ohne eigene Verluste auskamen. Das muss ein gutes Zeichen sein! Nachdem sie und die anderen dazu aufgefordert wurden, sich zu waschen, ging es nach draußen auf den Hof, wo man ihnen der Reihe nach Hand und Fußfesseln anlegte. Als Rijok zu Nezlez kam, schauten sich beide mit einem wissenden Blick an. Sie hatte ihn bereits bei ihren Gesprächen zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass gewisse Hilfsmittel die Beschaffung von wertvollen Artefakten beschleunigen würden. Und so schob er ihr heimlich einen Dietrich in ihre Hand, während er ihr die Handfesseln anlegte. Dieses Exemplar versprach deutlich weniger widerspenstig zu sein, als es der rostige Nagel in der Arena war. Nezlez konnte sich ein leichtes Anheben ihrer Mundwinkel nicht verkneifen, als sie den Gegenstand unauffällig verschwinden ließ, nicht ahnend, dass dem aufmerksamen Vidar nicht einmal ein solches Detail entging. Dann wurden sie in Hafgars Domizil geführt.
Hafgar sah nicht so aus, wie Nezlez sich einen reichen Menschenfürsten vorgestellt hätte. Sein Auftreten hatte etwas wildes, wenig adeliges. Nezlez Augen blitzten auf, als ihr Blick auf die Edelsteine an seinen Fingern traf. Es löste automatisch ein Verlangen in ihr aus, ihm diese zu entwenden. Doch dafür war wohl kaum der richtige Zeitpunkt. Ihr eigentliches Ziel war viel wertvoller und dafür musste sie nun das „Spiel“ mitspielen. Aber die Edelsteine sahen wirklich gut aus…Nein! Reiß dich zusammen Nez!

Dann wurden sie der Reihe nach präsentiert. Es dauerte nicht lange, da war Nezlez an der Reihe. „Aha! Was haben wir denn hier? Doch nicht etwa eine Goblin? Was hast du dir denn dabei gedacht? Und was ist denn mit ihren Haaren?“ Ohne zu Fragen begann er Nezlez wie einen Gegenstand zu betatschen und zu begutachten. „Ein Weibchen soso..“ murmelte Hafgan. Rijok schaltete sich ein: „Mein Freund, ich würde es nie wagen Euch einen gewöhnlichen Goblin anzubieten. Sie hört auf den Namen Nezlez und ist ein wirklich einzigartiges Exemplar! Nicht nur wegen der Haarfarbe, nein, sie hat auch bereits in der Arena von Asha erfolgreich gegen mehrere Drah’Zil Krieger gekämpft. Und auch mit Baloths hat sie sich schon angelegt – unbeschadet! Sehr ungewöhnlich für eine Goblin. Sie scheint das Glück magisch anzuziehen!“ „Nicht Glück. Können! KÖNNEN!!“ protestierte Nezlez worauf Rijok ihr einen Stoß verpasste. „Zugegeben, ihre Kampffertigkeiten sind für einen Goblin herausragend. Und wie ihr eben hören konntet, kann sie auch ganz normal sprechen - ohne herumzugrunzen! Habt ihr so etwas je bei einem Goblin erlebt?“ Hafgan schüttelte den Kopf. „Gewiss nicht, nein.“ „Ob ihr sie nun als Glücksbringer, Dekoration oder Kampfzwerg benutzt ist natürlich vollkommen Euch überlassen!“ „Ahja…“ Hafgan fuhr sich mit den Fingern nachdenklich durch den Bart. „Nun, Glück kann man nie genug haben. Ihr versteht es, gute Argumente hervor zu bringen, Rijok. Ihr habt mich überzeugt. Ich nehme sie! Dennoch ist und bleibt es eine Goblin, also dürft ihr kein Gold und Silber erwarten.“ „Selbstverständlich“ Immer das selbe mit diesen Stümpern...

coel
30.12.2016, 18:39
https://abload.de/img/ainecyauvrmy2u.png„Ein Menschweib? Warum sollte mich das interessieren?“
Hafgan wandte sich zu Rijok um, während er vorwurfsvoll auf Aine deutete. Sein Tonfall war verärgert, man könnte sogar sagen unzufrieden. Vielleicht bildete sich das auch nur Aine ein, aber sie beobachtete mit klopfendem Herzen Rijok, was er Hafgan entgegnen würde.
Rijok schien seine Worte abzuwägen, ohne dabei dem fragenden Starren von dem Fürsten auszuweichen. Das Holz in der Feuerstelle inmitten des länglichen Saales knisterte und ein Scheit brach auseinander, was dazu führte, dass glühende Funken in die Luft stoben.
„Glaubt ihr, dass ich Euch ernsthaft minderwertige Ware bringe, großer Hafgan?“, sagte der Drah’Zil mit einer gespielten Enttäuschung, „Dieses Menschenweib ist ein wahrliches Unikat.“
„Soso, was macht sie denn so wertvoll?“
„Da wäre zum einen ihre Herkunft. Sie ist von adligen Geschlecht, was man an ihrer Haltung und den hohen Kieferknochen erkennen kann“, erklärte Rijok und deutete die erwähnten Stellen an ihrem Körper an, „Außerdem trug sie einen goldenen Armreif.“
„Einen goldenen Armreif?“, wiederholte Hafgan überrascht, „Sie scheint also die Tochter eines Fürsten zu sein.“
„Offensichtlich, mein Fürst. Zum anderen, ihr magischen Fähigkeiten. Sie ist eine ausgebildete Pyromantin und sehr gebildet.“
Die Anspannung in Hafgans Gesicht verschwand und er schien über das Gesagte von Rijok nachzudenken. Er schritt sogar näher an sie heran. Aine konnte sogar das Fett riechen, welches er in seinem Bart verteilt hatte, um diesen sicherlich geschmeidiger zu machen. Seine Stimme grollte bedrohlich, als er seine nächste Frage an sie persönlich richtete.
„Wie heißt du, Feuerhexe?“
Aine schob ihr Kinn trotzig vor und verweigerte eine Antwort. Gleich darauf, hörte sie schon den Drah’Zil unüberhörbar aufseufzen. Allerdings war dies nicht eine aufgesetzte Reaktion auf ihr Verhalten, doch das war für Aine ohne Belang. Was hatte sie getan, damit ihr die Götter dermaßen zürnten? Unglücklicherweise würde sie ihnen bis zur Bergung des Artefaktes keine Opfer darbringen können.
„Ich muss leider ihr schreckliches Verhalten entschuldigen“, sagte der Sklavenhändler in einem aufrichtigen Ton, „Ihr Stolz existiert trotz Ketten, auch wenn er gänzlich verschwendet ist.“
Hafgan lachte laut auf, wobei sich sein ganzer gewaltiger Körper schüttelte.
„So sind halt die edlen Menschenweiber. Sie können einfach kein einfaches Leben mehr akzeptieren, wenn ihnen vorher alles förmlich zu Füßen gelegt wurde.“
Er klopfte Rijok wie einem alten Freund herzlich auf die Schulter.
„Ich könnte wahrlich ein derartiges Exemplar gebrauchen, doch sie birgt ein gewisses Risiko. Ich überdenke diesen Handel.“
„Natürlich, edler Fürst“, nickte Rijok dankbar, „Ihr wolltet doch noch ihren Namen erfahren?“
„Richtig, wie heißt dieses Weib?“
„Ihr Name ist Aine. Mehr konnte ich nicht aus ihr herauslocken.“
Hafgans Miene versteinerte sich für einen Moment und Aine fürchtete, dass er diesen Namen mit ihrer Herkunft in Verbindung bringen konnte. Einen derartigen Ausgang wollte sie sich nicht vorstellen, war sie doch die Tochter eines der benachbarten Fürsten. So eine Möglichkeit würden sich nur die Wenigsten entgehen lassen.
„Dann wirst du wohl aus dem Norden kommen“, erkannte Hafgan in zögernder Geistesabwesenheit. Anscheinend wusste er nicht, wer sie in Wirklichkeit war oder er hielt diese Erkenntnis zurück. Aine schluckte schwer und war dankbar, als Rijok bereits den nächsten Sklaven vorstellte.

Aeon525
11.01.2017, 21:33
Cadan war der nächste in der Reihe. Wie erwartet bockte er bis Rijok ihn mit einem unsanften Stoß in den Rücken nach vorne stieß. "Sein Name ist Cadan," erklärte der Drah'zil kurz angebunden. "Vermutlich ein ehemaliger Söldner. Kräftig und kampferfahren. Er hat sogar schon in der Arena von Ashan gekämpft. Wahrlich keine exotische Schönheit oder Kuriosität aber auf jeden Fall eine gute Inv..." Hafgan unterbrach ihn mit einer wirschen Geste. "Ich hab bereits mehr als genug Söldner in meinem Dienst, mach weiter."

Als nächstes war Alari dran. Sie trat einen Schritt vor, ohne dass Rijok sie dazu animieren musste und sah dem Fürsten mit stolzem Blick in die Augen. Dieser quitierte die Geste nur mit einem süffisanten Lächeln, das eine tiefgelbe Zahnreihe entblößte und einige Goldkronen aufblitzen liesen. "Bei dir Jagd macht dir so schnell niemand was vor, mein Freund. Aber was das Erziehen deiner Ware angeht hast du noch einiges zu lernen." Rijok zuckte nur mit den Schultern. "Die meisten Kunden mögen ihre Ware störrisch wie einen alternden Nauglir." Hafgan lachte schallend und lies seinen gelangweilten Blick über die Elfe schweifen. "Wo hast du sie her?" "In Ashan aufgekauft. Sie scheint eine Gelehrte zu sein. Sie beherscht altes Elfisch und sogar die Sprache der Drachen." Rijok bemerkte wie Hafgans Augen aufblitzten. Seine Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und Alari genoß nun die fragwürdige Ehre seiner ungeteilten Aufmerksamkeit. "Das bedeutet sie kann Runen lesen?" "Selbstverständlich." antwortete Rijok geflissentlich während in seinem Kopf der Preis für Alari um satte 20 Prozent anstieg. Hafgan durchquerte den Raum in wenigen Schritten. Er baute sich vor der Elfe auf und besah sie sich noch einmal ausgiebig aus der Nähe ehe er ein Amulett von seinem Hals zog. Auf der Rückseite waren mehrere Runen eingraviert. "Was steht dort?" fragte er forsch, aber mit einem gierigen Unterton in der Stimme.

Ironhide
17.01.2017, 03:02
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Cadan wurde mit wenigen Worten abgefrühstückt und wenn die Umstände anders gewesen wären, hätte er dem Fürsten deutlich gezeigt, was er von deren Söldnern hielt. Jedoch kam ihm aber auch der Gedanken, das mit Sicherheit nicht jeder Söldner und Soldat, den der Fürst befehligte, hier anwesend wäre. Dennoch war Augenscheinlich niemand der Anwesenden in der Lage, ihm das Wasser zu reichen.
Cadan blieb aber ruhig, sagte nichts und verzog nicht mal eine Mine, sein Blick war so schon grimmig genug, wie er selbst befand. Die wenig Aufmerksamkeit die man ihm zugestand war auch ein Vorteil, so waren die Blicke nicht wirklich auf ihn gerichtet und er konnte sich mehr der Umgebung und den Männer zuwenden. Einige Wachen waren anwesend, sowie einige Berater, zumindest sortierte sie Cadan erst mal als solche ein. Bei jeder Tür die er erblickte stand mindestens eine Wache, scheinbar wollt der Fürst nicht von irgendjemanden überrascht werden – wer auch immer das sein sollte.

Viel besonderes konnte der Trolljäger vorerst nicht erblicken, es war nicht viel anders als bei anderen Fürsten – nur dreckiger war es hier. Es gab einige, die legten mehr Wert aufs äußere, wenn auch nicht so viele. Aber erst mal hatte sich Hafgan nun Alari zugewandt. Vielleicht würde sich Cadan danach doch nochmal zu Wort melden, denn es könnte ja doch durchaus sein, das er ihn nicht kaufen würde, was unter Umständen ein Fehler wäre, wenn man von ihren Plan ausging.

Waltikon
22.01.2017, 16:24
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Während Rijok und der Menschenfürst sich begrüßten, ließ Celriel ihre Blicke durch den Raum schweifen. Die Schlichtheit irritierte sie, hatte sie doch aufgrund der immer wieder erwähnten Reichtümer dieses Fürstentums – trotz oder vielleicht auch sogar wegen dem so gar nicht dazu passenden Erscheinungsbildes der Stadt und ihrer Bewohner – einen prächtigen Thronsaal erwartet. Doch das hier war allenfalls eine bessere Räuberhöhle! Selbst das halb verfallene Norad, in das sich die Elfen zurückgezogen und das sie als Festung wieder aufgebaut haben, hatte mehr Anmut als das hier.
Auch gab sich der als so unberechenbar und gefährlich beschriebene Fürst unerwartet leutselig. Umso mehr verwunderte sie die doch verhältnismäßig hohe Anzahl an Wächtern im Saal. Waren sie womöglich verraten oder ihr Plan durchschaut worden? Unbewusst rückte sie näher an Alari heran. Was immer auch kommen möge, sie würde ihre Schwester beschützen.

Mittlerweile hatte schon die Begutachtung der „Ware“ begonnen.
Als der Fürst Alari das Medaillon vor die Nase hielt, versuchte Celriel, auch einen Blick darauf zu erhaschen. Es sah abgegriffen aus, weshalb Alari wohl etwas brauchen würde, die Runen darauf zu entziffern. Da drehte Hafgan den Kopf zu ihr.
„Du hast neuerdings auch Elfensöldner in deiner Truppe, wie ich sehe!“ sagte er, während er sie von Kopf bis Fuß musterte.
„Ja.“ Rijok schien kurz nachzudenken, ehe er weitersprach: „Eine überaus fähige Kriegerin.“
„Wenn du das sagst...“ Der Menschenfürst fasste sich nachdenklich an den Bart.
„Sie ist zwar nicht billig, aber hat schon mehrmals bewiesen, dass sie ihr Geld mehr als wert ist! Ein echter Glückstreffer.“ legte Rijok nach.
„So so, nicht billig, sagt er..." Hafgan betrachtete sie immer noch grübelnd. Unvermittelt sprach er Celriel an:
Dann lass hören, wie viel zahlt dir der alte Geizhals?“
Verdammt, wie viel verdient so ein Söldner eigentlich? Celriel blickte hilfesuchend an Hafgan vorbei zu Rijok.
„Sie bekommt 5 Goldstücke die Woche sowie eine Prämie für jeden abgewehrten Angriff.“ antwortete Rijok an ihrer statt.
„5 Gold also...“ Wieder richtete er seien Worte an Celriel: „ Arbeite für mich! Ich zahle dir das doppelte!“
„Das doppelte?!“ entfuhr es nicht nur ihr. Nur Rijok schien unbeeindruckt, allerdings war an dem Gesicht der Echse sowieso nie eine Gefühlsregung zu erkennen.
Celriel wurde schlagartig klar, welche Möglichkeit sich hier eröffnet hatte! Aber sie durfte es ihm nicht zu leicht machen. Immerhin war die elfische Vertragstreue weithin bekannt.
Also verbeugte sie sich vor Hafgan: „Euer Angebot ehrt mich, jedoch stehe ich nach wie vor bei Herrn Rijok unter Vertrag. Daher kann ich Euer großzügiges Angebot leider nicht annehmen.“
"Ach was, Vertrag, das kriegen wir schon geregelt, nicht wahr, Rijok?"

coel
27.01.2017, 20:53
https://abload.de/img/ainecyauv.pngVor Verwunderung weiteten sich die scharf geschnittenen Augen der Elfen, während sich ihre Lippen beim stummen Lesen der Runen leicht bewegten. Nun versuchte auch Aine das Amulett näher zu betrachten, welches Hafgan Alari vorhielt, ohne es von seinem Hals genommen zu haben. Sie musste den Hals unangenehm verrenken, damit sie überhaupt etwas erkennen konnte. Es war ein schweres, unscheinbares Amulett aus glatt poliertem Silber. Aine konnte eine magische Aura spüren, aber diese war flüchtiger als erwartet und die Magierin tat es daher als bedeutungslosen Plunder ab, auf dem eine schwache Formel von einer Dorfhexe lag. Umso mehr zog sie misstrauisch die Augenbrauen hoch, als sie die Worte von Alari vernahm.
„Es ist ein sehr altes Amulett. Zwerge haben es geschmiedet.“
Die vereinzelten vergoldeten Zähne glänzten im Schein des großen Feuers, als der Fürst ein breites, zufriedenes Grinsen zeigte. Offensichtlich kannte er seinen Besitz und wollte die Elfe testen, weswegen er ihr weiterhin neugierig Fragen stellte.
„Wieso glaubst du, dass es von Zwergenhand entworfen wurde?“
„Sie sind die einzigen Handwerker, die Magie in Gegenstände einbinden können. Ich selbst, habe diese Kunst mitansehen dürfen.“
„Oha“, Hafgan pfiff erstaunt, „Diese Elfe ist auch weit herumgekommen! Wahrlich beeindruckend! Nun, was erzählen dir die Runen?“
„Es bietet Schutz.“
„Was für einen Schutz?“, hackte der Fürst nach.
„Schutz vor Deimonen“, erläuterte ihm Alari mit einer besorgten Stimme, während ihr Blick zwischen Hafgan und dem Amulett hin und her wechselte.
Die Neuigkeit von dem eigentlichen Nutzen des Amuletts ließ Aine nachdenklich werden. Sie versuchte zu begreifen, warum ein Fürst wie Hafgan einen derartigen Gegenstand benötigte. Ein normaler Mensch würde in seiner gesamten Lebenszeit nie in Kontakt mit einem Deimonen treten, außer er wollte es. Doch selbst, wenn er dies umsetzen mochte, so brauchte man ein umfangreiches Wissen und einen geeigneten Ort. Obwohl Deimonen ein Teil dieser Welt waren, lebten sie nicht in dieser. Ihre Heimat war eine Parallelwelt, auch Anderwelt genannt, die Thanos für sie erschaffen hatte. Eigenständig konnten Deimonen niemals in die Welt der Sterblichen eindringen, außer man half ihnen dabei. Dies konnten ein magischer Kreis, ein Totem, ja sogar ein Gegenstand sein, wenn er für diesen Zweck geschaffen worden war. Der Gedanke, besser gesagt, der Wunsch musste in das Objekt einfließen, welcher den Kontakt zu der Parallelwelt der Deimonen begehrte. Wenn dies gelungen war, konnte sich ein Deimon überhaupt erst materialisieren.
Ihre Gedanken verflüchtigten sich, als sie das Geschehen wieder aufmerksam beobachtete.
„Faszinierend!“, lachte Hafgan auf, „Dich schicken wahrlich die Götter, Silberklinge! Deiner geschickten Auswahl von Ware gelingt es jedes Mal mich wieder in Staunen zu versetzen!“
„Dann gefällt Euch dieses Exemplar?“, fragte Rijok.
„Selbstverständlich! Ich habe bereits einen ganz eigenen Nutzen für deine Ware gefunden. Ich nehme sie alle.“
„Vielen Dank, großer Fürst“, die Echse verbeugte sich, „Ihr habt eine vorzügliche Wahl getroffen und werdet nicht enttäuscht sein.“
„Eine Wahl, die jedem Händler gefallen würde, Rijok“, entgegnete ihm der Fürst schroff. Scheinbar war er der Komplimente überdrüssig geworden, „Mein Schatzmeister wird dir deine verlangte Summe ausbezahlen.“
Rijok verbeugte sich abermals und wollte gerade seine Gefährten anweisen, die Sklaven fortzuschaffen, als ihm Hafgan zuvor kam.
„Ich frage dich, Rijok Silberklinge, glaubst du an die Götter?“
„Nein“, antwortete ihm der Drah’Zil bestimmt und auf eine Art, die keine weitere Erklärung seiner Auffassung erlauben würde.
Hafgan brummte bei dieser Antwort unzufrieden auf und fuhr sich mit einer Hand durch den dichten Bart.
„Du wirst sicherlich deine Gründe haben, Drah’Zil, doch will ich dir heute einen Beweis für ihre Existenz geben“, er deutete auf Vidar, „Diesen Mann hast du schon kennengelernt, wie ich hörte. Dank ihm haben wir einen alten Tempel von Norosh gefunden, der einen Schatz enthalten soll. Ein göttliches Artefakt, Rijok! Du kennst meine Vorliebe für jegliche seltenen Waren, aber das… DAS ist wahrlich etwas Außergewöhnliches! Ein Relikt aus längst vergessenen Zeiten!“
„Habt Ihr es etwa bereits bergen können?“, hinterfragte Rijok neugierig.
Der Fürst schüttelte seinen Kopf.
„Dieser Tempel birgt viele Gefahren. Die Anhänger von Norosh wollen verhindern, dass man seine Schätze offenbart. Ich habe aber einen Weg gefunden…“
Er klopfte sich mit einem Finger an die Schläfe und zeigte dabei ein teuflisches Grinsen. Aine spürte, wie es ihr kalt den Rücken herablief, als sie seine nächste Worte hörte und verstand plötzlich die Erzählungen der Drah’Zil über den unberechenbaren Fürsten.

Immer tiefer schritten sie in durch die Minenschächte, begleitet von den matschigen Widerhall ihrer Stiefel auf dem feuchten Boden. Aine musste fluchend blinzeln, als ihr ein Wassertropfen direkt ins Auge fiel. Fackeln, die an massiven Stützpfeiler angebracht worden waren, erhellten spärlich die tiefschwarze Finsternis des Untergrunds. Zu viele Abzweigungen, die sich alle ähnelten, machten es unmöglich für Aine sich den Weg einzuprägen. Ohne fremde Hilfe würde sie nie wieder den blauen Himmel sehen und stattdessen verzweifelt durch die Schächte rennen. Hafgan sowie seine Leibwache und Vidar schienen schon oft den Tempel besucht zu haben. Sie wussten, wohin sie gingen und das ohne eine flüchtige Unsicherheit. Die Schächte waren gerade so ausgeschlagen worden, dass drei Mann nebeneinander gehen konnten. Die Höhe war ebenso großzügig, obwohl Cadan sich oft bücken musste, um sich nicht den Kopf anzuhauen. Diese Arbeit hatte viel Zeit gekostet, aber wie lange man schon an diesen Stollen arbeitete, konnte Aine nicht erkennen. Stattdessen versuchte sie sich zu konzentrieren und eine gewisse Ruhe zu finden, je näher sie dem Tempel kamen.
Nach einer ungewissen Zeit erreichten sie eine weitläufige Höhle an deren Ende der Tempel stand. Tropfsteine in unterschiedlichen Größen bedeckten wie Gras sowohl Boden als auch Decke, aber einige wurden niedergerissen, damit man den Tempel erreichen konnte. Der Tempel selbst bestand aus rotem, rauen Stein. Seine Blöcke waren keine normalen Ziegel, sondern Gesteinsbrocken, die wie ein Puzzle perfekt ineinander eine ungewöhnliche Stabilität bewiesen.
„Willkommen beim Tempel Kazrak!“, brüllte Hafgan auf einmal heraus, dass Aine unverhofft zusammenschreckte.
„Mir gefällt das überhaupt nicht“, flüsterte Aine zu Celriel, die neben ihr stehen geblieben war.
„Ich bezweifle, dass das außer Hafgan überhaupt jemanden gefällt“, murmelte sie grimmig mehr für sich als für Aine.
Sie erklommen ein paar unebene Stufen, um schließlich durch den rechteckigen, offenen Eingang zu gehen. Im ersten Raum bot sich ihnen bereits ein grausames Bild. Verstreut lagen Menschenleichen, die von Knochen und von rostigen Rüstungsteilen bedeckt waren, denen nicht selten Gliedmaßen fehlten.. Erschreckend ergriff Aine eine Ahnung, die Vidar mit seinen Worten bestätigte.
„Untote Orks und Goblins haben uns plötzlich angegriffen. Wir dachten, dass die Gerippe am Boden keine Gefahr darstellten, doch sobald wir inmitten des Raumes standen, wurden sie zum Leben erweckt.“
„Wie tief seid ihr denn schon gekommen?“, fragte Celriel, die mit weit aufgerissenen Augen eine der am schlimmsten verstümmelten Leichen begutachtete.
„Nur bis hier her, dann haben wir uns zurückgezogen.“
„Genau deswegen, treue Leibwächterin“, sagte Hafgan mit einer seltsamen fröhlichen Stimme, „Habe ich neben den neuen Sklaven, auch ein paar andere mitgenommen.“
„Aber wie sollen wir euch ohne Waffen vor diesen Untoten helfen?“, blaffte ihn Aine an, die ihre Emotionen nicht mehr zurückhalten konnte.
Schon wieder grinste Hafgan.
„Ein Teil meiner Wache sowie mein wackerer Vidar werden euch begleiten“, er stoppte und er blickte Rijoks Gruppe an, „Auch die Drah’Zil helfen euch selbstverständlich.“
Rijok wollte Einwand erheben, doch sein Wort wurde mit gezogenen Waffen der Leibwache schnell unterbunden.
„Ich begebe mich nicht in eine ungewisse Gefahr, daher schicke ich zuerst diejenigen aus, die keinen Wert mehr für mich haben. Wenn ihr jedoch Erfolg und vor allem Glück habt, gebe ich euch nicht eure Freiheit, sondern auch eine Menge Gold mit.“


Planänderung, dank guter Kritk. Im meinem Kopf sah das besser aus, aber irgendwie ist es leider nicht zufriedenstellend rausgekommen. Ich hoffe, ihr habt Verständnis für mich!
Nun gut, was ist die Herangehensweise? Ich würde gerne eine weitere Gruppenarbeit machen, wo sich zwei zusammenfinden und eine Falle beschreiben, die sie bewältigen müssen, um voran zu kommen. Euren Partner dürft ihr selbstverständlich aussuchen.
ODER wir besprechen im Diskussionsbereich eine oder mehrere Fallen und bestreiten diese gemeinsam.
Have Fun!

Fruwluamressaw
15.03.2017, 06:19
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Wenig begeistert und etwas unbehaglich ging Nezlez Blick über die Leichen hinweg. So hatte ihre Gruppe die Ereignisse natürlich nicht vorausgesehen. Aber naja, sie war ja flexibel. Vielleicht war es sogar ein Vorteil, dass niemand hier, auch nicht Hafgan, die Tiefen dieser Höhle gut kannte.

Die Arme verschränkt stand Hafgan da. Er würde nicht den ersten Schritt in die Halle setzen, warum auch, hatte er ja seine „Sklaven“ dabei. Noch zögerte die Gruppe. Unsichere, fragende Blicke wurden ausgetauscht und trafen insbesondere Rijok, der aber selbst noch keine Antworten auf die neue Situation hatte.

Nezlez schlich sich vorsichtig davon, bemüht sich von der Mitte des Raumes fern zu halten. Auf der gegenüber liegenden Seite war ein Tor zwischen zwei Steinsäulen, sichtbar aber durch die Gefahr der Untoten schwer erreichbar. Vielleicht gab es aber auch noch andere Wege. So war es beim Stehlen schließlich auch. Die direkte Haustür war nur eine Möglichkeit, Menschenbehausungen zum Beispiel hatten oftmals auch mehrere Fenster. Und so könnte es auch hier sein. Nezlez tastete die rauen Steinwände ab. Bald stieß sie auf eigenartige Risse in der Wand. Nein, das waren keine Risse…da war doch irgendetwas eingraviert. Aber sie konnte es nicht lesen oder entziffern was es bedeuten sollte.

Ein Großteil der Gruppe schmiedete grade einen Plan zum Angriff, sie hörte Cadan und Celriel murmeln und diskutieren. Dazwischen ein ungeduldiges Grunzen von Hafgan. „He, Elfe!“ rief Nezlez.
„Welche?! Und wir haben Namen!“ keifte Celriel zurück.
„Alari-Elfe! Komm mal hier her!“
Celriel hatte Einwände, doch die Hilfsbereite Alari war bereits zur Stelle. „Sagt dir das irgendetwas? Oder ist das nur Kritzelei?“ fragte sie die Elfe.
„Es ist kein Gekritzel. Da steht ‚Zwei Hände, zwei Herzen‘. Und diese Ovalförmigen Kreise hier“ sie zeigte mit dem Finger darauf „gehören nicht zum Text. Wenn mich nicht alles täuscht dann…“ Alari legte ihre beiden Hände auf jeweils eine der Kreise, doch nichts passierte. „Hm...“
„Zwei Hände, zwei Herzen… klingt wie widerliches romantisches Gesülze.“ Nezlez schüttelte irritiert den Kopf.
Alari schmunzelte. „Wenn du diesen Text romantisch auffasst, hast du nicht vielleicht selbst eine romantische Ader?“
„Igitt! Bestimmt nicht! Hast du vergessen, wen du neben dir hast, Elfe?! Ich bin Nezlez Tintentick, genial, cool, berüchtigt, alles aber bestimmt nicht romantisch!“


„Was treibt ihr dort? Kommt mal zurück, wir wollen gleich loslegen und dann seid ihr besser in unserer Nähe!“ rief Celriel ihnen zu. Doch Alari schien zu sehr in Gedanken. Dann kam ihr eine Idee.
„Ob die Runen nun einen romantischen Hintergrund haben oder nicht…zwei Herzen haben nur zwei Personen.“ Sie legte ihre rechte Hand auf da linke Oval. „Nezlez, berühre bitte das rechte Oval mit deiner Hand.“
Besagtes Oval wirkte nicht wie ein Schalter und Nezlez hatte so ihre Zweifel, aber sie ging dennoch auf Alaris Bitte ein und legte ihre flache Hand in die Mitte des eingravierten Ovales.
Da leuchteten die Eingravierungen plötzlich blau auf und es gab ein schrilles Geräusch. Das Licht wurde immer heller und es fühlte sich so an, als würde ihr Arm eingesogen. Erschreckt wollte sie ihn zurückziehen, doch konnte sie ihn nicht bewegen. „Mein Arm…! Was ist das für ein Scheiß?!“ Sie kreischte. Das blaue Licht nahm die beiden immer weiter ein und der Sog wurde immer stärker. Schließlich gab es einen letzten hellen Blitz und sowohl Alari als auch Nezlez schienen wie vom Erdboden verschluckt.

Oder korrekter: Von der Wand verschluckt. Denn genau das war gerade passiert. Es war eine magische Gravur, kein normaler Mechanismus, anders ließ sich das Geschehen nicht erklären. Nezlez und Alari fanden sich in Dunkelheit wieder, vermutlich, aber nicht unbedingt, auf der anderen Seite der Wand. Goblinaugen waren an Dunkelheit gewöhnt, trotzdem brauchte sie einen kurzen Moment um sich zu gewöhnen. Als erstes kontrollierte sie, ob ihr Arm noch an seinem Platz war, aber alles schien in bester Ordnung. Auch Alari war noch neben ihr und schien unverletzt. Nezlez schaute zurück zur Wand, doch dort war nichts außer Stein. „Zum Teufel mit diesem Tempel. Wo sind wir hier?“
„Das weiß ich nicht…aber wir sind nicht alleine hier“ Alari deutete auf winzige rotleuchtende Punkte in der Dunkelheit. Rotleuchtende Punkte auf sich bewegenden, dunklen, haarigen Körpern.

Ironhide
20.03.2017, 17:30
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Ohne Waffen, halb gefesselt und als Futter für die Untoten und Orks und sonst was, dafür brauchte der Fürst sie scheinbar, für nichts sonst.
„Ihr könnt uns wenigstens die Ketten abnehmen, denn so nützen wir euch nicht mal als Fallentester etwas.“ Entweder Cadan traf den richtigen Punkt, oder aber der Fürst war sich sicher, das sie eh keine Möglichkeit zur Flucht haben würden. Letzteres stimmte sogar, denn für sie alle ging es nur nach vorne, tiefer in den Tempel hinein, die Wachen allesamt im Rücken.

Und wie aus dem nichts, waren dann Nezlez und Alari verschwunden, von einem blauen Licht verschluckt, dessen Blitz ihm kurz blendete, wie aber auch alle anderen. Aber bevor er oder einer der anderen sich Fragen konnte, was das war, regte sich im Raum etwas. Scheinbar wurden die Untoten also nicht nur 'geweckt' wenn man weiter in den Raum ging, sondern auch die Aktion von Alari und Nezlez rief die Brut herbei.
„Ich denke, wir kümmern uns später um unsere Deserteure... oder was auch immer mit ihnen passiert ist.“

Waltikon
15.04.2017, 18:19
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Na toll! Noch vor kurzem hatte sie gedacht, eine Möglichkeit gefunden zu haben, in Alaris nähe bleiben und sie – und die anderen – beschützen zu können, aber nein! Das Schicksal hatte natürlich mal wieder andere Pläne für sie. Wäre ja auch wirklich zu schön gewesen, wenn wenigstens EINMAL etwas nach Plan verlaufen wäre…
Und als wäre das Ganze nicht schon schlimm genug, musste Alari natürlich auch noch mit dieser Nezlez verschwinden. Sie traute dieser Goblin ganz und gar nicht. Irgendwie mussten sie ihnen hinterher, und das schnell!
So wie Cadan bemerkte auch sie, dass sich die Untoten zu regen begannen. Er hatte recht, jetzt galten andere Prioritäten. Ein Rückzug stand außer Frage, doch gegen die Untoten würde es nur eine Frage der Zeit sein, bis sie unterlagen. Es sei denn…

„Menschenhexe, glaubt Ihr, Eure Flammen vermögen die Untoten so schnell und gründlich zu verbrennen, dass sie uns nicht mehr gefährlich werden können?“
Eine Antwort abzuwarten verblieb keine Zeit mehr. Die ersten Untoten stürzten auf sie zu.

Der Raum erfüllte sich mit dem Geruch von beinahe panischer Angst. Offenbar war Hafgans Leibwache gerade dabei, sich in die Hosen zu machen. Die Elfenkriegerin jedoch machte einen Schritt auf die Untoten zu. Es gab nur noch einen Weg: Vorwärts!

Ihr Schwert spaltete das erste auf sie einstürmende Gerippe in zwei Hälften. Kaum am Boden aufgeschlagen, bewegten sich die Knochen wieder aufeinander zu, um sich wieder als ein Ganzes zu erheben.
Der zweite Streich ihres Schwertes trennte einem halb verfaulten Untoten die Hand ab. Sie griff mit ihrer linken Hand die Waffe, die von dieser gehalten worden war, denn diese war ihr Ziel gewesen: Eine Streitaxt. Sogleich warf sie diese zu Cadan hinüber.
„Ich denke, dies ist das richtige Handwerkszeug für Euch, Krieger!“
Und zu Aine gewandt:
„Und Ihr setzt endlich Eure Feuermagie ein, Hexe!“

coel
18.04.2017, 21:38
https://abload.de/img/ainecyauv.png „Und ihr setzt endlich eure Feuermagie ein, Hexe!“
Bevor Celriel die Worte ausgesprochen hatte, war Aine bereits dabei einen Zauber zu skandieren. Aber etwas fühlte sich nicht richtig an. Aine zögerte, was Celriel umso aufbrachte und dabei ein Skelett die Rippen mit einem kräftigen Hieb zerschlug.
„Was wartet ihr? Wollt ihr nur herumstehen?“, schrie sie zornig.
„Ich kann nicht…“, gab sie zurück, „Ich kann diese Magieströme hier nicht nutzen.“
Celriel wollte etwas sagen, doch eine nach ihr gewuchtete Axt, zwang sie zu einem reflexartigen Blocken, der ihr im letzten Moment wahrscheinlich das Leben rettete. Das große Skelett hob behäbig seine schwere Waffe zu einer weiteren Attacke, aber diesmal war die Elfe vorbereitet und parierte geschickt, um ihrem Gegner daraufhin die Beine wegzuschlagen. Mit klappernden Knochen fiel das Skelett zusammen, doch sein Platz wurde durch zwei neue Skelette ersetzt.
Obwohl sowohl Celriel als auch die Drah’Zil und Cadan sich tapfer und wild gegen die Masse an trägen Skeletten zur Wehr setzten, schien ihr Gegner sich, egal wie vernichtend die Schläge auch waren, immer wieder neu aufzurichten und anzugreifen.
Aine wollte helfen, doch sie fürchtete die giftige Magie, die durch den Tempel strömte. Es fühlte sich verdorben, aber auch unglaublich mächtig an. Allerdings wusste jeder ausgebildete Magier, wohin der Weg führte, wenn er sich derartiger Magie bediente. In die Hände der Deimonen.
Es gab also nur noch einen Weg.
„Wir müssen durch den Geheimgang, den Nezlez gefunden hat! Uns bleibt keine andere Möglichkeit!“
„Dann los!“, brüllte Celriel, die gerade zusammen mit Cadan das letzte Skelett zertrümmerte, „Öffne uns den Weg!“
Aine kannte derartige Vorrichtungen schon aus den Hallen der Magieschule und auch viele Magier benutzten magisch erschaffene Portale, die nur durch eine von ihnen gewählte Formel geöffnet werden konnte. Sie half ihnen sowohl gegen Diebe als auch gegen Verfolger. Die Formel war deutlich von Alari übersetzt worden, aber es gab ein entscheidendes Problem.
„Wir können nur zu zweit durch…“
Die Gewissheit ließ sie für einen Moment erstarren. Ihre Zahl war ungerade. Einer musste zurückbleiben. Sie würde es auch keinen Fall sein. Eher bediente sie sich dieser schrecklichen Magie, als in diesem vor Verdorbenheit stinkenden Gemäuer ihren Tod zu finden. Sie würde lügen müssen und das tat sie.
„Nur ich kann diese Magie nutzen, jemand muss sich opfern“, schnell fügte sie hinzu, „Es tut mir Leid, es geht nicht anders.“
Voller Erwartung fiel ihr Blick auf die Gruppe, die sich für einen Moment ein paar Augenblicke der Ruhe erkämpft hatte, bevor sich die Toten wieder erheben würden.
„Jemand kann von uns zurücklaufen!“, sagte Arash schwer schnaufend und mit mehreren blutenden Stellen an seinem schuppigen Körper.
„Zurück in die Hände dieses Irren?“, antwortete ihm Pehtia, „Er wird denjenigen massakrieren.“
„Also führen beide Wege in den Tod“, knirschte Nalim mit den Zähnen.
„Entscheidet euch endlich!“, befahl ihnen Aine, nachdem sie sah, wie sich das erste Skelett wieder langsam zusammensetzte.
„Wollt ihr, dass wir alle hier verrotten?!“

Fruwluamressaw
21.04.2017, 00:22
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Nezlez stieß einen ihrer berühmten entnervten Seufzer aus. „Riesenspinnen… die kenne ich. Vor allem kenne ich genug Goblin die sich eine als Haustier halten wollten.“ „Aber die sind doch giftig und gefährlich!“ „Klar sind sie das, darum wurde jedem dieser Deppen der Kopf abgebissen oder aber sie starben an einer Vergiftung.“

Die Spinnen wurden natürlich auf die beiden Aufmerksam. Langsam krabbelten sie in ihre Richtung. Nezlez Augen hatten sich mittlerweile gut an die Dunkelheit gewöhnt. Sie waren auf einer Art Plateau in einer tiefen Höhle. An den Wänden und auch um sie herum waren viele Spinnennetze. Kein Bock hier zu warten. Die andern werden eh nicht nachkommen, und wenn doch, will ich einen Vorsprung haben… ich will das Artefakt!

Da machte die erste Spinne einen Satz auf sie zu. Beide hechteten schnell zur Seite. Nezlez landete dabei schon gefährlich nahe am Abgrund. „Kannst du nicht irgendeine Art Lichtmagie wirken? Oder ein Anti-Spinnen Lied?“ „Etwas bösartiges blockiert die Magie an diesem Ort…ich habe es schon befürchtet als wir in den Tempel eintraten. Wir müssen sie ohne Magie bekämpfen.“ „Bist du irre?! Komm!“ Nezlez rollte sich zur Seite als die Spinne abermals attackierte. Dann stand sie auf und rannte los. Sie vertraute darauf, dass Alari schlau genug war, ebenfalls die Beine in die Hand zu nehmen. Nach ein paar Metern verhedderte sie sich schon mit dem Fuß im ersten klebrigen Spinnennetz, konnte es aber noch rechtzeitig durchschneiden. Über ihr ließen sich bereits weitere Spinnen von der Decke hinab und sie rannte durch ihnen hindurch. Alari holte Nezlez dank ihrer langen Beine bald ein. „Elfe, siehst du den schmalen Weg da vorne? Es ist die einzige Möglichkeit!“ Alari zögerte kurz und strengte ihre Augen an. „Nein…es fällt mir schwer, hier viel zu sehen.“ „Dann halt dich besser nah bei mir!“ Eine Spinne seilte sich zu ihnen ab, doch Alari schoss ihr einen Pfeil ins Auge, sodass sie hinab plumpste und vorerst außer Gefecht war. Sie sprinteten an der Spinne vorbei. Nach ein paar weiteren Metern merkte Nez, dass Alari zurückgefallen war. Sie war sehr unglücklich in einem der vielen Netze hängen geblieben und versuchte gerade, sich loszureißen. Eigentlich wäre das der ideale Zeitpunkt für Nez, zu versuchen, Alari zurück zu lassen. Allerdings war es wahrscheinlich, dass im Tempel noch weitere Runen warten würden. Und nur Alari konnte sie lesen. Vielleicht gab es auch noch einen anderen Grund, jedenfalls rannte sie zurück zur Elfe, um ihr zu helfen. Zusammen schnitten sie die dicken widerspenstigen Fäden durch, bis die Elfe befreit war. „Ich danke dir, Nezlez.“ „Jaja wie auch immer.“

Dabei konnte sich allerdings eine der Monsterspinnen nah genug anschleichen und biss Nezlez ins Bein. Sie reagierte sofort und stach der Spinne ihren Dolch in eines ihrer Augen, was diese zurückschrecken ließ. Aber zu spät, die Zähne hatten bereits durch ihre Haut gestochen. „Dreckiges Mistvieh… schnell, weiter!“ Sie spurteten wieder los und erreichten den schmalen Weg, der durch die tiefe Schlucht wie eine Art Steinbrücke wirkte. Nezlez biss die Zähne zusammen aber sie merkte wie das Gift langsam wirkte und begann zu humpeln. Alari bemerkte es und begann die Goblin zu stützen. „Ich brauch deine Hilfe nicht…“ Hinter ihnen krabbelte eine der Spinnen und würde sie bald einholen. Der schmale Weg war nicht sehr robust, ständig bröckelten Steine an den Seiten ab und fielen in die Tiefen. Einen Aufprall hörte man dabei nie.

Sie hatten die Brücke fast überquert, als durch einen Satz den die Spinne machte das Gewicht zu schwer wurde und das Stück Stein auf dem sie gerade standen, abbrach.

Die zwei Frauen kreischten gleichzeitig, Alari schaffte es noch auf den noch ganzen Teil der Brücke zu hechten, doch Nezlez hing nur noch mit einer Hand am Rauen Stein. Hinter ihr fiel die Monsterspinne in die Tiefe, wer weiß ob sie den Sturz überleben würde. Hoffentlich nicht!. Alari beugte sich zu Nezlez und hielt ihre Hand fest. Dann hielt sie ihr den anderen Arm hin, sodass Nezlez sich hochziehen konnte. Glücklicherweise waren Nezlez Arme nicht auch noch betroffen und es gelang ihnen. „Gut…danke.“
Zusammen liefen bzw humpelten sie weiter, bis sie am Ende der Brücke ankamen. Auf dieser Seite konnten sie keine Spinnen ausmachen, aber die vorherigen Spinnen bahnten sich langsam ihren Weg durch die Höhlenwände und Decke. Gücklicherweise hatten sie einen guten Abstand. „Diese scheiß Spinnen, was mache ich jetzt mit diesem Bein?! Kannst du gar nichts tun?“ „Lass mich kurz überlegen..“

coel
25.04.2017, 10:38
Vidar betrachtete die reglosen Körper um sich herum, nachdem er seine Klinge wieder in ihre Scheide schob. Abgetrennte Gliedmaßen lagen verteilt in glänzenden Blutlachen und die leeren Augen starrten ihn vorwurfsvoll an, als würden sie noch im Tod seinen Verrat verurteilen. Es waren gute Krieger gewesen und hatten sich tapfer gewehrt. Beinahe fühlte er sich schuldig. Immerhin hatte er sie hinterlistig ermordet, aber er hatte es tun müssen. Entweder er tötete sie oder sie würden es später auf Befehl Hafgans tun.
Sie verband ein Treueschwur mit ihrem Fürsten und Vidar ein altes Versprechen. Keine Seite würde nachgeben, weswegen nur der Tod als traurige Lösung übrig geblieben war.
Unglücklicherweise waren sie nicht die Letzten, die sterben würden. Vidar wusste, dass das Artefakt noch lange nicht sicher war, wenn er es erstmal aus dem Tempel geborgen hatte.
Vor allem nicht, solang Hafgan am Leben war.
Er sprach ein kurzes Gebet für die Toten und verließ schließlich die Vorkammer, um den Sklaven zu folgen, die die Vorhut gebildet hatten.
Es dauerte nicht lange, da vernahm er bereits Kampfgeräusche. Er beschleunigte seinen Schritt, in der Hoffnung, noch helfen zu können. Als er eine weitläufige Halle erreichte, zögerte er für einen Moment, nachdem er des großen, roten Drah’Zils gewahr wurde. Obwohl seine Schuppen seit Geburt rot waren, bemerkte Vidar, dass auch Blut aus mehreren Wunden über diese gelaufen war. Der Drah’Zil, den seine Kameraden Arash nannten, ähnelte einem alten Kriegsgott, der sich, ohne einen Hauch von Erschöpfung oder Verzweiflung zu zeigen, gegen eine Horde aus Skeletten wehrte. Sein schwerer Streitkolben aus tiefschwarzem Stahl brach mit Leichtigkeit die Knochen jedes angreifenden Gegners. Doch so sehr er sich auch verteidigte, sie schienen ihn immer mehr zu überwältigen. Bevor dies geschehen würde, eilte ihm Vidar zur Hilfe.
Beim Ziehen seines Schwertes, sprach er die elfische Worte aus und die gläserne Klinge wurde von einem lodernden Feuer umhüllt, welches ohne Widerstand durch die rostigen Rüstungen der Skelette glitt. Einige Augenblicke später, waren es nur noch sie beide, die standen.
„Ich habe mich schon gewundert, wann ihr kommen würdet, Menschling. Aber warum seid ihr allein? Hatte euch der Fürst nicht Begleiter gegeben?“, fragte er misstrauisch und noch immer den Streitkolben in seiner kräftigen Klauenhand haltend.
„Sie werden auch nicht mehr kommen“, sagte Vidar knapp, wobei er sein Schwert wieder verstaute.
Der große, muskulöse Drah’Zil, der wahrlich ein Vertreter der Kriegerkaste war, drehte sich mit seinem ganzen Körper zu ihm. Jede Faser schien darauf zu warten, dass Vidar ihm eine Gelegenheit bot, anzugreifen.
„Was soll das bedeuten?“, sagte Arash und verengte seine Augen zu bedrohlichen Schlitzen.
Obwohl der Drah’Zil eine furchterregende Gestalt war, ließ Vidar seinen Gegenüber diesen Gedanken jedoch nicht spüren. Stattdessen stellte er sich ihm.
„Sie wollten mich töten und ich habe mich verteidigt.“
Ein Hauch von Verwunderung bemerkte Vidar über das sonst so ausdruckslose Gesicht der Echse zu huschen, nur um dann wieder in das gleiche kalte Starren zurückzufallen. Wie ein gespannter Faden, der kurz vor dem Reißen war, so merkte Vidar, dass bei einer falschen Reaktion die Situation sofort eskalieren würde.
Daher hob er langsam und beschwichtigend die Hände.
„Vertrau mir, ich will euch helfen.“
Arash bleckte seine Zähne, was wie ein makabres Grinsen wirkte.
„Eure Rasse muss noch lernen, was Vertrauen bedeutet.“
„So wie die Drah’Zil lernen müssen, den anderen Rassen zu vertrauen.“
Seine Antwort war mehr aus dem Affekt heraus und beinahe fürchtete Vidar Konsequenzen, aber der Drah’Zil lachte kurz auf und schien sich sichtlich zu entspannen.
„Mag sein, Menschling. Nun gut, ich gehe das Risiko ein, euch zu glauben. Denn langsam rennt uns die Zeit davon“, er machte eine Pause, deutete auf die sich wieder zusammensetzenden Skelette und fuhr dann mit einer ernsten Drohung fort, „Aber ich behalte euch im Auge.“
Vidar nickte und fragte, wo der Rest der Gruppe war. Nach einer kurzen Erklärung des Drah’Zil, näherte sich Vidar der Stelle an der Wand und bedeutete Arash ihm zu folgen.
„Ich glaube, ich weiß, wie wir zu den anderen kommen können.“


„Lass mich kurz überlegen…“
Alari prüfte noch einmal die Magie um sie herum. Die Ströme waren immer noch chaotisch und verdorben. Sie hatte etwas derartiges schon einmal empfunden.
Nein, sie würde nicht singen können. Das Risiko war zu hoch und ihre Überlebenschancen schien ihnen wie Sand durch die Finger zu rieseln. Dieser Tempel wollte keine Besucher, sondern ihren Tod. Alles an diesem Ort wirkte feindselig und war dazu geschaffen, dass niemand lange am Leben bleiben sollte. Sie fürchtete um sich und ihre Begleiter.
Vorsichtig betrachtete sie die Bisswunde am Bein, die mittlerweile leicht angeschwollen war. Sie zog ihre Stirn in Falten, während sie nachdachte. Hinter ihnen auf der anderen Seite der zerfallenen Brücke stießen die Spinnen ein missmutiges Kreischen aus, als würden sich über die verlorene Beute ärgern.
„Verdammte Biester…“, murmelte die Goblin und biss unter Schmerzen die Zähne zusammen, „Wie sieht es aus, Spitzohr?“
Alari öffnete ihr ledernes Bündel und suchte nach Nieselwurz und Bramkraut. Beides steckte sie sich in den Mund und kaute es, wobei sie darauf achtete, dass sie ihre Speichel nicht schluckte. Den Brei rieb sie auf die Wunde und verband diese mit einem Stofffetzen.
„Und ich dachte, dass Goblins ekelhaft sind.“
Alari ignorierte die Bemerkung.
„Das sollte helfen. Du wirst noch ein wenig humpeln, aber es wird das Gift bald neutralisiert haben und die Wunde abschwellen lassen. Beanspruche es daher nicht zu sehr!“
„Wunderbar“, antwortete ihr in einem sarkastischen Unterton Nezlez und deutete hinter ihr auf die Spinnen, „Denn die da drüben wollen uns keine Ruhe geben.“
Alari drehte sich um und sah, wie nach und nach die Spinnen Fäden über die Schlucht warfen und eine sporadische Brücke auf ihre Art bauten.

Aeon525
01.05.2017, 12:29
Die Drah'Zil waren Kinder der Sonne. Man hatte sie nicht erschaffen um wie Zwerge durch dunkle Stollen zu kriechen. Zwar waren die Echsen mit einer recht guten Nachtsicht gesegnet, doch aufgrund der Fackeln war es Rijok und den anderen nicht möglich die Augen an die Finsternis zu gewöhnen. Im Stillen verfluchte er Hafgan. Wieso hatte der Fürst ihn und seine Kameraden mit in seine seltsamen Expedition hineingezogen? Eigentlich wäre mit dem Abschluss des Geschäfts seine Aufgabe beendet gewesen. Langsam reifte in ihm die Erkenntnis, dass Hafgan ihn nicht lebend gehen lassen würde. Vermutlich hatte er Angst er würde anderen von dem mysteriösen Artefakt erzählen, auf das der Menschling so scharf war. Er warf den Wachen einen abschätzigen Blick zu. Sie sahen kampferprobt aus. Ihre Blicke waren wachsam und die Art und Weise wie sie ihre Waffen hielten wirkte routiniert und erfahren. Einer direkten Konfrontation waren sie nicht gewachsen. Die Sklaven hatten keine Waffen und der Gang war für die Drah'Zil zu eng um mit ihren langen Waffen ordentlich ausholen zu können.

Er folgte seinem ehemaligen Eigentum während Arash und Celriel die Wellen an Untoten abwehrten bis sie schließlich zu einer Art Geheimgang kamen. Als die Magierin ihnen eröffnete, dass ein Mitglied der Gruppe zurückbleiben musterte er abschätzend den Rest der Gruppe. Es war ein Jammer, dass das Goblinweibchen bereits durch die magische Tür geschritten war. Ihr Verlust wäre am leichtesten zu verkraften gewesen. Dass einer der Sklaven das schwere Los ziehen musste, stand für den Drah'Zil außer Frage. Dementsprechend fassungslos war er als ausgerechnet Arash vortrat, der wohl stärkste Krieger in ihren Reihen. "Ich habe die höchsten Überlebenschancen." erklärte er mit einem grimmigen Stolz in der Stimme. Rijok wollte Einspruch erheben, doch der entschlossene Blick des Kriegers erstickte sie bereits im Keim. Arash war stur, wie die meisten Drah'Zil der Kriegerkaste. Wenn er sich erstmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, ließ er sich kaum davon abbringen. "Nun geht!" forderte Arash mit einer wegscheuchenden Handbewegung bevor er bedeutungsschwer hinzufügte. "Wir sehen uns auf der anderen Seite."

Nach und nach schritt die Gruppe paarweise durch das magische Tor, bis nur noch die Drah'Zil und die Magierin übrig waren. Pehtia lies es sich nicht nehmen einen kurzen Segen über Arash zu sprechen ehe sie Nalim bei der Hand nahm und im blauen Leuchten verschwand. Auch Rijok verabschiedete sich von seinem Wächter ehe er sich dem blonden Menschenweibchen zuwandte. "Ich kann nur hoffen das alles ist den Aufwand wert." Damit packte er die fragile Hand des Weibchens mit seiner schuppenbesetzen Pranke und gemeinsam schritten sie durch das Licht.

Finsternis empfing sie auf der anderen Seite. Die Luft war abgestanden und es roch nach Fäulnis. Der Gang war so schmal, dass Rijok kaum seine Arme ausstrecken, geschweige denn seine Waffe ziehen konnte. Immerhin gab es hier keine Fackeln und so gewöhnten sich seine Augen rasch an die Dunkelheit. Plötzlich drangen Kampfgeräusche drangen an ihre Ohren und sie eilten, so schnell es ihre Umgebung zuließ, dem Ursprung der Geräusche entgegen. Der Gang öffnete sich und führte auf ein Felsplateau. Dort wehrte sich der Rest der Gruppe gerade, wortwörtlich mit Händen und Füßen, gegen eine Flut aus Spinnen aller nur erdenklicher Größen. In einer Geste ungewöhnlicher Großzügigkeit reichte er dem Weibchen wortlos einen Eisendolch, der in menschlichen Maßstäben eher einem Kurzschwert glich. Selbst ein störrisches Sklavenweibchen hatte es nicht verdient sich wehrlos von diesen widernatürlichen Kreaturen abschlachten lassen zu müssen.

Waltikon
01.05.2017, 22:51
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Einer musste zurückbleiben? Diese Entscheidung zu treffen könnte lange dauern. Zu lange! Andererseits, wenn sie sich nicht schnell einigten, würden die Untoten ihnen die Entscheidung abnehmen, denn auf Dauer würden sie diese nicht abwehren können.
Sie jedoch würde keinesfalls zurückbleiben. Sie musste Alari hinterher! Als sich der Drah'zil-Krieger freiwillig dazu bereiterklärte, fiel ihr insgeheim ein Stein vom Herzen. Zwar war ihr der Gedanke, einen Kameraden zurückzulassen, zutiefst zuwider, doch andererseits gab es keine andere Möglichkeit.

„Für den Moment haben wir etwas Ruhe. Wenn wir also durchgehen wollen, sollten wir es schnell tun.“ Drängte sie die anderen, während ihr Blick auf die am Boden liegenden Skelette und Leichname gerichtet war. Gemeinsam war es ihnen gelungen, ihre Gegner allesamt niederzumachen, jedoch begannen diese Kreaturen der Unterwelt sich bereits wieder zu regen.
„Ich muss zu Alari!“
„Cadan und ich gehen zuerst!“
Erstaunte Blicke wurden gewechselt.
„Wir wissen nicht, was uns auf der anderen Seite erwartet. Daher ist es am Klügsten, wenn wir zwei Krieger vorgehen und den Bereich sichern.“ Fügte sie schnell eine taktische Begründung hinzu, die jedem einleuchten sollte.
„Dann los, geht!“ entschied Rijok kurzerhand.

Celriel fasste Cadan an der Hand, sie legten die freien Hände auf die Ausbuchtungen und – fanden sich plötzlich in einem dunklen Gang wieder.
„Wir hätten Fackeln mitnehmen sollen.“ maulte Cadan.
„Warum? Man kann doch ganz gut sehen.“ Es kam ihr gar nicht in den Sinn, dass sie selbst für eine Elfe über eine außergewöhnlich gute Nachtsicht verfügte.
„Schön für dich, ich kann jedenfalls kaum was erkennen.“
„Da lang!“ Ohne auf seinen Einwand zu reagieren, zerrte sie ihn den vor ihnen liegenden, kurzen Gang hinunter, den Geräuschen entgegen, die sie vernommen hatte. Dort musste Alari sein!

Kaum hatten sie das kleine Plateau erreicht, als sie sich auch schon mit den Riesenspinnen konfrontiert sahen. Diese wiederum gingen sofort zum Angriff auf die unverhoffte Beute über. Celriel und Cadan blieb gar nichts anderes übrig, als sich mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Glücklicherweise kamen die anderen rasch nach, sodass sie nicht allzu lange auf sich allein gestellt waren. Dennoch schien die Zahl der Spinnen nicht abnehmen zu wollen.
„Die gute Nachricht ist,“ keuchte Cadan zwischen zwei Schlägen, „dass diese Viecher wenigstens tot bleiben, wenn man sie abmurkst!“
„Ja, aber es sind einfach verdammt viele!“ entgegnete Celriel, während sie eines dieser Biester mit ihrem Schwert spaltete.
Sollten sie wirklich den Untoten nur entkommen sein, um als Spinnenfutter zu enden?

„Achtung!“
Kaum dass sie die Warnung vernommen hatte und herumwirbelte, sah sie nur noch, wie eine makellose Klinge die auf sie zuspringende Riesenspinne durchbohrte. Kein Tropfen Spinnenblut blieb an ihr haften, als ihr Träger diese aus dem Körper des toten Monsters zog.

Fruwluamressaw
06.05.2017, 23:12
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Die Wunde an ihrem Bein schmerzte sehr, würde aber nun zumindest verheilen können. Die riesigen Spinnen interessierten hatten soeben ihre "Brücke" aus Spinnfäden errichtet, als von hinten aus der Höhle Lärm drang. Den Stimmen nach zu Urteilen hatten es die anderen also geschafft ihnen zu folgen und hatten nun ihre Mühen mit den Spinnen, die in großen Zahl aus der Grube geklettert waren. Na super und ich habe schon gehofft ich bin die los.

"Elfe, lass uns schauen wo es hier weiter geht." "Hörst du denn nicht, dass unsere Freunde nun auch hier sind? Wir müssen ihnen helfen!" "Ach was die kommen schon klar! Wir verlieren hier nur unnötig Zeit...jetzt komm schon!" Alari schüttelte den Kopf. "Tut mir leid aber das kommt nicht in Frage." Dann rannte sie den Bogen gezückt zurück. "Hmpf. Mach doch was du willst." Ächzend humpelte sie in die Gegengesetzte Richtung. Soll mir doch recht sein... bestimmt brauche ich sie ab hier eh nicht mehr.

Sie lief die Höhlenwand ab und entdeckte bald eine Art Altar, auf dem mehrere Skelettstatuen standen, die nicht-brennende Wachskerzen in ihren Händen hielten. Der Altar und die Skelette waren aus dunklem Material und stachen daher von der Ferne gesehen nicht heraus. Die Skelette hatten unterschiedliche Posen und wirkten teilweise leidend, teilweise demütig, beugten und windeten sich. Neben dem Altar an der Felswand waren Einkerbungen ähnlich wie vorhin und natürlich verstand Nezlez auch diesmal kein Wort von dem. Sie hantierte mit den Statuen herum, aber es machte nicht den Eindruck, dass es irgendwas nutzen würde. Es könnte eine Art Rätsel sein...
Sie konnte die Kampfgeräusche und das Fauchen der Spinnen gut hören, dass in der Höhle schallte. Die Elfe war schon nicht mehr zu sehen. Aber Nezlez wollte nicht warten...wollte das Artefakt für sich alleine. Hektisch versuchte sie die Statuen auf mehrere Arten zu vertauschen. Anzünden konnte sie die Kerzen nicht, dafür hatte sie nichts dabei. Es half nichts. Verärgert pfefferte sie eine der Statuen vom Tisch. Sie landete mit einem lauten 'tock' auf dem Boden schien aber nicht zu zerbrechen. Es muss noch einen anderen Weg geben!!!

Sie ging weiter an der Höhlenwand entlang, das Plateau war an dieser Stelle doch weit größer als gedacht. Plötzlich erhaschten ihre scharfen Goblinohren ein Geräusch, das nicht zu den entfernten Kampfgeräuschen passte. Ein Plätschern. Neugierig presste sie ihr Ohr an die Wand und tatsächlich, das Plätschern war jetzt sehr gut hörbar. Gab es hier etwa eine Art Quelle? Bei genauer Betrachtung fiel ihr auf, dass eine Stelle unten schon sehr rissig war, offensichtlich hatte das Wasser schon jahrelang am Fels gearbeitet. Gewaltsam begann Nezlez mithilfe eines Eisendolches und ihren Stiefeln auf die poröse Felswand einzutreten, natürlich mit ihrem unverletzten Bein. Und tatsächlich, nach mehreren Versuchen brach der Stein an der Stelle ab, das Wasser drückte nach, floss aus dem Loch und ein kleiner Durchgang war geschaffen. Nezlez lag auf dem Boden und spickte in das Loch, während das Wasser bereits ihre Kleidung durchnässte. Es schien ein vom Wasser natürlich geschaffener Gang zu sein. Kein sonderlich guter Anhaltspunkt, aber besser als nichts. Nur mit Mühe schaffte Nezlez es, sich durch den Spalt hindurchzuzwängen, obwohl sie sehr klein war kratzte der raue Stein an ihr und schürfte ihre Haut auf. Das Wasser war nicht tief, aber der Strom war doch stärker als gedacht. Als sie versuchte sich vorsichtig in den Gang zu tasten, wurde sie von dem glatten Stein überrascht und vom Strom mitgerissen. Wie auf einer Wasserrutsche raste sie in die Dunkelheit des Felsmassivs hinab. Wobei 'Wildwasserbahn' wohl der passendere Begriff wäre. Unsanft wurde Nezlez hin und her geschleudert und war sich plötzlich nicht mehr so sicher, ob es eine gute Idee war hier herein zu klettern.

Gerne hätte sie sich noch geduckt, aber zu spät. Sie knallte direkt mit dem Knopf gegen einen Stalaktiten und wurde ohnmächtig. Das Wasser hörte natürlich nicht auf zu fließen und so wurde die bewusstlose Nezlez weiter den Gang hinuntergespült.

Ironhide
07.05.2017, 04:01
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
„Vom Regen ion die Traufe, was?“, gab der Trolljäger von sich. An die Dunkelheit gewöhnte er sich nur schwer, die Augen der Spinnen allerdings leuchteten rot, was ihn etwas half, sich zumindest dahingehend zu orientieren, wo die Viecher grad herkamen. Die Streitaxt die ihn Ceriel zugeworfen hatte war in diesem Moment mehr als hilfreich, doch ewig konnten sie auch das hier nicht mehr durchhalten.
„Elfe, irgendeinen Plan? Ich sehe hier so gut wie nix!“, meinte er zu Ceriel. Das entsprach sogar der Wahrheit. Im Grunde fuchtelte er nur mit der Axt um sich, um Angreifer möglichst fern zu halten was auch ganz gut funktionierte. Er konnte hören wie nun auch nach und nach alle anderen eintrafen, bis sie schlussendlich vollzählig waren – bis auf einen. Wer nun zurück geblieben war, wusste er nicht und es war ihm auch herzlich egal. Er war es nicht gewesen, wobei er sich gerade fragte, ob das nicht vielleicht besser gewesen wäre.
„Feuer wäre nun angebracht!“, rief er, wohl wissend, das so ohne weiteres keiner ein Feuer entfachen konnte. „

Rosered_Strauss
12.05.2017, 01:01
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngDie Situation, in die sie geworfen worden waren, zehrte sehr an Alaris Nerven. Als Nezlez sie gebeten hatte, sie zu begleiten - der Fairness wegen müsste eigentlich erwähnt werden, dass sie sie eher angeherrscht hatte - hatte sie jedoch bereitwillig eingewilligt, diese in die ungewisse Dunkelheit zu begleiten. Der erste Grund war offenkundig: es war wohl die Einzige Möglichkeit, an das Objekt ihrer aller Begierde zu gelangen. Das Objekt zu bekommen dürfte schon schwer genug sein, doch in Alaris Hinterkopf nagte stets die Gewissheit, dass sie es vor Hafgan schützen mussten - doch sie hatte noch keine Idee, wie sie das tun könnten. Sie war sich noch nicht einmal sicher, ob sie es wagen konnte, Asha zu trauen, die ihnen dieses Unterfangen ja überhaupt erst aufgetragen hatte. Natürlich hätte sich niemand weigern können, einem Drachen schlug man keine Bitte leichtfertig ab, insbesondere dann nicht, wenn deren Erfüllung das eigene Leben retten würde. Doch nicht nur die Dringlichkeit ihres Vorhabens, an dem ihr aller Leben hing, trieb sie an - es war die grüne Goblindame selbst, die der zweite Grund für Alaris bereitwillige Hilfe war. Es war die erste Gelegenheit ihres Lebens, mit einem Kind Noroshs Konversation zu betreiben, ohne dass eine akute Gefahr von ihrem Gegenüber ausging. Ganz im Sinne ihres Herren hatte sie die Hoffnung auf eine diplomatische, friedliche Lösung noch nicht gänzlich aufgegeben. Eine Übereinkunft kam jedoch nur dann in Frage, wenn sie genügend über Kultur und Umgang der Grünhäute wusste, um überhaupt ein Gespräch beginnen zu können, wenn sich denn einmal eine Gelegenheit ergeben sollte.

Die Elfe drängte all diese Gedanken jedoch spätestens mit dem Erscheinen der Spinnentiere an den Rand ihres Bewusstseins zurück, denn nun hatte die Böswillige Gegenwart des Tempels eine neue, greifbare Manifestation angenommen. In den Tiefen alter Wälder hatte sie schon so manches Tier gesehen, dass weitaus größer war als die Artgenossen, die man üblicherweise antraf. Doch diese Arachnide waren... anders. Sie konnte nicht beschreiben, woran es lag. An der rötlichen Augenfarbe ihrer vielzähligen Sehinstrumente? An der feinsinnigen Intelligenz, die sie wohl besaßen, schienen sie sich doch abzusprechen und sogar koordiniert eine Brücke bauten? An dem beunruhigenden Gefühl, das über die nur allzu natürliche Angst hinaus ging, die man in der Gegenwart eines solchen Feindes zwingend verspüren musste? Sie konnte es nicht mit Sicherheit sagen, doch sie hatte gelernt, ihrem Instinkt zu trauen. Und der sagte ihr, dass sie sich vor diesen Wesen in Acht nahm. Das sie auch noch giftig waren, überraschte sie daher nicht weiter - glücklicherweise hatte sie jedoch einige Heilkräuter dabei, um die kleine Grünhaut zumindest für den Moment zu versorgen. Ihre Wege trennten sich jedoch, als sie ihre Gefährten erst hörte und schliesslich mit einem aufmerksamen aufglimmen ihrer smaragdfarbenen Augen schliesslich auch erspähte. Sie konnte nicht anders - sie musste ihnen helfen, musste sie zumindest warnen. Sicher hatten die feinfühligeren von ihnen es auch schon gespürt, aber gerade um die groberen Naturen machte sie sich Sorgen. Ihnen mangelte es an Sorgfalt oder auch Achtsamkeit, um an diesem Ort zu überleben. Und so hastete Nezlez weiter, um nach dem Artefakt zu suchen, während es sie erneut in Richtung des Abgrundes zog, auf dessen anderer Seite ihre Gefährten einen Kampf gegen die Arachniden ausfochten.

"Gebt Acht!" rief sie ihnen zweistimmig über den Abgrund hinweg zu. "Sie sind giftig, ich vermag es nicht abzuschätzen, welche Auswirkungen ein übermäßiger Anteil ihres Sekretes auszulösen vermag! Und hütet Euch vor der Brücke, denn sie bricht auseinander!" Sie sammelte gerade ihren Atem, um erneut etwas zu rufen, als ein gedämpfter, entfernter Schrei an ihr Ohr drang. Sie kannte nur ein Geschöpf, dass ein solch hohes, piepsiges Geräusch erzeugen konnte. Nezlez! "Eilt Euch!" rief sie ihnen zu, als sie sich vorsichtig auf die Brücke wagte und sie so weit beschritt, bis sie schliesslich an der abgebrochenen Stelle ankam. "Springt! Ich werde Euch fangen, solltet Ihr fehlen, Euch helfen, umfangen euch die Weben!" Sie war sich lange nicht sicher, ob Sie in der Lage sein würde, die massigeren Mitglieder ihrer Gemeinschaft zu fangen, aber was für eine Wahl blieb ihr denn schon? Sie hoffte nur, dass es zuerst die zierlicheren Mitglieder sein würden, auf das sie ihnen helfen könnten. Götter, was wünschte sich einen Bogen und Pfeile, um ihnen im Kampfe beizustehen, aber wenn es hier welche gegeben hatte, waren sie schon lange vermodert und verdorrt. "Nun kommt! Eile ist geboten, denn ich sehe immer mehr Spinnen kommen!"

coel
25.05.2017, 18:03
https://abload.de/img/ainecyauv.pngDer Eisendolch drang tief in eines der vielen Augen der Spinne ein und das Insekt kreischte dabei schrill vor Schmerzen auf. Aine wollte den Dolch nach unten ziehen, um die Wunde noch zu vergrößern, doch die Spinne schüttelte sich so heftig, dass Aine den Griff verlor. Die Spinne schob sie nun vor sich her und schnappte unaufhörlich mit ihren geifernden Kieferklauen oder stach mit ihren spitzen Beinen nach ihr. Die Magierin versuchte vergeblich den Attacken auszuweichen, doch immer wieder spürte sie brennenden Schmerz, da wo die Spinne sie getroffen hatte. Irgendwann merkte sie, dass sie mit dem Rücken zur Höhlenwand stand. Sie konnte nicht mehr zurückweichen. Entweder sie würde das Monster töten oder es würde sie in Stücke reißen. Ihre Hilfeschreie verloren sich im Kampfgetümmel. Allmählich begannen ihre Arme unter der Anstrengung zu zittern.
Schließlich verlor sich die Vernunft, so dass Aine instinktiv eine letzte Möglichkeit sah. Aine schrie ihre Wut aus, als sich ihre Hände, die wie glühende Kohlen glühten, durch das Chitin der Spinne schmolzen. Das Insekt zuckte und kreischte wie verrückt, doch je mehr es sich wehrte desto tiefer presste Aine ihre Hände in dessen Kopf. Es vergingen wenige Augenschläge, da starrte Aine auf den leblosen Leib und, bis sie den Dolch zitternd herauszog.
Celriel, die gerade eine Spinne in zwei saubere Hälften getrennt hatte, drang schließlich zu ihr durch.
„Alles in Ordnung bei dir?“
„Ja“, sagte sie nach einem Schnaufen, „Es geht mir gut.“
Du lügst.
Aine erschrak, als sie die Stimme hörte. Sie wandte sich um, doch bis auf Celriel war niemand in ihrer Nähe.
„Stimmt wirklich alles mit dir?“, fragte die Elfe nun etwas besorgter.
Die Magierin nickte.
Celriel beobachtete sie noch einen kurzen Moment schweigend, dann stapfte sie zu Rijok.
Die Spinnen zogen sich bereits wieder zurück. Offenbar war ihnen der zähe Widerstand der Gruppe zu viel geworden. Erst nachdem Pehtia ein alchemistisches Feuer zündete, konnte Aine die vielen leblosen Körper in dem feuchten Höhlengang sehen. Sie hatten ziemlich in unter den Insekten gewütet. Doch die Spinnen waren etwas, worüber sich die Magierin gerade am wenigsten Gedanken machte.
Kalter Schweiß stand Aine auf der Stirn. Sie versuchte nicht dem Wahnsinn und der aufsteigenden Panik zu verfallen, die gerade nach ihr griff. Vorwürfe und Verfluchung gegen sich selbst rasten durch ihren Kopf. Ihr Zauber hatte scheinbar die Aufmerksamkeit von etwas erregt. Es hatte zu ihr gesprochen. Es waren nur zwei simple Worte gewesen und doch fühlte sich Aine verängstigt. Ihr Zauber hatte gegen eine der obersten Regeln der Magiergilde verstoßen und die Konsequenzen schienen noch im Dunkeln zu liegen. Sie hoffte, dass sie dort auch bleiben würden.
Aus dem Nebel ihrer Gedanken, die wie ein zusammenfallendes Gebäude über sie einstürzten, hörte sie eine dumpfe Stimme. Langsam drang sie zu ihr durch und endlich bemerkte Aine, dass Rijok mit ihr sprach.
„Wach auf, Hexe“, sagte der Sklavenhändler und schnipste dabei mit dem Finger, „Wir müssen weiter.“
„Mir gefällt dieser Ort überhaupt nicht“, sprach Celriel und schob ihr Schwert wieder in die Scheide, nachdem sie die Klinge gesäubert hatte.
Seit sie wieder vereint waren, meldete sich auch dieser Vidar zu Wort.
„Ich bezweifle, dass ihr auch hier bleiben wollt. Ihr seht, was der Einfluss von Thanos aus den Spinnen gemacht hat. Jedes Lebewesen würde hier verhungern, doch die Verdorbenheit, die sie befallen hat, ließ sie die Zeit überdauern.“
„Was sucht Thanos hier?“, fragte der Trolljäger, der beiläufig von seiner Axt Chitinsplitter entfernte.
„Diese Frage konnte ich leider selber nicht beantworten“, erwiderte Vidar und seine Worte schienen ehrlich zu sein.
„Korrumpierung oder nicht, wir müssen weiter und dieses verfluchte Artefakt bergen. Dieser Tempel wird nicht mein Grab werden.“
Er fand bei jedem in der Gruppe Zustimmung und so schritten sie gemeinsam weiter.

Es dauerte nicht lange, da erreichten sie Alari. Zusammen mit ihr gelang es ihnen die Schlucht zu überqueren, die sich durch den Einsturz der Brücke gebildet hatte. Schweigend durchquerten sie die Höhlengänge bis sie vor einem verschlossenen Tor standen. Entfernt hörte Aine das Plätschern von Wasser. Offensichtlich gab es eine Quelle und sie merkte, wie ihre trockene Kehle nach Wasser verlangte.
„Ich habe Durst“, sagte sie zu Alari, „Hier gibt es irgendwo Wasser.“
„Ja, ich höre es auch, aber wir sollten zusammen bleiben.“
„Wo wir grad dabei sind…“, unterbrach sie Cadan, „Wo ist die Goblin?“
Alari erschrak.
„Nezlez ist verschwunden! Ich habe sie ganz vergessen!“
Aufgeregt sah sie sich um, doch von der grünen Kleinwüchsigen war nichts zu sehen. Vidar legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.
„Die Goblin scheint ziemlich zäh zu sein. Außerdem werden wir wohl noch eine Weile brauchen, um das Tor zu öffnen“, er deutete auf das massive Tor aus Stein, „Siehst du diese Runen?“
„Die Sprache der Drachen“, murmelte Alari nach einem Augenblick.
„Du musst es übersetzen. Ich bin sicher, dass unser Ziel hinter diesem Tor liegt. Währenddessen können wir uns aufteilen und nach Nezlez suchen.“

Alles schmerzte. Nezlez erhob sich angestrengt. Sie fühlte sich, als wäre sie von einem Troll als Ball missbraucht worden. Sie hatte lauter Abschürfungen durch die Steine und blaue Flecken würden nicht lange auf sich warten lassen. Sie hustete Wasser aus und musterte den Ort, an welchen sie gespült worden war.
Sie befand sich am Ufer eines unterirdischen Sees. Pilze, die an der Höhlenwand wuchsen, strahlten einen bläulichen Schimmer aus, ganz als würde Nezlez durch einen Saphir blicken. Außerdem roch es nach einer süßlichen Fäule, die die Goblin beim Gären der Pilze erinnerte, wenn ihre Bande wieder diesen ekelhaften Pilzschnaps braute. Beim Gedanken an das Getränk stieg der Durst in ihr auf und sie beugte sich zum Wasser, um davon eine Handvoll zu nehmen. Als sie es gerade zu ihren Lippen führen wollte, vernahm sie entfernte Schritte. Instinktiv griff zu ihrem Dolch, doch da war keiner.
Fluchend suchte sie nach einem Versteck, bis sie herausgefunden hatte, wem diese Schritte gehörten. Möglicherweise konnte es ihre Gruppe sein. Zumindest hoffte sie das. In dem Moment, wo sie sich vom Ufer entfernen wollte, griff etwas nach ihrem Bein.
„Trink.“
Eine massige Krake, die jedoch nur noch im Geringsten an eine erinnerte, stieg aus dem tiefen Wasser auf. Unzählige Gesichter, von unterschiedlichen Rassen, waren auf dessen feuchter Haut zu erkennen, von denen alle in einem gurgelnden Chor zu ihr sprachen. Der Bauch eines Frauenkörpers bildete das große Maul, in welchem lauter spitze Zähne aufblitzten, das sich auf einmal öffnete.
„Trink vom Wasser!“

Rosered_Strauss
29.05.2017, 22:15
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari stand vor dem Tor, welches von drachischen Glyphen verziert wurde. Diese dienten jedoch lange nicht der Ästhetik des Ortes, so dieser denn welche über den furchteinflössenden Eindruck hinaus besaß, sondern waren funktional. Womöglich sogar lebensrettend. Bevor sie diese jedoch länger betrachtete, wandte sie sich in altem Elfisch an Celriel. "Verzeiht, wenn ich Euch dies aufbürde, aber ich bitte Euch, sucht nach Nezlez. Unsere kleine, grünhäutige Gefährtin mag für uns alle noch sehr wichtig sein, nicht nur in diesem Momente. Finde und beschütze sie, so gut es geht. Versprich mir aber auch, selbst am Leben zu bleiben - ich habe zu viele meiner Artgenossen verloren, als das ich es noch lange ertragen könnte." Sie schenkte der Wolfsgardistin ein warmes Lächeln, ehe sie sich an den Rest der Gruppe wandte. "So ich diese Glyphen übersetzen soll, so benötige ich Schutz, denn weder Waffen noch Magie werden mir hier dienen, beides liegt gerade nicht in meiner Macht. Ich hoffe jedoch auch, dass die teure Celriel nicht alleine gehen muss, denn was auch immer für Zwiste bestehen mögen, hier haben wir nur einander. Ich dulde es nicht, dass hier auch nur einer von uns aus dem Leben scheidet!" Ihrer Stimme haftete eine solche Kraft und Überzeugung an, dass sich nicht wenige Blicke erstaunt auf sie hefteten. Sie sprach mit der geborenen, natürlichen Autorität ihres Amtes als Hohepriesterin, und dazu noch mit dem überirdischen Klang ihrer Stimme. Denn während ihre Lieder hier keinerlei erwünschte Wirkung entfalten würden, schien es so, als würde die Macht dieses Ortes zumindest die Magie, die ihr selbst inne wohnte, nicht gänzlich austreiben können. Ihre Augen glommen auf, als wären sie ein grünes Feuer, dessen Flammen gegen die Schwärze der Nacht ankämpften. Mit einem letzten Lächeln neigte sie den Kopf vor den versammelten Kämpen, ehe sie anfügte: "Ich wünsche uns allen die Zuversicht Eremons! Auf das wir auf unseren Wegen nicht hadern mögen!"

Mit diesen Worten drehte sie sich um und betrachtete die drachischen Schriftzeichen intensiv. Ihr Blick huschte fieberhaft hin und her, während sie einzelne Glyphen derart fixierte, dass man glauben konnte, sie fechte einen Kampf mit dieser aus, um ihr ihren Inhalt zu entlocken. "Es... scheint mir kein Rätsel zu sein. Und doch..." meinte sie zu niemand bestimmten, während sie sich das feuerrote Haar aus der schweissnassen Stirn strich. "Die Bedeutung dieser Worte ist mannigfaltig!" meinte sie, während sie weiterhin wie in Trance die Zeichen las. "Es geht darum... den 'Weg' zu öffnen. Und das dieser... einen speziellen Schlüssel braucht." Diese Worte erfolgten, während sie die unterste Glyphe betrachtete, als sie sich kurz zu Vidar umwandte, der offenkundig bei ihr geblieben war. "Es wird noch eine Weile dauern, dies zu übersetzen." teilte sie ihm mit. "Die drachischen Glyphen sind die umfangreichste Schrift, die mir geläufig ist, selbst die Runen der Naga erreichen nicht deren Komplexität. Jedes Zeichen hat unterschiedlichste Bedeutungen, die sich nach den Zeichen verändern, die direkt und später auf sie folgen. Man ist gezwungen, stets das gesamte Bild zu betrachten." Sie lachte leise, ein schöner Laut, in dem sich jedoch Melancholie widerspiegelte. "Mein Meister pflegte zu sagen, dass dies ein Beispiel für die Geduld der Drachen sei - und der Grund dafür, dass sie lieber zu demjenigen flogen, mit dem sie kommunizieren wollten, anstatt eine Nachricht zu schreiben. Geschah dies dennoch, hatten die Boten die gesamte Reise Zeit, die Botschaft zu entschlüsseln." Der Klang ihrer Stimme, für einen kurzen Moment uncharakteristisch fröhlich, erlosch, als sie sich wieder umdrehte. "Die gute Botschaft, die ich zu verkünden habe, ist, dass dies längst nicht so ausführlich wie ein Brief ist. Doch leider muss ich auch gestehen, dass es mich dennoch eine Weile beschäftigen wird, bis ich mir sicher bin."

Ironhide
30.05.2017, 21:57
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Rumstehen und abwarten war nicht unbedingt etwas für Cadan, schon gar nicht, wenn er hier wie eine Maus in der Falle saß. Zumindest kam es ihm so vor, das man hier absichtlich stehen sollte. Und wenn es nach eiuniger Zeit nicht weiter ging, könnte wohl sonstw as über sie herfallen. Er würde einer solchen Falle lieber entgehen, anstatt sich mittendrin aufzuhalten. "Wenn es euch nichts ausmacht, begleite ich euch.", sprach der Trolljäger zu der Wolfsgardisten. Er mochte es nicht zugeben, aber ihm war es lieber, mit Ceriel zu gehen, als bei dem Rest zu bleiben. Dem Sklavenhändler trauter er nicht und er würde ihm auch noch irgendwann eins Auswischen. Vidar weckte in ihm so viel Vertrauen wie eine Schlange und Aine ging ihm mehr auf die Nerven als alles andere.
Es war schon seltsam, das die Person, dei er am ehsten Vertrauen würde, diejenige war, die er hier zurücklassen würde. Cerial hatte weitesgehenst immerhin die gleichen Ziele und wenn man Elfen auch sonst was andichtete, eins waren sie stest, loyal. Zumindest bei dem, was er über Elfen wusste.
"Ich würde sagen, wir sehen mal nach, woher dieses plätschern kommt. Vielleicht finden wir dort ANtworten über unsere grüne Freundin, was meint ihr?"

Fruwluamressaw
06.06.2017, 23:27
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Erschrockend kreischte Nezlez auf und trat nach...was auch immer sie gerade griff. Die Krake zog ihren Arm zurück. Nezlez klappte der Mund auf. "Was..."Sie stolperte ein paar Schritte zurück. "Also ich habe in meinem Leben schon eine Menge abartige Dinge gesehen...aber du bist ja wohl das hässlichste Monster von allen! Komm mir bloß nicht zu nahe!"
"Triiink" wiederholte das Krakenmonster mit seinen unzähligen Mündern. ...bestimmt bin ich immer noch ohnmächtig und das ist nur ein Traum Sie zwickte sich mit ihren scharfen Nägeln in den Arm. "Au." Mist

"Das glaubst du ja wohl selbst nicht, dass ich von dieser Brühe trinke, du willst mich doch vergiften!" Das Blöde war, dass sie sogar ihren Dolch verloren hatte. Und sie hatte keine Ahnung wie sie hier wieder rauskam. Nezlez konnte sich kaum vorstellen, dass das Krakenmonster irgendwas anderes im Sinn hatte, als sie umzubringen. Aber vielleicht konnte sie es überlisten. Sie dachte scharf nach. Erst einmal musste sie es irgendwie ablenken. "Was zum Geier bist du überhaupt?"

Aeon525
09.06.2017, 22:23
Rijok lehnte an der feuchtkalten Höhlenwand und beobachtete Alari bei der Arbeit. Seine obsidianbesetzte Keulte ruhte in Griffweite einen halben Meter weiter. Die Drachenrunen hatten sein Interesse geweckt. Bei seinem Volk lernten nur die Adepten der Priesterschaft die Bedeutung der Glyphen. Er hatte sie immer für nutzlose Geheimnistuerei gehalten, eine Art Geheimsprache die der Priesterschaft half sich ganz besonders wichtig zu fühlen. Das Tor war das erste Beispiel praktischen Nutzens der Runen, dass er jemals gesehen hatte. Er hoffte die Elfengelehrte wusste was sie tat. Auch Pehtia beobachtete ihr tun interessiert. Nur Nalim schien dem Rätselraten nichts abgewinnen zu können. Er hatte sich auf den Boden sinken lassen, wo er gewissenhaft seine Ausrüstung prüfte.

Lustlos kaute Rijok auf einem streifen gepökelten Fleisches herum. Die Prozedur am Tor zog sich immer mehr in die Länge. Der grobschlächtige Menschling und die Elfenwache waren inzwischen aufgebrochen um ihrem Umgebung in Augenschein zu nehmen und sich ein wenig nach dem Goblin-Weibchen umzusehen. Rijok selbst zweifelte keine Sekunde daran, dass sich der Goblin abgesetzt hatte, sofern sich ihre eine lohnende Möglichkeit geboten hatte. Er verstand beim besten Willen nicht warum die Elfe so sehr an ihr zu hängen schien. Bisher hatte sie wahrlich wenig getan, dass ein solches Vertrauen in sie rechtfertigte.

Das idyllische Geplätscher des Wassers ließ ihn schläfrig werden. Rijok spürte die Anstrengungen der vergangenen Tagen deutlich in den Knochen. Er war eben nicht mehr der Jüngste, und ohnehin nie ein Krieger gewesen. Er seufzte schicksalsergeben und zupfte sich eine lose Schuppe von der Schulter. Gedankenverloren fuhr er mit dem Daumen über das schneeweiße Keratin. Ohne den Fluch würde er nun wohl hinter einem Stand auf dem großen Basar stehen und exotische Gewürze anpreisen während Karawanenführung in seinem Auftrag die Fürstentümer befuhren. Früher hatten ihn solche Gedanken in Rage versetzt. Inzwischen machten sie ihn nur noch lethargisch.

Alari, die sich doch sonst so gerne in Redeschwällen erbrach die selbst die königlichen Marktschreier als aufdringlich empfunden hätten, brütete noch immer in ungewohnter Stille über dem Tormechanismus. Konzentriert starrte sie auf die Glyphen und wandte sich nur ein einziges Mal ab um Nalim einen genervten Blick zuzuwerfen, als dieser grinsend vorschlug den noch immer abwesenden Cadan als Rammbock zu verwenden.

Ein lautes Klicken riss Rijok aus seinem Dämmerzustand. Sofort sprang er auf und griff zur Waffe. Mit einem schabenden Geräusch schwangen die Torflügel des glyphenbesetzten Zugangs auf und gaben ihnen den Weg frei. Rijok hatte keine Ahnung wie die Elfe die Tür aufbekommen hatte, aber es war ihm auch egal. Alles war besser als das ewige Warten. Er warf einen fragenden Blick in die Runde. Cadan, Celriel und Goblin waren noch nicht wieder da. „Wir sollten noch einige Minuten warten.“ schlug er vor. „wäre Schade um die Elfe.“

coel
19.06.2017, 02:40
Als Vidar endlich die letzte Stufe erklommen hatte, schnaufte er und fuhr sich mit dem Ärmel seines Hemdes über seine vom Schweiß befeuchtete Stirn. Er öffnete beiläufig sein Wams, während er einen Blick zurückwarf, um noch einmal seinen Weg hinauf zu verfolgen. Es war ein anstrengender Aufstieg zur Spitze des Hügels gewesen, denn die spärlich gesetzten Stufen aus Felsbrocken waren nicht nur unregelmäßig in ihrer Höhe, sondern auch ungeschickt geformt worden. Die vielen Schritte, die diese Steine belastet hatten, lagen schon viele Jahre zurück. Ein früherer Pfad war kaum noch erkennbar und die Natur holte sich das zurück, was ihr genommen worden war.
Sein Auge wanderte von den Stufen weg zum Horizont. Die Sonne verließ allmählich den Himmel und tauchte alles in ein rotgoldenes Licht. Der ganze Nördliche Wald schien sich vor ihm endlos zu erstrecken. Der Wind strich über die großen Bäume und ließ ihr Blätterwerk sanft zittern, so dass sich Wellen in diesem grünen Meer bildeten. Beinahe vergaß Vidar die tödlichen Gefahren, die darin lauerten und verlor sich in einer flüchtigen Ruhe und Zufriedenheit. Er gönnte sich diesen Moment und atmete die frische, kühle Luft tief ein.
Schließlich schüttelte er das Gefühl aus seinen Gliedern und schritt zum Steinkreis, der auf dem Plateau des Hügels ruhte. Erst jetzt fiel ihm die seltsame Struktur der gesamten Erhebung auf. Dies war kein natürlich entstandenes Werk, sondern von sterblicher und sicherlich auch magischer Hand geschaffen worden. Nachdem er eine Hand auf die schwarze, raue Oberfläche von einem hohen, massiven Obelisken gelegt hatte, spürte er eine gewisse magische Ausstrahlung, die seine Vermutung bestätigte. Dieser Ort war mit Absicht hier geformt worden, doch kannte er keinen Magier, der zu so einer Leistung fähig wäre. Möglicherweise waren es Zauberkundige aus der längst vergangenen goldenen Epoche gewesen, als diese Fertigkeit ihren Höhepunkt hatte, aber Vidar hatte seine Zweifel.
Doch sein Ziel bestand darin die Antwort auf eine andere Frage zu finden, die ihn erst hierher geführt hatte. Etwas, das ihn eine gefühlte Ewigkeit in seinen Bann hielt und hoffentlich zu einem glücklichen Ende führen würde.
Inmitten des Steinkreises, wie es der alte Schamane der Satyre beschrieben hatte, stand eine Art Altar, das dem Gestein der Obelisken glich. Es war ebenso tiefschwarz, aber glänzte nicht in den letzten Sonnenstrahlen. Es schien Vidar ganz so, als ob es das Licht verschlingen würde und daraus seine magische Aura beibehielt. Unbekannte Runen waren tief eingemeißelt worden. Eine Schrift, die Vidar, trotz seines reichen Sprachwissens, nicht entziffern konnte. Doch laut dem Schamanen brauchte er dies auch nicht zu tun. Stattdessen zückte er ein Messer und begann das Ritual zu beginnen, welches ihm erklärt worden war.
Beim Schmerz biss er die Zähne zusammen, als sich die Klinge in seine Handfläche durch das weiche Fleisch schnitt. Es war keine tiefe Wunde, doch sie würde vollkommen für sein Vorhaben ausreichen. Ein Symbol, das wie einem Auge glich, war in den Stein geschliffen worden und füllte sich nun mit seinem Blut an. Es dauerte nicht lang, da begann die Magie des Ortes sich zu verstärken. Das Blut, welches sich in den Rillen gesammelt hatte, verdampfte mit einem Schlag und gleichzeitig glühten die Obelisken um ihn herum in einem bläulichen Schein.
Zugleich zog ein Gewitter über ihm auf. Immer dichter werdende, dunkle Wolken verdeckten die Sonne und formten einen unnatürlichen Strudel, dessen Zentrum der Altar war. Blitze zuckten herab und wurden mit Leichtigkeit von den Obelisken aufgefangen. Sein Umhang wurde ihm beinahe von den Schultern gerissen, aber Vidar konnte ihn gerade noch zu fassen kriegen. In der Hoffnung sich zu schützen, kniete Vidar vor dem Altar nieder. Als der Sturm seinen Zenit erreichte, zerriss es den Strudel mit einem ohrenbetäubenden Donnerknall. Gewaltige Flügel fegten die Wolken beiseite, gefolgt von einem markerschütternden Brüllen.
Ein Drache.
Vidar, der nun auf allen Vieren vor dem Altar war, starrte wie gebannt auf das vor ihm schwebende Wesen. Die onyxschwarzen, makellosen Schuppen glänzten matt im Licht der untergehenden Sonne, die der gigantische Leib des Drachen hinter sich komplett verdeckte. Jeder Stahl würde kümmerlich an ihnen zerbrechen wie ein Ast an einem Stein. Kräfte Klauen, die jede Rüstung und jedes Schild zerschmettert hätten, krallten sich zum Halt in die Erde, als der Drache vor dem Steinkreis gelandet war. Vidar wusste nicht, wie viele Geschichten er bereits über diese gottgleichen Kreaturen gelesen, wie viele Abbilder in Städten und Tempeln betrachtet hatte und keines konnte auch nur annährend die Ausstrahlung von unfassbarer Macht beschreiben, die sich nun vor seinen Augen bot. Vidar war wie versteinert. Er wagte es weder zu sprechen noch sich zu bewegen. Einen Drachen herauszufordern, würde bedeuten das Meer zu erschlagen. Er konnte diesen Kampf nicht gewinnen und eine Flucht wäre ebenfalls sinnlos. Also wartete Vidar auf das Urteil des Drachens, der ihn mit seinen leuchtend jadegrünen Augen aufmerksam studierte. Der große Kopf, den vier Hörner einer Krone gleich zierten, senkte sich etwas zu ihm herab, als wollte der Drache Vidar genauer betrachten. Schließlich begann Vidar seine Stimme zu hören. Es war ein sehr alter Akzent der Imperiumssprache, doch glücklicherweise sprach der Drache langsam mit einer Ruhe, die einerseits beruhigend und sich andererseits bedrohlich anfühlte. Seine Stimme war tief und hatte ein Gewicht an sich, als würde er über Vidar urteilen.
„Ein Mensch“, der Drache schien amüsiert darüber zu sein, „Was sucht deine Spezies so fern von der Heimat?“
Bevor Vidar seinen Mut zusammennehmen konnte, um zu antworten, redete der Drache bereits weiter.
„Ich weiß, wonach du suchst.“
Erstaunt riss Vidar die Augen auf.
„Ich weiß, was dich antreibt. Etwas, das in jedem Menschen seit seiner Geburt schneller wächst als sein Körper. Es ist die Gier, nicht wahr?“
Ohne eine magische Formel zu rezitieren oder eine Geste zu vollführen, erschuf der Drache vor ihm mehrere Illusionen, die für einen Augenschlag erschienen und sogleich wieder verschwanden. Zuerst war es ein Haufen mit Goldmünzen, dann drei wunderschöne Frauen bei denen selbst Elfen vor Neid erblasst wären, ein Abbild von ihm, das eine Krone trug und auf einem Thron saß, ein verziertes Schwert, das die Schmiedekunst der Zwerge in den Schatten stellte, und schließlich ein Grabstein, der zu Staub zerfiel. Tief in Vidars Brust begann es zu schmerzen, nachdem die letzte Illusion verblasste. Seine Gedanken zeigten ihm ein Gesicht, das er nie wieder sehen würde. Ein Funken Hoffnung keimte in ihm auf, aber er gab einen Schwur, den er nicht brechen durfte und wollte.
„Ich spüre, dass ich richtig lag. Doch ich muss lügen, wenn mich das überrascht hätte. Nun, sprich, Mensch. Zwar kennt mein Leben kein Ende, aber meine Geduld tut es.“
Nach diesen Worten gelang es Vidar sich zu erheben, um der Gewalt, die Berge versetzen konnte, entgegen zu treten und seinen Wunsch zu äußern.
„Ich such nach den Tränen Mervas.“
Der Drache schnaubte auf und Vidar fürchtete, dass er ihn erzürnt hatte. Stattdessen wurde er ruhig und eingehend von den wachsamen grünen Augen studiert.
„Woher weißt du von den Tränen?“
„Aus Büchern über den Ersten Krieg.“
Vidar erschrak, als der Drache plötzlich zu lachen anfing. Es war kein ansteckendes Lachen, sondern eines, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Du vertraust auf die Märchengeschichten, die aus schwachen Erinnerungen gestrickt worden sind? Deine Kühnheit, die an Naivität grenzt, amüsiert mich, Mensch. Du hast jedoch Glück. Dieses Artefakt existiert tatsächlich. Ich selbst habe gesehen, wie es von Zarlandris erschaffen worden war.“
Bei der Erwähnung des Namens von einem der Großen Sieben wurde Vidar erst deutlich, mit wem er es zu tun hatte. Dies war kein hoher Drache, sondern weit mehr als das.
„Du bist…“
„Ja, Mensch“, unterbrach ihn der Drache, „Ich bin einer der Großen Sieben. Ich bin Vercervoran.“
„Vercevoran, der Schatten“, flüsterte Vidar voller Fassungslosigkeit.
„Die Tränen Mervas gibt es noch. Deine Suche war nicht vergebens, aber ihre Bergung wird dir nicht leicht fallen. Ich weiß, wo das Artefakt verborgen ist.“
„Wieso?“
Vercevoran, auch genannt der Schatten, schnaubte belustigt auf und sein Kopf näherte sich Vidar, der erschrocken mit unbeholfenen Schritten zurückwich.
„Weil ich es dorthin gebracht habe.“

Eine Fortsetzung des Traums von Vidar, der die Hintergrundgeschichte von den Tränen und Vidar etwas ins Licht rückt.

Ironhide
19.07.2017, 16:46
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Sie folgten dem Wasser, oder besser gesagt jenem Geräusch, das sich wie Wasser anhörte. Sie brauchte nicht weit zu gehen, um es deutlich wahr zu nehmen, aber woher es kam und wohin es floss, war beiden ein Rätsel. Cadan war der Meinung, dass das Wasser ja irgendwo hin müsse, da hier noch nicht alles überschwemmt war, war es gut möglich das es irgendwohin ins freie Abfließen konnte. Es könnte also eine Möglichkeit sein, diesem Ort zu entkommen, wenn es denn sein müsste. Celriel war der gleichen Meinung, wenngleich sie es auch gerne die Quelle wüsste. Wer weiß woher es kam, ob es natürlichem Ursprung war oder hochgepumpt wurde. Letzteres war aufgrund der Zeit aber wohl sehr unwahrscheinlich. Außerdem war Nezlez vielleicht ja auch dem Wasser gefolgt. Beide beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen, doch das unterfangen entpuppte sich als gar nicht so einfach. Einen direkten Zugang gab es nicht und die Fackeln spendeten nur wenig Licht. Nur langsam kamen beide voran wobei sie das Wasser mal deutlicher hörten und mal fast gar nicht mehr wahrnahmen.

Nach etlichen Biegungen und stets darauf bedacht, in keine weitere Falle zu tappen, hatten Celriel und Cadan sich tief in den Tempel begeben, doch es gab weder Fallen noch irgendwelche Untoten Feinde, die ihre Ewigkeit damit verbrachten, die Gänge zu bewachen. Celriel vermutete, das sie in einem alten Stollen gelangt waren, der dem Bau der Anlage gedient hatte und danach keinen Zweck mehr hatte. Zumindest sprach die Beschaffenheit des Ganges dafür, der ungleichmäßig und primitiv wirkte. Eher an ein Bergwerk als an einen Tempel. Jedenfalls waren sie dem Wasser ziemlich nahe. Irgendwann war der Gang abrupt zu Ende und hätte die Elfenkriegerin Cadan nicht gewarnt, wäre er schnurstracks in die Tiefe gestürzt. Was sie vor sich hatten war eine gigantische Höhle, dessen Ausmaße sie dank des wenigen Lichtes nur erahnen konnten. Doch die Geräuschkulisse machte beiden deutlich, das sie groß sein musste. Irgendwo hier stürzte das Wasser in die Tiefe, aber wo genau und ließ sich nicht sagen.
„Es scheint, als führe hier sowas wie ein Weg hinunter.“, stellte Cadan fest, nachdem er sich ein wenig umgeschaut hatte. „Zumindest sieht es begehbar aus. Außer du kannst fliegen.“

Waltikon
24.07.2017, 17:06
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png „Natürlich kann ich nicht fliegen! Ich bin eine Elfe, keine Fee. Den Unterschied wirst du ja wohl kennen. Oder hab ich neuerdings Flügel am Rücken?!“ blaffte Celriel ihn mit ärgerlichem Blick an.
Cadan hob beschwichtigend die Hände.
„Immer mit der Ruhe, ich wollte doch nur die Stimmung etwas auflockern.“
Er nahm die Hände wieder runter.
„Ist mir wohl missglückt.“ Ergänzte er.
„Offensichtlich.“

Schon seit sie die anderen verlassen hatten, war die Wolfsgardistin bei schlechter Laune.
Tatsächlich war sie alles andere als erfreut darüber, dieses verflixte Goblinweib suchen zu müssen. Doch konnte sie sich Alaris Bitte nicht verwehren, so ungern sie diese auch bei diesem Vidar zurückließ. Aber immerhin waren die Drah’zil auch noch bei ihr. Dieser Umstand besänftigte ihr Sorge zumindest ein wenig.

Sie wandte sich dem von Cadan angesprochenen Abstieg zu. Soweit sie sehen konnte,
war der Weg zwar schmal, aber begehbar. Doch wohin er tatsächlich führte …
„Versuchen wir unser Glück,“ sagte sie zu dem Hünen und marschierte drauf los.

Immer tiefer ging es hinunter, mit jedem Schritt wurde der Weg beschwerlicher und die Luft stickiger. Zudem lag in zunehmendem Maße kleineres Geröll herum. Mit jedem Schritt hieß es, mehr Acht zu geben, sonst lief man Gefahr, auszurutschen und in den Abgrund, dessen Boden noch immer nicht erkennbar war, zu stürzen.

Warum musste dieses elende Goblinweib sich auch ausgerechnet jetzt von der Gruppe absetzen?
Celriel war sich sicher, dass es so gewesen war.
Ich sollte dieser elenden Kröte mal so richtig die Leviten lesen. Oder sie am Besten gleich umbringen, dann wären wir wenigstens eine Sorge los.

Vielleicht solltest du das.

„Hm? Hast du was gesagt?“
Celriel war stehengeblieben und hatte sich zu Cadan umgedreht. Hatte sie etwa laut gedacht?
„Nein, nichts.“ War die knappe Antwort des Hünen. Er schien noch wegen Celriels schroffem Ton etwas eingeschnappt zu sein.
Sie sollte sich bei ihm entschuldigen.
Aber erst mal müssen wir diesen grünen Abschaum finden.

Schließlich hatten sie endlich den Boden der Höhle erreicht. Vor ihnen breitete sich ein unterirdischer See aus.
Unweit von ihnen konnten sie auch schon die lautstark keifende Nezlez vernehmen. Als sie sich ihr näherten, erkannten sie, dass da noch etwas war, eine abstoßende Kreatur, einem Kraken nicht unähnlich.
„Los, wir müssen ihr helfen!“
Kaum gesagt, stürmte Cadan schon los. Celriel hatte Mühe, mit ihm Schritt zu halten.

Als Nezlez sie anstürmen sah, schien sich Erleichterung in ihrem Gesicht breit zu machen. Aber sie hob auch beschwichtigend die Hände, als wollte sie verhindern, dass die beiden Krieger die Kreatur angriffen.
Als sie die beiden erreichten, stellten sie sich kampfbereit neben Nezlez und musterten die Kreatur.

„Was ist denn das für ein hässliches Biest?“ fragte Cadan Nezlez.
„Weiß ich auch nicht,“ erwiderte diese,“ aber irgendwie glaube ich nicht, dass es uns töten will. Sonst wäre ich längst nicht mehr hier.“
„Aber was will es dann?“ fragte Celriel.
„Es sagt, ich soll von dieser grässlichen Brühe trinken!“
„Und warum trinkst du dann nicht?“ Celriels Stimmme klang plötzlich eiskalt.
Nezlez schaute verwundert zur Elfe hoch. „Ich soll …“
Sie verstummte. Der Blick der Elfe war regelrecht vernichtend.
„Immerhin hast du uns dieses Schlamassel hier eingebrockt, da ist es doch nur fair, wenn du das Versuchskaninchen spielst, oder nicht?“
„Aber …“ Nezlez wich zurück.
„Muss ich nachhelfen?“

Tja, wie geht das nun weiter? Das überlasse ich euch.
Ich denke, es sollte jedem klar sein, dass hier irgendetwas Celriel beeinflusst.

Rosered_Strauss
29.07.2017, 13:39
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAls sich die Pforte langsam öffnete, trat Alari einen Schritt zurück und musterte das ganze aus zusammen gekniffenen Augen. Als sie hinter sich die Geräusche von mehreren sich in Bewegung setzenden Leibern erhaschte, hielt sie ohne sich umzudrehen einen Arm vor, um ihre Kameraden aufzuhalten. „Ich gemahne Euch zum Warten – etwas stimmt nicht. Etwas stimmt ganz und gar nicht.“ Sie ging vorsichtigen Schrittes näher zur nun offenen Türe hin, hinter der die Schwärze eines Ganges lauerte, der selbst das Licht ihrer Fackeln zu ersticken drohte. Als ob sie sich einem brennenden Feuer näherte, wagte sie es ab einem bestimmten Punkt nicht mehr, sich weiter zu bewegen, und setzte so keinen Fuß über die Schwelle, die ihnen nun offen stand. „Was denn? Die Tür ist doch offen – worauf warten wir noch?“ fragte jemand hinter ihr. Diese Fragen brachten sie nun doch dazu, sich umzudrehen, als ihre smaragdgrünen Augen wie Kerzenflammen schienen, die die sie umgebenden Schatten durchbrachen. „Solche Eile wird Euren Tod bedeuten! Wir hatten es bislang äusserst schwer, unsere Schritte bis zu diesem Punkt zu setzen – und jetzt öffnet sich die Türe, nur, weil ich deren Inschrift gelesen habe? Viel zu einfach ist dies, und wenn ich mich nicht irre, eine Falle gar!“

Sie trat einen Schritt zurück und stierte in die Dunkelheit, als ob sie dort etwas erspähen konnte, was nur ihre Augen erhaschen konnten. Als sie sich mit gleissenden Augen erneut zu ihren Gefährten umdrehte, wurde diesen erneut bewusst, wie sehr sie sich doch von Menschen und auch den übrigen Elfen unterschied – denn selbst in dieser Umgebung schien sie die Magie nie gänzlich zu verlassen, bedachte man das Strahlen ihrer Augen und einen sanften Wind, der selbst hier immer wieder ihre Gestalt zu liebkosen schien. „Man möge mich eine Närrin schelten, aber meine Überzeugung sei Die, dass uns hinter dieser Türe der Tod erwartet. Die Schatten sind zu dicht – und zu hungrig. Sie mögen sich so tarnen, als sei es einfach nur Dunkelheit, doch ihre Intensität verrät sie.“ Sie schüttelte den Kopf, sodass ihr flammend rotes Haar nachdrücklich umher schwang. „Diese Türe mag geöffnet sein, doch der Weg dahinter ist uns noch verschlossen. Wir benötigen noch etwas anderes – einen Schlüssel, doch für diesen Weg, nicht aber für diese Türe.“

Fruwluamressaw
01.08.2017, 00:00
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png Wie sehr hätte sich Nezlez gewünscht, alleine bis zum Artefakt zu kommen. Aber offensichtlich war es ihr derzeit unmöglich. Daher war sie tatsächlich erleichtert, Cadan und Celriel zu sehen. Doch diese Erleichterung schlug schnell um, als Celriel ihr plötzlich anfing zu drohen.

Celriel war besser bewaffnet und Fluchtwege gab es nicht. Aber das Tentakelmonster und dieses seltsame Wasser... Wer weis wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ich diese Brühe überlebe...vielleicht wächst mir auch ein dritter Arm aus dem Rücken. Pfui Teufel ich will es garnicht wissen!.

Nezlez war tatsächlich eingeschüchtert. Aber so einfach würde sie das nicht zugeben. "Was fällt dir eigentlich ein so mit mir zu sprechen, du Elfenmannsweib!? Wie war das mit Teamwork und zusammenhalt, hä? Wenn überhaupt, nehmen wir alle gleichzeitig einen Schluck! Das wäre fair, jawohl!"
Doch Celriels Blick lockerte sich kein Bisschen. Schweiß tropfte von Nezlez Stirn. Hilfesuchend sah sie zu Cadan.

Ironhide
02.08.2017, 19:37
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
„Immer mit der Ruhe.“, versuchte der Trolljäger Ceriel zu beschwichtigen. „Guck dir die Brühe mal an, am Ende wird unser kleiner, grüner Gnom hier auch zu so einem Monster und wer weiß, ob uns das dann freundlich gesinnt ist.“, versuchte er Ceriel davon ab zu halten, Nezlez einfach ins Wasser zu stoßen. Und weder sie noch er konnten wissen, was der Kraken damit bezwecken wollte.
Cadan seufzte, irgendwie war die Stimmung hier ziemlich angeheizt. „Was mich interessiert, warum soll sie davon trinken?“, richtete er seine Frage an das Ungetüm. „Was versprichst du dir davon?“ Der Kraken wandte sich Cadan zu, der eine bestimmten Abstand nicht unterschritt. Nicht aus Angst, aber je weiter weg er stand, desto besser konnte er auf Angriffe reagieren. Auch eine Angewohnheit, die sich nur schwer abgewöhnen ließ.
„Trinkt!“, rief das Vieh erneut, ob es nun Cadan meinte oder noch immer Nezlez, erschloss sich ihm nicht. „Sprech so undeutlich? Was hast du davon? Rede schon, so schwer kann das ja wohl nichts ein, immerhin haste n verflucht großes Maul.“ Dennoch bezweifelte Cadan, dass er eine Antwort bekommen würde. Ihm war die Situation nicht sehr geheuer, zumal Ceriel sich ziemlich schorf benahm – mehr noch als sonst. „Aber, wenn du nicht willst, gehen wir halt wieder.“

Waltikon
19.08.2017, 11:28
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Cadans Beschwichtungsversuch fruchtete nichts, im Gegenteil, die Elfe wurde sogar noch zorniger.
„Von diesem Ding wirst du keine brauchbare Antwort bekommen, du einfältiger Mensch!“
Während dieser hämischen Worte hatte sie ihren Blick nicht von Nezlez abgewendet.
„Aber zum Glück haben wir ja unser Versuchskaninchen dabei!“
Sie stieß vor und wollte die Goblin am Schlafittchen packen, doch Cadan zog diese hinter sich und stieß zugleich die Kriegerin mit einem schubs seiner riesigen Hand zurück.
„Jetzt krieg dich endlich wieder ein und lass endlich die Kleine in Ruhe, oder muss ich dich erst übers Knie legen, du arrogantes Elfengör?“

„Du … du wagst es, mich anzufassen, du dreckiger Affe?!“
Zornesrot im Gesicht sprang Celriel vor und verpasste dem Hünen eine durchgezogene Ohrfeige mit dem Handrücken.
Doch was so mach anderen von den Beinen geholt hätte, ließ den Riesen gerade mal etwas mit dem Kopf zucken.
Nun begann auch in seinen Augen dieses seltsame Feuer zu glimmen, das sich auch Celriels bemächtigt hatte.
„Ich hab die Schnauze so was von voll von dir, verfluchtes Elfenweib!“
Jetzt war es Cadan, der Celriel eine schallende Ohrfeige verpasste, woraufhin diese ein paar Meter zur Seite und ins Wasser flog.
Sofort stand diese wieder auf, um sich mit einem wütenden Schrei auf den Menschen zu stürzen.
„Mir reicht‘s jetzt mit dir!“ sagte Cadan und fing die auf ihn einstürmende mit einer Hand ab, indem er sie beim Hals packte und in die Luft hob.
Der Griff des Hünen war fest wie der eines Schraubstocks. Und er begann, zuzudrücken. Celriel bekam keine Luft mehr. Sie versuchte, sich aus seinem Griff zu befreien, doch kam sie gegen diesen kräftigen Arm nicht an. Sie begann herumzutreten und traf den Riesen schließlich dort, wo es allen Männern am meisten weh tut.
Der Griff löste sich, während Cadan sich vor Schmerz zusammenkrümmte, und Celriel fiel ins Wasser.

Röchelnd wollte sie sich gerade aufrappeln, als der Kraken ärgerlich „Trinkt endlich!“ rufend auf sie zuschoss. Noch ehe die Elfe reagieren konnte, hatte sie etwas am Bein gepackt und zog sie hinaus, hinunter ins tiefe Wasser.

Verzweifelt versuchte sie sich aus dem Griff des Tentakels zu befreien, sie drehte und wendete sich, versuchte, mit dem Schwert, das sie mittlerweile hatte ziehen können, auf das Tentakel einzuhacken, doch gelang es ihr nicht.
Schließlich konnte sie die Luft nicht mehr anhalten, es presste sie ihr aus den Lungen und sie fühlte, wie das Wasser in sie eindrang. Sie verlor das Bewusstsein …

coel
19.08.2017, 13:15
„Diese Türe mag geöffnet sein, doch der Weg dahinter ist uns noch verschlossen. Wir benötigen noch etwas anderes…“
Die Elfe schien nach einem Wort zu suchen, als sie sich wieder den drakonischen Runen zuwandte. Ihre filigranen Finger wanderten über die eingemeißelten Linien, welche die fremdartige Schrift formten.
„Einen Schlüssel, doch für diesen Weg, nicht aber für diese Türe.“
Vidar hob überrascht die Augenbrauen. Eine Erinnerung keimte bei ihm auf, doch so sehr er versuchte sie vor sein geistiges Auge zu bringen, blieb sie durch das Rad der Zeit verschleiert.
„Was meinst du mit einem Schlüssel? Ein Zauber?“, fragte er.
Alari schüttelte den Kopf, nachdem sie sich ihm zugewandt hatte.
„Nein. Dieser Ort trägt einen schrecklichen Makel an sich, der jede Art von Magie bestraft. Ich bezweifle, dass das uns ans Ziel bringen wird“, sie machte eine Pause, in der sie tief einatmete, „Zudem spüre ich eine gefährliche Präsenz von außerordentlicher Macht. Sie kommt mir ungewöhnlich bekannt vor, aber ich weiß nicht woher. Ich fürchte das, was wir am Ende dieses Tempels finden werden. Wenn wir nicht weiter müssten, würde ich diesem Ort den Rücken kehren und nie wieder zurückkehren. Er wurde nicht für Besucher geschaffen, sondern um sie abzuhalten.“
Die Magierin nickte zustimmend. Erst jetzt merkte Vidar, wie bleich die Magierin und die Elfe waren. Tatsächlich konnten sie mit ihrer magischen Begabung etwas ausmachen, was für ihn und die anderen unbekannt blieb. Dies musste sie zutiefst beunruhigen. Sogar Vidar begann sich bei dieser Realisation unwohler zu fühlen. Was lauerte noch in diesem Tempel, fragte er sich und merkte auf, als die Magierin anfing zu sprechen.
„Ich weiß, was du meinst“, Aine räusperte sich gleich daraufhin, da ihre Stimme schwach klang, „Jede Faser meines Körpers drängt mich zu verschwinden. So weit wie möglich weg“, sie seufzte, „Doch wir müssen dieses Artefakt finden. Es führt kein Weg daran vorbei. Entweder das Artefakt oder der Tod durch Hafgans Männer.“
Bei der Erwähnung von Hafgan, knirschte Vidar verärgert mit den Zähnen. Er ahnte einen Hinterhalt durch diesen Mann, aber nicht auf diese Art. Dieser Bastard wollte das Artefakt um jeden Preis. Vidar würde es ihm nicht freiwillig aushändigen. Nicht nach all den Jahren der verzweifelten Suche.
Die Magierin schritt näher an den Durchgang, der dank der Elfe nun offenstand und in eine pechschwarze Dunkelheit gehüllt war. Zuerst glaubte Vidar, dass er sich täuschte ein stetiges Flüstern in der Schwärze zu hören. Doch nachdem er Aine davon abhalten wollte, dass sie weiter ging, vernahm er es deutlich. Es war ein Chor von Stimmen, die eine ihm unbekannte Sprache flüsterten. Auch wenn er das Gesprochene nicht verstehen konnte, so spürte er plötzlich den Drang zu den unsichtbaren Mündern zu folgen und in die pechschwarze Dunkelheit einzutauchen. Bevor einer von ihnen dazu kam, blockierte die Elfe den Weg.
„Ich bitte euch“, sagte sie wie immer in sanften Ton, doch diesmal mit dem ernsten Nachdruck, der einer besorgten Mutter glich, „Die Schatten, die dort lauern, gieren nach unseren Leben. Was eure Ohren da vernehmen, sind Relikte aus einer lang vergangenen Zeit. Ich habe nicht erwartet sie je wieder zu sehen. Es erschüttert mich, dass sie immer noch existieren... Sie können die Finsternis nicht verlassen und wollen euch deswegen in jene locken. Wehrt euch gegen ihr Flüstern und wartet auf die Rückkehr unserer Gefährten.“
Nach einem kurzen Zögern, entschloss sich die Vidar als auch die Magierin auf die Elfe zu hören und entfernten sich. Aine setzte sich auf einen flachen Felsbrocken, wo sie ihre Ellenbogen auf den Knien abstützte und ihren Kopf in ihre Hände legte, während sie in das Dunkeln starrte.
„Möglicherweise befindet sich der Schlüssel auf einer anderen Ebene?“, sagte die Zauberin der Drah’Zil, welche bisher die Wunden ihrer Artgenossen versorgt hatte, „Dies könnte nur eine Falle sein und der richtige Weg befindet sich woanders?“
Vor Vidars geistigem Auge löste sich plötzlich der Schleier und die Erinnerung kam mit einer Gewalt zurück, als wäre er wieder an jenem Steinkreis vor vielen Jahren und blickte in die durchdringenden Augen eines uralten Wesens.

„Wie heißt du Mensch?“
„Vidar.“
„Nur Vidar? Kein Titel oder der Name deiner Vorfahren? Ihr Sterblichen erfreut euch doch an derartigen Dingen, damit sie euch einzigartig machen.“
„Man nennt mich auch den Wanderer.“
Andächtig nickte der Drache ihm zu.
„Fürwahr, das bist du. Kein Mensch hat je diesen Ort betreten und, siehe da, hier stehst du. Wie dir sicherlich auffällt, bin ich beeindruckt…“, er zögerte für einen Moment, „Nein, das ist nicht richtig. Beeindrucken können mich die Sterblichen schon lange nicht mehr. Ich bin amüsiert, was du erreicht hast und aus diesem Grund verrate ich dir ein Geheimnis. Es wird dir helfen.“
Sein Ausdruck veränderte sich schlagartig, als er weitersprach und Vidar so etwas wie Verbitterung erkennen konnte.
„Mein Bruder Zarlandris tauchte tief in die Winde der Magie ein, denn sein Wissensdurst schien keine Grenzen zu haben. Zwar half seine kraftvolle Magie im Ersten Krieg, aber die Wesen, die er erschuf, um die Schlachten zu unseren Gunsten zu lenken, peinigen noch immer diese Welt“, seine glühenden Augen verengten sich, „Dies wird jedoch nie wieder geschehen. Deswegen rate ich dir, Mensch, hüte dich vor den flüsternden Schatten. Nur eine reingewaschene Seele kann sie durchschreiten und die Gefahr bannen.“

Sie stand auf der Oberfläche eines grenzenlosen Sees. Das Wasser vibrierte unter ihren zögerlichen Schritten und warf kreisförmigen Wellen aus, die sich irgendwann verloren. Wohin Celriel auch blickte, konnte sie nur tiefe Schwärze erkennen und die unendliche Weite des Gewässers. Egal wohin sie rannte, es blieb alles gleich. Sie schaute auf ihre Hände und merkte, dass sie einen leuchtenden Schimmer hatten und sie selbst leicht durchsichtig zu sein schien. Das Letzte, an was sie sich erinnern konnte, war, dass sie vom Kraken unter Wasser gezogen worden und keine Luft mehr bekommen konnte. Wie vom Blitz getroffen, ergriff sie ein fürchterlicher Gedanke. Doch bevor sie die aufkeimende Panik einhüllte, hörte sie ein entferntes Schleifen von Metall. Sie unterdrückte die Angst vor ihrem endgültigen Schicksal und setzte sich zum Ziel dem Geräusch zu folgen. Lange schritt sie über das Wasser bis sie einen einzelnen Baum entdeckte. Der dürre Baum besaß keine Blätter und ragte kümmerlich aus dem See. An dessen Stamm lehnte ein Elf, der schweigend damit beschäftigt war, eine leicht gebogene Klinge zu schärfen. Sein Gesicht war von außerordentlicher Schönheit, sogar für einen Elfen und er war kräftiger, großer Statur. Sein langes blondes Haar war zu einem kunstvollen Zopf geflochten, der ihm über die linke Schulter hing. Offensichtlich war er ein Adliger, womöglich vom Königshaus, denn auch seine Schuppenrüstung zeigte eine hochwertige Qualität. Sein langes, schmales Gesicht begegnete Celriel nach einigen Augenschlägen, ohne dabei seine Arbeit ruhen zu lassen. Makellose Zähne deuteten ein Lächeln an, dann fing er an mit Celriel in seiner sanften Stimme zu sprechen.
„Ich grüße euch, Schwester. Wie ich sehe, habt ihr euch an einen Ort gewagt, den ihr besser hättet meiden sollen.“
„Ich… Ich grüße euch, Bruder. Wo bin ich und wer seid ihr?“
Schließlich stoppte der Mann das Schleifen und verstauten den Stein in seiner Gürteltasche. Die Klinge blieb jedoch in seiner Hand.
„Mein Name ist Roren Tyreinos. Wir befinden uns in einer Welt, fern von jeglichen Verständnis.“
Celriel erschrak, als sie den Namen Tyreinos vernahm. Es war eine alte Adelsfamilie, die lange an der Seite des Königs war und diesen durch Rat, aber auch im Krieg durch Taten zur Seite stand. Bei Celriels Geburt waren sie schon längst nicht mehr existent, denn ein schweres Fieber, das selbst der beste Medikus nicht heilen konnte, löschte die gesamte Familie aus. Sie wusste nur durch Erzählungen, dass es sie überhaupt gegeben hatte.
„Aber ihr seid tot. Eure Familie gibt es nicht mehr.“
Eine Maske aus Trauer legte sich über das Gesicht des Elfen und ein tiefer Schmerz ließ sich erkennen, der Celriel sogar beim Anblick einen Stich versetzte.
„Ich weiß. Meine Suche nach einer Rettung führte mich an diesen Ort, der jedoch auch mein Schicksal besiegelte“, er blickte auf die Klinge in seiner Hand, „Wie ist euer Name?“
„Celriel Donothion.“
Er lächelte sie wie ein Bruder an und verbeugte sich daraufhin elegant in der Art der Adligen.
„Es schmerzt mich euch zu verkünden, dass diese Begegnung nur einer von uns beiden lebend verlassen wird. Diese Welt, in die ihr gezogen wurdet, hat seine eigenen Gesetze. Ich will nicht mit euch kämpfen, aber wenn ich je wieder an der Seite meiner Familie und Vorfahren stehen will, muss ich eurer Seele den Todesstoß versetzen, damit ihr meinen Platz einnehmt.“
Der Elf nahm eine Kampfhaltung ein.
„Kämpft wie ihr noch nie gekämpft habt, Schwester, denn vielleicht wird es euer letzter Kampf sein.“

ENDLICH!

Hat leider gedauert, aber hier ist der SL-Post. Wie ihr seht, ist es mit einfachem Trinken nicht getan. Ihr müsst "Ertrinken". Der Kraken ist so nett und hilft euch dabei :3
Wie Celriel werden die Anwesenden beim See in eine magische Parallwelt gezogen. Ein Gefängnis, wo ihr einen der Köpfe auf dem Leib des Kraken bekämpft. Dies kann ein Ork, Elf, Mensch, Goblin, Stormtrooper oder Zwerg sein. Ihr müsst den Kampf gewinnen, damit ihr wieder aufwacht und nicht ertrinkt, was bedeutet, dass eure Seele in den Kraken gebannt wird und ihr das neue Gesicht seid. Euer Gegner wird jedoch erlöst, wenn er euch besiegt. Jede Seite hat also eine Motivation.
Wen ihr bekämpft sei euch überlassen. Die Waffe kann eurer Wahl sein, denn es ist keine reale Welt. (Außer ein Maschinengewehr oder Katapult ^^)

Bei Fragen schreien! Have Fun.

Das ist die Musik, die ich für das Schreiben genommen hab, als ich den Gegner von Celriel beschrieb.

https://www.youtube.com/watch?v=No6jHwe0QoQ

Ironhide
26.08.2017, 17:17
https://abload.de/img/menschvqlyd.png
Der Tritt hatte echt gesessen und Cadan blieb für einen Moment die Luft weg. Er taumelte und sackte im seichten Wasser auf seine Knie. „Verfluchte Elfenschlampe!“, meckerte Cadan vor sich hin und rappelte sich langsam auf. Als er wieder stand, suchte er mit seinen Augen nach Ceriel, doch diese war verschwunden. „Komm raus du Miststück! Ich breche dir jeden deiner elfischen Knochen!“ Schrie er wutentbrannt, drehte sich dabei um die eigene Achse und schritt weiter in das Wasser. Nezlez ignorierte er vollkommen, er wollte nur an Ceriel heran. Was auch immer sie so aggressiv hatte werden lassen, nun war auch der Trolljäger davon befallen.
„Trinkt!“
„Halt die Klappe du elendige Missgeburt!“ Das war das letzte, was Cadan von sich geben konnte, denn eine der mächtige Tentakel schoss aus dem Wasser, packte Cadan blitzschnell bei den Beinen und zog ihn wie zuvor schon Ceriel weiter ins Wasser. Binnen weniger Sekunden war er untergetauchte und wurde immer weiter in die Tiefe gezogen, ohne das er sich hätte dagegen wehren können. Panik stieg in ihm auf, wie wild schlug er mit den Armen um sich, versuchte sich los zu zerren, wollte Luft holen doch da war nur Wasser, welches seine Lungen füllte. Um ihn rum wurde alles dunkler, während er panisch um sein Leben kämpfte. Irgendwann sah er nichts mehr, alles um ihn rum war schwarz und für einen kurzen Augenblick waren Cadans Gedanken wieder Glasklar.
Er würde hier sterben.

Doch wie aus dem nichts, spie das Wasser ihn aus, als wenn es den Trolljäger verabscheute, wie ein Kind das nicht essen wollte. Er landete im Dreck, Wasser drängte aus seiner Lunge und er musste sich fast Übergeben, begleitete von einem schmerzenden Husten und Röcheln. Doch er bekam wieder Luft. Endlich. Der Kampf mit dem Tot hatte Cadan erschreckend schnell vieles seiner Kraft gekostet und er brauchte erstmal ein paar Minuten, bis er sich erheben konnte. Er sah sich um, erwartete das er irgendwo in der Höhle lag, vielleicht am anderen Ende doch dem war nicht so. Er war ganz woanders. Er war an einem Strand, hinter ihm Wasser bis zum Horizont, vor ihm eine Steilküste und über ihm blauer Himmel, eine Sonne sah er allerdings nicht. Doch irgendwie war der Ort seltsam. Das Wasser bewegte sich nicht, es war absolut ruhig, der Sand war wie unangetastet und hatte weder Spuren von Menschen, Tieren noch sonst irgendwas. Kein Rauschen des Meeres, kein Pfeifen des Windes und kein Laut von der Tierwelt war zu vernehmen. Es war absolut still. Cadan blickte die Küste hinauf, selbst der Fels wirkte irgendwie eigenartig, so als wenn jemand eine Treppe in selbigen hineingeschlagen hätte. Als der Trolljäger nähertrat, sah er wirklich eine Treppe, die aus dem Stein selbst herausgeschlagen worden war. Da er nicht wusste was er hätte sonst tun sollen, entschloss er sich, die Treppe hinauf zu gehen und sich den Ort von oben an zu sehen, um so vielleicht heraus zu finden, wo er war. Als er die letzten Stufen erreicht hatte, stand er vor einer Burg – oder besser dem, was davon übrig war. Bis auf zwei halb zerfallene Türme und einer halben Außenmauer waren nur noch Grundrisse zu sehen. Vor einem der Türme, in unmittelbare Nähe einer Tür, loderte ein kleines Feuer. Ein Pferd stand unweit dessen an einem Pflock angebunden und hatten den Kopf auf das Gras gesenkt, um zu fressen.

Die vor sich hin moderne Holztür wurde knarrend aufgeschoben und aus dem Turm kam eine Person ins Tageslicht getreten. Cadan musste genau hinsehen, um das verblichene und ziemlich ramponierte Wappen auf dem Brustpanzer zu erkennen, den der Mann als Teil seiner Rüstung trug. Doch er kannte es nicht. Der Mann war alt, sehr alt, so wie er aussah. Sein stoppliger Bart war gänzlich weiß, genau wie seine Haare, von denen nicht mehr sehr viele sein Haupt zierten. Ohne Cadan genau an zu sehen, fing er an mit ihm zu reden.
„Bevor du fragst, ich weiß nicht, wo du bist, wo wir sind. Ich kenne diesen Ort genauso wenig wie du, und das wo ich doch schon eine Unendlichkeit hier verweile.“ Erst jetzt drehte er sich zu dem Hünen um, und ließ ein lächeln erkennen, welches eher an Mitleid erinnerte als an Fröhlichkeit.
„Meine Chancen stehen wohl nicht so gut, wie ich sehe.“, meinte er dann und kratzte sich am Kinn.
„Chancen wofür?“, fragte Cadan genervt.
„Dich zu besiegen.“
„Pah!“
„Nun, es ist der einzige Weg, dem hier zu entkommen. Entweder ich besiege dich, und kehre zurück, oder aber ich werde hierbleiben und auf den nächsten warten.“, gab der alte Ritter ruhig von sich. Er wandte sich dann dem kleinen Feuer zu, welches er mit einigen größeren Ästen am Leben hielt.
„Ich kam hier her, gesandt von meinem König, auf der Suche nach Unsterblichkeit.“, seufzte der Alte. „Gefunden habe ich jedoch nur diese triste Einöde.“
„Jeder muss mal sterben, du auch, alter Mann.“
„Oh ich bin gestorben – genau wie du. Und dennoch bin ich nicht tot.“
„Wovon redest du? Die Einsamkeit raubt dir wohl auch dein Verstand?“
„Mitnichten. Doch wir sollten beginnen. Diese Ewigkeit ist eine, die nicht zum Verweilen einlädt.“ Der Mann zog sein Schwert, wohingegen Cadan keine Waffe an sich trug. Die Streitaxt lag irgendwo auf dem Grund des unterirdischen Sees, in dem der Krake ihn gezogen hatte. Aber er würde den Kampf auch so gewinnen können, glaubte er.
„Du solltest dir eine deiner Waffen nehmen, mein Freund.“, sagte ihm der alte Ritter und deutete mit dem Kopf hinter Cadan. „Es wäre sonst ein unfairer Kampf und ohne jede Ehre.“
„Du bist alt und schwach, ich werde wohl kaum meine Mühe mit dir haben.“, gab der Trolljäger siegesgewiss von sich. Wenn der Alte einen Kampf haben wollte, wäre Cadan der letzte, der ihn dem verweigern würde. Auf die Ehre pfiff er, hier war eh niemand, der diesen Sieg besingen würde. Er würde sicher nicht sehr lange brauchen. Dennoch sah er kurz zu den Waffen. Es waren einfache Schwerter, nichts was ihm sonderlich zusagte. Schlussendlich Griff er dann doch zu einem der zahllosen Klingen

Der Kampf begann, Cadan hatte sein Schwert fest in der rechten Hand, schritt auf den alten Ritter zu. Wie erwartet, versuchte der Alte zu parieren, was ihn auch überraschend gut gelang. Die Bewegungen des Ritters waren geschmeidiger, als Cadan erwartet hätte und wo er den Beinnamen Trollschlächter hatte, so konnte man den Ritter eher eine Katze nennen. Er wich mühelos aus, war sehr flink unterwegs und fing an, Cadan zu nerven. Doch attackieren konnte er den Hünen auch nicht, dafür war Cadan dann ein wenig zu schnell und außerdem, so dachte sich der Ritter, würde er einen Treffer mit voller Kraft nicht standhalten können. Cadan hingegen war überrascht über die Geschwindigkeit des alten Ritters, nicht gerade zum Positiven. Ihm dämmerte langsam, dass er es doch nicht so einfach haben würde, wie er sich das Gedacht hatte.
„Nun, ich denke, wir können jetzt beginnen.“, sprach der Ritter und ging zum ersten Mal auf Cadan los. Jetzt zeigte sich, das Cadan ihn völlig unterschätzt hatte, denn die Attacken des Ritters konnte er nur mit Mühe parieren. Die Angriffe waren zwar bei weitem nicht so stark wie seine, doch dafür koordiniert, platziert und geschickt ausgeführt. Tiefe Streiche kombinierte er mit Hohen und seitlichen, wirbelte das Schwert über seinen Kopf und setzte eine Attacke nach der anderen und drängt den Trolljäger damit immer weiter zurück, ohne dass dieser auch nur an einen Gegenangriff denken konnte.
„Was zum… wer bist du!“

Rosered_Strauss
26.08.2017, 21:38
https://abload.de/img/alariavae5u3u.pngAlari legte den Kopf in einer vogelartig anmutenden Geste schräg, ehe sie auf die Drah'Zil antwortete. „Mit Lug und Trug muss stets gerechnet werden, doch es sei meine Ansicht, dass dies der richtige Weg ist.“ Ihre glühenden, smaragdfarbenen Augen wandten sich in Richtung des Ganges. „Zu gefährlich ist der Weg, zu unbekannt diese Gefahr für diejenigen, die sich dieser Tage 'gebildet' nennen. Nein, mein Gespür sagt mir, dass unser Ziel am Ende dieses Pfades liegt. Diese Finsternis war ein besonders bedauerliches Resultat des Krieges.“ Vor der Tür liess sie sich auf den staubigen Boden niedersinken, um sich dort im Schneidersitz ihren 'Gefährten' zugewandt hinzusetzen. Die erdrückenden Schatten direkt hinter ihr bildeten einen starken Kontrast zu ihrem flammenden Haar und mehr noch ihren leuchtenden Augen, wenngleich selbige hin und wieder an Leuchtstärke verloren. Und verloren war auch das Wort, dass die altertümliche Elfe selbst mehr als passend beschrieb, denn so, wie sie dort saß – erschöpft; jedoch unwillig, aufzugeben, wirkte sie einsam, fern von allem, wo man ein Geschöpf wie sie normalerweise vermuten würde.

Doch das war nicht der Grund, warum sich die nächsten gesprochenen Worte an sie richteten. „Wenn du vom 'Krieg' sprichst... meinst du damit...?“ Alaris Blick ruckte hoch und huschte unstet umher, ehe sie ihn schliesslich auf Vidar ruhen liess, der die Frage wohl gestellt hatte. Sie brachte ein schwaches Lächeln zustande, das jedoch genauso schnell erstarb wie das Leuchten einer Kerze, der die Luft zum brennen fehlte. „Ich spreche von dem, was jetzt wohl als 'erster Krieg' in den Büchern der Geschichte beschaffen steht.“ Sie holte tief Luft, um diese nur langsam wieder entweichen zu lassen, als sich ihr Blick in unbestimmter Ferne verlor. „Kein Buch, keine Erzählung ist imstande, wirklich wieder zu geben, wie man sich damals gefühlt hat. Kampf war nichts unbekanntes, doch er hatte stets ein Ende, war begrenzt durch den Willen der Teilnehmer und den Willen der Götter. Doch dann... dann gerieten die Götter selbst in Konflikt miteinander. Jetzt waren die, die zuvor schlichten konnten, nicht mehr willens oder in der Lage, den Kampf zu beenden. Und gekämpft wurde. Jeden Tag wuchs dieses Gebilde, diese abscheuliche Kreatur, der wir den Namen 'Krieg' gaben, dieser Konflikt von unbekanntem Ausmaße. Jeden Tag wurde es schlimmer, jeden Tag starben mehr und mehr. Blühende Landstriche waren von Blut rot getränkt, und wo einst Harmonie herrschte, traute man nun kaum noch denen, die eine gemeinsame Geschichte oder Familie verband.“ Sie sah kurz scharf in Richtung der Drah'Zil, fast so, als ob ihre scharfen Ohren etwas aufgeschnappt hätten. „Fangt mir nicht von der Weichheit von den Nicht- Geschuppten an, denn selbst den Erstgeborenen war dies damals fremd und verstörend!“ Ihre Stimmung wechselte jedoch gleich wieder zur Melancholie, als ihr Blick sich wieder in den unendlichen Weiten der Erinnerung verlor. „Keiner wusste damals so recht mit der Situation umzugehen...“ murmelte sie noch vor sich hin. Unter den Blicken der Anderen begann sie, ein Lied anzustimmen, dass der wohl berühmteste Barde ihrer damaligen Zeit verfasst hatte – über eine Schlacht, an der sie teilgenommen hatte. Während ihr zweistimmiger Gesang die meisten Anwesenden bannte, hatten sie doch noch nie etwas derartig ätherisches und übersinnliches vernommen (auch, wenn sie sich zu keinem Zauberlied imstande sah, war selbst dieser Tempel jedoch nicht in der Lage, die Magie ihres Wesens vollständig zu bannen und ihr Augenlicht und Stimme zu nehmen); irrte ihr Geist zu jenen Begebenheiten zurück, von denen sie jetzt sang.

„Euer Ehrwürden? Ihr werdet gebraucht. Jetzt!“ Alari, deren Hände noch blutbesudelt waren, wandte sich nur unwillig von dem im Sterben liegenden Elfen ab. Ein brutaler Hieb eines Orken hatte ihn tief im Bauch getroffen, was dazu führte, dass Blut und Leben in viel zu schnellem Tempo aus ihm heraus floss. Sie fuhr sich mit der Hand über die Augen (sie hatte die letzten Tage kaum bis gar nicht geschlafen), sich nicht darum kümmernd, dass ihre Finger rote Spuren in ihrem Gesicht hinterliessen. „Ich kann sein Leben noch retten.“ meinte sie jedoch mit einer Stimme, die nichts von der ihr innewohnenden Autorität verloren hatte. „Rettet lieber das Leben von uns allen.“ Ein Blick in sein kreideweisses Gesicht liess jedwede Erwiderung verstummen, die ihr auf der Zunge lag, daher nickte sie nur und formte mit den Händen ein Segenszeichen vor der Brust des Sterbenden. „Möge der Wind dir stets den rechten Weg weisen.“ sprach sie die rituelle Formel, die er jedoch schon nicht mehr wahrnahm. Sie folgte dem Krieger aus dem Lazarettszelt, in dem sie sich die letzten Stunden aufgehalten hatte, und trat hinaus auf den Hügel, von dem man die Schlacht unter ihnen gut überblicken konnte. Als sie dem gerüsteten Elfen hinterher eilte, fiel ihr Blick auf die mannigfaltigen Gestalten weit unter ihnen, die dem Sturm der Kreaturen Noroshs gerade noch trotzen konnten. Sie sah, wie die Elfen der Weiherklang- Sippe ihre 'Kriegstänzer' an die Front geschickt hatten. Nur in leichten Lederrüstungen und mit den bunten Federn verschiedenster Vögel ausgestattet bildeten sie schon einen ungemein farbenfrohen und merkwürdigen Anblick, der durch die farbigen Stoffbänder und Tätowierungen an ihren Leibern nur noch verstärkt wurde. Doch niemand, der sie kämpfen sah, würde je darüber lachen, denn sie brauchten ihre Rüstungen nicht für den Kampf. So schnell und geschmeidig waren ihre Bewegungen, dass die feindlichen Hiebe sie nicht berühren konnten, es war, als könnten sie genauso gut versuchen, das Wasser eines Bachs mit ihren Schlägen zu spalten. Im Gegensatz dazu waren ihre Streiche und Stöße präzise und stets tödlich – wenig verwunderlich, bedachte man, dass nur altgediente Veteranen von gut 150 Jahren Waffenerfahrung auch nur die Zugangsprüfung ablegen durften, um in diese Einheit zu gelangen. Die Flanke der Kriegstänzer wurde von den 'Stahlschuppen' gedeckt, einem Banner von Drah'Zil, der hohen Drachin Asha zutiefst ergeben war. Ihnen fehlte die tödliche Anmut der Elfentänzer neben ihnen, doch was ihnen an Eleganz fehlte, machten sie durch widerstandsfähigkeit, Koordination und schiere Kraft wett. Jede Rüstung war dem Schuppenkleid der Hohen Drachin nachempfunden – blauschwarz getüncht bedeckten sie beinahe jeden Zoll ihres ohnehin durch ihre feste Haut und Schuppen geschützten Leibes. Selbst ihre langen Schwänze waren mit Segmenten aus Panzerplatten versehen, an deren Ende bösartig aussehende Dornen waren, die bereits allesamt von Orkblut getränkt waren. Speer, Säbel und Langschild waren die Waffen der 'Stahlschuppen', während es einzig und allein die Wildheit der Kinder Noroshs vermochte, ihre Linien auch nur für kurze Zeit zu durchbrechen.

Zu ihrem Unglück gab es nur wenige Zwerge, die ihrem vereinten Heer beigetreten waren. Zu wenige, um auch nur eine Standarte zu bilden, jedoch genug, um ihre tödlichen Geschosse in die anstürmenden Horden von tobenden Feinden zu verschiessen oder die Befestigungen des Lagers auf ein Maß zu verstärken, welche ihnen bislang das Durchhalten ermöglicht hatte. Doch die fehlenden Schützen der Zwerge wurde durch ein Eliteregiment an Naga, den 'Tränen Nurvureems', ausgeglichen. Die Meeresbewohner konnten sich dank der Magie ihrer sie begleitenden Priester für längere Zeit an Land aufhalten, während sie sich zur Erholung in den nahen See am Lager zurück zogen. Sie führten Bögen, deren widerstandsfähiges Material nicht an der Oberfläche zu finden war und die höher waren als so mancher Mann, der im Heer diente. Die Pfeile, die sie verschossen, durchschlugen Schilde wie Rüstungen und sogar Barrikaden, wenn sie diese erst einmal richtig beharken konnten. Doch neben den genannten, namhaften Kriegern befanden sich auch viele verschiedene Freiwillige, Milizen und reguläre Soldaten auf dem Schlachtfeld, und unglücklicherweise schien es Masse zu sein, die diesen Kampf entscheiden sollte. Selbst eine starke Disziplin geriet ohne genügend Erfahrung im Waffenhandwerk nur allzu leicht ins Wanken, sollte man einem kampfwütigen Ork gegenüberstehen, und der rohen Kraft der Kinder Noroshs konnten ohnehin nur die Drah'Zil standhalten. Alaris Ohren schnappten die individuellen Gesänge der 'Kriegstänzer' aus, die mit jedem Streich eine neue Strophe dichteten und alle zusammen eine große Symphonie des Kampfes ergaben. Doch auch das rhythmische Stampfen der 'Stahlschuppen' war zu vernehmen, die präzisen Kommandos zum Stellungswechsel und die lauten Rufe, die einen Vorstoß der Ihren ankündigten. Von den Naga war vor Allem das Surren ihrer Bögen zu vernehmen – wie wütende, übergroße Hornissen schossen ihre Pfeile steil in den Himmel hinauf, ehe sie mit todbringender Wucht zu Boden rasten und das dortige Ziel zerschmetterten. Vor allem jedoch waren es Schreie, die zu vernehmen waren. Schreie der Verwundeten, Schreie der Angst, Schreie der Wut, Schreie berserkerhafter Rage; Schreie der Verzweiflung mischten sich mit Schreien der Klage, Befehle wurden gebrüllt, Flüche waren allgegenwärtig. All dies zusammen bildete eine Kakophonie ohrenbetäubenden Lärms, die man wohl nie wieder würde vergessen können.

Ihr Blick ruckte nach vorne, als sie ihr Ziel erreichten. Hier fand sie einige andere Elfen vor – auf den zweiten Weg erkannte sie sämtliche Zaubersänger, die dem Heer beigetreten waren. „Die Schlacht steht kurz vor einer Niederlage. Wir versuchen einen letzten Vorstoß mit aller Kraft, um den Befehlshaber – 'Steinzahn' oder wie er sich auch immer schimpfen mag – auszuschalten. Damit geraten ihre Truppen hoffentlich in Unordnung, und wir haben die Chance, ihnen endlich einen schwerer Schlag zuzufügen.“ meinte der General, der sie dort erwartete, ohne Umschweife. Sofort wusste Alari, was zu tun war. Ihre Gesänge waren nicht in der Lage, ihren Feinden zu schaden – doch die Naga konnten es. Und die Elfen... sie vermochten es, das Heer womöglich noch einmal zu neuen Taten aufzustacheln, zu koordinieren und ihre Kräfte für einen letzten Schlag zu mobilisieren. Ein schneller Blick zur Mitte des Sees zeigte die erschöpften, aber zu Tode entschlossenen Naga- Magier, wie sie in der Mitte des Sees schwammen und ihre Energien für einen Zauber sammelten, der einem Artillerieschlag gleich kommen dürfte. Doch sie wandte ihre Aufmerksamkeit von ihnen ab und den ihr unterstellten Elfen zu. Sie würde die Vorsängerin sein, um sie würden sich die Winde sammeln, die sie riefen, und ihre Worte und Taten würden es sein, die die Truppen in die Richtungen wiesen, die der General befahl. Sie griff tief in sich, spürte sämtliche Kraft auf, die ihr durch die entbehrungsreichen letzten Tage noch geblieben waren, und erhob ihre beiden Stimmen zu einem lauten Lied. Mit jedem Augenblick stimmten mehr und mehr Elfen ein, bis ein ganzer Chor aus ätherisch schönen Stimmen ertönte, deren Herzstück sie selbst bildete. Mehr und mehr kam der Wind auf, umtoste sie und nahm schliesslich eine Intensität an, die ihre Gewandungen umherflattern liess. Mit wild um sich peitschendem Haar stand Alari im Zentrum des aufkommenden Sturmes, als sie die gerufenen Böen schliesslich in Richtung ihrer Truppen – ihrer Freunde, ihrer Verbündeten, ihren tapferen Mannen – sandte. Wo sich zuvor immer schneller Panik breit gemacht hatte, machte sich nun wieder Einheit und Zielstrebigkeit breit. Die Truppen mobilisierten ihre letzten Reserven, um ihren Feinden Paroli zu bieten, um den von ihnen verteidigten Boden zu halten und nicht mehr zurück zu weichen. Und während sie verteidigten, warteten sie. Warteten auf den Schlag, der ihrer aller Geschick wenden sollte. Doch während sie warteten, wurde es immer anstrengender, das Lied weiter zu singen. Manche Stimmen gerieten ins Stocken, manche verloren den Takt, manche fanden einfach nicht mehr die Kraft, um in gleichbleibender Intensität zu singen. Einer kippte sogar um und blieb reglos liegen, ohne das sie etwas tun konnten, was das Lied unterbrechen würde. Gerade, als die Winde unter ihrer Stimme zu zittern begann, hatten die Naga jedoch ihren Beitrag beendet. Mit einem tiefen Grollen türmten sich schwarze Wolken am Himmel, breiteten sich aus wie Tinte, die in ein en Kelch Wasser getropft wurde. Und mit einem Schlag brach der Sturm los. Hagelkörner so groß wie eine geballte Zwergenfaust schossen in einem Todbringenden Schwarm auf die feindlichen Linien herab, während Blitze über den Himmel zuckten und so schwere Regenböen das Land unter sich malträtierten, dass man kaum noch Atem holen konnten. Doch das eigentliche Kunststück war nicht die schiere Wucht des Sturmes – es war die Begrenzung derselbigen. Denn wie Alari erkannte, war ein Korridor entstanden – ein Korridor, in dem die verbündeten Truppen zum Herz des feindlichen Heeres vorstoßen konnten, welches noch unter der Gewalt des plötzlich entstandenen Sturmes litt. Sofort legten die Zaubersänger unter ihrer Stimme neue Kraft in ihren Gesang, denn jetzt hatte sich eine Chance offenbart, die man nutzen konnte.

Die Elite stürmte vor, um sich einen Weg zu bahnen. Kriegstänzer wirbelten zwischen Stahlschuppen umher, während sich die Reste beider Einheiten zu einem Speer formierten, der geradewegs auf ihr Ziel – den feindlichen Kriegsfürsten – zustieß. Die Naga konzentrierten sämtlichen Beschuss auf die Orks, die sich im Weg des letzten, verzweifelten Vorstoßes befanden. Alles sah so aus, als würde sich das Blatt endlich wenden – als der Sturm erstarb. Im gleichen Moment verließ auch die Mehrheit der Zaubersänger die Kraft, und mit einem weithin hallenden Missklang brach es ab. Die malträtierten Zauberkundigen der Naga hatten ihr Leben gegeben, um diesen Zauber zu wirken, doch letzten Endes hatte er zu viel Energie verschlungen, und sie hatten für dieses Wirken mit dem höchsten Preis zahlen müssen. Nun waren es ihre Truppen, die sich in einer höchst unglücklichen Lage befanden, und die Orks nutzten diese Chance gnadenlos. Doch noch ehe Alari fassungslos realisieren konnte, dass die Schlacht nun verloren war – dass sie alle hier sterben würden – drang ein Geräusch an ihre Ohren, was sie zweifelsohne identifizieren konnte. Ein Geräusch, dass sie mehr fürchtete als alles andere, aber im gleichen Atemzug unendlich dankbar dafür war. Sie lauschte dem Zorn eines Hohen Drachen. Als Kavalanoth auf der Erde aufkam, brach diese auf, als würde ein Hammer auf sprödes Holz niederfahren. Ein ohrenbetäubender Schrei löste sich aus dem Maul des Drachen, der Alari selbst in dieser Entfernung zum Herzen der Schlacht noch in die Knie zwang. Die umstehenden Orks wurden ungleich stärker betroffen. Wen sein Ankommen, welches ohnehin mehr an den Aufschlag eines Meteoriten denn als die Landung eines Lebewesens erinnert hatte, noch nicht umgebracht wurde, der wurde durch die schiere Intensität und Wut seiner Stimme zu Boden geworfen und wand sich dort unter Schmerzen. Als der Schrei verebbte, vibrierte die Luft selbst, während sich jedes empfindungsfähige Geschöpf den zum Bersten gefüllten Schädel hielt. Als der Drache tief Atem holte, griff Alari noch ein letztes Mal in sich, um Magie zu wirken. „FLIEHT! RETTET EUCH!“ schrie sie den Truppen zu, deren Trommelfell noch nicht geplatzt war. Und tatsächlich versuchten die Überlebenden ihres Heeres, sich zu ihnen zurück zu ziehen, denn die Orken standen jetzt einem anderen Gegner gegenüber. Einem Gegner, gegen den es keinen Sieg geben konnte; einem Wesen, dessen Wut zu leicht auch unter ihnen Opfer finden konnte. Funken tanzten wie ein Schwarm leuchtkräftiger Glüchwürmchen um das Maul Kavalanoths, als er mit einem Mal seinen feurigen Atem den Orken vor sich entgegen spie. Wer das Feuer direkt berührte, hatte am meisten Glück, denn so schnell schmolzen Fleisch und Rüstung zu einer schlackegleichen Einheit, dass sie keinen Schmerz spürte. Wer das Feuer nicht direkt abbekam, hatte weniger viel Glück, denn in der Umgebung der Flammen entzündete sich alles durch die schiere Hitze des Urfeuers, welches der Hohe Drache ihnen zornig entgegen gespien hatte. Hunderte Orks brannten innerhalb eines einzigen Augenblicks lichterloh wie Fackeln, als einer der Erstgeborenen Eremons, einer der hohen Sieben, den Kopf wand und immer größere Teile des feindlichen Heeres mit seinem Feuer überzog. Innerhalb weniger Herzschläge war das Feld wie leer gefegt – die wenigen verkohlten Leichen, die verblieben waren, verschwanden nun im Erdreich, denn dieses war durch die Hitze der Flammen geschmolzen und blubberte grausig vor sich hin, als der Stein blasen warf und alles, was übrig geblieben war, gierig in sich verschlang. Das Heer, das der hier versammelten vereinten Streitmacht verschiedenster Rassen hunderte Verluste zugefügt hatte, floh wie ein Mann vor der Naturgewalt, die sich in ihre Mitte begeben hatte und ihren Tod einforderte. Da sich in seiner unmittelbaren Umgebung keine Feinde mehr befanden, konnte auch Alari wagen, den Blick wieder auf das Geschehen zu richten, denn hätte sie in die Flammen gesehen, sie wäre erblindet. So spürte sie noch den Druck, als sich der Hohe Drache mit mächtigen Flügelschlägen in den rauchgesäumten Himmel erhob, während ihm sein brennender Zorn wie eine Rauchwolke folgte, die selbst auf diese Distanz ihre Haut zum Kribbeln brachte und sie erschöpft, atemlos und ängstlich zurück liess. Die Schlacht war gewonnen – doch die Opfer, die sich auf ihrer Seite auftürmten, waren zu gewaltig, als das sie sich wirklich über diesen 'Sieg' freuen konnte.

Als ihre letzte Strophe endete, öffnete sie auch wieder ihre Augen. Sie spürte die Blicke ihrer Anwesenden auf sich, denn was geschehen war, war ihnen so präsent geworden, als wären sie in Persona da gewesen. Manch einer würde auch Bilder gesehen haben, manch anderer Sinneseindrücke wie etwa der Geruch des verbrannten Bodens. All dies war möglich, weil es weniger Magie war, welche sie gewirkt hatte, als vielmehr 'nur' elfischer Gesang – elfischer Gesang, wie er einmal gewesen war und wie er immer noch hätte sein sollen. Das erste Mal würden die Anwesenden einen Eindruck bekommen haben, wie stark sich doch Alari von den heutigen Elfen unterschied. Die aufkommende Stille durchbrach erneut ihre Stimme, dieses Mal jedoch, um einige letzte Sätze zu ihrer Geschichte hinzuzufügen. „In dem Maße, in dem die Verzweiflung im Laufe des Krieges wuchs, wuchs auch die Gewalt. Was zuvor undenkbar gewesen war, Tabu gar, war plötzlich erlaubt, konnte man damit nur seine nächsten schützen, und den Rest konnten ja die Krähen holen. Viel zu wenige gab es, die noch versuchten zu vermitteln, denn mit jedem Gefallenen wollte man eines mehr: Rache. Vielleicht war es das, was dann auch die hohen Alten, die Erstgeborenen, schlussendlich so zum Handeln trieb, wie manche es dann taten. Zumindest sprach Fandrasâr immer seltener davon, mit seinen Brüdern und Schwestern zu agieren; sondern handelte lieber nach eigenem Gutdünken.“ Unwillkürlich klammerten sich ihre Hände um ihre Knie, sogen die Beine näher an den Leib, als sie ihren trockenen Lippen mit der Zunge befeuchtete. „Die Magie der Erstgeborenen ist kein Vergleich zu dem, was Sterbliche – selbst wir Elfen zu unserer Glanzzeit oder die Naga auf dem Höhepunkt ihrer Macht – zu erreichen vermochten. Und je größer die Veränderungen waren, die sie erwirkten, desto größer waren auch die Spuren, die zurück gelassen wurden. Viele Übel, die die Welt heute plagen, sind durch jenen Krieg und dem magischen Wirken darin entstanden.“ Sie liess den Kopf hängen. „Es war einfach zu viel, was auf einmal geschah. Zu viele Schäden, als das nicht Narben im Gefüge der Welt verblieben wären.“ Sie sah über ihre Schulter, sah in die tiefe Schwärze hinter ihr, die auch sie lockten, mit Worten und Lauten, die die Saiten ihres Herzen zum klingen brachten. „Und ich fürchte, solche Schrecken sind uns so viel näher, als wir glauben...“ hauchte sie so leise, dass man sich schon sehr anstrengen musste, um ihre Worte zu vernehmen.

Fruwluamressaw
30.08.2017, 21:27
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png "Hahahahaha! Das kommt davon! Leide!" Enorm Schadenfroh, selbst für ihre Verhältnisse lachte Nezlez, als Celriel ins Wasser getaucht wurde - nur um durch diesen Unachtsamen Moment selbst gegriffen zu werden. "NEEEIN" kreischte sie, "Loslassen du - blblblrbrb" ihre Worte wurden zu einem unverständlichen Geblubber, als sie ebenfalls in das mysteriöse Wasser getaucht wurde. Der Tentakelarm war fest um ihre schmale Hüfte geklammert, sie kratzte und trat wild um sich, aber ohne Erfolg. Du widerliche Missgestalt denkst wohl ich werde hier sterben?! Vergiss es! Nicht ich! Nicht die mächtige Nezlez Tintentick! Die Bewegungsunfähigkeit unter Wasser bereitete ihr Furcht, aber gleichsam empfand sie eine große Wut. Mit aller Kraft stieß sie ihre spitzen Zähne in den Tentakel, er zuckte aber wollte seinen Griff einfach nicht lockern.
Mehr noch, durch den Biss war eine Menge Wasser in ihren Mund gekommen. Nezlez würde ertrinken. Die Welt um sie herum begann zu verschwimmen, zu verblassen.

Und dann klarte ihr Blick wieder auf, als wäre sie kurz eingeschlafen - und an einem anderen Ort aufgewacht. Denn nichts was sie nun sah, erinnerte sie an die Höhle, in der sie doch gerade eben noch gewesen war. Ihre Hände ruhten auf kargem, hellen Stein. Sie fröstelte und hatte eine Gänsehaut, denn ein eisiger Wind peitschte hier oben. Oben, denn sie war auf einem hohen Berg. Es lag kein Schnee, aber Vegetation gab es hier dennoch kaum. Vereinzelt ragte ein Kraut oder Gras aus dem Stein. Schnell krabbelte sie nach vorne, als sie bemerkte, dass sie direkt an einer Klippe kniete. Sie war auf einem Felsvorsprung an einem hohen Berg. Um sie herum sah sie weitere Berge, aber ihr Blick ging nicht sehr weit, als hätte ein Gott angefangen eine Welt zu erbauen, und hätte es sich plötzlich anders überlegt.

Ein Stampfen sorgte für ihre soforte Aufmerksamkeit. Ein muskulöser Riese landete auf dem Felsvorsprung. Als er sich aufrichtete, stellte Nezlez fest, dass es sich nicht wirklich um einen Riesen, sondern um einen großen Ork handelte. Aber kein Wunder, selbst für Ork-Verhältnisse war seine Statur gigantisch. Instinktiv griff Nezlez an ihren Gürtel und stellte zu ihrer positiven Überraschung fest, dort tatsächlich Messer und einen Dolch vorzufinden. Hatte sie nicht all ihre Waffen verloren? Der Ork stand noch einige Meter von ihr entfernt, kalt und bösartig starrte er auf sie herab. "Nach Hause. Tazgosh geht nach Hause."
"Na schön 'Tazgosh', ich halte dich sicher nicht auf, also verzieh dich." antwortet Nezlez frech. Vielleicht sollte ich ihm folgen. Wo auch immer ich hier bin und wie ich hier hergekommen bin, hier ist es kalt und ich wette Schätze gibt es hier auch keine.
Tazgosh schüttelte den Kopf. Als hätte er ihre Gedanken gelesen sprach er mit seiner tiefen Stimme: "ICH gehe. Und DU bleibst." Nezlez sah, wie sein linker Arm zur Axt an seiner Hüfte wanderte. Ein Messer schoss nach vorne. "Ngh..!" Es versenkte sich in jenen linken Arm, Blut spritzte. Sie hatte nur darauf gewartet. "Du dachtest doch nicht ernsthaft ich warte bis du lahmer Sack bereit bist". Sie grinste. Aber der Ork verzog nur kurz die Miene. Den linken Arm bewegte er, fast als wäre nichts passiert. Dennoch nahm er die Axt nun mit der rechten Hand. "Hm. Bin ohnehin Rechtshänder." "Kein Problem!" schrie Nez, und war das nächste Messer zielsicher in richtung Tazgoshs rechten Armes. Doch diesmal war er gewappnet, und parierte es gekonnt mit dem Axtblatt. "Jämmerliche Gobbos." Dann stapfte er bedrohlich in ihre Richtung.

Waltikon
16.09.2017, 18:22
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Bedächtig zog Celriel ihr Schwert, ohne ihr kampfbereites Gegenüber aus den Augen zu lassen. Ihr Gegenüber, das war ein Elf. Aber nicht irgendeiner, nein, einer aus einer berühmten Familie - und schon lange tot.
Nein, so ganz hatte Sie noch nicht begriffen, was ihr eigentlich passiert war, aber eines, das hatte sie verstanden:
Um von hier zu entkommen, musste sie ihn besiegen.
Seiner Seele den Todesstoß versetzen, wie er es ausgedrückt hatte.
Ihn töten.
Einen Elf.
Einen Bruder!

„Es schmerzt mich, gegen einen Bruder das Schwert erheben zu müssen, …“ begann Celriel.
„Dann lasst es!“ Roren unterbrach sie mit einer blitzschnellen, frontalen Attacke.
Diese kam für Celriel allerdings nicht unerwartet. Geschickt war sie zur Seite ausgewichen, hatte dabei das Schwert endgültig aus der Scheide gezogen und sogleich einen flachen Hieb ausgeführt, den Tyreinos jedoch problemlos parierte.

Beide waren sie in die Ausgangsstellung zurückgekehrt.
Ein Lächeln huschte ihm über das Gesicht. „Das verspricht interessanter zu werden als ich dachte!“
„Und ich dachte, ich könnte euch zu Tode langweilen.“ konterte Celriel sarkastisch.
Er musste herzhaft lachen.
„Und schlagfertig ist sie auch noch! Herrlich, nach dieser trübseligen Ewigkeit!“
„Dann saugt jeden kostbaren Augenblick davon auf – denn Ihr müsst noch lange davon zehren!“
Mit einem Ausfallschritt und wirbelndem Schwert preschte Celriel vor, doch Roren parierte auch diese Attacke problemlos.
Seiner Parade ließ er sogleich einen schnellen Hieb folgen, den Celriel ebenfalls parierte.
Der Kampf wog hin und her. Schlag, Parade, Schlag, Schritt vor, Schritt zurück, zur Seite …

Einem Beobachter – wenn es denn einen gäbe – würde das ganze eher wie ein Wettkampf im Säbelfechten anmuten, und doch ging es um nicht weniger als um die Rettung der Seele oder ihrer Verdammnis.

Nach einer Weile wurden Celriel zwei Dinge klar:
Erstens: So lange der Kampf auch dauerte, ihre Kräfte schwanden nicht.
Zweitens: Keinem von beiden gelang bisher auch nur ein einziger Treffer.

Waren sie sich tatsächlich derart ebenbürtig? Oder spielte Roren nur mit ihr?

Die Antwort ließ nicht mehr lange auf sich warten.
„So unterhaltsam unser Scharmützel hier auch ist, so fürchte ich, muss ich es nun beenden.“
Roren löste sich in einer Art Rauchwolke auf.
Während Celriel noch ungläubig auf die Stelle starrte, an der eben noch ihr Kontrahent gestanden hatte, erschien dieser aus einer plötzlich hinter ihr auftauchenden Rauchwolke und führte einen Schlag von oben.
Sie konnte gerade noch zur Seite hechten, aber der Hieb hatte sie doch noch am Oberarm erwischt.
Wo nun normalerweise eine blutende Wunde klaffen sollte, war da einfach – nichts!
Es sah aus, als wäre aus ihrem – wie ihr erst jetzt wieder auffiel – leicht durchsichtigen Körper einfach ein Stück herausgebrochen. Das Ganze sah aus, als würde in einem Bild einfach etwas fehlen.

„Es tut mir leid, Schwester. “
Celriel schaute irritiert in das nun verhärtete Gesicht des jungen Tyreinos.
„Aber meine Familie wartet auf mich.“
Wieder und wieder löste er sich in Rauch auf, nur um sie gleich darauf aus dem Nichts kommend zu attackieren. Immer wieder entkam sie nur knapp seinen Angriffen, doch schlug er mehr und mehr Splitter aus ihr heraus.

Konzentriere dich! Mahnte sie sich selbst, und in der Tat war ihr etwas aufgefallen:
Ein schwacher Luftzug, kurz vor seinem Erscheinen.
Und noch etwas hatte sie bemerkt:
Er schlug bei diesen Angriffen immer von oben.
Sich darauf konzentrierend, schaffte sie es nun besser, seinen Attacken auszuweichen und sie zu parieren.
Doch auf Dauer würde sie das gegen ihn nicht durchhalten.
Sie musste selbst angreifen, das Risiko, zu unterliegen, eingehen.

Luftzug links!

coel
22.09.2017, 16:43
Die grauenhafte Schlacht hatte ein Ende gefunden. Obwohl es ein Sieg war, so fühlte er sich für keinen als ein solcher an. Noch immer waren die Soldaten damit beschäftigt ihre gefallenen Kameraden zu bergen, damit ihre Körper nicht von Aasfressern geschändet werden konnten. In der Ferne konnte Alari erkennen, dass man bereits die Berge aus Grünhautleichen angezündet hatte und schon bald würde sie das verbrannte Fleisch riechen. Angewidert von diesem Gedanken wandte sie sich ab und ging wieder in das Zelt, welches für ein wenig frische Luft verlassen hatte. Sie war müde und wollte endlich die ersehnte Ruhe finden, doch wollte sie bei beim Gespräch dabei sein, welches nun wieder einen neuen Anfang wagte.
Girathon, dessen Äußeres wie polierter Marmor wirkte und doch die Härte von Granit besaß, schien zu bröckeln und man sah ihm seinen Unmut an. Der Elfenkrieger erlaubte sich nie derartige Emotionen zu zeigen, denn er musste ein unerschütterliches Bild für seine Soldaten abgeben, um der Anker ihrer Moral zu sein. Doch jetzt sah Alari einen Mann, der für einen Moment sich dem hingab, was er sonst gewaltsam unterdrückte. Seine kräftige Stimme, die normalerweise Befehle über das Schlachtfeld brüllte, blieb jedoch ruhig, als er anfing zu sprechen.
„Ich sehe immer noch keinen Grund, warum wir weitermarschieren sollten. Wir haben horrende Verluste. Ishinari und ihre Nagakriegerinnen sind alle tot. Die Kriegstänzer sind kaum noch existent und der größte Teil unserer Armee ist verwundet. Nicht zu vergessen, leiden wir bereits unter Vorratsmangel“, er schüttelte entschieden den Kopf, „Wir werden hier auf unsere Verbündeten warten, bevor wir beim Pass einer weiteren Gefahr begegnen.“
Alari warf einen Blick auf die ausgebreitete Karte, welche auf dem Eichentisch zwischen Weinkrügen und Wasserkaraffen inmitten des Zeltes lag. Der Plan war es den Gebirgspass zu erreichen und dort Stellung zu beziehen, bis die Verstärkung sie eingeholt hatte. Allerdings hatte niemand mit einer Armee gerechnet, die das verhindern wollte.
„Den Pass können wir mit unseren Truppen halten, aber falls die Grünhäute uns wieder auf dieser Ebene angreifen, werden wir abgeschlachtet!“
Thalim Eisenfaust drückte seinen Zeigefinger auf ihre jetzige Position auf der Karte, um seine Worte zu unterstreichen.
„Girathon, wir Zwerge können den Pass verstärken, selbst mit dem wenigen, was wir haben! Vertraut uns!“
Der Elf hob seine Augenbrauen in gespielter Überraschung. In diesem Moment, ahnte Alari, dass Girathon seine Zunge nicht mehr im Zaum halten konnte. Ihre Befürchtung bewahrheitete sich.
„Ihr Zwerge könnt nicht einmal eure eigenen Städte halten, wie sollen wir dann erst diesen Pass verteidigen?“, gab der Elfenkrieger als spöttische Antwort zurück.
Alari zuckte zusammen, als die schinkengroße Faust des Zwerges zornig auf dem Eichentisch knallte und dabei einige der Krüge umwarf.
„Ihr wagt es!“, das Gesicht von Thalim war so plötzlich so leuchtend rot geworden wie glühende Kohlen, „Ihr hochnäsiger Elf wagt es, mein Volk derart zu beleidigen?! Wisst ihr eigentlich, dass wir die volle Wucht der Invasion ertragen und trotzdem noch eure Fronten unterstützen? Ihr Spitzohren solltet euch nicht in euren gläsernen Palästen verstecken und stattdessen kämpfen!“
Die Augen des Anführers der Elfentruppen verengten sich zu bedrohlichen Schlitzen. Gerade wollte er wieder seinen Mund öffnen, um darauf etwas zu entgegnen, doch eine Stimme, die Alari wie ein kunstvoller Klang eines Harfenspiels gleichkam, unterbrach Girathon.
„Wir alle bedauern unsere Gefallenen. Der Krieg lastet schwer auf unseren Schultern. Doch, meine treuen Gefährten, dürfen wir nicht nachgeben.“
Alari musterte die Frau, deren Schönheit sogar unter den Elfen besungen wurde und Vertretern der anderen Rassen vor Neid erblassen ließ. Die oberste Hochmagierin in der elfischen Hauptstadt war eine eindrucksvolle Gestalt. Sie war das genaue Gegenteil von Girathon. Am besten konnte sie den Unterschied an ihren Waffen erkennen. Der Elfenkrieger führte einen Zweihänder, mit dem er durch die Grünhäute schlug und dabei nur Tod hinterließ, während Yvraine einen unvergleichlichen Kristallstab schwang, der ihr half aufwendige Zauber zu weben, um daraufhin schrecklichen Tribut unter den Feinden zu fordern. Sie war schlank, hochgewachsen und unbeschreiblich schön. Ihre Alabasterhaut zeigte keinen einzigen Makel und ihre großen, saphirblauen Augen strahlten im Schein der Fackeln. Ihr mandelförmiges Gesicht mit den für Elfen hohen Kieferknochen besaß keinerlei Anzeichen von ihrem fortgeschrittenen Alter. Ihre vollen Lippen formten ein Lächeln, welches wie die Sänge von Alari beruhigend wirkte und die Anspannung im Zelt etwas löste.
„Schenkt mir einen Augenblick eurer kostbaren Zeit“, sagte sie und schaute dabei Girathon und Thalim eingehend an.
Der Zwerg murmelte etwas Unverständliches in seinen langen Bart, verschränkte jedoch seine Arme und wartete. Girathon wich dem Blick von der Hochmagierin aus und hob einen der Weinkrüge vom Tisch, aus dem er einen tiefen Schluck nahm. Zufrieden mit den Reaktionen der Beiden setzte sie ihre Rede fort.
„Es gibt einen Weg, wie wir den Pass trotz unserer wenigen Mittel verteidigen können.“
Khairnos, der Vertreter der Drah’Zil, ein schweigsamer, rotschuppiger Riese, der beinahe am ganzen Körper Narben zu besitzen schien, sprach seine ersten Worte, seit sie sich in dem Zelt getroffen hatten.
„Ihr redet sicherlich von irgendeinem magischen Feuerwerk, nehme ich an?“
Es war allgemein bekannt, dass der Anführer der Stahlschuppen kein begeisterter Anhänger der magischen Künste war und lieber seinem Schwert vertraute. Den offensichtlichen Hohn ignorierend, erklärte Yvraine ihr Vorhaben.
„Der große Zarlandris, mögen die Götter über ihn wachen, gab mir etwas, womit wir womöglich eine Chance hätten.“
Nach der Erwähnung eines Mitglieds der Großen Drachen erlangte sie sofort die gesamte Aufmerksamkeit der Versammelten. Den zweiköpfigen Drachen hatte Alari nur sehr selten gesehen, denn er hielt sich normalerweise im Hintergrund.
„Ist es ein Zerstörungszauber?“, fragte Thalim, „Oder eine Beschwörung.“
„Ihr habt richtig angenommen. Eine Beschwörung von Wesen, die Zarlandris zu unserer Unterstützung erschaffen hat.“
„Hat seine Kreation auch einen Namen?“
Die Elfe schüttelte den Kopf.
„Er reichte es mir vor meiner Abreise und sagte sie mir, dass er noch keinen Namen dafür gefunden hatte. Man könnte sie jedoch als Schatten beschreiben“, sie lächelte und entblößte dabei ihre perlweißen Zähne, doch dieses Mal fühlte Alari einen kalten Schauer an ihrem Rücken entlanglaufen, „Tödliche Schatten.“

Ein kleiner Schnupperkurs in die Vergangenheit ;)

Fruwluamressaw
19.10.2017, 16:19
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Mit brachialer Gewalt schwang Tazgosh seine Axt. Für ihn war Nezlez, eine Goblin, nichts weiter als ein kleiner Wurm. Ein Wurm, dessen Zerstörung für ihn bedeuten würde, endlich wieder Leben zu können. Doch "der Wurm" war wenig erpicht darauf, dies so geschehen zu lassen und hechtete zur Seite. Tazgosh schnaubte nur verächtlich und näherte sich der Goblin weiter an. Diese versuchte unter allen Umständen einen guten Abstand zwischen sich und dem Riesen einzuhalten. Schon ein Treffer der Axt würde genügen, dessen war sie sich bewusst. Ihren Dolch jetzt zu benutzen war darum auch viel zu gefährlich. Sie wollte sich auf ihre Wurffertigkeit verlassen aber noch bevor sie ein Messer ziehen konnte, setzte Tazgosh zu einem wilden Sprint in ihre Richtung an und sie war gezwungen die Beine in die Hand zu nehmen. "Weglaufen. Das was Gobbos am Besten können." "Achja?!" Nezlez schleuderte ein weiteres Messer in die Richtung des Giganten. Es sollte seinen Hals treffen und war gut gezielt, aber wieder hatte Tazgosh den Angriff erwartet und wich zur Seite, so dass es ihn kaum striff. Er war nicht einfach nur ein riesiger Ork. Er war ein Kämpfer, einer der besten. Und nie hätte er so viele Kämpfe überstanden, wenn er nicht auch agil gewesen wäre. Überlegen zeigte er seine spitzen Zähne und wenn er dabei nicht so scheußlich ausgesehen hätte, hätte man es als das Lächeln wahr genommen, dass es sein sollte. Nezlez versuchte weiter, den Abstand zu Tazgosh zu vergrößern. "Wohin willst du fliehen, Gobbos? Wohin?" Ich wünschte dieser hässliche Klotz hätte unrecht... wenn ich versuche auf den Berg zu klettern mache ich mich verwundbar und so steil wie diese Klippe hier ist erwartet mich weiter unten nur der Tod. Ich MUSS gewinnen. Ärgerlich knirrschte sie ob dieser Erkenntnis mit den Zähnen.

Ein Blitzen, reflektierendes Sonnenlicht, als Nezlez ihren Dolch zog und ihn selbstbewusst in der Hand hin und her wiegte. Sie musste schlauer sein als er. Und natürlich war sie das auch, davon war sie überzeugt. Ein paar mal noch wich sie ihm und seinen Angriffen aus, beobachtete sein Angriffsmuster. Sie suchte die Lücke, die sie brauchen würde. Und fand sie. Diesmal wich sie nicht zurück. Sie duckte sich seitlich unter dem diagonalen Axthieb hindurch. Wind strich über ihre Haare, so riskant war das Manöver. Riskant aber erfolgreich. So tief wie es ihr möglich war, grub sie den Dolch in die Seite des Orks. "Urgh!" Er zuckte zusammen. Gefällt dir das du Riesenbaby?! "Ich bin keine einfache Goblin, Idiot. Ich bin Nezlez Tintentick. Und du wirst heute durch meine Hand sterben!" Sie zückte ein weiteres Messer. Mit diesem würde sie ihm die Kehle durchschneiden. Von ihr würde er keine Verschnaufpause bekommen. Aber die brauchte er auch garnicht. Noch bevor Nezlez agieren konnte, richtete sich der Gigant wieder auf und setzte erneut zu einem Axthieb an, diesmal aus der anderen Richtung. Nezlez erschreckte sich nur kurz, denn als sie sogleich bemerkte, dass das Muster des Hiebes wieder das selbe war, grinste sie höhnisch und duckte sich wieder zur Seite hin weg.

Doch es war eine Finte. Und erst jetzt. Jetzt als sich der Stiefel des Orks in ihre Magengrube rammte. Jetzt da sie in hohem Bogen durch die Luft geschleudert wurde - merkte sie, wo sie gerade noch stand. Sie flog über die Klippe. Sie fiel! Entsetzt schie sie: "Nein...! NEEEEEIIN!"
Dies würde ihr Tod sein. Dieser Gedanke erschütterte sie so sehr, dass jeder Bruchteil einer Sekunde wie eine Ewigkeit erschien. Bosartig lachend beugte sich Tazgosh über die Klippe, er wollte den panischen Gesichtsausdruck der Goblin sehen. Die Gobbos, dieses 'Wertlose Insekt', welches er in den Tod trat, sollte ihm noch ein letztes Grinsen bescheren und seine sadistische Ader befriedigen.

Doch es war jene Überheblichkeit der Goblin gegenüber, die dem Ork seinen Tod bescherte. Ein mit Widerhaken besetztes Messer rammte sich in seine Brust und sein Lachen erstarb. "Nrgh...du...!" Verärgert starrte er auf die Klinge in seiner Brust - und bemerkte, dass ein Seil an ihr befestigt war. Dann ging alles ganz schnell. Nezlez war ein Fliegengewicht, doch machte sie sich die Fallgeschwindigkeit zu nutze. Mit einem kräftigen Ruck zog sie am Seil und machte einen Satz nach Oben. Der überraschte Tazgosh stöhnte schmerzhaft auf, als die Widerhaken der Klinge durch sein Fleisch schnitten. Zum ersten Mal zeigte sich Furcht in den Augen des monströsen Orks, denn er merkte, wie er den Halt verlor - und nicht mehr zurückgewinnen konnte. Tazgosh fiel.
Auch das gehörte zu Nezlez finalem Clou. Noch im Sprung trat sie mit ihrem Stiefel auf den Nacken des fallenden Riesen und nutzte ihn wortwörtlich als Trittbrett um einen weiteren Sprung zu vollbringen. Mit aller Kraft streckte sie den rechten Arm aus und bekam die Felskante zu fassen. Unter ihr fiel Tazgosh, der Unbarmherzige, mit einem wut geladenen Brüllen in die Tiefe.

Auch nach mehreren Sekunden war kein Aufprall zu hören. Mühsam zog sich Nezlez auf den Felsvorsprung hinauf. Sie hatte gewonnen.

Waltikon
21.10.2017, 18:43
https://abload.de/img/7t3qaijv0jsee.png Ein höllischer Schmerz ließ Celriel laut aufschreien. Ein Blick auf ihre linke Schulter offenbarte den Ursprung dieser Pein:
Tyreinos‘ Schwert steckt darin und hatte den Arm beinahe abgetrennt.

Zwar hatten sie die vielen, kleineren Verletzungen, die sie in diesem Kampf bisher davongetragen hatte, weit weniger beeinträchtigt, als sie es in einem normalen Kampf getan hätten.
Doch diese schwere Wunde würde, nein, musste unweigerlich ihr Ende in diesem Kampf besiegeln.

Das wars. Aus und vorbei.
Mit hängendem Kopf sank Celriel auf die Knie und Tränen der Verzweiflung stiegen ihr in die Augen. Sie hatte alles riskiert und verloren. Und nun würde sie Tyreinos‘ Platz einnehmen müssen.
Sie schloss die Augen. Gleich, gleich würde er den finalen Schlag ausführen und sie in die Verdammnis stürzen …

Doch der Schlag kam nicht. Verwundert öffnete sie die Lider. Ihr noch zu Boden gerichteter Blick fiel als erstes auf die Beine des Elfenkriegers. Er kniete ebenfalls, direkt vor ihr. Ihr Blick wanderte weiter nach oben. Seine Hände umklammerten den Griff seines Schwertes, welches noch immer in ihrer Schulter steckte.
Doch warum? Warum brachte er es nicht einfach zu Ende?
Ihr Blick wanderte weiter nach rechts. Nun erst bemerkte sie, dass auch sie noch immer ihre Klinge in Händen hielt. Und diese wiederum hatte seinen Brustkorb auf Höhe des Herzens durchbohrt!

Jetzt erst wurde ihr bewusst, was sich zugetragen hatte:
Als sie den Luftzug links von ihr bemerkte, war sie herumgewirbelt. Doch anstatt den erwarten Hieb von oben zu parieren, hatte sie mit Wucht ihr Schwert in die Rauchwolke gerammt, und zwar dort, wo sie erwartete, dass sich sein Oberkörper befinden müsste.
Und sie hatte getroffen, gut getroffen. Der Preis dafür war jedoch, seinen Hieb einstecken zu müssen.

Nun endlich schaute sie in sein Gesicht. Ein trauriger Blick, gepaart mit einem gequälten Lächeln, erwarteten sie.
„Ich gratuliere dir, Schwester.“
Rorens Stimme klang sanft und doch verbittert.
Celriel empfand Mitleid mit seiner armen Seele.
Doch ehe sie etwas zu ihm sagen konnte, begann es um seine Wunde herum seltsam zu glühen.
Das Glühen breitete ich aus, bis schließlich auch Celriel davon erfasst wurde …

Um Luft ringend kämpfte sie sich an die Oberfläche, schoss förmlich aus dem Wasser. Mit einem tiefen Atemzug sog sie Luft in ihre Lungen, um gleich darauf hustend das Wasser auszuspucken, welches in ebendiese geraten war.
Nur raus aus dem Wasser!
Hektisch schwamm sie zum Ufer und hielt erst inne, als sie auf allen vieren auf dem Trockenen war.
Jetzt erst richtete sie ihren Oberkörper auf, strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht und sah sich um.
Sie war wieder in der Höhle!
Erschreckt taste sie ihren Körper nach all den Wunden ab, die sie in diesem sonderbaren Kampf davongetragen hatte. Sie waren alle weg. Auch ihre Schulter war unversehrt!
Ein fröhliches Glucksen, dass in ein freudiges, erleichtertes Kichern überging, entsprang ihrer Kehle.
Sie hatte es geschafft! Sie war der Verdammnis entkommen!
Schlagartig hörte sie auf zu lachen. Sie griff nach ihrem Schwert, welches sich glücklicherweise in seiner Scheide befand.
Wo war der Kraken? Und wo waren ihre Kameraden?
„Cadan? Nezlez? Wo seid ihr?!“

Ironhide
21.10.2017, 22:38
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Mühselig wehrte Cadan einen Angriff nach dem anderen ab, zeigte ihm der alte Mann ihm doch deutlich, wie gut er mit seinem Schwert umzugehen vermochte. Und dabei schien er nicht mal große Anstrengungen zu benötigen. In Kraft konnte er Cadan sicher nicht das Wasser reichen und er war sich sicher, ein platzierter Treffer, und er würde den Ritter niederstrecken. Doch dazu musste er erstmal die Möglichkeit eines Angriffes sehen. Der Ritter war schnell, sehr schnell. Schneller als alle menschlichen Gegner vor ihm, die Cadan bisher gegenüberstand.
Kampferprobte und geschickte Gegner waren Cadan auch nicht fremd, doch auch die hatte er bisher immer schlagen können. Nun jedoch hatte er einen alten Ritter vor sich, der all diese Eigenschaften zu vereinen schien. Erfahren, schnell und äußerst geschickt. Eine solche Herausforderung hatte Cadan bisher nicht meistern müssen. Einfach drauf los prügeln, half nichts, das musste er sehr schnell feststellen. Wie also wollte er nun diesem Mann beikommen, der unter seinen Hieben hinwegtauchte oder sie gekonnt ablenkte, so das er kaum einen Treffer landete? Taktik war gefragt – und eine bessere Waffe. Zuerst einmal würde er den Ort des Kampfes verlegen müssen. Auf offenem Feld konnte Cadan durchaus seine Stärke ausspielen, brachte das aber nichts gegen einen Gegner, der zu schnell für ihn war und seine Attacken vorauszusehen schien.

Wenn er es schaffen würde, den Ritter in eine Ecke zu drängen, würde er es einfacher haben. Doch gab es nichts, was dem irgendwie nahekam.
„Halt doch mal still.“, knurrte Cadan mehr zu sich selbst als zu seinem Gegenüber. Natürlich tat der alte Ritter ihm den Gefallen nicht. Cadan war langsam wirklich genervt und war drauf und dran, sein Schwert weg zu werfen und den Ritter mit bloßen Händen und brachialer Gewalt auseinander zu nehmen. Würde er ihn erstmal zufassen bekommen, hätte der Mann ihm sicher nichts entgegen zu setzten. Doch die Chancen dafür standen nicht sonderlich gut.
„Du denkst nicht wirklich das du gegen mich bestehen kannst, oder?“, gab der Ritter gelassen von sich. Er wusste, dass er früher oder später einen Treffer erzielen würde, der ihn als Sieger aus den Kampf hervorgehen lassen würde. Er musste nur darauf warten, das Cadan einen entschiedenen Fehler machte.

Nach etlichen hin und her, standen Cadan und der alte Ritter wieder da, wo sie begonnen hatten, in der Ruine dessen was vielleicht mal eine Burg gewesen war. Der Trolljäger wirkte mitgenommen, hatte doch etliche Treffer bis hier her hinnehmen müssen, jedoch nichts was wirklich gefährlich war. Wäre dies ein Turnier, hätte er nach Punkten schon dreimal verloren.
Cadan spürte die Mauer in seinem Rücken, die ihn daran hinderte, weiter Rückwärts zu gehen. Wieder musste er Hieben ausweichen, Funken sprühten als das Schwert des Ritters auf den Stein traf und darüber schabte.
Langsam dämmerte es Cadan, dass er dem Ritter in die Falle gegangen war. Das sich Cadan gedacht hatte, den Ritter in die Enge zu treiben, hatte selbiger offensichtlich umgesetzt – ohne dass es der Trolljäger gemerkt hatte. Nun ging es nur noch vor, nach links oder nach rechts. In eine Richtung würde sich Cadan zu Boden werfen müssen.
Rechts.
Im fast selben Augenblick krachte die Klinge erneut in die Mauer, dort wo Cadan eben noch seinen Kopf hatte. Er spürte noch den Luftzug, hatte aber nicht die Zeit, sich wiederaufzurichten. Ein neuer Hieb gefolgt von dem nächsten. Cadan stolperte, rollte und robbte durch den Dreck, immer nur wenige Millimeter der Klinge voraus, die er dabei noch versuchte, mit seinem eigenen Schwert ab zu lenken. Nur zu gut wusste Cadan, dass er so leichte Beute war. Früher oder später wäre der alte mit dem Schwert schneller, als er selbst. Er musste wieder auf die Beine. Doch soweit kam es nicht. Urplötzlich stürmte der Ritter nach vorne, hatte offenbar genug einfach nur hinter Cadan hinterher zu dreschen und sprang auf den Hünen mit dem Schwert voran los. Immerhin war der Trolljäger ja auch kaum zu verfehlen. Bei dem Versuch, ihn abzuwehren, zersprang Cadans Schwert und gab den Weg für den kalten Stahl des Ritters frei um sich durch Seinen Leib zu bohren.

Und plötzlich war es ruhig.

Cadan spürte, wo sich das Schwert durch sein Fleisch geschnitten hatte, doch der große, ihm bekannte Schmerz, der entstand wenn sich irgendetwas tief in seine Haut bohrte, blieb aus. Etwas verwundert blickte der Trolljäger ans ich herab und erkannte, zu seiner Verblüffung, dass das Schwert des alten Ritters, ihn „nur“ gestreift hatte. Es steckte in der Mauer fest, hatte ihm lediglich einen tiefen Schnitt an der linken Seite und Arm zugefügt, nichts was ihn so schnell umbringen würde. In seinem Schoß lagen die zersplitterten Teile seines Schwertes, auf die er ungläubig sah. Scheingar hatte ihm das das Leben gerettet, sonst wäre der Stoß genau durch seinen Brustkorb gegangen. Nun sah er nach vorne, zu dem alten Ritter der ihn mit großen Augen ansah und irgendwas vor sich hin röchelte. Immer noch das Heft seines Schwertes fest im Griff seiner ausgestreckten rechten Hand, steckte die abgebrochene Klinge im Hals des alten Mannes und nahm ihm jede Möglichkeit, etwas zu sagen.
Der Ritter, ließ sein Schwert los, sackte vor Cadan zusammen und schloss die Augen.

Cadan hatte gewonnen. Verdient hatte er den Sieg nicht, das wusste er nur zu gut. Es war Glück, nichts weiter als Glück gewesen. Aber gewonnen war gewonnen. Cadan stand auf, blickte auf den alten Mann herab doch bevor er irgendetwas sagen oder tun konnte, wurde es schwarz um ihn herum und nahm ihm jede Sicht.
Urplötzlich war er wieder im Wasser, fuchtelte wie wild mit den Armen und schaffte es irgendwie an die Oberfläche, wo er nach Luft schnappte und es Ceriel gleichtat. Auch er spuckte Wasser und schaffte es ans Ufer zu paddeln, wo er im seichten Wasser auf dem Rücken liegen blieb. Er hörte die Elfenkriegerin zwar, aber konnte oder wollte gerade nicht reagieren.

Es dauerte einen Moment und er fing an zu lachen. Immer lauter, bis die ganze Höhle von seinem Lachen erfüllt war. Er hatte einen Sieg errungen, einen unverdienten Sieg. Gerade er, wo er doch so viel Wert darauflegte, einen Kampf stets anständig zu Ende zu bringen. Welch Ironie…

coel
11.11.2017, 02:25
https://abload.de/img/rijok5aldu.pngDie gestelzte Redeweise der Elfe ging Rijok zunehmend auf die Nerven. Es erinnerte ihn an einige der Weichhaut-adligen die sich in inhaltslosen Wortgefeflechte kleideten um wichtiger zu erscheinen als sie eigentlich waren. Finster starrte er in den dunklen Gang vor ihm. Er glaubte der Elfe kein Wort aber er würde garantiert nicht vorneweg in die Dunkelheit marschieren um ihr das Gegenteil zu beweisen. Als Alari zu singen begann verdrehte er nur die Augen. Elfen. Das einzige Volk das vermutlich selbst den Gang zur Latrine für eine ausgezeichnete Möglichkeit hielt eine Ballade anzustimmen.

Rijok blinzelte verwirrt. Verdammte Elfenmagie. Er machte sich nicht die Mühe über die Bilder nachzudenken die während dem Gesang vor seinem inneren Auge vorbeigezogen waren. Er war nur froh dass es vorbei war. Er warf einen Blick in den Gang in dem vor geraumer Zeit der Menschling verschwunden war. Es schien ihm verlockender ebenfalls nach dem rechten zu sehen, als stattdessen weiter der Elfe zuhören zu müssen. Er packte sein Schwert fester und schritt einige Schritte in den Gang. Nalim warf ihm einen fragenden Blick zu. Rijok zuckte nur mit den Schultern. "Ich komme zurück wenn ich über ihre Leichen stolper." erklärte er ernst und verschwand im Gang.

Das feuchte Zwielicht der Höhle schlug ihm zunehmend aufs Gemüt. Als Kind der Wüste war im die hohe Luftfeuchtigkeit absolut unangenehm und er sehnte sich nach der unbarmherzigen Sonne der Wüste. Nach kurzer Zeit erreichte er einen weitläufigen Raum mit einem See in der Mitte. Ob das Wasser hier trinkbar war? Er hatte die unterirdischen Wasserresservoirs der Wüste selbst gesehen aber an diesem Ort schien nichts der normalen Ordnung der Dinge zu entsprechen. Aus den Augenwinkeln nahm er eine Bewegung an der Wasseroberfläche war. Ob es hier Fische gab? Gegen etwas Fisch hätte er wirklich nichts einzuwenden. Er vergaß für den Moment, dass er eigentlich nach den anderen Ausschau halten wollte und begab sich zum Ufer. Tatsächlich meinte er, trotz der schlechten Lichtverhätlnisse, einen Schatten unter der Wasseroberfläche ausmachen zu können. Er watete einige Meter in den See hinein und hielt die Hände dicht über die Wasseroberfläche um jeden Moment zupacken zu können. Tatsächlich schoss der Schatten auf ihn zu. Etwas lang für einen Fisch. Vielleicht ein Aal? Seine Hände tauchten ins Wasser und griffen in etwas schleimiges. Er hätte es wissen müssen. Der See hatte normal gewirkt. Zu normal für diesen von allen Göttern verlassenen Tempel mitten im Nirgendwo. Trotz seiner stattlichen Statur wurde Rijok mit spielerischer Leichtigkeit vom Greifarm des Krakens emporgehoben. Die mit Obsidiansplittern besetzte Keule glitt wirkungslos an der glitschigen Tentakel ab, bevor er hart auf der Wasseroberfläche aufschlug. Das Heft der Waffe glitt ihm aus der Hand und sämtlicher Sauerstoff wurde ihm aus den Lungen gepresst. Panisch schnappte Rijok nach Luft und schluckte Wasser. Der Würgereiz war überwältigend, der Druck auf seinen Ohren lies ihn beinahe die Besinnung verlieren während er tiefer und tiefer in die Schwärze gezogen wurde.

Verzweifelt versuchte er einen Gedanken zu fassen, doch der dröhnende Schmerz machte jeden Versuch zunichte. Fassungslos und völlig hilflos musste er mitansehen wie sich das Licht der Wasseroberfläche weiter und weiter von ihm entfernte. Plötzlich verblasste der Schmerz und machte einer absoluten Leere platz.

Aus Panik wurde Verwirrung. Rijok versuchte einen Arm zu heben, doch er konnte seinen Körper nicht fühlen. Er fragte sich ob er nun im Jenseits war. Wenn dem so war hatten sich die Götter offenbar nicht besonders viel Mühe gegeben. Doch der Zustand des Nichts hielt nicht lange an. Die undursichtige Finsternis schien sich ein letztes Mal zusammenzuziehen bevor sie einer neuen Szenerie wich. Er saß in einem mit Kissen gepolsterten Stuhl der offensichtlich für einen Menschen gedacht war und unterm dem Gewicht des Drah'zil gefährlich knackte. Perplex musterte er den Raum in dem er sich befand. Vor ihm stand ein Tisch mit einem leeren Stuhl auf der gegenüberliegenden Seite. Anderes Mobiliar gab es nicht. Ein prasselndes Kaminfeuer warf lange Schatten auf die gegenüberliegende Wand, die aus einer einzigen riesigen Leinwand zu bestehen schien. Das dort aufgetragene Schlachtgemälde war von einer Qualität die eher in einen Thronsaal gepasst hätte. Drah'Zil kämpften mit Kreaturen die Rijok völlig unbekannt waren. Der Kampf war von einer Farben und Detailpracht die Rijok für unmöglich gehalten hätte. Doch noch verblüffender war, was sich am Himmel über dem Schlachtfeld abspielte. Dort thronte tatsächlich Asha in ihrem himmelblauen Schuppenkleid und spie Feuer auf die Feinde der Drah'Zil. Wer auch immer der Künstler gewesen war musste Asha persönlich begegnet sein. Das Gemälde war bis auf die letzte Schuppe akkurat. Selbst auf Leinwand gebannt schien sie eine grausame Autorität auszustrahlen. Rijok war so von dem Gemälde gebannt, dass er zunächst gar nicht bemerkte wie sich auf der anderen Seite des Raums eine kleine Holztür öffnete. "Gefällt es euch? Der große Ceratol selbst hat es gemalt." Rijok fuhr aus dem Stuhl und griff an seine Hüfte an der sich jedoch keine Waffe befand. "Ihr braucht euch nicht vor mir zu fürchten, Sohn Ashas." erklärte die Stimme belustigt. Rijok tastete dennoch nach einem der Messer an seinem Gürtel ehe er sich der Sprecherin zuwandte.

Vor ihm stand eine Schuppenlose, doch sie war nicht nur schuppenlos, sie war zudem jung. Definitiv ein Schlüpfling der kaum mehr als ein Jahrzehnt an Lebensjahren gesehen haben konnte. Sie trug eine einfache Stoffrobe aus Leinen und hielt ein Tablett mit zwei Tassen in den Händen aus denen es verführerisch dampfte. Ihr langes, blondes Haar war zu einem Zopf geflochten der ihr über die Schulter fiel. "Wer seit ihr und wo sind wir hier?" Das Mädchen ignorierte seine Frage zunächst um das Tablett auf dem Tisch abzustellen und auf dem gegenüberliegenden Stuhl platzzunehmen. "Mein Name ist Sara und ihr befindet euch hier in einer Zwischenwelt im Innern jener Schattenkreatur die euch getötet hat. Auch ich wurde von diesem Wesen getötet, doch das ist schon viele Jahre her. Bevor ich euch jedoch die Regeln dieses zynischen Spiels erkläre wüsste ich gerne wen ich vor mir habe. Seit ruhig ausführlich. Wenn es in dieser Welt etwas im Überfluss gibt ist es Zeit." Welches Spiel? Rijok war verwirrt, entschied jedoch seine Fragen zurückzustellen und der Aufforderung des Schlüpflings nachzukommen. "Mein Name ist Rijok Silberklinge. Ich bin ein reisender Händler." Das Mädchen blickte ihn weiter auffordernd an. Als sein Schweigen andauerte schnaubte sie empört. "Und ich dachte der letzte Drah'zil der hier auftauchte wäre ein schweigsamer Kerl gewesen. Dann stelle ich euch eben Fragen: Ich habe noch nie von einem weißschuppigen Drah'Zil gehört. Was hat es damit auf sich?" Empört sprang Rijok auf und knurrte das Schlüpflingsmädchen wütend an. "Wollt ihr mich verspotten, Weichhaut?" Seine Wut verflog als er sah wie sein Gegenüber anfing zu zittern. Mit schreckgeweiteten Augen starrte sie ihn an, die Hände schützend üben den Kopf haltend, als erwarte sie jeden Moment, dass er sie niederschlug. Die ganze Situation war Rijok äußerst unangenehm. Räuspernd nahm er wieder auf seinem Stuhl platz. "Diese Frage ist äußerst.... unhöflich." Er nahm einen winzigen Schluck aus der Teetasse, die er nur unter Aufbringung all seiner feinmotorischen Fähigkeiten in den Klauen halten konnte und seufzte. "Habt ihr noch nie von Bleichhaut-seuche gehört?"

Stunden vergingen und Rijok genoss das Gespräch mit dem Schlüpfling zunehmend. Sie erzählte ihm von ihren Eltern, die Teil einer Gruppe von Schatzjägern gewesen war und wie sie bei der Erkundung des Tempels auf jenen Kraken gestoßen war, der auch ihn erwischt hatte. Ob auch ihre Eltern in einer Parallelwelt festsaßen wusste sie nicht, aber sie hatte die Hoffnung darauf sie jemals wiederzusehen vollständig aufgegeben. Er wiederum erzählte von seiner Zeit als Händler ehe die Seuche alles verändert hatte. Sara erzählte auch von den verschiedenen Gestalten die sie über die Jahre in ihrer Parallelwelt besucht hatten, ohne jedoch zu erwähnen wieso diese nun fort waren sie jedoch immer noch hier. Sie war gerade bei einem Bericht über den betagten Elfenkünstler Ceratol, der das Wandgemälde angefertigt hatte, als ein Beben den Raum erschütterte. Alarmiert blickte sich Rijok nach der Tür um doch Sara seufzte nur schicksalsergeben. "Es scheint als neige sich die uns gewährte Zeit ihrem Ende." Sie deutete auf einen Waffenstand neben dem Kamin an dem mehrere Schwertklingen funkelten. "Nehmt eins davon." Als Rijok sie, statt ihrer Aufforderung nachzukommen, nur perplex anstarrte zuckte sie nur traurig mit den Schultern. "Den Regeln dieser Welt nach müssen wir uns in einem fairen Zweikampf messen. Der Sieger verlässt diesen Ort, der Verlierer bleibt bis der nächste törichte Wanderer über den Kraken stolpert. Da ich mir keinerlei falsche Hoffnungen mache im Zweikampf gegen euch zu bestehen bitte ich euch schlicht es kurz und schmerzlos zu machen."

Rijok hatte Schwierigkeiten diese Neuigkeiten zu verarbeiten. Er musste den Schlüpfling töten um wieder zurückzukehren? Er wusste dass er nicht hierbleiben konnte, doch der Handel erschien ihm nicht fair zu sein. Zögernd wanderte sein Blick zu den Schwertern an der Wand und zurück zu dem jungen Ding auf der anderen Seite des Tischs. "Ich brauche euer Mitleid nicht!" zischte sie verbittert. Langsam erhob sich Rijok, schritt auf den Wandhalter zu und griff sich ein Schwert. Er hatte einen ausgeprägten Überlebenswillen und wusste was er tun musste, auch wenn es ihm unangenehm war. "Dies ist kein fairer Zweikampf." murmelte er gedehnt. Doch die Äußerung brachte ihm nur ein müdes Lächeln ein. "Ich habe die Regeln nicht gemacht. Es ist der einzige Weg zurück. Oder gefällt es euch hier so gut, dass ihr lieber bleiben wollt?" Die Frage klang spöttisch, doch für einen winzigen Augenblick konnte Rijok das Aufkeimen irrationaler Hoffnung in ihren Augen sehen. Er wünschte sich er hätte stattdessen das Wandgemälde betrachtet. Er schwieg und die stumpfe Resignation kehrte zurück in die tiefblauen Augen des Schlüpflings.

Sara erhob sich und nahm ruhig einen letzten Schluck Tee bevor sie in die Knie ging und ihren Hals vor ihm entblößte. "Wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt erinnert euch an mich," ihre Stimme war nun kaum noch mehr als ein zerbrechliches Wispern. "so wie ich mich an euch erinnern werde, Rijok Silberklinge. Bis ans Ende der Zeit." Die Klinge beschrieb einen Halbmond. Rijok schloss die Augen, doch er konnte regelrecht fühlen wie die Klinge durch die dünnen Halswirbel schnitt. Der Aufprall hallte über seine zittrigen Arme, einem Gongschlag gleich, durch seinen gesammten Körper. Obwohl seine Krallen in Handschuhen steckten konnte er regelrecht spüren wie das Blut an ihnen klebte. Er fühlte sich schmutzig. Eine Art von Schmutz die er nie würde fortwaschen können und die auch durch die offensichtliche Notwendigkeit seines Tuns nicht weniger abstoßend wurde. Er wagte es nicht die Augen zu öffnen. Auch nicht als es um ihn herum zu rauschen begann und absolute Schwärze über ihn hereinbrach.

coel
11.11.2017, 05:06
https://abload.de/img/ainecyauv.pngAine wandte sich um, als sie die kommenden Schritte hörte. Die Drah’Zil und Vidar nahmen eine Kampfhaltung ein, um einer möglichen Bedrohung entgegen zu wirken. Die Anspannung war beinahe greifbar. Die gespaltenen Zungen der Drah’Zil bewegten sich aufgeregt aus dem Schlitz in ihrem Maul, während die Gesichter von Vidar und Alari wie versteinert waren.
Als man erkannte, dass der andere Teil ihrer Gruppe zurückgekehrt war, entspannte sich die Situation ein wenig, doch die mysteriöse, dunkle Wirkung des Tempels lag immer noch wie Blei auf ihnen. Dieser Ort beanspruchte nicht nur ihren Körper durch seine Hindernisse, sondern auch den Geist auf eine Art und Weise, die Aine noch nicht erfassen konnte. Noch nie zuvor hatte sie etwas Derartiges empfunden, was sie an ihrer Auffassung der Realität zweifeln ließ. Seit die Stimme zu ihr gesprochen hatte, suchte sie nach Antworten, doch keines ihrer Bücher, die sie studiert hatte, konnte das Geheimnis lüften. Sie ahnte eine Bedrohung und fürchtete sie. Ihre Hände begannen zu zittern alleine durch den Gedanken, dass sich ihre größte Angst bewahrheiten würde.
Immerhin wurde sie abgelenkt, als Celriel ihr Erlebnis mit dem Kraken erzählte und möglicherweise einen Weg durch die Schatten gefunden hatte. Cadan, Nezlez, Rijok und Celriel strahlten einen eigenartigen Schimmer aus. Er war sehr diskret und Aine fiel es erst beim genaueren Betrachten ihrer Begleiter auf. Auch wirkte ihr Äußeres frischer und entspannter im Vergleich zu den Anderen.
„Sollen wir es wagen?“, fragte Celriel ohne jemanden dadurch direkt anzusprechen.
„Wir müssen“, entgegnete Vidar ihr entschlossen, „Wer will es versuchen?“
Cadan, der seltsamerweise äußerst niedergeschlagen wirkte, stampfte wortlos auf den Gang zu, aus welchem das stetige Flüstern lockte. Er zögerte einen Augenblick, dann trat er in das Dunkeln. Wie ein Schiff das Meerwasser teilte, so wichen die bedrohlichen Schatten Cadan aus, als fürchteten sie seine Berührung.
„Es scheint tatsächlich zu funktionieren“, erkannte Vidar mit Erstaunen und Zufriedenheit in seiner Stimme. Sogleich wurde Nezlez dazu ermutigt und auch sie schritt unbehelligt durch den Gang.
„Ihr wirkt wie Fackeln in der Nacht. Ein Schein, welcher der Dunkelheit trotzt und sie verdrängt“, Alari lächelte schwach und doch hoffnungsvoll, „Wenn wir an eurer Seite schreiten, werden wir wahrscheinlich vor dem gierigen Griff der Schatten bewahrt.“
Obwohl Aine das Gegenteil befürchtete, behielt die Elfe mit ihrer Vermutung recht, als sie zusammen mit Celriel die Schatten durchquerte. Nach und nach konnten sie alle unbeschadet auf die andere Seite gelangen.
Aine betrachtete ein letztes Mal die Schatten hinter sich. Was für andere Schrecken hatte Zarlandris erschaffen? Einerseits beeindruckte sie die Macht des Hohen Drachen, andererseits beängstigte sie das skrupellose Erschaffen von Kreaturen, die eine tödliche Gefahr darstellten. Sollten die Drachen die Völker nicht schützen? Alari musste - wenn sie lebend aus diesem gottverlassenen Ort herauskommen würden – ihr einige Fragen dazu beantworten, wenn sie überhaupt etwas wusste.
Ein steinernes Tor versperrte ihnen den Weg, doch mit Hilfe des Drah’Zil Kriegers und Cadan konnte sie massiven Flügel beiseiteschieben und eine Kammer offenbaren. Inmitten dieser stand ein Schrein, auf welchem ein kunstvoll verzierter Kelch ruhte.
Erleichterung und Zufriedenheit erfüllte die Gruppe und freundschaftliche Gesten wie Schulterklopfen wurde von Einigen ausgetauscht. Doch die Freude ergriff nicht die Magierin. Ein letztes Hindernis hatte man ihnen in den Weg gelegt und wäre Aine nicht misstrauisch gewesen, hätte sie es vermutlich nicht einmal bemerkt. Ein Wort, das sie hoffte, niemals auszusprechen, verließ ihre Lippen und beendete die Freude der Gruppe wie ein Hammerschlag.
„Blutmagie.“
Es war der erste Schritt in die verbotenen magischen Künste und nur das bloße Studium wurde schwer bestraft. Allerdings gab es keine bekannten Aufzeichnungen darüber und viele Magier verneinten sogar die Möglichkeit derartige Magie zu wirken. Ihre Lehrmeisterin hatte sie jedoch darin geschult, die schwache Aura zu spüren. Blutmagie diente als reine defensive Macht. Die Kunst Fallen zu erschaffen, welche Ahnungslose entweder grausam verstümmeln oder schlichtweg umbringen konnte. Blut konnte man nur mit Blut lösen und die Negierung des Kreises, welcher das Artefakt schützend umgab, erforderte einen hohen Preis. Einen, den einer von ihnen bezahlen musste.
„Wir brauchen ein Herz. Ein frisches, noch schlagendes Herz. Ansonsten wird keiner von uns den Blutschild durchdringen können.“
Keiner von ihren Begleitern sagte auch nur ein Wort. Stattdessen warf man sich verunsicherte Blicke zu.
Ihr Mund fühlte sich trocken an. Doch sie war bereit sich zu verteidigen, wenn nötig.
„Wer ist bereit sich zu opfern?“

*INSERT SOON DEAD COMRADE HERE*

Fruwluamressaw
23.11.2017, 14:45
http://file1.npage.de/001258/64/bilder/nezlezavatar.png

Abermals war Nezlez dem Tod knapp entkommen. Und sie sollte die Letzte sein, die sich für die Gruppe freiwillig opfern würde. Sie war gierig. Allein schon die Tatsache, dass der eigene Besitz des Artefaktes momentan beinahe Unmöglich war, ärgerte sie. Klar, sie hätte genau so gut schon tot sein können, aber jetzt da ihr Leben vorerst wieder sichergestellt war, wollte sie mehr - mehr und nicht weniger. Instinktiv spannte sich ihr Körper an, denn dass sich jemand wirklich freiwillig opfern würde, konnte sich Nezlez kaum vorstellen. Es würde eine Verschwörung geben und eine Gruppe würde sich für ein Opfer entscheiden...so würden es Goblin schließlich auch tun. Dass sie hier eine der kleinsten und wenig beliebten Personen war, beruhigte sie nicht gerade.

Unsicher Blicke wanderten hin und her und noch traute sich keiner, einen Einwand zu bringen. Denn der erste der Sprach, würde schließlich auch auf sich aufmerksam machen. Und wer wollte das gerade? Allerdings gab es auch immer noch die Möglichkeit, dass jemand sie vorschlagen würde und andere zustimmen würden. Nezlez wollte diesen Erstschlag verhindern, ohne sich selbst zur Zielscheibe zu machen. Sie musste also listig sein. Eins...zwei...drei.....zehn. Zehn Personen waren insgesamt vor Ort. Angenommen, das Glück würde entscheiden, so läge die Chance zu sterben bei nur 10 %. Ein annehmbares Risiko, befand Nezlez.

"Seien wir ehrlich zu uns, Freunde." "Freunde..." "Vor solch einer Entscheidung, über das Beenden seines eigenen Lebens oder das seiner Mitstreiter zu bestimmen, sollte keine Kreatur der Welt gestellt werden. Wenn es keinen anderen Weg gibt, wäre mein Vorschlag daher, den Zufall entscheiden zu lassen. "

Pfui Teufel...jetzt klang ich bestimmt schon fast wie die Elfe. Hoffentlich lässt mich das wenigstens gut dastehen und macht mich nicht zur Zielscheibe...
Nezlez bereitete sich darauf vor, jeden Moment die Beine in die Hand zu nehmen und zu verschwinden.

Ironhide
21.12.2017, 17:48
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Die letzten Ereignisse stimmten ihn nachdenklich, er hatte den Kampf verloren und war dennoch der Sieger. Eigentlich störte Cadan sich nicht an so etwas, warum es diesmal so war, wusste er selbst nicht. Doch darum würde er sich ein anderes Mal kümmern, wenn mehr Zeit dafür war. Schlussendlich kam die Gruppe weiter und las dann die Rede von einem Opfer war und freiwillig, klingelten bei ihm alle Alarmglocken. Instinktiv festigte sich sein griff um das Heft der Streitaxt, die er aus dem Wasser gefischt hatte und als die identifiziert hatte, die er zuvor bei dem Kampf mit den ersten Skeletten erhalten hatte.

„PAH!“, rief Cadan aus, auf die Äußerung von Nezlez. „Nehmen deine Ohren nun schon die Form der Elfen an? Wie stellst du dir deine Idee vor? Wer den Kürzeren zieht verliert?“
Er selbst war sich ziemlich sicher, dass er seinen tod auf jeden Fall zu verhindern würde wissen, selbst dann, wenn er auf irgendeine Art den Kürzeren ziehen würde. Er ist zudem sicher nicht der einzige, der so denkt, das war mal sicher, befand Cadan.
„Warum werfen wir dich nicht einfach auf den Opfertisch, Grünhaut?“