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  1. #1
    Phöses Mädel Avatar von Janoko
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    Standard Aus den Tuldamiden Landen


  2. #2
    Phöses Mädel Avatar von Janoko
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    Inhaltsverzeichnis
    • Vorwort
    • Eine Schicksalhafte Begegnung?
    • Eine heiße Nacht
    • von Sagen, Legenden und strafenden Zaubern
    • Die Stadt der Künste und Wissenschaften
    • Von akademischer Konkurrenz
    • Illusion, Realität und eine Flamme Hoffnung
    • Die Weiten des Meeres
    • Die Hauptstadt Albernias
    • Der Wendepunkt

  3. #3
    Phöses Mädel Avatar von Janoko
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    Vorwort

    "Sanyasala, feyiama - ich heiße dich willkommen. In meinem bisherigen Leben hatte ich das Glück, viele verschiedene Personen treffen zu dürfen. Von den kurzlebigen tala über andere fey bis hin zu mürrischen boroborinoi. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, all diese Geschichten zu sammeln, zu bewahren und sie denjenigen zu erzählen, für dessen Ohren sie bestimmt ist.

    Für dich habe ich eine lange Geschichte parat, eine Geschichte von zwei Seelen, sich gleich und doch verschieden. Eine Geschichte, die mit einer Reise beginnt und mit einer Reise ihren Höhepunkt findet - was jedoch eine Erzählung für einen anderen Zeitpunkt ist. Lass mich dir also erzählen, warum es zwei Tulamiden aus den Sultanaten bis hoch in den Norden verschlägt - lass mich Dir von Cylithia Heifast und Safir al-yeshinnah erzählen..."

    - Yaslir Weißwissen

  4. #4
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    Kapitel I: Eine Schicksalhafte Begegnung?

    Safir ließ noch ein letztes Mal den Blick über das Ufer schweifen, als sich das Schiff langsam vom Steg löste und in die Mitte des mächtigen Mhandi glitt. In der nahezu dreihundert Mann starken Ortschaft Samra herrschte immer noch geschäftiges Treiben, legten doch nahezu alle Flussschiffer hier an und tauschten Waren sowie Neuigkeiten aus. Somit war das gute Geschäft der Herberge und Taverne - von jeder gab es nur eine Einzige in der Stadt - garantiert, doch der Wundheiler hatte sich nicht lange damit aufgehalten. Er hatte ein paar Silberlinge zusätzlich gezahlt, um noch beim nächsten auslaufenden Schiff mit an Bord zu gelangen. Und hier stand er nun - sein ganzes Hab und Gut in einem schweren Lederrucksack, den Mantel um den Leib geschlungen, und den Blick in die Ferne gerichtet. Es war ein seltsames Gefühl... mit dem Verlassen Fasars hätte eigentlich alles besser werden sollen. Aber so einfach ließen sich die Erinnerungen nicht abschütteln, nur zeitweilig verdrängen. Er seufzte schwer und müde, und machte sich daran, sich einen gemütlichen Platz an Bord zu suchen.

    Auch eine andere Gestalt saß mit an Bord, jedoch war sie nicht in der Lage den Wundheiler oder gar einen der Matrosen wahr zu nehmen. Die braunhaarige Frau saß auf den Planken, einen Stab neben sich an die Reling gelehnt habend und schien die Augen auf einen unbestimmten Punkt auf Deck gerichtet zu haben. Es war schon ein merkwürdiger Wink der Götter, das sie nun alleine reiste, allem beraubt, was sie einst als erstrebenswert und ehrenvoll gehalten hatte. Man konnte ihr ansehen, dass sie sich nicht wohl fühlte. Nur warum schien kein Grund des Erklärbaren zu sein. Die Kleidung, die sie trug, war etwas zu groß, aber das war kein Grund sich unbehaglich zu fühlen. Mit genügend Kupfer bekam man einen Schneider dazu sie sicherlich anzupassen. Cylithia starrte inzwischen auf ihre Handinnenfläche, die sie immer wieder schloss und öffnete. Es war mehr Zufall dass sie aufsah, als ein Tulamide das Boot bestieg, er schien eine große Reise anzutreten. Ein abwesendes Lächeln kam dabei zu Stande. Das ihr Gesicht dabei halb von ihren Haaren verdeckt war fiel ihr gar nicht auf.

    Safir beschloss, dass Trübsal blasen nicht zu den Tätigkeiten gehören sollte, die an einem solchen Tag erstrebenswert waren. Vielmehr schien die Sonne, ein angenehmer Wind strich über das Deck und auch die Landschaft, die an ihnen vorbeizuziehen begann war nicht zu verachten. Einer spontanen Eingebung folgend, ließ er sich in der Nähe einer brünetten Dame nieder, die wohl tief in ihren Gedanken versunken zu sein schien. Er nickte ihr nur kurz zu, stellte sein Gepäck neben sich ab und lehnte sich einfach gegen die Reling. Zu seinem Glück befanden sich keinerlei Taue oder etwas Vergleichbares in seiner Nähe, dass die Aufmerksamkeit der Matrosen beanspruchte, die den Segler auf Kurs hielten. Er schloss die Augen, um die Sonne zu genießen, die ihm ins Gesicht schien, während er seine Beine streckte, um sich eine möglichst gemütliche Lage zu ermöglichen. Mit der Zeit nickte er ein - erwachte jedoch bald darauf wieder, denn etwas hartes schlug ihm ins Gesicht. Er fuhr auf, während der Stab, der ihm gegen den Schädel gefallen war, von ihm herunter glitt. Er blickte sich verwirrt um, als er schließlich die Frau neben sich sah, die den Stab vorher noch an sich gelehnt hatte. "Entschuldigung." meinte er und lächelte schief, als er den Stab hochhielt "... ich glaube, das hier gehört ihnen."

    Verwirrt blickte ihn die Frau an, ehe sie realisierte, was er ihr entgegenhielt. Sie griff nach dem Stab und schien alleine dadurch ihn zurück zu drängen - etwas ließ Safir den Stab los lassen, ohne das Cylithia etwas sagte. Dennoch schlich sich ein minimales Lächeln erneut auf ihre Züge. "Da...", fing sie auf Garethi, der allgemeinen Sprache an, besann sich jedoch eines Besseren. Der Mann neben ihr war sicherlich seiner Heimatsprache mächtig. "Danke.", fügte sie also auf Tulamidisch hin zu und rappelte sich umständlich auf. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihr als sie kurz zum Himmel blickte und dann auf den mächtigen Strom den sie grade bereisten. Sie hatte von größeren gehört, aber was machte das schon, jetzt, da alles keinen Sinn mehr ergab? Sie wusste nicht so recht wohin sie gehen sollte, aber am besten weit weg von dem, was sie hier lassen würde. "Auch auf Reisen?", fragte sie dann ins Geratewohl, nicht zu Safir sehend, sondern das Ufer des Flusses betrachtend.

    Safir hielt den Drang, die Stirn zu runzeln, zurück. Das Verhalten der Frau kam ihm abweisend vor - eine Haltung, die er nicht zumindest von Frauen nicht oft gewöhnt war. Aber andererseits war das auch ein recht selbstverliebter Gedanke, stellte er mit einem Schmunzeln fest. Es folgte ein kurzer Moment der Stille, als er sich schon wieder abwandte und die Augen schloss. Es überraschte ihn deshalb etwas, als sein Gegenüber sich doch noch einmal an ihn wandte. Er blinzelte und sah sie von der Seite an. Als eine Böe über das Deck fegte, wehten ihr die Haare kurz aus dem Gesicht - und er musste feststellen, dass sie eine wahre Augenweide war. Dennoch hielt er an seinen Manieren fest, als er den Blick gen Himmel richtete und antwortete: "Ja, so kann man es ausdrücken. Allerdings eine Reise ohne Ziel - also mehr eine Sinnsuche, könnte man sagen." Er lachte leise über seine Antwort. "Wie steht es mir dir - Euch? Wisst Ihr, wo es Euch hin zieht?" korrigierte er sich, als er sich ihre Gewandung aus den Augenwinkeln näher besah und feststellen musste, dass sie eine Maga war. Den Blick richtete er anschließend wieder halb geschlossen gen Himmel.

    "Fort....", erwiderte sie leise, die nächsten Worte waren nicht verständlich. „Nein, ich weiß nicht wohin mich meine Reise führt.", sagte sie dann und blickte ihn traurig an. "Jedoch würde ich es auch nicht die Suche nach dem Sinn nennen." setzte sie nach. Sie gestikulierte zu ihrem eigenen Gepäck, das weit aus Schmaler und angemessener für eine Frau schien, jedoch auch etliche Stein wiegen musste. Cylithia wusste wirklich nicht, wohin sie ihre Reise führen würde. Nachdem sie Ulrik so schnell sterben sah war ihr alles Recht. Das sie listigerweise wieder in Richtung Rashdul gegangen war, war eher Zufall als wirklich Wille gewesen, doch jetzt wo sie darüber nachdachte, war die Akademie kein guter Zufluchtsort, nicht für sie.

    Safir sah nun doch zu ihr hinüber und betrachtete sie forschend. Ihre Miene war von Trauer gekennzeichnet, ihr Tonfall unsicher. Es war eine Schande, dieses schöne Antlitz derart niedergeschlagen zu sehen. "Also eine Reise ins Ungewisse." meinte er. 'Eine Flucht also, genau wie bei mir.' fügte er wortlos an. "Das heißt wohl, dass es eine längere Reise wird. Ich weiß nicht, warum Sie diese unternehmen - und es geht mich auch nichts an. Aber wenn sie meinen Rat hören wollen... legen sie sich hin." - "Bitte?" rutschte es ihr heraus. Er konnte ihren Blick jedoch nicht mehr sehen, da er seine Augen schon wieder geschlossen hatte. "Dass sie Sorgen haben, steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Es hilft allerdings nicht, wenn sie sich diese pausenlos vor Augen führen. Legen sie sich hin, Genießen sie die Sonne - und wenn sie ein wenig mehr Ruhe gefunden haben, können sie ein etwaiges Ziel womöglich klarer sehen. Nun, zumindest geht es mir so."

    "Sorgen...", Cylithia wandte sich ihm zu und sah schließlich an sich hinab, bevor sie wieder Safir erfasste. Irgendetwas schien sie an ihm zu faszinieren, denn die Maga, als Solche er sie erkannt hatte, blinzelte kaum, während sie den Mann neben sich beäugte. Er war keineswegs unansehnlich, doch dies hatte - zu ihrem Glück und Safirs Pech - keine Wirkung auf sie. Es war eher eine Art 'Notiert und abgeheftet' Sache die sie nach etlichen Momenten auch entsprechend quittierte. "Eine Flucht wovor...?", fragte sie vage und es war nicht so sicher ob sie sich selber meinte oder den ihr noch fremden Wundheiler. Doch bevor sie selber darauf eine Antwort gab oder Safir antworten konnte, hatte sie das Thema gewechselt.

    Safir öffnete ein Auge und linste, geblendet von den Sonnenstrahlen, die ihm ins Gesicht schienen, zu der Frau hinüber. "Wie Du richtig erkannt hast, bin ich eine Magierin - doch was bist du?" fragte sie. Etwas irritiert von dem plötzlichen Themenwechel brauchte er eine Sekunde, um sich zu sammeln, während er meinte: "Nun, in der Tat- das ist mir jetzt etwas unangenehm." Er stemmte sich auf, um der Maga gegenüber zu stehen. Er verbeugte sich höflich, und auch wenn seine Haltung den einen oder anderen Makel aufwies, so war sie doch nahe an der gebührenden Höflichkeit. Es war etwas unerwartet, dass sich ein einfacher Mann mit den Höflichkeitsregeln auszukennen schien. "Mein Name ist Safir, Wundheiler aus Fasar. Ich bin erfreut, Eure Bekanntschaft zu machen. Dürfte ich auch Euren Namen erfahren?" Er lächelte freundlich, während er auf ihre Reaktion wartete. Als er sich wieder aufrichtete, nestelte er noch an seiner rechten Lederarmschiene herum, war ansonsten aber ausnahmslos auf sie fixiert.

    Sie hob die Augenbrauen, sagte aber nichts weiter zu seinen Manieren. "Ein Wundheiler also...", murmelte sie dann sichtlich vergnügt. In der Tat war es etwas was sie belustigte, war sie doch grade erst einige Tage aus dem Dunstkreis einer anderen Wundheilerin heraus. "Meinen Namen? Oh, ja, wenn wir schon bei Höflichkeiten sind... Cylithi... a", sagte sie und stockte kurz bei ihrem Namen, jedoch kaum merklich. Sie strich sich die Haare nun vollends aus dem Gesicht und schien dabei genervt von eben jenen zu sein. So hatte er einen guten Blick in ihr Gesicht, das selbst für eine gut aussehende Frau schön war.

    Safir nickte und schenkte ihr erneut ein freundliches Lächeln. "Nun, es freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen." Nach diesen Worten ließ er sich wieder zu Boden und streckte sich ausgiebig. Es war nicht das höfischste allen Betragens - bei Weitem nicht - aber im Moment war es ihm herzlich egal. Immerhin würde sich niemand etwas dabei denken, wenn ein einfacher Mann wie er nicht versiert in der Kunst der Etikette war. Und während er es sich wieder gemütlich machte, sah er nicht nur zur Sonne hinauf, sondern ließ die letzten Ereignisse, die er durchlitten hatte, vor seinem inneren Auge vorbei ziehen. Unwillkürlich fiel ihm dazu auch eine Weise ein, die ein Haimamud ihm einmal vorgetragen hatte, und an die er sich bis heute gut erinnern konnte. Mit leiser Stimme und auf Tulamidya sprach er vor sich hin: "Du fragst, was ist die Zeit? Und was ist Ewigkeit? Wo hebt sich Ew`ges an, und hebet auf die Zeit? Die Zeit, sobald du sie aufhebst, ist aufgehoben, Wo dich das Ewige zu sich erhebt nach oben. Die Zeit ist nicht, es ist allein die Ewigkeit. Die Ewigkeit allein ist ewig in der Zeit."

    Cylithia ging so schnell in die Hocke, das ihr davon leicht schwindlig geworden war, dennoch hatte Safir, so wie der Wundheiler sich nannte, ihre Neugierde geweckt. Sie blickte den Mann nun einmal eingehend an, bevor sie aus einem Impuls heraus ihre Hand auf sein Knie legte. "Was habt ihr da gerade rezitiert?" Dabei hatte sich ihre Hand um seine Hose geschlossen und man konnte das Zeichen der Akademie sehen. Es war also eine Akademieabgängerin, was hieß dass sie entweder schon weit herum gekommen war und man es ihr einfach nicht ansah oder dass sie grade erst aufgebrochen war.

    Safir bemerkte erst, dass die Frau, die sich ihm als Cylithia vorgestellt hatte, niedergekniet hatte, als er eine zierliche Hand auf seinem Knie spürte. Er wandte den Kopf zur Seite, um sie anzusehen. "Eine alte Weise, die mich schon einige Götterläufe begleitet. Ein Haimamud, den ich... gut kannte, sprach sie häufiger. Als Kind habe ich es stets genossen, ihn erzählen zu hören. Er hatte ein Talent dafür, mit Worten umzugehen." Safirs Blick strich kurz sehnsüchtig in die Ferne, als er jedoch der - äußerst attraktiven - Maga seine Aufmerksamkeit erneut zuwandte. "Die Weise geht übrigens noch weiter. Wollt Ihr den Rest von ihr hören?" "Natürlich...", sagte sie, ohne abzuwägen ob sie sich dadurch nicht zu viel ihrer Zeit mit altem Gerede vertrieb. Doch es war Ablenkung und es befriedigte ihre Neugierde auf eine gewisse Weise, die sie genoss. Dennoch kam sie nicht darum herum zu bemerken, dass der Haimamud der diese Geschichte einst erzählt hatte, wohl schon in Borons Reich verweilte. "Aber ich denke wir sollten uns etwas bequemeres suchen, als nur die Bordwand eines Kahns, meint ihr nicht?" Unwillkürlich hatte sie ihn gehobener angesprochen als es ihm gebührte, aber sie war selbst nur durch ihr Studium der Magie zu etwas 'besserem' geworden.

    Safir runzelte verblüfft die Stirn, bevor ein ehrliches Lächeln seine Züge zierte. "Ein einfaches 'du' reicht vollkommen - oder eben mit 'Safir'." meinte er, während er sich mit der Maga zusammen erhob. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach einem bequemeren Plätzchen - dieses war jedoch gar nicht so einfach. Sie sahen sich einmal den Mannschaftsraum an, doch dieser war schon recht überfüllt. Somit blieb auf dem kleinen Flusssegler nur ein einziger Platz, an den man sich zurückziehen konnte. Und sie hatten Glück: das kleine Deck, dass für die wichtigeren Gäste frei gehalten wurde, war unbesetzt - scheinbar waren die Gäste dieser Fahrt nicht von hohem Stand. Sie ließen sich auf den Liegestühlen nieder und stellten ihr Gepäck zur Seite. "Wo waren wir?" meinte Safir schelmisch, als er fortfuhr: "Ach ja." Er räusperte sich, wurde wieder ernst und ließ seine Gedanken treiben. "Sie ist das in der Zeit sich stets gebärende, Als wahre Gegenwart die Zeit durchwährende, wo die Vergangenheit und Zukunft ist geschwunden - In Gegenwart, da hast du Ewigkeit empfunden. Wo du Vergangenheit und Zukunft hast empfunden - Als Gegenwart, da ist die Ewigkeit gefunden."

    Cylithia hatte sich einfach hin gesetzt und entsprechend war ihr Kleid nicht ordentlich zu Boden geglitten, doch es machte ihr nichts aus. Wie so vieles sie kaum berühren zu schien. "Eine interessante Weise." sagte sie schließlich und kam sich seltsam belustigt vor, denn die Weise pries den Moment, den man nicht festhalten konnte als die Ewigkeit an - und Recht sollte sie behalten, denn jeder Moment war eine Ewigkeit lang, so lange man sich daran erinnern konnte. Seufzend blickte sie schließlich zur Seite. "So wahr sie auch sein mag, manchmal kann man sich nicht daran halten".

    Safir nickte auf ihre Äußerung und erwiderte ihren Blick. "Nein, man kann sich in der Tat nicht immer daran halten. Aber lohnt es sich nicht, danach zu streben?" Er grinste kurz wie ein kleiner Junge, dem man eine Zuckerstange geschenkt hatte. "Ich für meinen Teil halte das für besser, als frühzeitig graue Haare zu bekommen." Er lehnte sich weiter zurück und blinzelte den Himmel an. "Es mag hochgestochen daher geredet sein, aber trotz allem Übel, das man unweigerlich antrifft, muss man sich auch irgendwie eine positive Denkweise bewahren. Denn wenn man sich zu weit in all die deprimierenden Gedanken vertieft, dann wird man handlungsunfähig." Er drehte den Kopf zur Seite, um ihr in die Augen zu sehen. Eine tiefe Entschlossenheit lag in seinem Blick. "Ich für meinen Teil weigere mich, vollends ein Spielball auf den Wellen des Schicksals zu sein." Seine Miene hellte sich jedoch wieder auf, als er meinte: "Aber ich bin nur ein einfacher Mann, und ich rede und rede. Verzeiht." Cylithia kicherte leicht, als er dies sagte und begann selber ein wenig zu reden.

    Die Tage vergingen, wie das Wasser das zum Meer strebte. Ihre Reise auf dem Fluss war bald zu Ende, denn der Fährmann steuerte mit gebrüllten Kommandos auf das Ziel dieser Tour zu. Es war belustigend zu sehen wie dieser Mann, der selber nicht mal am Ruder stand, die Befehle bellte und die Handvoll Matrosen sie so schnell es ihnen möglich war umsetzte. Cylithia blickte zu Safir und zog die Bänder ihres Rucksacks straffer. "Wehe, ich hab eine falsche Entscheidung getroffen!", sagte sie amüsiert und beide verließen das Schiff, bereit gemeinsam ihren weiteren Weg zu bestreiten - wohin dieser sie auch führen möge.

  5. #5
    Phöses Mädel Avatar von Janoko
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    Kapitel II: Eine heiße Nacht

    Es war nun gut einen Mond her, seitdem sich die Adepta Minor Cylithia mit dem Wundheiler Safir auf Reisen begeben hatte. War es ihnen anfangs wie eine zufällige Begegnung vorgekommen, so hatten sie beide spätestens jetzt wenigstens einmal an einen Wink des Schicksals gedacht. Ihr Weg hatte sie bis an den äussersten Rand des Mhandis geführt, wo sie die Tulamidischen Stadtstaaten endgültig verlassen hatten und sich in die Wüste Khom begaben - das Kalifat der Novadis. Safir hatte die Idee gehabt, dass sie sich als Ehepaar ausgaben, um Ärger mit den umherziehenden Novadis zu vermeiden. Nach einer mehrtägigen Diskussion stimmte Cylithia schliesslich ein, doch ihr Unmut darüber war ihr anzusehen - und gelegentlich bekam Safir diesen auch zu spüren.

    Sie hatten nun eine Woche lang in der Wüste verbracht. Sie trugen weite Kleidung aus leichtem Stoff, die sie sich extra für diese Reise zugelegt hatten. Safir schwitzte unaufhörlich, trug er doch doch den Großteil des Gepäcks (denn ohne Zelt wollten sie wirklich nicht reisen) und litt genau wie sie unter der stechenden Sonne. Des Abends jedoch hatten sie das Glück, in einer Karawanserei anzukommen. Schnell war das Zimmer bezahlt, das Gepäck verstaut und sie hatten es sich im Schankraum gemütlich gemacht. Dadurch, dass Safir hier seiner Arbeit hatte nachgehen können, war ihre Reisekasse auch wieder gut gefüllt. Sie saßen gemeinsam an einem Tisch, vor sich die leergeputzten Teller eines guten Essens und einen leeren Becher, indem sich bis vor kurzem noch süßer Dattelwein befunden hatte. "Aaah..." entfuhr es Safir. "Rahja sei Dank, dass wir diesen Ort gefunden haben. Ein solches Mahl hatten wir schon lange nicht mehr."

    Safir hatte Recht. Cylithia hatte lange nicht mehr so gut gegessen, besonders in der Einöde, die diese Wüste darstellte. Ihre Kochkünste waren bei weitem nicht so gut wie die es Koches - noch hatte sie all die erforderlichen Utensilien in ihrem oder Safirs Rucksack entdeckt. Dafür jedoch Schwerter, die in Lederriemen eingepackt waren. Warum der Wundheiler diese mitschleppte, war der Maga zwar ein Rätsel geblieben, aber sie fragte nicht nach, immerhin konnte der Mann vielleicht damit umgehen - was ihre Existenz in seinem Reisegepäck plausibel machte. "Rahja... ich brauch mehr Wein", sagte Cylithia, griff nach ihrem Kelch und hielt kurz inne. "Safir, bring mir bitte etwas Wein!", korrigierte sie sich. Frauen waren hier nicht diejenigen die sich, wenn ihr Mann dabei war, etwas bestellen durften. Sie hatte Safir alleine schon für den Vorschlag fast etwas auf den Hals gejagt, aber musste zu geben, das sie so doch einigem Unangenehmen entflohen waren. Die Karawanserei machte da keinen großen Unterschied - sie waren im Reich der Novadi, einem Ort, an dem man als Frau nur zur Belustigung des Mannes diente.

    Safir sah von den Gästen zu Cylithia hinüber, als sie ihn um mehr Wein bat. Seine Mundwinkel zogen sich kurz nach oben, als er nickte und aufstand, um sich am Tresen Nachschub für sie beide zu bestellen. Nachdem einige Münzen den Besitzer gewechselt hatten, kehrte er mit einer Karaffe zurück, die mit Wein gefüllt war und die sicherlich noch für ein paar Gläser reichte. Er schenkte ihnen nach - natürlich zuerst der Dame, erst dann sich selbst (und weitaus weniger als ihr) - bevor er seinen Becher zum Gruß hob. "Wohl bekommts." prostete er und trank ein paar Schlucke aus seinem Becher. Nach diesem Becher würde er erst einmal keine weitere Kostprobe zu sich nehmen, denn er pflegte einen beinahe schon asketischen Lebensstil. 'Bevor ich das Geld für mich ausgebe, tue ich lieber etwas sinnvolles damit.' pflegte er zu sagen. Bei ein paar wenigen Gelegenheiten jedoch gehörte es sich jedoch einfach, sich ein klein wenig Genuss zu gönnen. Und dies war in seinen Augen ein solcher Moment. Er sah verstohlen zu derjenigen hinüber, die diesen Moment für ihn zu etwas Besonderem machte. Eine feine Röte hatte sich auf dem Gesicht seiner Reisebegleitung breit gemacht. Safir kam nicht umhin zu bemerken, dass sie das beinahe noch verlockender erscheinen liess. Er wandte den Blick jedoch wieder ab und seufzte. Es erschien ihm schändlich, die momentane Situation auszunutzen. Sie hatte sich schon wie wild aufgeführt, als er nur den Vorschlag unterbreitet hatte, ein Ehepaar zu spielen, obwohl es zu ihrer beider Besten war.

    Cylithia trank mit großen Schlücken. Auch wenn sie das Gefühl hatte, dass Safir sich zurück hielt, hieß das nicht das sie das musste - er zahlte und das ließ sie konnte ihren Durst stillen. Und der war nicht klein, nicht nach dem Tag in der Khomwüste. Das ihr der Alkohol so schneller zu Kopfe stieg, bemerkte die Maga nicht, dennoch war sie immer besserer Laune. Ihre Wangen wurden sichtlich rot, doch schien sie nicht zu merken das sie langsam zu viel intus hatte. Es schien sogar so, dass sie meinte mehr zu vertragen, als sie wirklich tat. Sie blickte Safir einen Moment lang an, bei dem sie sich so weit über den Tisch gebeugt hatte, das es ein Wunder war das sie nichts umgestoßen hatte. "Ish denje i... ich versush mein Glujk!" Ohne eine Miene zu verziehen stand sie auf und wankte von ihrem Tisch weg. Ihr Ziel war offensichtlich der Abort, doch kurz bevor sie sich dorthin begab, schwenkte sie um und stellte sich zu einigen Mädchen und Frauen.

    Safir blickte der Maga mit einem besorgten Stirnrunzeln nach. Er hatte sie nicht beim Trinken stören wollen, aber spätestens, nachdem er ihr Verhalten bemerkte, begann er doch sich Sorgen zu machen. Und während er noch darüber nachdachte, wofür man auf dem Abort Glück brauchen würde - oder ob er sich verhört hatte – sah er, wie sich ein Unglück anbahnte. Sie hatte sich zu einigen Frauen begeben und es lief ihm kalt den Rücken hinunter - denn bei den Frauen und Mädchen handelte es sich um die Gemahlinnen und Töchter des Inhabers der Karawanserei, die gerade eine ruhige Minute genossen. Er hoffte inständig, dass Cylithia nichts Falsches sagen würde; immerhin war sie schon recht angetrunken. Wachsamen Blickes beobachtete er ihre Schritte, um im Falle eines Falles rechtzeitig einschreiten zu können.

    Die Maga hatte sich neben die Frauen gestellt und sich die Dritte ausgesucht - ein Mädchen mit kurzen, dunklen haaren, die etwa die gleiche Körpergröße hatte wie die Maga und versuchte mit ihr auf sehr... absurdeWeise ins Gespräch zu kommen. Nicht, dass es die Frau nicht belustigt hätte, wie die Maga sich verhielt - sie fand es sichtlich amüsant – doch das Gebaren Cylis war eher das eines Mannes, der eine Frau umwarb, damit sie später am Abend die Nachtstatt mit ihm teilte. Cylithia schien Sachen fehl zu interpretieren und versuchte sich an Magie - in ihrem Zustand war das wahrlich etwas, was sie nicht tun sollte.

    Safir runzelte die Stirn, als die Maga eines der Mädchen als Gesprächspartnerin auserkoren hatte. Anfangs schien alles gut zu gehen, aber ein paar recht eindeutige Gesten von ihr bewegten den Wundheiler dazu, seinen Platz zu verlassen und schnell auf die Maga zuzugehen. Als er gerade ankam, murmelte sie etwas von einem "Bannblabladn" - und die Gesten, an denen sie sich versuchte, dienten definitiv etwas nicht Mundanem. "Verzeiht die Störung." mischte sich Safir eloquent von der Seite ein, als beide Frauen ihm einen Blick zuwarfen. Während das Mädchen bei seinem Lächeln hängen blieb und leicht errötete, warf ihm Cyli einen sehr missmutigen Blick zu. "Ich befürchte, meine Gattin ist sehr erschöpft von der langen Reise und benötigt etwas Ruhe... nicht wahr?" Mit diesen Worten wandte er sich an die Maga, während er sich so positionierte, um sie im Notfall mit sanfter Gewalt aus der Bredoullie zu ziehen, sollte sie sich in Schwierigkeiten bringen.

    Cylithia schaute ihn mit einer Mischung aus Zorn und Missgunst an. Er würde es doch nicht wagen ihr den Abend zu verderben? Sie versuchte sich an dem Wundheiler vorbei zu drücken, doch dieser wich nicht von der Stelle. "Du ...", knurrte sie, jetzt wirklich wütend auf den Wundheiler, weil er zwischen ihr und ihrer potentiellen Beute stand. Sie stolperte zwei Schritte rückwärts, musste sich einen Moment fangen, bevor sie schneidend scharf, aber dennoch lallend eine Zauberformel rief: "Aeolitsh...", doch bevor sie überhaupt zu Ende Gesprochen hatte, hatte Safir sie an der Hüfte gepackt, sie sich über die Schulter gelegt und einen entschuldigenden Blick zu den immer noch Belustigt dreinschauenden Frauen geworfen.

    Während Safir sich Cylithia über die Schulter legte, fragte er sich ob er lachen oder weinen sollte. Er war mit der Situation etwas überfordert, wusste nicht, was er machen sollte - nur bei Einem war er sich sicher: er würde garantiert nicht untätig bleiben, während die Maga sich potentiell in Gefahr brachte. Ihre Flüche und hilflosen Tritte ignorierend, verabschiedete er sich mit einem "Möge Rastullah euren Wein süß und eure Träume süßer gestalten." von den Frauen und ging hoch in ihr Quartier. Der Tarnung wegen hatten sie sich ein Einzelzimmer zugelegt, auch wenn das Cylithia genauso wenig gefiel wie das ganze Schauspiel an sich. Während er die Treppe hinauf stieg, war er sich sicher dass die Maga den ganzen Aufstieg lang bis in den Schankraum zu hören war. Es war eine süße Erlösung, als er schliesslich die Tür zu ihrem Quartier erreichte, öffnete und Cyli gleich aufs Bett plumpsen liess. Er verschloss die Tür und liess den Schlüssel in seinen Mantel gleiten, bevor er sich umdrehte und betont ruhig fragte: "Was bei allen Ifritiim sollte das gerade?"

    "Was sollte was?", fragte sie bissig zurück und griff nach seiner Manteltasche. Safir hatte keinerlei Probleme, diesen plumpen Versuch abzuwehren, doch die Maga versuchte es weiter, mit jedem Fehlschlag verbissener gegen Safir ankämpfend. Es war klar, dass sie wieder zurück wollte um weiter Rahjas Werk verrichten, doch dieser Sturkopf von einem Tulamiden stand zwischen ihr und dem Gelingen desselben. "Lass mish raush...", lallte sie, doch ihre Bewegungen erlahmten. Sie hatte nicht aufgegeben, aber es schien nichts zu bringen mit Gewalt an den Schlüssel zu kommen, also wurde es mit kindlicher Naivität versucht. Entsprechend drückte sie sich gegen ihn und versuchte ihn mit betteln dazu zubewegen sie wieder raus zu lassen. Doch es half nichts. "Glaub mir, es ist besser für dich!", sagte er als er der Versuchung widerstand sie jetzt wirklich zu seiner Frau zu machen. Ihre Gewänder waren verrutscht und zeigten ihm genug von ihrem Körper um zu wissen, das die Versuchung mit jedem Moment größer wurde. "Cylithia.", sagte er nun ruhig und bestimmend. Die Maga blickte ihn fragend an, hörte aber mit dem alkoholgetragenen Verhalten auf. "Wasch is Safffrrrrre?" Doch bevor er ihr eine Antwort schuldig wurde sackte sie in seinen Armen zusammen, Boron hatte sie für die Nacht zu sich geholt.

    Safir blieb bewegungslos stehen und starrte fassungslos auf die friedlich schlummernde Maga hinab. Er hielt sie noch eine geraume Weile in seinen Armen und betrachtete sie, als er ihr schliesslich eine Strähne ihres lockigen Haares aus dem Gesicht strich und mit seiner Hand ihren Halsansatz hinab wanderte. Sie sah aus wie die Darstellung der schlummernden Rahja, und bei den Göttern, er wäre ein miserabler Lügner gewesen hätte er gesagt, dass er bei ihrem Anblick nicht in Versuchung geraten wäre. Doch letztlich überwog sein Anstand sein Verlangen, und er legte sie behutsam auf das bereits gemachte Bett. Es war eine nervenaufreibende Arbeit, denn bis er ihr Gewand wieder halbwegs wieder ordentlich zugeknöpft hatte, hatte er noch genug von ihren Reizen bemerken können. Als sie schliesslich zugedeckt war und er nur noch ihren leisen Atem hören konnte, setzte er sich schliesslich ausgelaugt wie nach einem langen Marsch zu Boden. Ein Seufzer wollte ihm entfahren, doch er liess ihn im Halse stecken, kramte noch kurz eine Wolldecke aus seinem Gepäck und legte sich auf den Teppich zur Ruhe. Es sollte noch einige Zeit dauern, bis er schliesslich ebenfalls zur Ruhe kam - denn die heutigen Geschehnisse und Bilder liessen sich so schnell nicht verdrängen.

    - - -

    Der nächste Morgen war für Cylithia kein vergnügen, eher wie ein gut platzierter Kinnhaken und eine Flasche Nesselwein. Stöhnend setzte sie sich auf und hielt sich ihren Kopf. Nichts deutete darauf hin, das noch jemand im Zimmer war. Sie brauchte etwas zum trinken und war froh, die Karaffe mit Wasser vom Vorabend zu entdecken, die in jedem Zimmer stand. Sie trat aus dem Bett und erwischte ein Bein Safirs - was sie sich der länge nach hinlegen ließ. "Owiii....", stöhnte sie, während sie sich die Beine wieder unter den Leib zog. Verwirrt blickte sie zu der schlafenden Gestalt, bis ihr klar geworden war, das es sich um Safir handelte - was schlief der auf dem Boden? Sich den Kopf haltend stand sie wieder auf, sie fühlte sich wie nach einer geistigen Schlacht mit allen Zwölfen - in ihrem Körper. Sie schüttelte sich und nahm einen Schluck aus der Karaffe, nicht mal daran denkend einen der bereit gestellten Becher zu benutzen. Das Nass rann ihre Kehle hinunter und ein wohliger Seufzer entfuhr ihr, als sie absetzte. Sie strich sich einige Strähnen aus dem Gesicht und blickte diese etwas verwundert an. Erst langsam dämmerte ihr gänzlich, das sie wieder wach und nicht in Rahjas oder Borons Armen war.

    Safir stöhnte, als er dadurch aus dem Reich der Träume gerissen wurde, dass Cyli beim Aufstehen auf ihn trat. Ein anschliessendes Gepolter kündigte an, dass die Maga sich nun ebenfalls auf dem Boden befand - ein Fakt, der den Wundheiler allerdings nicht wirklich interessierte, war er doch immer noch halb in Borons Armen. Nur langsam begann sein Verstand zu arbeiten, als er sich mit einem Stöhnen in die Realität zurück meldete. Sein erster Sinneseindruck war die helle Sonne, die durch das mit Vorhängen abgeschirmte Fensterloch schien. Der zweite Eindruck war Cyli, die einen verblüfften Gesichtsausdruck zur Schau trug und wie erstarrt im Raum stand. Er nuschelte etwas, das wie "Morgen" klang, als er sich erhob und sich mit der Geschmeidigkeit einer Katze streckte. "Na? Geht es dir wieder besser?" meinte er immer noch etwas verschlafen zu der Maga, wobei er sich bemühte, den Blick nicht zu lange auf dem nur behelfsmäßig bedeckten Ausschnitt verweilen zu lassen. Götter, diese Frau stellte ihn wahrhaft auf die Probe! "Immerhin hast du gestern ja ordentlich über den Durst getrunken..."

    Über den Durst? Cyli hielt sich ihren Kopf, ein klares Zeichen dafür, das Safir recht hatte, aber in ihren Erinnerungen hatte sie viel mehr vertragen als das, was sie gestern ihre Kehle hinunter hatte laufen lassen. "Red nicht so laut", meinte die Maga dann und wischte sich über die Augen. Was hatte sie gestern gemacht? Sie hatten gegessen und sie hatte bei Rahja gefragt ob Safir ihr mehr Wein besorgen konnte und danach wurde alles... dumpf. Doch etwas pochte beharrlich darauf das sie sich etwas geleistet hatte, was sie sich nicht hätte leisten sollen. "Was ist passiert?", fragte sie dann und sah so aus als wollte sie sich gleich wieder schlafen legen - oder ein Alchemika gegen Kopfschmerzen einnehmen.

    Der Blick, den Safir der Magierin zuwarf, war schwer zu deuten - er drückte vieles auf einmal aus. Schliesslich meinte er jedoch: "Nachdem du den Becher geleert hattest, wolltest du dich an eine der Töchter des Wirtes heran machen. Der Alkohol hätte dich fast dazu gebracht, dich ernstlich zu blamieren - aber zum Glück konnte die Situation recht schnell gelöst werden." Während er sprach, sah er sich äusserlich gelassen - und innerlich verzweifelt - nach einem Ort um, an dem er seinen Blick sicher ruhen lassen konnte. Denn ihr Dekollete liess wenig genug verdeckt, und so, wie sie da saß... "Ich habe allerdings noch nie eine Dame gesehen, die sich solcherart aufgeführt hat. Das Gebaren hätte eher zu einem Mann gepasst." meinte er mit einem Schmunzeln und einem Achselzucken, als er sich an den Moment erinnerte. Innerlich rang er gerade den Drang nieder, ihr einen Kuss auf die Lippen zu drücken - und mehr. Doch, so stellte er überrascht fest, konnte er dies nicht, weil er sich beinahe sicher war, dass sie dies nicht gutheissen würde - selbst wenn er im Stande wäre, sie zu verführen. Und er wollte sie auf keinen Fall traurig sehen. Innerlich zog er auf diesen Gedankengang eine Grimasse. 'Was für ein Mann bin ich eigentlich?' verspottete er sich selbst, änderte jedoch nichts an seiner Haltung.

    Safir hatte anscheinend etwas in Cyli getroffen, den ihre Miene wurde schlagartig finster. "Raus!", knurrte sie. Und rappelte sich auf, sich vor ihm aufbauend und etwas Bedrohliches schien von ihr auszugehen. "Was?", erwiderte der Wundheiler überrascht, denn er hatte eigentlich nichts gesagt was eine solche Reaktion gerecht fertig hätte. Doch Cylithia schien weiter in Fahrt zu kommen. "Ich möchte mich umziehen und da brauche ich keinen Mann in meiner Nähe, nicht mal meinen Ehemann!", knurrte sie wobei sie das letzte Wort ausspuckte. Es schien als wollte sie grade mehr als nur einen Punkt setzen und beweisen wie sehr sie die Frau war, die in dieser Beziehung die Hosen an hatte.

    Safir war völlig verblüfft, doch er fing sich rechtzeitig, bevor er die Situation noch schlimmer machen konnte. Er nickte nur, da er seiner eigenen Zunge nun nicht mehr ganz trauen wollte, und verliess gehorsam den Raum. Draussen liess er die Tür sanft ins Schloss fallen und atmete leise aus. Er ging seine Worte erneut durch und fragte sich, was an ihnen die Maga derart provoziert hatte... Er bewegte sich vom Raum weg in Richtung des Bades. Solange er noch hier war, würde er jeden Komfort geniessen - und vielleicht würde ihre Stimmung auch ein wenig gemäßigter sein, wenn sie ihre Reise gen Mittag fortsetzen würden.

  6. #6
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    Kapitel III: von Sagen, Legenden und strafenden Zaubern

    Sie waren nun schon einige Tage unterwegs, seitdem sie die Karawanserei verlassen hatten. Anfangs war es trotz der hohen Temperaturen ein sehr frostiger Marsch gewesen, denn wie Safir Cylithia auch immer beleidigt hatte, es schien ihr nach wie vor vor Augen zu schweben. Zumindest die ersten paar Tage, denn anschliessend fehlte ihnen beiden schlichtweg die Energie, um lange wütend zu sein. Der Marsch durch die Wüste war anstrengend wie noch nie eine Reise zuvor, und mehrmals vergewisserte sich Cyli bei ihm, dass er wusste was er tat. Sie war sehr kreativ darin, sich Strafen für einen eventuellen Schabernack oder eine Fehlplanung auszudenken - und es war nicht Safirs Wunsch, auch nur eine von ihnen wahr werden zu lassen.

    Es war der Abend des 18. Tages in der Khom, als Safir schliesslich im Schutz einer kleinen Gesteinsformation ihr Zelt aufgebaut hatte. Es war nur ein kleines Zwei-Mann-Zelt - eine größere Variante hätte er neben all seinem Gepäck kaum noch tragen können, ohne sich völlig zu verausgaben - aber es erfüllte seinen Zweck und ermöglichte in Kombination mit ihren Decken eine angenehme Nachtruhe. Nachdem der Wundheiler das Zelt aufgebaut hatte, zog er sich erst einmal vollständig aus, um seine Kleidung in den letzten Strahlen der Sonne zu trocknen. Sobald diese untergegangen sein würde, würde es wieder kalt werden - sehr kalt. Es war also eine vernünftige Maßnahme, die Nacht in trockener Kleidung zu verbringen. Selbst, als Cyli aus dem Zelt hervortrat und einen Blick auf ihn erhaschte, kümmerte es ihn wenig - er war zufrieden mit seinem Körper und sah keinen Grund, sich für ihn zu schämen. Nur aus Rücksicht vor ihr hatte er jedoch sein Untergewand anbehalten, das seine Männlichkeit verdeckte, da dies durchaus zu peinlichen Situationen führen könnte. Neben seinem guten Aussehen war vor Allem bemerkenswert, dass er weitaus häufiger verletzt worden war, als man es glauben würde - gerade sein Oberkörper wies etliche Narben auf, manche schon sehr alt und nur noch als feine, weisse striche wahrnehmbar; andere schienen frischer zu sein. Am Auffälligsten war jedoch die Tätowierung, die seinen kompletten rechten Arm bedeckte und in einer Cyli unbekannten Sprache gehalten war.

    Safir warf der Maga nur einen kurzen Blick zu, während er sich in den Schatten der Felsen setzte, um nicht dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt zu sein. "Es dürfte schon bald dunkel werden. Zum Glück haben wir heute einen besseren Rastplatz gefunden - noch einmal möchte ich nicht auf einer Düne übernachten."

    "Du meinst, du willst dich nicht wieder unter Tonnen von Sand frei graben." lächelte die Maga und betrachtete seine Tätowierung. Irgendwie war sie komisch - doch gleichzeitig dachte sie sich nicht viel mehr dabei, denn es gab genug Menschen, die zu einer Hautmalerei gekommen waren, ohne das es wirklich eine größere Bedeutung hatte. Sie selbst tat es dem Wundheiler gleich, auch wenn sie ihre Oberweite vorsorglich verpackt hatte, damit es nicht ganz so peinlich wurde. Den auch ihre Kleidung war vom Schweiß durchtränkt und Safir hatte sie schon einmal zitternd im Zelt vorgefunden. Dennoch hatte sie es abgelehnt, dass er auch nur etwas näher kam, um ihr Wärme zu geben. So streifte sie sich ihr Gewand ab und legte es neben seines. Auch ihr Körper war nicht makellos. Über ihren Rücken zogen sich genauso Narben, jedoch konnte man erkennen, das diese nicht von Schwertern herrührten, sondern von Peitschenhieben. Ansonsten hatte sie kaum etwas, was der Erwähnung wert gewesen sei, wenn man von dem Siegel auf ihrer Linken Hand absah, das dort mit magischer Tinte platziert worden war. Sie setzte sich neben ihn und blickte zum Himmel, der langsam dunkler wurde, denn die Sonne stand flammend am Horizont. "Was gibt's zum Abendbrot?", fragte sie und blickte Safir direkt an.

    Dieser brauchte nicht lange zu überlegen und zuckte nur mit den Schultern. "Wohl das Gleiche wie gestern. Ein paar von den Rationen haben wir noch... aber viel lässt sich damit eben nicht anfangen. Sie müssen ja immerhin den extremen Temperaturen hier trotzen." meinte er. Er lehnte sich zurück, während er ihren Blick mit einem zuversichtlichen Lächeln erwiderte. "Ich schätze aber, dass wir in den nächsten Tagen den Rand der Wüste erreichen werden. Ab dann wird sich der Marsch etwas einfacher gestalten - und wir haben endlich einmal die Zeit, in eine richtige Stadt zu kommen. Nach Kheft bringen mich jedenfalls noch nicht einmal die Shadifs der Novadi!" Er schnaubte missbilligend, als er an das Wüstenvolk dachte. "Die Novadis machen nur eines richtig - und das ist die Wehrhaftigkeit gegen Echsengezücht. Aber das gleicht nicht aus, dass ihnen die andauernde Sonne das Hirn verschmort hat..." Nach dem langen Marsch war der Wundheiler in ungewöhnlich gesprächsseliger Laune. Auch die typisch tulamidische bzw. novadische Art des Redens - so, wie es blumiger nicht mehr ging - hatte er abgelegt. Cylithia begann sich zu fragen, ob dies seine normale Art zu sprechen war.

    "Oder sie verbrennt dir gerade Deines." meinte sie mit einem schelmischen Kichern und blickte seufzend zu den Rucksäcken. "Ich kann's bald nicht mehr sehen." gab sie dann kleinlaut zu. Sie hatte die getrockneten Früchte satt, selbst das Brot war ihr zuwider. Dennoch kramte sie danach in ihrem Rucksack und kam mit etwas Dörrobst und einem großen Stück Fladenbrot zurück, welches sie zwischen sich und Safir auf eine der Decken legte, die sie mitführten. Genau in dem Moment gab es einen Windstoß, der ihre Haare zur Seite wehte. Sie hatte sich so schnell an den Kopf gegriffen, dass das Dörrobst halb in den Sand gefallen war.

    Safir erhob sich in einer fliessenden Bewegung und griff sich das Dörrobst, dass Cyli fallen gelassen hatte. Wortlos reichte er es ihr, während er sie mit einem leicht geistesabwesenden Blick betrachtete. "Weisst du..." meinte er nachdenklich, "... du solltest wirklich mehr auf dich achten. Vor allem auf dein Haar." Wortlos begab er sich zu seinem Gepäck und kramte darin herum, bevor er eine Bürste hervor geholt hatte. "Früher bat mich meine Schwester häufiger, ihr bei ihren Haaren zu helfen. Es war eine der wenigen Momente am Tag, wo wir einmal in Ruhe ein wenig Zeit miteinander verbringen konnten." Ein sanftes, trauriges Lächeln schlich sich auf seine Lippen, während er seinen Erinnerungen nachhing. Nach einigen weiteren Momenten hatte er sich jedoch wieder gefangen, und wandte sich an die Maga. Mit einigen Schritten war er hinter ihr angelangt und setzte sich hin. "Was tust du?" kam es von ihr, als er die Bürste in ihrem Haar versenkte. Er griff es sachte, um die Prozedur so angenehm wie möglich zu gestalten. "Wonach sieht es denn aus? Ich helfe dir ein wenig bei der Haarpflege. Mit solch langem Haar sollte man ein wenig besser darauf acht geben. Oder willst du, dass man dich für fahrlässig oder unordentlich hält?"

    Das Kompliment jedoch, dass ihm auf der Zunge lag, sprach er nicht laut aus. Am Anfang ihrer Reise hatte er ihr auf typisch tulamidische Art ein paar Komplimente machen wollen, hatte aber eher Zorn als Dankbarkeit geerntet. Seitdem hielt er sich vor allzu offensichtlichen Schmeicheleien zurück. Er wusste nicht, was gerade durch Cylis Kopf ging, als sie ihn aus den Augenwinkeln betrachtete - er hatte mit dem Haar über ihrem rechten Ohr angefangen - ihn aber gewähren liess. Nun, das war ein gutes Zeichen, schätzte er. Jedoch erstarrte er mitten in der Bewegung, als er das Haar gerade anhob und ihr rechtes Ohr entblösst hatte. Seine Kinnlade war hinunter gefallen, als er das spitz zulaufende Ohr sah. Mit einer schnellen Bewegung hob er auch das Haar über ihrem linken Ohr an, um dort die gleiche Form zu erblicken. Spätestens jetzt stiess ihn Cylithia zurück, einen wilden Glanz in den Augen. Doch bevor sie etwas tun konnte, hatte Safir sie mit überraschend festem Griff an den Schultern packte. "Du bist eine Djinni, richtig?? Ich habe einen Wunsch! Einen, den ich mir mehr als alles andere wünsche! Du musst jemanden von den Toten zurück bringen, ich bitte dich!" Verzweifelte Hoffnung spiegelte sich in dem sonst eher beherrschten Gesicht des Wundheilers, und es war klar ersichtlich dass es ihm todernst war.

    "Wovon redest du?", schnappte Cylithia und wand sich aus seinem Griff. In ihrem Gesicht stand Verwirrung geschrieben, aber auch eine Art Schmerz. "Wenn ich Tote zurück bringen könnte, hätte ich das längst getan!" knurrte sie und dachte dabei an ihre Gefallenen Freunde. Sie wusste nicht was sie dazu hatte hinreißen lassen, da sich Safir an ihren Haaren zu schaffen machte, aber jetzt wusste sie, warum sie niemals jemanden an ihrem Kopf lassen würde. Es war schon schlimm genug solche Stigmata überhaupt zu haben. Safirs Reaktion war... unverständlich. Sie hatten jetzt schon so lange die selbe Route, dass sie wusste das er es bemerkt haben musste, auf die ein oder andere Weise. Doch war sie davon ausgegangen das er sie nicht darauf ansprach, weil er höflich sein wollte. Empört griff sie schließlich die Bürste aus Safirs Händen, nahm ihre Hälfte des Brotes sowie ihr Gewand und stapfte auf die andere Seite des Zeltes.

    "Nein, geh nicht! Bitte!" rief er, nachdem Cyli sich ihm entwunden hatte. "Ich tue alles dafür, ich bitte Dich!" Doch sein Flehen - denn nichts anderes war es - hielt sie nicht auf, eher sogar noch das Gegenteil. Er rappelte sich auf - er hatte immer noch gesessen - und rannte ihr nach. Doch mit einem Mal wirbelte sie herum, wie aus dem Nichts den Stab in den Händen haltend, und schlug ihm gegen das Schienbein. Mit einer schnellen Drehung hatte sie Zeige- und Mittelfinger ihrer Hand ausgestreckt und ein "Ignifaxius!" gerufen. Safir wurde von der Wucht des Zaubers einfach umgeworfen und fand sich selber in Flammen stehend. "Hast du den Verstand verloren? Du weisst nicht, was du da faselst!" schnappte sie, bevor sie hinter das Zelt verschwand. Safir rollte sich hastig im Sand um die Flammen zu ersticken und blieb dann mit ausgestreckten Gliedmaßen dort liegen, wo er gestürzt war. Er starrte in den wolkenlosen Himmel hinauf, dessen einzige Zierde eine gnadenlos brennende Sonne war. Praios' Auge sah unbarmherzig auf ihn hinab, und in jenem Moment wurde ihm erneut vor Augen geführt, dass sich die Vergangenheit wohl nicht ungeschehen machen lassen würde. Und wenn diese Möglichkeit bestand, dann garantiert nicht für jemanden wie ihn.

    Tränen füllten langsam seine Augen, als sich seine jäh erwachte Hoffnung zu Asche zerfiel und nur noch eine schmerzhafte Leere zurückliess. Neben sich stehend, hob er langsam seine Hand und fasste sich vorsichtig an seine Wange, ganz als ob er befürchten würde, dass er sich verletzen könnte. Etwas nasses streifte seine Hand, und er stellte mit einer seltsam milden Verblüffung fest, dass es sich um eine Träne handelte. Jäh brach es über ihn hinein, dass er sie tatsächlich nie wieder sehen würde - ganz gleich, wie sehr er sie alle vermisste. Sein Körper verkrampfte sich, doch kein Laut drang über seine Lippen, als er sich nun beide Hände jäh vor sein Gesicht hielt, um sich vor der Sonne zu schützen - und nicht völlig offen zu weinen. Ein ersticktes Schluchzen entrang sich ihm - und als der Damm somit gebrochen war, schrie er lang und gequält auf. Zitternd blieb er liegen, während ihm nun Tränen unkontrolliert das Gesicht hinunter liefen und im Sand landeten.

    Es dauerte einige Minuten, bis er sich halbwegs wieder unter Kontrolle gebracht hatte. Seine Augen waren gerötet, dessen war er sich sicher, er hatte schon seit einer ganzen Weile nicht mehr derart heftig weinen müssen. Er war sich sicher, dass ihn heute einer seiner stets wiederkehrenden Alpträume quälen würde. Seit seiner Flucht aus Fasar hatte er einen wesentlich unruhigeren Schlaf, und oftmals quälten ihn die Ereignisse, die ihn zu seinem Fortgang getrieben hatten. Nun jedoch, da sich seine Vernunft langsam wieder zurück meldete, erkannte er, dass er Cyli wohl unrecht getan hatte. Er wusste nicht, was genau mit ihren Ohren war - aber erst jetzt fiel ihm er Ausdruck in ihren Augen wieder ein, als er sie mit seinem Wunsch konfrontiert hatte. Er atmete tief ein und aus, als er sich wieder erhob und den Sand vom Körper klopfte. Er machte nur einen Schritt in Richtung des Zeltes, hinter dem sich die Maga wohl immer noch befand. Von seiner üblichen Wortgewandtheit war nichts zu bemerken, als er nur in die Stille der anbrechenden Dämmerung meinte: "Cyli... ich... verzeih. Es soll nicht wieder vorkommen." Anschliessend wandte er sich ab und ging zurück zu der Felsformation, auf der seine mittlerweile getrockneten Sachen lagen. Er begann, sie sich anzuziehen, während eine Leere seine restlichen Gefühle verdrängte.

    Es gab nur ein frustriertes Knurren als Antwort, aber es genügte. Cylithia hatte sich mit der Bürste weiter um ihre Haare gekümmert und starrte entsprechend frustriert auf die Knötchen und Haare die sie damit heraus zog. Dennoch, wo Safir einmal damit angefangen hatte ihre Haare zu bändigen, hatte sie damit weiter gemacht und kam erst ins Zelt, als die Sonne längst am Horizont verschwunden war. Sie blickte Safir mit einer Mischung aus ablaufendem Zorn und Mitleid an - sie konnte nachfühlen, wie es war, jemanden verloren zu haben. "Möge Boron deinen Schlaf behüten!", flüsterte sie leise, ehe sie sich in ihre Decke geschlungen weit von ihm fort legte - jedenfalls soweit es das Zelt zu ließ.

    Auch Safir schlüpfte schliesslich in seinen Schlafsack und kauerte sich zusammen. Er legte sich noch seinen Mantel über den Schlafsack und packte die Wolldecke mit in seine Schlafstatt - denn so heiss es tagsüber war, so eisig kalt war es des Nachts. Doch sie hatten sich gut vorbereitet, und obwohl es nicht gerade warm war, fielen sie beide in einen wohligen Schlummer. Dennoch fanden sie sich im Laufe der Nacht Rücken an Rücken wieder - denn auch, wenn die Kälte nicht so schlimm war wie sie ohne ihre Ausstattung sein könnte, war es dennoch nicht warm.


    Am nächsten Morgen erwachte Safir als Letzter. Die Nacht über hatte er - wie befürchtet - einen wiederkehrenden Alptraum gehabt. Es war höllisch gewesen, sodass ihm die Sonne und der bevorstehende Marsch jetzt als sehr verlockend erschienen. Als er hinaus trat, sah er, dass Cyli bereits wach war und sich im Schatten der Felsen aufhielt. "Die Zwölf zum Gruße." meinte er mit einem Gähnen, als er sich gleich daran machte, ihr Zelt zusammen zu packen und in seinem Gepäck zu verstauen. Als er gerade die Zeltstangen dazu stopfte, fiel ihm etwas an Cyli auf. "Dein Haar." meinte er, und deutete darauf. Auf ihren Blick meinte er mit einem leisen Lächeln: "Ich habe es dir doch gesagt: Mit etwas Pflege stehen sie dir viel besser - und weniger widerspenstig sind sie auch." Ohne eine Antwort zu erwarten, machte er sich daran, die letzten Handgriffe zu tätigen. Als er schliesslich aufbruchsbereit dastand und ihr zunickte, fügte er jedoch an: "Und ich würde dir gerne erneut das Angebot unterbreiten, dir beim Bürsten zu helfen. Es werden auch keine Missgeschicke mehr vorkommen, das verspreche ich dir." Die Maga hatte nur ein leichtes Lächeln für das Versprechen übrig - sie hatte im Gefühl, das Safir sie wieder auf ihre Stigmata ansprechen würde und hoffte einfach, das er nicht wieder einen solchen Aufhebens darum machte. Die nacht hatte ihr genug Stoff zum denken gegeben und auch die Tatsache das sie sich Rücken an Rücken mit ihm am Morgen wieder gefunden hatte, hatte sie etwas milder Gestimmt, wenn gleich nicht so milde, das sie Safir diese Sache vergessen würde. Sie schulterte ihren eigenen Rucksack, nahm ihren Stab in die Hand und hielt ihm die andere Hand hin. "Ich weiß nicht was gestern in dich gefahren ist, aber wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Komm!" Und mit diesen Worten machte sich das Gespann auf, ihren Marsch durch die Wüste fortzusetzen.

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    Kapitel IV: Die Stadt der Künste und der Wissenschaften

    Vor einigen Tagen hatten Safir und Cylithia endlich die Wüste Khom durchquert und waren wieder in fruchtbareren Landen unterwegs. Safir hatte lautstark die Wege gepriesen, auf denen sie nun wanderten, wobei sein verschmitztes Lächeln dabei zeigte, dass er der Reise dennoch einiges hatte abgewinnen können, egal wie beschwerlich sie gewesen sein mochte. Die Straße hatte sie in eine der prominentesten Städte Aventuriens geführt: Kuslik. Kuslik war ein horasisches Juwel - nicht nur war hier die größte bekannte Bibliothek zu finden, es gab sogar gleich drei Magierakademien und den Haupttempel der Hesinde. Die Magisterin der Magister, die oberste Geweihte der Allweisen, residierte hier und förderte mit den Akademieoberhäuptern die Künste und Wissenschaften, wo es nur ging. Nirgendwo sonst im Reich waren derart viele Künstler, Gelehrten oder Kundige der Mechanik anzutreffen. Und mit nahezu 40.000 Einwohnern war es auch eine Stadt, die verhältnismäßig gewaltig war.

    Ihr Weg führte sie in Sichtweite am Kloster der Hesinde und des Tempels des Borons vorbei, als sie schliesslich durch das große Stadtportal gingen und sich sogleich mitten im Leben der Stadt wieder fanden. Staunend schritten sie über die Straße in Richtung Marktplatz, wo allerorts Waren und ihnen unbekannte Wunder angepriesen wurden. Über den Häusern thronte der gewaltige Felsbau einer Akademie - des "Arkanen Instituts der magischen Analysen zu Kuslik", wie Cyli sich zu erinnern meinte - während überall andere, imposante Bauten die Blicke auf sich zogen. "Unfassbar." meldete sich Safir zu Wort, als er die Straßen betrachtete. Er schüttelte anschliessend jedoch den Kopf. "Suchen wir uns erst einmal eine Bleibe. Ich denke, wir werden hier ein paar Tage verbringen." Er zeigte ein jungenhaftes Grinsen, als er meinte: "Es wäre ein Frevel, diese Stadt nicht eingehender zu betrachten und zu sehen, was es hier alles gibt, meinst du nicht?"

    Nach diesen Worten machten sie sich schliesslich auf die Suche nach einer Bleibe. Schliesslich bezogen Sie einen Gasthof namens 'Androschs Anker', der von einem bulligen Erzzwerg geführt wurde. Der Name des Wirtes war Balosch, und er führte ihn mit seinen Geschwistern Galosch und Dralosch. Drillinge waren, so wie die drei nahezu identischen Zwerge es ihnen unioso erklärten, bei den Zwergen häufiger als bei jedem anderen Volk, sogar häufiger als eine geringere Anzahl an Kindern. Nachdem sie ihr Gepäck in ihrem Zimmer verstaut hatte - Safir seufzte wohlig, als er das Zelt nicht mehr tragen musste - fanden sie sich vor dem Gasthof wieder. "Nun - wonach steht dir der Sinn als Erstes?" meinte er und zeigte mit ausholender Geste auf die Stadt. "Ich bezweifle, dass wir hier etwas nicht finden können."

    Cylithia hatte ihm nicht zugehört, da sie immer noch etwas sprachlos war. Nicht, weil sie in diese gigantische Metropole gekommen waren, die vor Leben nur so pulsieren zu schien - sondern die schlichte Tatsache der drei Zwerge, die ihre Unterkunft betrieben, hatten ihr die Worte aus dem Mund genommen. Die bärtigen Männer waren kaum größer als einen Schritt und zehn Finger, aber dennoch genauso breit wie einige der hier herum laufenden Menschen, wenn nicht sogar breiter. So stand sie einige Momente neben Safir ohne ihm zu antworten. Erst ,als er ihr an den Arm fasste, schreckte sie auf. "Ehm, was?" - "Wohin möchtest du als erstes?" wiederholte Safir. "Ich denke... wir sollten zu erst Aves für den Weg danken... und dann wäre ich für ein Bad... der Sand macht mich noch ganz Kirre!"

    Safir nickte. "Das hört sich nach einem guten Vorschlag an." Weitere Worte waren unnötig - gemeinsam machten sie sich auf den Weg, um den Schrein des Göttersohnes zu finden. Nach einigen Erkundigungen - man war hier Reisende gewohnt und war deshalb in der Lage, schnell Auskunft zu geben - fanden sie den Schrein schliesslich. Sie fanden ein Abbild des Göttersohnes der Reisen, dass als großer Kupferstich in einem steinernen Schrein auf Spenden wartete. Der Schrein lag inmitten eines kleinen Gartens, der von etlichen Vögeln bewohnt zu werden schien. Auch zierten viele Paradiesvogelfedern den Schrein, was ihm ein fröhliches, gelassenes Ambiente verlieh. Vor dem Kupferstich war ein kleiner Altar, auf dem eine große Schale - erneut aus Kupfer - lag, in der sich schon die Opfergaben häuften. Safir kramte einen Anhänger heraus, den er sich in Samra geleistet hatte. Anders als Geld wollte er lieber ein Mitbringsel von weit her opfern, um dem göttlichen Reisenden seine Ehrerbietung zu leisten. Er legte sich seine rechte, zur Faust geballten Hand auf die Brust und schloss die Augen, ein stilles Gebet auf den Lippen. 'Herr Aves, ich danke Dir, dass ich die Reise bis hierher gut überstanden habe. Auch bitte ich darum, deinen Segen auch für die weitere Reise bei mir zu wissen - denn ich weiss noch nicht, wo ich schliesslich bleiben werde. Noch bin ich auf der Suche, und ich weiss nicht, wann ich endlich weiss, was genau ich zu finden hoffe. Und Herr... ich danke dir. Für die Begleitung.' Nachdem er diesen letzten Gedanken gedacht hatte und seine Lippen nun nicht mehr stumme Worte formten, öffnete er die Augen wieder und sah zu Cyli hinüber.

    Cylithia hatte gewartet bis Safir die Augen geschlossen hatte, bis sie die Brosche eines Umhangs hervor geholt hatte und sie sorgfältig säuberte. Sie küsste das Kleinod und blickte es noch einmal an, bevor sie es wieder verschwinden ließ. Zwei Silbermünzen aus ihrem eigenen Beutel wurden zu dem Anhänger gelegt, den Safir in die Schale gegeben hatte. Schließlich sank sie auf die Knie und schloss auch ihrerseits die Augen. 'Weit gereist ist Mancher unter deinem Schutze, weit gereist sind andere in deinem Angesicht. Reisende soll man nicht aufhalten, doch manchmal würde ich es gerne tun. Jedoch einige Reisende werde ich niemals mehr von ihrer Reise zurückholen, sondern ihnen nur irgendwann folgen können. Aves, du begleitest uns alle auf unseren Eeisen, von hier nach dort und hinfort. Hierher, übers Meer und durch die Wüsten, selbst an Borons Pforte stehst du uns bei, übergibst uns dem Raben und bist frei. Ich bitte dich, behüte alle Pfade die ich begehen werde, und zeige mir den rechten Weg, sollte ich ihn mal verlieren.' Sie hatte länger gebraucht als der Wundheiler und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel bevor sie wieder aufstand und ihn anblickte. "Nun, ich glaube, wir wollten den vermaledeiten Sand loswerden?" neckte sie ihn und schwang sich herum, ihren Rücken dem Schrein zukehrend und langsam in Richtung Straße gleitend.

    Safir grinste kurz. "In der Tat." meinte er, als er sich streckte und der Maga nachfolgte. Gemeinsam schlenderten sie durch die Straßen Kusliks, um zum nächsten Badehaus zu gelangen. Am Wegrand lagen Krämer, Alchimisten, Schmiede und andere Handwerker. Sie bewegten sich durch eine Menschenmasse hindurch und an etlichen Menschentrauben vorbei, die sich um Ausrufer gebildet hatten. An einer Traube hielten sie inne - besser gesagt, Safir hielt inne und hielt Cyli kurz am Arm zurück. "Das hört sich interessant an." meinte er, als sie dem Ausrufer lauschten. Dieser erzählte von der heutigen Vorstellung im Kusliker Residenztheater. Des weiteren schien es ein magisches Theater zu geben - eine Vorstellung fand sogar in wenigen Tagen dort statt. "Was meinst du? Wollen wir uns das ansehen?" meinte der Wundheiler aufgeregt zur Magierin, als der Ausrufer geendet hatte und die Menschen sich verteilten. "Ich würde sagen, wir suchen nach dem Badehaus einen Schneider auf und sehen zu, dass wir passend dafür eingekleidet sind." Safirs Augen glänzten, und es war nicht zu übersehen, dass ihn die Vorstellung des Theaterbesuchs mehr als reizte.

    Sie blickte ihn fragend an, aber sein Gesicht sagte ihr, das sie es ihm eh nicht abschlagen konnte. Nicht weiter über die Konsequenzen nachdenkend sagte sie "Klar.. können wir machen..." ehe sie Safir nun weiter zog, der sich augenscheinlich wie ein Kind auf den Abend freute. Cylithia war es im Moment ein Rätsel, das sie später lösen würde - jetzt lag erstmal das Bad an und sie wollte nichts sehnlicher als den ganzen Sand, der sich irgendwo in ihren Poren verkrochen hatte, los werden. Auch wusste sie, dass es entspannend war und erst recht nach solch einer Wanderung durch die Khom. Ihr Blick fiel auf Safir, dem sie vertraut hatte durch dieses Meer aus Sand zu kommen. "Ich hoffe doch sie werfen uns nicht raus, weil wir ihnen tonnenweise Sand ins Haus schleppen", meinte sie vergnügt. Das Safir ihre Hand inzwischen ergriffen hatte, schien sie nicht zur stören - oder sie bemerkte einfach nicht, dass sie ihn nicht mehr am Arm zog.

    Safir lachte auf ihren Kommentar hin. "Die Leute hier sehen mir feinsinnig genug aus. Ich werde sie notfalls mit einer lyrischen Darbietung erfreuen, die ich mir aus den Fingern sauge." Er räusperte sich und setzte einen breiten Akzent aus. "'Oh, ihr Meister der Wasser und der Entspannung, euer nichtswürdiger Diener versinkt in Gram so tief wie Treibsand der Wüste Khom! Niemals stand es mir Unwürdigem zu, derartig lästerliche Dinge in die erlauchten Hallen der Massage und der wohligen Ruhe zu bringen - aber seht, wir sind von weit her und wollen die Wunder der fernen und großen Zivilisation entdecken und geniessen, die uns bislang verwehrt blieben!' Ich bin mir sicher, dass sie all die Blumen milder stimmen werden." meinte er mit einem kecken Grinsen auf den Lippen, während er Hand in Hand mit Cyli durch die Straße schlenderte. Sein Blick huschte pausenlos umher und schien alle Wunder auf einmal sehen zu wollen. "Bei den Göttern - wir müssen uns wenigstens einen Tag dafür freihalten, uns durch all diese Waren zu sehen! Was es hier alles zu kaufen gibt!" Sie hielten inne, als sie vor einer großen Halle standen, die mit marmornen Säulen sehr prachtvoll in Szene gesetzt worden war. "Hier scheinen wir richtig zu sein." meinte Safir und lächelte Cyli an.

    Cylithia konnte Safir nur beipflichten - all die Waren und verschiedenen Buden waren etwas, das sie für interessant hielt, doch als sie schließlich vor der Halle standen, verschlug es ihr wieder einmal die Sprache. "Und wenn ich ihnen ihr eigenes Wasser auf den Hals hetze..." fügte sie belustigt hinzu, "… mich bekommen sie nicht mehr raus!" Sie schüttelte sich und ließ Safir los. Die Halle war bombastisch und prunkvoll. Wasserspeier wohin man sehen konnte, sogar einen Springbrunnen hatte man angelegt, auf dem sich zwei Schwäne herum treiben ließen. Sie betraten das Gebäude und fast augenblicklich stieg ihnen die typische Luft entgegen, die man in Badehäusern erwartete. Safir wie Cylithia wussten beide um die Badehäuser, kamen sie doch beide aus einer Region, in der man diese Art der Körperkultur genauso pflegte.

    Empfangen wurden sie beide von einem gepflegten, wenngleich etwas zu steifen Herren, der sie mit herausgeputztem horasischem Akzent auf die Gepflogenheiten im Badehaus aufmerksam machte. Kurzerhand wurden sie zwei verschiedenen Räumen zugewiesen, in denen sie ihre Kleider lagern konnten, auf dass sie während ihres Aufenthaltes sicher verwahrt wurden. Safir schlang sich, nachdem er sich in der Männer- Umkleide ausgezogen hatte, ein Handtuch um den Lendenbereich, um sich anschliessend in Richtung des Wasserbeckens zu begeben. Ein Schmunzeln trat auf seine Lippen, als er daran dachte, dass sich Cyli zuerst beinahe in der Umkleide geirrt hatte. Sie hatte einen seltsamen Gesichtsausdruck zur Schau getragen, sich aber bald wieder gefangen. Am Becken angekommen, legte er das Handtuch beiseite und liess sich genüsslich in das warme Wasser gleiten. Im Becken befanden sich nur wenige Andere, neben zwei Frauen sah Safir nur einen älteren Herren, der schon halb am Schlafen war. Safir lächelte den Damen zu und grüßte sie mit einem Nicken, was sie kichern liess, als er bereits Cyli herannahen sah.

    Die Maga hatte sich ein Handtuch um ihren Körper geschlungen, das sie mit einer Hand festhielt, als ob sie befürchtete, das es herunter gleiten könnte. Trotz der Tatsache, dass sie ins Wasser steigen würde, trug sie ihre Haare immer noch offen - wohl aus Angst, man könne ihr wieder einen Wunsch abverlangen, den sie nicht erfüllen konnte. Sie schien sich jedoch nicht so wohl zu fühlen, denn ihr Blick huschte durch den Raum, musterte die beiden Frauen und den schlafenden Mann und blieb schließlich an Safir hängen. Vorsichtig stieg sie in das Wasser und ließ das Handtuch dabei keinen Millimeter verrutschen. Genauso vorsichtig, wie sie ins Wasser gestiegen war, kam sie näher zu Safir heran und setzte sich neben ihn, zog die Beine an sich und erst dann, als sie sich sicher war, ließ sie das nun nasse Stückstoff neben das von Safir fallen. Einen Moment lang herrschte eine bedrückende Stille zwischen ihnen, bevor ihr Kopf sich auf seiner Schulter ablegte und er ein Seufzen vernehmen konnte, das von vielem sprach das Cyli grade gehen ließ. War es einmal die Umkleide an sich gewesen, die sie einiges an Überwindungskraft gekostet hatte, oder die anderen Frauen die so gar kein Problem damit hatten, sich in Rahjas Gewand zu zeigen. "Die Götter haben schon seltsames mit einem vor..." murmelte sie und streckte sich, vergessend, das sie nur etwas Wasser bedeckte. Sie sank wieder zurück und blickte Safir verschmitzt an. "Wer hätte gedacht, das Kulisk ein solches Haus überhaupt hat..."

    Safir liess als Antwort nur kurz seine Zähne aufblitzen - sein übliches Schulterzucken unterliess er in seiner jetzigen Lage, immerhin ruhte ihr Kopf auf ihm. "Ich denke, du stellst die falsche Frage." meinte er in gespielt tadelndem Tonfall. "Die Frage sollte doch eher lauten, welche Häuser Kuslik noch zu bieten hat! Ich bin gespannt auf das, was wir hier vorfinden können!" Er blickte ins Wasser, während er langsam seine linke Hand hob und betrachtete, wie das Wasser langsam daran herunterfloss. "In meiner Heimat... in Fasar... war alles so anders. Es ist auch eine riesige Stadt, sicherlich. Aber all diese Angebote, die wir hier wahrhaben können, waren den Mächtigen vorbehalten, nicht dem einfachen Mann. Tag für Tag tobt dort das Leben, während sich die Privilegierten noch nicht einmal auf der gleichen Straße aufhalten, geschweige denn die gleichen Geschäfte nutzen. Ich hatte immer schon Interesse daran, solcherlei Dinge einmal mit eigenen Augen zu sehen." Er sah zu ihr, und erneut schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen. "Aber in der Tat sind die Wege der Götter unergründlich... wer von uns hätte es damals auf dem Boot für möglich gehalten, dass wir einmal eine solche Wegstrecke gemeinsam zurück legen? Dass wir die Wunder dieser Stadt gemeinsam erkunden könnten?" Er hob Cylis Kopf kurz sanft an, da er sich kurzerhand vollständig unter Wasser begab. Er tauchte wieder auf und schüttelte sich, um anschliessend das nasse Haar zurück zu streichen, bevor er sich wieder an seinen Platz zurück begab. "Nun- ich für meinen Teil danke den Göttern, dass wir dazu in der Lage sind." meinte er, während er sich genüsslich und einer Katze gleich streckte.

    Ihre Haare waschen - einfach untertauchen schien die beste Möglichkeit, aber ob das so gut wäre? Safir hatte es getan und Cylithia sah keinen Grund es nicht auch zu tun. Mit einem vernehmbarem Platschen verschwand sie gänzlich im Wasser während ihre Haare im Wasser schwebten, als ob sie etwas magisch halten würde. Nach fast einer halben Minute stieß sie wieder aus dem Wasser hervor, prustend und nach Luft schnappend, dabei sah sie sich verwirrt um, denn ihre Haare bedeckten ihr Gesicht – etwas, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Etwas hilflos griff sie um sich, bekam Safirs Bein zwischen ihre Finger und zog sich zu ihm. Immer noch den Vorhang aus Haaren vor den Augen spürte sie wie Safir sie packte und ihr dann sanft selbige Haarpracht aus dem Gesicht wischte.

    "Vorsicht - nicht, dass du irgendwo anstößt." meinte er neckend, doch seine Augen sprachen eine weitaus sanftere und fürsorglichere Sprache. Bevor sie etwas sagen konnte, drehte er sie herum und setzte sie auf seine Oberschenkel, sodass sie mit dem Rücken an seine Brust gelehnt dasaß. Safir unterdessen machte sich daran, ihre Haarpracht etwas zu entwirren - wobei er auch dafür Sorge trug, dass ihre Ohren weiterhin von den braunen Locken verdeckt wurden. Ein wenig Lärm im Eingangsbereich liess sie beide aufsehen, als einige Gesellen das Badehaus betraten. Lachend und scherzend machten sie sich daran, in die Umkleide zu gehen, wobei sie ihrer Umgebung wenig mehr als das benötigte Minimum an Aufmerksamkeit schenkten. Dennoch blieben einige Blicke an der hübschen Maga hängen, während einige der Gesellinnen Safir einige Blicke zuwarfen. Letzterer quittierte dies lediglich mit einem freundlichen Nicken, als er sich wieder umdrehte und schliesslich Cylis Haare fertig geordnet hatte. "So." meinte er nur. "Was denkst du, sollten wir als nächstes tun? Ich habe vorhin gehört, dass es hier den größten Tempel der Hesinde gäbe... neben einem großen Museum und etlichen anderen Dingen, denen wir nähere Beachtung schenken sollten." Während er in unbekümmerten, wenngleich interessierten Tonfall sprach, so bemühte er sich eigentlich eher darum, sich von Cylis Nähe nicht allzu sehr ablenken zu lassen. Was schwer war, bedachte man die Lage, in die er sie gebracht hatte.

    Das sie auf seinen Schenkeln saß, störte sie irgendwie nicht - eher der Blick, den ihr die Männer zuwarfen, die in die Umkleiden verschwunden waren. "Blitz und Donner, haben die noch nie eine Frau gesehen?" platzte es aus ihr heraus - das erste Mal auf ihrer Reise, dass sie so offenkundig gesagt hatte, was sie war. "Safir, ich denke ich werde das Bad nicht mit diesen Strolchen teilen wollen, kommt du?" Damit schnappte sie sich ihr Handtuch und ließ seine Frage auf den Tempel der Hesinde unbeantwortet.

    Etliche Minuten später - und deutlich nach Safir - stand sie vor der Halle. "Ich kann es nicht glauben... wovon hattest du noch mal geredet? Dem Tempel der Hesinde? Ja, den können wir uns auch anschauen... aber ich glaube, wenn wir noch ins Theater wollen... müssen wir uns noch die passende... Garderobe zulegen." Ihr war gerade bewusst geworden, was das hieß. Sie schluckte den Kloß, der sich in ihrem Hals bildete, herunter. Die Magierrobe war zwar in gewisser Weise auch ein Kleid, aber sie konnte darunter noch eine Hose tragen - was sie meist auch tat. Safir zuckte mit den Schultern, meinte jedoch: "Wohl wahr. Ich denke, wir sollten zuerst einen Schneider aufsuchen - mitunter können diese sich ja recht viel Zeit lassen." Mit diesen Worten wanderten sie erneut die Straße entlang, auf der Suche nach einem Geschäft, in dem sie sich Kleider zuschneiden lassen konnten. Tatsächlich wurden sie auch recht bald fündig. Sie betraten einen verhältnismässig kleinen Laden, in dem ihnen sofort ein kleiner, quirliger Mann entgegen kam. "Ah, willkommen, willkommen. Alfonso Cordovara mein Name, meines Zeichens Schneider für jung und alt, für Mann und Frau. Was kann ich für sie tun?"

    Die beiden Tulamiden waren erst etwas überrumpelt von dem Redeschwall, der ihnen in großem Tempo - und dennoch verständlich – entgegen sprudelte. "Nun..." begann Safir vorsichtig, "... wir wollen ins Theater, und dafür..." - "... braucht es die rechte Gewandung, ich verstehe, ich verstehe. Nun, stellen sie sich dort hin - ja, genau, dort, nicht so schüchtern, nicht so schüchtern... Ich hole nur schnell das Maßband und die Schere, und das Garn, ja ja..." Während der Mann davon wuselte, standen sie beide mitten im Raum und sahen sich an. "Er scheint... fähig." meinte Safir höflich und in Ermangelung eines besseren Begriffes zu Cyli, während er mit hochgezogener Augenbraue auf die Rückkehr des fleissigen Schneiderleins wartete. "Übereifrig?" schlug Cylithia vor und konnte sich das kichern nicht verkneifen. Alfonso, wie der Schneider sich selber vorgestellt hatte, kam zurück und hatte eine Messlatte dabei, sowie ein Maßband. "Der Herr, die Dame, ich müsste eure Maße nehmen, damit ich euch geeignete Gewandung herauslegen kann..."

    In Windeseile maß der Schneider alles ab, was er einzukleiden gedachte. Dabei behandelte er die Gäste mehr oder minder wie Puppen, die man nach bedarf in eine andere Position bringen musste. Schliesslich verschwand er erneut in die Tiefen seines Lagerraumes, um gleich darauf mit etlichen Dingen wieder zu kommen. Safir wurde in eine typisch horasische Tracht eingekleidet: eine knielange, bauschige Pluderhose; ein kurzes Wams; einen Kusliker Kurzmantel und schliesslich ein weißes Hemd machten die Garnitur komplett. Safir fühlte sich nicht ganz wohl in der ungewohnten Aufmachung, aber vielleicht lag das auch daran, dass sie noch maßgeschneidert wurde. Der Schneider machte sich seine Notizen, bevor er sich Cyli zuwandte. Dieser verpasste er ein Schnürmieder, gefolgt von einem Rock, der vorne knie- und hinten knöchellang war. Hinzu kamen jedoch noch enge Kniestrümpfe, Seidenhandschuhe sowie ein etwas knapperes Oberteil, das nicht nur Hals und Schultern unbedeckt liess, sondern auch in Kombination mit dem Schnürmieder die Brust gut zur Geltung brachte. Weiterhin kamen Kleidungsstücke, die der Maga gänzlich unbekannt war: Unterwäsche. Aus Seide gefertigt, diente sie vor Allem zum Anregen der Fantasie der Betrachter und würde ihren Charme um ein Vielfaches intensivieren, so versicherte es Alfonso ihr. Cyli kam jedoch nicht einmal zu einem Protest, da dieser schlichtweg im Gemurmel des Schneiders unterging. Nachdem dieser sich sicher war, dass die Garnitur ansehnlich war, musste sie nur noch angepasst werden.

    "Ich werde sie dem Herr und der Dame bringen lassen - oder sie holen es sich ab." Safir überlegte nicht lange und reichte dem Schneider einige Münzen. "Lassen sie es doch bitte bei unserer Unterkunft vorbei bringen. Wir nächtigen am Hafen im..." - "Ja, ich kenne das, kenne das sehr wohl, alte Kunden, immer dreimal das Gleiche, in der Tat, ja..." Safir sah etwas hilflos zu Cyli hinüber - der Mann schien nur begrenzt an einem Konversationspartner interessiert zu sein, mehr daran, dass jemand zugegen war, um seine Worte zu hören. "Nun - ich werde mich nun an die Arbeit machen, habe noch viel zu tun, ja, in der Tat. Auf Wiedersehen, die Dame - der Herr..." Und mit diesen Worten landeten die Beiden wieder vor der Tür des Schneiders. Beide standen einen Augenblick da, um sich wieder zu sammeln. "Sooo..." begann Safir, um die unangenehme Stille zu durchbrechen. "Wollen wir in den Tempel? Bis zum Theater dauert es noch etwas..."

    "Ich... weiß nicht ob ich es gut heiße, was er mir da an den Leib..." Sie schüttelte sich und war froh, weit weg von dem Laden zu kommen. Dennoch, so musste sie zu geben, hatte ihr das Bild, was Maestro Alfonso gezeichnet hatte, durchaus gefallen - wenn sie nicht selber Gegenstand dieser geistigen Zeichnung gewesen wäre. "Dem Tempel der Hesinde? Alles ist mir gerade lieber, als einen weiteren Gedanken an... das zu verschwenden." meinte sie und wandte sich zum gehen, doch Safir blieb stehen. Erst nach einigen Schritten merkte die Maga, das der Wundheiler ihr nicht folgte. Als sie sich um drehte zeigte dieser in die entgegen gesetzte Richtung "Wir müssen da lang, Teuerste!" Cylithia gab ihm nicht mal einen bösen Blick auf dieses kleine Kompliment, das er gemacht hatte, sondern folgte ihm resignierend in die entgegengesetzte Richtung.

    Sie schlugen sich erneut durch die Straßen, dieses Mal in Richtung der Stadtmitte. Sie wechselten wenig Worte, vielmehr waren sie beide immer noch überwältigt von der Metropole, in der sie sich befanden. Doch all das Staunen geriet in Vergessenheit, als sie schliesslich die 'Hallen der Weisheit' erblickten. Die Seitenfassade des Tempels maß gut und gerne über 100 Schritt, und der Bau selbst erweckte den Eindruck einer gewaltigen, gestreckten Schlange. Sie schritten langsam auf den Eingang zu, der von mehreren Tempelgardisten und sogar 2 Draconitern bewacht wurde. Durch die Tempelpforte gelangten sie in den 'Schlangensaal', wie ein Schild über dem Portal in Bosparano- Lettern verkündete. Prunkstück des Raumes war das aus Gold und Jade geschaffene Standbild der Hesinde mit dem Menschenschüler. Zur Seite dieses imposanten Werks wurden zwei heilige Artefakte der Hesinde präsentiert: der Schlangenstab des Heiligen Argelion und Hesindes Trichter. Acht Säulen in Schlangenform trugen die Decke, die mit Motiven aus der Zwölfgöttlichen Mythologie geschmückt war: so sah man Madas Frevel, die Geburt des Nandus und den Akt der Schenkung, als den Menschen Wissen und Erfindungen übergeben werden. Alleine schon die Halle versetzte Safir in ehrfürchtiges Schweigen, aber es war mehr als der Respekt vor einem großen Bauwerk: der Tempel verbreitete eine spürbare Aura der Geduld und der Strebsamkeit. Der eigene Verstand schien schärfer und auch wissbegieriger - es war, als ob die Göttin jeden einzelnen Besucher in ihre Arme schloss. "So etwas... habe ich noch nie gesehen." staunte der Wundheiler, als er in den Raum hinein- und auf den Altar zuschritt.

    Cylithia konnte ihm nur beipflichten - der Tempel, oder besser gesagt das, was sie von ihm sahen, war monumental. Sie blickte nicht mal mehr nach unten, sondern ihre Augen blieben an der Decke hängen, die kunstvoll mit Bildern der Zwölfgöttlichkeit geschmückt waren. Sie stolperte mehr als das sie ging, denn die hereinströmenden Pilgermassen stießen und schubsten die Maga immer weiter herein, sodass sie sich nach wenigen Augenblicken an Safirs Rücken festhielt, um nicht weiter in den Tempel hinein getrieben zu werden - und ihn zu verlieren. "Es ist... gewaltig..." flüsterte sie ihm zu und musste sich fester an ihn drücken um nicht mitgerissen zu werden. Safir legte einen Arm um ihre Schultern und zog sie näher an sich heran. Um sie herum strömten etliche Menschen in den Tempel hinein und hinaus, während sich eine große Zahl von Tempeldienern jeglichen Weihegrades um die wechselnde Schar der Gläubigen kümmerten, die sich Hilfe und Rat erhofften. Sie gelangten schliesslich an den Rand zu einer kleinen Ausbuchtung, in der eine Statuette des Heiligen Sankt Argelion, dem Schutzpatron wider des Missbrauchs der Magie, zu finden war.

    Auch Safirs Blick blieb lange auf der Decke verweilen, er war jedoch nicht imstande, alles zu entziffern - denn des Bosparanos war er nicht mächtig. So war es Cyli, die ihm im Flüsterton erklärte, welchen Titel welche Szene trug. Ihrer beider Aufmerksamkeit wurde jedoch schon bald von etwas Anderem gefesselt: Der Raum um den Altar herum leerte sich, als eine Prozession aus dem Tempelinneren in den Saal trat. Mehr und mehr Menschen strömten hinein, als sich Safir und Cyli schliesslich einen Stehplatz nahe einer Schlangensäule ergattern konnten. Aneinander gedrängt ob der vielen Gläubigen standen sie da, während sich der Wundheiler der körperlichen Nähe der Maga erneut sehr bewusst wurde, wurde deren Oberweite doch des gedrängten Innenraumes gegen ihn gedrückte. Überhaupt standen sie da wie ein Paar, obwohl sie sich eigentlich nur aneinander gehalten hatten, um sich in dem Gedränge nicht zu verlieren. Zumindest war das die anfängliche Intention gewesen. Doch mit einem Schlag kehrte Stille ein, als Haldana von Ilmenstein eintrat, die Magisterin der Magister. Manch einer mochte ein Erscheinungsbild erwartet haben, dass an die Göttlichkeit der Hesinde anschloss, doch auf den ersten Blick war sie nur eine Frau mit ruhigem, überlegten Gebaren. Doch sobald sie ihre Stimme erhob, wurde jeglicher Zweifel an ihrer führenden Stellung zunichte gemacht.

    Ihre Worte schlugen einen jeden in ihren Bann, als sie die jüngsten Entdeckungen und Neuerungen schilderte. Sie bemühte sich um eine einfach zu verstehende Sprache, und erklärte geduldig die Fachtermini, die sie verwendete. Sie sprach davon, dass Wissen ein göttliches Geschenk sei, ein Geschenk, dass den Menschen viel wunderbares ermöglichte. Auch sprach sie davon, dass die 'Flamme des Wissens' an jeden weitergereicht werden sollte, denn nur wenn man um seine Möglichkeiten wisse, könnte man etwas zum Besseren wenden. Die Predigt schloss mit einigen gesungenen Chorälen zu Ehren der göttlichen Allweisen, als sich das Oberhaupt der Hesindekirche wieder in das Innere der Halle der Weisheit zurück zog und auch die Schar der Gläubigen sich langsam zu verteilen begann. Safir sah immer noch gedankenverloren und auch beeindruckt in Richtung des Altares, vor dem bis vor wenigen Minuten noch von Ilmenstein gestanden hatte. Dass er Cyli weiterhin fest umschlungen und an sich gedrückt hatte, realisierte er in jenem Moment gar nicht.

    "Du kannst mich wieder loslassen..." meinte sie schließlich hochrot und drückte ihn etwas von sich. Dennoch ließ sie ihn nicht los, sondern zog ihn mit sich durch den Strom der Pilgernden, bis sie schließlich vor einer Statue angekommen waren, die eine Frau zeigte. Mada, die, die einst den Menschen die Magie schenkte und dafür von Praios, dem König der Götter, an einen Stein gefesselt wurde - mit Phex als ihrem Wächter. Cylithia blickte die Statue mit einem gewissen Stolz an - auch wenn Mada gefallen war, so war sie es, die es ihr überhaupt ermöglichte ihre Zauber zu wirken. "Du weißt, wer sie ist?", flüsterte sie Safir ins Ohr und klang dabei fast so, als würde sie ihm erklären wer wer sei, sollte er es nicht wissen. Erst jetzt fiel ihr auf, das sie die 'Flamme des Wissens' schon ihren gesamten Aufenthalt im Tempel an Safir weiter gegeben hatte – denn sie konnte Bosparano, er nicht.

    Safir dachte angestrengt nach, bevor es ihm wieder einfiel. "Sie ist diejenige, die im Madamal eingesperrt ist, nicht wahr?" meinte er leise, um die Ruhe des Ortes nicht zu stören. Cyli nickte nur als Antwort, während sie den Kopf vor dem Abbild neigte. Auch Safir neigte seinen Kopf, um in stillem Gebet zu versinken. Er war sich nicht genau im Klaren darüber, um was er bitten sollte - bis er schliesslich den Wunsch äusserte, selbst die gleiche Opferbereitschaft und Leidenschaft für seine Mitmenschen zeigen zu können, wie Mada es tat, ungeachtet der Konsequenzen, die sie erdulden musste. Als sie beide sich schliesslich von der Statue entfernten, erspähte Safir hinter einigen anderen Pilgern schliesslich eine Statue Nandus'. Gemeinsam mit Cyli drückte er sich durch den stetigen Strom an Pilgern, bis sie schliesslich vor dem Abbild des Bringers der Bildung standen. Dieses Mal fiel es Safir schon wesentlich leichter, sein Gebet zu Formulieren. 'Oh Nandus... gewähre mir die Weisheit und Einsicht, um fortan die richtigen Entscheidungen zu treffen. Niemals wieder will ich durch unbedachtes Handeln jemandem das Leben kosten...' Es war weniger ein Stoßgebet, als vielmehr ein sehnsüchtig geäusserter Wunsch, den er stumm an den Göttersohn richtete. Cylithia senkte zwar ihr Haupt, bat aber nicht darum, das sie keine weiteren fehlgeleiteten Taten tat. Sie seufzte kurz, ehe sie in die Hocke ging und über das bronzene Schild strich, auf dem der Name der dargestellten Figur stand. Als sie wieder aufstand, schien es als ob sie die Eile gepackt hätte, denn sie wartete nicht darauf das Safir sich recht bedanken konnte, sondern zog ihn plötzlich weiter, diesmal jedoch dem Ausgang entgegen. "Wir wollten ins Theater!" raute sie ihm zu und gab ihm entsprechend einen leicht genervten Gesichtsausdruck - sie musste wieder an das Kleid denken, das man ihr verpasst hatte.

    Safir blinzelte kurz - tatsächlich hatte er das Theater beinahe vergessen. "Dann beeilen wir uns besser!" raunte er zurück. Sie eilten aus dem Tempel, wobei sie erneut darauf Acht geben mussten, sich in der Menge nicht zu verlieren. Sie liefen eilig durch die breiten Straßen zum Hafen, wo sie schliesslich etwas gehetzt 'Androschs Anker' betraten. Der Zwerg Galosch berichtete ihnen, dass eine Lieferung des Schneiders Alfonso bereits eingetroffen sei. Sie hasteten ins obere Stockwerk, wobei Safir nicht umhin kam, Cylis genervten Gesichtsausdruck zu sehen. "Keine Sorge - wir werden mit den Menschenmassen bestimmt zurecht kommen." meinte er beruhigend, da er den wahren Grund ihres Unmutes nicht einmal erahnen konnte. Sie trennten sich kurz, um in ihre jeweilige Garnitur schlüpfen zu können. Cyli zog den Vorhang um ihren Bereich des Schlafsaals zu, während Safir sich offen umzog - und so gleichzeitig ein Auge darauf haben konnte, dass niemand sich ihr zu weit näherte. Als sich der Wundheiler schliesslich fertig angezogen hatte, betrachtete er sich mit einem Stirnrunzeln. Die Kleidung mochte ihm stehen - dafür hatte der Schneider Sorge getragen - doch fühlte er sich viel zu bunt in diesem horasischen Aufzug. Nur seine ledernen Armschienen behielt er unter den Ärmeln seiner Weste an, um wenigstens etwas Vertrautheit bei sich zu spüren. Als schliesslich der Vorhang beiseite gezogen wurde, stand Cyli vor ihm. Er betrachtete sie mit leicht geöffnetem Mund, den er allerdings rasch wieder schloss - er wollte nur bedingt einen unhöflichen Eindruck machen. "Du siehst fantastisch aus." meinte er ehrlich und warf ihr ein strahlendes Lächeln zu, als er sich jedoch schon wieder gen Ausgang wandte. "Also, machen wir uns auf den Weg." meinte er.

    "Ich seh wie ein aufgeplustertes Huhn aus..." meinte sie und betrachtete sich selbst mit kritischem Blick. Nicht nur die Unterwäsche machte es ihr schwer, sondern auch die Tatsache, dass das meiste ihrer Beine unbedeckt war und auch ihre Schultern bar jeglichen Stoffes waren. Das Schnürmieder hatte sie nicht ganz fest gezogen und sie würde wohl Safir bitten müssen dies zu tun - wobei sie sich sicher war, das es jetzt schon eng saß. Der rote Stoff war von etlichen blauen Schnüren durchzogen, eine Farbgebung, die sich auch im Rock und ihrem Oberteil wieder spiegelte, die jeweils rot und blau gehalten waren. "Safir.... hilf mir mal" meinte sie dann und drehte ihm den Rücken zu.

    "Unsinn." meinte er, als er sich ihr wieder zuwandte. "Es mag sich ungewohnt anfühlen, aber ich versichere Dir, dass es dir hervorragend steht." Er machte sich daran, die Schnüre an ihrem Rücken etwas fester zu ziehen und zu verknoten. "Allerdings..." fügte er an, während er an ihrem Rücken nestelte und sich in relativer Sicherheit vor ihren Blicken die Zeit nahm, sie näher zu betrachten, "... verstehe ich was du meinst. Die Kleidung ist ungewohnt. Aber ich bin sicher, wir fühlen uns bald hinein." Er verknotete die letzte Schnur ihres Mieders und trat einen Schritt zurück, um sie weiter zu betrachten. In seinen Augen sah sie hinreissend aus - nicht zuletzt der sehr femininen Kleidung wegen, die ihre weiblichen Reize vorteilhaft zur Geltung brachte. Sie drehte sich um und sah immer noch kritisch an sich herab, bevor ihr etwas entfuhr, was man nur als resignierten Seufzer deuten konnte. "Gehen wir." meinte sie nur knapp und machte sich daran, in ihren Stöckelschuhen auf den Ausgang zuzugehen. Es fiel ihr schwerer als von Safir angenommen, denn sie bewegte sich nur langsam und teils etwas unsicher fort. Den Arm, den er ihr wie selbstverständlich angeboten hatte, hatte sie keines Blickes gewürdigt.

    Ein kurzer Blick auf ihre Truhe zeigte ihm, dass sie jedoch noch etwas vergessen hatte. Er griff sich den mit Federn geschmückten Fächer und verstaute ihn in seiner Weste, als er ihr schnellen Schrittes nachlief. Sie hatte sich unterdessen nach unten begeben und wartete nun an der Tür auf ihn. Gemeinsam traten sie hinaus auf die - trotz später Uhrzeit - noch gut gefüllten Straßen, um sich auf den Weg in Richtung Theater zu machen. Als Safir erneut bemerkte, dass Cyli mit dem Schuhwerk scheinbar nicht zurecht kam, entfuhr ihm ein Seufzer. "Nun stell dich nicht so an." meinte er, ergriff ihre Hand und legte sie um seinen Arm. "Lass mich wenigstens helfen." Er grinste sie kurz an, als er sich auch schon daran machte, mit ihr im Schlepptau durch die Menschenmengen zu bewegen.

    "Ich kann selber gehen!" versuchte sie zu protestieren, war aber dennoch froh, dass Safir sie führte. Sie wusste, das viele Blicke auf ihr lagen und wünschte sich nichts sehnlicher, als schnell aus diesem Aufzug wieder heraus zu kommen. Noch dazu war die Seide der Unterwäsche etwas, was sich komisch, aber angenehm anfühlte. Die Mentale Notiz, die sie sich machte, würde wohl in einem weiteren Besuch bei Meastro Alfonso enden - und einem Loch in ihrem Geldbeutel. Während sie nun recht zügig - Cylithia wäre in ihren normalen Schuhwerk dreimal so schnell gewesen - vorankamen, fühlte sie sich immer mehr wie auf einem Präsentierteller. Ihr Unbehagen trieb sie näher an Safir heran, der mit einem Schelmischen Grinsen einen Kuss andeutete und sich dafür ein erschrockenes "Ign...", doch er hielt sie fest und legte ihr einen Finger auf den Mund. "Wir wollten in Theater, komm, spiel ein wenig mit."

    Safir konnte gar nicht anders, als seine helle Freude an der Situation zu haben. Zum Einen lag dies an dem Theaterbesuch. Er genoss es, einmal in seinem Leben keine Angst vor einem Dolch in seinem Rücken zu haben. Auch war er sehr neugierig darauf, einmal einen Einblick in das privilegierte Leben zu erhalten. Und der größte Teil seiner Freude war in der Dame begründet, die mit einem beinahe schmollenden Gesichtsausdruck neben ihm herlief. "Und jetzt zieh keine Schnute, sondern zeig einmal ein Lächeln - wir wollen den Abend doch geniessen." Er zog sie erneut etwas näher an sich heran, als er ihr ins Ohr flüsterte: "Und falls dich die Blicke stören - denk einfach daran, wie sich all diese Gecken in unserer Heimat bewegen würden. Meinst du, diese aufgetakelten Herrschaften würden dort auch nur einen Marktschreier nicht zum Lachen bringen?" Er warf ihr ein jungenhaftes Grinsen zu, das an einen kleinen Bengel erinnerte, der jemandem einen Kiesel in den Schuh geschoben hatte. Das Lächeln glitt jedoch aus seinem Gesicht und machte Platz für eine angemessen neutrale, vorfreudige Miene. Der Wechsel erfolgte derart schnell, dass sich Cyli sicher sein konnte, dass dies nicht seine 'echten' Gefühle waren. Sicherlich freute er sich auf die Vorstellung - aber etwas wirkte beinahe maskenhaft an seiner Mimik, wenngleich ihr dies nur aufgefallen war, da sie den Wechsel direkt gesehen hatte - ansonsten hätte sie dies wohl für völlig authentisch gehalten. Sie kamen am Theater an und reihten sich in eine längere Schlange der Gäste ein. Safir liess es sich nicht nehmen, ihr seinen Arm um die Hüfte zu schieben, während sie so dastanden. Er zwinkerte ihr schalkhaft zu - er musste heute Abend darauf acht geben, es nicht zu weit zu treiben. Aber im Moment hatte er viel zu viel Spaß daran.

    Seine Anekdote an ihre Heimat ließ sie lächeln, auch wenn es mehr ausgesetzt war. Diese Schuhe brachten sie noch um. Sich darauf konzentrierend überhaupt schnell genug gehen zu können, nahm sie seinen Mimikwandel wahr und brachte nur ein leises "Eh?" hervor, das jedoch in dem großen Rubel der Menge unter ging. "Ich hatte nicht in Erinnerung, das der Weg zum Theater derart lang war!" murmelte sie und verfluchte die Schuhe ein weiteres Mal, ehe sie dann schließlich vor dem Theater ankamen, vor dem eine kleine Schlange stand. "Ich hoffe doch das man sitzen kann..." murmelte sie abwesend, während sie die anderen Frauen und Männer beäugte.

    Safir nickte nur - auch er verspürte nicht die Neigung, den ganzen Abend stehen zu müssen, hinreissende Begleitung hin oder her. Schliesslich standen sie jedoch vor dem Eingang des alten Lustschloss, das zu einem Theater umgebaut worden war. Einige Münzen wechselten den Besitzer, als Safir für sich und Cyli den Einlass erkaufte, und dann ging es auch schon hinein. Das Innere war prunkvoll eingerichtet - und während sie der Menge die Flügeltreppen nach oben folgten, bestaunten sie noch die ausgelegten roten Teppiche und den verzierten Kronleuchter, der an der Decke prangte. Oben angekommen, verteilte sich die Menge in mehrere Richtungen. Safir und Cyli machten sich daran, weiter nach oben zu steigen - und so gelangten sie schliesslich in eine Loge. Natürlich hing diese nicht so hoch wie die reservierten Logen der Privilegierten - dennoch machte sie einiges her. "Daran könnte man sich gewöhnen." murmelte Safir mit einem Lächeln, als er sich mit Cyli auf einer gepolsterten Bank niederliess, direkt vor dem Geländer. Von hier hatte man einen guten Blick über Tribüne und Zuschauerränge.

    "Woran könnte man sich gewöhnen?“ meinte Cyli und fächelte sich Luft mit der Hand zu, denn den Fächer hatte sie nicht mit genommen - in ihrer unweisen Voraussicht. Das Schnürmieder beengte sie und sie wunderte sich ,wie sie sich überhaupt dazu hatte verleiten lassen - bis ihr einfiel, dass sie sich nicht hatte verleiten lassen, sondern sie einfach in Selbiges gesteckt worden war. Safir lächelte sie wissend an und griff in die Innentasche seines Wamses. "Ich glaube, den hast du vergessen, Schönste." Dabei hielt er ihr ihren Fächer entgegen - den sie mit einem gewissen Maß an Missmut - und einem drohenden Blick Richtung Safir - annahm und sich dann Luft zu fächelte.

    Der Wundheiler quittierte den drohenden Blick mit einem Grinsen und einem nachfolgenden Schulterzucken, wandte jedoch seinen Blick nach vorne. Damit tat er es dem Rest des Theaters gleich, denn im ganzen Saal wurden auf einmal die Lampen gedimmt - nur die Bühne blieb durch mehrere Laternen hell erleuchtet. Das Stück hatte begonnen. Die Aufführung schien die klassische Kombination aus Romanze und Tragödie zu sein - ein junger, mutiger Draufgänger verliebte sich unsterblich in die Tochter eines wohlhabenden Patriziers, der diese Bindung jedoch ablehnte. Es folgten Minnesang, Fechtkämpfe, Gesangseinlagen und gelegentlicher Humor durch den tollpatschigen besten Freund des Protagonisten. Unterlegt wurde das Stück durch eine Symphonie eines eigenen kleinen Orchesters, während die Schauspieler die Gesangseinlagen selbst in die Hand nahmen. Das Schauspiel fand auch in mehreren Szenarien statt, die durch große Gemälde im Hintergrund dargestellt wurden. Fortschrittlichste Technik kam zum Einsatz, als Seilwinden diese Leinwände in kürzester Zeit an ihren benötigten Platz stellten. Als sich der Vorhang nach dem ersten Akt schloss - ein weiterer würde noch folgen - nahm die Helligkeit im Saal wieder zu, die Dimmung wurde rückgängig gemacht. "Nicht schlecht bisher." meinte Safir mit einem anerkennenden Nicken in Richtung Bühne. "Man könnte fast glauben, die Männer und Frauen fühlen tatsächlich das, was sie uns glauben machen."

    Cylithia fächelte sich Luft zu, denn Safir hatte das Mieder wirklich zugezogen. "Ja, man könnte glauben, dass sie das Stück einstudiert haben." murmelte sie, während sie sich der Wasser Karaffe bediente und einen Becher herunter kippte, ehe sie Safir auch nur einen anbot. Ein gutes dutzend Minuten später ging das Stück in den zweiten Akt. Es war die gleiche gute Mischung aus Romantik, Tragik und Komik, die selbst Cylithia an den passenden Stellen zum lachen brachte - und sie schien zu vergessen, dass das Kleid sie strangulierte. Sie schien loszulassen und sich dem Vergnügen hinzugeben - wie das Theater es beabsichtigte. Sie saß nicht mehr, sondern stand am Geländer, hatte ihre Ellenbogen darauf abgestützt und ihren Kopf auf ihre Arme gelegt um dem Schauspiel beizuwohnen. Safir bemerkte erst zur Hälfte des zweiten Aktes, dass sie ohne Schuhe dastand. Es war so typisch für die Frau, das sie Gesellschaftliche Regeln über den Haufen warf, wenn es ihr nicht passte.

    Der Wundheiler überlegte erst, ob er seine Begleiterin auf diese Verletzung der gängigen Höflichkeit aufmerksam machen sollte - doch dann zuckte er nur für sich mit den Schultern, erhob sich von seinem Platz und stellte sich neben ihr ans Geländer, während er sich ebenfalls mit seinen Ellenbogen auf selbiges stützte. Als das Stück fertig war, erhob sich das gesamte Theater nach und nach, um den Schauspielern tosenden Beifall zu spenden. Auch Safir applaudierte mit - das Stück hatte ihm gut gefallen. Erst jetzt viel ihm auf, wie lange sie bereits hier waren, denn die Luft war mittlerweile sehr stickig geworden. "Komm, machen wir uns auf zum Gasthaus - aber vergiss deine Schuhe nicht. Alfonso würde es dir nie verzeihen." meinte er gut gelaunt, während er noch am Geländer blieb und wartete, bis Cyli bereit zum Aufbruch war.

    Wieder traf Safir ein vorwurfsvoller Blick, doch zog sie sich die Schuhe mit dem erhöhten Absatz ohne zu murren wieder an. "Du meinst, du würdest mich ohne nicht über die Straße gehen lassen." konterte sie liebenswürdig scharf und kicherte dann verhalten, ehe sie seinen Arm in Anspruch nahm - nochmals dazu verleitet zu werden, sich der länge nach hinzulegen, nur weil sie in dieser Aufmachung nicht richtig laufen konnte, wollte sie nicht. Sie lächelte ihn ehrlich an, denn gehen in den Schuhen war eine Qual.

    Safir erwiderte ihr Lächeln mit einem warmen seinigem, und gemeinsam machten sie sich daran, wieder aus dem Theater zu verschwinden. Etliche Zuschauer blieben jedoch, und überall konnte man verschiedene Meinungsaustäusche über die Qualität des heutigen Schauspiels, der Schauspieler und der Geschichte selbst hören. Doch sie beide verspürten wenig Lust, an einer Diskussion teilzunehmen, in der man Fachtermini alleine ihres Klanges wegen verwendete - Safir hatte ohnehin seine liebe Mühe, auch nur grob zu verstehen, um was es ging, wenn davon geredet wurde, wie eloquent die Darsteller beim flanieren im Park gewesen wären - weswegen sie schliesslich das Kusliker Residenztheater verliessen und wieder an die kühle Nachtluft traten. Praios' Wache war für diesen Tag beendet - und sein Bruder Phex hatte diesen Umstand genutzt um in der klaren Nacht etliche Sterne aufzuhängen. Doch auch die Stadt Kuslik selbst versank noch keinesfalls in Dunkelheit: etliche Fackeln erhellten die breiten Geschäftsstraßen, sodass man selbst des Nachts noch zielsicher an etliche Etablissements gelangen konnte. Safir blickte zu seiner Begleiterin. "Na, was meinst du - sollen wir diesen rundum gelungenen Tag mit einer guten Mahlzeit beenden? Ich habe erst letztens wieder einiges eingenommen, für ein gutes Essen kann ich ohne weiteres Aufkommen. Ich habe ohnehin gehört, dass es ganz in der Nähe unserer Unterkunft eine Gaststube namens Xiechops Taverne geben soll, in der es vorzügliche Hausmannskost gibt."

    "Du willst noch etwas essen?" fragte sie sichtlich verblüfft. Ihr Magen hatte sich den ganzen Tag über nicht gemeldet, doch grade als sie "Ich denke wir werden schlafen gehen" sagte, knurrte dieser als ob er sie Lügen strafen wollte. Ihr Lächeln glitt leicht aus ihrem Gesicht. "Gut, gehen wir was essen." fügte sie dann mit einem Blick an sich herunter an. Der Weg zurück war für Cylithia zunehmend einfacher, entweder gewöhnte sie sich langsam daran, in solchen Schuhen zu laufen, oder es war einfach normal, das sie die Balance darin inzwischen halten konnte, ohne sich an Safir festklammern zu müssen. So lief sie bereits ohne seinen Arm, als sie in die Straße einbogen, auf der sich die Taverne befand. "Wer hat solche Schuhe eigentlich erfunden?" murmelte sie zu sich als sie schließlich vor dem Eingang angekommen waren - sie freute sich darauf, diese Tötungswerkzeuge für ihre Füße abstreifen zu können.

    Safir zuckte mit den Schultern, während seine einzige Antwort auf ihre erste Frage ein breites Grinsen war. Er bedauerte es etwas, dass sie mittlerweile ohne seine Hilfe gehen konnte – aber andererseits mochte er ihre Selbstbestimmtheit. Sie warfen einen Blick in die Taverne – nur um festzustellen, dass diese innen bereits nahezu voll war. Allerdings hatten sie Glück, und in diesem Moment erhoben sich einige Gäste, die die Sitzmöglichkeiten ausserhalb wahrgenommen hatten. Schnell nahmen sie Platz an dem kleinen Tisch, als auch schon eine Bedienung heran eilte, um ihre Wünsche entgegen zu nehmen. Safir bestellte sich – neben einem Becher Wein – eine leichte Brotmahlzeit, die mit Wurst, Käse, Fisch und einem Salat bereichert wurde. Als bereits im Voraus bezahlt werden sollte, tat er dies für Cyli und sich. Als die Bedienung fort war, streckte er sich genüsslich - seine Manieren waren ihm nun nicht mehr so wichtig. „Ein langer Tag – aber ein guter Tag.“ meinte er, und sah hinauf in den Sternenhimmel. „Ein Tag, an den ich mich gerne erinnern werde...“ Er schielte zu ihr hinüber und zu Boden, als er verschwörerisch meinte: „Du kannst die Schuhe übrigens ausziehen. Unter dem Tisch bemerkt das niemand.“ Dann grinste er, und wandte sich wieder den Sternen zu.

    "Wa...?" begann sie, doch Cylithia schluckte den Rest der Frage herunter. Anscheinend war es offensichtlich genug, das sie die Schuhe an ihren Füßen nicht mochte. Sie beugte sich vor und mit flinken Handgriffen war sie Barfuß. Ein zufriedenes Seufzen entfuhr ihr, als sie sich wieder aufrecht hinsetzte. Mit einem Schmunzeln rollte sie ihren Kopf von einer Seite zur Anderen, um ihn zu lockern. Ihre Getränke waren fast augenblicklich zur Stelle - Cylithia hatte sich mit einer Art Honigwasser begnügt, da ihr noch die letzte weingeschwängerte Nacht in der Khom bildhaft vor Augen war, sie wollte nicht nochmals so etwas machen wo es noch mehr Menschen gab, die sich darüber austauschen hätten können. So prostete sie Safir zu und trank zwei große Schlücke, ehe sie sich die Lippen gekonnt ableckte und den Becher wieder auf den massiven Tisch stellte. "Ist irgendwas?"

    Safir, der gebannt beobachtete, wie Cyli ihre Zunge über ihre Lippen gleiten lies, hörte die Frage erst nicht. "Bitte?" murmelte er etwas peinlich berührt. "Nichts. Es ist nichts." Er trank einen Schluck Wein, um den Geschmack auf seiner Zunge loszuwerden, der sich gerade darauf breit machte. "Ich... habe mich einfach gefreut, dass du den Tag ebenso genossen hast wie ich." Er zuckte mit den Schultern und liess den Wein in seinem Becher hin- und her schwenken. Ein paar Minuten herrschte Stille an ihrem Tisch. "Weisst du, ich..." durchbrach er die Stille, als er jedoch unterbrochen wurde. Das Essen wurde geliefert, und im Nu zierten mehrere irdene Teller mit Broten, Wurst, Käse und vielem mehr den Tisch. Die Bedienung verabschiedete sich mit einem höflichen Knicks, während Safir etwas vor sich hin grummelte, war sein Satz doch unterbrochen worden. "Was meintest du?" fragte ihn Cyli. "Ach - ich wollte dir nur für den heutigen Tag danken. Hätte ich dich nicht getroffen, ich hätte ihn nicht so erleben können. Ebenso wenig wie all die anderen Tage unserer Reise. Also... danke." meinte er, während seine Augen verrieten, dass er eigentlich etwas anderes hatte sagen wollen.

    Sie legte den Kopf schief. Anschliessend nickte nach einer kurzen Weile und wünschte ihm einen guten Appetit - danach langte die Maga zu. Während sie eine Scheibe aß, war sie schon damit beschäftigt die nächste zu schmieren. Vermutlich hätte sie noch schneller gegessen, wäre das Mieder nicht gewesen. Dieses machte es doch um einiges Schwerer genug in ihren Magen zu bekommen, da die Ausdehnungsmöglichkeiten begrenzt waren. "Wenn wir uns nicht getroffen hätten, würde ich vermutlich immer noch auf der anderen Seite der Khom sein." gab sie zu, "...oder irgendwo darüber auf dem Weg nach Gareth... wobei ich bezweifle das ich da jemals angekommen wäre..." sie verlor den Faden und blickte an Safir vorbei, ehe sie sich wieder dem Essen zuwandte.

    Schweigend aßen sie, während die abendliche 'Stille' der Stadt an ihre Ohren drang. Als sie schliesslich fertig gegessen hatte, konnte Safir nur mit Mühe ein Gähnen unterdrücken. Sie beschlossen schweigend, sich zur Ruhe zu begeben - bezahlt hatte Safir ja bereits schon. Somit liessen sie die Teller einfach liegen und machten sich auf, um eine Straße weiter zu ihrer Unterkunft zu gelangen. Sie trafen dieses Mal Dralosch an, während seine Brüder bereits schliefen. Sie wünschten sich eine schöne Nacht und begaben sich schliesslich in ihre Räumlichkeiten. Schnell hatte sich Safir von der horasischen Kleidung befreit. Während er nur noch in Leinenhose bekleidet war, hörte er auf einmal Cyli frustriert aufseufzen. "Safir - hilf mir doch bitte hier heraus." Er wandte sich um, ging zu den Vorhängen von Cylis Bett - und fand sie mit recht viel entblösster Haut vor. Sie hatte ihm den Rücken zugedreht und sah nur über die Schulter zu ihm hinüber. Er konnte gar nicht anders - sein Blick wanderte an ihr hinab. Vom entblössten Hals, der wie der Rest ihrer Haut durch ihren Marsch durch die Khom eine gesunde Bräune angenommen hatte... über die freien, zierlichen Schultern... die Linien ihres Torsos entlang - von der durch das Mieder hervorgehobenen Brustpartie über ihre schmalere Hüfte hin zu ihrem Hintern... und dann die langen Beine hinab, die immer noch in Seidenstrümpfen steckten... Safir schluckte merklich, als sich so einiges bei ihm regte. Langsamen Schrittes kam er näher und strich sanft ihre Haare vom Rücken. Kurz liess er seine Finger wie zufällig den Hals entlang gleiten, bevor er sich daran machte, die Schnüre des Mieders wieder zu entknoten und zu lösen. Bei den letzten schnüren angekommen, trat er etwas näher an sie heran und löste das Mieder vorsichtig, um es schliesslich bei den anderen Kleidungsstücken zu verwahren, die sie in der ihr zur Verfügung gestellten Truhe gelagert hatte.

    Ohne das Mieder stand sie beinahe nur noch in Rahjas Gewand vor ihm. Sein Blick konnte sich kaum von ihr Lösen, während sie nur noch in wenig Stoff gehüllt vor ihm stand. Er hatte gehört, wie der Schneider Alfonso Cyli eine neue Erfindung aus Belhanka angepriesen hatte - eine, 'bei der ihr die Männer zu Füßen liegen würden' - aber er hatte es für die typische Übertreibung eines Händlers gehalten. Jetzt jedoch wurde er eines besseren belehrt. Um die Lenden und die Brust waren verzierte Seidentücher geschlungen, die ihre Formen mehr betonten als es das Mieder je gekonnt hatte - aber zugleich entzog es sie auch der Betrachtung, denn der Stoff war nicht durchsichtig. Cyli unterdessen streifte sich - scheinbar nicht seiner Blicke gewahr, obwohl sie sich sehr nahe standen - ihr Nachtgewandt über. Auf einmal drang ein leises "Danke." an seine Ohren. Überrascht richtete er den Blick nach oben, und sah Cyli ihn mit leicht errötetem Gesicht anlächeln. Automatisch zeigte sich auch auf seinem Gesicht ein Lächeln. "Nichts zu danken. Eine erholsame Nacht." meinte er, als er sich umdrehte und zu seinem Bett zurück ging und sich nun für das Bett völlig entkleidete. Noch während er sich hinlegte, schalt er sich den größten Narren seit dem Bestehen Deres. Die Gelegenheit war quasi perfekt gewesen! Alles, was er hätte tun müssen, wären ein paar Worte gewesen, eine Bekundung seiner Zuneigung... aber es schien nicht so einfach zu sein. Ein schwerer Seufzer löste sich aus seiner Kehle. Nach und nach erkannte er, dass sie anders war als jede Frau, mit der er einmal intim geworden war. Und ihm wurde mehr und mehr bewusst, dass Cyli ihm mehr bedeutete, als es alle Frauen zuvor jemals getan hatten. Mit diesem letzten Gedanken - und dem Bedauern um eine großartige, verpasste Gelegenheit - schlief er schliesslich ein.

  8. #8
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    Kapitel V: Von akademischer Konkurrenz

    Am nächsten Tag wachte Safir blinzelnd auf. Er hatte seit längerem endlich wieder einmal ruhig geschlafen, was wohl nicht zuletzt am gestrigen Abend lag. Routiniert blieb er nicht lange liegen, sondern zog die Bettdecke beiseite und streckte sich erst einmal ausgiebig, bevor er sich seine Hose wieder überzog. Anschliessend machte er sich daran, seine morgendlichen Übungen wieder aufzunehmen - immerhin musste man ja in Form bleiben. Er begann mit Liegestützen und Dehnübungen, während er schliesslich hörte, dass Cyli ebenfalls aufgestanden war. "Die Zwölfe zum Gruße." meinte er gut gelaunt, während er mit immer noch freiem Oberkörper seine Dehnübungen fortsetzte. "Was wollen wir heute alles unternehmen? Ich würde einen weiteren Tempelbesuch vorschlagen."

    "Die Schwölf..." nuschelte sie und gähnte ausgiebig mitten im Satz und sah mitgenommener aus als sie war - immerhin war ein ordentliches Bett manchmal Gold wert. "Einen weiteren Tempelbesuch?" fragte sie, während sie sich zur Waschschüssel beugte und ihr Gesicht mit dem zuvor eingeschütteten Wasser benetzte. Ihre Haarpracht rutschte ihr dabei ins Gesicht. Knurrend zog sie die Pracht zurück und band sie zu einem Zopf, bevor sie damit begann ihr Gesicht richtig zu waschen. Dabei hatte Safir freien Blick auf ihre ungewöhnlichen Ohren, über die sie seit dem für ihn schmerzlichen Zauber nicht mehr gesprochen hatte - jedes Mal wenn er das Thema hatte aufgreifen wollen hatte, sie ihm einen Blick zu geworfen, der tödlich gewesen wäre, hätte sie dazu einen Zauber gemurmelt.

    "Sag mal..." begann er, während er ihren Ohren nur einen betont kurzen Blick zugeworfen hatte, "... was hat es eigentlich damit auf sich?" Er hörte mehr als das er sah, wie Cyli sich umdrehte. Er hielt kurz inne, sah zu ihr und machte eine Geste, die auf die Ohren deutete. Anschliessend drehte er sich jedoch wieder um, während er damit begann sich anzukleiden. Für den heutigen Tag zog er seine gewohnte, tulamidische Tracht wieder vor - und natürlich durfte auch sein Mantel nicht fehlen. Es war eine Frage, die in sachlich neutralem, wenngleich neugierigem Tonfall gestellt worden war - ganz so, als hätte er nach dem Wetter gefragt. Safir versuchte sich nämlich daran, es so beiläufig wie möglich klingen zu lassen, denn Aufmerksamkeit schien ihr schon immer ein wenig negativ aufzustoßen - und es war wohl einfach ein sehr sensibles Thema. Seiner äusseren Ruhe zum Trotz war er deshalb recht angespannt - das letzte Mal, als er sie offen darauf angesprochen hatte, war in der Khom gewesen - und da hatte er einen Feuerstrahl in den Leib gejagt bekommen.

    Es blieb lange ruhig im Raum, denn Cylithia war hin- und her gerissen zwischen einem weiteren Zauber, den sie Safir entgegen schleudern würde, oder ihm die Wahrheit zu erzählen. Doch sie entschied sich nach etlichen Minuten für einen Weg, der ihr als nicht ganz wahr, aber auch nicht unwahr erschien. Sie schluckte hart und holte mehrmals tief Luft, bevor sie Safirs tätowierten Arm ergriff. Sie verkrampfte ein wenig, denn es schien ihr schwer zu fallen überhaupt davon zu sprechen. "Magie ist nicht immer nur dein Hilfsmittel..." begann sie und fuhr nachdenklich über seinen Arm, dabei die Linien nachziehend, die sich auf seiner Haut befanden. "Besonders die elementare Magie kann einen Verändern und sich manchmal in einem selbst manifestieren... Ich bin froh, das es nur meine Ohren sind - und mir nicht etwa ein zweites Paar Arme gewachsen sind."

    Safir blieb still und regungslos stehen, während ihm Cylithia davon erzählte. Es erklärte ihm so einiges - gerade auch, warum sie sich überhaupt nicht gerne mit der Thematik befasste. Währenddessen spürte er, wie sie seine Tätowierung nachfuhr. Es sandte einen wohligen Schauer über seinen Rücken, doch er blieb still und konzentrierte sich auf ihre Worte - noch einmal würde sie diese nicht wiederholen wollen. Als sie geendet hatte, drehte er sich langsam um. Er griff an ihre Schultern und sah ihr tief in die Augen. "Danke, dass du es mir erzählt hast. Ich weiss es zu schätzen. Und... verzeih. Ich muss ungute Erinnerungen wach gerufen haben." Mit diesen Worten beugte er sich vor und hauchte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Anschliessend lächelte er ihr zu. "Nun, dann lass uns einmal überlegen, was wir mit dem Tag weiter anfangen. Und ja, ich bin tatsächlich dafür, einen weiteren Tempel aufzusuchen. Mein Vorschlag wäre der Tempel der heiteren Göttin gewesen. Uns steht noch ein weites Stück Weg bevor - und ich meine, dass ein wenig Harmonie dafür nie schaden kann."

    "Harmonie?" fragte sie nun mit erneut schief gelegtem Kopf. Sie wandte sich um und begann damit sich ihre normale Gewandung über zu ziehen, doch blieb die Unterwäsche an ihrem Leib. Sie schien ihr zu gefallen. Danach verbrachte sie etliche Minuten damit ihre Haare zu Bürsten, obwohl sie es eigentlich nicht bedurft hätten. Dennoch musste Safir bei dem Anblick lächeln – hatte sie doch dieses Verhalten sich erst angeeignet nach dem sie ihn fast Praios feuern gebraten hatte.

    „Harmonie, in der Tat.“ schmunzelte Safir. „Man vergisst es oft, aber selbst in unserer Heimat ist die Heitere nicht nur auf die körperliche Liebe fixiert, sondern auch auf Anderes. Aber natürlich tendieren etliche Männer dazu, dies zu übersehen – jedoch gehöre ich zu denjenigen, die sich darum bemühen, Sie in Ihrer Ganzheit zu sehen. Immerhin gab sie uns Menschen die Liebe. Das sollte doch gebührend honoriert werden.“ meinte er mit hörbarem Schalk, aber auch mit dem gebührenden Ernst in der Stimme (letzteres, je länger er sprach), ehe auch er sich vollständig angekleidet hatte und sich seinen Mantel überzog. Wie immer hatte er auch seine ledernen Armschienen darunter angezogen – 'Ein wenig Schutz schadet nie. Man kann nie wissen, wann man diesen brauchen wird.' pflegte er zu sagen.

    "Wenn ich es nicht besser wüsste..." murmelte die Frau kichernd und legte die Bürste beiseite. Ohne weiter darauf zu achten, ob sie alles dabei hatte was sie brauchen sollte für einen weiteren aufregenden Tag in Kuslik, schritt sie zur Tür. "Dann lass Aves unseren Führer spielen." lächelte sie, als sie die Tür auf zog. "Ich denke, der Tempel der Rahja wartet auf dich" kicherte sie weiterhin und begab sich hinaus. Doch anstatt einfach hinaus zu wandern, blieb sie im Schankraum. "Aber bevor wir dort hin eilen, wäre ich für etwas morgendliche Verköstigung."

    „In der Tat. Mit leerem Magen fällt das Beten schwer – vom ganzen Laufen ganz zu schweigen.“ meinte Safir gut gelaunt. Sie wandten sich an die Zwergendrillinge, die ihnen bald darauf eine ordentliche Brotzeit servierten, 'gewürzt' durch gebratenen Speck und Ei. Doch trotz des guten Mahls aß Safir recht wenig. Als Cyli zurückdachte, fiel ihr auf, dass sich Safir schon immer recht zurückhaltend beim Essen – oder generell auch bei Genüssen – verhalten hatte. Ganz so, als wäre er entschlossen, sich durch Verzicht zu stählen. Somit war die Mahlzeit auch bald beendet, während Safir sich wie üblich Zeit nahm, um sich gemeinsam mit der Maga zu erheben.

    Nach dem Frühstück verliessen beide ihre Bleibe, um sich auf den Weg zum Tempel zu machen. Sie waren nun schon den zweiten Tag hier, und so hatte die Stadt etwas ihrer eindrucksvollen Größe eingebüßt – doch es war immer noch genug, um häufig ins Staunen zu kommen. Ihr Weg führte sie durch verschlungene Gassen hindurch, bis sie schliesslich vor einem großen Areal ankamen. Ein weiter Park samt See und Bänken bedeckte eine weite Fläche, während inmitten des Grüns der Tempel der Rahja lag. Völlig bedeckt von rosafarbenem Muschelkalk lud auch dieser Tempel zum Staunen ein, als sie darauf zuschritten. Safir liess Cyli den Vortritt, und gemeinsam betraten sei das Tempelinnere. Der Wundheiler machte sich sofort daran, nach dem Altar Ausschau zu halten und wurde fündig. Der Strom von Pilgern war hier längst nicht so gewaltig wie im Tempel der Hesinde, waren die Kusliker doch ein prüdes Völkchen, sodass sich Rahja nicht gerade ungebremster Beliebtheit erfreute. Safir sank vor dem Altar auf beide Knie, wie es sich gehörte, und begann mit einem stillen Gebet.

    Cylithia Kniete sich nicht hin. Ihr war kein Gebetsgrund eingefallen, in dem sie sich an Rahja wenden konnte. Erst nachdem Safir schon aufgestanden war und gehen wollte, setzte sie sich auf ihre Beine und begann leise etwas an die Göttin zu wenden. Dabei verwendete sie bBosprano, da sie nicht beabsichtigte, das Safir etwas davon verstand. Da er Tulamedisch und garethi verstand, wich sie auf diese Urtümliche Sprache aus - Zhayad würde sie schon nicht benutzen, schlicht aus dem Grund weil die Sprache dafür nicht gedaht war - und etwas Stolz, diese Geheimnisvolle Schrift sprechen zu können.

    Safir schnappte nur einzelne, ihm unverständliche Wortfetzen auf - aber es machte ihm nichts aus. Nicht hier, im Tempel der heiteren Göttin. Und auch, wenn es hier weitaus züchtiger zuging als in den heissen Landen ihrer Heimat, war die Kleidung der Geistlichen doch kaum als solche zu bezeichnen. Aus den Augenwinkeln sah er, wie eine Priesterin der Rahja - nur in rote Seidenschleier gehüllt, die beinahe mehr entblössten als sie verdeckten - gerade mit einem Paar von Gläubigen sprach, seinen Blick bemerkte und ihm neben einem Zwinkern auch einen Luftkuss zuwarf. Fernes Kichern drang an seine Ohren, als er sich jedoch wieder Cyli zuwandte, die sich gerade erhob. Safir warf noch ein paar Münzen in die Opferschale - bei einem Tempelbesuch wollte er nicht knausrig sein - und wandte sich seiner Gefährtin zu. "Wollen wir? Ich denke, wir könnten noch ein wenig durch die Stadt schlendern... immerhin haben wir bisher nur an der Oberfläche von dem gekratzt, was diese Stadt zu bieten hat. Ausserdem muss ich wohl noch einmal zu Maestro Alfonso - ich habe die eine oder andere Garnitur, die dringend einmal ausgebessert werden müsste." "Ähm... zu ihm wollte ich auch noch mal.." sagte sie und ging in Richtung Ausgang, wobei sie der Geweihten einen kurzen Blick zu warf und dann hinaus schritt. Die Morgendliche Luft tat gut und sie hatte Mühe das Bild der Geweihten aus ihrem Kopf zu verbannen. Seufzend wandte sie sich zum gehen und bemerkte, das eine ganze Gruppe von Zwergen im Gänsemarsch in eine Richtung am Park vorbei zog. "Es gibt noch mehr von denen!" entfuhr es ihr, bevor sie sich die Hand an den Mund hielt und sich für den Gedanken schämte.

    "Die Welt ist groß." pflichtete ihr Safir ernst bei. "Mit jedem Tag, der verstreicht, sehe ich mehr von dieser Welt, entdecke mehr von all den Dingen, die die Götter schufen und die ich bisher noch nicht sehen konnte." Er warf ihr einen kurzen Blick zu, während er sich bereits auf den Weg in Richtung Alfonso begab. "Umso gespannter bin ich, was uns im Norden erwartet. Ich habe gestern zwei Damen dabei überhört, wie sie darüber sprachen, dass es diesen Winter wohl wieder viel 'Schnee' geben wird. Ich wusste noch nicht einmal, von was sie reden." Er schüttelte den Kopf. "Aber es ist mühselig, über all dies nachzudenken. Ein einzelner Mann - oder eine einzelne Frau - wird wohl nie alles in Erfahrung bringen können, was das Leben bereit hält. Aber ich weiss, was die nächste Zeit für uns bereit hält..." sprach er, als sie beide stehen blieben und er ihr ein reuiges Lächeln zuwarf. "... eine ganze Menge Worte, die zu schnell kommen, um sie jemals ganz mitzubekommen." Mit diesen Worten betrat er Alfonsos Geschäft. Sie lächelte gequält, als sie hinten drein schritt - sie hatte schon vergessen, das Alfonso einen Wasserfall an Worten von sich gab, ohne dessen auch nur überdrüssig zu werden. Und genauso begrüßte er sie auch.

    "Oh, der Herr, die Dame, was führt euch erneut in mein bescheidenes Geschäft?" - "Nun..." Cylithia errötete und beugte sich dann zu dem kleineren Mann hinunter, dessen Mine immer heller wurde - hatte er doch grade jemanden gefunden, dem er etliche Münzen abnehmen konnte. "Gewiss, gewiss, wenn ihr dort drüben hingeht, werdet ihr einige Modelle finden, ich hoffe sie gefallen euch... aber nun zu dir, ich denke, du hast auch ein Anliegen?" Safir hatte schon vor dem Betreten des Geschäfts beschlossen, nur das absolut nötigste zu sagen, um das Risiko, unterbrochen zu werden, zu minimieren. Das zahlte sich nun aus. Auf die Frage des Maestros nickte er bloß, während Cyli sich rasch zu den ihr gezeigten Regalen begab. "Eine Reparatur." meinte der Wundheiler knapp, was Alfonso eine Schnute ziehen liess. "Eine simple Ausbesserung, so? Eine Verschwendung ist das, mein Talent vergeudet. Ich kann mir nicht einmal im Entferntesten vorstellen, warum..." begann er, während Safir jedoch schon seinen Mantel ausgezogen und ihn auf den Tresen gelegt hatte. Als sein Gesprächspartner dies sah, rümpfte er die Nase - und hielt inne. Sein Blick wechselte von 'abwertend' zu 'neugierig', während er den Mantel betastete. "Woher hast du..." begann er, doch Safir unterbrach ihn, indem er ihm seinen Ring unter die Nase hielt. Der Maestro besah sich ihn näher, und nickte dann langsam. "Ich meine zu verstehen, ja, in der Tat. Diese spezifische... Ausprägung ist mir zwar nicht bekannt, das Wesen jedoch schon - und er ist authentisch und auf Euren Namen graviert." Safirs Augenbrauen wanderten in die Höhe. "Ihr könnt ihn..." begann er, verfluchte sich jedoch innerlich zugleich - sein Satz war zu lang gewesen. Und prompt folgte die Konsequenz auf dem Fuß, denn Alfonso unterbrach ihn, als ob er nie etwas gesagt hätte. "Natürlich verstehe ich mich darauf, immerhin ist meine Kunst sehr gefragt, es gehört zum Geschäft und zur Höflichkeit, so etwas zu kennen." Er hielt den schmutzigen Mantel Safirs hoch und liess einen Seufzer fahren. "Kommt in 2 Tagen wieder, dann dürfte ich ihn wieder in seinen Idealzustand revertiert haben." "Repariert?" "Revertiert, ja. Nun denn - ich habe mich lange genug mit Euch aufgehalten." meinte er und wandte sich Cyli zu. "Hat die gelehrte Dame gefunden, wonach sie gesucht hat? Oder bedarf es Anpassung? Ich könnte Veränderungen vornehmen, um das spezifische Stück euren Vorstellungen anzupassen, ja, in der Tat. Darf es davon etwas sein? Al'Anfanische Seide? Kusliker Leinen? Verzierungen? Eine andere Färbung vielleicht? Nun sprecht schon und lasst Euch nicht jedes Wort aus der Nase ziehen!"

    "Ich...", Cylithia war hochrot geworden und begann dann leiser mit Alfonso zu reden. Safir konnte nur staunen über das, was sie haben wollte, denn ihr Geldbeutel war, als sie den Laden verließen um einiges dünner und entsprechend war die gute Maga um etliche Geldstücke ärmer. "Also, wo wollen wir als nächstes hin?" meinte sie und mied den direkten Blick zu Safir, denn sie wusste das er ihr vorhalten würde das sie ihrer Reisekasse nichts gutes getan hatte.

    "Wir könnten überlegen, wie wir das Loch stopfen, aus dem unser Geld fliesst. Es verschwindet meist, wenn man mal einen Augenblick zur Seite sieht." meinte Safir in etwas tadelndem Tonfall, aber wirklich angefressen konnte er nicht sein. Auch wenn er sich redlich bemühte. "Nun ja... solange es dir wirklich gefällt... aber dann sollten wir uns auch daran machen, Geld für den nächsten Wegabschnitt zu verdienen, denn im Moment sieht das etwas eng aus." Er seufzte, während sie um die Ecke bogen. "Ich denke, wir sollten..." begann er, als er auch schon unterbrochen wurde. Ein Mann wollte genau zur gleichen Zeit um die Ecke biegen, und somit prallten Wundheiler und Passant ineinander. "Oh, Verzeihung." meinte Safir überrumpelt - während sein Gegenüber deutlichere Worte wählte. "Was glaubst du eigentlich, was du da tust?? Ich bin Adepto Maior Salvatore di Ferrerri, und ich verlange..." begann er, während auch er sich unterbrach, als er Cylithia erblickte. "... ich verlange, dass du dich entschuldigst, da du mir deine zauberhafte Begleitung nicht unverzüglich vorgestellt hast."

    Schon während Safir den Mund öffnete, verbeugte sich der Magier galant und lächelte Cyli zu. Er ergriff ihre Hand, um ihr einen Handkuss darauf zu hauchen. "Adepto Maior Salvatore di Ferrerri, es ist mir ein Vergnügen. Und ihr seid...?" meinte er, nur um sich abermals zu unterbrechen, als er das Siegel auf ihrer Hand erblickte. "... ihr seid aus Raschtul! Ihr seid eine Elementaristin? Heureka! Hesinde steht mir bei. Ich - nein, die ganze Akademie - könnte Eure Hilfe brauchen!" Während die Worte aus dem Mund des Magus' nur so sprudelten, stellte Safir missmutig fest, dass dieser Cylis Hand nach wie vor noch in den Händen hielt. Diese lächelte leicht verlegen, da der Adepto ihrer Meinung nach ihre Hand zu lange hielt - der Anstand es aber gebot, dass sie sie nicht einfach weg zog. "Adept... Adepta Minor Cylithia Heifast." sagte sie und schien etwas zu schwellen, denn ein ihr Unbekannter Stolz - an der Akademie zu Rashdul studiert zu haben - war in ihr entfacht. Vorsichtig zog sie ihre Hand zurück, was Ferrerri geschehen ließ. "Und ja, ich bin Elementarzauberin..." Ein wenig verfluchte sie die Tatsache, das man dies so einfach aus ihrem Siegel ableiten konnte, aber es war etwas, worauf man dennoch Stolz sein konnte. "Also... ihr spracht davon, das ich euch helfen könnte?"

    Während Safir neben der Unterhaltung stand und neben einem höflichen Lächeln wenig mehr tun konnte - die Magier hatten beinahe instinktiv in Zhayad gewechselt - unterhielten sich die Magier ungeachtet dessen weiter. "Ihr könntet mit kulturellem - und vor allem wissenschaftlichen - Austausch dienen. Por la Scientia! Denn seht, ich bin Dozent aus dem Institut der arkanen Analysen zu Kuslik für angewandte Metamagie. Wie Ihr sicherlich bereits gehört habt, bildet das Institut keine Magier aus - wohl aber weiter. Es ist eine Stätte, die alleine dem Fortschritt des Geistes dient - doch leider haben wir im Moment niemanden, der uns die Vorgänge des elementaren Gleichgewichtes oder gar der Invokation elementarer Wesenheiten näher bringen kann. Ihr würdet sämtlichen Eleven also einen unschätzbaren Dienst erweisen - und natürlich wird die Academia euch dafür angemessen entlohnen. Wählt, ob ihr bare Münze oder Dienstleistungen als Form des Lohns wünscht - und ihr werdet es bekommen." Während Salvatore seine Worte durch Gesten unterstützte, lächelte er seiner Gegenüber immer wieder charmant zu - und strafte den Wundheiler mit vollkommener Missachtung, was dieser allerdings nur mit gefasster, freundlicher Miene quittierte. Innerlich jedoch ging ihm der Magier durchaus auf die Nerven - was er allerdings geschickt zu verbergen verstand.

    Cylithia hob die Augenbrauen, war sie sich doch sicher, dass die Akademien genügend Dozenten hatten, aber dieser hier versicherte ihr, dass dem nicht so war und auf merkwürdige Weise konnte sie ihm nichts entgegen werfen, wie Safir, wenn er versuchte ihr Komplimente zu machen. "Ich weiß nicht ob ich gut genug dafür bin, aber einen Versuch... wird's wert sein." Sie lächelte. Und war froh, das Salvatore höchst erfreut schien, dass sie ihm zugesagt hatte. So schritten sie hinter dem Magus mit Safir im Schlepptau her. "Ich glaube, unsere Geldprobleme haben sich grade in Luft aufgelöst." meinte sie zu ihm und hob erneut die Augenbrauen, da Safir sie mit einem Blick ansah, der ihr nicht gefiel.

    Der Wundheiler wandte erst nach einigen Sekunden den Blick von Cyli ab und konnte einen Seufzer kaum unterdrücken. "Nun, wenn du meinst, dass du dir dadurch Geld verdienen willst, wird dich niemand daran hindern... versprich mir aber, dass du auf dich aufpasst." meinte Safir und warf dem Magier einen misstrauischen Blick zu. Für seinen Kommentar erntete er einen skeptischen Blick, den er jedoch ignorierte, da er auf der anderen Straßenseite etwas viel interessanteres gefunden zu haben glaubte. "Nun... wann fängt das Ganze denn eigentlich..." - "Adepta Minor - es wäre mir eine Freude, euch heute das Institut zeigen zu dürfen. Und wenn Ihr dazu bereit wäret, könntet ihr gleich morgen den ersten Vortrag halten. Oder auch schon heute, wenn ihr die nötige Inspiration und Vorbereitung habt." brachte sich der Magier ein, bevor er sich mit geheuchelt mitleidigem Lächeln an Safir wandte. "Du bist natürlich auch gerne eingeladen, eine Vorlesung zu besuchen - jedoch befürchte ich, dass du ohne die Sprachen der Gelehrten nicht wirklich wirst folgen können. Des Weiteren behandeln wir nun einmal höchst brisante und komplexe Sachverhalte, für die ein astral nicht empfänglicher..." - "... so fehl am Platze ist wie ein Straßenjunge auf einem fürstlichen Ball. Macht euch keine Sorgen - ich werde eure gelehrten Hallen nicht häufig stören." meinte Safir mit einem freundlichen Lächeln, während Salvatore dieses erwiderte - bis ihm aufging, dass Safir 'nicht häufig' gesagt hatte.

    War Safir eifersüchtig? Cylithia betrachtete das Gebaren der beiden Männer mit Argwohn - war sie es doch nicht gewöhnt, das sich das Interesse zweier Männer um sie drehte - jedenfalls nicht auf derlei Weise. Sie fasste Safir am Arm und gab ihm einen Blick, der nicht zu deuten war. "Ich denke, er wird mit kommen - es ist mein Wunsch, das er mit kommt. Er muss uns nicht zu hören, er kann, sofern ihr dies an eurer Academia habt, sich in der Bibliotheca um sehen... oder in den Gärten herum schlendern." Salvatore schien nicht so erpicht darauf, das Safir mit kam, was er jedoch schnell unter einem neuerlichen Lächeln verschwinden ließ - wenn er die Maga zufrieden stellte, hatte er möglicherweise ein Stein im Brett - etwas, was ihm die Tatsache, dass der Wundheiler mit kommen sollte, unbedeutend erscheinen ließ, immerhin war dieser nicht astral empfänglich und somit würde diese Frau ganz sicher nicht einen solchen Tölpel wählen.

    Während sich der Magier wieder nach vorn wandte, um den Weg zu weisen - scheinbar in seinem Ego befriedigt - drückte Safir Cyli kurz dankbar die Schulter, bevor er erneut eine betont gelassene Miene aufsetzte. Doch zuvor hatte er deutlich ein erleichtertes, dankbares Lächeln gezeigt. Sie gingen den weiteren Weg in Schweigen gehüllt - als der Magier schliesslich jedoch inne hielt und die Arme ausbreitete. "Da sind wir. Darf ich vorstellen - das freie wissenschaftliche Institut zur Erforschung, Klassifizierung und Vertiefung Arkaner, Übersinnlicher Kräfte und Phänomene unter dem Schutz Unserer Weisen Herrin Hesinde." Das Gebäude, um das es ging, war... unerwartet. Zwar war es durchaus ein größeres Haus, jedoch hatte es eher den Schein eines Herrenhauses denn einer Akademie. Der Magier bemerkte den Blick der beiden Neulinge und lächelte entschuldigend. "Nun - erlaubt mir, euch dies zu erklären. Eigentlich sollte die Akademie seit bereits 2 Götterläufen stehen - doch es gab einige... Verzögerungen. Gildeninterne Dispute und dergleichen - denn da ein Jeder hier forschen und lehren kann, kommt es zwangsläufig zu Differenzen, was den Tagesablauf und etliches weiteres anbelangt." - "Also ist das eine Art... Probephase?" meinte Safir vorsichtig. Als Antwort bekam er nur ein knappes Nicken, während sich Salvatore wieder an Cyli wandte. "Seid jedoch versichert, dass bereits etliche Graue dort sind, und sogar ein paar Weiße - unsere Schwarzen sind jedoch aufgrund eines kürzlichen Disputes... abkömmlich."

    "Ich will gar nicht wissen, wieso..." murmelte Cylithia und seufzte. Das die Gilden sich in den Haaren hatten, war nichts neues. Eigentlich war es schon immer so gewesen. "Also, die Akademie befindet sich so gesehen noch im Bau..." meinte sie dann laut zu sich selber und achtete nicht mehr darauf ob der Magus und Safir sie verwundert ansahen. "Einerseits ist das natürlich schlecht, andererseits kann man dem ganzen auch einen entsprechenden Charme abgewinnen..." - "Cylithia?" hakte der Wundheiler vorsichtig nach, doch diese schien sich nicht aus ihrem Selbstgespräch bringen zu lassen. "... was wiederum bedeutet das die Audienz nicht die Größte ist, etwas was mir wohl zu Gute kommen wird... dennoch macht es... au!" - sie war gegen den Türrahmen gelaufen und erntete dafür ein schelmisches grinsen des Magus und ein resigniertes Seufzen Safirs - er hatte schon öfters bemerkt, das ihre Diskussion mit sich selbst entweder rasch unterbunden werden musste, sollte sie nicht den Bezug zur Realität verlieren - was diesmal von einem recht massiv wirkenden Stück Holz erledigt worden war.

    Safir schritt rasch zur Tür und öffnete sie für die beiden Magier. "Nach den gelehrten Herrschaften." meinte er galant und liess sie eintreten - was ihm unter Anderem einen säuerlichen Blick des Adepto Maiors einbrachte. Dieser revanchierte sich, indem er die Führung mit möglichst vielen Begriffen aus dem Bosparano ausfüllte, sodass Safir meist mit bemüht ausdruckslosem Gesicht neben den Beiden stand. Sie gingen im Erdgeschoss an Eingangshalle und Gesindetrakt vorbei, bis sie bei der Aula vorbeikamen. Dort wurde gerade ein Disput über ein aktuelles Forschungsfeld geführt - die Metaphorische Trasitionen von Antimagie im Feld der Derivate der Merkmalslehre - sodass sie diese bald wieder verliessen und kurz im Speisesaal vorbei sahen. Im ersten Obergeschoss zeigte Salvatore ihnen nur kurz den Lesesaal und das Scriptorium, denn der Großteil wurde von privaten Räumlichkeiten ausgefüllt. Im zweiten und letzten Obergeschoss schliesslich war vor Allem das geschäftige Treiben der Handwerker vorzufinden - aber auch die Bibliothek, die Wasch- und die Studierstuben. "Nun..." meinte der Adepto Maior schliesslich, "... ich bitte Euch, mich zu entschuldigen. Ich habe gleich eine Veranstaltung wahrzunehmen. Seht Euch um, Teuerste - und du fass ja nichts an. Es könnte kaputt gehen." meinte er abschliessend zu Safir, bevor er sich wieder auf den Weg ins Erdgeschoss machte. Der Angesprochene sah sich lässig um. "Ich habe vorhin eine Krankenstation gesehen..." meinte er und gestattete sich ein kurzes Lächeln. "Ich bin mir sicher, ich kann uns dort einige Münzen dazu verdienen."

    "Gewiss... gewiss..." sagte der Magus noch zum 'Abschied' und war aus ihrer beider Blickfeld verschwunden. Das falsche lächeln in Cylithias Gesicht erstarb fast augenblicklich. Wäre Safir nicht schon vorher aufgefallen, dass sie ihr Lächeln aufgezwungen hatte, hätte er sie eine Meisterin der Täuschung nennen können, doch mit Genugtuung stellte er fest, das ihr die Aufmerksamkeit von anderen Männern genauso missfiel, wie die Seinige - was er als kleinen Pluspunkt für sich vermerkte. "Also... du willst dir Münzen in der Krankenstation dazu verdienen?" meinte sie und hatte ein ehrliches Lächeln aufgesetzt, das eher zu ihr passte, wie das kühle, das sie vorher zur Schau getragen hatte. "Ich werde wohl etwas vorbereiten müssen... immerhin hab ich nichts, worüber man einen Vortrag halten könnte..." Sie zog die Schultern hoch und seufzte.

    Es war weit aus später am selbigen Tag, als die Maga ihren ersten Vortrag hielt. Da Cylithia darauf bestanden hatte, den größeren Saal zu benutzen, fanden sie sich des Abends in der Aula wieder. Anwesend waren - neben dem in der vordersten Reihe sitzenden Salvatore und dem recht weit abseits stehenden Safir - ein gutes Dutzend Scholaren, die wohl die Graumagier sein dürften. Während sich die Adepta Minor erst kurz sammeln musste, gewann sie doch bald an Zuversicht und begann schliesslich den Vortrag. Safir hörte aufmerksam zu, musste jedoch feststellen, dass er nahezu nichts verstand. Die Veranstaltung begann mit einer kurzen allgemeinen Erläuterung über das Gleichgewicht der Elemente auf Dere und die Notwendigkeit des Daseins von Hütern dieser Elemente. Anschliessend folgte eine kurze Darstellung der vermuteten wie auch der beobachteten Hierarchie von elementaren Wesenheiten - bis sie schliesslich eine praktische Vorführung begann. Dies war Safirs Stichwort. Auf Cylis Geheiß trug er den jungen, eingetopften Findling nach vorne und stellte ihn in das von der Maga vorbereitete Hexagramm. Anschliessend begann Cyli - die sich in einem Safir unbekannten rein weissem Gewand und barfuß im Saal befand - mit einer Intonierung und mit einigen Gesten, die Safir als Zauber interpretierte. Der Zauber dauerte lange - doch nachdem das Stundenglas zur Hälfte leer war, sprach Cyli die letzten Silben und richtete die Arme auf das Hexagramm. Erst schleichend, dann immer schneller, begann der Findling sich zusammen zu krümmen und sich langsam in die Erde des Topfes zurück zu ziehen. Mit einem Mal schälte sich eine neue Rebe aus dem Humus hinaus in die Höhe, wurde breiter und breiter - als sich langsam aber sicher eine humanoide Gestalt zu bilden begann. Immer mehr wurde aus der Pflanze ein stattlicher Mann, der schließlich auf den Boden trat und sich um sah.

    "Dies ist eine Wesenheit des Elements Humus..." doch bevor Cylithia in ihrem Satz fortfahren konnte, meldete sich die entsprechende Wesenheit zu Wort. "Wie unfein... ich habe einen Namen, weisst du?" Die Maga verdrehte kurz die Augen. "Namentlich Adonis." Sie blickte in die Gesichter der anwesenden Scholaren und bekam das Lächeln nicht mehr aus dem Gesicht. Sie ging um Adonis herum, der sich der Aufmerksamkeit seiner Selbst gewahr wurde. "Wesenheiten der Elemente können ihre Eigenheiten haben. Adonis hier liebt Aufmerksamkeit, habe ich nicht recht?" Ohne rot zu werden oder es abzustreiten nickte der Dschinn kurz. "Er wird euch keine Fragen beantworten - oder Wünsche erfüllen" - dabei war ihr Wort offensichtlich an Safir gewandt. "Dennoch ruft man ein solches Wesen, um große Magie wirken zu lassen. Jedes Element hat Wesenheiten, größere, kleinere, lokale und - wenn man den genauen Namen kennt - auch Transregionale."

    Kurz flackerte Verstehen in den Augen des Wundheilers auf, jedoch bemühte er sich nach wie vor um eine ausdruckslose Miene. Lediglich ein angedeutetes Nicken in Richtung Cylis zeigte dieser, dass er ihre Worte verstanden hatte. Sie fuhr jedoch gleich darauf mit ihrem Vortrag fort. Sie wechselte einige Worte mit dem Djinni, der sich wohl 'Adonis' nannte, woraufhin dieser nickte und sich dem Topf zuwandte, aus dem die Pflanze vollständig verschwunden - oder besser, 'in ihm aufgegangen' - war. Mit liebevollen Gesten, ganz als ob er eine Liebhaberin umgarnen und streicheln würde, lockte er aus der Erde eine Pflanze heraus, die in Sekundenschnelle immer größer und größer wurde, bis sich schliesslich ein kompletter Findling im Topf befand. Safir staunte nunmehr mit offenem Mund - hatte ihn die Beschwörung des Djinnis selbst schon beeindruckt, war diese offenkundig übernatürliche Aktion nun beinahe noch imposanter. Auch von den übrigen Studiosi kamen laute Bezeugungen von Bewunderung - doch dem Wundheiler stach vor Allem Salvatore, der Cyli mit beinahe schmachtendem Blick betrachtete, ins Auge. Als sich Safir räusperte und eine Frage stellte, fing dieser sich jedoch wieder - wohl alleine des Erstaunens wegen, dass der einzige Nicht- Magier im Raum an der Konversation teilzunehmen gedachte. "Wie stark ist es diesen Wesen - oder nehmen wir einfach einmal Adonis hier - möglich, in unsere Welt einzugreifen? Welche Grenzen sind ihrem Handeln gesetzt?" Cyli zog überrascht eine Augenbraue hoch, antwortete dann jedoch auf die Frage. "Nun, genau gesagt wissen wir es nicht. Jede Wesenheit stellt ihrem Beschwörer nur einen begrenzten Teil an Kraft zur Verfügung. Der Anteil an einsetzbarer astraler Kraft entspricht grob etwa der eines Adepten in seinem letzten Lehrjahr." Nach diesem Satz schoss sofort Salvatores Hand in die Höhe - scheinbar wollte er es sich nicht nehmen lassen, mit präzisen, belesenen Fragen die Aufmerksamkeit von Safir auf sich zu ziehen. Der Wundheiler quittierte das jedoch nur mit einem Grinsen, das der Adepto Maior jedoch nicht sehen konnte, hatte er seine uneingeschränkte Aufmerksamkeit wieder Cyli zugewandt.

    Salvatore stellte einige recht kompliziert klingende Fragen, die aber im Grund sich nur auf die einzelnen den Elementen zugesprochenen Aspekten bezogen - und ob die Wesenheiten mit selbigen Gesegnet waren - etwas was Cylithia nur bestätigen konnte. Sie erinnerte sich an eine Wesenheit des Feuers, die ihr das Leben für etliche Tage wirklich zur Hölle gemacht hatte - und an einen Humusvertreter... sie seufzte kurz, bevor sie sich Fragen der anderen Scholaren zuwandte, die zwar weitaus komplexer waren als die, die Safir gestellt hatte - aber leichter zu beantworten. Der akademische Teil der Veranstaltung zog sich in die Länge - denn nachdem etliche magietheoretische Fragen gestellt worden waren, ging man eifrig dazu über, das ganze fachgerecht zu diskutieren, wobei Cylis Meinung natürlich als Expertenmeinung gewertet und entsprechend respektiert wurde. Safir hatte zu diesem Zeitpunkt längst aufgegeben, dem Ganzen folgen zu wollen - er lehnte nunmehr an der Wand, unterdrückte ein Gähnen und wartete auf das Ende des Ganzen. Eine weitere Kerze verstrich, bis der Disput schliesslich zu einem Abschluss kam und sich die gelehrten Herren auf dem Weg in ihre Schlafgemächer machten. Lediglich Salvatore schien nicht gewillt, die Adepta Minor so bald gehen zu lassen, jedoch schritt Safir zugleich ein, als es so aussah, als würde der Magier ihr noch ein Abendessen zu zweit vorschlagen. "Cyli, ich glaube, wir sollten uns beeilen. Wir verpassen unseren Termin sonst noch." meinte er von der Seite, gerade als Salvatore den Mund öffnen wollte. Mit einer Verbeugung wandte sich der Wundheiler an den Adepto Maior. "Ich bedaure es sehr, dass heute nicht mehr Zeit besteht - aber schon bald ist ja die nächste Veranstaltung dieses erlauchten Instituts. Ich freue mich, euch bei einem solchen Anlass erneut bei Eurer Gesprächsführung belauschen zu dürfen." Mit diesen Worten legte er seine Hand auf Cylis Schulter und verliess mit ihr ('drängte sie' war ein unschönes Wort, zumal Safir keine wirkliche kraft aufwandte) das Institut. Draussen angekommen, atmete er schwer aus und nahm den Arm wieder herunter. "Ist das immer so? Sie kreisen ja um dich wie Khoramsbestien um ein gefundenes Fressen. Sie haben dir Blicke zugeworfen, als ob du Freiwild wärest." Er warf ihr einen Blick von der Seite her zu. "Bist du dir immer noch sicher, dass das das richtige für dich ist? Wir könnten sicherlich auch etwas anderes finden..."

    "Da muss ich wohl durch. Immerhin hab ich genügend Geld ausgegeben damit unsere Weiterreise gefährdet ist!" protestierte Cylithia und schien nicht das zu sehen was Safir sah - für sie war es begieriges wissen- wollen, das selbst der Adepto Maior an den Tag legte - wie falsch sie damit lag, war ihr nicht klar. Seufzend schritt sie mit Safir an ihrer Seite zurück in das geschäftige Treiben der Stadt. "Ehm, was für einen Termin hatten wir eigentlich?" fragte sie leicht unsicher, da ihr noch einige Fragen des Adepten im Kopf herum schwirrten, die sie mit Mühe und Not hatte nicht ganz warheitsgemäß beantworten können - über ihre Herkunft und was sie an die Akademie gebracht hatte - letzteres war etwas offensichtliches Gewesen, ersteres verschwieg sie lieber. "Nun, das kommt ganz darauf an." meinte Safir mit einem schelmischen Grinsen. "Wir hätten einerseits die Option eines guten Abendessens, der vielverdienten Ruhe oder einen Besuch im Park - was auch sehr entspannend sein soll." Sein Tonfall wurde ernst, als er sie ansah und meinte: "Wir sollten die Ruhe und Entspannung dieses Ortes lange genug geniessen - bald geht es wieder weiter. Und auf See werden wir so bald kein anständiges Bett mehr bekommen. Ganz zu schweigen davon, dass sich mir jetzt schon wieder der Magen umdreht, wenn ich an das ganze Geschaukel denke." Er schüttelte sich kurz, als er an das stetige auf und ab dachte, dass selbst im Fluss geherrscht hatte. "Oh." meinte er bei dem Gedanken. "Da gäbe es noch etwas weiteres - ich habe heute in Erfahrung bringen können, dass etwas nordwärts von Kuslik eine Erhöhung liegt. Von dieser aus soll man einen guten Blick über das Meer haben. Ich kann immer noch nicht glauben, dass es so etwas gibt! Wie viel Wasser ist es, dass es sogar weiter reicht als das Auge blicken kann?"

    "Wir... haben also gar keinen Termin!" fuhr sie auf, doch beruhigte sich im gleichen Moment wieder - in der Tat hatte Safir sie grade aus eine Situation gerettet, die sie selbst nicht hätte entschärfen können. "Das Meer klingt gut - allerdings nehmen wir uns was zum Beißen mit - ich verhungere gleich!" meinte sie dann weitaus sanfter gestimmt und wuschelte durch Safirs Haare. Gesagt, getan - nachdem sie sich je ein Essenspacket zusammen gestellt hatten, machte sich das Gespann auf dem Weg aus der Stadt. Der Weg war weiter als gedacht - doch nach gut einer Stunde kamen sie schliesslich an der Klippe an, von der aus man einen guten Blick über die See hatte. Einige vereinzelte Bäume warfen noch lange Schatten vor der untergehenden Sonne. Diese versank rötlich glühend in der Ferne, während einige Vögel ihr letztes Lied für den vergehenden Tag sangen. Safir, der den Proviant in seinem Rucksack mit sich trug, liess sich auf das Gras sinken und streckte die Beine aus, jegliches höfisches Benehmen vergessend. "Aaah... ein wenig Entspannung nach einem langen Tag." meinte er, legte sich vollständig hin und schloss die Augen, die letzten Sonnenstrahlen geniessend. "Du hast doch heute nichts gemacht!" meinte Cylithia, ihre Hände in die Seite stemmend als sie sich über ihn beugte. "Und wie ich vorhin schonmal gesagt habe, ich habe Hunger!" Damit langte sie nach seinem Rucksack und versuchte ihn ihm zu entwenden, was ihr jedoch nicht gelang, da Safir diesen festhielt. "Lass los!" Was Safir auch sofort tat - Cylithia hatte damit nicht gerechnet und fiel wie gefällt nach hinten um, wo sie einen Moment reglos liegen blieb, bevor sie an fing zu lachen.

    "Oh, ich habe heute sehr wohl etwas gemacht." meinte der Wundheiler, der sich Cylis Heiterkeit nicht erwehren konnte. "Ich habe einer langen Debatte beigewohnt, in der ich noch nicht einmal die Hälfte der Worte kannte - und ich habe einen wohlgelehrten Herren an der Nase herumgeführt. Und jetzt geniesse ich ein gemeinsames Abendessen. Du siehst - eine durchaus anstrengende Arbeit." Mit diesen Worten griff er in seinen Rucksack, kramte einen Packen heraus und grinste die Maga Spitzbübisch an. "Und jetzt sag ganz lieb bitte - immerhin habe ich mir durchaus Mühe mit der Zusammenstellung gegeben. Hat mich eine ganze Weile gebraucht." - "Was willst du mir entgegensetzen?" fragte sie keck und griff nach dem Packen, den er jedoch aus ihrer Reichweite zog. Immer wieder griff sie danach und der Wundheiler schaffte es jedes Mal ihn vor ihr zu bewahren. "Du hast nicht 'bitte' gesagt." stichelte er und sie rangelten um die Box, wobei Cyli unterlag. Lachend wälzte sie sich von ihm weg und strich sich die Haare aus dem Gesicht. "Das ich mich mit einem Mann um das Essen streiten muss..." meinte sie und tat so, als würde sie die Formel für einen Ignifaxius sprechen, ließ ihre Hand jedoch hervor schnellen und musste nochmals laut auflachen, denn Safir hatte instinktiv die Arme zum Schutz gehoben. "Bitte, ich danke." sagte sie und begann damit, das Pack zu entwirren - die Decke breitete sie aus und freute sich auf die Köstlichkeiten, die sie eingepackt hatten. Aus der Box erschienen Dinge, die wohl für mehrere Mahlzeiten gereicht hätten - es gab gepökeltes Fleisch, noch frischwarmes Brot, verschiedene Beläge - und natürlich einige Nachspeisen, für die Safir wohl gutes Silber hatte geben müssen. Als er den Blick der Maga sah, schmunzelte er. "Beschwer dich nicht - immerhin haben von dem Essen wir Beide etwas, von der Wäsche nur du." Ohne weiter darauf einzugehen, schnappte er sich einen kandierten Apfel - eigentlich als Nachtisch gedacht - und begann genüsslich, diesen zu verspeisen.

    "Bitte?" fragte die Maga nun mit hoch gezogenen Augenbrauen und schien es sich wirklich zu überlegen diesem unverschämten Kerl einen Tauber auf den Leib zu jagen, besann sich aber eines besseren und dankte für das Essen. Sie riss sich ein Stück des Brotes ab und schnitt vom Fleisch. Es war inzwischen dunkel geworden, Phex würde wohl die Sterne bald wieder verteilen und überdies wurde es ohne Praios Scheibe merklich kühler. Dennoch ließen es sich die Beiden schmecken. Safir hatte sogar an eine Kerze gedacht, die spärlich zwischen ihnen flackerte. Die Maga hatte sich an ihn angelehnt, nicht mal seinen Arm weggeschlagen, den er um sie gelegt hatte, aber Safir wusste, das er nicht weiter gehen konnte und das machte es ihm schwer, weiteres zu tun. So lagen sie eine Weile einfach nur andächtig nebeneinander, während sich langsam das Madamal am Himmel abzeichnete. Nach und nach hängte Phex auch seine Sterne an das Firmament, während der Wundheiler sich ganz in deren Betrachtung verlor - und die zierliche Gestalt in seinem Arm genoss. Bald schon - sein Zeitgefühl hatte Safir schon längst verloren, dafür lag ihm ein zu großer Zauber auf dem Moment - verriet ihm Cylis leises, regelmäßiges Atmen, dass sie sich nun in Borons Armen befand. Er drehte den Kopf zu ihr um, und verlor sich ganz in der Betrachtung der hübschen Maga. Er beugte sich leicht vor und fuhr mit den Fingern seiner rechten Hand sanft über ihre Lippen. Die Verlockung war wahrlich groß - aber es war unangebracht. Mit einem innerlichen Seufzer drückte er ihr einen leichten Kuss auf die Stirn. Was hatte diese Frau nur mit ihm gemacht, dass er begann, ihr solcherart aus der Hand zu fressen? Den Gedanken mit einem leisen Lachen beiseite schiebend, legte er sich zurück und fand sich ebenfalls bald in Borons Armen wieder.

  9. #9
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    Kapitel VI: Illusion, Realität und eine Flamme Hoffnung

    Die nächsten Tage über waren für Safir sehr geschäftig. Er half die Tage über einem Medikus aus, der mangels Lehrlinge über die Hilfe, die der Tulamide ihm bot, sehr dankbar war. Somit stand der Wundheiler bereits früh morgens auf, denn Horatio, der alte Medikus (von Safir auch 'liebevoll' Sklaventreiber genannt), pflegte einen asketischeren Lebensstil als selbst Safir. So assistierte er bereits morgens dabei, Amputationen durchzuführen; er half mittags dabei, einem Mann einen gebrochenen Knochen zu richten; gefolgt von einem Edelmann, dem er einen tiefen Schnitt versorgen musste, um ihn nach verlorenem 'Ehrenduell' am Leben zu erhalten. Abends ging es dann erst richtig los - denn dann kamen die schwerwiegenderen Fälle. Zumindest für Safir, denn auch wenn er sich mit Gift und Krankheiten leidlich auskannte, so war er in der Heilkunde derselben längst nicht so bewandert wie Horatio. Somit fiel es ihm zu, die Tücher auszuwaschen, die Kräuter und Utensilien bereit zu halten, Wasser zu kochen - und auch häufiger mal einen zuckenden Patienten ruhig zu halten. In der Pause mittags und nach dem Arbeitsende abends war es jedoch stets das Gleiche: immer wusch er sich schnellstmöglich, um danach Cylithia im Institut der arkanen Analysen zu besuchen. Dort lauschte er, falls möglich, den Lesungen der Maga, in denen er zwar recht wenig erfuhr - Sprache und Komplexität der Sachverhalte waren für ihn meist unverständlich - doch genoss er es, sie reden zu sehen. Nebenbei war es ihm auch immer wieder ein Vergnügen, dem Adepto Maior Salvatore in die Quere zu kommen, der seine Annäherungsversuche an Cyli partout nicht einstellen wollte. Doch immer wieder erschien Safir wie von Zauberhand in der Nähe, um auf einen Termin, ein Versprechen oder einen Sachverhalt hinzuweisen, der diese Vorhaben 'leider' unmöglich machten - somit maßen sich beide in Blickduellen und Wortgefechten, die der Wundheiler mit seiner undurchdringlichen, höflichen Maske und seiner Schlagfertigkeit ein ums andere Mal gewann. Bei diesen Begebenheiten konnte man auch gut erkennen, dass der Mann es gewohnt war, sich behaupten zu können - ein weiterer Punkt neben seiner durchtrainierten Statur, die nicht ganz zu seiner Profession passen wollte.

    "Ich frag mich echt warum du dich nicht mit ihm verstehst..." murmelte Cylithia nach einer weiteren Vorlesung, ein halbes Dutzend Pergamentrollen schleppend. "Manchmal glaube ich, das du nur her kommst um deinen Schabernack mit ihm zu treiben!" meinte sie dann lauter und drehte sich zur Seite, um Safir ins Gesicht zu sehen. Dieser öffnete den Mund, um seine Worte jedoch gleich wieder herunter zu schlucken und ihrem Blick kurz auszuweichen. Falls sie ihm heraus gerutscht wären - 'Ich bin wegen dir hier!' - hätte es Cyli sicherlich etwas auf Abstand getrieben, so gut glaubte er sie zumindest mittlerweile zu kennen. Somit seufzte er lediglich und meinte: "Nein, nicht nur deswegen. Aber ich gestehe, dass es Spaß macht. Er hält sehr viel von sich. Zu viel, könnte manch einer meinen. Ich tue ihm also einen Gefallen, stutze ich ihn ein wenig zurecht." Nach diesen Worten fixierte er ihren Blick wieder und lächelte leicht. "Aber mal etwas anderes - du lagst mir ja in den Ohren mit diesem tollen Artedingsda, das du mir zeigen wolltest?" meinte er und lehnte sich gegen die Wand, um zwei ältere Magier vorbei zu lassen, die gerade aus dem Scriptorium schritten. Cylithia nickte den Beiden kurz zu - immerhin war sie jetzt schon einige tage hier und hielt mehr oder weniger mehrmals am Tag einen Vortrag über Elemente oder deren Wesenheiten. "Das heißt Artefakt." meinte sie schließlich zu Safir, nachdem sie den beiden älteren Magi hinterher geschaut hatte. "Ich hab den Raum vorgestern entdeckt. Es gibt Dutzende davon."

    "Und was tut es?" meinte Safir mehr oder minder interessiert, der sich der offenkundigen Begeisterung der Maga nur deswegen anschloss, weil er ihre Freude darüber niedlich fand. Er mochte es, sie so ausgelassen zu sehen. Als Cyli mit den Schultern zuckte, grinste er nur kurz. Sie gingen einige Schritte - Safir liess sich von ihr führen, immerhin kannte er sich hier nicht wirklich aus - bevor sie schliesslich an dem Raum ankamen, den sie angesteuert hatte. Sie öffnete die Tür, trat hinein und Safir folgte nach. Innen befand sich allerhand 'Gerümpel', so wie er es sah - aber in der Mitte des Raumes lag wohl das, was seine Begleiterin so fasziniert hatte. Eine größere Erhebung - beinahe ein Podest - erhob sich dort, und unzählige Schriftzeichen unbekannter Bedeutung formten ein Pentagramm. "Das ist es, nehme ich an?" meinte er mit skeptischem Blick auf das Ganze. "Genau, genau!" Cylithia war richtig aufgeregt und schien darauf bedacht, das nicht zu berühren, was als Artefakt galt. So sprang sie über eine Leine, die sich plötzlich vor ihr gespannt hatte und zog Safir von einer Vase fort, in die er aus einem ihm unerfindlichen Grund eine Hand stecken wollte. Bis sie schließlich vor dem Podest standen, das im Gegensatz zu dem anderen, was hier aufbewahrt wurde, recht groß war. "Solch wundervolle Magie..." seufzte die Maga und legte ihre Pergamentrollen beiseite.

    "Ah ja..." meinte der Wundheiler und trat ebenfalls näher, um sich das Podest näher zu besehen. Er betrachtete die verschlungenen Glyphen, sodass ihm sein Kopf zu schmerzen begann, je länger und ausführlicher er sie betrachtete. "Meine Fragen bleiben bestehen: was steht da, was ist es und was tut es?" Cyli bedachte ihn mit einem strafenden Blick, als er die Komplexität und Magnifizienz (das Wort hatte er in einer der Lesungen aufgeschnappt) des Artefaktes - Safir betrachtete es eher als Podest - nicht ausreichend würdigte. Er deutete eine leicht spöttische Verbeugung an. "Verzeih, aber ich bin ein absoluter Laie, was das Ganze angeht. Ich habe keine Bildung genossen, daher ist das alles für mich... nun ja... fremd. Und unverständlich." Mit diesen Worten machte er einen kleinen Satz, um auf das Podest zu treten, und schritt langsam in die Mitte des Ganzen, während er sich die Glyphen weiterhin besah. "Bist du des... komm da runter!" schnappte Cylithia, doch stieg sie selber auf auf das Podest um Safir wieder herunter zu holen. Dabei schnitt sie sich an einer kleinen Tonscherbe, die in einer Spalte in den Steinen steckte. "Autsch!" entfuhr es ihr, woraufhin sie Safir sauer anblickte. Sie hatte ihn grade erreicht, als sich ein Blutstropfen von ihrem Finger löste und auf die Magische Tinte fiel, die das Pentagramm darstellte. Augenblicklich begann dieses zu leuchten und der Raum um sie herum schien in einem Wirbel aus Farben zu verschwinden, bis sie völlige Schwärze empfing. "Sa... Safir?"

    "Was ist de..." begann Safir, als die Welt um sie herum auf einmal verblasste. Auf einmal war es, als ob sie mit einem Schlag in eiskaltes Wasser getaucht wurden. Es war ein Schock, der ihnen bis tief in die Glieder fuhr. Um sie herum war nur noch farbloser, grauer Nebel. Es gab kein oben und kein unten mehr, kein links und kein rechts, kein "vorher" und kein "nachher" - jegliches Zeitgefühl war zum Erliegen gekommen. Cyli formte mit den Lippen nur erschrocken das Wort 'Limbus', doch kein Laut wollte ihre Lippen verlassen. Doch mit einem neuerlichen Schock, der sich erneut so anfühlte, als würden sie in eisiges Wasser getaucht, verschwand der Nebel und machte undurchdringlicher Schwärze platz, während sie beide hart auf felsigem Untergrund aufschlugen. Safir war der Erste, der sich wieder fing. Seine Instinkte übernahmen die Kontrolle, als er sich zugleich abrollte, und die Hände schützend über seinen Kopf hielt. Gleich darauf setzte jedoch sein Verstand ein. "Cyli? Cyli!?!" rief er mit zunehmender Panik, da ihm der Gedanke kam, dass sie vielleicht fort wäre - unwiederbringlich fort an einem Ort, den er noch nicht einmal beschreiben, geschweige denn erreichen konnte. Nur am Rande seines Bewusstseins nahm er war, dass seine Stimme widerhallte und im Hintergrund Tropfgeräusche zu hören waren. Plötzlich griff eine Hand von hinten seine Schulter. Sie zitterte, doch Safir's Instinkte übernahmen sofort wieder und er verdrehte dem vermeidlichen Feind den Arm. "Aua! Safir, lass das, aufhören, hab ich gesagt!" jammerte Cylithia, da es nicht nur unangenehm war, sondern weh tat. "Du musstest ja auch drauf steigen...." meinte sie dann, nachdem er sie los gelassen hatte - nicht ohne ihren Arm dennoch fest zu halten, da er nicht mal so weit sehen konnte.

    Als Safir Cylis Stimme hörte, liess er sie sofort los, als er merkte dass er ihr den Arm verdrehte. Auf ihre nächsten Worte achtete er kaum, als er mit zitternden Händen nach ihr tastete. Als er ihre Schulter fand, umschloss er sie rasch mit seinen Armen. Von ihr war nur ein kurzer, überraschter Laut zu hören, als Safir sie solcherart an sich zog. Er atmete tief und rasselnd ein, als sich die Wogen seiner Furcht wieder glätteten. Nichts war gut - sie waren in der Dunkelheit an einem scheinbar unerkannten Ort - aber Cyli war da. Sie war nicht verschwunden in diesem wabernden Immaterium. Er liess sie wieder los, und meinte langsam: "Wo sind wir hier?" - "Ich weiß es nicht. Wir könnten noch immer in dem Raum sein, es könnte Illusionsmagie sein, aber dann würden wir nicht mit einander reden können... oder die Nähe spüren.", meinte sie nachdenklich und stampfte auf . Der Schall hallte dutzende Meter weiter entfernt wieder. Sie sprach leise, doch Safir spürte wie eine Welle von ihr aus ging, die jedoch keinerlei Wirkung zu zeigen schien. Der Zauber hätte es ihr erlaubt durch die Illusion zu sehen, die sie als Ursache für die Dunkelheit un sie herum verantwortlich machte, doch mit seinem Verpuffen und anschließendem nichts geschehen, schluckte sie hörbar. "Keine Illusion.... wo auch immer wir sind, wir sind nicht mehr in der Akademie."

    Safir schluckte bei ihren Worten. Was sollte das heissen, nicht mehr in der Akademie? Doch er zwang seine rasenden Gedanken zur Ruhe, und konzentrierte sich auf das Wesentliche. "Wir müssen irgendwie Licht machen." meinte er, bückte sich, und begann vorsichtig den Boden abzutasten. Hin und wieder hielt er inne, um zu lauschen - doch er konnte neben seinen Bewegungen und denen Cylis nichts hören. "Vielleicht gibt es hier irgend etwas..." brummte er, während er sich ganz auf diese einfache Tätigkeit konzentrierte, um die Furcht vor dem Unbekannten in Schach zu halten. Mutiger, als er sich fühlte, meinte er etwas lauter: "Keine Sorge, Cyli - wo auch immer wir sind, ich bringe uns hier sicher heraus. Darauf hast du mein Wort!" - "Das wir hier raus kommen, da bin ich mir ziemlich sicher..." erwiderte sie, obwohl auch ihre Stimme nicht gänzlich zuversichtlich war. "Licht... wo bekommen wir hier Licht her..." fragte sie sich, während Safir missmutig auf den Boden starrte - was sie natürlich nicht sehen konnte. "Was gäbe ich darum, einfach mit einem Schnipsen meiner Finger Licht zu erzeugen..." brummte er, worauf Riya ein unerwartetes "Eh?" von sich gab. Dann dämmerte es ihr. Kurz darauf erhellte eine kleine Kugel aus purem Licht die Umgebung um sie herum, aber mehr als Fackelschein war es dennoch nicht.

    Safir hielt seine Hand zuerst schützend vor seine Augen - was nicht einer gewissen Ironie entbehrte, hatte er sich doch gerade kaum etwas sehnlicher als Licht gewünscht - bevor er staunend die Kugel anblickte. Diese schwebte knapp über Cyli und schien ihren Bewegungen zu folgen. Als nächstes jedoch fiel ihm sofort Cyli auf. Bei ihrem... war es ein 'Fall' gewesen? ... war ihre Robe verrutscht, sodass er einen guten Blick auf ihre rechte Brust konnte. Diese lag jedoch nicht bar vor ihm, sondern wurde von seidigem Stoff umschmeichelt. Die augenscheinliche Qualität des Stoffes und die Verzierung desselben liessen ihn vermuten, dass sie sich dieses Kleidungsstück bei Alfonso geleistet hatte. Mit der Zeit ging ihm auf, dass er ihr unverhohlen auf die Brust starrte. Er rappelte sich auf und wandte seine Aufmerksamkeit wieder seiner Umgebung zu, während seine Ohren vor Scham zu glühen begannen - und er sich selbst in dieser Situation von ihr betört vorfand. "Ist das eine... Stadt?" meinte er, als sein Blick auf etliche verlassene, bereits verfallende Häuser fiel. Doch sie waren klar unter der Erde. Wie also konnten hier... "Wir sollten uns in Bewegung setzen." meinte er, während er sich weiter umsah, um einen Anhaltspunkt auf ihren Aufenthaltsort zu finden. Er trat an die Maga heran. "Und wir sollten dicht beieinander bleiben - es wäre schlecht, wenn wir uns hier unten verlieren würden..." Er sah von ihren braun-grünen Augen auf den schmalen Weg, der sich vor ihnen erstreckte. Scheinbar waren sie in einer unterirdischen Sackgasse gelandet, denn sie fanden sich bis auf die Straßenseite von Häusern umringt. Damit blieb ihnen jedoch auch nur ein Weg, auf dem sie voranschreiten konnten - wollten sie sich nicht in die brüchigen Bauten begeben. "Eine Stadt..." wiederholte Cyli und blickte nun vorsichtiger umher. Das ihre Robe verrutscht war merkte sie nicht, denn unwillkürlich trat sie näher an Safir und liess das magische Licht über sie beide schweben. "... Welche Stadt liegt unter der Erde, Safir? Und ist stockzappenduster..." Ihre Hand hatte dabei seinen Arm umklammert und war weiter runter gerutscht, sodass sie nun sein Handgelenk umfasste. Das Tropfen wurde immer lauter, je länger sie gingen - bis sie an ein kleines Becken kamen, das nach einem Brunnen aussah, welcher lange nicht mehr in Benutzung war - die dicke Staubschicht auf seinem Rand bezeugte dies - genauso der Staub und das Geröll, das überall herum lag. "Das hier ist alles verlassen..." - "Es scheint wohl so." meinte Safir, der jedoch sein anderes Handgelenk im Falle eines Falles lockerte. Zuvor jedoch galt es, eine andere Schlacht zu schlagen. Er wandte den Kopf nur leicht nach hinten und sah genau das, was er 'befürchtet' hatte - nämlich die Einleitung zu einem längeren Kampf, von dem er wusste, dass er ihn unweigerlich verlieren würde - vielleicht nicht jetzt, vielleicht nicht morgen - aber auf Dauer gewiss. Die Maga stand hinter ihm mit einem unsicheren Gesichtsausdruck da und wirkte so zart, so verletzlich, dass es ihm schier den Atem verschlug. Er blieb stehen, drehte sich kurz um korrigierte nach einem erneuten Blick Cylis Robe. Er hob den Blick, um wie so oft in ihren brau- grünen Augen zu versinken. Was Safir jedoch nicht verhindern konnte, war, dass er sie sanft an sich zog und an seine Brust drückte. Einen atemlosen Moment lang standen sie nur so da, als er sich vorbeugte und ihr sehr nah ins Ohr flüsterte. "Keine Angst - ich stehe zu meinem Wort. Ich bringe uns hier heraus. Sei ganz unbesorgt." Anschliessend löste er die Umarmung und trat einen Schritt zurück. Er schluckte erneut schwer, als sein Blick zu ihren Lippen wanderte... er sich jedoch am Riemen riss und sich von dem mehr als einladenden Anblick abwandte. "Das bringt mich noch ins Grab..." murmelte er nahezu unhörbar. "Dann lass uns weiter gehen..." sagte die Maga und blickte sie nochmals um. Ihr gefiel es hier ganz und gar nicht. Und so nahm sie Safir nun bei der Hand um etwas schneller zu gehen - sie bog an den nächsten beiden Kreuzungen einfach ab ohne zu schauen ob der andere Weg nicht besser gewesen wäre - was sie schließlich in eine weitere Sackgasse führte.

    Safir stiess einen leisen Fluch aus, als er sich umsah und nur den Rückweg begehbar vorfand. "Es sieht so aus, als müssten wir uns irgendwie zu orientieren versuchen..." Er bückte sich, um einen Stein aufzuheben. Gemeinsam gingen sie zur Kreuzung zurück, und mit dem Stein 'ritzte' Safir ein Kreuz an den bereits passierten Durchgang. An die Straße, durch die sie als Nächstes gehen wollten, setzte er einen schrägen Strich, der sich entsprechend leicht in ein Kreuz umwandeln liesse. "Da lang. Denke ich..." meinte er und umgriff Cylis Hand etwas fester. "Denkst du?" fragte die Maga und blickte sich noch einmal um. Ihr war als würde man jeden ihrer Schritte beobachten - sie beobachten bei allem was sie taten. "Da hast du uns aber was einge..." Doch sie sprach nicht weiter, da sie den Schnitt an ihren Finger erst bemerkte, als Safir fester zugriff. Sie zog die Hand mit seiner darin vor ihr Gesicht und schluckte. "Was war das letzte was du gemacht hast, bevor wir hier gelandet sind?" Der Wundheiler überlegte kurz. "Nichts - zumindest nichts, was mir bewusst gewesen wäre..." begann er langsam, während er sich an die Stirn fasste und sie leicht massierte. "Ich stieg hoch und sah mir die Zeichen an - dann hörte ich, wie du hinauf kamst, mich ansprachst und... dann verschwamm alles. Anschliessend waren wir hier." Er nahm die Hand wieder herunter und runzelte die Stirn. "Ist es wichtig? Wir sollten uns weiter umsehen - wir müssen uns einen Überblick verschaffen, wo wir sind..." - "Du hattest kein Blut an dir, oder?" Auch das verneinte Safir - irgendwie war Cyli froh, das er den Schnitt an ihrem Finger nicht bemerkt hatte, was jedoch hieß, das wohl sie das ganze aktiviert haben könnte – etwas, was sie wurmte. Sie legte ihre freie Hand an ihr Kinn und begann nach zu denken, was Safir sie ziehen ließ, als das sie selber ging - das die kleine Flamme dabei unter ihrem Kinn schwebte schien die Maga wieder zu bemerken, noch schmerzhaft zu empfinden. "Ich glaube..." begann sie und hielt inne - etwas hatte sich in ihrem Augenwinkel bewegt und sie drehte sich ruckartig in die Richtung.

    Safir legte den Kopf schräg und blickte sie an. "Was meinst..." begann auch er, als ihn auf einmal etwas von hinten an den Kopf traf. Er kippte nach vorn und konnte sich nur gerade noch so mit seinen Händen abfangen. Er rollte sich über die Schulter ab, als er sich schon wieder auf die Füße begab und verblüfft mit vorgehaltenen Händen in die Richtung starrte, aus der das gekommen sein musste, was ihn getroffen hatte. Doch da war nichts. "Was zum..." murmelte er, und liess seinen Blick kurz über den Boden schweifen. Dort lag ein Stück Holz, das zuvor noch nicht da gewesen war. Er kniff die Augen zusammen und sah in die Dunkelheit der Straße, aus der das 'Geschoss' gekommen war. Dort erspähte er... nichts. Er fasste sich langsam an den Hinterkopf, wie um sicher zu gehen, dass er dort tatsächlich gerade eben erst getroffen worden war - als plötzlich wie aus dem Nichts ein Eimer aus der Dunkelheit geflogen kam. Safir sprang zur Seite und prallte gegen eine brüchige Hauswand, die unter dem Aufprall nachgab und er somit in die Ruine hinein stürzte. "Safir!" rief Cyli, die sich ebenso wie er nach dem Verursacher der durch die Gegend fliegenden Gegenstände umsah, doch die Flamme in ihrer Hand war dafür nicht hell genug und sie musste selber einem fliegendem alten Schuh ausweichen. "Was zum?!"

    Der Wundheiler kämpfte sich gerade aus dem Schutt heraus, als ein Stein nach unten fiel, der genau dort zu Boden schlug, wo sein Kopf gerade noch gewesen war. Hastig machte er einen Satz nach vorn, nur um einen Schemen in der Dunkelheit zu sehen, der sich fort bewegte. "DA!" rief er und zeigte in die Richtung, in der er die Bewegung gesehen hatte. Nicht darauf wartend, ob sie folgte, stürzte er dort hin - nur um sich vor undurchdringlicher Dunkelheit wieder zu finden. Doch gleich darauf wurde die Gegend erleuchtet - Cyli war herangekommen und hellte die Umgebung magisch auf. Safir, der sich in Deckung begeben hatte, spähte vorsichtig um die Ecke - nur um in eine Sackgasse zu blicken. Nur 3 Häuser waren dort zu sehen, die allesamt nicht so aussahen, als wäre gerade jemand durch sie hindurch geflüchtet. "Was für ein Spiel treibt man hier mit uns?" flüsterte er, als auf einmal direkt hinter ihnen Schritte ertönten. Beide wirbelten herum, als... niemand da war. Doch gerade eben hatten sie definitiv sehr nahe bei sich Schritte gehört. "Ich hab ein schlechtes Gefühl bei der Sache..." Cylithia seufzte und entschied sich, Safir's Hand zu nehmen und ihn weg zu ziehen. "Egal was hier mit uns seine Spielchen treibt, ich will hier raus!"

    Der Wundheiler nickte noch nicht einmal, er lief einfach mit der Maga zusammen los. Auf den ersten Metern überholte er sie, zog sie jedoch weiter hinter sich her. Sie liefen mehrere Minuten durch verschiedenste Gänge - und immer, wenn sie einmal glaubten, inne halten zu können, flog erneut etwas nach ihnen oder Schritte wurden laut. Erst nach einigen Minuten hielten sie erschöpft an, lauschten - und hörten nichts ausser ihrem eigenen, keuchendem Atem. "Glaubst du... wir haben... es abgehängt?" meinte Safir, der als Erster zumindest halbwegs wieder zu Atem kam. "Ich... hoff... ffe.. es..." keuchte Cyli, die längst nicht die Ausdauer hatte, und somit weitaus erschöpfter von seinem Laufschritt war - mal davon abgesehen, dass ihr Körper sich nicht so geschmeidig bewegen ließ und sie einige Steine und auch Erhebungen nicht gesehen hatte, die Safir instinktiv gemieden hatte. "Da!" sagte sie plötzlich und deutete auf etwas, das wie ein Durchgang zu einer höheren Ebene aussah.

    Safir wandte den Kopf, bis er den Aufgang ebenfalls sah. Die Decke war an einer Stelle aufgebrochen, und ein großer Haufen Geröll ermöglichte den Weg nach oben. Er warf ihr einen Blick zu, nickte, und machte sich vorsichtig daran, auf die Bruchstelle zuzugehen. Er warf einen Blick nach oben in die Dunkelheit und machte sich langsam daran, über den Schutt hinauf zu klettern. Es war ein längerer Weg, als gedacht - denn es ging noch einen kleinen 'Tunnel' nach oben, bei dem er sich vorsichtig nach oben tasten musste. Oben angelangt, sah er sich um - aber entdeckte auf die Schnelle keine Gefahr. "Es scheint sicher zu sein!" rief er nach unten. Cyli hatte sich unterdessen auch schon an den Aufstieg gemacht, und der Wundheiler half ihr nur noch den letzten Abschnitt nach oben. Sie befanden sich nun immer noch unter der Erdoberfläche - aber die Struktur hatte sich verändert. Es schien, als wären hier Überreste einer alten Kanalisation zu finden - doch schien der Abschnitt, in dem sie sich befanden, schon länger auf dem Trockenen zu liegen. Oder nur bei den nicht allzu häufigen Überschwemmungen... "Sag mal..." meinte Safir langsam zu Cyli, als er das Wasser anblickte, das in einem kleinen Rinnsal über den Boden floss, aber stetig größer zu werden schien, "... irre ich mich, oder hat er zum Zeitpunkt unseres Verschwindens... geregnet?" "Meine... ja, hat es, wieso fragst du?" Cylithia zog sich nun endlich ihre Robe zurecht und wurde Rot, da sie merkte das sie wohl die ganze Zeit so herum gelaufen sein musste. Erst jetzt bemerkte sie Safirs blick zu dem Rinnsal, das sich merklich verbreiterte. "Du willst mir doch nicht sagen..." stieß sie hervor und stellte sich auf den schmalen Rand, der den Kanal 'Boden' etwas absetzte. "Ich glaube.... da wo es herkommt, können wir auch raus..."

    Safir nickte, den Blick fest voraus in die Dunkelheit gerichtet. "Einen Versuch ist es wert! Vielleicht haben wir tatsächlich einen Ausgang gefunden!" Mit eiligen Schritten folgten sie dem Rinnsal, das tatsächlich langsam breiter wurde - bis Safir die Hand hob und Cyli zurück hielt. Diese hatte das nicht erwartet und lief in seinen ausgestreckten Arm hinein. Bevor sie sich jedoch dazu äussern konnte, zeigte er jedoch an die Wand. Dort lag mit ausgestreckten Armen ein Skelett. Fleisch und Kleidung hing nur noch in Fetzen von den bleichen Rippen, während vor Allem auffällig war, dass es seinen Zustand keines natürlichen Todes zu verdanken hatte. Mitten in seiner Brust steckte - mittlerweile vom Rost stark zerfressen - eine Schwertklinge. Sie hatte sich in die Wirbelsäule verkeilt und war zur Hälfte in diese hinein getrieben. Unwillkürlich atmete Safir leiser und bemühte sich auch sonst darum, still zu sein. Dieser Ort, diese... Situation, sie hatte für ihn etwas sehr bedrohliches. Etwas schauriges. Aus der Dunkelheit erscholl plötzlich ein lautes Geräusch, dass ihnen das Blut in den Adern gefrieren liess. Ein langer, unmenschlicher Schrei, der vor Bosheit nur so troff. Der Wundheiler fackelte nicht lang - er griff sich Cyli und nahm die Beine in die Hand. Diesmal schien Cyli fast schneller zu rennen als der Wundheiler - sie hielt nicht nur Schritt, sondern schien gänzlich vergessen haben, das ihr Körper schwang. So krachte sie mehrmals gegen die Röhre die sie umgab, aber es schien ihr nichts zu machen, nur das stetig ansteigende Wasser machte schließlich beiden zu schaffen, denn es war inzwischen Hüfthoch und damit war rennen ein Ding der Unmöglichkeit. "Warum regnet es ausgerechnet dann, wenn uns so etwas passiert!" schimpfte sie und fluchte noch einige Tulamidische Worte, die selbst Safir kurz aufhorchen ließ. "Ihr Herren Alverans, seid uns bitte gnädig!" keuchte er, als sie sich beide um eine Biegung stemmten - nur um plötzlich in einem großen Raum angekommen zu sein, der mehr und mehr mit Wasser voll lief. "Bei allen Ifritiim!" fluchte Safir, als er erkannte, dass sie sich in einem Auffangbecken befanden, das sich nur dann zu füllen begann, wenn die Kanalisation ihr Wasser nicht mehr fassen konnte. Er blickte sich hektisch um - als er durch den Lichtschein des langsam ersterbenden Flim Flams etwas aufblitzen sah. "Da hin!" rief er gegen das Tosen des Wassers an, denn ein stetiger Strom floss aus einer anderen Röhre irgendwo in der Dunkelheit in das Becken hinein und sorgte für eine laute Geräuschkulisse. Als der Kräftigere von Beiden zog nun wieder er Cyli voran, bis sie schliesslich bei einer stählernen Leiter ankamen. "Hoch da!" rief er, und half Cyli aus dem Wasser die Sprossen hinauf. Zumindest wollte er das, doch sie sah auf ihre Robe hinab und wollte ihm gerade etwas erwidern, als er ihr mit einer Handbewegung das Wort abschnitt. "Wir haben keine Zeit für so etwas! Ich bleibe hinter dir, damit ich dich fangen kann, solltest du abrutschen! Und jetzt los!" Seine Mimik und Gestik machten klar, dass er von seiner Position keinen Finger weit abweichen würde - und so machte sich die Maga daran, so schnell wie irgend möglich die Sprossen nach oben zu klettern. Der Wundheiler folgte ihr so schnell wie es ihm möglich war. Sie kletterten und kletterten, bis sie schliesslich eine Luke passierten - Phex sei Dank hatte man vergessen, diese zu schliessen! Dies wurde jedoch auch gleich nachgeholt - und ihnen daraufhin Licht entgegen strahlte.

    Kaum waren sie durch die Lucke heraus gestolpert, stnden sie mitten in einer noch regenfeuchten und dennoch geschäftig wirkenden Gasse, die unschwer erkennbar zu Kullisk gehörte. "Wa..." doch Cylithia brachte ihren Satz nicht zu ende, da Safir seinen Arm wieder um sie gelegt hatte und dabei absichtlich oder unabsichtlich ihren Hintern berührt hatte. Sie warf ihm wieder mal einen der wenn-ich-was-sage-bist-du-Tod-Blicke zu. Niemanden schien es zu interessieren, das die beiden in völlig durchweichten Kleidern in der Straße standen, nein, einer der Passanten bot ihnen sogar an, das sie sich im nächsten Lokal aufwärmen sollten, da der Regen sie anscheinend unerwartet erwischt hatte - womit er nicht ganz unrecht hatte, nur das der Regen als große, strömende Wassermasse an sie gekommen war und nicht als Tränen der Götter. "Weisst du was..." meinte Safir, nachdem sie einige Minuten durch den Regen gelaufen waren - sie wollten sich erst einmal umziehen, bevor sie sich in ein Lokal setzen sollten - "... ich finde, wir haben heute genug der Arbeit gehabt. Auch denke ich, dass wir bald weiter sollten. Nehmen wir uns doch einfach den restlichen Tag frei, entspannen uns und gehen heute Abend noch einmal ins Theater - dieses magische, illusiodingsda Theater. Heute könnte ich die Ablenkung durch so ein Stück gut gebrauchen."

    Während er sprach, zog er Cyli noch etwas enger an sich, da er merkte wie ihr fröstelte. Sie beide waren völlig durchweicht, was nach diesem kleinen Abenteuer auch kein Wunder war. Im Falle der Maga sorgte dies dafür, dass sich so allerhand Blicke auf sie richteten - denn die klitschnasse Robe betonte ihre weiblichen Formen sehr, was sie in Verbindung mit dem nassen Haar mehr als verführerisch aussehen liess. Und so sehr Safir der Anblick auch gefiel - ihm lag mehr an ihrem Wohlergehen. So löste er sich kurz von ihr, zog seinen eigenen, schweren Mantel aus und legte ihn ihr um die Schultern. Zwar war auch der Mantel nass, doch Cyli musste feststellen, dass der dicke Mantel sie weitaus besser wärmte als ihre an den Leib geschmiegte Robe. Safir stand nun nur noch mit einem einfachen Leinenhemd samt passender Hose bekleidet da, schien sich daran jedoch nicht weiter stören zu wollen. Auch seine Kleidung klebte nun an seinem Leib und betonte seinen muskulösen Oberkörper, als er Cyli jedoch gleich darauf wieder an sich zog, um auch durch seinen Körper etwas Wärme zu spenden. "Holen wir uns erst einmal etwas trockenes zum Anziehen - und ich bin sicher, Dralosch wird uns einen guten heissen Tee auftischen können." - "Einen? Das wird mehr als eine Kanne sein, die ich brauchen werde..." murmelte die Maga und kuschelte sich in den schweren Mantel. Er wirkte viel zu schwer, selbst dafür, das er klatschnass war. Sie wankten beide zu ihrer Herberge, was jedoch länger Dauerte, als sie beide es geglaubt hatten - sie waren am anderen Ende vom Kuslik heraus gekommen und mussten etliche Straßen, Querstraßen und Gassen mehrmals nehmen, da sie falsch abgebogen waren oder es einen Blockade in irgendeiner Form gab. "Kaum regnet es, sind die hier ja noch schlimmer als anderswo..." murrte sie. Schließlich kamen sie zum Hafen und in ihre Unterkunft.

    Als sie - nach einigen Umwegen und Verzögerungen - endlich ankamen, war der Gasthof zum Bersten voll. Anscheinend hatten viele Passanten im warmen Schankraum Zuflucht gesucht, sodass sich noch nicht einmal mehr ein Sitzplatz finden liess. Safir kämpfte sich jedoch durch die Menge bis zu einem der Zwergenbrüder vor - ein Unterfangen, dass durchaus heldenhaft anmutete - und schaffte es, eine große Kanne Tee in Auftrag zu geben, die ihnen aufs Zimmer gebracht werden sollte. Anschliessend begab er sich auf den Rückweg und fand Cyli schliesslich im warmen Zimmer vor, während der Regen immer noch vernehmlich von draussen auf das Dach prasselte. Safir, der schon ziemlich fror - ohne seinen Mantel war dies bei Niederschlag dieses Kalibers auch kein Wunder - zog sich vollständig aus, um sich anschliessend mit einer Wolldecke zu trocknen. "Das Letzte Mal, das ich so nass war, war im Badehaus." meinte er trocken, während er begann, sich neue, trockene Kleidung anzuziehen und die Nasse zum Trocknen auf einen Stuhl vor dem Ofen zu stellen. Was dort unten in den Katakomben geschehen war, sprach er absichtlich nicht an - was auch immer dort vorgefallen war, er zog vor, es zu verdrängen. "Ja..." erwiderte Cylithia die sich in ihrer Unterwäsche aufs Bett gelegt hatte, die zwar noch Nass war, aber anscheinend hielt sie es nicht für nötig diese zu wechseln. "Ein Hemd von dir... und eine Hose!" befahl sie dann - wenn man es als Befehl auslegen wollte. Auf den fragenden Laut, der von Safir kam, meinte sie nur: "Ich hab keine Zweite Robe dabei, wie du sicherlich schon lange bemerkt haben solltest und ich hüpf hier nicht nackt herum. Was du übrigens auch nicht tun solltest, das kühlt dich weiter runter."

    Safir war sich nicht sicher, ob er ob des Kommentars Lächeln oder Enttäuschung darüber verspüren sollte, dass sie sein Anblick so völlig kalt lies. Nun, es sagte ja niemand, dass er nicht beides gleichzeitig tun konnte. Er zog sich schliesslich seine Hose fertig an und kramte aus seinem Tuchbeutel Ersatzhemd und -hose heraus. Allerdings war er sich ziemlich sicher, dass sie Cyli zu groß sein würden - aber an Höflichkeit wollte er es zumindest nicht mangeln lassen. "Hier, bitte schön - allerdings kann es gut sein, dass sie dir zu groß sind. Ach, und habe ich dir eigentlich schon einmal gesagt, dass Alfonsos Stücke dir wirklich schmeicheln?" Bevor die Maga reagieren konnte, hatte der Wundheiler sich schon von ihr weg und vor den Kamin begeben. Er streckte die Hände in Richtung der Flamme und genoss die Wärme, die das Feuer ihm spendete.

    Die Maga schien zu froh darüber, nicht mehr in der nassen Kleidung zu stecken, als das sie Safir für sein Kompliment strafte. Besagter Stoff klatschte nass zu Boden und sie suchte etwas nach einem neuen Paar - es war anders geschnitten und bereitete ihr anfänglich Schwierigkeiten es überhaupt zu zubekommen. Tatsächlich waren ihr seine Sachen um etliches zu groß. "Nicht zu fassen...", murmelte sie und ließ den Kopf resigniert hängen. Nachdem sie den Gürtel an seiner Hose weit über da letzte Loch gezogen hatte setzte sie sich zu ihm ans Feuer, zog die Beine an und schlang ihre Arme darum, doch sprang sie sofort wieder auf, da es geklopft hatte. Dralosch stand lächelnd mit einem Tablett und einer dampfenden Kanne Tee darauf vor der Tür. "Euer Tee, verzeiht die lange Wartezeit, aber... wir haben etwas mehr zu tun wie üblich." Er neigte kurz den Kopf und verschwand wieder. Cylithia trug das Tablett seufzend zu der Stelle an der Safir saß und stellte es neben ihn. Erneut setzte sie sich und begann die zwei Becher mit dem Ausguss zu füllen. "In der Tat." schloss sich Safir an Cylis Äusserung an. Diese sah kurz überrascht zu ihm, doch er hielt den Blick weiter auf die Flammen gerichtet. "Es scheint mir so, als wären wir gerade eben noch in der Akademie gewesen. Und auf einmal..." Er hielt inne und rieb sich den Adamsapfel, als er vernehmlich schluckte. "Und auf einmal waren wir einfach... fort. An diesem kalten, farblosen Ort. Ich habe nie gedacht, dass es so etwas geben könnte. War das... war das der Tod? Ich dachte immer, Borons Reich sähe anders aus..." Beinahe geistesabwesend nahm er die Tasse entgegen, die ihm Cyli gab, während er sie jedoch bald schon in beide Hände schloss und sich daran wärmte. "Ich denke nicht, das wir in Borons Reich gelandet sind... dann wären wir nicht wieder hier!" sagte Cylithia langsam und trank einen Schluck ihres Tees. Seufzend schlang sie die Arme erneut um ihre Beine und blickte ins Feuer. "Ich denke, das wir in einem alten teil von der Stadt gelandet sind..." Safir wog den Kopf hin und her. "Diese Ruinen - das war der leichte Part. Das dahin gelangen? Dieses... graue Nichts? Das war... furchteinflössend. Und dieser Spuk in der Stadt? Ebenfalls nicht gerade... schön." Er seufzte, während er beinahe unbewusst etwas näher an die Maga rückte. "Ich bin nur froh, dass wir es beide da raus geschafft haben. Und auch noch ohne größere Blessuren. Das war... nicht selbstverständlich." Cylithia schüttelte den kopf. "Es... es muss Limbusmagie..." sie brach ab und holte tief Luft. Es dauerte etliche Momente, bevor sie leise, fast flüsternd weiter sprach. "Ich hatte Angst... ich..." weiter kam sie nicht, da sie versuchte ,die Tränen zu unterdrücken, die ihr hoch kamen - doch es half nichts. Der Damm war gebrochen und sie fing an zu schluchzen. Es schüttelte ihren ganzen Körper - sie war doch nicht so taff, wie sie sich immer gab.

    Als Cylithia neben ihm zu weinen begann, spürte sie auf einmal, wie zwei kräftige Arme sie umschlossen. "Shhhh..." meinte Safir nur, während er die Maga an seine Brust drückte, damit sie sich ausweinen konnte. "Es ist gut. Wir haben es geschafft. Es ist vorbei." sprach er leise und beruhigend in ihr Ohr, während er die zierliche, zitternde Gestalt weiter an sich drückte, um ihr Beistand zu geben. Vorsichtig hob er schliesslich seinen rechten Arm, um ihr beruhigend über den Kopf zu streicheln. Es kümmerte ihn unterdessen nicht, dass sein Leinenhemd von Tränen durchnässt wurde. Für ihn zählte in diesem Moment nichts anderes als die kleine, brünette Magierin, die er schützend in seinen Armen barg. Es war dieser Moment, in dem er sich schwor, dass er stets für sie da sein wollte. "Keine Sorge - ich bin bei Dir." meinte er, während er ihr weiter versuchte, Trost zu spenden.

    Es war weitaus später am tag, als sie sich auf dem Weg zu einem weiteren Theater befanden - allerdings war dieses um einiges reicher an Attraktionen als das, was sie schon besucht hatten (Illusionisten sollten es veranstalten). Cylithia hatte ohne murren ihr Kleid angezogen und selbst Safirs Arm nicht ausgeschlagen, obwohl er zugeben musste, das sie weitaus sicherer in ihren hochhackigen Schuhen unterwegs war, als beim letzten mal. Es war eine Pause entstanden, nachdem sie sich die Maga an seine Brust geworfen hatte und mehr als nur ihr Angst beweint hatte - sie hatte es Safir nicht gesagt, aber es war das erste Mal gewesen, das sie überhaupt einen solchen Weinkrampf gehabt hatte, seit sie nur knapp den Schwarzfellen entronnen war und dabei ihre Freunde verloren hatte. Ihre Flucht vor der Wirklichkeit hatte sie hier eingeholt und übermannt. "Meinen Fächer, bitte." sagte sie zu ihm, während sie die Theaterhalle bestaunte.

    Safir lächelte nur und zog den Fächer - den sie erneut hatte liegen lassen, auch wenn er jetzt glaubte, dass dies Absicht gewesen war - aus seinem Jackett. Wortlos reichte er ihn ihr, als sie den verzierten Federfächer entgegen nahm. "Wollen wir?" meinte er, während er seinen Blick auf die Menschenmenge vor ihnen richtete. Das Theater war gut besucht - sogar noch besser als die letzte Vorführung. Aber immerhin war dies auch ein 'magisches' Schauspiel, das wohl ein weitaus größeres Spektakel versprach. Es dauerte noch einige Zeit, bis sie es schliesslich geschafft hatten, sich einen Sitzplatz am oberen Rand zu ergattern. Es war brechend voll. Sie hatten dieses Mal keine Loge bekommen können, denn wer Geld hatte, hatte sich eine solche gemietet. Und es dauerte noch ein wenig länger, bis die Bühne schliesslich von einem hellen Licht erleuchtet wurde. Das Licht war offenkundig magisch, kam es doch von einer hellen Kugel puren Lichts, das hoch über der Bühne schwebte. Ein Mann in langer, aufwendig mit Sternen verzierter Robe trat vor und begann mit weithin hallender Stimme zu sprechen. "Willkommen, Hohe Herren. Willkommen, Hohe Damen. Und willkommen, Ihr, die Ihr eine Geschichte erleben wollt, wie Ihr sie noch nie gesehen habt - und nie mehr sehen werdet! Heute Nacht wird Geschichte geschrieben, und seien Sie versichert - ein JEDER und eine JEDE von Ihnen wird diesen Abend so schnell nicht wieder vergessen." Mit diesen Worten begann das Schauspiel. Es handelte sich um den wackeren Cavalieri Arturus de la Vega, der sein Herz an eine schöne Tochter aus hohem Hause verlor. Doch diese Beziehung war eine Liebe mit vielen Hindernissen. Sei es die Familie auf beiden Seiten, seien es Spießgesellen, angeheuert, um dem Cavalieri eine Lektion zu erteilen - nein, gegen Ende verschwor sich sogar das Schicksal gegen Sie, denn die holde Maid namens Sofia erweckte das Gefallen eines Drachen, der sie kurzerhand zu sich nahm. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war das Publikum vollständig aus dem Häuschen geraten. Denn schon das gesamte Stück über wirkte das Geschehen genauso echt und real, als wenn es original passieren würde. Als dann noch ein vollständiger Drache erschien und einen Flammenstrahl gen Himmel sandte, dessen Hitze weithin spürbar war, versank das Publikum in ehrfürchtiges Schweigen - zumindest die Hälfte, die nicht lauthals 'OOOOOH!' und 'AAAAAAH!' rief. Doch als der Drache gerade die Maid entführt hatte, senkte sich ein Vorhang um das Geschehen - der erste Akt war vorüber. Weithin hallender Applaus setzte ein, in den auch Safir tatkräftig mit einstimmte. Das Stück hatte seinen Zweck mehr als erfüllt - zumindest für den Moment waren alle Schrecken des Tages in Vergessenheit geraten. "Unglaublich!" meinte er zu Cyli, als er erneut an die Stelle sah, wo der Drache zuletzt geflogen war. "Absolut unglaublich." Cylithia pflichtete ihm bei und wollte grade anfangen, ihm zu erklären wie Illusionsmagie zustande kam, als ihr Blick auf jemanden bekannten fiel - Salvatore di Ferrerri "Schau mal an wen wir da haben..." murmelte sie und wandte sich ab, sodass sie den Adepto maior nicht sehen musste. "Ich denke, ich werde morgen die letzte Vorlesung halten... mir reicht's." Abgewandt, wie sie war, sah sie nicht das glückliche Lächeln, das über Safirs Lippen huschte. "Dann hören wir uns doch morgen einmal am Hafen um. Wenn wir weiter in den Norden wollen..." begann er, unterbrach sich aber, um Cyli Gelegenheit zu einem Protest zu geben. Als nichts kam, fuhr er fort. "... sollten wir das Schiff nehmen. Damit kommen wir zumindest weit genug nordwärts. Allerdings sollten wir mit unserem Budget sparsam sein - wir können uns zwar einige Meilen leisten, aber garantiert keinen Weg bis in den hohen Norden." Der Wundheiler konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Zwar geniesse ich das Stadtleben, muss aber gestehen, dass ich das Wandern lieb gewonnen habe. Nun, zumindest solange die Gesellschaft stimmt." - "Du meinst doch nicht etwa den Kelch Wein?" witzelte die Maga und begab sich wieder in Richtung ihrer Plätze.

    Safir und Cyli verstummten, als der Vorhang erneut aufgezogen wurde und das Schauspiel seinen Lauf nahm. Es folgte eine beschwerliche Reise des Protagonisten, der sich durch harsche Lande und gegen bösartige Schwarzpelze behaupten musste, die der Feuerspeier in seine Dienste gezwungen hatte. Schliesslich ging das Stück zum Finale über - dem Hort des Drachen. Mit einem Mal schien die ganze Tribüne von Bergen aus Gold bedeckt, und mitten darauf ruhte der Drache. Tapfer trat der Recke vor diesen und forderte die Freigabe seiner Liebsten. Doch die Echse lachte nur und verspottete den Helden. Wacker hob dieser sein Schwert, und ein Kampf zwischen Mann und Bestie entbrannte. Mit Feuerstrahlen, Windböen und lautem Gebrüll schien es der Menge so, als wäre dies kein Stück, sondern Realität. Schliesslich jedoch röhrte der Drache seinen Todesschrei, als des Helden Klinge ihm in den Hals fuhr und ihm das Lebenslicht raubte. Der Drache wankte und stürzte schliesslich zu Boden. Doch dann trat der eigentliche Schurke heraus - der Halbbruder seiner Angebeteten. Dieser hatte viel Geld und Zeit investiert, um die Familie an sich zu reissen - und der Cavalieri drohte damit, all dies zunichte zu machen. Dies konnte natürlich nicht zugelassen werden. Beide zogen ihre Klingen, und der Endkampf begann. Eine glorreiche Choreographie fand dort vor Aller Augen statt, als sich beide Kämpen nichts zu geben schienen - bis der Protagonist schliesslich gewann. Mit seinem letzten Atem zeigte der Antagonist zwar noch Reue, aber dies half nichts mehr, und er verstarb. Der Held verliess den Hort, war er doch nicht der Schätze, sondern der Dame wegen hier. Und so endete auch das Stück - beide fielen sich in die Arme, und als das Licht langsam schwächer wurde, küssten sich beide noch innig. Nach einer kurzen, angemessenen Stille brach das Publikum erneut in donnernden Applaus aus. Auch Safir und Cyli erhoben sich, um den Akteueren Beifall zu spenden. Während sich diese jedoch vor dem Publikum verbeugten, erspähte einer von ihnen - Salvatore - Cyli und ein breites Lächeln schlich sich auf seine Züge. Er wollte sie mit einem Winken nach vorne bitten, doch beide setzten sich bereits in Bewegung, um das Theater zu verlassen. Als sie in der Menge untertauchten, konnte sich Safir ein Grinsen nicht verkneifen.

    Sie beide traten den Rückweg zu ihrer Bleibe an - wohl ein letztes Mal. Als sie vor dem Eingang der von Zwergendrillingen geführten Gaststätte waren, hielt Safir inne und betrachtete sie nachdenklich. "Ist es zu fassen, wie schnell diese Tage vorüber gingen?" meinte er zu niemand Bestimmten, bevor er die Tür öffnete und mit Cyli in das Gasthaus trat. Beide wechselten keine großen Worte mehr - sie zogen sich nur rasch um, bevor sie sich zu Bett begaben. Doch es schien, als hätte die Zeit vor Allem in der Maga etwas verändert. Denn sie war es, die die beiden Betten zusammen schob - wenngleich es dabei blieb, und sie die Nacht mit ihm zugedrehten Rücken verbrachte. Doch Safir betrachtete die Entwicklung glücklich, deutete er sie doch als gesteigertes Vertrauen in ihn. Und mit einem warmen Gefühl im Bauch versank er bald in Borons Armen, kurz nachdem Cylis Atem merklich ruhiger gegangen war.


    Der nächste Morgen ging schnell vorüber. Als Cylithia erwachte, war Safir bereits auf den Beinen und in der Stadt. In seiner Abwesenheit stand ein noch warmes Frühstück auf dem Tisch, während der Wundheiler eine gute Stunde später eintraf. "Ich habe mir etwas die Beine vertreten." meinte er, während er ganz so aussah, als hätte der die gesamte Nacht über kein Auge zugetan. Denn obwohl sie ihn normalerweise wohl gescholten hätte, sah er sehr erschöpft - sogar sehr 'mitgenommen' - aus. Wie er zu berichten wusste, fuhr des Mittags ein Schiff gen Norden - und sie hatten gerade genug Barschaft, um auf diesem Segler ein ganzes Stück mitgenommen zu werden. "Ich würde meinen..." begann Safir, während er mit Müh und Not ein Gähnen unterdrückte, "... dass wir die Gelegenheit beim Schopfe packen sollten. Wir haben noch Zeit bis zur Mittagsstunde - was wir hier noch kaufen oder erledigen wollen, dafür haben wir noch genügend Zeit." - "Du schaust nicht grade aus, als hättest du deinen Besuch in Borons reich geniessen können..." meinte die Maga, während sie die leeren Teller aufeinander stapelte. "Ich denke ich hab soweit... alles..." meinte sie und suchte das Zimmer ab. Nirgends schien mehr etwas von ihnen herum zu liegen - nur die Rucksäcke der beiden Standen neben der Tür bereit. Auch wenn Safirs durch das Zelt größer war, so schienen beide um etliches schwerer geworden zu sein, als sie es bei ihrer Ankunft gewesen waren. "Wenn ich du wäre, würde ich mir etwas Tee zukommen lassen." Der Wundheiler lächelte matt. "Das geht schon. Ich bin durch den Komfort der Stadt schon genug verweichlicht, es wird Zeit, dass ich mich wieder an ein paar Entbehrungen gewöhne." Er warf einen kurzen Blick zu ihren Betten, die nun wieder auseinander geschoben waren - ganz so, wie sie das Zimmer ursprünglich vorgefunden hatten. Für den Bruchteil einer Sekunde schlich sich ein Lächeln auf seine erschöpften Züge, als er an die Nacht dachte. Zwar hatte er keinen wirklichen Schlaf finden können - die Zeit, die er in Borons Armen verbracht hatte, waren alles Andere als erholsam gewesen - dafür hatte ihm die zierliche Gestalt Cylis, deren Rücken er an sich gespürt hatte, doch mehr Wärme gegeben, als er gedacht hatte. Er erinnerte sich kurz daran, wie er ihr sanft über den Rücken gestreichelt hatte - nur, um bald darauf damit aufzuhören, immerhin wollte er sie nicht wecken. Er liess von den Gedanken ab und schnappte sich seinen Rucksack. "Nun denn - machen wir uns auf den Weg. Eine lange Reise steht uns noch bevor." meinte er, als sie beide das Zimmer verliessen und die Tür hinter ihnen ins Schloss fiel.

  10. #10
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    Kapitel VII: Die Weiten des Meeres

    Als Safir erwachte, waren die ersten Worte, die er sprach, ein unverständliches Nuscheln. Ein leises Stöhnen entrang sich seiner Kehle, als er sich aufsetzte und mit dem Kopf gegen die Decke des Stockbettes stiess, was einen neuerlichen Fluch von ihm zur Folge hatte. Er blinzelte, als er sich umsah. Viel gab es nicht zu sehen – ihre Kabine war eng genug, dass das Bett und ihre beiden Truhen es nahezu vollständig ausfüllten. Er unterdrückte die Übelkeit, die immerhin schon weitaus erträglicher geworden war – immerhin waren sie nun schon gut 3 Tage auf See.

    „Morgen.“ brummte er, als er sich nackt aus dem Bett schälte – Schamgefühle ob seiner Nacktheit schien er nicht zu verspüren – und zog sich zumindest seine Hose an, bevor er wie jeden Morgen mit seinen Leibes- und Dehnübungen begann. Egal, ob es in der Behaglichkeit eines Gasthauses oder unter den Entbehrungen eines Nachtlagers unter freiem Himmel war – strikt hielt er sich an sein Regimen, dass er schon so lange durchzog, wie sie ihn kannte – und wohl noch etliche Götterläufe zuvor genau so getan hatte. Cylithia lupfte nur die Augenbrauen, während sie den Kopf aus ihrer Koje steckte. "Du kannst auch nicht damit warten..." murmelte sie und unterdrückte das Gähnen nicht, welches ihren Mund verließ, ehe sie zu Ende gesprochen hatte. Es war so eng, dass sie sich wunderte wie man überhaupt noch eine Laterne hier herein bekommen hatte - schwach glomm der rest des Fettes in selbiger, was ihnen eine recht dunkle Kammer bescherrte. So kletterte sie zu ihm hinab - wohl gemerkt hatte sie ein Nachthemd an, denn sie schien sich mehr aus ihrer Blöße zu machen als ihr Gefährte - und suchte nach der Bürste. Ihre Haare hatte sie im Zopf gehabt, weil Safir ihr gesagt hatte das sich Knoten so weniger leicht im Haar bildeten über Nacht. "Der Kahn ist schlimmer als jeder Flusssegler..." meinte sie, während sie gegen den stetigen Takt des wankenden Schiffes wippte, um einigermaßen die Balance halten zu können.

    "Wenn es das ist, was die Nordländer unter 'Gemütlichkeit' verstehen, dann möchte ich nicht wissen, was sie unter 'Freundlichkeit' verstehen." brummte Safir, während er sich selbst von Cylis anmutiger Gestalt nicht ablenken liess. Erst, als er auch die letzte seiner Übungen absolviert hatte, machte er sich daran, sich vollständig anzukleiden. "Mal sehen, wie wir uns den heutigen Tag gestalten können. Was hätten wir denn zur Auswahl?" überlegte der Wundheiler laut. "Wir könnten zum Einen dem Wunsch des Bootsmannes nachkommen, der mich alleine gestern 5 Mal ermahnt hat, nicht zu gaffen und ihnen im Weg herum zu stehen. Hm, ich könnte - und sollte! - dir erneut meinen Mantel leihen, denn die meisten Matrosen haben dich mit Blicken schon mehrmals ausgezogen." Er seufzte schwer, als er meinte: "Und ich könnte anfangen, etwas über die Seefahrt zu lernen... schaden kann es zumindest nicht." Er blickte nachdenklich zu der Maga. "Weitere Vorschläge?" - "Ein Gang in die Messe... ich hab' Hunger!" Mehr sagte die Maga nicht, da sie ganz genau wusste, dass nicht nur die Matrosen sie mit ihren Blicken ausgezogen hatten. "Und Boote fahren... reicht es nicht, das du zwei Matrosen die Knochen gebrochen hast damit sie weiter unter Praois Scheibe weilen können?" - "Sie haben es sich selbst zuzuschreiben." meinte er und zuckte nur mit den Schultern. "Oftmals verstehen Männer es erst, wenn sie mit Nachdruck darauf hingewiesen werden. Das habe ich bei ihnen getan, und das hast du bei mir auch schon getan." meinte er, als er sich an den Feuerstrahl erinnerte, mit dem sie ihn schon einmal davon abgehalten hatte, sie ihrer Ohren wegen zu bedrängen. Auch sonst konnte sich Cyli rühmen, ein Temperament zu besitzen, dass ihrem bevorzugten Element glich. Er gähnte erneut und abschliessend, als er seinen Nacken knacken liess. "Dann besorge ich uns beiden mal was zu essen." Die 'Messe', wie Cyli es genannt hatte, war eine Kabine, die nur unmerklich größer als die ihre war - die Kombüse. Ein drahtiger Mann, der um seiner Selbst willen wohl mehr von dem zu sich nehmen sollte, was er servierte, reichte ihm wortlos ihre Frühstücksportionen. Denn der Mannschaftsraum war bereits mit den Matrosen voll, und auf Deck würden sie nur stören - daher hatten sie es sich angewöhnt, in ihrer Kabine zu speisen. Mit beiden Tellern in den Händen kam Safir wieder zurück in ihre Kabine. "Hier, bitte." meinte er und reichte ihr ihre Mahlzeit. Sie hatte sich auf seiner Koje nieder gelassen, da die Truhen von Kleidung bedeckt waren - sie hatte die des gestrigen Tages darauf aus gebreitet, damit sie durch lüften konnte. "Danke. Wir brauchen eine neue Fettfackel..." meinte sie schließlich mit einem Blick auf die sterbende Flamme. "Ich hatte nicht vor hier zu versauern... nur wo sollten wir noch hin... ich meine, ausser Wasser gibt es hier nichts... das ist schlimmer als die Khom!" brachte sie zwischen zwei Bissen hervor. "Keine Wüste aus Sand, sondern aus Wasser ... das ist doch einfach absurd..." Sie schüttelte den Kopf und betrachtete Safir, der immer noch im Profil zu ihr in der halb geöffneten Tür stand, um ihnen wenigstens etwas Licht und vor allen Dingen frische Luft zu verschaffen. Fast instinktiv zog sie den Kopf zurück, als sie eine Gestalt über den Gang kommen hörte. "Ich sollte mir mehr anziehen..." murmelte sie und seufzte leise.

    Safir zog es vor, nicht darauf zu antworten, konnte sich jedoch ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. Als er jedoch Schritte hörte, trug er schnell wieder seine freundliche, gelassene Maske auf seinen Zügen. "Ah, der Bootsmann. Die Zwölf zum..." - "Steck dir den Gruß dorthin, wohin selbst Praios nicht sehen will! Und steh mir gefälligst nicht im Weg herum, ich habe zu tun!" - "Auch ich geniesse unsere Unterhaltungen. Sie sind jedes Mal wieder erhebend." - "Verarsch mich nicht und halt's Maul!" schnauzte dieser, während er weiter in den Mannschaftsraum ging - doch zumindest hatte Safir sein Ziel erreicht und die Aufmerksamkeit des übellaunigen Mannes auf sich gezogen, als dass er Cyli Blicke zuwerfen konnte. "Ich verstehe, was du meinst." wandte er sich erneut an diese. "In der Wüste war es anders. Hier fühle ich mich so... nutzlos. Den Wellen und Männern ausgeliefert. Kein schönes Gefühl..." - "Dreh dich um..." meinte sie und Safir tat wie ihm geheißen, denn einen feurigen Temperament- Ausbruch hier an Bord brauchte er beileibe nicht. So sah er erst wieder hin, als ihr Kopf unter der Robe verschwand und schließlich über ihren restlichen Körper glitt, der schon von Alfonso's Waren umschmeichelt wurde. Safir musste belustigt feststellen, das Cylithia sich mehr wie je zuvor wie eine Frau benahm, seid sie in Kuslik gewesen waren. Dennoch war Sie bei einigen Sachen auch strenger mit sich selbst geworden. Sie aß zwar immer noch als ob ihr Magen eine magische Verbindung zum Limbus hätte, aber sie ertüchtigte sich ebenso mit körperlichen Übungen, die meist aus einer sitzenden Haltung bestanden, in der sie ihren Körper verbog oder sich mit geschlossenen Augen sammelte - letzteres war Safir unheimlich, denn es schien wirklich etwas um die Maga herum zu passieren.

    Während Cyli sich umzog, hatte Safir kurzerhand die Tür wieder geschlossen, während er ihr seinen Rücken weiterhin zugedreht hatte. Auch starrte er stur einen scheinbar interessanten Fleck auf der Tür an, um nicht in Versuchung zu geraten, einen Blick zu riskieren. Denn ihr Vertrauen war ihm zu wichtig, um es durch solch unbedachte, unreife Handlungen zu riskieren. Doch er musste sich gestehen, dass die Verlockung durchaus bestand. Während er sich völlig auf die Tür konzentrierte, bemerkte er, wie das Schaukeln des Schiffes stärker zu werden begann. Auch bildete er sich ein, verstärkt Rufe vom Deck zu hören. Was er jedoch auf jeden Fall hörte, war das Seemannsgerechte Fluchen des Bootsmanns, der an ihrer Kajüte vorbei nach oben eilte. "Vielleicht sollten wir mal nachsehen, was da oben los ist." meinte der Wundheiler besorgt. Cylithia nickte. Das Rollen des Schiffes war wesentlich stärker geworden und auch der Wind pfiff stärker als zuvor. Die unüberhörbar im Befehlston gebrüllten Kommandos ließen Einen nichts Gutes erahnen. Als sie schließlich an Deck traten, peitschte ihnen bereits der Regen entgegen. Dutzende der Seemänner waren in der Takelage und schienen damit beschäfftigt die Segel zu raffen, während andere ein Segel lockerten. "Mir schwant böses..." - "Bei Levthan, bewegt eure Ärsche zurück unter Deck!" brüllte der Bootsmann, der gerade dabei war, in Richtung des Kapitäns zu rennen.

    Dieser fluchte lauthals vor sich hin, dass Efferd ihnen einen so schnell aufziehenden Sturm gesandt hatte - und dass seine Matrosen faul genug gewesen waren, dass sie diesen hatten nicht umfahren können. "Ihr lausigen Landratten werdet einen schönen Anteil eures Solds in Efferds Haus spenden, wenn wir erst einmal angekommen sind!" schrie er über eine Windböe hinweg. Immer höhere Wellen brandeten gegen das Schiff, während nun alle Matrosen des Schiffes an Deck waren und sich darum kümmerten, es fahrtüchtig zu halten. An der Seite des Kapitäns stand der Navigator, der alles im Auge behielt und die Befehle weiterbrüllte. Safir starrte gerade noch auf die Wellen, als das Schiff durch eine selbige brach und ihn vollkommen nass spritzte. Cyli hatte Glück, denn die Hauptwucht ging auf den Wundheiler nieder - den es daraufhin auch glatt einige Schritte zurück in ihre Arme warf - doch auch sie kam nicht völlig ungeschoren davon. Verdrossen blickte sie nun hinter ihm drein, hatte er zwar das meiste Wasser abbekommen, so lag sie nun hinter ihm auf dem Boden, da sie sein plötzliches Gewicht nicht hatte halten können. Doch wo der Brecher her gekommen war, waren noch etliche mehr. Ein ums andere Mal fluteten ganze Wassermassen über die Reling - die meisten der an Deck arbeitenden Matrosen hielten sich an irgendwelchen Tauen - oder an etwas anderem - fest, wenn es denn stabil genug aussah. "Bringt die Sturmleinen an, ich will keine von euch Ratten aus dem Wasser fischen müssen!" rief der Bootsman gegen den immer stärker peitschenden Wind, doch seine nächsten Worte wurden von einem lauten und dumpfen Donnergrollen verschluckt. Hatte die erste große Welle sie beiden noch zu Boden geschickt, so war die zweite Welle, die sie erwischte, nichts überraschendes mehr - außer das Safir und Cylithia sich fast küssend wieder fanden. Es war schliesslich die Maga die den Wundheiler von sich stieß. "Bei allen guten Geistern... Efferd ..."

    Safir rappelte sich auf, als ein Blitz auch Rondras Teilnahme am Unwetter deutlich machte. "Verdammt!" entfuhr es ihm, als er sah, wie die Wellen sich immer höher aufzutürmen begannen. "Wir sollten uns nach unten zurückziehen! Wir sollten..." begann er - als er jedoch etwas sah, was ihn seinen eigenen Rat in den Wind schlagen liess. Eine weitere große Welle brandete gegen das Schiff - doch einer der Matrosen verlor sein Gleichgewicht und stürzte über die Reling. Safir dachte nicht mehr - er handelte. Einen Sprint ansetzend, rannte er quer über das Deck und hechtete sich nach der Reling, gerade, als der Seemann sich nicht weiter festhalten konnte. "Halt dich verdammt noch Mal fest!" brüllte der Wundheiler gegen den Sturm an, als er das Handgelenk des Mannes zu fassen bekam. Er stemmte sich gegen die Reling und mit einem anderen Mann, der gerade herbei geeilt kam, hievten sie den beinahe über Bord Gegangenen wieder an das 'sichere' Deck des Schiffes. 'Sicher' war jedoch sehr subjektiv, als Safir sich gerade ein wenig zurück begab, nur um einen Teil des stehenden Gutes abzubekommen, dass sich gelöst hatte. Der Aufprall trieb ihm die Luft aus den Lungen und schmetterte ihn ebenfalls gegen die Reling. Benommen sah er die nächste Welle auf das Schiff zudonnern. 'Verdammt!' ging es ihm durch den Kopf. "Du Dummkopf!" rief Cylithia ihm noch hinterher - ehe sie das Gleiche tat wie er: sie rannte über das Deck, um ihren Begleiter von der Reling wieder zurück zu ziehen. Selbst der Brecher, der über das Deck rollte und Alle an Bord einen Moment lang hüfthoch im Wasser stehen ließ, schien sie nicht davon abzubringen ihn zu erreichen und mit sich zu ziehen, wobei letzteres ein schwierigeres Unterfangen war, als sich die Maga ausgedacht hatte. Der Kapitän, der Steuermann und selbst der Bootsmann hatten alle Mühe, das Schiff auf Kurs zu halten - sie Alle wussten, das sie verloren waren, sollten sie auch noch das letzte bisschen Kontrolle über das Schiff verlieren.

    Safir nuschelte etwas, das sich verdächtig nach 'Danke' anhörte, während die Matrosen sich daran machten, die Segel instand zu halten. "Wir sollten nach unten!" meinte er erst in normaler Lautstärke, was prompt im Geräusch der Wellen und Sturmböen unterging. "WIR SOLLTEN NACH UNTEN! JETZT!" wiederholte er, dieses Mal laut genug, um gegen das Unwetter anzukommen. Die Muskeln des Kapitäns wölbten sich, als er sich mit der Hilfe des Steuermannes gegen das Steuerrad stemmte, während der Navigator erneut Befehle an die Mannschaft durchgab. Gemeinsam rafften sich die beiden Passagiere auf und kämpften sich auf dem schwankenden Deck in Richtung Mannschaftsraum. Das war in der Theorie wesentlich einfacher als in der Praxis, denn das Schiff war zwar noch kein willenloser Spielball der Wellen, wurde aber hin- und her geworfen. Nur die erfahreneren Seeleute - die Vollmatrosen - bewegten sich in der Takelage, während sich die Halbmatrosen an Deck hierhin und dorthin bewegten, um stehendes Gut zu sichern, Taue neu zu verknoten oder andere Befehle zu befolgen. Kurz vor Safir und Cyli rannten 3 andere Seemänner nach unten, um dort nach dem Rechten zu sehen - anscheinend hatte sich dort etwas gelöst. Kaum war die Tür hinter ihnen zugefallen, rutschte Cylithia an der Wand zu Boden. "Jag mir noch mal so einen Schrecken ein..." flüsterte sie und war ganz froh, dass das Tosen des Meeres nur dumpf durch die Planken hörbar war. "Was in der Zwölfen Namen haben die nur ausgefressen, um uns in so einen Sturm zu manövrieren?"

    Safir schüttelte sich wie ein nasser Hund. "Ich weiss es nicht." meinte er - lauter als sonst, denn selbst hier gab es einen steigen Lautstärkepegel. "Ich hoffe nur, dass Efferd gnädig genug ist, uns..." begann er, wurde aber von lauten Rufen und einem lauten, reissenden Geräusch unterbrochen. Der Wundheiler wurde kreidebleich, als das Schiff einen großen Ruck tat und eine gefährlich schräge Lage einnahm. "Was beim Namenlosen treiben die da draussen??" fluchte er und schaffte es nicht ganz, die Panik aus seiner Stimme heraus zu halten. Er kämpfte sich wieder auf die Füße, als er von oben weitere Schreie hörte. Als er ein ihm nur zu bekanntes Wort aufschnappte, sah er zu Cyli. "... sie haben Verwundete! Verdammt! Ich muss ihnen helfen!" Mit diesen Worten riss er die Tür auf und stürmte nach draussen. Zumindest bis zur gegenüberliegenden Wand, denn er konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten, so sehr schwankte das Schiff mittlerweile. "Bist du des Wahnsinns?" brüllte die Maga ihm noch hinterher und blickte ihm verzweifelt nach - denn noch einmal an Deck zu gehen und das Risiko einzugehen, fortgespült zu werden, wollte sie nicht - aber Safir war gradewegs in diesen Vorhof der Niederhöllen gerannt. "Die Frage lautet wohl eher, bin ich dem Wahn anheim gefallen?" meinte sie zu sich selbst, als auch sie auf die Tür zuschritt, fest entschlossen, Safir wieder unter Deck zu holen. In diesem Moment gab es ein gewaltiges Knirschen und Cylithai sprang aufs Deck - nur um zu sehen, wie der Vordere der drei Masten nach vorne geknickt war und nur von der Takelage am Schiff gehalten wurde. Sie sah keinen der Matrosen oder gar Safir.

    So plötzlich sie in den Sturm geraten waren, so plötzlich befanden sie sich wieder in besserem Seegang - auch wenn die Vier-Schritter alles andere als besser waren. Aber nach dem, was sie gerade erlebt hatten, waren die schaumtragenden Wellen eine willkommene Abwechslung. Auch der immer noch auf sie niederprasselnde Regen war nicht mehr wutverzerrt, sondern leicht und besänftigend. Cylithia konnte Safir inzwischen ausmachen - er war oben beim Steuerrad und mit einem spöttischen Lächeln im Gesicht sah sie, wem er da grade die Knochen grade bog - dem Bootsmann. Dieser verkniff sich sogar die von ihm gewohnten Flüche, denn durch den Schmerz stiess er die Luft nur stoßweise zwischen den Zähnen hervor. Safir besah sein Werk und nickte zufrieden. "Der Arm wird genesen. Du solltest ihn jedoch in der nächsten Zeit ruhen lassen, sonst verheilt das nicht richtig." Er wandte sich um, und Cyli konnte einen Blick auf seine blutverschmierten Hände erhaschen. Woher der Lebenssaft stammte, war schnell festgestellt - einer der Matrosen war zu nahe am geknickten Mast gewesen und hatte schwere Verletzungen davon getragen. Doch es schien, als würde er durchkommen, denn seine Brust hob und senkte sich leicht. Der Wundheiler strich sich - ungeachtet des Zustandes seiner Hände - die störenden Haare aus dem Gesicht. Gleich darauf hatte er sein nächstes Ziel erspäht und machte sich daran, einen weiteren Matrosen zu versorgen, der bei dem Sturm etliche Blessuren davon getragen hatte - scheinbar hatte sich ein Teil des stehenden Guts gelöst und mit Wucht gegen ihn geprallt. Als Cylithia zu ihm trat, hob er nur leicht den Kopf, um sie zu registrieren, und wandte sich dann wieder konzentriert seiner Arbeit zu. Neben ihnen hörten sie Kapitän und Navigator reden. "Es macht keinen Sinn, es zu leugnen - der Sturm hat uns nicht nur vom Kurs abgebracht, in diesem Zustand können wir auch kaum weiter fahren." Cylithia schüttelte den Kopf. "Und wo sind wir jetzt?" fragte sie vorsichtig nach, denn sie wusste nicht einmal ob es die Männer wussten die dieses Schiff, das grade zu einem Seelenhändler verkommen war, steuerten.

    Auf diese Frage schnalzte der Kapitän nur mit der Zunge, scheinbar nicht bemerkend, von wem die Frage kam. "Abseits unseres Kurses. Dieser Sohn eines... Sturms hat uns einige Meilen zurück geworfen." Er seufzte. "Es hilft nichts. Lasst die Ruder holen - wir müssen auf den Inseln einen Zwischenstop einlegen. Ohne das Rahsegel sind wir zu langsam und zu wenig manövrierfähig." Erst jetzt wandte er sich an die beiden Fahrgäste, die sich ganz in der Nähe aufhielten. Mit einem grimmigen Lächeln meinte er: "Das wirft uns etwas im Zeitplan zurück, aber das bekommen wir hin. Es ist mir noch nie passiert, dass ich die Wellen nicht meistern konnte - und so schnell wird mir das auch nicht passieren!"

    Es dauerte zwar einige Tage, aber der Kapitän hielt Wort. Das Schiff bewegte sich weitaus langsamer als sonst, aber es gelang ihnen, in Richtung des Seekönigreiches der Zyklopeninseln zurück zu fahren. Im Umkreis dieser hatten sie das Glück, auf ein Handelsschiff zu nehmen, dass sie mitnahm und den Hafen Teremons sicher erreichen liess. Safir war von der ersten Ansicht der Stadt gebührend beeindruckt - denn nicht nur war die Stadt auf einem Untergrund dunklen Vulkangesteins gebaut, auch die Häuser der größten Stadt der Insel Pailos' waren aus dem dunklen Stein. "Der Kapitän hatte Recht - 'die schwarze Stadt' ist wahrhaft ein passender Name..." murmelte der Wundheiler vor sich hin, während er an der Reling lehnte und mit Cylithia gemeinsam zusah, wie das Schiff langsam in Richtung der Stege gezogen wurde. Dort wurde schliesslich auch der Anker geworfen und das Schiff kam endlich zum Halten. Während die Passagiere des Schiffes - viele waren es nicht - gemeinsam mit den meisten Matrosen von Bord strömten, schloss sich der Wundheiler dem Ganzen noch nicht an. Noch immer stand er gebannt an der Reling, während seine Augen die Wunder dieses seiner Heimat so fernen Ortes zu erfassen versuchten. Er streckte sich wie eine Katze und lockerte Arme und Beine ein wenig auf. "Nun - wir haben zumindest wieder festen Boden unter den Füßen. Ich weiss zwar, was man an der Seefahrt faszinierend finden kann, doch noch kann ich mich nicht so ganz dafür erwärmen..." meinte er mit einem schiefen Grinsen zu Cyli. Nachdem sie ihr Gepäck aus dem Laderaum geholt hatten - so ganz wohl war ihnen dabei nicht, ihre Habseligkeiten bei einem Haufen gestresster Seeleute zu lassen - machten sie sich auf dem Weg in die Stadt. Safir kam die Umgebung sehr exotisch und widersprüchlich vor. Da waren zum Einen die schwarzen Häuser, die der ganzen Stadt zwar etwas würdevolles, aber auch etwas Düsteres verliehen. Doch dann waren da die lebenslustigen Bewohner der Stadt, die durch den Einfluss des hiesigen Rahjatempels zu alltäglichem Frohmut animiert wurden. Des Weiteren liefen sie in weissen 'Roben' (er fand später heraus, dass man eine solche Garnitur 'Toga' nannte) herum, was in scharfem Kontrast zu den dunklen Bauten stand. Schliesslich hatten sie sich draussen bei einem Wirtshaus niedergelassen, während sie einen Blick über den weitläufigen Hafen schweifen liessen. Etliche Boote lagen dort an - Handelsschiffe aus dem Mittel- und dem Horasreich, aus dem Bornland und sogar ein thorwalsches Drachenboot lagen hier vor Anker. "Es ist schon seltsam, wie Aves uns dazu bringt, neue Orte kennen zu lernen... Ich bin nur froh, dass es keine allzu schweren Verletzungen gab." murmelte Safir etwas gedankenverloren vor sich hin, als sich plötzlich eine weitere Gestalt zu ihnen an den Tisch gesellte, noch bevor das Essen aufgetragen wurde. "Seid wohl in einen Sturm geraten, wie?" fragte er. Safir wandte sich um - und sah sich Auge in Auge mit einem blonden, thorwalschen Hünen, der mit freiem, nassen Oberkörper auf dem Stuhl neben ihm saß. Ein wölfisches Lächeln huschte gerade über dessen sympathische Züge, während der Wundheiler bemerkte, dass der Seemann vor ihm wohl gerade erst aus dem Wasser gestiegen war. "In der Tat. Wir hatten aber Glück im Unglück, und es ist niemand ernstlich zu schaden gekommen." meinte er beflissen.

    Cylithia beäugte den Thorwaler interessiert, da sie seinen Menschenschlag nahezu noch nie gesehen hatte - die Nordländer traf man nicht so häufig so weit südlich. "Mir hat es gereicht." meinte die Maga und wischte sich den Mund ab, nachdem sie etwas getrunken hatte. "Verzögert die Weiterreise nur geringfügig." fügte sie an und sah Safir an als könne er etwas für den Umstand, dass das Schiff den Sturm nicht heil überstanden hatte. "Ah, eure Gattin scheint nicht sonderlich erfreut über diesen Umstand zu sein." erwiderte Asleif daraufhin mit einem Schulterzucken. Safir hatte versucht ihn davon abzuhalten, doch der Thorwaler hatte das Wort schon gesagt, bevor der Wundheiler die Chance hatte, ihn davon abzubringen. Cylithias Züge waren augenblicklich eingefroren, ein Zeichen, dass sie das Gesagte nicht mochte - und Safir hatte das ungute Gefühl, sie würde es entweder an dem Unbekannten oder an ihm auslassen. Letzteres war schon des Öfteren passiert. "Nun, aber was treibt euch denn hierher?" wandte Safir schnell ein, um die Konversation in eine andere Richtung zu lenken. Er vermied es, weitere Blicke in Cyli's Richtung zu werfen, und konzentrierte sich nahezu ausschliesslich auf den Thorwaler. Der hatte die Stirn gerunzelt und beobachtete mit einem leisen Lächeln die Beiden, beschloss allerdings zu Safirs Erleichterung, nicht näher auf ihre Beziehung einzugehen. "Nun, ich mache nur einen Zwischenstopp hier. Ich bin mit meiner Mannschaft in den Süden unterwegs, um dort einige der Ortschaften zu sehen, die ich bisher noch nicht kennen lernen konnte." - "Also seid ihr so etwas wie ein... Entdecker?" Der Thorwaler überlegte und grinste breit. "Nun, das könnte man sagen. Ich bin aber vielmehr einfach weitaus neugieriger, als es gut für mich ist. Da fällt mir ein - ich habe euch noch gar nicht nach euren Namen gefragt. Was mich angeht, so könnt ihr mich Asleif nennen." Der Wundheiler konnte ein lächeln nicht unterdrücken - er mochte den ehrlich wirkenden Thorwaler auf Anhieb. "Ihr..." - "Du. Die ganzen Höflichkeitsfloskeln sind nur unnützes Beiwerk." - "Gut, Asleif, du kannst mich Safir nennen. Ich freue mich, deine Bekanntschaft zu machen." - "Cylithi... a." stellte sich die Maga vor und schien wieder einmal ein wenig zu zögern, wenn sie ihren gesamten Namen - und nicht nur die Abkürzung - aussprach. "Und ich bin nicht seine Gattin!" fügte sie trotzig hinzu, ganz so, als wolle sie die Sache nicht auf sich beruhen lassen, wie Safir gehofft hatte. Sein Schienbein entging ihrem Tritt nur knapp, da er ihren Versuch schon im Voraus erkannte. "Aber sagt... Ihr scheint auch nicht von hier zu sein, oder?" Sie sprach das Offensichtliche an, denn Asleif war anders gebaut als die meisten Männer hier. Er war breiter, hochgewachsener und hatte ein sehr ernstes, wenngleich auch nachdenkliches, Gesicht. Seine nassen, blonden Haare machten seinen muskelbepackten, nackten Oberkörper nur interessanter - auch wenn sie fand, das ihr Safir besser gefiel.

    Asleif lachte daraufhin und schüttelte den Kopf. "Nein, ich bin fürwahr nicht von hier. Käme ich von den Inseln, würde ich wahrscheinlich in eine dieser weissen Roben gewandet auf einer Weide stehen, Schafe hüten und über das Leben wie auch andere wichtige Fragen sinnieren." meinte er mit einem Augenzwinkern. "Nein, ich bin kein Mann des Geistes, eher ein Mann der Tat - zu meinem Leidwesen, denn so manches Mal neige ich zu Handlungen, ohne sie richtig bedacht zu haben. Aber andererseits wird das in meiner Heimat - in Thorwal - eher als Zeichen des Mutes und der Findigkeit gewertet, also vermute ich, dass ich es weitaus schlimmer hätte treffen können." Während er sprach, strich er sich seine nassen Haare zurück, während das Wasser noch seinen Oberkörper herab perlte und die Muskeln solcherart nachzeichnete. "Aber sagt, so unter Reisenden - wo kommt ihr denn her? Ich hatte leider noch nicht die Gelegenheit, alle Städte der Tulamidenlande - oder gar des Kalifats - kennen zu lernen, die ich gerne kennen lernen würde. Und seid unbesorgt, ich biete jederzeit gerne eine Geschichte zum Tausch für eine Geschichte an." Seine grauen Augen funkelten vor Vorfreude, als er sich auf einer nahen, niedrigen Mauer niederliess und die beiden Tulamiden so intensiv wie neugierig betrachtete. "Eine Geschichte... ?" Cylithia brauchte nicht lange nachdenken, denn Geschichten hatten sie genügend zu erzählen. Wie zum Beispiel die, wie sie Safir kennen gelernt hatte - oder die, wie sie durch die große Wüste gezogen waren und er des Öfteren einen Zauber auf den Pelz bekommen hatte - oder noch bekommen würde, da war nicht nur sie sich sicher. Dem Blick Safirs zufolge wusste er auch, dass ihr Temperament ihn nicht schützen würde - und das er noch für den Kommentar des Thorwalers bezahlen müssen würde.

    Asleif unterdessen hörte sich interessiert die Geschichten Cylis - mit gelegentlichen unterstützenden Zwischenkommentaren Safirs, die das Geschehen ausschmückten - an. Als die Magierin schliesslich etwas heiser zu reden aufhörte, dämmerte es bereits - und der Thorwaler rieb sich über das bärtige Kinn. "Behaltet euch diese Geschichten gut in Erinnerungen. Denn auch wenn Reichtümer und anderer Besitz vergeht - diese Erinnerungen werden euch erhalten bleiben. Aber ich schweife ab - was kann ich denn von meinen Reisen erzählen? Hm, ich weiss - eine Expedition in den tiefen Norden." Damit begann er zu erzählen, wie er mit seiner Mannschaft und seinem Schiff - wie sich herausstellte, war Asleif wohl der Hetmann seiner Otta - einen Walfänger verfolgt, gestellt und schliesslich versenkt hatten. Unglücklicherweise hatte die Reise sie tief in die nördlichen Gewässer geführt, und zu allem Überfluss brachte sie ein aufziehender Sturm fast dazu, zu kentern. Doch obwohl das Schlimmste noch abgewandt werden konnte, erlitt das Drachenboot einige Schäden und musste repariert werden. Dies wäre den Nordmännern beinahe zum Verhängnis geworden, hätten sie nicht das unbeschreibliche Glück gehabt, eine ihnen wohlgestimmte Firnelfe zu treffen. Mit ihrer Hilfe gelang es ihnen, lange genug am Leben zu bleiben, um die Reparatur durchzuführen und schliesslich wieder wohlbehalten in ihre Heimat zu fahren. Seine Geschichte schloss der Thorwaler mit einem schiefen Grinsen, als er in Richtung der beiden Tulamiden spähte und anmerkte: "Ich habe auch gehört, dass einige von euch Südländern Elfen ihrer Ohren wegen für gute Geister oder so etwas halten. Es stimmt zwar, dass die Elfen nicht von dieser Welt sind - aber Wünsche können sie keine erfüllen. Nun, zumindest nicht in dem erhofften Rahmen."

    Cylithia fuhr sich bei der Erwähnung der Elfen nervös über ihre Haare, ließ es aber gekonnt so aussehen, als würde sie sich eine Strähne aus dem Gesicht streichen. "Sie werden Djinni genannt und... ja, manche glauben, dass sie Wünsche erfüllen können." Dabei war ihr Blick steinern geworden und sie vermied es, sowohl den Thorwaler als auch den Wundheiler anzuschauen. Immerhin wusste Safir, wen sie damit meinte - und auf was sie anspielte. Doch der Blick verflog so rasch wie er gekommen war. Mit einem leichten Seufzen stand Cylithia auf, streckte sich und rieb sich ihren Po. Ein Gähnen musste sie unterdrücken. "Verzeiht... ich bin doch etwas hungrig... und Müde geworden." Bei diesen Worten schielte sie zu Safir. Dieser erhob sich ebenfalls und streckte Asleif noch die Hand hin, die dieser mit einem starken Händedruck erwiderte. "Nun, es war mir eine Freude, Asleif. Aber ich denke, wir werden uns nun einmal zu Bett begeben. Boron segne deinen Schlaf." - "Und Rahja den Eurigen - wenn ihr heute Nacht überhaupt zur Ruhe kommt." entgegnete der Thorwaler lachend, winkte ihnen zum Abschied erneut zu und machte sich anschliessend in Richtung Hafen auf, wohl um sich ebenfalls in einem Gasthof einzuquartieren. Der Wundheiler lächelte breit, bis Asleif ausser Sicht war - dann nahm das Lächeln einen leicht gestressten Zug an. Er versuchte, die Situation zu überspielen, indem er fragte: "Nun - darf ich dich zu einem Bissen einladen? Ich bin gerade recht gut bei Kasse..." - "... Angeber... ausserdem ist das unsere Kasse, nicht Deine!" meinte die Maga, nachdem sie Asleif verschwinden sah und schon fast zu einer Debatte darüber angesetzt hatte, ob Safir nicht hätte sagen sollen das sie beide in keinerlei Beziehung zueinander steckten. "Dann such uns eine gute Stube, in der wir etwas von den kleinen Münzen los werden, die du so freimütig ausgeben willst!" stachelte sie und lächelte ihn fast schon liebenswürdig an. Der Wundheiler lächelte herzensgut zurück, während er von ihrem 'Zähnefletschen' etwas eingeschüchtert wurde. "Nun, sehen wir einmal, was die örtliche Küche so hergibt. Ein wenig Kultur kann ja nicht schaden - vor allem nicht, wenn der Magen leer ist." bemerkte er bemüht schalkhaft, um weiter von dem Thema und der Ursache der vermuteten Animosität deswegen abzulenken. Gemeinsam schlenderten sie den Hafen entlang, bis sie das Gasthaus 'Güldenfahrt' erreichten. Safir entschied nach langer, langer Überlegung, für einen horrenden Preis ein Gericht für sie zu bestellen, dass mit 'echtem' Güldenländer gewürzt sein sollte. Etwas wehleidig sah er dem Geld hinterher, dass er in die Faust des Wirtes gelegt hatte - und hoffte gleichzeitig, dass Cyli seine 'Bestechung' angenommen hatte. Auch die Maga schaute dem Geld hinterher, allerdings mit einem anderen Gefühl. "Also... was möchtest du, das ich vergesse?", sie blickte den Wundheiler ernster an, als es normaler Weise der fall war und zwirbelte abwesend an einer Haarsträhne - was sie weiblicher als üblich aussehen ließ.

    Safir verschluckte sich bei ihren Worten an seinem Happen und klopfte sich kurz gegen die Brust, um den Hals wieder freizubekommen. "Was? Oh. Nun, ich dachte... ich meine..." begann er fahrig, bevor er sich wieder gesammelt hatte und ihr mit einem leisen Lächeln in die Augen sah. "Mir ist nur aufgefallen, dass du dich heute etwas besser im Griff hattest. Ich dachte mir, dass Asleifs Äusserungen dich doch auf dem falschen Fuß erwischt hätten. Ich bin froh, dass es dieses Mal keinen Flammenstrahl gab - wenngleich Feuer natürlich deine Vorzüge auch zur Geltung bringt." meinte er mit einem Achselzucken, als hätte er gerade eine Anmerkung über das Wetter gemacht, und wandte sich wieder seinem Essen zu. Cylithia lupfte eine Augenbraue und Safir merkte wie scharf ihr Fuß an seinem Bein vorbei schnellte, als ob sie sich grade noch im Zaum halten konnte. "Glaub mir, ich röste ihn noch dafür... und dich gleich mit, dafür das du nichts gesagt hast! Ich verstehe ohnehin nicht, wieso sie uns immer wieder als Paar sehen!" knurrte sie, immer noch ein freundliches Lächeln auf dem Gesicht und begann dann in ihrem Essen herum zu stochern, bevor sie es dann doch aß. "Nun..." begann Safir, liess eine Kunstpause und überlegte fieberhaft, wie er antworten könnte, ohne sich selbst Steine in den Weg zu legen. "Sieh es doch einmal aus den Augen der Thorwaler - oder generell von 'Fremdlingen': zwei Tulamiden - Fremdlinge in ihren Augen - gemeinsam auf Reisen, fernab ihrer Heimat. Die erste Vermutung, die einem da in den Sinn kommt, ist nun einmal die von dir geäusserte." meinte er, zuckte mit den Schultern und gab sein Bestes, sich nicht anmerken zu lassen, dass ihn selbige Vermutung jedes Mal aufs Neue freute. "Aber abseits davon... ich würde doch meinen, dass es in einer Hafenstadt ausreichend Möglichkeit zum Baden gibt. Und nach all der Zeit an Bord stünde mir der Sinn durchaus nach einem erholsamen Bad in angenehmer Gesellschaft." meinte er, prostete Cyli zu und machte sich weiter daran, sein Essen zu vertilgen.

    "Du meinst du hattest noch nicht genug von Wasser... wobei, warmen Wasser wäre ich auch nicht abgeneigt." meinte die Maga und blickte ihr Essen mit etwas mehr Enthusiasmus an. Mit flinken Bewegungen hatte sie spiegelverkehrt zu Safir angefangen zu essen - etwas das zeigte, dass sie Linkshänderin war und sich selbst beim Essen davon nicht abbringen ließ, egal was man sagte. "Also welche Therme schwebt dir vor? Die, die wir auf dem Weg hier her gesehen haben? oder doch eine andere?" fragte mit noch halbvollem Mund, während sie schon die nächste Gabel zum Mund führte, als ob sie länger nichts Ordentliches zu essen bekommen hätte. "Nun, auf dem Weg hierher hat sich eine befunden, wie du gesagt hast. Ich würde diese doch gleich einmal näher in Augenschein nehmen wollen." meinte er in fröhlichem Tonfall, als er sich schliesslich mit Cyli gemeinsam erhob und sie den Rest des Abends mit einem Bad für ihre schmerzenden Glieder verbrachten.

    Am nächsten Morgen erwachte Safir erneut als Erster. Er richtete sich mit leicht verspannten Schultern auf und streckte sich in katzenhafter Manier. Er erhob sich von dem Teppich, auf dem er die Nacht über in seinem Schlafsack gerastet hatte, und begann mit seiner allmorgendlichen Übungen. Er konnte jedoch nicht verhindern, immer wieder einen verstohlenen Blick in Richtung Cylithia zu werfen, die friedlich schlummernd im Bett des Zimmers lag, das sie belegt hatten. Die Umstände hatten sie erneut in ein Zimmer geworfen, war der Schlafsaal doch schon von Matrosen überfüllt gewesen - und nahezu alle anderen Zimmer waren von Schiffsoffizieren, Navigatoren und Kapitänen belegt worden, die den Landgang geniessen wollten. Safir hatte damit kein Problem, eher im Gegenteil - er genoss das Beisammensein mit ihr viel zu sehr, als das er auch nur daran gedacht hätte, sich des Preises oder anderer Dinge wegen zu beschweren.

    "Nein, Papa...", murmelte die Frau im Bett und drehte sich um, um vor ihrem vermeintlichen Vater zu fliehen, was jedoch von einem lauten 'plong' und einem "Aua" begleitet wurde. Entsprechend missmutig rappelte sich die Magierin hoch und blickte sich zunächst verwirrt um - als wenn sie sich orientieren müsste, wo sie war. "Guten Morgen." meinte Safir von oben herab, war Cylithia doch aus dem Bett vor seine Füße gefallen. Da er gerade eigentlich einen 'Ausfallschritt' nach vorne hatte machen wollen, hatte er sich in letzter Sekunde zurückhalten müssen - und stand nun in etwas seltsamer, verrenkter Pose da, als er sich mit beiden Armen an der Wand abstützte und die Zähne zusammen biss, hatte seine 'Ausweichbewegung' seine Zehen doch direkt gegen die Truhe neben dem Bett schlagen lassen. "Ich hoffe, Boron hat dir angenehme Träume gesandt?" Er trat einen Schritt zurück und streckte der Magierin seine Hand hin, um ihr aufzuhelfen. "Boron? Nein, Nein..." murmelte sie und blickte seine Hand eine Weile an, bevor sie sich selber wieder aufs Bett hievte. "Ich nehme an, das ich mal wieder länger geschlafen habe als du?" meinte die Maga, während sie ihre Arme nach oben streckte und herzhaft zu gähnen begann. "Ich habe nun einmal einen sehr leichten Schlaf - und bin noch dazu Frühaufsteher." meinte der Wundheiler mit einem Achselzucken, bevor er damit fortfuhr, seine Dehnübungen durchzuführen. "Nun, ich würde meinen, dass wir heute ein wenig die Stadt erkunden - das Wetter ist besser und wir wollen ja einmal genauer in Augenschein nehmen, wohin es uns verschlagen hat, nicht wahr?" Obwohl er nie gedacht hatte, besonders neugierig zu sein - seid Beginn ihrer gemeinsamen Reise ertappte er sich dabei, etlichen Details, die er früher getrost ignoriert hätte, weitaus mehr Beachtung zu schenken. "Bin ja mal auf die ganzen schwarzen Bauten gespannt - ein beeindruckender Anblick." murmelte er vor sich hin, als er seine Übungen beendete und den Schattenkampf begann, der das Ende seiner morgendlichen Übungen darstellte. Cylithia blockte einen seiner Schläge ab - was selten geschah, aber manchmal sprang sie in seine kleinen Selbstkämpfe. Nun, da sie die Überraschung auf ihrer Seite hatte, landete sie einen Treffer unter seinem rechten Schlüsselbein. "Was ist?" fragte sie den immer noch leicht perplex dreinschauenden Wundheiler, bevor sie mit beiden Händen nach seinem Bein langte.

    Safir fing sich wieder, als Cylithia nach seinem Bein griff. Sie brachte ihn mit einem Ruck zu Fall - als er sich jedoch gleich am Boden angekommen daran machte, auch die Maga mit einem gezielten Schlag umzuwerfen. Der 'Kampf' verlagerte sich so auf den Boden und artete in eine kleinere Rangelei aus, in der jeder der Beiden versuchte, den anderen mit Griffen oder Hieben mit der flachen Hand in eine ungünstigere Position zu bringen. Das 'Duell' dauerte einige Minuten, bevor Safir schliesslich die Hände hob und sich ergab. "Lassen wir es fürs Erste gut sein - so langsam bekomme ich Hunger. Wollen wir etwas essen gehen?" meinte er, während er mit dem Rücken auf dem Boden lag und Cylithia über ihn gebeugt kniete. "Einigen wir uns darauf, das du spätestens gerade eben tot gewesen wärst." lachte sie und rappelte sich auf. "Für so etwas sollte ich wirklich eine Weste und Hose tragen..." murmelte sie und hielt Safir eine Hand hin, jedoch war dieser schon aufgestanden. Auf ihren Kommentar hin grinste er nur kurz. "Ach, das ist Ansichtssache - immerhin war das ja nur Übung und kein realer Kampf bis zum Tod. Glücklicherweise - in so etwas würde ich ohnehin nicht unbedingt hinein geraten wollen." meinte er, als er sich sein Oberteil überwarf und nur noch auf Cyli wartete, bis auch diese sich vollständig angezogen hatte. Gemeinsam begaben sie sich nach unten in den Schankraum, wo sie sich eine Mahlzeit bestellten und genüsslich ihr Frühstück auf nicht- schwankendem Untergrund verzehrten. Was sich daran bemerkbar machte, das sie beide immer noch erwarteten das sich der Boden von einer Seite zur anderen 'rollte' - doch nichts dergleichen geschah und ihrer beider Körper wippten leicht hin und her. Erst als sie beide saßen war für sie wieder alles im Lot, und mit Heißhunger machten sie sich über das ihnen servierte Frühstück her. "Lass uns ein wenig unsere Beine vertreten - nach der ganzen Zeit auf dem Schiff juckt es mich nach etwas Bewegung." meinte Safir nach beendeter Mahlzeit zu seiner Gefährtin.

    Gesagt, getan - schon bald darauf befanden sie sich in den Straßen Teremons und schlenderten gemütlich in Richtung Inselinneres. Obwohl es an sich immer wieder das Gleiche war, konnte Safir den Blick nicht von den Pechschwarzen Bauten lassen, die diese Stadt prägten. "Verzeihung." ertönte auf einmal eine Stimme. Safir drehte sich um, und sah sich einem adrett gekleideten Mann mit kriegerischem, stolzen Auftreten gegenüber. "Ihr seid neu hier, nicht wahr? Seid ihr mit dem hier 'gestrandeten' Schiff eingetroffen? Könntet ihr mir erzählen, was damit vorgefallen ist? Aber ich vergesse meine Manieren - mein Name ist Aenas Castor Arethusia. Mit wem habe ich das Vergnügen?" Cylithia hatte sich nicht herum gedreht, tat es nun aber langsam, alleine die Sprache, die dieser Mann an den Tag legte, ließ sie selber etwas gehobener Sprechen. "Nun, mit Verlaub, Cylithia Heifast mein Name und dieser ansehnliche Mann ist Safir." Man konnte dabei hören, das sie das 'ansehnlich' überbetonte, was darauf schließen ließ, dass sie es nicht ganz so ernst meinte. "Swafnir meinte, uns auf eine Probe stellen zu müssen." meinte sie dann zu der Erklärung ansetzend, die vermutlich eine Weile dauern würde. Der Wundheiler half ihr an manchen Stellen aus bzw. fasste das Geschehen in weniger Worten zusammen, während die Maga eher dazu neigte, die Beschreibung durch - zumindest in Safir's Augen - unnötige Details auszuschmücken. Ähnlich wie seine Begleiterin war auch er instinktiv in eine kultiviertere, höfischere Redeweise verfallen.

    Aenas hörte sich die Beschreibung kommentarlos und konzentriert an, als er schliesslich nickte. "Ich danke Euch - ich versuche nun schon seit gestern Abend heraus zu finden, was dort vor sich geht, und habe doch bis jetzt niemanden gefunden, der es mir sagen konnte. Mein Dank sei Euch gewiss." Bevor er weiter reden konnte, ertönte eine weitere Stimme. "Da steckst du. Du solltest doch schon längst zu Hause sein!" Eine Frau war hinzugetreten, die ein junges Mädchen von geschätzt 3 oder 4 Götterläufen auf dem Arm trug. Ein etwas älterer Junge lief mit ernstem Gesichtsausdruck neben ihr her - eine beachtliche Leistung für sein Alter - und war aufgrund seiner Haar- und Augenfarbe wohl ebenfalls ein Mitglied der Familie. Die Frau nickte den Tulamiden höflich zu, als sie ihren Mann ohne weitere Umschweife mit einer Geste dazu brachte, ihr zu folgen. Bevor dieser jedoch entschwand, wandte er sich noch einmal an sie. "Oh, bevor ich es vergesse - wäret ihr gewillt, mir heute Abend bei einem Abendessen Gesellschaft zu leisten? Seht es als meinen Dank für die Auskunft - oder falls euch das nicht gefällt, schiebt es auf meine Neugier. Ich war noch nie allzu tief im Süden und möchte die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, näheres darüber zu erfahren. Mein Anwesen dürftet ihr nicht verfehlen können - wenngleich es sich ausserhalb der Stadt befindet." Cylithia konnte sich nicht davon abhalten zu grinsen. Der Gute stand unter dem Pantoffel seiner Frau, so wie es ihr Vater auch tat. Getan hatte. "Na was sagt man dazu..." murmelte sie, nun Tulamidyia benutzend. "… als wenn wir ihm nicht schon die ganze Seefahrt von Hafen zu Hafen erzählt hätten." Sie schloss die Augen und schien sich gegen etwas unsichtbares zu stemmen, setzte dann jedoch dem Mann doch einen Schritt hinterher. "Gastfreundschaft weist man nicht ab." meinte sie freundlich zu dem Mann und zwang sich dazu etwas schneller zu gehen, denn die Frau legte einen guten Schritt vor. Safir nickte daraufhin nur - auch er empfand es als sinnvoll, die Einladung anzunehmen, wenngleich aus ganz anderen Gründen als Cylithia. "Dann vertreiben wir uns eben noch ein wenig die Zeit, bis es soweit ist - hier!" meinte er und hielt sie zurück, als ihre Neugier erneut mit ihr durchzugehen drohte und sie Anstalten machte, bereits jetzt zu besagtem Anwesen zu gehen.

    Es gelang Safir mit verschiedensten Einwürfen, die Neugier der Maga auf andere örtliche Begebenheiten zu lenken - und so vertrieben sie sich die Zeit, den Markt, örtliche Gebäude und nicht zuletzt den Rahjatempel unter näheren Augenschein zu nehmen. Aber schliesslich war es Abend geworden, und sie hatten sich so gut es möglich war gewaschen und herausgeputzt. Eine knappe halbe Stunde ausserhalb der Stadt fanden sie besagtes Anwesen am Rande der Klippen. Zielstrebig steuerten sie die Pforte der das Haus umgebenden Mauer an, dass bald nachdem sie daran geklopft hatten von einem Bediensteten geöffnet wurde. Der Domestik führte sie mit einem 'Folgen Sie mir bitte.' durch einen prächtigen Rosengarten in das Anwesen hinein. Sobald sie dort ihre Schuhe ordentlich gereinigt hatten, trafen sie im Speisezimmer erneut auf ihre jüngste Bekanntschaft. "Ah, es freut mich, dass Ihr kommen konntet. Darf ich vorstellen? Dies ist meine Frau Ariadne, mein Sohn Enyalus und meine Tochter Eris. Willkommen in unserem bescheidenen Heim."

    Cylithia musste erstmal ihren Mund wieder zu machen, denn bescheiden war das hier sicherlich ganz und gar nicht. "Cylithia Heifast, die Freude ist ganz auf meiner Seite..." Oder besser gesagt, ihre Neugierde über ihr Gegenüber schien sie fast umzubringen. Safir hatte schon seine Mühe gehabt, sie bei Laune zu halten, das sie jetzt förmlich vor Neugierde überzukochen schien. Der Wundheiler verbeugte sich unterdessen so standesgemäß und höflich, wie er es vermochte. "Ich werde Safir genannt. Ich danke Euch für Eure Großzügigkeit und betrachte es als Ehre, in Eurem Hause Gast genannt zu werden." Huldvoll wurden die Vorstellungen aufgenommen, als man sich schon zugleich zu Tisch begab. Der Bedienstete, der sie schon am Tor empfangen hatte, servierte die Speisen, während ihr Gastgeber bereits die erste Frage nach ihrer Herkunft stellte, einer Frage, die ihm wohl schon seit einiger Zeit auf der Zunge lag. "Ich für meinen Teil komme aus dem ehrwürdigen Rashdul." begann Cylithia, ohne darauf zu achten, ob Safir auch zum sprechen angesetzt hatte. "Das ist recht weit... südöstlich. Natürlich in genügend Entfernung zu... Unannehmlichkeiten. Aber Ich bin schon etwas länger auf.. Wanderschaft, wenn man es so bezeichnen möchte und habe dadurch Safir in Samra getroffen... und irgendwie sind wir seitdem gemeinsam unterwegs." - "Ja, 'irgendwie' hat es sich begeben, dass wir nun gemeinsam mehr Meilen gemeinsam zurück gelegt haben, als wir - oder zumindest ich - es jemals für möglich hielten. Ich für meinen Teil stamme nicht aus Rashdul, sondern aus dem altehrwürdigen Fasar. Über diese Stadt könnte ich viele Geschichten erzählen - doch nur die Wenigsten sind für einen Anlass wie Diesen geeignet." Diese Worte brachten den Adligen ihm gegenüber natürlich dazu, aufzublicken. Doch mit einem Wink seiner Gemahlin nickte er lediglich und sprach an die beiden Tulamiden gewandt nur: "Nun, ich würde mich über jede Geschichte freuen, die ihr mit uns teilen wollt. Jedwede Erzählung ist höchst willkommen."

    "Nun... ich bin kein Haimamud." meinte Cylithia lächelnd, aber lehnte sich wie eben ein Solcher nach vorne. "Doch ich habe einmal eine Geschichte gehört, die sich in Azzra abgespielt haben soll - eine kleine Ortschaft bei Rashdul.",fügte sie hinzu, als sie sah, das ihre Gastgeber keine Ahnung hatten, wovon sie sprach. "Wie es solche Geschichten an sich haben, haben sie meist einen kleinen Helden. Unser Held, saß grade am Dorfbrunnen..." Mit diesen Worten begann die Maga eine Safir bis dato unbekannte Geschichte um den jungen Helden Asrathal, der sich in eine schöne Sultanstochter verliebte, kurz bevor diese von ihrem bösen Stiefbruder, dem Wesir, entführt wurde. Der Held sammelte 3 wackere Gefährten um sich und bestand mit ihnen 3 gefährliche Questen, bis er dem Wesir letzten Endes alleine gegenüberstand. Mit Witz, List und Tücke überwand er den mächtigen Mann und befreite das Mädchen, welches sich durch seine Heldentaten ebenfalls unsterblich in ihn verliebt hatte. Der Wundheiler lauschte - ebenso wie die Familie Arethusia - der Schilderung mit gespitzten Ohren. Dies lag weniger an der Originalität der Geschichte, als vielmehr an der spannenden, mitreissenden Art, in der diese von Cylithia vorgetragen wurde. Safir grinste breit, als Cylithia schliesslich verstummte. "Ausgezeichnet." raunte er ihr leise zu, als das anwesende Adelsgeschlecht überschwänglich ihr Lob für die gelungene Darbietung äusserte. Die Frau verstummte und verbeugte sich leicht, bevor sie sich setzte. "Als Kind habe ich diese Geschichte recht häufig gehört..." meinte sie und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, das sie sich selber nicht als große Erzählerin sah. Safir, der die Bescheidenheit der Maga mit einem gutmütigen Lächeln bedachte, brachte ihre Gastgeber durch subtile Gesprächsführung dazu, sie weiter mit Komplimenten zu versehen, während er es genoss, wie sie das Lob teils etwas beschämt reagieren liess.

    Der Abend flog dahin, während auch die Arethusias einiges von sich erzählten. Genauer gesagt erzählte Aenas einige Geschichten, die er als Kapitän seines Schiffes aufgeschnappt oder selbst erlebt hatte, während seine Gemahlin nur einmal kurz ihre Kinder vorstellte und ansonsten ihren Gatten das Reden überliess. Als die Nacht schliesslich schon weit fortgeschritten war, erhob sich das Ehepaar schliesslich. "Wir danken Euch vielmals dafür, dass Ihr unsere Einladung angenommen und mit uns diesen wunderbaren Abend verbracht habt. Doch nun ist es spät, und in nicht allzu ferner Zeit wartet auf uns wieder die Arbeit. Ich wünsche Euch nun ebenso eine gute Nachtruhe - und hoffe, dass wir uns noch einmal wieder sehen. Bis dahin - gehabt Euch wohl." Cylithia verbeugte sich leicht, war sie doch immer noch von niederem Stand als die Herren des Hauses. Mit einem kurzen Blick auf die Frau musste sie schmunzeln und wandte sich zum gehen. "Sie werden schon bald eine Tochter haben, die hier nichts halten wird..." murmelte sie vor sich hin, als wenn sie etwas wusste, was sie nicht wissen können sollte. Sie streckte sich, ließ ihre Hand auf Safirs Schulter fallen - und ihr gesamtes Gewicht gleich mit, denn sie hatte zu viel des guten Weines getrunken und Safir wusste leider, wie Cylithia am nächsten Tag sein würde. Sie war nicht im Stande, aus eigener Kraft sehr viel weiter als drei Schritt zu gehen ohne eine interessante Kurve dabei zu beschreiben.

    Der Rest der Nacht verlief für die beiden Tulamiden recht ereignislos. Während Safir zur gewohnten Zeit aufstand, liess er Cyli ihren Rausch ausschlafen - auf ein weiteres Fiasko wie in der Wüstenei war er nur bedingt interessiert. Gegen Mittag schliesslich waren jedoch beide wach und auf den Beinen. Nach einem ausgedehnten Mahl machten sie sich zum Hafen auf, um dort dadurch überrascht zu werden, dass das Schiff bereits wieder fahrtüchtig war. In entspannter Eile bargen sie ihr Hab und Gut aus dem Gasthof und verabschiedeten sich vom dortigen Wirt, ehe sie wieder auf die Planken schritten. "Schade, dass wir uns nicht von den Arethusias verabschieden können." meinte Safir gerade, als er noch einen Blick in Richtung des Hafens warf und dort Asleif sah, der ihnen mit seinen Blicken folgte. Als sein Blickkontakt erwidert wurde, hob der Thorwaler die Hand zum Gruß und winkte den beiden Tulamiden zum Abschied, eine Geste, die die Südländer gerne erwiderten. "Nun, zumindest haben wir Asleif noch einmal gesehen - und du hab dich nicht so." meinte er zur etwas gezwungen lächelnden Cyli und stupste ihr schelmisch in die Seite, nur um rechtzeitig einen Schritt zur Seite zu machen, bevor sie ihm dies 'vergelten' konnte. So verliessen sie den Hafen Teremons, um ihre Reise gen Norden fortzusetzen, ins Ungewisse hinein.

  11. #11
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    Kapitel VIII: Die Hauptstadt Albernias

    Safir und Cylithia standen beide an der Reling des Schiffes, während sie ihren Blick auf die immer größer werdende Stadt gerichtet hatten. Aus dem Dunkel der Nacht - das allmählich von den ersten Strahlen von Praios' Antlitz abgelöst wurde - schälte sich langsam die Altstadt Havenas, des nächsten Zieles ihrer Reise. Sie hatten für ihre Reise hier einen Halt von einigen wenigen Tagen eingeplant, während sie sich für ihre Reise weiter nordwärts vorbereiten und ausrüsten wollten. Ausserdem, so hatte Safir argumentiert, hatte man im Leben wohl nur einmal die Gelegenheit, eine derartige Stadt näher in Augenschein zu nehmen. Entsprechend gut gelaunt war die Stimmung der beiden Tulamiden auch, als das Schiff schliesslich am Hafen anlegte und vertaut wurde. "Endlich wieder festen Boden unter den Füßen." murmelte Safir in seiner Muttersprache, während er den Matrosen ein Lächeln schenkte und sich mit einem Winken verabschiedete. Wieder an Land angekommen, mussten sie die üblichen Kontrollen über sich ergehen lassen - doch dieses Mal war es anders als sonst. Denn als der Beamte Cyli gewahr wurde, verfinsterte sich seine Miene und er winkte zwei Wachen herbei, die sich fortan als drohende Schatten hinter sie stellten. "Verzeiht, die Herren - gibt es ein Problem?" warf Safir ein. Der Beamte ignorierte den Einwurf und wandte sich grimmig an die Maga. "Hier herrscht absolutes Magieverbot. Jegliche Zauberei ist untersagt - wir wollen weder sie noch ihre Anwender hier haben. Erledigt, was auch immer ihr zu erledigen habt, und dann verlasst die Stadt." Die Maga wollte grade lospoltern, aber ein Tritt Safir's auf ihren Fuß ließ ihr den tulamidischen Fluch im Halse stecken bleiben, ehe sie ihn mit entsprechendem Fluch beinahe von sich schob. Sie wollte grade nachsetzen, als eine der Wachen grob packte. "Lass mich los!" knurrte sie, langsam aber sicher auf Betriebstemperatur kommend. "Ich hatte nicht vor, eure Gastfreundschaft allzu lange in Anspruch zu nehmen." meinte sie, als sie sich schließlich von dem grimmig dreinblickenden Mann hinter ihr los riss.

    Was nun folgte war eine Filzung ihres ganzen Hab und Guts - sie musste ihren Rucksack gänzlich auspacken und mit jedem Blick des Beamten wurde ihre Laune gefährlich niedriger. Als sie schließlich wieder zusammen packen konnte, war fast eine gesammte Stunde vergangen. Mit einem tiefen und abfälligen Tonfall verabschiedete sich von dem Beamten - die Wachen schienen ihnen dennoch nicht von der Seite weichen zu wollen. "Was in aller Götternamen hab ich angestellt damit ich sowas verdiene?" knurrte sie ihrem Begleiter mit unterdrückter Wut zu, als wenn sie sich grade noch daran halten konnte, nicht zaubern zu dürfen. Safir erwiderte darauf lediglich "Die Stadt scheint ein Problem mit jeglicher Magie zu haben...", während ihre Schatten ihnen noch eine Weile folgten. Erst als sie auf dem Marktplatz ankamen, liessen die Wachen von ihnen ab und verschwanden im Menschengewirr. Safir blickte ihnen hinterher und lächelte leise. Er schlang einen Arm um die Maga und beugte sich nahe zu ihr, ganz so, als hätte ein Ehemann endlich Zeit mit seiner Liebsten alleine. "Sie beobachten uns noch." flüsterte er ihr zu, während er sie mit sanfter Gewalt durch die Menschen schob. "Aber ich habe eine Idee. Warum machen wir ihnen nicht einen Strich durch die Rechnung? Wenn sie dich aus den Augen verlieren - und bald nicht mehr als Maga erkennen können - dann haben sie keinen Grund, dich erneut so zu behandeln. Ich schlage vor, wir suchen uns ein Zimmer - und dann sorge ich dafür, dass man dich so schnell nicht als Maga erkennt. Du wirst kein Problem haben, Blicken wie diesen auszuweichen." - "Ich soll mich ver... dir ist klar, das ich das nicht darf?!" meinte sie und blickte sich um - ihr fielen wirklich etliche Blicke zu, die nicht sehr freundlich waren oder deutliche Ablehnung zeigten. Und außerdem war ihr Safirs gute Laune grade zu wieder. "Was hast du vor, dass du solch gute Laune hast?" Der Wundheiler, der immer noch lächelte, schüttelte den Kopf. "Ich bin nicht gut gelaunt. Ich lächle, weil ich diesen Leuten keine Angriffsfläche bieten will. Um ehrlich zu sein, bin ich eher wütend - diese schmalspurigen Kleingeister haben dir einfach mir nichts, dir nichts vor den Kopf gestoßen! Daher auch der Vorschlag - sie sollen einmal sehen, was sie von so einem Verhalten haben. Und stell dir doch einfach mal die Gesichter der Leute vor, die dich freundlich behandeln - ohne zu merken, dass die Person vor ihnen eigentlich das ist, was sie nicht haben wollen. Gibt es eine bessere Methode, um jemanden die eigene Kleingeistigkeit vor Augen zu führen?" "Als wenn sie darauf hereinfallen würden..." murmelte sie, aber langsam kam ihr der Gedanke doch einleuchtend vor und ihr innerer Schelm hatte seine helle Freude an der Idee - diesen Leuten zu zeigen, dass das was sie nicht sehen konnten nicht immer das war was sie sehen wollten. "Ich kann mich schlecht verstellen und außerdem muss... darf ich nicht verstecken was ich bin..." Sie seufzte, bevor sie die Augen schloss und kurz inne hielt. "Was hast du vor?" fragte sie schließlich und ging langsam in Richtung einer der Stadttore. "Nichts extravagantes." meinte der Wundheiler, während er mit den Schultern zuckte. "Nur ein wenig simple... Ablenkung. Deine Gewandung ist im Moment eben klar als magisch zu erkennen. Wenn diese Gewandung aber gewechselt wird - und einem stattdessen anderes zuerst ins Auge fällt - wird man das Ganze geflissentlich ignorieren. Die meisten Menschen sehen eben nur das, was sie sehen wollen - also sorgen wir doch dafür, dass sie etwas erblicken, an dem sie ihre Freude haben und keine weiteren Fragen stellen. Die passende Garderobe haben wir ohnehin noch mit dabei." - "Was?" Sie blickte ihn verwirrt an. "Ich werde mich nicht heraus putzen, nein!" wollte sie protestieren, doch Safir hatte sie näher zu sich gezogen. "Um ihnen zu zeigen, das sie engstirnig sind, wirst du das kleine Opfer doch bringen können!" redete er beschwörend auf sie ein und legte all seine Überzeugung in seine Stimme. "Hier geht es um mehr als das! Denkst du, du hast verdient, was diese nordländischen Hinterwäldler hier gerade abgezogen haben? Ich würde sie damit nicht davon kommen lassen! Ausserdem willst du dich doch wohl nicht für den Rest unseres Aufenthaltes hier abgewiesen fühlen, oder?" Cylithia nickte vorsichtig, woraufhin Safir sie mit sich zog. Elegant schlängelte er sich mit ihr durch die Menschenmenge, um ihre heimlichen Beobachter schon bald weit hinter sich gelassen zu haben. Anschliessend ging es direkt im Anschluss in eine der Herbergen. Während Safir die Aufmerksamkeit des Wirtes und der Gäste mit einigen tulamidischen, weit ausholenden Gesten und Phrasen auf sich zog, konnte sich Cyli ungestört nach oben zurück ziehen, wobei sie kurz darauf wieder auf Safir stiess. Somit waren sie schliesslich gemeinsam in einem Zimmer (wie in jedem Gasthof, in dem sie bisher gerastet hatten), während Safir in ihrer beider Rucksäcke herumkramte und einzelne Dinge zu Tage beförderte. "Hier." meinte er schliesslich zu der Maga und wies auf die eindeutig weibliche Kleidung, die auf dem Doppelbett auslag. "Sobald du das angezogen hast, werde ich dich noch ein wenig zurecht machen, dann kümmere ich mich um das Siegel - und jeder wird in dir nur die Tochter eines Sultans oder reichen Südländers erkennen, während ich deinen Leibwächter mime." Er drehte sich um, ohne ihr Zeit für Proteste zu lassen, und begann sich selbst zu entkleiden, um sich ebenfalls in Schale zu werfen.

    Sie starrte seinen Rücken etliche Sekunden lang an und musste zugeben, seine Muskeln hatten schon etwas an sich - sie würde auch gerne solche haben. Doch als er schließlich seine Hose auszog konnte sie ihren Blick von ihm losreißen. Nun machte sie sich daran, ihre Robe auszuziehen und diese fein säuberlich zusammenzulegen. Erst als sie sich sicher war, dass sie sich keine falsche Knickfalte eingefangen hatte - sie erinnerte sich zu gut daran, dass sie dafür schon öfters einen Rüffel bekommen hatte. Seufzend hob sie einzelne Teile hoch, die Safir herausgelegt hatte - das Kleidung von so unterschiedlicher Machart sie nicht wie eine Gauklerin dastehen lassen sollte ließ sie etwas an dem Vorhaben zweifeln. Dennoch schlüpfte sie in die bereit gelegten Sachen, immerhin war es hier nicht geheizt und langsam aber sicher wurde die temperatur doch kühler als sie es gewöhnt war. Als sie schließlich das Mieder anziehen musste, drehte sie sich zu Safir um. "Wenn ich den ganzen Tag in dem Ding herum laufen muss..." Sie beendete den Satz nicht, war ihr die Erinnerung an Kulisk doch noch zu sehr präsent. "... hilf mir einfach das Ding zu zu bekommen..." - "Aber natürlich." meinte der Wundheiler geflissentlich, der sich im Gegensatz zu seiner Gefährtin nicht lange mit seiner Kleidung abmühen musste. Auch seine Kleidung war von verschiedenen kulturellen Einflüssen geprägt - doch es fügte sich nahtlos zu einem Ganzen zusammen, und nicht wie von Cyli befürchtet zu einem Flickwerk. In dieser Gewandung konnte man ihn tatsächlich sehr leicht für einen Domestik oder einen anderweitig von jemand höher Gestelltem Angestellten halten. Während Cylithia ihm den Rücken zuwandte, machte er sich daran, ihr das Mieder zuzuknöpfen und überprüfte, dass es auch tatsächlich saß. Gleichzeitig liess er in seinen Händen eine Bürste erscheinen - er hatte sie sich kurzerhand aus dem Gepäck gefischt - und drückte sie mit sanfter Gewalt in Sitzlage auf das Bett, während er sich an ihren Haaren zu schaffen machte. "Leg doch schon einmal diesen Schmuck an." meinte er und deutete auf einen kleinen Haufen besagten Geschmeides. Die Maga musste sich kurz wundern, wann und wo das gekauft worden war - sie hatte sich das sicherlich nicht zugelegt - während Safir dabei war, ihre Haare zu einer zu ihrer Verkleidung passenden Frisur zu gestalten.

    "Wo hast du all das ... Zeug her?" fragte sie verwundert, während sie die verschiedenen Armreife begutachtete. Auch eine Kette war dabei, die sie interessiert in die Hand nahm. "Wirklich... das ist hübsch..." meinte sie, während ihre Finger langsam das Metal nach fuhr, das in kunstvoll geschwungenen linien verarbeitet worden war. "Aua!" Völlig in seiner Arbeit versunken nahm Safir ihren Finger, führte ihn rasch an seinen Mund und sog daran. "Keine Sorge - ist nur ein Kratzer." meinte er, während er sie schliesslich wieder 'freigab' und einen Schritt zurück tat. "Na also, das sieht doch gut und stimmig aus! Nun fehlen nur noch der Schmuck und die Ärmel." meinte er, während er sich wieder zu seinem eigenen Rucksack begab und ein längliches Paket daraus hervor holte. Er wickelte die Lederriemen ab und brachte ein Schwert samt Scheide hervor, dass er sich gekonnt umschnallte. "Nun, ich wäre soweit."

    "Welche Ärmel?" fragte sie noch, doch ihre Frage war eigentlich sofort beantwortet, als sie neben sich auf das Bett blickte. Zuerst etwas verwundert darüber wie diese überhaupt halten sollten - waren sie doch nicht magisch - begriff sie rasch, das sie es durch einen Schnürung taten und das man zum verdecken dieser einen Armreif darüber legte. Die Kette brauchte etwas Fingerfertigkeit, aber sie hatte sie schließlich geschlossen bekommen und blickte etwas verwirrt auf ihren Busen, in die das Pedant fast verschwand. "Die werden auch nicht kleiner..." murmelte sie verdrossen und wollte sich aus Gewohnheit die Haare von der Schulter streichen, doch da waren keine. Alamiert tastete sie nach ihren haaren, nur um sie mit einigen Haarnadeln fixiert vor zu finden, fast automatisch glitten ihre Hände zu ihren Ohren, nur um diese immer noch halbwegs von ihrem Haar bedeckt vor zu finden. "Geb mir einen Spiegel..." meinte sie schließlich und stand auf, denn einen Spiegel hatten sie nicht und seine Schwerter konnte sie dazu nicht missbrauchen, denn diese waren geschwärzt. Das er eins davon an seiner Hüfte trug machte diese Scharade glaubwürdiger. "Selbstverständlich." wiederholte der Wundheiler erneut und reichte ihr seinen Bronzespiegel, in dem er sich gerade selbst kontrollierend begutachtet hatte. Während die Maga den Spiegel nahm, sah er ihr betont gleichmütig zu. Natürlich sah sie hinreissend aus, aber er hatte in ihrer gemeinsamen Zeit gelernt, dass sie seltsamerweise auf Komplimente über ihr Äusseres überhaupt nicht gut zu sprechen war. "Und? Was meinst du?" fragte er sie stattdessen.

    "Als wenn sie das schlucken würden... Safir." meinte sie, erneut seufzend - sie war der Idee zwar nicht abgeneigt, aber die Angst vor dem 'was wäre wenn' nagte doch an ihr. "Ich geh nie und nimmer als Sultanstochter durch!" - "Oh doch, das wirst du. Es kommt ja nicht nur auf die Verkleidung, sondern auch auf das Auftreten an. Und da komme eben auch ich ins Spiel. Ich bitte dich nur, einfach mit zu spielen - dann wird alles gut gehen." Mit diesen Worten verbeugte er sich galant, während seine Miene aalglatt wurde und von einem stetigen, hochnäsigen Lächeln geziert wurde - ausser Ihr gegenüber, wo sich seine Miene durch absolute Unterwürfigkeit auszeichneten. Gemeinsam schritten sie wieder in den Gastraum hinab - er voran, die rechte Hand auf der Klinge ruhend. Die Blicke wanderten zu ihnen, als Safir die Aufmerksamkeit jedoch nur mit einem verächtlichen Blick in die Menge und einem gütig- zuvorkommenden Blick in Richtung des Wirtes würdigte. "Die Gebieterin wünscht eine Erfrischung. Sie wird sich nun in die Stadt begeben, um dort zu sehen, ob diese Stadt auch Andere ihr angemessene Angebote vorliegen." Bevor der Wirt auch nur zu einer Erwiderung ansetzen konnte, verbeugte sich der vermeintliche Leibwächter schon wieder, schritt auf die Tür zu, öffnete sie, spähte nach draussen und hielt sie dann für die 'Sultana' auf.

    Cylithias Blick blieb an Safir geheftet, immerhin musste sie grade ein Lachen unterdrücken - Safir spielte das Gehabe von Einigen der Leibwächter, die sie selber schon erlebt hatte, durchaus passend. Mit vorsichtigen Schritten, als wenn sie sich nicht so wohl in der Umgebung fühlen würde - was auch der Wahrheit entsprach, immerhin lagen etliche Blicke auf Ihr und ihrem 'Leibwächter'. Unter Anderem lag es auch auch an den hochhackigen Schuhen, dass sie sich vorsichtig bewegte. Schnell damit zu gehen hatte schon vorher zu Katastrophen geführt und sie war nicht erpicht darauf sich ihren Köchel - oder etwas anderes - durch die Schuhe an zu knacksen. Dem Wirt ein flüchtiges Lächeln zuwerfend und den Rest des Raumes ignorierend, schritt auch sie zur Tür und an Safir vorbei - der sie unterwürfig anblickte. Mit einem Male kam ihr eine Idee. "Lass ihn wissen, das ich ein Bad nehmen möchte, sobald wir zurück sind - und das es am Besten warm ist." säuselte sie in einem befehlsartigen Ton, der so nicht wirklich zur eigentlichen Cylithia passte, wohl aber zu derjenigen, die sie grade spielen sollte. Keinen Blick weiter an Safir verschwendent schritt sie weiter und blieb etliche Schritt weiter stehen um auf ihn zu warten. Der Wundheiler unterdessen liess sich seine Überraschung nicht anmerken, verbeugte sich so tief, dass man sich um sein Gleichgewicht Sorgen machen musste, und verschwand schnellen Schrittes erneut im Gasthof. Cyli konnte nicht genau hören, was Safir mit dem Wirt besprach - aber scheinbar wurde ihrem Befehl Folge geleistet. Als er kurz darauf wieder erschien, meinte er: "Verzeiht die Verzögerung, Oh Gebieterin! Ich musste dem Wirt erst Eure Präferenzen darlegen, um ein optimales Vorgehen zu ermöglichen. Aber nun wird sich darum gekümmert werden. Wohin möchtet Ihr also als Nächstes? Ich bin mir sicher, dass Euer Blick auf dem Weg hierher an der Einen oder Anderen Sehenswürdigkeit hängen blieb... Und wenn ich so vermessen sein dürfte, würde ich die Hafenstadt empfehlen, denn es scheint mir beinahe so, als würde sich ein Teil der Stadt unter Wasser befinden."

    Cylithia hob die Augenbrauen - woher wusste Safir ihre Präferenzen, was das Wasser anging? "In welche Richtung müssen wir?" fragte sie schließlich und verfluchte die Schuhe, das Mieder und allgemein den ganzen Aufzug schon jetzt. Nicht das sie sich wieder einmal wie auf dem Präsentierteller fühlte, nein, es war auch nicht so warm, wie sie es gerne für diese Tracht gehabt hätte. Allerdings musste solch eine Gluthitze wie in der Khôm nicht sein. Schließlich wandte sie nach rechts und Safir folgte ihr erst etwas zurück fallend, dann doch aufschließend und schließlich auch etwas 'normaler'. "Ich sag dir, das werden die nicht mal ansatzweise glauben, sobald sie etwas nachdenken..." - "Und ich beharre auf meiner Meinung - das kommt ganz auf unser Auftreten an. Zweifeln und zögern wir, haben wir verloren. Aber soweit wird es nicht kommen." fügte der Wundheiler mit einer solch unerschütterlichen Zuversicht an, dass sich Cylithia dabei ertappte, dem Ganzen zumindest für einen Moment auch selbst Glauben zu schenken. Sie schlenderten durch die breiten Straßen der Königsstadt, was durch ihre Größe und ihre schier unglaubliche Einwohnerzahl bereits ein Erlebnis für sich war. Schliesslich jedoch - es schien ihnen (und vor Allem der Maga) wie eine Ewigkeit - erreichten sie die Altstadt. Ihr Blick reichte nicht weit, denn Nebelschwaden bedeckten große Teile des Wassers, und nur vereinzelte Ruinen stachen daraus hervor. Ein Blick ins Wasser offenbarte dem Beobachter mit scharfen Augen jedoch noch weitaus mehr, denn etliche der Gebäude standen unter Wasser. Cylithias Blick glitt über die Nebelschwaden, die aus den Ruinen kamen - ganz so, als suche sie nach Etwas, was die Unnatürlichkeit des Ganzen bestätigen würde. Ihre Neugierde hatte sich wieder einmal ihrer bemächtigt. Safir mit sich ziehend rannte sie förmlich die Straße entlang, um mehr zu sehen. Dabei war das typische klacken der hochhackigen Schuhe zu hören, als wenn sie schon jahrelang in diesen laufen würde und nicht ausgesprochene Probleme damit hatte - Safir war sich sicher, das ihre Abneigung gegen das Schuhwerk für ihre Unsicherheit sorgte und nicht ihr Unwille sie überhaupt zu tragen, denn sie konnte es ja, wie er selbst sehen konnte.

    Ihr Weg führte sie bis an den Rand des Wassers, vor dem sie gezwungenermaßen Halt machten. Gezwungenermaßen, da Safir seine Begleiterin förmlich daran hindern musste, in die Fluten zu steigen. "Wartet hier, Gebieterin. Ich werde sehen, was ich tun kann." meinte der 'Leibwächter' plötzlich mit einer Verbeugung, und entfernte sich ein paar Schritt, nur um mit einem Mann zu sprechen, der scheinbar ein Geschäft betrieb. Cylithia sah sich schon bald darauf mit einem jungen Mann von ca. 17 Götterläufen konfrontiert, der den Blick nur schwer von ihr lassen konnte. "Verzeiht, meine Dame, aber mein Blick folgt Euch nun schon seitdem ihr diese Straße betreten habt. Ich erhoffe mir, dass Ihr mir Eure Gunst erweist und Euren Namen..." begann er, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. "Du stehst zu nah." meinte Safir kalt, ganz im Gebaren seiner Rolle. Er positionierte sich zwischen der Maga und dem nun etwas verwirrt und gekränkt dreinschauenden Jungen, um ihn notfalls von ihr zu halten. "Mein Name?" fragte Cylithia langsam und ihr Blick huschte zu Safir. "Ich wüsste nicht..." meinte sie dann, sich herum schwingend und ihren Satz beendend "... das er Dich interessieren sollte. Komm!" fügte sie zu Safir gewandt an und gelangte zu dem Mann bei dem er vorher gestanden hatte - immerhin war seine Idee mit der Bootfahrt keineswegs eine schlechte Idee gewesen. Dieser brauchte nicht mehr lange, um ein Ruderboot vorzubereiten, und so fanden sich die beiden Tulamiden schon bald darauf (nachdem Safir den Mann mit Silber bezahlt hatte) auf dem Wasser in Richtung Nebel. Der tulamidische 'Leibwächter' hatte anfangs noch leichte Koordinationsschwierigkeiten, doch recht bald zeigte sich seine gute physische Verfassung, und sie nahmen ein stattliches Tempo an. "Man fühlt sich hier draussen wie in einer anderen Welt..." meinte er, jetzt, wo sie abseits neugieriger Ohren waren, wieder in normalem Tonfall. "Recht hast du..." meinte Cylithia und sackte etwas im Boot zusammen. "Dieses Ding schränkt einen ungemein ein..." Dabei rieb sie den Stoff des Mieders und zog selbiges ein wenig vor, wie als wenn ihr der Stoff zu eng anlag - Maestro Alfonso hatte aber sicher gestellt, das es ihr genaustens passte.

    Safirs Mundwinkel zuckten nach oben, als er sie beobachtete, doch konzentrierte er sich bald genug wieder aufs Rudern. Sein Blick wanderte über die im Nebel befindlichen Schatten, an den sachten Wellen vorbei - und blieb an einem Punkt hinter ihnen hängen. "Ich glaub's ja nicht... dieser kleine Quälgeist! Hat der sich jetzt auch extra ein Boot genommen?" Er schnaubte aus, als er ein schiefes Grinsen aufsetzte und mit den Schultern zuckte. "Du musst dem Kerl ja ordentlich imponiert haben. Alle Achtung." - "Wa.. ?!" Cylithia sprang auf und stürzte mehr oder weniger zurück ins Boot - sie hatten alle beide Glück gehabt, das sie nicht gekentert waren. "Warum folgt er uns? Und imponiert? Ich bezweifle das ich auf irgendjemand imponierend wirke, eher lächerlich. Er muss die Scharade durchschaut haben!" meinte sie mit schreckensweitem Blick, immer noch ihr Hinterteil in die Luft streckend. Sie lugte über die Bordwand und erkannte nichts, doch vertraute sie da auf Safir - er konnte besser sehen als sie, das wusste sie, allerdings war sie ihm beim Hören überlegen und so spitzte sie ihre Ohren und sie hörte das Schlagen der Paddel. "Warum holt er nicht gleich die Stadtwache?!" - "Aufpassen!" meinte er hektisch - er hatte sich zur anderen Seite geworfen, um das Gleichgewicht des Bootes zumindest Halbwegs zu halten. Er hoffte nur, dass der Nebel diese Aktion größtenteils verborgen hatte. "Cyli... ich weiss, dass du das jetzt ungern hören wirst, aber ich muss es einfach sagen. Zum Einen - er hat nicht deine Verkleidung durchschaut, sondern zu tief in dein Dekolleté gesehen. Zum Zweiten - wenn du ihm deinen attraktiven Hintern weiterhin so präsentierst, wird er uns auch noch bis nach Thorwal verfolgen! Ich meine..." begann er, als er sich mit ganzer Kraft gegen die Ruder warf, um das Boot anzutreiben. "... ich meine, das wir uns einfach in den Nebel verziehen sollten und ihn dort abschütteln. Lassen wir uns den Tag nicht von diesem Spanner noch weiter vermiesen." Katzengleich drehte sie sich herum, so das sie Safir ins Gesicht blicken konnte. "Ich bin doch keine Frau die man einfach so..." fing Cylithia an, ohne die genaue Bedeutung ihrer Worte überdacht zu haben. "Ach Zauberbann hin oder her..." Sie rappelte sich auf, ohne darauf zu achten, ob Safir gut hieß was sie da grade tat. Doch ihr Zauberversuch ging einfach darin unter, dass das kleine Boot wackelte - immerhin legte Safir sich kräftig in die Riemen und die Nebelwand verschluckte sie schließlich - oder zumindest unterband er die Sicht auf das sie verfolgende Boot.

    Nach einigen Minuten war der sie verfolgende Schemen im Nebel verschwunden, während sie sich wieder etwas zur Ruhe begeben konnten. "Ich glaube, wir haben ihn abgehängt. ... und uns mitten in die Altstadt befördert." meinte er, während er sich umsah. Um sie herum war nur das leise Plätschern der Wellen zu vernehmen, die gegen die Häuser schwappten. "Aber zumindest muss ich sagen, dass dieser Anblick hier draussen... von Minute zu Minute unheimlicher wird. Ich fühle mich beinahe ein wenig beobachtet..." - "Ei.. ein... w.. wenig?" fragte Cylithia, ihre Arme um sich selbst schlingend. "Ich glaube, wir hätten ihm schlichtweg entgegen treten sollen..." meinte sie, bevor sie näher an Safir rückte - immerhin war es Ihr hier unheimlich. Nicht nur dass die Ruinen langsam in dem Nebel auftauchten und einen immer verwitterten Anblick darstellten - immerhin waren sie seit nunmehr drei Jahrhunderten nicht mehr bewohnt - sondern man hatte wirklich das Gefühl, dass dort Gemand jeden ihrer Schritte - oder Paddelschläge - genaustens beobachtete. "Versteh mich nicht falsch, aber... könnten wir hier wieder raus?" Dabei war sie ziemlich dicht an Safir gerückt und man konnte ihr zittern förmlich spüren. Der Wundheiler nickte daraufhin - er hasste es zwar nach wie vor es zuzugeben, aber auch ihm wurde hier draussen etwas mulmig zu Mute. "Ich bringe uns wieder an Land. Es dauert nicht lange." meinte er in seinem beruhigendsten Tonfall zu der zitternden Maga. Mit kräftigen Ruderschlägen machte er sich alsbald daran, sie wieder gen Ausgangsort zu bringen - wobei er hoffte, dass sie weder auf den aufdringlichen Jüngling noch auf irgend jemand anderen stiessen. Unterdessen bemühte er sich nach Kräften, beruhigend auf seine Begleiterin einzuwirken, um ihr die Furcht zu nehmen - eine Furcht, die er selbst auch verspürte.

    Cylithia war sehr froh, als Safir sie Beide wieder aus dem Nebelverhangenen und unheimlichen alten Stadtkern heraus ruderte. Von dem Jüngling war - noch - nichts zu sehen, aber je näher sie dem Ufer kamen desto offensichtlicher wurde es, das er sein Boot wieder fest gemacht hatte und nun einfach auf die beiden Tulamiden wartete. Cylithia hatte davon nichts gemerkt, aber sich langsam wieder aufrecht hingesetzt, immerhin - so hatte Safir gesagt - mussten sie die Fassade ja wahren. Sie räusperte sich ein gutes Dutzend Male, bevor sie dann wieder in dem säuselnden Tonfall meinte "Nun, ich glaube, wir sollten wir an Land gehen... dies Stück dort ist mir wahrlich zu unheimlich. Ihr hättet mich vor warnen können." - "Vergebt mir, Gebieterin - ich hatte nur das Beste im Sinn. Ich konnte ja nicht ahnen, welche Wirkung das Gebiet im Nebel auf uns haben würde." meinte er ernst, während auch er sich darum kümmerte, das Boot zu vertauen. Eine dicke Ader begann an seiner Schläfe zu pulsieren, als er während der Arbeit eine nun bekannte Stimme vernahm. "Und wie eine Neckerfrau tretet ihr aus den Nebeln hervor - ein Bild, was jeden Manne mit Ehrfurcht und Starre schlägt. Die Götter müssen auf mich herab lächeln, dass ich in der Lage bin, Euer zauberhaftes Antlitz bereits ein zweites Mal am heutigen Tage zu erblicken." Der Wundheiler beendete seine Arbeit und drehte sich rasch zu dem beflissen Lächelnden - und scheinbar bis über beide Ohren Verzauberten - zu. 'Der ist ja schlimmer als Salvatore!' dachte er sich grimmig, als er einen etwas entnervten Gesichtsausdruck zur Schau trug und sich wieder zwischen Cyli und ihm positionierte. "Verzeihung, aber meine Gebieterin fühlt sich nicht wohl. Ich würde es begrüßen, wenn Ihr..." - "Sie was? Warum tut Ihr dann nichts, wie es die Pflicht Euch heissen mag? Herrin, gestattet mir, Euch..." - "IHR seid Teil dieses Problems, Messere. Und nun tretet bitte zur Seite!"

    Cylithia war tatsächlich etwas blass um die Nase, hatte ihr die Sache doch mehr zugesetzt als sie eigentlich zugeben wollte. Mit etwas Anstrengung kraxelte sie zurück an Land und schien ihr Gleichgewicht nicht finden zu können - die Schuhe waren dann doch etwas, das sie Nerven kostete. Währenddessen hatte sich Safir drohend über den jungen Mann gebeugt, der mit einem Ausdruck zornigen Trotzes entgegen hielt. "Wenn Ihr uns also entschuldigen würdet..." - "Nein, das kann ich nicht. Es ist die Pflicht eines jeden Kavaliers, einer Dame in Not..." - "Ich bin fähig, all diese Schwierigkeiten alleine beizulegen, besten Dank." - "Ich bestehe darauf!" - "Ihr besteht nur darauf, Euch lächerlich zu machen! Gehabt Euch wohl - ich hoffe, ihr verbringt einen schönen Tag abseits unserer Gesellschaft." Mit diesen Worten ging er raschen Schrittes zu Cyli, um ihr den Arm zu reichen und sie somit beim gehen zu unterstützen. Sie ergriff seinen Arm und blickte ihn mit einem unsicheren Blick an. "Ich will zurück..." meinte sie und hielt sich die Seiten, langsam tat ihr der Mieder doch weh. "Natürlich - überlasst das nur mir." meinte er, immer noch in seiner Rolle - doch mit echter Sorge in den Augen. Gemeinsam und unter Safirs Anleitung schlängelten sie sich durch die Menschen hindurch - und durch einen kleinen Trick gelang es dem Wundheiler schliesslich auch, den allzu anhänglichen Verehrer Cylithias abzuschütteln. Im Gasthaus angekommen geleitete er sie bis nach oben, wo er sie erst einmal auf dem Bett Platz nehmen liess. "Ich sehe zu, dass ich dir etwas zu trinken holen kann." meinte er und machte sich daran, unten nach dem Wirt zu suchen. Cylithia seufzte und lockerte den Mieder bereits, als Safir aus der Tür verschwand.

    Als wenn die Beiden nicht schon genug Probleme mit dem jungen Verehrer gehabt hatten, so wurde dieses Problem grade potenziert - allerdings auf eine andere Art und Weise. Oder besser gesagt die Person, die grade die Aufmerksamkeit auf sich zog war keine hübsche Maga, sondern der Wundheiler selbst. Während dieser an der Theke stand, hatte sich eine Frau recht nah an ihn heran gestellt. Sie wedelte mit ihren Fächer vor ihren Gesicht herum und schien erst einen Moment später zu bemerken das sie - an der ansonsten leeren Theke - Safir etwas zu nah auf die Pelle gerückt war. "Oh verzeiht..." meinte sie, einen höflichen Schritt zurück machend. "Aber... was macht ein Mann von eurer Statur... so hoch im Norden?" Safir unterdrückte den Drang, eine Augenbraue in die Höhe schiessen zu lassen, und erwiderte das höfliche Lächeln. "Ich bin Leibwächter und Wundheiler - und begleite meine Herrin auf ihrem Weg gen Norden. Sie wollte einmal die Welt sehen - etwas, das mir auch nicht unbedingt missfällt." meinte er, während er nach dem Wirt sah, der sich mit dem Getränk viel zu viel Zeit liess. "Oh, und woher seid ihr?" fragte sie, ohne auf die Sache mit der 'Herrin' einzugehen. Sie kam etwas näher und Safir konnte das Parfüm noch deutlicher riechen, als schon zuvor - hatte er das gleiche Problem wie vorher seine 'Herrin'? "Oh, weit aus dem Süden, aus einer kleinen Ortschaft... nichts, was Eurer Aufmerksamkeit wert wäre." meinte er ausweichend, während er mit seinen Fingern auf die Theke zu trommeln begann - aber bald darauf wieder damit aufhörte. "Aber ich bitte darum, meine baldige Abwesenheit zu entschuldigen - ich werde bald wieder vollständig eingebunden sein." meinte er mit einem entschuldigenden Lächeln, als ob er es wirklich bereuen würde. "Aber aber, ihr werdet doch nicht so schnell gebraucht werden..."

    Mit einem Augenklimpern und einer keck ausgestellten Hüfte wurde Safir durchaus eine nette Ansehnlichkeit geboten, doch sein Blick musste die gerade die Treppe barfuß herunter kommende Cylithia erspäht haben - oder sie ihn, denn so langsam sie herunter gekommen war, so schnell war sie schon dabei, zu ihm heran zu rauschen. "Herrin! Das... Getränk ist noch nicht fertig." meinte er, während er sich plötzlich der Frau, die immer noch nahe bei ihm stand, äusserst gewahr wurde. Cylithia hatte nur einen abfälligen Blick für die Frau übrig, die sich grade an Safir heran gemacht hatte. Unsanft beförderte sie diese von ihrem 'Leibwächter' weg - wenn man es human umschreiben wollte. "Lasst ihn in Ruhe!" knurrte sie in einem eifersüchtigen Tonfall, der sehr viel mehr nach heimlicher Liebe als nach dem Untergebenen-Verhältnis klang, dass die beiden als Scharade spielten. An Safir gewandt war ihr Blick keinesfalls freundlicher, als sie in schnellem Tulamiedya anfing zu sprechen: "Kurz nach unten gehen, ja, du bist seit mehr als einer halben Stunde weg und ich wunder mich wo du bleibst und dann seh ich dich mit einer... mit einer Anderen herum machen, was glaubst du eig..." Sie stockte kurz, da sie sich ihrer eigenen Worte gewahr wurde und warum sie sie grade sprach - warum war sie jetzt nochmal aus der Haut gefahren? Weil sie Safir mit einer Dame hatte sprechen sehen, was an sich nichts schlimmes war, doch in ihren Augen hatte er gerade etwas getan was er nicht hätte tun sollen. War sie etwa eifersüchtig? Auf... Safir? Geschockt über die Erkenntnis wandelte sich ihr anfängliches Gezeter in einen zornigen Redeschwall. Safir unterdessen versuchte gleichzeitig, Cyli mit Gesten zu beruhigen, als auch irgendwie der Dame eine Entschuldigung zukommen zu lassen, die seine Gefährtin umgeworfen hatte. Diese hatte sich aufgerappelt und mühte sich nach Kräften, Cyli mit einigen gemessenen und dennoch wenig schmeichelhaften Bemerkungen einzudecken - und aus irgend einem Grund schien sie Safir nicht die Schuld daran zu geben. Nein, es schien beinahe, als wollte sie ihn in Schutz nehmen, was die Situation beileibe nicht besser machte. Der Wundheiler, der mittlerweile kalten Schweiss im Nacken spürte, versuchte sich daran, mildernd zwischen beide zu treten - mit nahezu nichtigem Erfolg. "Cyli... lass uns das doch oben klären. Bitte! Wir sollten nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf uns ziehen!" meinte er schliesslich beinahe flehentlich auf Tulamidya, als sie zum Luftholen kurz mit ihrer Tirade inne hielt. "Ich bin noch nicht fertig mit dir!" erwiderte sie daraufhin wirsch und meinte gar nicht Safir, sondern die andere Frau. Dabei schien sie einen Moment lang zu vergessen, dass sie eigentlich eine Sultana spielte. Safir, der das Brennen in ihren Augen erkannte hatte seine liebe Mühe, den Tee, den der Wirt grade unpassender Weise auf die Theke stellte, zu bezahlen; die Maga davon abzuhalten einen Feuerzauber zu wirken und die Unbekannte davon abzuhalten sich mit besagter Maga in die Haare zu bekommen.

    Der Wundheiler holte tief Luft, atmete aus und erneut tief ein. "GENUG!" rief er mit aller Stimmgewalt, die er aufbringen konnte. Durch den unerwarteten Schrei in ihrem Terror innehaltend, sahen ihn beide Damen - wie auch der Rest des Gasthofs an. "Cylithia! Ich muss dich doch wohl nicht extra daran erinnern, in welcher Lage wir uns befinden, oder? Das Ziel war es, hier ohne Unannehmlichkeiten eine schöne, ruhige Zeit zu verbringen. Und DU bist kurz davor, dir eine große Menge Ärger aufzuhalsen. Denk nicht, ich kenne diesen Blick nicht! Solltest du hier Feuer machen, wird uns das Beide teuer zu stehen kommen! Wir werden jetzt nach oben gehen und uns Gedanken darüber machen, wie wir diese vertrackte Situation lösen können!" meinte er beschwörend auf Tulamidya. An die Unbekannte gewandt, meinte er: "Es tut mir leid die Dame, aber ich muss mich nun um meine Herrin kümmern. Als ihr... Wächter ist dies mein Stolz und meine Pflicht. Ich wünsche einen angenehmen Tag." Anschliessend wandte er sich wieder an Cyli und wartete darauf, dass sie sich mit ihm in Bewegung setzte. "Ich werd nirgendwo hingehen!" warf sie ihm entgegen. Trotzdem zeigte sie es ihm, immerhin war sie hier grade noch nicht fertig und was wagte er es, ihre Probleme für sie lösen zu wollen? Sie machte einen Schritt auf die Andere zu, doch nun schien es Safir zuviel geworden zu sein, denn - für den Schankraum nicht sichtbar - er griff nach ihrem Arm, den sie nicht ausgestreckt hatte und verdrehte ihr das Handgelenk, sodass sie vor Schmerz kurz aufjapste. "Wir gehen. Jetzt." Anscheinend war auch der Schmerz das, was sie wieder zur Besinnung kommen ließ - jedoch war ihr Zorn deswegen keineswegs verraucht. "Lass mich los, oder ich werde dir mit Feuer den Leib verbrennen!" knurrte sie, ehe sie sich von ihm los riss und eingeschnappt die Treppe heraufstürmte - laut genug damit auch jeder mitbekam, dass sie gerade den Raum verlassen hatte - wie ein bockiges Kind, welches gerade auf sein Zimmer geschickt worden war. Safir seufzte innerlich, denn er ahnte, dass diese Angelegenheit noch längst nicht überstanden war. Er griff nach der Teekanne samt Tassen und wandte sich an den Wirt. "Lasst doch das warme Wasser in gut 20 Minuten hoch bringen. Ich wäre Euch sehr dafür verbunden. Der Herr - die Dame..." Mit diesen Worten machte er sich schnellen Schrittes daran, die Treppe hinauf zu gehen. Auf so leisen Sohlen wie nur irgend möglich schlich er an ihr Zimmer heran, bevor er schnell hinein trat und die Tür hinter sich schloss, ohne der Maga eine Gelegenheit zu geben, ihn auszusperren. "So." meinte er und stellte die Teekanne wie auch die Teetassen auf dem Tisch ab. "Kannst du mir bitte sagen, was das dort unten war?" - "Du fügst mir Schmerzen zu, bändelst mit jedem Weibsvolk an das auch nur in deine Nähe kommt und fragst mich noch was das war?" entgegnete sie ihm, während sie ihn nicht mal anblickte und sich die Nadeln aus den Haaren zog, oder besser gesagt diese heraus riss. Ebenso unwirsch entledigte sie sich des Schmuckes, den sie trug. Das einzige was sie einiger Maßen pfleglich behandelte war die Kette um ihren Hals, denn sie war einige Momente ruhig als sie nach dem Verschluss griff und daran herum fummelte um ihn auf zu bekommen. "Und außerdem, du wolltest Tee holen, weil DU mich in dieses Ding gesteckt hast, das mir die Luft raubt!" Das man davon gerade nichts merkte war ihr mehr anzusehen als sie glaubte. Dennoch war sie recht schnell dabei dieses zu entschnüren - es war wieder einmal einer der Momente wo sie keinerlei Scharm zu zeigen schien, was ihren Körper anging.

    "Ich bandle... bitte?" echote Safir verblüfft. Er hatte sich so sehr daran gewöhnt, dass Cyli in vielerlei Hinsicht ein einzigartiges Verhalten an den Tag legte, dass er mit dieser Reaktion nicht gerechnet hatte. Und während ihn ihre Eifersucht - denn dafür hielt er es - mehr freute, als er zuzugeben bereit war, stand er dennoch vor einem Problem. "Ich bandle NICHT mit jeder Frau an, die ich sehe! Die ist auf MICH zugekommen, nicht anders herum! Ausserdem weisst du sehr genau, warum wir uns so heraus geputzt haben! Ich habe diesen Vorschlag um Deinetwillen gebracht! Ich begebe mich damit in Gefahr, obwohl ich es nicht müsste - denn ich möchte dir helfen!" ereiferte er sich, während er feststellen musste, dass sie sich auszuziehen begann. "Und du willst dich jetzt in dieser Sekunde ausziehen? Ernsthaft?" meinte er, noch ein wenig fassungsloser als zuvor. "Was?" erwiderte sie, die erste Schnürung schon längst gelockert. "Das Ding bringt mich um, das hab ich dir schonmal gesagt!" meinte sie und blickte an ihm vorbei - sie konnte ihm grade nicht ins Gesicht sehen. "Es sah aber nicht so aus als wenn sie sich an dich geworfen hätte!" erwiederte sie, ihre Arme nun vor ihrer Brust verschränkend, was ihren Trotz und - zu Safirs Leid - Unwillen ihm gegenüber noch weiter unterstrich. "Und außerdem..." Sie wollte grade sagen das die Maskerade Ihr noch viel teurer zu stehen kommen würde wenn Hasrabal davon erfahren sollte, als es an der Tür klopfte - die zwanzig Minuten waren zwar noch nicht vorbei, aber das Wasser schien schon fertig zu sein. Mit einem genervten Seufzer drehte sie sich um und entschwand in den von der Tür weniger einsehbaren Bereich des Zimmers. Auch Safir liess einen Seufzer fahren - nahezu zum exakt gleichen Zeitpunkt - und machte sich schnell daran, den Waschzuber an den passenden Ort zu stellen. Als er die Tür öffnete, stand bereits ein Junge mit zwei Eimern heissen Wassers vor der Tür. Ohne große Worte und mit einem höflichen Nicken trat er ein, schüttete das Wasser hinein und beeilte sich anschliessend, den Rest der Eimer zu holen. Safir sah dem Jungen nach, lehnte die Tür wieder an und meinte "Das Wasser ist da... was hältst du davon, wenn wir uns beide erst einmal beruhigen und dieses Gespräch dann weiterführen, wenn das Wasser nicht mehr so angenehm warm ist?" - "Ich werd mich wohl noch ausziehen dürfen!" kam es von der anderen Seite des Raumes schlicht als Antwort - ganz so, als wenn sie das was sie grade sowieso vorgehabt hatte einfach weiter führte, ihm jetzt aber vorwarf, dass er sie daran hatte hindern wollen. Es war manchmal etwas mit ihr - sie kannte Dinge die sie nicht kennen sollte, oder wusste Sachen bevor sie passierten. Allerdings war sie sich selber sicher das sie weder die Zukunft sehen konnte noch dahingehend mit etwas verbunden war. So war Safir auch froh gewesen, dass die Arethusias nicht gemerkt hatten, dass sie ihnen eine Tochter 'prophezeit' hatte. "Ja, das darfst du..." murmelte er, während der Waschzuber sich zusehends füllte. In der Zwischenzeit schwiegen sich die beiden Tulamiden an, bis der Junge schliesslich verkündete, dass dies der letzte Eimer gewesen sei. Die schloss sich, und der Wundheiler sorgte mit ihrem Schlüssel dafür, dass es auch so bleiben würde. "Die Luft ist rein und das Wasser warm." meinte er in Richtung Cylithia. "Dann schau weg!" meinte sie und wartete nicht darauf ob er ihrem 'Befehl' auch folge leistete. Sie war einfach nur froh, aus dem Mieder zu sein. Vorsichtig prüfte sie das Wasser mit einem Fuß, bevor sie sich langsam in das angenehme Wasser sinken ließ und es sie schließlich bis zum Bauchnabel im Wasser saß. Wohlig seufzend schloss sie die Augen und ließ ihren Kopf zurück sinken. "Warmes Wasser ist manchmal eine wahre Wohltat.", meinte sie und beugte sich zur Seite hinaus um an die Seife zu kommen, die sie bereit gestellt bekommen hatten, nur um sie gereicht zu bekommen. "Eh... danke."

    "Gern geschehen." meinte Safir nur, während er sich ebenfalls auszuziehen begann. Die Maga bekam davon erst einmal nichts mit, saß sie doch mit dem Rücken zu ihm gewandt im Waschzuber. Erst, als er sich ebenfalls hinein begab und sich mit dem Rücken zu ihr ins Wasser begab, bemerkte sie, was er gerade tat. "Du hast recht... das tut wirklich gut. Das lässt den Stress des Tages einfach von einem abfallen." meinte er und liess einen wohligen Seufzer fahren. Ihr stand der Mund offen. Ehrlich gesagt hatte sie zwar kein Problem damit - aber dass er sich einfach so hinzu gesellte war etwas, dass sie nicht erwartet hatte. "Hat Phex dich geritten oder was?" murmelte sie leise ehe sie sich herum drehte und sich ihre Rücken beide in der Mitte trafen - so groß war der Zuber nun auch wieder nicht. Irgendwie war es komisch und doch zugleich angenehm den breiten Rücken des Wundheiler an ihrem eigenen zu spüren. "Die Welt ist einfach nicht fair..." meinte sie schließlich in Bosprano - absichtlich in einer Sprache, die er nicht verstand, aber wohl schon wusste, was sie vielleicht gesagt hatte, war Garethi doch nicht so weit von diesem entfernt. Safir hatte zwar kein Wort von der Sprache verstanden, in der Cyli einen kurzen Satz vor sich hin murmelte, doch auf die andere Frage (auch wenn diese ebenso leise gestellt worden war) konnte er antworten. "Man könnte sagen, dass Phex mich geritten hat... denn wie heisst es so schön? 'Hilf dir selbst, dann hilft dir Phex.' Ich halte nichts davon zu warten, bis sich die Dinge von alleine bessern - man muss selbst mit anpacken, damit die Chance auf Besserung besteht." meinte er, während er die körperliche Nähe ebenso genoss und in sich aufnahm wie die Wärme des Wassers. Während sie beide so da saßen und beide zur Seite rutschten, wenn der andere kurz seine Haare ins Wasser tauchte - was bei Cylithia weitaus umständlicher und vor allen Dingen länger dauerte - Safir beschwor sie, dass sie sich um ihre Haare kümmern müsse, wenn sie diese schon so lang trug. Etliche Minuten später - das Wasser hatte an Wärme verloren und beide fühlten sich ausreichend durchweicht. Cylithia stand auf und auch Safir erhob sich, beide schienen kein Problem damit zu haben dass der jeweils andere sehen konnte was sie besaßen, auch wenn sie recht schnell ein Handtuch zur Hand nahmen um sich zu verhüllen. Es war Cylithia, die das Licht mit einen kurzen Handwink vom Nett aus löschte - sie würde sich nicht jegliche Magie nehmen lassen, selbst hier nicht.

    Der nächste Morgen begann damit, dass Safir die Augen aufschlug - und nur wenige Centimeter vor sich Cylithias Antlitz sah. Friedlich schlummernd - ein angenehmer Kontrast zum gestrigen Abend - lag sie vor ihm, während er sich daran erinnerte, dass sie dieses Mal ein richtiges Doppelbett zu ihrer Verfügung hatten. Er überlegte, ob er bereits aufstehen sollte - die Askese verlangte es beinahe von ihm - aber zumindest für den Moment wollte er lieber bei dem liebreizenden Anblick verweilen. Cylithia schlief tatsächlich friedlich und auch etwas lauter - ihre Nase schien dem Wetter draußen nicht hold zu sein und war über die Nacht leicht gerötet - das erste Anzeichen für einen aufkommenden Schnupfen. Was allerdings auch erklärte, warum sie die Decke so eng um sich geschlungen hatte. Normalerweise war die Decke das erste, das weit weg von ihr lag und immer wieder vorsichtig zurück gelegt werden musste, damit sie nichts Schlimmes dachte. "... brauchen wärmere Kleidung..." murmelte sie, während sie sich herumwälzte und sich, typisch für einen Morgen für sie, eine Etage weiter unten wieder fand. "Phex, warum machst du das jeden morgen mit mir!" fragte sie an niemanden bestimmten - und auch nicht den Gott. Missmutig blickte sie zur Bettkante und dem Gesichts Safirs, welches sich über selbige erhob. "Geb's zu, du hast mich so weit rüber geschoben..." meinte sie, ohne darin einen Funken Ernst zu verpacken - hatte Safir doch schon mehr wie einmal erlebt, wie die Maga ihren Morgen mit einem unfreiwilligen Fall aus dem Bett begann. Cylithia rappelte sich auf und besah sich die kleine Schramme, die sich zugezogen hatte - etwas, das sie eigentlich weggezaubert hatte, aber als sie versuchte die Worte dafür zu sprechen - sie hatte nicht einmal angefangen, da musste sie niesen. "Oh nein, das mach ich nicht nochmal mit!" protestierte sie, ihren Blick gen Decke gerichtet und schien die Schramme Schramme sein zu lassen. Erst nach ein paar Schlägen ihrer Handflächen gegen ihre Wangen, fühlte sie sich frischer. "Wir sollten wärme Kleidung kaufen... ich hab mir gestern fast den Tod geholt... ha... haa... hatschii!" - "Wohl wahr." erwiderte der Wundheiler daraufhin, der sich schwungvoll aufsetzte und sich nun daran machte, sich seine Kleidung überzuwerfen - es war immer noch die Gleiche, die er auch gestern getragen hatte. "Was meinst du, wie sollen wir es heute angehen? Mühe von uns und wenig Animosität von ihnen? Oder wenig Mühe von uns und Beamte wie gestern? Ich würde - trotz der... Unannehmlichkeiten, wie mir scheint - zu ersterem raten, immerhin bleiben wir wohl so lange nicht mehr hier. Ausserdem könnte es uns ja passieren, dass uns ein bekanntes Gesicht über den Weg läuft..." meinte er mit einer Grimasse. "Dann führt aber kein Weg an einem Kleidungsgeschäft vorbei." erwiderte Cylithia langsam, sich ganz und gar nicht auf das Mieder freuend. Enstprechend mürrisch suchte sie sich die Sachen zusammen, die sie achtlos im Zimmer verteilt hatte - sie befanden sich dann doch alle nah beieinander - auch wenn sie sich zu erinnern meinte, die Sachen wirklich im Raum verteilt zu haben. "Ich würde sagen, wir fangen mit guten Schuhwerk an... ich frag mich echt wie.... man so lange auf den Dingern laufen kann." - "Übung, meine Liebe... alles Übung..." meinte der Wundheiler mit einem Grinsen auf den Lippen, während er sich selbst wieder in Schale geworfen hatte. "Hm, was meinst du - hätte ich vielleicht als horasischer Edelmann posieren sollen? aben Sie gen'ug bekomm'en? Isch ätte kein Verlan'gen, meine 'Errin diesen... ordinären Dingen aussusessen!'" schnatterte er hochnäsig in seiner besten Imitation des horasischen Dialekts. Cylithia musste herzlich lachen, als er einen Horasier des höheren Standes imitierte. "Ich bleibe bei Tulamidya!" meinte sie vergnügt und hatte eigentlich alles angelegt bis auf den Mieder. "Hilfst du mir?"

    "Aber natürlich." erwiderte er und machte sich daran, ihr mit dem Ankleiden zu helfen. "Wollen wir neben den Einkäufen noch etwas anderes erledigen? Tempelbesuche, exotischere Einkäufe, Souveniers..." meinte er, während er ihr schliesslich in das Mieder verholfen hatte und einen Schritt zurück trat, um das Ergebnis zu begutachten. "Und was meinst du - soll ich mich wieder um dein Haar kümmern?" - "Ehm... wie willst du es denn heute machen?" fragte sie etwas verwundert und setzte sich auf den Stuhl, der im Raum vorhanden war und Safir als Lagerstätte seiner Kleidung gedient hatte. "Ich hatte an etwas längeres als das letzte Mal gedacht. Die Haare sollten größtenteils offen sein, vielleicht durch einen Zopf in Form gehalten. Eine Ziernadel würde sich bestimmt auch nicht schlecht machen - und vielleicht lässt sich ja heute auch ein anderes Accessoire finden." meinte er, während er ihr Haar probeweise in die eine oder andere Haltung brachte. "Ich dachte mir, dass dir etwas offeneres mehr zusagen würde - immerhin sind sie dir doch der Ohren wegen so lieber, nicht wahr?" Sie nickte nur kurz, immerhin wusste Safir inzwischen zu gut, wie sie darauf reagierte, wenn man sie auf ihre Ohren ansprach - er konnte es mit gebührender Vorsicht inzwischen tun und bewegte sich damit dennoch auf heiklem Terrain. Das sie ihm grade keinen Feuerstrahl auf den Hals hetzen konnte, gereichte ihm natürlich zum Vorteil. Als er schließlich ihre Haare zu einer passablen Frisur gerichtet hatte - er hatte mehrere Versuche von Cylithia zerstört gesehen, mit Begründugen wie "zu weiblich", "zu zeigend" oder "das gefällt mir nicht" - war sie endlich zufrieden. Ihre Schuhe wieder an den Füßen - sie beschwerte sich schon, bevor sie überhaupt aus dem Zimmer heraus waren, machten sie sich auf den Weg in die Stadt. Ihre Scharade zeigte immer noch Wirkung, wie sie an den Reaktionen der Gasthofbesitzer wie auch von Passanten wahrnehmen konnten. Sie bewegten sich vorsichtig die Hauptstraße entlang, um schliesslich vor einem Kleidungsgeschäft halt zu machen. Innen liessen sie sich mehrere Stücke vorstellen, während Safir die Umgebung im Auge behielt - und erneut eine dicke Vene an seiner Schläfe zu pochen begann. "Sieh nicht hinüber." raunte er Cyli auf Tulamidya zu. "Draussen steht nicht nur eines, sondern gleich zwei Probleme - Deines wie Meines. Sie scheinen sich zwar nicht zu kennen, aber sie suchen uns offenkundig." - "Warum ziehen wir sowas eigentlich immer an?" meinte Cylithia genervt, probierte allerdings ein wärmeres Wams an, das sie sich über zog und sofort viel zu warm fühlte. Safir zuckte daraufhin nur mit den Schultern, als er antwortete: "Ich denke, dass zeigt uns lediglich, dass die Herren Alverans - allen voran natürlich der Herr Feqz - einen Sinn für Humor haben. Ich meine, bitte - wir bekommen beide eine derartig auf uns fokussierte Aufmerksamkeit, wo wir letztere doch eigentlich vermeiden wollten? Das sieht mir sehr nach Humor aus... oder nach einem Test, den es zu bestehen gilt."

    Der Wundheiler hatte sich unterdessen nach einem gefütterten Wams umgesehen und es anprobiert, während er sich nun nach einer guten Hose sowie warmem Schuhwerk umsah. Es war offenkundig, dass er diese Dinge unter seinem Mantel zu tragen gedachte und diesen weiterhin primär zum Kälteschutz tragen wollte. "Ich hoffe mal dass das nicht dein Ernst ist, das ist ja absolut scheußlich!" meinte sie, als er grade eine grüne Hose heraus gesucht hatte - so würde sie ihn nicht mitnehmen. "Da kann man sich ja fremdschämen..." murmelte sie und suchte nach Hosen für sich selber, fand allerdings mehr Kleider als ihr lieb waren. "Gut, versuch ich halt das..." meinte sie schließlich entnervt. Es war ein immer noch sehr betonendes aber doch warmes Kleid, für das sie den Mieder ausziehen musste - nur um sich in einer gleichen Umarmung wieder zu finden, auch dieses Kleid setzte darauf sich durch ausgesprochene Enge an Ort und Stelle zu halten. "Ich frag mich manchmal was das soll..." Safir unterdessen hatte die grüne Hose mit leichtem Bedauern wieder zurückgelegt. "Bei den Zwölfen! Jetzt fangen Sie an, in nahe Läden zu gehen!" meinte er beinahe entsetzt, als er wieder an der Schauware vorbei einen Blick nach draussen warf. Er wandte sich an seine Begleiterin. "Was hältst du davon: Wir kaufen uns hier schon etwas längeres, mantelartiges - sobald wir mit dem Rest fertig sind - ziehen uns das dann über und hoffen, dass das zusammen mit unserem Geschick in den Menschenmengen hilft, sie abzuschütteln." Erneut seufzte die Maga, verstand aber, was Safir damit bezwecken wollte. "Gut... behalte ich das gleich an... Was für ein Mantel schwebt dir vor?" Der Wundheiler runzelte die Stirn, wandte den Blick kurz in die Ferne und griff blindlings zwischen mehrere aufgehängte Mäntel. "Der hier." meinte er mit einem Tonfall und einem Gesichtsausdruck, als hätte diese Wahl schon von vorne herein fest gestanden und wäre nicht gerade eben völlig willkürlich getroffen worden. Er hob besagtes Kleidungsstück ein wenig höher, um es seiner 'Schutzbefohlenen' besser zu präsentieren (und um sich unauffällig einmal die Gelegenheit zu geben, den Mantel überhaupt einmal anzusehen). Es war ein unauffälliger, brauner Mantel, der durch seine Fütterung durchaus in der Lage zu sein schien, bei kälterem Wetter warm zu halten. "Und? Was hältst du davon? Steht er mir?" Cylithia verdrehte die Augen. Manchmal war der Mann schwer von Begriff. Sie ging auf ihn zu - dank der neuen Schuhe weitaus sicherer im Schritt als bei ihrem Weg hier her - und legte besagten Mantel um ihn. Im gleichen Augenblick griff sie zu den Anderen und besah sich erst einen roten, dann einen blauen und schließlich einen in gelb gehaltenen. Da war der Braune doch fast schon die richtige Wahl gewesen. "Meinst du, dass du damit klar kommst?" fragte sie mit gerunzelter Stirn und schien die Frage schon als beantwortet zu sehen, da ihre Aufmerksamkeit den Mänteln galt, die neben ihm hingen. "Jetzt muss ich nur noch Einen für mich finden..." - "Auch das bekommen wir hin." meinte der Wundheiler beflissen. Er besah sich erneut kurz die Auswahl an Mänteln, bevor er mit einem weiteren Griff ein Kleidungsstück zu Tage beförderte. "Ich denke, dass der dir ausgezeichnet stehen würde... und er hält, was er verspricht - nämlich warm." Es war ein blauer Mantel und passte damit farblich zum Kleid. Allerdings fielen ihr die Augen fast aus dem Kopf als sie den Preis sah. "Also unsere Reisekasse gibt das nicht mehr her... Safir..." Der zuckte jedoch nur mit den Schultern und meinte: "Natürlich gibt sie das nicht mehr her - aber wir werden das Ganze doch wohl auch nicht für den handelsübrigen Preis ersteigern. Für wen hältst du mich denn?"

    Dieser Satz war der Beginn einer nahezu zehn Minuten dauernden verbalen Schlacht zwischen ihm und dem Händler, der natürlich den Preis annähernd normal halten wollte. Zu seinem Leidwesen konnte er sich jedoch gegen den Wundheiler in keiner Weise behaupten, während ihm Argument um Argument entgegen gebracht wurde und den Preis Stück für Stück senkte. Schliesslich verabschiedeten sie sich von dem mittlerweile recht betrübt dreinsehenden Händler - und hatten für die Kleidung, die sie nun trugen, noch nicht einmal die Hälfte bezahlt. Kaum waren sie aus dem Laden getreten und hatten sich auf den Weg zu ihrer nächsten Besorgung gemacht - Cylithia wollte ihre Rucksäcke repariert sehen oder die eine oder andere Tasche angenäht - betraten ihre beiden Probleme das Geschäft, aus dem sie grade ausgetreten waren. Und nur ihre neue Kleidung hatte die beiden Quälgeister davon abgehalten, die beiden Tulamiden sofort als diese zu erkennen.

    "Das war knapper, als mir lieb ist." murmelte der Wundheiler, als sie eine Straße zwischen sich und ihre 'Verfolger' gebracht hatten. "Ich schwöre dir, ich konnte ihren Atem beinahe schon in meinem Nacken spüren." - "Allerdings glaube ich, dass sie unsere 'Fährte' jetzt aufgenommen haben." meinte Cylithia daraufhin und blickte mit zusammengezogenen Augenbrauen über den kleinen Platz, den die Straßen hier formten. "Ich wäre dafür, das wir unsere Vorräte auffüllen und dieses ... Loch so bald wie möglich verlassen, ich habe keine Lust mehr..." 'auf dieses falsche Spiel...' fügte sie in Gedanken hinzu und ließ die Schultern hängen, immerhin war ihre Reise hier nicht zu Ende. Wo auch immer sie genau den Entschluss gefasst hatten, aber die Begegnung mit Asleif, den sie später als den Foggwulf erkennen würden, hatte sie beide dazu gebracht, seine Heimat - oder wenigstens deren Hauptstadt - einmal zu besuchen. "Thorwal ist kalt..." meinte sie mit einem kurzen Gedanken zurück an die Beschreibung, die Asleif ihnen gegeben hatte. "Und es soll 'Schnee' geben - was auch immer das ist." - "Ich würde sagen, wir sollten uns überraschen lassen. Manchmal muss man die Dinge einfach mit eigenen Augen sehen, um sie gänzlich erfassen zu können. Für uns Südländer ist so etwas wie 'Schnee' nun einmal sehr... abstrakt." Er wollte gerade weitersprechen, als seine inneren Alarmglocken zu schlagen begannen. Ein kurzer Blick über die Schulter bestätigte seine Befürchtung - sie hatten den Laden verlassen und waren ihnen bis hierher gefolgt. In Windeseile formte sich ein Plan in seinen Gedanken. "Spiel mit!" raunte er, als er sie plötzlich an der Hüfte packte, sie beiseite nahm und gegen die Wand drückte. Er kam ihr mit seinem Gesicht so nah, dass es für jeden Aussenstehenden so aussehen musste, als wären sie in einen innigen Kuss versunken - und ihre Gesichter waren dabei natürlich nicht zu sehen. Gerade, als er dies getan hatte, kamen ihre 'Häscher' dicht an ihnen vorbei. "Ich spüre es - Sie ist ganz in der Nähe! Oh, mein Augenstern, meine Muse - verzage nicht, ich eile an deine Seite, so schnell ich es vermag!" sprach Cylis Verehrer und jagte damit zumindest Safir einen Schauer über den Rücken - redete er selbst mit sich derart geschwollen? Er wartete jedoch noch einige Sekunden in jener sehr intimen Haltung, bevor er sich wieder etwas zurückzog. "Das war knapp." meinte er lediglich - er hatte Recht und das in mehr als nur einer Art und Weise. Cylithia hatte den Atem angehalten, als Safirs Gesicht ihrem so nahe gekommen war und hatte sie sich doch an ihm fest halten müssen, so plötzlich er mit diesem Plan aufgekommen war, ohne sie einzuweihen. Ihre Hände legten sich kurz an seine Wangen, ehe sie die Augen abwendete und ihn von sich drückte. "Das nächste mal warnst du mich vor..." meinte sie dann, und ging einige Schritte bevor ihre Gedanken wieder mehr fokussiert waren... und Safir kassierte eine Ohrfeige und gleich eine zweite, als er protestieren wollte. Seine Wangen brannten ihrer Ohrfeigen wegen, aber er schluckte das Ganze schliesslich und gab sich mit einem leicht missmutigen Gesichtsausdruck zufrieden. Er war sich sicher, dass sie die Logik seines Handels verstehen würde, sobald sie in sich ging - oder auch nicht, wenn man ihr Temperament bedachte. "Nun, zumindest sind die Beiden erst einmal weiter gezogen... sehen wir zu, dass wir das auch tun."

    Mit einem Schnauben wandte sich Cylithia wieder um und steuerte diesmal eine Fleischerei an - sie brauchten Proviant und sie würde sich nicht mit ein paar trockenen Laiben Brot zufrieden geben. Oder mit Fisch. Sie waren an einigen Ständen vorbei gekommen, die frischen Fisch anboten - allerdings war der Geruch schon aussagekräftig genug für die Frische der armen Viecher. Und auch dem geräucherten Fisch war sie nicht unbedingt wohl gesonnen - eher aß sie Datteln, die von Würmern zerfressen waren. Als sie schließlich den kühl gehaltenen Raum betrat, musste sie kurz lächeln - zwei kleine Buben, keine 13 Götterläufe, hatten sich grade eine Keule stibitzt und wanderten an ihnen vorbei hinaus - sie würde nicht darauf aufmerksam machen, sie wusste zu gut wie es war, wenn man nichts zu essen hatte. Safir überliess es größtenteils seiner Gefährtin, den Proviant zusammen zu stellen, und äusserte nur das Eine oder Andere Mal einen eigenen Wunsch. Was seine Verpflegung anging, so gab sich der asketisch lebende Wundheiler keiner besonderen Präferenz hin und nahm einfach nur das notwendigste. Nachdem ihre Mahlzeiten zusammen gestellt worden waren - sie hatten Proviant für eine gute Woche eingeplant - begann er wieder, den Preis auf ein Niveau herunter zu handeln, dass sie bezahlen konnten, war ihre Börse doch durch den Textilkauf arg geschrumpft. Sie waren grade aus dem Laden getreten, als ihr Glück ihnen nicht mehr so hold war - oder Phex die Seiten gewechselt hatte. Mit einen triumphierenden Gesichtsausdruck stand der Jüngling vor ihnen, die Frau nicht weit hinter ihm. "Eure Gewandung ist heute eine andere, aber finden tu ich euch auch so. Wie ich sehe, geht es Euch besser - ich habe mich bereits den ganzen Tag lang gefreut, der Dame wieder zu begegnen." - "Und ich habe darauf gehofft - geträumt - Euch wieder vor mir stehen zu sehen." säuselte die Dame neben ihm, die Safir mit ihren Blicken fixierte und ihn per Blick beinahe auszuziehen begann. "Wie kennt ihr euch?" entfuhr es Safir, der den Schock, von diesen Beiden gefunden worden zu sein, erst noch verkraften musste... Normalerweise warnte ihn sein Instinkt recht akkurat davor. "Die bessere Frage wäre 'Warum nicht.' erwiderte der Jüngling hochnäsig und mit dem gewissen Lächeln, gerade etwas unheimlich schlaues und der gebildeten Dame imponierendes gesagt zu haben. "Was mein Bruder damit sagen will..." begann die Frau, doch Safir blendete den Rest ihrer Worte schon aus. Geschwister. Das erklärte zwar auch, wie sie sich kannten - aber mehr noch illustrierte es, dass die Götter teils einen recht kruden Sinn für Humor besaßen.

    Cylithias Mundwinkel zuckten unwillkürlich. Mit einem hilfesuchenden Blick zu Safir stolperte sie einen Schritt zurück. Sie holte tief Luft, ehe sie den gespielten tulamidischen Dialekt - er war schon so prominent genug, etwas höher anfing: "Nun, wir haben gerade Besorgungen für unseren baldigen Aufbruch gemacht, wenn ihr uns nun entschuldigen würdet, ich muss noch Arragements für die Reise treffen... da ich leider keinen Diener habe, dem ich das Auftragen könnte." - "Aber wer ist dann er?" fragte der Jüngling etwas verwirrt und deutete auf Safir. Dieser meldete sich allerdings gleich beflissen zu Wort. "Ich bin ihr Leibwächter im Auftrag ihres Vaters. Ich soll Sie vor Allem beschützen, das ihr gefährlich werden könnte - sei es ein Dolch, Gift oder eben ein freundliches Gesicht, das ihr näher kommt, als es das sollte." meinte er mit einem süßen Lächeln, in dem eine unterschwellige und dennoch sehr präsente Drohung mitschwang. Der Jüngling ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken, wenigstens seinen Namen sollte seine Angebete denn für den Tag noch erfahren - er würde ihren Leibwächter schon los werden für die nächste Nacht. "Lasset mich mich dann wenigstens Vorstellen. Ceibhin ui Phexlyn." - "Und ich bin..." - "... eine Dame, die bestimmt die Güte hat, uns nun zu entschuldigen. Ich wünsche einen angenehmen Tag - es war mir eine... Erinnerung." unterbrach der Wundheiler den beginnenden Satz und erstickte den Dialog im Keim, bevor er überhaupt beginnen konnte. Er wandte sich um, legte die Hand an Cylis Schulter und begann, sich gemessen - und dennoch so schnell wie irgend möglich - durch das Gedränge zu arbeiten. "Wir haben alles dabei - ich würde meinen, wir treten die Weiterreise einen Tag früher als geplant an." raunte er ihr auf Tulamidya zu. Cylithia hatte dem noch etwas entgegen zu setzen. "Wie gesagt: Ich werde diese Eine Besorgung noch machen..." - es stellte sich tatsächlich als ihre ausgebesserten Rucksäcke heraus. "Ohne Die würden wir hier nicht weg kommen..." meinte sie scherzhaft und war so schnell in ihrem angemietetem Zimmer, dass man vielleicht die Hilfe eines Winddschinnes vermuten hätte können - wenn man nicht wusste, wie dies wirklich funktionierte. "Das stimmt wohl..." murmelte Safir, als auch er sich in ihr Zimmer begab, um sich abreisefertig zu machen. Innen legten sie ihre 'Verkleidungen' ab - mit diesen durch die Stadttore zu kommen würde sich wohl als etwas schwieriger gestalten - und machten sich daran, sich aus Havena zu verabschieden.

  12. #12
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    Esmadelia
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    Kapitel IX: Der Wendepunkt

    Sie waren nun schon einige Wochen unterwegs durch die Länder des Nordens - im Moment bereisten sie Nostria, während Thorwal ihr intendiertes Ziel war. Im Moment wanderten sie nördlich von Nostria durch ein kleines Waldstück. Auslöser dafür war, dass sie der Kartographie leider nicht so mächtig waren, wie es für die Reise gut gewesen wäre... somit hatten sie sich den Weg zur nächsten Ortschaft - scheinbar einer Holzfällersiedlung - nur grob beschreiben lassen und irrten nun schon seit einem Tag durch den Wald. An sich wäre das nicht sonderlich schlimm gewesen - gerade mit Cylithia als Magierin drohte von den meisten Wildtieren wenig bis gar keine Gefahr - doch wovor sie sie nicht schützen konnte, war vor dem Unwetter, dass über sie herein brach. Mit lautem Donner kündigte sich der Regenfall schon früh an, bis der Himmel seine Pforten öffnete und Efferd sein Element in Sturzbächen gen Dere sandte. Sie eilten weiter durch den Wald, bis sie schließlich Glück hatten: eine alte Hütte, die von und für Reisende war, stand verlassen vor ihnen. Schwer atmend - sie waren den restlichen Weg gerannt - schlossen sie die Tür hinter sich, während es keine Stelle ihrer Körper gab, die nicht vom Regen durchweicht worden war. "Na, das ist doch mal Glück im Unglück." meinte Safir, der seinen Atem als Erstes wieder gefunden hatte, "... es gibt noch trockenes Feuerholz. Ich werde uns gleich mal ein Feuer machen." Schon wieder machte Efferd sich einen Spaß daraus, sie zu jagen. Einmal auf See und jetzt hier. Zwar hatte er die letzten Wochen immer öfters mal die Schleusen der Himmlischen Bäche geöffnet, aber der Guss von gerade eben war wirklich etwas, das einem die Sicht nahm - nicht mal die Tannenwälder schienen dagegen Schutz zu bieten. Cylithia schüttelte sich, die kurze Zeit hatte gereicht, um sie bis auf die Knochen zu durchnässen. Da half kein Mantel und auch kein Ölzeug - wenn sie denn etwas gehabt hätten. "Ich hab nichts Trockenes mehr..." meinte sie mit leichtem Frust in der Stimme, als sie ihren Rucksack nach etwas zum Wechseln durchstöberte - und seinen gleich mit. Schließlich stellte sie sich zitternd - es war immerhin noch kalt in der Hütte - neben den Eingang und verbarrikadierte diesen, ehe sie ihre Haare nahm und auswrang wie einen Lappen, der zu viel Wasser beinhaltete. Der Wundheiler hatte unterdessen mit Feuerstein und Stahl - die durch eine lohnende Investition im wasserfesten Kästchen untergebracht worden waren, genau wie der Zunder (in einem getrennten Anderen) - an der Feuerstelle eine wärmende Flamme entfacht, die sich nun langsam ausbreitete und das Feuerholz umfasste. Safir stand wieder auf, warf einen Blick auf die Rucksäcke und seufzte - er würde sich wohl nicht extra nach trockener Kleidung umsehen müssen, dies erübrigte sich wohl schon von selbst. Anschließend sah er zu Cylithia hinüber. "Wir sollten nicht in der nassen Kleidung bleiben. Hängen wir sie zum Trocknen auf und halten uns währenddessen am Feuer warm." meinte er, als er sich bereits auszuziehen begann. Auch Cylithia begann die Bänder des Kleides zu lockern und trat näher an das Feuer heran, das gierig an den Scheiten leckte, die Safir bereit gelegt hatte. Mit gerunzelter Mine schaute sie an die Wände der Hütte und konnte zwei eiserne Harken ausmachen - jeweils an der gegen überliegenden Wand. "Scheint als hätten wir was Glück...", summte sie und hatte sich schon aus dem Kleid geschält, das neben ihr einfach zu Boden glitt, während sie sich über ihren Rucksack beugte und ein Seil heraus holte, es auf Zehenspitzen an einen der Haken band und schließlich Kopfkratzend in der Mitte des Raumes stehen blieb. "War das echt so kurz?" Sie hatte es länger in Erinnerung, aber ihr fiel wieder ein, dass sie vor nicht einer Woche ein gutes Stück losgeworden war, als sie ein Reh durch eine Falle gefangen hatten. Es war Fleisch für die nächsten Tage gewesen. "Gib mir dein Seil..." meinte sie, während sie im Feuerschein stand und Safir bittend ansah. Der sah auf, um zu sehen, was Cyli zu erschaffen gedachte, und nickte daraufhin. Er durchwühlte seinen Rucksack, um schließlich den verbliebenen Rest seines Seiles zu Tage zu fördern. "Warte - ich helfe dir." meinte er, als er es an der gegenüberliegenden Wand befestigte und die beiden Enden schließlich mit der Hilfe der Maga miteinander verknotete. "Das sieht doch ganz passabel aus." meinte er und begann, seine nasse Kleidung über die Leine zu hängen - das Feuer würde es hoffentlich über Nacht trocknen. Bis dahin allerdings stand er nur in Unterbekleidung da, da auch sein Schlafsack völlig durchnässt worden war. "Das wird heute Abend vielleicht ziemlich kühl..." meinte er etwas missmutig, als er an sich hinab und wieder zum Feuer sah.

    Cylithia hatte gerade ihr Kleid auf die behelfsmäßige Wäscheleine gehängt und begann damit, andere Sachen aus dem Rucksack aufzuhängen - immerhin sollten diese nicht im Rucksack nass bleiben, das würde nämlich dazu führen, das die Sachen anfingen zu faulen und das war etwas, das die Maga nicht wollte. "Roll die Schlafsäcke aus... dann verlieren sie schneller an Feuchtigkeit und vielleicht können wir in ein paar Stunden doch noch in ihnen schlafen." murmelte sie halblaut und hing gerade das Meiste ihrer Wäsche auf. "Es sollte hier drin warm genug werden, wenn wir das Feuer lange genug am Brennen halten." Genau in dem Moment entlud sich Rondas Zorn und ein gewaltiger Blitz krachte nicht unweit von ihrer kleinen Hütte in den Wald, gefolgt von ohrenbetäubendem Getöse. "In dem Wetter hätte unser Zelt nicht mal eine halbe Stunde Stand gehalten. Travia sei Dank, dass diese Hütte hier war." - "Fürwahr... ohne ihren Beistand in Hüttenform hätten wir wohl überhaupt kein Auge zu tun können." meinte er und sandte tatsächlich ein kurzes, stummes Stoßgebet zur besagten Göttin. Anschließend machte er sich daran, ihrem Vorschlag Folge zu leisten und ihre Schlafsäcke auszurollen. Sobald dies getan war, setzte er sich ans Feuer und ließ sich von der Hitze langsam trocknen. Er winkte Cyli zu. "Komm, setz dich zu mir - jetzt ist diese Wärme genau das Richtige." Die Maga folgte seiner Einladung nicht sofort - sie kramte erneut in ihren Rucksäcken - denn sie holte etwas von dem Fleisch, das sie noch hatten, heraus und schließlich auch ihre einzige Pfanne. "Wenn wir schon hier feststecken, können wir auch etwas essen, meinst du nicht?" fragte sie, ehe sie sich auf die Knie herunter begab um die Pfanne in das Gestell zu hängen, dass die Hütte bereits besaß. Es erforderte etwas Fingerfertigkeit, aber sie hatte die Pfanne bald an allen drei Ketten befestigt, sodass sie die Konstruktion über das Feuer schwenken konnte. "Was möchtest du denn außer Fleisch?" fragte sie und blickte ihn von der Seite her an. "Ich meine, wir müssten noch etwas Brot haben - geröstet schmeckt das auch etwas besser." meinte der, als er sich doch noch einmal auf begab und ihrer beider Gepäck nach ihren Tellern und ihrem Besteck durchstöberte. "Wenn man nur die Masse unserer Kleidung bedenkt, kommt man sich fast erneut so vor wie in der Khôm." witzelte er, als er auf die Momente anspielte, in denen sie beide mit so wenig Kleidung wie irgend möglich innerhalb ihres sonnengeschützten Zeltes lagen. Er sah sie von der Seite an, während sich ein Lächeln auf seine Züge schlich. "Wir haben schon etliches zusammen erlebt, nicht wahr? Und eine äußerst ansehnliche Distanz zurück gelegt..." - "Ja, weit sind wir gekommen..." meinte sie, als sie ihre Kochkünste so weit einsetzte, wie es ihr hier möglich war - keinerlei Gewürze, und das Brot wollte sie eigentlich anderweitig verwenden, aber Safir hatte was das anging manchmal einen Dickkopf - und heute war sie nicht gewillt, eine Diskussion darüber zu führen. Er sagte zwar immer, dass ihm alles recht war, aber die kleinen Nuancen der Zustimmung oder der Missbilligung bekam auch er nicht aus seinem Gesicht, so sehr er es auch versuchte. "Von keinen Tropfen Wasser zu viel zu viel davon." meinte sie lächelnd und besah sich den Wasser Dampf den ihre Kleidung von sich gab. "Ein Handtuch würde uns Beiden wohl gut tun, aber..." - sie seufzte - "... irgendwann macht auch der beste Rücken nicht mehr mit, nicht?" dabei hatte sie seine Schultern gegriffen und hinein gezwickt.

    "Auch der beste Rücken will mal eine Pause." bestätigte der Wundheiler mit einem Grinsen. Er lehnte sich ein Stück zurück und streckte sich auf seine typische, katzenartige Manier. "Und 'Pause' klingt doch ganz gut..." - "Ja, Pause klingt gut... Und Schusters Rappen vom Fuß ist das Beste, was wir den ganzen Tag über getan haben." meinte sie beflissen, ehe sie sich neben ihn setzte und ihre Knie anzog. "Du solltest dir deine Haare schneiden lassen... sie werden zu lang." meinte sie und griff nach seiner Mähne, die immer noch tiefend nass war. "Findest du?" meinte er und sah selbst danach, wie lang sie geworden waren. "Hm, ich habe mir wohl in den letzten Wochen einfach nicht die Zeit dafür genommen..." murmelte er, griff zur Seite zu seinem Rucksack und zog sein Arbeitsmesser hervor, dass er normalerweise zum Schnitzen benutzte. Anschließend setzte er dazu an, sich die noch nassen Haare etwas zu kürzen. "Safir, eine Schere ist dazu viel geeigneter!" meinte die Maga seufzend. Natürlich waren Scheren teuer und man hatte nicht ohne weiteres eine dabei. Ihre eigenen Haare waren ihr eigentlich auch viel zu lang - sie erreichten inzwischen ihre Hüfte mit Leichtigkeit. Vorsichtig entwand sie ihm das Messer und legte es beiseite. Fast genauso vorsichtig, fast zaghaft zog sie ihre eigene Hand wieder zurück und schwang sich schon wieder auf - das Fleisch briet. Safir runzelte auf diese Reaktion die Stirn - gerade bei den Anfängen ihrer Reise war sie bei so etwas längst nicht so zaghaft gewesen. Er konnte den Finger nicht genau darauf legen - aber wenn er ein passendes Adjektiv hätte nennen müssen, dann würde er sagen, dass sie im Verlauf ihrer Reise etwas 'weiblicher' geworden war. "Aber bis ich eine Schere in die Hand bekomme, dauert es noch eine ganze Weile..." meinte er kritisch. „Dann werde ich dir wohl die Haare schneiden müssen..." konterte sie und drehte das beiden Stücke Fleisch herum. Der Saft war einfach schon verlockend genug. Sich die Lippen leckend griff sie nach dem bisschen Brot, das sie auch in die Pfanne tun wollte und legte zwei grob abgerissene stücken in die Pfanne. Auch der Wundheiler nahm das Aroma wahr, was ihn dazu verleitete anzufügen: "... aber bis nach dem Essen kann es ja definitiv warten." Tatsächlich merkte er erst jetzt, wie hungrig er eigentlich war - der aufziehende Sturm hatte ihn eher zur 'Flucht' getrieben und die meisten anderen Gedanken und Vorhaben aus seinem Kopf verbannt. Anschließend legte er bereits ihre beiden Teller neben sich und sah zu, wie das Brot in der Pfanne langsam geröstet wurde. Sie war nicht die beste Köchin - das wusste Cylithia - aber für solche rustikalen Mahlzeiten reichte es. Sie schwenkte die Pfanne wieder vom Feuer und verbrannte sich beinahe die Finger, als sie nach dem Gusseisen griff, das gefährlich ausschwenkte. Ein kurzer Fluch rutschte über ihre Lippen, ehe sie die Teller nahm und beide mit jeweils einem Stück Fleisch und einem gerösteten Stück Brot belegte. "Lass es dir schmecken." meinte er und begann, sich über das Mahl herzumachen.

    Nachdem sie ihre Speisen verzehrt hatten, legte Safir den Teller einfach nur neben sich und ließ sich zu Boden sinken. Draußen stürmte es immer noch in unverminderter Stärke, was für ihn mittlerweile beinahe meditativ klang. "Das hat gut getan." meinte er als er wohlig seufzte. Cylithia tätschelte ihren Bauch. "Ja, auch wenn es nicht viel war - es war gut." Sie ließ sich nach hinten fallen und gab einen ungehaltenen Ton von sich. "Können die Dinger nicht schneller trocknen..." Was sie jetzt genau meinte - die Schlafsäcke oder ihre Haare - war nicht ersichtlich, wohl aber, dass sie sich verrenkt hatte und nun nicht mehr hoch kam. Das war ihr auf der Reise von Havena nun schon häufiger passiert und Safir hatte jedes Mal seine Mühe, sie schmerzlos wieder hin zu biegen. Der Wundheiler bemerkte dies aus den Augenwinkeln und ließ einen leisen Seufzer fahren. "Massage gefällig? Für die verspannten Schultern..." bot er an, während er sich über den Kopf nach hinten griff - und damit Cylithia an die Schultern, um diese anzustupsen. "Natürlich." meinte sie und versuchte, sich aufzurappeln. Was ihr nicht so wirklich gelang und sie sich ziemlich schnell an seinen Rücke geklammert wieder fand um nicht die Balance erneut zu verlieren. Schnell verbarg Safir das Schmunzeln, welches sich auf seinem Gesicht ausgebreitet hatte. "Na komm." meinte er, als sie ihr Gleichgewicht endlich gefunden hatte - er hatte ihr noch kurz dabei geholfen - und nun mit dem Rücken zu ihm gewandt dasaß. Er ließ kurz die Knöchel knacken, als er sich daran machte, ihre Schulterblätter zu massieren und die Verspannung, die sich im Laufe der anstrengenden Wanderung aufgebaut hatte, zu lösen. Cyli seufzte leise aus er ihr die Schultern massierte. Seine Hände waren weit weniger rau, als man es vielleicht erwartet hätte. Vorsichtig zog sie ihre Haarpracht nach vorne, sodass er ihren vernarbten Rücken betrachten konnte. Einige der Narben waren wulstig und passten nicht in das Gesamtbild der Maga. "Ich habe mich ehrlich gesagt schon länger gefragt, woher du die hier hast." meinte er zu ihr, während er die Narben nachdenklich betrachtete. "Die scheinen mir weniger von Unfällen als vielmehr von Gewalteinwirkung zu stammen... Da stecken doch bestimmt einige Geschichten dahinter?" Cylithia seufzte schwer und ließ den Kopf hängen. Es dauerte einige Moment bis sie sich dazu entschied etwas zu sagen. "Bevor man herausfand, dass ich magisch begabt war... hatte ich kein angenehmes Leben. Ungehorsam wurde bestraft. Und dazu gehörte auch das auspeitschen." meinte sie leise und fast an ihren eigenen Worten erstickend.

    Safir hielt nicht inne, ihre Schultern zu massieren, während er zumindest innerlich stutzte. Äußerlich ließ er sich jedoch nichts anmerken, sondern erwiderte nur ein ruhiges "Verstehe." darauf. "Aber diese Zeiten liegen wohl in der Vergangenheit. Betrachte diese Narben nicht als Verunstaltungen - trage sie lieber mit Stolz. Du hast das überstanden, woran andere zerbrochen sind, und es weit gebracht. Was meine alten Verletzungen angeht, so bemühe ich mich ebenso, mich an die Geschichten und überstandenen Prüfungen zu erinnern anstatt den Schmerz, den sie mich gekostet haben." - "Wenn die Prüfung im Aufstehen liegt, dann war ich nie gut darin..." murmelte die Maga und seufzte schwer, leise Tränen rannen über ihre Wangen, als sie an die Zeit dachte in der sie sich diese Narben zugezogen hatte und ihr dämmerte es wieder was sie alles schon verloren und was sie aber auch gewonnen hatte. Sie wischte sich über die Wangen und schließlich auch durch die Augen. Langsam griff sie auf ihren Rücken und fuhr eine der Narben nach. "Die ... hab ich bekommen, weil ich es gewagt hab, ein Wort gegenüber jemanden zu sagen, bei dem ich es lieber gelassen hätte." meinte sie leise und fing an zu kichern. "Der hat vielleicht blöd geschaut als Hasrabal - mögen die Ahnen ihm ein langes Leben bescheren..." sie verschluckte sich kurz "... als er sich persönlich darum bemühte, mir einen Platz an der Akademie zu Rashdul zu verschaffen... ich habe den Mann nie wieder gesehen." Sie seufzte nun nochmal, allerdings erleichterter als vorher. Safir lächelte daraufhin, denn sie schien nun wieder glücklicheren Gedanken nachhängen. "So ist es recht." ermutigte er sie, während er mit der Massage fortfuhr. "Ich könnte jetzt auch anfangen, von all meinen Narben zu erzählen... aber das würde eine ganze Weile in Anspruch nehmen. Beenden wir doch lieber erst einmal, was wir angefangen haben." meinte er, und ließ seine Hände auf den Trägern ihrer Unterwäsche ruhen. "Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich dir das hier einmal abnehmen wollen - für das kommende wäre es im Weg." Cylithia nickte. "Dann erzähl von der Einen, die ich schon öfters getroffen habe..." meinte sie schmunzelnd, wusste sie doch, dass sie bei ihren Übungskämpfen immer wieder eine seiner Narben erwischt hatte, die ihn für einen ganz kurzen Augenblick aus dem Konzept brachte. Nach ihrem Einverständnis zog er seiner Gefährtin die Seide vom Leib, die ihre weiblichen Rundungen verhüllten - und deren Träger tatsächlich einige Stellen verdeckt hatten, die er zu massieren gedachte. "Von dieser, hm? Nun, das ist recht einfach - die ist von meiner Schwester." Er musste bei der Erinnerung schief grinsen. "Sie wollte mir zeigen, was sie gelernt hatte.’Sieh mal, Safir - ich kann jetzt Messer werfen! Hab's mir von einem Gaukler abgesehen. Ich kann jetzt selbst auf mich aufpassen.' Und bevor ich den Mund öffnen konnte, um etwas darauf zu erwidern, wollte Sefira es an die Wand hinter mir werfen. Nun... es hat nicht ganz so geklappt, wie sie es sich vorgestellt hatte." meinte er, während er selbst jetzt noch aufseufzte. Es war doch etwas seltsam kühl, als der Stoff ihre Haut gänzlich freigab. Aber Cylithia brachte das nicht damit in Verbindung, das sie vielleicht etwas empfindlicher war als sie sich selber eingestehen wollte. "Sefira?" wiederholte sie langsam. "Du hattest zwar erwähnt dass du eine Schwester hast, aber sie nie beim Namen genannt..." meinte sie leise und drehte sich halb zu ihm um in sein Gesicht zu sehen. Vielleicht fand sie ja Anzeichen dafür, dass er ihr etwas verschwieg, was er nicht mehr heraus brachte - genauso wie sie ihm nicht alles erzählt hatte. "Nun, um ganz genau zu sein, ist sie eine meiner Schwestern - die Älteste unserer kleinen Großfamilie." meinte der Wundheiler leichthin, während er damit fortfuhr, sie zu massieren und seine Hände mittlerweile über ihren Rücken wandern ließ.

    "Sefira hatte einen Narren an mir gefressen. Sie hat sich sogar nach mir benannt! Als ihr großer Bruder musste ich natürlich stets versuchen, mich zu revanchieren und auf sie aufzupassen - was bei einem kleinen Wirbelwind gar nicht so leicht war." Er lachte leise, als er von ihr abließ. "Leg dich doch ein wenig hin - das ist für dich entspannender und für mich einfacher." meinte er. Ohne ein Wiederwort stand sie auf und legte sich auf ihren Schlafsack, der immer noch leicht feucht war. Als sich die Maga seinem Vorschlag kommentarlos fügte, musste Safir erst einmal kurz inne halten. Der Anblick seiner beinahe vollständig entkleideten Gefährtin ließ erneut die Gefühle in ihm hochkochen, denen er eigentlich zu entsagen geschworen hatte. Damals hatte es sich leicht angehört - aber jetzt, wo Rahja sich einzumischen beschlossen hatte? Einfach war das ganz und gar nicht. Mit eiserner Selbstbeherrschung gemahnte er sich zu der Ruhe, die er dringend benötigte, um nichts Unüberlegtes zu tun, egal, wie reizvoll die Situation ihm auch erscheinen mochte. Als er schließlich fortfuhr, sie zu massieren, merkte er mit leichtem Bedauern, dass ihre Atmung sehr ruhig und gleichmäßig war; während er seinen Atem nur mühsam gleichmäßig hielt. War sie etwa überhaupt nicht aufgeregt? Was sagte das über ihn aus? Doch schon nach wenigen weiteren Augenblicken erkannte er, dass sie schlicht von der Müdigkeit übermannt worden war - was wohl auch ihre vorige Schweigsamkeit erklärte. Er öffnete den Mund, schloss ihn wieder und seufzte. Behutsam zog er ihren Schlafsack - und damit Sie selbst - näher ans Feuer. "Erhol dich." flüsterte er ihr zu, während er sich selbst auf seinen Schlafsack legte - der immer noch zu feucht war, um darin zu liegen - und begann, vor sich hin zu dösen.

    Der nächste Morgen begann in einem deutlich kühleren Raum als in der Nacht zuvor - das Feuer war herunter gebrannt und die Asche schwelte noch vor sich hin, doch das interessierte die Maga nicht. Sie hatte ihre Arme um Safir geschlungen und drückte sich an seinen breiten, starken Rücken. Sie hatte ihren Kopf gegen seine Schulter gelegt und auch der Rest ihrs Körpers schien der Linie des Seinigen zu folgen. Wie um vor Praios' Licht zu fliehen, drückte sie sich noch weiter in den Rücken ihres Begleiters. Der erwachte zu dem Zeitpunkt, als ihr ein leichter, schlaftrunkener Seufzer entfuhr. Träge blinzelte er ein paar Mal - er musste weitaus müder gewesen sein, als er gedacht hatte; denn er lag immer noch auf dem Schlafsack und nicht in ihm wie geplant - und wägte sich immer noch im Traum, während er sich des an ihn gedrückten Leibes vage gewahr wurde. Er seufzte wohlig - zu lange hatte er schon die Wärme einer Frau nicht mehr gespürt - und genoss die Situation, während er die Augen erneut schloss und ihrem leisen Atem sowohl lauschte als ihn auch am sanften Heben und Senken ihrer Brüste spürte. Cylithia schnurrte wie eine Katze, als sie sich im Schlaf streckte und sich dann wieder zusammen zog. Safir blinzelte noch ein paar Mal, als sein Verstand langsam zu arbeiten begann - und er sich seiner wie auch ihrer Position langsam gewahr wurde. Langsam und vorsichtig drehte er den Kopf, um sich nur wenige Zentimeter von Cylis Gesicht wieder zu finden. Er starrte sie beinahe stumpf an, erschien ihm der gesamte Umstand doch recht unwirklich - aber es war real. Auch, dass ihre weiblichen Attribute sich bei ihrem Strecken stärker gegen seinen Rücken pressten. Er fixierte ihre geschlossenen Augen, während sein Blick langsam tiefer wanderte und auf ihren Lippen hängen blieb. Bei den Göttern, wie gerne würde er diese nun kosten! Wenn es jemals eine Frau geben sollte, für die er sein Gelübde brechen oder umgehen würde, dann wäre sie es. Aber noch nagten Zweifel an ihm - Zweifel, ob er es tatsächlich tun sollte, ob es das richtige wäre. Und in diesen Sekunden begann Cyli zu blinzeln und schlug langsam ihre Augen auf. Auf kürzester Distanz sahen sie einander in die Augen. Sie zog ihre Hände zu sich und drückte schließlich ihre Linke gegen sein Gesicht, wie um zu bestätigen, dass sie gerade nicht weiter auseinander lagen als ihre Hand lang war. Sie blickte lange in seine schwarzen Augen, ehe die Erkenntnis - dass sie wach war - langsam in sie hinein sickerte. Aus den nahezu zärtlichen Bewegungen wurden hektische als sie aufschnellte und dann im nächsten Moment merkte, dass sie nichts trug - fast nichts um genau zu sein. "Wa... wi... " Sie konnte keinen klaren Satz über die Lippen bringen während sie hochrot vor Scham versuchte zu verdecken, was man ihr gegeben hatte und schließlich ihren Schlafsack um sich hüllte. “Ge... geb mir meine Kleidung... bi... bitte?"

    Auch Safir war wie sein Gegenüber verwirrt - wie war es zu dieser Situation gekommen? War etwa etwas passiert, an das er sich im Moment nicht erinnern konnte? So etwas würde er doch nicht vergessen! Oder etwa doch? Er zwang diese Gedanken nieder, indem er sich ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren versuchte - was schwierig war, bedeckte Cyli in ihrer Scham und Hektik doch nicht so viel von sich, dass jeder Blick verwehrt wurde. Er richtete seinen Oberkörper auf und streckte die Hände nach ihrer Kleidung aus, die mittlerweile an der Leine getrocknet war. Er ließ sich wieder zu Boden sinken und reichte ihr ihre Garnitur. "Cyli... was sind wir eigentlich füreinander?" meinte er ernst. Sie antwortete ihm nicht sofort, sondern zog sich immer noch hektisch ihre Kleider an, nicht auszumalen war passiert sein könnte. Erst als sie sich sicher war, das sie genügend 'Schutz' aufgebaut hatte, wandte sie sich zu ihm um. Ihre Haare noch unter der Kleidung. "Ich... " sie stockte kurz, holte tief Luft und blickte ihn fest an. „Freunde. Wir sind Freunde und ich denke, wir sollten es auch dabei belassen." Sie streckte ihm die Hand entgegen. "Lass uns das von gerade eben vergessen und... etwas Abstand dazu gewinnen." Der Wundheiler sah auf die Hand, während sich seine Brust schmerzlich zusammen zog. "Ja... das dürfte wohl das Beste sein." Das Beste für die Pflicht zumindest. Die Pflicht ging immer vor - Emotionen kamen später. Manches Mal wünschte er sich, dass er seinen Eid nie abgelegt hätte - aber diesen Gedanken verwarf er so schnell wieder, wie er gekommen war. Als er schließlich ihre Hand ergriff, schien sie diese fast zerquetschen zu wollen, als ob sie selbst mehr in diesen Händedruck interpretierte, als sie sollte. Schließlich ließ sie los und kümmerte sich um die Sachen, die sie wieder mitnehmen wollten, aber noch der Säuberung bedurften - Teller, Besteck und die Pfanne, die noch entrußt werden musste. Safir hatte sich auch auf begeben und pflückte die getrocknete Kleidung von der improvisierten Leine. Selbige Seile machte er auch wieder los - immerhin konnten diese noch gut verwertet werden - und verstaute anschließend alles in ihren Rucksäcken. Er hob die Hand vor Augen, als er schließlich die Tür öffnete und gleißender Sonnenschein hinein fiel. "Das Wetter hat sich geklärt." meinte er überflüssigerweise. "Ich denke, wir werden heute ein gutes Stück zurücklegen können. Wir sind bald an unserem Ziel angelangt." Doch wie falsch er damit lag, würde erst die Zeit zeigen - denn dies war weniger das Ende als vielmehr der Beginn einer weitaus längeren Reise, als es sich einer der beiden Tulamiden je hätte träumen lassen.

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