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    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Standard Angefangen aber nie zu ende gebracht...

    Vorwort
    Das habe ich mal vor Jahren für etwas anderes angefangen zu schreiben. Es ist nie fertig geworden und das wird es wohl auch nie mehr. Es ist daher noch die Rohfassung und sicher voller Fehler usw. Meine eigene Erfahrungen hab ich hier mal etwas verändert und nieder geschrieben und worum es sich handfelt, lest ihr am besten selbst. Es folgen noch einige Kapitel, die ich nach und nach hier posten werden. Wenn ihr etwas dazu sagen möchtet, so tut das hier


    Wo ist der Krieg?!

    Vorwort
    Fünf Jahre lang habe ich meine Zeit als Staatsbürger in Uniform verbracht und in dieser Zeit war ich auch zweimal im Einsatz. Nun, das Ganze ist schon eine Weile her und nun… Ach schaut selbst.
    Ach ja, sollte mein ehemaliger Spieß, oder mein Chef oder sonst wer das lesen und glauben sich darin wieder zu erkennen… öhm… ich lebe auf irgendeiner Privatinsel die irgendwo im Meer liegt!!
    Aber wenn sie ein wenig schmunzeln und das Ganze mit einem Kopfnicken abtun, dann hab ich alles richtig gemacht.

    Und ab geht‘s

    Um vierzehn Uhr hieß es, sollen wir in der Kaserne sein, um Vierzehn Uhr war ich es auch. Pünktlichkeit ist bei mir etwas, was nicht erst durch die Bundeswehr eine meiner Eigenschaften geworden ist, das war ich schon immer. Mit mir fliegen noch ein paar Kameraden und irgendwie ist der Dienstgrad egal. Wir bekommen die letzten Informationen. Noch sitzen wir hier oben im hohen Norden, besser gesagt in Bad Segeberg und wir wissen, wir müssen runter nach Bayern, Penzing. Einmal quer durch die Republik. Na ganz großes Kino, was hab ich da eine Lust zu. Aber die hat keiner von uns. Ach ja, ich bin übrigens Manni. Mehr als den Namen bekommt ihr nicht, nehmt es also hin. Aber der Hammer kommt noch, es geht alles per Bus und der fährt um 19 Uhr heute Abend ab. Och nö, muss das sein? Ja es muss. Morgen früh um sieben geht unser Flieger, eine Transall der Luftwaffe. Herrliche Zeiten. Die Nacht ist schon mal für den Arsch, denn die werden wir sicherlich im Bus verbringen und schlafen ist eher so ein Ding, was nicht so wirklich funktioniert. Also was nun? Es ist übrigens Sonntag, also richtig Action im Land. Wir hatten also mehrere Möglichkeiten. Uns ins Bett legen und noch pennen oder…. Okay, doch nichts außer saufen! Komisch, irgendwie hatte jeder was mit, Ich war mit einer Flasche Wodka bewaffnet. Wir hatten ausgemacht, dass wir uns um halb sieben wieder treffen um zu gucken ob auch noch alle stehen. Taten sie auch. Nun gut der ein oder andere nicht mehr so ganz nüchtern, aber was Solls. Dann ging es auch ab in den Bus und auf nach Bayern. Die Fahrt begann recht lustig, wir waren noch alle recht gut drauf, was wohl auch daran lag, das wir nur ein paar Mann waren.

    Es hat dann im Bus auch nicht lange gedauert, und wir haben meine Flasche Wodka geköpft. Zwei Flaschen Havanna und eine Bacardieflasche waren auch noch Begleiter. Ich hatte für meinen Wodka allerdings nur so viel Red Bull mit, das ich eins zu eins mischen konnte. Na ja, dröhnt das eben schneller. Allerdings hatte einer von uns schon vorher was intus, was aber auch keine Sau störte, immerhin stand vor uns noch zwölf Stunden bis zum Abflug und somit die gesamte Busfahrt und dann noch zwei bis drei Stunden Flug, dann die Landung und das ganze obligatorische danach. Nur wenn man im Bus weiter trinkt, sieht das natürlich anders aus. Dennoch, die Stimmung war gut. Nachts um ein Uhr war dann mal eine der Pausen und wir konnten uns die Beine vertreten, irgendein Rastplatz auf der A7. Und was macht man als Soldat so spät in der Nacht an der Tankstelle? Richtig, noch mehr Alkohol kaufen. Ja so eine Busfahrt die ist lustig. Jeder wusste dass wir gesoffen hatten, aber selbst unser Kompaniechef sagte nichts. Nicht weil es ihm egal war, sondern weil er wusste das er sich auf uns verlassen kann, selbst stink besoffen. Aber das war auch nicht der einzige Grund. Wir hatten zwar was getrunken, aber nicht viel. Wir waren zum Teil angeheitert, aber mehr auch nicht. Ab halb drei Uhr morgens kehrte dann auch Ruhe ein, auch wenn keiner wirklich schlief, so versuchten wir doch noch etwas Ruhe zu finden. Gelang mir persönlich nur mittelmäßig. So gegen fünf Uhr morgens kamen wir dann in Penzing an und es hieß für uns, dass es denn nun langsam los gehen würde. Der Flieger stand schon bereit, es war für die Crew heute der erste Flug. Aber was machten wir nun noch so lange? So wirklich wussten wir nicht. Wohin wir sollten und konnten, und so ruhten wir uns weiterhin im Bus aus.

    Aber eben nicht so lange, vor uns stand dann das ganze nervige Prozedere was auch vor jedem Zivilisten stand, wenn er einen Flughafen betrat. Allerdings bestand unser Abfertigungsschalter, Check-In, Kontrolle, Gepäckaufgabe und sogar eine obligatorische Anwesenheitsliste aus zwei ganzen Zelten… Für einen Zivilisten wohl Abenteuerurlaub, für mich Alltag. Bevor ich es noch ganz vergesse, es ist übrigens Ende September, heißt also das wir im Winter im Ausland sein werden. Weihnachten nicht zu Hause. Na darauf kann ich auch verzichten, aber Sylvester? So ein Mist, aber das wusste ich ja vorher schon.

    Dabei traf ich auf einen anderen Soldaten, der mir persönlich eine ganz schön große Klappe hatte. Sein Dienstgrad war derselbe wie meiner, Hauptgefreiter. Als Befehlsempfänger, nichts weiter. Aber seine Klappe war so dermaßen groß, dass es uns schnell zum Halse raushing. Er weiß alles, kann alles, darf alles… meine Fresse, darf ich ihn aus dem Flieger werfen, wenn wir in der Luft sind?!

    Na wie auch immer. Ein paar von uns kennen das Spielchen schon und so richte ich mich auch nach ihnen. Denn da wir ja mit der tollen Transall fliegen, ist es ratsam in der Mitte zu sitzen. Denn in diesem Frachtflieger ist es so, dass es vorne sehr warm ist und hinten Arsch kalt. Also in der Mitte sitzen, wenn man angenehme Temperaturen haben möchte. Einer von uns hat übrigens alles richtig gemacht. Der ist eingestiegen und direkt eingeschlafen. Aufgewacht isser dann wieder bei der Landung. So viel Glück hatte ich jedoch nicht. Gar nicht mehr so gut drauf und hoffnungslos übermüdet sitze ich in diesem Flieger. Hab ich schon gesagt das ich fliegen nicht mag? Nein? Gut. Ich mag fliegen nicht. Und die der Flieger war ein rein militärischer. Also kein Bordservice und die bequemen Sitze wird gegen Bänke ausgetauscht und man sitz auch nicht in Flugrichtung sondern entgegen quer dazu. Fenster? Ja hat das Teil auch, Rausgucken ist aber nicht wirklich und die Härte ist erst, wenn man auf Klo muss. Ich rate jedem der mit so einem Flieger je unterwegs sein sollte: GEHT VORHER!!! Denn muss man erst wenn man in der Luft ist, wird’s lustig. Männer haben noch Glück, die können im stehen pinkeln. In Flugrichtung hinten links ist das Urinal. Nur an der Frachtpalette vorbei in den arschkalten Teil des Fliegers und sich getrennt durch eine ausziehbare Trennwand Erleichterung verschaffen. Richtig lustig wird es dann aber erst, wenn man mehr muss als nur pinkeln. Dafür darf man dann erst mal den Bordmechaniker rufen, der einen das Klo aufbauen muss!! Da komm allen Ernstes ein Hauptfeldwebel und baut einem das Scheißhaus auf! Das ist ebenso durch eine Trennwand abgeriegelt, also Luxus pur.

    Es musste keiner in Anspruch nehmen, was ein Glück. Irgendwann müssten wir natürlich landen, wen wundert’s. Aber so ein Landanflug ist was Feines in so einem Flieger. Fühlt sich an wie Treppensteigen, also geradeaus fliegen, 150 Meter senkrecht fallen, gerade fliegen, senkrecht fallen, gerade fliegen, senkrecht fallen… Eine Achterbahn ist ein Dreck dagegen. Zumindest fühlt es sich so an. Einer meiner Kameraden sah das etwas anders als ich. Er meinte, dass so ein Landeanflug in Afghanistan noch eine ganze Ecke interessanter ist. Erst mal werden dort grundsätzlich schon mal die Flares ausgelöst und die Landung ist ein regelrechter Sturzflug. Es gilt dort, nur verflucht schnell runter zu kommen. Beschuss mit Raketen ist wohl nicht so selten da. Na Mahlzeit, da macht Soldat sein doch wieder richtig Spaß. Aber nun gut, wir sind hier nicht am Hindukusch, unser Ziel ist der Kosovo. Das reicht mir für meinen ersten Einsatz aber auch völlig aus.

    Aber der ein oder andere hatte entweder noch größere Flugangst als ich, oder aber was Falsches gegessen. Immerhin war der oder ein andere Zombie mit an Bord, so lass wie einige waren. Das hob meine Laune wieder und hat mich doch sehr amüsiert, besonders weil es derjenige war, der einen auf große Hose gemacht hat. Ach ja, kleine Sünden bestrafft der liebe Gott sofort. Ab auf die Erde, war lange genug in der Luft.

    Gelandet.
    Priština Airport… Na ja, mehr als ein etwas größerer Sportflughafen scheint es nicht zu sein. Das Flughafengebäude, zumindest für diesen Teil des Flughafens besteht aus einer einfachen Halle, nichts tolles, aber was erwartet man auch. Hey, ich bin Soldat, ich bin hier im Einsatz, ich hab gefälligst das zu tun was man mir sagt.

    Die obligatorischen Ansprachen desjenigen, der nun auf dem Marsch ins Lager, was gut siebzig Kilometer entfernt ist, das sagen hat, klingt schon leicht genervt. Na ja, wer will es ihm verübeln? Hier gibt es nichts, was es wert wäre unbedingt länger als wirklich nötig zu verweilen und wir alle merken, dass er hier schnell weg will. Ab ins Lager und uns möglichst heil dorthin bringen, das ist sein Ziel. Nun ja, ich wäre genauso. Hier ist aber auch nichts. Rings rum nur Einöde, in der ferne die Bergkette, ich hab gar keine Ahnung wie sie auch nur heißt und es interessiert mich auch nicht. Noch ist er derjenige der hier die Befehle gibt, ein Hauptfeldwebel von der Militärpolizei. Ihm ordnen sich alle unter, sogar Oberstleutnante.

    Die Belehrung betrifft eigentlich nur den Teil vom Flughafen bis ins Lager. Unterwegs werden wir an anderen Lagern anhalten, da einige woanders arbeiten, als im Field Camp Prizren, dem Lager wo der Hauptteil der deutschen Streitkräfte ihren Platz hat. In den Bussen liegen Schutzwesten, Bristol auch genannt. Nicht so leichte Dinger wie die Sicherheitskräfte einer Firma haben, nein, die Dinger haben ein scheiß Gewicht, glaub gute fünfzehn Kilo wiegt eine Weste. Und diese müssen am Ende aus den Busen raus. Im Field Camp werden sie aus allen fünf Bussen ausgeladen und das müssen die machen, die in diesen Bussen sitzen dann noch. Super, ich gehöre dazu. Scheiße.
    Na was Solls, es gibt schlimmeres.

    Eins sein noch erwähnt, es STINKT HIER!! (Das tut es wirklich...)

    Dann geht’s auch endlich aus dem Gebäude raus auf die Busse aufgeteilt. Nicht einfach planlos, natürlich nicht, doch nicht bei der Bundeswehr. Aber das hat man uns ja gesagt. Erst jetzt wird mir bewusst, die Waffen die die Leute tragen sind allesamt geladen. Nicht mit Platzpatronen wie in Deutschland, nein, scharfe Munition, diejenige die auch richtig böse Löcher macht im Körper. Aber, es stört mich nicht. Hm, es scheint also gewirkt zu haben, das Training in Deutschland, das ständige rumlaufen mit der Waffe um uns daran zu gewöhnen. In jedem der fünf Busse ist vorne ein Soldat, ebenfalls bewaffnet und er hat auch das sagen für den Bus. Solange er mich nicht nach dem Fahrschein fragt, ist er mir egal.

    Unser Konvoi besteht aus drei Wölfen (das sind die Mercedes der G-Klasse, also keine Tiere) und sogar einem BAT, zu Deutsch Beweglicher Arzt Trupp, begleitet uns. Der BAT ist ein Transportpanzer Fuchs mit einer schicken blauen Leuchte aufm Dach und roten kreuzen an der Seite. Es ist zudem das einzige schwere Fahrzeug was mitfährt. Wir sitzen nun in den Bussen und es geht los. Ach ja, in dem Bus in dem ich drin sitze, komm aus Deutschland. Nun weiß man mal, das was der deutsche TÜV beanstandet… er hätte hier seine wahre Freude in dem Land. Bei uns nur Schrottreif, hier fährt es deutsche Soldaten durchs Land und ist noch eins der etwas sicheren Fahrzeuge. Wem fällt da die Ironie auf? Nur mir? Gut, ich dachte schon. Na ja, bei uns hätte man den Bus wohl keine 10 Zentimeter mehr fahren lassen, alleine die Scheiben sind… Na lassen wir das.

    Die Fahrt geht vom Flughafen weg und auf die Zufahrtsstraße…. Ich meine Piste, zur Hauptstraße. Die MP sperrte großspurig alles ab! Na ja, es reicht der T4 Bus der MP der sich einfach quer auf die Straße stellt. Wir brausen an den ersten Häusern vorbei. Die Straßen sind scheinbar aber auch nichts weiter als bessere Feldwege, oder die Federn und Stoßdämpfer des Busses sind nicht funktionsfähig, wenn sie denn noch dran sind. Unsere Kolone rollt weiter, ohne anzuhalten. Schnell erreichen wir die ersten Ortschaften und ich sehe nun wo ich eigentlich bin. Schön ist was anderes.

    Müll liegt überall an der Straße rum und Kinder spielen darin. Verwahrloste Hunde laufen mit eingezogenem Schwanz umher, es ist nicht schwer zu erkennen, dass sie Angst haben, richtige Angst. Die Häuser sehen auch nicht besser aus, bei uns wäre da wohl auch das Bauamt im Kreis gesprungen. Erst mal dran gewöhnen das hier die deutschen Normen nicht zählen. Aber noch etwas fällt mir auf, die UCK ist hier noch immer präsent. Nicht in Form von bewaffneten Kämpfern, aber überall sind ihre Wappen, und Flaggen zu sehen. Mehrere Gedenkstätten sind zu finden, an einigen fahren wir auch vorbei. Eigentlich ist es trostlos hier. So nach dreißig Minuten bleibt mein Blick an etwas hängen, was definitiv nicht ins Bild passt und mich im ersten Moment doch sehr wundert. Ein Auto steht da am Straßenrand, wo ich glaube ich guck nicht richtig, ein Lamborghini. Nein, kein Scherz, ein knallgelber Lamborghini! Das Haus wovor er steht hat nicht mal Fenster, zumindest kein Stockwerk außer dem Erdgeschoss. Daneben ist alles verlassen, und auf der anderen Seite ist eine von den etlichen Waschanlagen, die aus einem Kärcher besteht und einem Wassereimer mit Seife und Wasser darin. Jedenfalls, es sieht hier total runtergekommen aus. Irgendwie passt das so gar nicht. Wie kann man in so einem Land, was so runtergekommen ist, wo man jeden Tag ums Überleben kämpfen muss, wo Kinder im Müll spielen und Die Leute rumlaufen, als wenn sie seit 10 Jahren in den gleichen Klamotten stecken, so ein Auto besitzen? Es passt so überhaupt nicht ins Bild, aber dennoch steht er da. Ich wunder mich wirklich, das will mir nicht so in den Kopf rein. Die Gegend hier ist so runtergekommen, Die Spurend er Verwüstung sind teilweise noch zu sehen, da ist dieses Bild so surreal wie nur irgend möglich. Aber auch das ist eine Folge des Krieges. Kriminalität, Korruption, Vetternwirtschafft, Schwarzhandel, Geldwäsche, alles was das Herz begehrt, hier ist es tagtäglich. Ich bezweifel, dass es auch hier nur jemand wagen würde, das Fahrzeug anzufassen.

    Noch immer Schüttel ich leicht den Kopf, als ich dann etwas entdecke, was dafür umso deutlicher ins Bild passt. Auf einem Feld, mitten drin, direkt hinter der kleinen Ortschaft ist ein Panzerwrack, was genau es mal war, keine Ahnung. Das kann ich nicht erkennen. Der Panzer wurde Opfer der Nato. In den achtundsiebzig Tagen des Kosovo-Kriegs zwischen März und Juni 1999 wurden rund Einunddreißigtausend Uran-Projektile mit insgesamt zehn Tonnen abgereichertem Uran, hauptsächlich über dem Kosovo abgeschossen. Der Panzer wäre nicht mehr, da, wäre er von normalen geschossen zerlegt worden. So ungefährlich wie man wohl mal glaubte, ist selbst das abgereicherte Uran nämlich nicht.

    Irgendwie habe ich nun ein Bild in dem Kopf, wie dieser Panzer sich gerade über dieses Feld begibt, warum auch immer er da lang fährt. Es scheint als wollte er schnellstmöglich in die Berge. Immerhin sind dort die Deckungsmöglichkeiten größer als hier. Das Feld wurde ihm wohl zum Verhängnis.
    Ja, da endete das Leben von drei oder vier serbischen Soldaten. Im Grunde gestorben für nichts, für einen Flecken Erde, der schon ewig Umkämpft wird, der längst ausgeblutet ist, der zwar über Kohle verfügt, aber der sonst nichts, gar nichts hat.
    Ja, das passt schon eher zu dem Bild, zu diesem Land. Wie ein Mahnmal ragt noch immer das Rohr in Richtung Bergkette, weg von den Bombern und Jagdfliegern der NATO, die über das Land gedonnert sind. Gebracht hat es ihm nichts.

    Ich denke mir so meinen Teil, auf dieser fast zweistündigen Fahrt ins Lager. Der Krieg hat dieses Land zu einem der ärmsten, wenn nicht das ärmste, Land gemacht, was es gibt. Millionen von Schicksalen, die zusammengefasst nur eine Statistik ist, aber jeder einzelne eine Geschichte für sich hat. Elend, Hunger, Angst, Hass, Wut… das alles sollte ich noch kennenlernen aus der Sicht der Bevölkerung. Ja selbst das Dritte Reich und Hitler verfolgen die deutschen Soldaten hier noch. Ich werde bald wissen, was hier wirklich los ist…

    Auch hier triffst den Nagel auf den Kopf. Europa… das Europa was wir kennen, es ist auf Blut gebaut. Und hier ist das Blut frisch, verdammt frisch. Ich stehe fast drin. Krieg ist so viel mehr als nur Granaten werfen, als nur Gewehre abzufeuern und Truppen über Landkarten zu scheiben. Erst das danach, erst das ist es, was wirklich zeigt wie Krieg ist, wie schlimm das Ganze ist und was es heißt, in so einer Welt zu leben, in der sich zuvor noch Soldaten gegenüber standen und um etwas gekämpft haben, oft nie wirklich wussten warum, ihnen Lügen und Geschichten eingetrichtert wurden und ihr Hass geschürt wurde. Ich sehe den Panzer und sehe das alles. Der Soldat geht wieder, die Armeen verschwinden und mit ihnen das Gebrüll des Krieges… Aber das Volk, das bleibt, verscharrt die Toten, räumt den Mist weg und riskiert dabei sein Leben, wenn noch immer abertausende Minen vergraben sind und kein Schwein weiß wo. So wie es hier ist. Überall gibt’s noch Mienen und die sind geduldig, sie warten auf ihre Opfer und den Minen ist es scheiß egal wer auf sie latscht, sie zerfetzten ihr Opfer, egal ob Kind oder Frau, Soldat oder Bauer.
    Wo ist der Krieg?! Genau vor meiner Nase, da ist der Krieg…

    Was zum Geier ist denn das?
    Eine eher belustigende Entdeckung reißt mich dann aber aus meinen Gedanken. Eine Ampel. Die erste und einzige, mir bekannte Ampel im Kosovo (wie ich später feststellen werde) und sie funktioniert auch noch.
    Gleichzeitig markiert sie das Ende der ersten Etappe meiner Reise in diese Welt. Sie steht genau vor dem Lager, in das wir nun fahren und wo auch ich meine nächsten Monate verbringen werde. Field Camp Prizren: Herzlich Willkommen am Arsch der Welt.

    Der Tag besteht dann nun nur noch daraus, dass wir die Busse ausladen müssen und von denjenigen abgeholt werden, die für die nächsten Tage für uns zuständig sein werden, bis wir die Dienstgeschäfte von ihnen übernehmen. Da ich einer der ersten meiner Kompanie überhaupt bin, heißt das für mich, nicht viel machen. Am Ankunftstag wird dann noch lästiger, aber nötiger Papierkram erledigt. Kontodetails sind mit die wichtigsten, denn das Geld was man pro Tag bekommt, wird aus dem Ausland heraus berechnet und dann geht das alles nach Deutschland und wird nur noch überwiesen. Deutsche Bürokratie, die gibt’s auch hier. Aber auch für die ID-Card die man hier bekommt, muss Papierkram erledigen. Dann drückt man uns noch einen Lageplan in die Hand und entließ uns für den Tag. Unser Gepäck fuhr man noch zu den Zelten, wo wir erst mal untergebracht waren. Das Lager lag am Fuße einer Bergekette, wirklich hoch war es nicht, aber für mich als Flachlandtiroler reichten die Steigen schon. Ich hasse Berge, vielleicht weil meine Mutter mich immer als kleines Kind in die Schweiz und nach Österreich mitgenommen hat. Überhaupt nicht schön . Na ja nun auch egal. Ich bin Älter, meine Mutter nicht hier und mit nehm Rucksack aufn Rücken laufe ich noch immer Berge hoch. Mist, irgendwas hab ich falsch gemacht. Die Zelte sind für 12 Man ausgelegt und ich weiß an diesen meinem ersten Tag noch nicht dass ich fast drei Wochen darin hausen muss, bevor ich umziehen kann. Wohncontainer gibt es auch, aber die sind nicht in Ausreichender Zahl vorhanden, um für alle herzuhalten. Ich hoffe ja so ein wenig auf einen Wohnblock und nicht eine der Container später zu bekommen. Denn der Nachteil ist, wir sind wie schon gesagt, im Winter da und morgens jedes Mal raus in die Kälte um zu den Duschen und Waschräumen und auch Toiletten zu gelangen, hab ich ehrlich gesagt wenig Lust, aber das wird ich noch alles sehen.

    Zusammen mit ein paar Kameraden machen wir uns dann auf dem Weg zur Küche (Es ist ein Zelt, wenn auch ein sehr, sehr großes, aber es ist auch ein Zelt), nachdem wir uns in unserem Unterkunftsbereich (ja das Mannschaftszelt) halbwegs häuslich niedergelassen und unsere Betten bezogen haben. Noch bin ich mit vier weiteren alleine, aber schon in zwei Tagen sollen die nächsten kommen. Nun aber erst mal was essen gehen, denn mein Magen knurrt und die Mittagszeit ist schon fast vorbei. Vor der Küche treffen wir auf den Spieß unserer noch anwesenden Vorgänger. Okay, wir wussten dass er da sein würde, er hat ja gesagt dass wir uns hier treffen werden. Denn auch in der Küche gibt es so ein paar Regeln.

    Da fällt mir ein Spruch von ihm ein, den er uns noch mehrmals um die Ohren hauen würde. Ich bin ja nun so Berglandschaften nicht so gewöhnt und dementsprechend war meine Laune auch, da jeden Tag hoch und runter zu krakseln. Der Spieß meinte nur: „Ein Berge beginnt erst, wenn keine Bäume mehr wachsen, das hier sind nur ein paar Hügel.“ Ach ja, der Spieß war übrigens Bayer, das also mal dazu. Ja schön und gut, ich bin aber n Küstenmensch, ich kann von der Ostsee bis zur Nordsee gucken. Alles was eine Steigung von dreihundert Meter auf einem Kilometer länger hat ist für mich ein Berg. Oder anders gesagt, jede Erhebung die größer ist als ich, ist n Berg… merkt man das ich Berge nicht mag?

    Aber nun mal rein in die Küche, was essen. Und es ist ein guter Ort um uns auch so einiges zu erklären. Beim Essen geht sowas immer ganz gut. Wir erfahren allgemeines zum Leben im Lager und noch das ein oder andere Organisatorische. Da unsere Vorgängerkompanie noch da ist, werden wir noch keine Waffen bekommen, zumindest nicht feste Waffen. Aber darauf kann ich zurzeit auch verzichten, schließlich werde ich noch lange genug mit einer durch die Gegend laufen. Das Essen ist so lala, nichts besonderes, aber auch alles andere als schlecht. Morgen soll es für uns dann die ersten Einweisungen geben und wir schon mal uns ein wenig schlau machen, wie es denn hier so läuft.

    Für heute war es das dann aber auch schon, zumindest für mich. Mein direkter Vorgesetzter, der neue Spieß, kommt ja auch erst in 10 Tagen, also kann ich es ruhig angehen lassen. Ich sehe mir also nach dem Mittag das Lager ein wenig an. Es gibt zwei Fitnesszelte und einen German PX, das sind nix weiter als Geschäfte für Militärausrüstung, vor allem Klamotten, Schuhe und sonstige Ausrüstung die man so gebrauchen könnte. Dann gibt’s auch n Post und einen Marketender, im Grunde ein Supermarkt mit dem, was man so fürs tägliche Leben benötigt. Duschgel, Rasierschaum, Deo, Zahnbürsten, Parfum, Wein, Bier und andere Getränke, Zeitschriften, Kondome, Feuerzeuge, Souvenirs, Uhren und vor allem die heißbegehrten Zigaretten! Glücklicherweise wie auch die Post, direkt neben der Küche, na das trifft sich doch perfekt. Nix wie rein.

    Alkohole, in Form von Hartgas bekommt man hier aber nicht zu kaufen. Es mag wohl daran liegen dass angeblich irgendwer das in zu großen Mengen gekauft hat und sich selbst nach Hause geschickt hat. Nun ja, das hat den Zoll dann auf den Plangerufen und man unterstellte ihm dann damit Schwarzhandel. Tja, damit hatte sich das dann auch erledigt, das in deutschen Lagern noch so Wodka, Rum oder Whisky verkauft wird. Schöne scheiße, aber zum saufen sind wir ja nicht hier. Aber da ich ohne meine Ration Card sowas eh noch nicht kaufen kann, beschränke ich mich auf ein paar Gummibärchen und ein bisschen Schokolade. Wo ich grad dabei bin, die Ration Card ist wie der Name schon sagt,, dafür da, um gewisse Sachen zu Rationieren. Ich kann mir also im Monat nur 4 Stangen Zigaretten kaufen und nur eine gewisse Anzahl an Wein/Sekt, Bier oder harten Alkohol. Die Mengen hab ich gar nicht mehr im Kopf, hab die Karte ja auch noch nicht und das auch schon wieder vergessen.

    Zum Glück aber hab ich mich zu Hause noch mit 200 Euro eingedeckt, da es auch hier eine Weile dauert, bis ich das erste Mal im Cash Office Geld holen kann. In der Regel so um die 4 Tage, wurde mir gesagt. Gut, bei den Preisen hier, reichen die 200 Euro auch locker für drei Wochen und ich hab dann immer noch genug. Aber erst mal abwarten. So, dann wollen wir uns mal weiter umsehen. Auf den Plan geschaut und dann mal hoch zum PX, den ich vorhin schon erwähnt hab. Dafür den Berg hoch latschen, na das hebt die Stimmung… oder auch nicht. Bei dem PX ist auch das Lokel-Dorf.

    Dazu muss ich sagen, ein Lokal ist nichts weiter als ein Kosovoalbaner, der bei uns im Field Camp arbeitet. Diese Arbeiter bekommen je nach Aufgabe usw. ein paar hundert Euro im Monat. Die Sprachmittler, im Grunde Übersetzer, sind diejenigen die am besten Deutsch können und mit den Patrouillen immer unterwegs sind. sie bekommen so vierhundert oder sogar fünfhundert Euro im Monat. Aber ich kenn die genauen Sätze und wie das alles aufgebaut ist gar nicht. Muss ich auch nicht. Angeblich bekommt der Polizeichef unseres Stadt Prizren, an dessen Rand ja unser Lager in einer zudem Taktisch sehr beschossenen Lage liegt, nämlich direkt auf dem Präsentierteller, so um die dreihundertfünfzig bis vierhundert Euro im Monat. Das sagt auch schon zum Teil aus, welchen Wirtschaftlichen Status die NATO mit ihren Soldaten, besser gesagt der der einzelnen Nationen hier inne hat.

    Nun gut, soviel Mal dazu. Ich geh also in dieses Lokal-Dorf, was nichts weiter ist als ein paar kleines Hütten wo diese Leute versuchen das ein oder andere an den Mann zu bringen, in erster Linie Zeugs was Soldaten gebrauchen können. Gibt auch DVDs Handtücher, Klamotten usw. Aber nun ja, wer hier erwartet hochwertige Qualitätsware zu erstehen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Hier im Kosovo ist alles gefälscht, was man auch nur fälschen kann. Zumindest was Unterhaltungsmedien und sowas alles angeht. Aber mehr als nur gucken, will ich heute gar nicht. Nun gut, nächster wichtiger Anlaufpunkt ist dann noch das Betreuungsbüro. Denn hier gibt’s was, was sich auf jeden Fall haben will. Internet und Telefon. Doof ist, einen Laptop besitze ich zu der Zeit noch nicht und wie sich das noch Rächen wird, merke ich dann sehr schnell. Aber Telefon, das hab ich und dafür hole ich mir nun einen Vertrag. Die Firma die das Anbietet hat zwar nicht die besten Preise, aber es geht so, SMS ist jedoch nicht möglich damit, da es im Grunde nur Festnetz ist, wenn auch die Karte in meinem Handy nun steckt.

    Die Formalitäten sind schnell abgeklärt. Hier gibt’s auch Filme und Spiele zum ausleihen, und das sogar ohne Gebühr. Touren durch den Kosovo gibt es hier auch. Ja, das Land hat angeblich was zu bieten außer ausgebrannte Panzerwracks und Müllberge. Jedoch nichts für mich. Sowas kann ich auch in einem Urlaubsland erleben, brauch ich nicht in einem Krisengebiet. Meine kleinen Einkäufe landen dann erst mal im Zelt auf meinem Bett. Obwohl es Ende September ist, haben wir noch weit über 20 Grad. Das gefällt mir, wenigstens hier ist es war. Dort wo ich gerade stehe, habe ich einen guten Ausblick auf die Stadt und nehme mir mal die Zeit, meinen Blick schweifen zu lassen.
    Smok, eine schöne, herrliche, graubraune Smoke Suppe hängt über der Stadt, ja über dem ganzen Land. Auch hier riecht man es förmlich. Für die nächsten Monate wird ich das aber jeden Tag habe, also werde ich mich daran gewöhnen müssen, oder die Luft anhalten.

    Ich könnte ja mal runter, zu unseren Arbeitsbereichen. Die bestehen aus zusammengesetzten Bürocontainern, einer Waffenkammer, einem Gefechtsstand und einem Handlager. Wie lange sind wir nun schon hier und noch immer haben einige nur Container als Arbeitsplatz? Naaaa jaaaa was soll man dazu noch sagen. Unten gibt es aber auch noch was anderes, eine kleine Bar, auch wieder aus Zelten und ein wenige Holz zusammen gezimmert, aber gar nicht mal so schlecht. Hier gibt’s den ganzen Tag über ein wenig was zu trinken, 5-Minuten-Terrinen und Schokoriegel. Alkohol darf im gesamten Lager sowieso erst ab neunzehn Uhr ausgeschenkt werden. Einen Kicker und einen Billardtisch gibt hier aber und das sind wahre Magneten, denn die sind eigentlich immer besetzt. Hier halte ich mich eine ganze Weile auf, treffe noch einen aus meiner Kompanie und dann geht’s wieder ab nach oben zu unserem Mannschaftszelt. Später dann noch ganz normal Abendbrot essen gehen und das war es dann auch schon. Mein erster Tag im Kosovo geht zu ende. Schon um Einundzwanzig Uhr liege ich im Bett, immerhin war die Nacht davon sehr kurz. Morgen geht’s für mich erst um Neun Uhr weiter. Was ein Luxus und das als Soldat…


    Master of Disaster


  2. #2
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    Am ersten Tag sah es dann schon etwas anders aus. Er war gezeichnet davon, dass wir am Vormittag ins ID-Card Office gehen um unsere ID-Cards und Ration-Cards zu empfangen. Da Kontingentwechsel war, war es dementsprechend voll und das zog sich dann doch ganz schön hin. Ja lang lebe die deutsche Bürokratie, selbst hier, im Ausland funktioniert nichts so gut wie der Papierkram. Noch immer brauch ich für alle eine Unterschrift und muss auch überall eine leisten. Ich hab ja auch sonst nix zu tun. Na ja, zum Mittag waren alle Formalitäten geklärt und so gab es dann außer noch das ein oder andere am Nachmittag nicht mehr, es war wieder erwartend ein ruhiger Tag. Ich sollte dazu sagen, dass ich mit einem anderen getauscht habe. Eigentlich sollte ich erst in zwei Wochen einfliegen, aber da derjenige noch Urlaub mit seiner Freundin machen wollte und mir das eh egal war, hab ich ihm den Gefallen getan. Man was bin ich doch für ein Wohltäter (ich Idiot). Aber das erklärt, das ich relativ ruhe hab noch. Die meiste Arbeit hatte auch die Züge, die ebenfalls mit der Einweisung in ihre Aufgaben und Übergabe des Materials beschäftigt waren. Nach und nach würden unsere Leute kommen und die alten gehen, aber das ging nicht in drei Tagen, das dauert schon fast zwei Wochen, mit allem drum und dran. Immerhin waren wir nicht die einzige Kompanie, das gesamte Kontingent wechselte, so um die zweitausend Soldaten. Und das dauert eben, schließlich sind wir die deutsche Bundeswehr! TAARRAA!! Wenn dann richtig, als auch gleich den kompletten Verwaltungsapparat mitgeschleppt.

    Für mich stand in den nächsten Tagen an, dass ich mir ganz in Ruhe angucken konnte, was ich zu tun hatte. Das ging damit los, dass ich mich die nächsten Monate um die Wäsche zu kümmern hatte, Post und das Essen. Wir hatten in der Stadt einen noch einen Beobachtungspunkt, der ständig von einem ganzen Zug besetzt war und von dem aus auch immer wieder Patrouillen durch die Stadt starteten. Der Vorposten lag direkt neben dem Haus des Bürgermeisters, aber das störte uns wenig. Jedenfalls hieß es für mich, jeden Morgen um halb sieben mit dem Frühstück dort sein. Auch jeden Mittag würde ich dort hinfahren müssen, und jeden zweiten Tag auch abends. Na herrlich, ich bin ein Roboter. Aber ich kam wenigstens aus dem Lager raus und das nicht nur dafür. Denn auch für die Post und die Wäsche musste ich das Lager verlassen. Das gute ist, ich kann es verbinden. Mit der Wäsche ist es so, dass wir sie selbst zur Wäscherei, die übrigens außerhalb des Lagers ist, hinbringen. Im Grunde läuft das so, jeder Soldat empfängt, natürlich gegen Unterschrift, wie sollte es auch anders sein, zwei Wäschenetzte, kann dort alles an Klamotten rein schmeißen, was er so hat. Und wie auch zu Hause gilt, Taschen leer und von den Uniformen Dienstgradschlaufen und Namensschilder ab. Aber ich werde später noch genug Müll in die Hände gedrückt bekommen von der Wäscherei, das geht sogar bis hin zu Dienstausweisen. Ja auch hier wird Geheimhaltung großgeschrieben! Jedes Mal wenn ich da bin gibt es einen Tee, Cola oder auch einen Kaffee zum trinken und der Chef persönlich, oder wer auch immer das ist, nimmt sich Zeit für uns. Wir quatschen ein wenig, Unterhalten uns über dies und das und was es sonst so gibt. Nichts Weltbewegendes, allgemeiner Kram wovon ich das meiste vergesse. Nun Ja, jedenfalls bringe ich dort die Wäschenetzte hin und hole sie am nächsten Tag wieder ab. Das mache ich jeden Tag, beziehungsweise ich werde es jeden Tag machen, noch erklärt man mir das ja nur. Und ich sehe es schon kommen, die ganzen vollgeschwitzten Sportklamotten, ganz toll, meine Karre wird stinken wie ein Pumakäffig. Ach ja, natürlich auch die Bettwäsche, die gehört auch dazu. Ist wie im Hotel hier, nur beziehen musste das Bett noch selber. Und auf Zimmer liefere ich auch nicht, gibt nie Trinkgeld, also wird der Service eingestellt (Es gab ihn auch nie).

    Genauso bin ich kein Postbote… obwohl, na ja, eigentlich schon. Die Zentrale Poststelle für alle deutschen Soldaten ist ein anderes Laber, welches unweit von dem unseren liegt. Man sieht sich auch, denn viel ist es nicht, aber der Weg dahin ist dann doch schon so sechs Kilometer. Tja, Umgehungsstraße gibt’s auch hier. Jedenfalls hole ich da für unsere Kompanie die Tage Post ab und bring auch von uns die dahin. Hm, wir sind ja über Weihnachten hier… ich glaub ich wird mich Krankmelden für den Dezember. Ich sehe jetzt schon kommen, das ich mir n Bruch heben wird mit Paketen aus Deutschland und umgekehrt. Geschenke, PPAAHHH und was bekomm ich dafür?! Einen Bandscheibenvorfall? Na danke.

    Aber dennoch, ich mach’s irgendwo gerne, denn es gibt mir ein Privileg, ich komme aus dem Lager raus und kann mich außerhalb relativ frei bewegen, das hat sonst kaum einer. Und das wird mir später noch recht hilfreich sein, aber das weiß ich nun noch nicht. Nun gut, das sind so die Standartaufgaben, die ich machen muss. Aber noch sind das Sachen, die erst später auf mich zukommen, denn ich hab zu meiner Eigenen Verwunderung noch sehr viel Freizeit, einfach weil die alten noch voll involviert sind und ich, relativ außen vor noch bin. Das liegt auch daran, das ausser meinen Kompaniechef und dessen Fahrer von der Kompanieführung, zu der ich auch gehöre, noch keiner weiter da ist. Halt doch, die Instandsetzung, also die Schrauber sind es noch. Aber die sind mit der Übergabe des Materials und so weiter mehr als genug ausgelastet. Immerhin, nebenbei ist die alltägliche Arbeit und dann sollen noch ein Kran und was weiß ich nicht noch alles, Übergeben werden. Ich glaub die zählen sogar die Schrauben genau nach, wundern würde mich das nicht. Da fällt mir ein, sollte da nicht noch n Reifen liegen für mein Wagen, den ich demnächst auch übernehmen sollte? Ach mir doch egal, noch hat das Auto vier Stück, daher interessiert mich das wenig. Und sogar ein Ersatzrad hat meine Karre, was will ich mehr? Und sogar ein Radio hat mein Auto!? Boah, ich dreh ab, das ist für Bundeswehrzwecke schon Luxus! Muhahahaha ich bin der King hier!!
    Ich glaub es ist inzwischen der dritte oder vierte Tag, ich hab als einziger immer noch keine Waffen. HAHA, ihr Loser, seht mich an, ich brauch den Mist nicht und muss mich n feuchten Dreck darum kümmern wo mein Schießprügel ist.
    Hab ich da grad mein Namen gehört? Wo soll ich hin? Wie? Was? Waffen empfangen? Ich sag jetzt besser nichts…

    Noch ist das Wetter gut und so haben wir uns Gedacht dass wir drei neuen, der Fahrer vom Chef, ein Stuffz und meine Wenigkeit, mal in die Stadtfahren und uns ein wenig umgucken. Das erste Mal raus aus dem Lager, na das wird doch bestimmt interessant. Na dann, her mit der Waffe. Munition auch noch? Na gut, her damit. Bristol benötige ich auch und mein Helm auch? Na dann mal alles rauf aus das Auto. Die Westen landen hinten, die Helme auch. ID-Card hab ich, Waffe hab ich, Munition hab ich auch. Dann wollen wir mal.

    Erste Hürde ist auch schon das Lager selbst, es gilt nicht schneller als 10km/h zu Fahren und am Haupttor dann geht’s weiter. Georgier bewachen unser Lager und das sind glaub ich alles Bauern. Sie sind immerhin angehörige der Georgischen Armee, aber was mir erst nun auffällt, warum zum Geier tragen die deutschen Uniformen? Nur das Hocheitsabzeichen ist das Ihrige und die Waffen sind auch keine deutschen aber der komplette Rest der Ausrüstung ist von uns! Hab ich irgendwas verpasst?! Und natürlich können die kein Deutsch, oder nur so gebrochen das ich ihn nur fangend ansehe. Ich glaub wenn der georgisch gesprochen hätte, würde ich das ehr verstehen, als sein Versuch, mich auf Deutsch voll zu texten. Er will nur die Waffen sehen und das wir Helm und Weste mithaben, dann ist er auch schon glücklich. Wie ich dann hier auch erfahre, ist diese Hauptzufahrt noch nicht mal sehr alt, aber schon demoliert. Unsere Nachbarkompanie war wohl etwas zu voreilig (die waren schon fast fertig mit ihrem Wechsel, also waren auch schon die neuen da) und sind direkt in eine der mehrere tausend Euro teuren hydraulischen Schranken rein gedonnert. Schranke neu, neues Kontingent, dann kann man doch auch gleich mal gucken, was die neuen Lagerarbeiter so drauf haben, die dafür zuständig sind, das hier alles läuft. Hey, jeder brauch Arbeit, also machen wir ihnen welche. Kann ja nicht angehen das jemand noch weniger zu tun hat als ich zurzeit. Nun gut, auch diese Hürde genommen und nun geht’s dann endlich raus.

    Wir biegen von der Hauptzufahrt auf die Straße, eine der wenigen guten Straßen, die größtenteils zweispurig ist und uns direkt in die Stadt führt. Entgegengesetzt kommt man dann sonst zur Wäscherei und auf die Umgehung zum anderen Lager, aber da geht’s später lang. Ich erllebe hier zum ersten Mal, wie diese ganzen Leute fahren. Also wer in Italien oder Frankreich schon mal Auto gefahren ist, der kann sich das in etwa vorstellen. Nur gibt es hier teilweise fahrende Kreissägen. Kein Witz, die gibt’s wirklich. Hier fährt auch alles Rum, was noch irgendwie fahrbar ist. Die Straße ist jedoch nicht lang, sie führt uns nach ein paar hundert Metern an einen Kreisverkehr. Der Fahrer fährt einfach rein, er kennt das Spielchen schon und hier kann man getrost alle verkehrserzieherischen Maßnahmen aus Deutschland übern Haufen werfen. Das merk ich schon jetzt. Na ja, solange zumindest keine Feldjäger da sind die gucken. Er erzählt uns, dass man hier frech sein muss und dass bei einem Wechsel die Kosovaren immer wieder versuchen ihre Grenzen neun auszuloten. Unfall sollte man nicht bauen, dann geht nämlich auch wieder die deutsche Bürokratie los, Feldjäger, kosovarische Polizei, beim Chef antanzen und so weiter. Und das macht kein Spaß, weder in Deutschland noch hier. Dem StUffz gefällt das wenig, mir ist es egal, ich fahr selbst zu Hause nicht wirklich immer regelkonform. Weiter geht’s durch die Stadt. Er zeigt und die Grenzen unseres Raumes, wo meine Kompanie für Zuständig ist, zeigt uns einige wichtige Punkte in der Stadt, die gängigsten Straße und wo wir wie hinkommen. Wieder greifen wir ein paar Informationen ab und bei mir setzten sich die ersten Eindrücke von dem Land fest. Wir kommen dann an sowas wie einem Markt an. Unser StUffz will da unbedingt mal gucken. Na von mir aus, wenn er will, ich frag mich was wer will. Ohne das ausgesprochen zu haben, bekomme ich die Antwort. Er will sich an Utesielen zum Angel umsehen.

    Bitte was?! Ey Junge, wir sind hier im Kosovo, in den Teichen und Flüssen sammelt sich der Müll. Du glaubst doch wohl nicht ernsthaft, dass du hier wirklich sowas findest, in dem Land angelt keiner! Und wenn ist er bekloppt. Das wird importiert, aber das Land selbst hat nicht mal Fischfarmen, ich hab auf der Karte nicht mal n größeres Gewässer gesehen, wo sowas wirklich möglich wäre, das auch nur zu versuchen. Aber na ja, geh du mal gucken, nach deinen Bleigewichten und oder weiß der Geier. Ich blieb beim Auto, gefälschte Waren kann ich mir auch woanders andrehen lassen. Aber Umsehen tue ich mich auch. Zwar gehe ich nicht vom Fahrzeug weg, schon weil ich der einzige bin und immer einer beim Auto bleiben muss und auch weil ich von hier aus genug sehen kann. Die Stände bestehen auch meist nur aus auf Decken ausgebreiteten Waren. Schnell fällt mir auf, hier eigentlich gibt’s hier nur Schrott. Die Leute scheinen im ganzen Jahr so viel Geld zur Verfügung zu haben, wie bei uns ein Zeitarbeiter im Monat verdient.

    Das Ganze ist eigentlich nur noch so kurios, weil daneben der Lokal Gebrauchtwagenmarkt, seine Pforten hat. Sprich auf dem Nachbaracker werden die Autos gehandelt. Und dort ist auch alles dabei. Aber auffällig viele deutsche Fabrikate, vor allem Volkswagen, Mercedes und BMW. Natürlich auch ganz andere Autos, wo ich so denken würde, das selbst den Russen das inzwischen peinlich ist, das sie sowas al gebaut haben. Reger Handel wird zumindest betreiben… glaub ich. Die könnten sich genauso gut über die nächste Drogen oder Waffenlieferung unterhalten, oder wie schön der Himmel doch grad ist, aber das bezweifel ich dann doch.

    Ich habe Zeit mich umzusehen, von meinem Punkt aus. Ein paar Kinder gehen an mir vorbei, können zu meiner Überraschung sogar sehr gut Deutsch und begrüßen mich, wollen sich mit mir Unterhalten. Kacke, was sag ich nun? Ich hab doch gar keine Lust, man ich bin erst drei Tage hier, lasst mich in Ruhe. Ehr als ein „hallo“ oder auch „Wie geht’s?“ kommt von den Kids aber auch nicht und ich gebe bewusst abweisend nur Antworten. Die Kids ziehen weiter. Na was ein Glück. Die ganze Szene hier gefällt mir nicht, aber nicht weil ich kein Wort der Sprache verstehe oder sowas, sondern weil ich kein Bock hab hier mitten auf einem Acker zu stehen um Angelsachen zu kaufen. Ich war aber auch neugierig, wie ich mich wohl fühlen würde und nun, stehe ich hier ganz alleine, kann nicht mal meine Kameraden wirklich sehen in der Menschenmasse, aber es stört mich nicht. Vielleicht liegt es daran, das mir die Waffe die ich trage eine gewisse Sicherheit gibt, oder lag es doch and er Vorbereitung zu Hause, das ich mich nun so fühle , wie ich es tue. Nämlich normal, wie etwas Alltägliches. Der Unterschied besteht nur daran, dass es bei uns sowas nicht gibt, oder besser gesagt, bei uns ein Flohmarkt noch besser aussieht, als das hier. Keine Angst oder sonst was, nichts dergleichen. Schon fast eine Art Gleichgültigkeit überkommt mich und ich bin etwas enttäuscht, denn ich muss erkennen, dass es hier auch nicht anders ist, als bei uns. Nur der Geruch ist nicht so lecker, der einem permanent in der Nase liegt. Na ja, was soll man erwarten, jeder darf hier seien gifte ungefiltert in die Umgebung entlassen. Das geht beim Auto los und hört bei den großen Fabriken auf. Ach ja, sowas gibt’s hier nicht wirklich.

    Ungefähr fünfzehn Minuten später sitzen wir wieder im Wolf und fahren erneut durch Prizren Straßen. Aus Erzählungen wusste ich schon, das wie hier so Fleisch in den Geschäften angeboten wird, nun aber sehe ich es auch. Bei den Schlachtern hängt die halbe Kuh im Schaufenster. Zur Kühlung läuft an der Scheibe Wasser herunter, aber eine sonstige Kühlung gibt es nicht. Und die vielen, kleinen schwarzen Punkte, das sind alles Fliegen, die dort rumschwirren. Wirklich lecker sieht das nicht aus, aber auch das ist hier normal. Was mir auffällt sind überall am Straßenrand diese kleinen Generatoren, die an Bäumen gekettet sind. Ich kann mir schon denken warum die da stehen. Stromausfall ist hier Gang und gebe. Und der dauert dann schon mal ein paar Stunden. Wir fahren wieder zurück Richtung Lager, aber daran vorbei und gute hundert Meter weiter befindet sich einer der Läden, wo man sehr häufig Soldaten findet.

    Wir fahren rauf und werden gleich von einem Kosovoalbaner aufgefordert, uns doch zu den Waschplätzen zu begeben, besser gesagt dorthin zu fahren um unser Wagen waschen zu lassen. Gleich vorweg, ja das ist unsere Waschanlage. Nicht nur für uns, für alle, aber die Bundeswehr nutz sie auch und zwar mit allem was sie hat. Vom Wolf bis hoch zum Schwerlasttransporter und Panzer. Und das ist auch wieder eine Sache für sich. Erst Mal wird das Auto mit einem Kärcher abgespritzt, dann kommt einer mit einem Besen und Seifenwasser, schäumt das Auto ein, dann wieder der Kärcher und das war es schon. Fertig. Auto sauber. Viel kann man nicht erwarten, aber das reicht auch. Gibt auch ein Luxuspaket, sprich ich kann den Innenraum auch sauber machen lassen, was eigentlich nichts weiter ist, als das mit einem feuchten Lappen die Armaturen abgewischt werden und mit ein wenig Wasser der Fußraum ausgespült wird, dann ist auch das fertig. Aber am innovativsten ist die Motorenwäsche. Motorhaube auf und (wer hätt es Gedacht) Kärcher reinhalten, Motorhaube zu und das war es.

    Die Betreiber haben anschneiden einen Vertrag mit der Bundeswehr, denn alles was sie dafür haben wollen sind das Kennzeichen des Fahrzeugs, eine Unterschrift und was man hat machen lassen. Aber diesmal fährt der Fahrer daran vorbei und parkt vor dem Laden und wir können uns kurz umsehen. Ach ja, der Laden heißt Big Brother und ja, das Schild sieht genauso aus wie der Schriftzug der Realityshow bei uns im Fernsehen. Ein Lachen konnte ich mir natürlich nicht verkneifen.

    In dem Laden dann mal rein. Noch nicht mal den Fuß in der Tür, werden wir auch schon begrüßt und uns wird sofort etwas zu trinken angeboten. Tee, Kaffee, Cola, Red Bull und was weiß ich nicht sonst noch so alles. Cola, ist warm genug draußen, da muss ich nicht noch hier was warmes trinken. Wenn man reinkommt findet man rechts CDs, DVDs und sonst alles, was man in einen DVD Player oder PC schmeißen konnte. Und ja, auch da gibt’s eine Pornoecke. Zuerst sehe ich mich da um. Ein wirkliches System erkenne ich hier nicht so wirklich, es scheint fast so als wäre einfach alles in die Regale gestopft worden. Aber die aktuellsten Kinofilme find ich hier dann doch. Einige laufen erst seit ein paar Tagen in den deutschen Kinos. Irgendwie hab ich aber auch nichts anderes erwartet. Ach ja, das hier nichts, aber auch gar nichts Original ist, dürfte klar sein. Min Weg führt mich bei den gang durch die Regale auch auf die linke Seite des Geschäftes, dort wo es Klamotten gibt. Kaum dass ich den Bereich betrete heftete sich eine Verkäuferin an meinen Versen und bleibt da auch. Zugegebenermaßen, sie sieht gut aus. Verdammt, sehr gut… wirklich gut. Aber na ja, lassen wir das mal. Aber ein wenig aufdringlich ist das schon.

    Das ist auch wieder einer der Unterschiede zum Deutschland. Bei uns kommt irgendwann der Verkäufer und fragt, ob er helfen könne und wenn er nein gesagt bekommt, dann macht er sich wieder aus dem Staub. Und wenn man dann in Deutschland mal doch einen braucht, sind sie nie da. Hier ist das dann doch was anderes, die weichen nicht von deiner Seite und sobald du was aus dem Regal nimmst, hockt dir diese Schönheit auch schon aufm Arm.
    Die wollen was verkaufen und die wissen, wer hier das Geld reinbringt.
    Na ja, da halten wir uns auch nicht mehr lange auf. Als wir wieder im Wagen sitzen, geht’s dann auch zurück ins Lager. Wir waren lange genug Unterwegs und den einen oder anderen Eindruck muss man erst mal verarbeiten. Viel ist neu gewesen und einiges war auch ganz wichtig.

    Reinfahren und Waffe entladen, aber halt, nicht so schnell. Erst mal dem Bauern mit seiner Mistgabel (also dem Georgier mit der AK) die ID-Card zeigen, bevor der uns durchwinkt und wir an der Entladekiste dann endlich die Waffen entladen können. Na sie waren nicht richtig geladen, nur teilgeladen. Sprich das Magazin rein und fertig. Richtig geladen ist eine Waffe erst, wenn die Patrone im Lauf steckt. Aber auch das wird für mich bald Alltag werden, da ich es am Tag mindestens dreimal, wenn nicht noch öfters machen muss.
    Wieder zurück im Lager, Auto wieder ausladen, Waffe und Munition abgeben denn die waren nur für den kurzen Ausflug gedacht.

    So, was mache ich nun? Zum schlafen ist es zu warm, und müde bin ich sowieso nicht, da ist das dann sinnlos sich hinzulegen. Vor allem da das Zelt eh total aufgeheizt ist. Dafür wird’s in der Nacht wieder sehr kalt werden. Die Tage sind zwar noch richtig warm, aber die Nächte dafür umso kälter. Lustig sind die WLE’s, oder auch ausgeschrieben Warm-Luft-Erzeuger. Wie der Name schon sagt, erzeugt der warme Luft und bläst die ins Zelt. Sind gar nicht mal so schlecht. Unser ist übrigens kaputt.
    In den nächsten Tagen fahre ich dann schon immer mit, Post, Wäsche und auch das Essen rausbringen. Nicht immer, aber wenn es sich ergibt. Und nun merke ich auch so langsam, was ich hier eigentlich noch machen kann. Denn draußen gibt’s was, was ich sonst nicht zu kaufen bekomme. Alkohol!

    Ach wie geil ist das denn, da stehe ich in so einem größeren Einkaufszentrum und was finde ich, eine drei Liter Flasche Smirnoff Wodka für fünfundzwanzig Euro. Ja Leck mich doch am Arsch, zu Hause kostet eine null Komma sieben Flasche mich ja schon zwölf Euro!! DIE MUSS MIT! So fünf Tage rum und ich hab Wodka für die nächsten zwei Monate. Was dabei aber viel wichtiger ist, außer mir hat keiner so oft die Möglichkeit außerhalb einzulaufen und auch die ersten Beziehungen zu der Küche und den Sanitätern wird aufgebaut. Jaaaaaaaaaaaa JACKPOT!!! Ich mach das was ich hier am besten kann, ich werde zum Dealer!! Ach, man merkt doch, dass ich lange genug beim Versorger gehockt hab. Alles meins! Lieber haben als brauchen.

    So nach einer Woche bekomme ich dann endlich das Auto übergeben. Eine T4 Pritsche ist es. Na besser als so ein klappriger T2, die hier auch noch rumfahren oder gar was noch schlimmeres. Aber auch das Auto wird mir noch ein paar richtige Probleme bereiten, aber dazu später mehr.
    Bristol und Waffen bekomme ich nun auch fest zugeteilt. Eine MP7, ein wirklich feines Gerät ist das. Mit einem so kleinen Kaliber das die Patronen wirklich nix wiegen und dementsprechend leicht ist auch das Ganze. Von Gesicht spürt man kaum was, es ist fast so wie eine Pistole.
    Nun also habe ich meine Waffe, hab meine Weste, hab mein Arbeitsgerät, kenne meine Aufgaben, kotze schon jetzt wenn ich die beiden StUffze sehe die zusammen im Geschäftszimmer sitzen und hab die ersten Kontakte geknüpft die mir hier noch die ein oder andere Annehmlichkeit bescheren werden.

    Die beiden StUffze, einer davon ist aus meiner Kompanie, zu Hause. Der andere ist noch von den Vorgängern aber der hat verlängert und ist von unseren Vorgängern. Und ich mag beide nicht. Na es muss ja auch Arschlöcher geben. Ach da gibt’s noch n dritten StUffz in der Kompanieführung, den ich auch nicht leiden kann. Gut ist das ich lange nicht der einzige bin, der mit denen so seine Probleme hat. Na egal, wenn es mir zu blöd wird, setzte ich mich in mein Auto und fahr im Kreis! Und das mit AUTORADIO!!!


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  3. #3
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Wo kommt denn nun die Pape hin und was gibt’s zum Mittag?

    Ich bin nun schon achtzehn Tage in so einem Zelt, man ist das scheiße hier. Und ich bin natürlich der, der am längsten in so einem Zelt pennen darf. Zweieinhalb Wochen, das macht Laune. Aber da ich mein Auto hab, nehme ich es auch immer mit und fahre nur noch den Berg hoch und runter. Übrigens ist hier sogar alles Einbahnstraße, heißt ich darf jeden Tag mehrere Runden fahren. Aber lieber das als hier ständig hoch und runter zu laufen, das mache ich sowieso schon genug. Aber ich darf umziehen!! Ich hab schon zuvor mit den Leuten geredet, auf dessen Zimmer ich kommen, alleine schon wegen der Übergabe. Das läuft nämlich so. Irgendwann wurde das alle mal gekauft, von irgendwem. Und immer zur Übergabezeit, also Kontingentwechseln, kaufen die Nachfolger den Vorgängern alles ab. Unterm Strich kommt man so auf plus minus null raus. Denn auch sie haben den Vorgänger Geld gegeben. Und der ein oder andere kauft auch mal etwas dazu oder wechselt was aus. Jetzt weiß ich auch wieder, warum ich zweihundert Euro mitgenommen habe, denn ich drücke schon für die Unterkunft sechzig Euro ab. Wir sind zu dritt dort drauf, genauso wie unsere Vorgänger. Also berappen wir zusammen hundertachtzig Euro dafür. Das ist noch ganz gut, es gibt andere die bis zu dreihundert Euro oder noch mehr bezahlen, aber die haben dann auch schon so einiges, was wirklich an Luxus grenzt. Nun gut, heute darf ich aber endlich umziehen.

    Ich bekomm ein Zimmer in einem der Blöcke, die hier stehen und ich bin darüber ganz zufrieden. Denn sie haben einen Vorteil, Badezimmer die vernünftig sind! Zwar sind es immer noch Gemeinschaftsduschen, aber zumindest sind die Toiletten getrennt davon, nicht wie in den Containern. Nicht raus in die Eiseskälte, um zu so einem Container zu laufen, sich zu duschen und so weiter. Man, ich bin aber auch verwöhnt, das ich nicht mal die fünfzehn Meter aushalten würde. Und diese Häuser sind beheizt, das ist auch ganz gut so. Allerdings, die Häuser sind alle aus Holz gebaut, das Gerippe ist natürlich aus Stahl, aber viel erwarten kann man nicht. Nachteil ist, sie sind so hellhörig wie nur irgend möglich. Man konnte alles hören. Zusätzlich kam dazu, das Holz die Angewohnheit hatte, zu knarren und das war nicht wirklich leise. Jeden Schritt hörte man hier, egal wo im Haus und selbst normale Bewegungen waren für die Nachbarn nicht angenehm. Aber auch das minderte für mich keinesfalls den Vorteil, dass ich nicht in die Kälte muss, am frühen Morgen. Also Sachen gepackt, nochmal schauen das ich nichts vergessen hab, rauf aufs Auto damit und runter zu den Blöcken, alles rein geschleppt und nun wird sich erst mal häuslich eingerichtet. Klamotten eingeräumt, Taschen verstaut und mal gleich das beste Bett gekrallt! Wie gut das die anderen noch nicht da sind. Ja man mag’s kaum glauben, es sind immer noch nicht alle da von uns. Die ersten zwei Tage weder ich hier sogar alleine sein. Wie geil ist das denn? PPPAAARRRTTTYYYYYYYYYYYY
    DVDs und CDs haben wir ja hier genug. Aber hab im Moment wenig Zeit dafür, denn ein wenig was tun muss ich auch noch.

    Irgendwie haben es nämlich die Versorger geschafft, alles Mögliche auf mich abzuwälzen. Aber nicht so schlimm, das mache ich ja in zu Hause auch, also nichts Neues. Der Tag heute besteht daraus, Gepäck durch die Gegend zu fahren, die Blöcke mit Wasser aufzufüllen (das heißt ich stelle in unsere Unterkünfte Unmengen von Wasserfalschen hin, halbe Liter immer, immer zwölf Flaschen in einem Paket) und mich darum zu kümmern das irgendwelche Leute irgendwelche Meldungen und Berichte bekommen. Irgendwie bin ich Mädchen für alles.
    In der Küche hab ich mir eine ganze Europalette auf mein Auto schmeißen lassen und das scheint das zulässige Gesamtgewicht doch stark zu übertreffen. Na ja, ich hab kein Bock alles einzeln aufzuladen und wieder abzuladen. Also mach ich es mir einfacher und lass mir gleich so ein Ding aufs Auto schieben. Hoffentlich halten mich nicht die bewaffneten Schülerlosten an. Denn natürlich gilt für mich deutsches Recht und auch die damit verbundenen Strafen. Nicht mal hier ist man davon sicher. Man ist das ätzend.

    Ja es ist schon lustig, ich bin hier im Auslandseinsatz, zur Sicherung des Friedens und sowas alles, aber um das zu können brauch ich einen Team aus Top Anwälten, die erst überprüfen müssen, ob ich mir nun meine Schuhe zubinden darf. Ach und ohne schriftlichen Antrag darf ich das sowieso nicht. Könnte eine mehrjährige Haftstrafe nach sich ziehen.

    Nun gut, mit dem Tross aus meinen imaginären Anwälten ziehe ich dann mal los, dafür aber mit einem sehr real überladenen Wagen. Vielleicht sollte ich aufpassen wo ich langfahre, sonst kippt mir mein Wagen hinten über. Und nur auf der Hinterachse Auto fahren, ist nicht so gut, hab ich mir sagen lassen. Nun gut, aber es geht Problemlos und ich kann das ganze Wasser verteilen. So, wäre das schon mal geschafft. Von meinem Spieß, der inzwischen auch schon im Land ist, hab ich so ein kleines Funkgerät bekommen. Eigentlich ist es so eine Mischung aus Handy und Funk und das Piepen geht mir schon jetzt auf die Nerven. Und das Ding hat auch noch eine ganz trügerische Taste. So einen kleinen roten Knopf und der hat folgende Funktion: Drückt man da drauf, gehen im Lager sämtliche Alarmglocken los. Zumindest werden gewisse Leute wach gemacht und wenn sich sowas als Fehlalarm rausstellt, sind die ganz und gar nicht erfreut da drüber. Sie wissen wer Alarm macht und sie wissen wo es los geht. Könnte also bei einem ‚versehen‘ ein böses Erwachen geben. Also nicht im Suff das Ding mit dem Handy verwechseln, könnte Probleme geben. Ach ja, hat aber natürlich auch gleich einer am dritten Tag geschafft. Ich erzähl besser nicht was da los war, oder mach ich‘s doch? Ach scheiß drauf, ich mach’s, ist immerhin nicht mein Elend gewesen.

    Es ist schon ein paar Tage nun her, ich hab das damals auch nur am Rande mitbekommen aber irgendwer hatte es doch tatsächlich geschafft, diesen Knopf zu drücken. Dumm nur das er die Rückrufe nicht bemerkt hatte und so ist dann mal eben ein ganzer Zug losgedonnert, Aufklärungsdrohnen gestartet und haben sich auf den Weg gemacht, zu gucken was da los war. Scheiße ist, wenn dann bei einer stink normalen Patrouille schwerbewaffnete Kräfte auftauchen und es erst mal drunter und drüber geht. Ach ja, das war lustig. Warum der General so sauer ar konnte ich gar nicht verstehen, immerhin ist doch keinem was passiert? Gut, es wurden die Straßen dicht gemacht und im halben Lager war Alarm, alle Kommunikationsmittel, außer die militärischen sind abgeschaltet worden, wie nun mal üblich aber hey, ist das denn soooooo schlimm? Also ich fand’s lustig, System funktioniert doch.

    Wie auch immer, besagtest Teil piept mal wieder du ich muss weiter, irgendwelche Papier zu irgendwem bringen. Als erstes wären da Unterlagen die in den Stab müssten. Gut, kann ich verstehen, der Weg ist weit und der Spieß hat n Menge zu tun. Grad redet er mit der Putze und trink Kaffee und ich schleppe nun diese Meldung die fünfzehn Meter zum Stab, geb die da ab und komme mit drei Fragen aus dem Stab zurück, erfrage das und überbringe die Antworten. Ja muss schon sagen, ein schweres Los was der Spieß hat. Immerhin betreibt er hochwichtige Gesprächsaufklärung mit der Putzfrau, die gar nicht mal so schlecht aussieht. Und wenn ich mir so deren Vorbau ansehe, weiß ich auch, welche Durchschlagenden Argumente für das Gespräch vorhanden waren. Irgendwas mache ich da doch falsch. Das Stabsgebäude besteht auch aus verbauten Containern, wie es überall der Fall ist. Aber hier rein treibt es mich hoffentlich nicht nochmal so schnell. Zu viele Offiziere und einer ist wichtiger als der andere. Zumindest glauben sie das auch noch.

    Aber auch noch Unterlagen für den Technischen Betriebsdienst habe ich, kurz TBD. Das sind diejenigen, die das Lager auf Laufen halten. Ach und es sind alles Zivilisten in Uniform. Keiner von denen ist wirklich aktiver Soldat und das merkt man auch, sie scheren sich wenige um militärische Gepflogenheiten und das ist doch super. Reinkommen, denen erklären was Sache ist und die ihre Arbeit machen lassen. Wenn’s das nur zu Hause geben würde, ein Handwerker der mich nichts kostet. Aber dafür machen die auch nicht jede Kleinigkeit, wie ich merke. Einiges wird provisorisch Repariert, anderen gar nicht erst begonnen. Wozu auch, solange es hält, hält es eben und hier geht’s eben nach Priorität, nicht nachdem, wer die meiste Kohle hat. Aber ich wäre ja nicht ich, wenn ich nicht wüsste, wie ich da doch was drehen kann. Na dann mal in Erfahrung bringen, was die Leute hier haben wollen.

    Kippen gehen sowieso immer. Und mit Hustensaft und ähnliche Sachen lässt sich auch was machen, aber da rankommen ist nicht so einfach. Was ja nicht heißt das ich das nicht auch irgendwie hinbekommen könnte. Aber nun gut, für diesmal wollen sie noch nichts, außerdem kommt es blöd wenn ich gleich mit der Tür ins Haus falle. Aber mit ein paar lieben Worten reichst diesmal auch.

    Im Grunde laufen die ersten Wochen ganz ruhig ab. Ich mache meine Arbeit und beginne nach und nach den Leuten so den ein oder anderen Gefallen zu tun, schließlich brauch ich die noch mal irgendwann, damit sie mir einen Gefallen tun. Eine Hand wäscht die andere und das gilt hier im Einsatz nur umso mehr, als sonst wo.

    Sowieso gilt hier so manches, was wir in Deutschland für alltäglich, ja für ein Muss ansehen, nicht. Bestes Beispiel ist die Versorgung mit Strom. Das Lager ist an das kosovarische Stromnetz angeschlossen und das nicht fällt gerne mal aus. Aber dafür haben wir Notstromaggregate. Zwei große Panzermotoren, die dann für Strom sorgen. Auch Wasserversorgung ist so ein Ding. Hier verstopfen gerne mal die Abflussleitungen, wenn man aufm Pott zu viel Papier genommen hat. Kein Witz. Die Leute die das beheben müssen tunen mir sogar leid, ich bin nur froh, dass ich das nicht machen muss. Zum Glück sind wir nicht auf das Wassersystem der Stadt angewiesen sondern haben unsere eigene Wasserversorgung mit samt Brunnen und so weiter. Glaub wenn wir davon auch noch abhängige wären, na Prost Mahlzeit, das kann ja was werden. Aber, wir sind’s ja nicht, also los, auf zum verschwenden vom Wasser! Eine meiner leichtesten Übungen. Ich wird einfach alle duschen aufdrehen und mal gucken wann es einem auffällt. Kost ja nix, oder wie war das? Gleiche ist die Müllsache hier. Es gibt vor jedem Block Mülltonnen, die auch von den Lokals geleert werden. Es wird penibel darauf geachtet, dass der Müll getrennt wird, wie auch in Deutschland. Nur weil wir ja nun hier sind, heißt das ja nicht, das wir darauf verzichten können, oh nein, das geht ja nicht. Also haben wir zirka fünfundachtzig Mülltonnen vor der Tür stehen. Für Plastik, Papier, Glas, Dosen, Elektroschrott, Gartenabfälle, Biotonne und was weiß ich nicht sonst so. Die Tonne für geistigen Müll der hier oft auch bei rauskommt suche ich noch, muss aber unter den Geschätzten siebzehn Millionen Mülltonnen im gesamten Lage irgendwo sein, eigentlich ist es die größte, soweit ich weiß. Nun gut, regelmäßig werden die Tonnen geleert, sprich da kommt der Albaner mit seinem komischen … ja ich weiß gar nicht wie ich diese Fahrbaren Dinger nennen soll, und nimmt die blauen Säcke aus der Tonne und macht neue rein, das Spielchen geht so lange, bis er sein Vehikel voll hat und bringt es dann zur Müll stelle. Im Grunde macht der glaub ich nichts anderes, solange er hier im Lager ist.

    So nun ist der ordentlich getrennt Müll in dieser Sammelstelle und wartet nur noch darauf abgeholt zu werden. Irgendwann kommt dann auch ein Müllauto der Kosovaren und fährt zu dieser Sammelstelle, macht seien Luken auf und ein Beutel nach dem anderen landet da hinten drin. Alles schön durcheinander… Öhm, wozu bitte hab ich getrennt?!

    Da kommt der Müllwagen an, schmeißt alles schön hübsch in eine Luke und kippt das wahrscheinlich 500 Meter vor dem Lager an den Straßenrand und ich trenn hier mühselig den Müll? Das mache ich nicht mal zu Hause! Aber der Hammer ist, sie machen es genau aus dem Grund. Weil wir es in Deutschland machen, machen wir es auch hier. Einfach weil der Deutsche das ja so gewöhnt ist. Es ist in der Tat sinnlos, den Müll zu trennen in dem Land hier, aber wir, WIR Deutschen, wir machen es dennoch und retten somit die ganze Region vor der totalen Verwahrlosung. Gerechtfertigt wird das mit der Aussage, dass wir es denen ja zeigen können, welche Vorteile das hat…
    Ja ne, ist klar.

    Der Kosovoalbaner interessiert sich ja auch dafür, ist ja nicht so, dass es ihm schlichtweg am Arsch vorbei geht und es ist ja auch nicht so, dass sie es nicht mal sehen was wir hier machen, scheint auch keinen zu Interessieren. Zählt solch geistiger Dünnpfiff eigentlich als Sondermüll? Biologischer Abfall, hochgradig Ansteckend oder so.

    So, wo bin ich? Stimmt, Mülltrennung und wohin mit dem geisteigen Abfall so manch einiger hier in diesem Lager, aber nun auch egal. Wie schon gesagt, die ersten Wochen hier sind noch geprägt von der ein oder anderen neuen Entdeckung und der Routine. Denn die hat sich sehr schnell eingestellt, was auch kein Wunder ist, wenn man jeden Tag immer dieselben Handgriffe macht und das mehrmals. Mittags zum Beispiel. Sicher ist das ich immer raus fahre um das Mittagessen ins Casino zu bringen. Casino, so nennen wir den kleinen Posten in der Stadt. Er entstand nach den Unruhen zweitausendundvier. Zumindest glaub ich das, bin mir grad nicht sicher, aber das ist nun auch egal. Er ist Jedenfalls da. In der Küche stehen schon die Thermen bereit, keine Ahnung wie viele es sind, das Variiert natürlich immer, abhängig von der Verpflegung die es so gibt. Jedenfalls fahre ich an die Küche ran, lade das Essen auf und alles was dazugehört und dann geht’s raus aus dem Lager. Der Weg ist nicht wirklich weit, ich hab schon am ersten Tag den Kilometerzähler genullt um mal zu wissen wie viel Wegstrecke das ist. Hin und zurück knappe zweieinhalb Kilometer nur. Aber ich darf nicht alleine rausfahren. Nicht weil ich zu blöd bin den Weg zu finden oder weil man glaubt das ich eine Aufpasser benötige, damit ich meine Aufgabe auch wirklich erfülle, sondern weil das so Vorschrift ist. Jede Fahrt geht nur mit Bristol, Helm und Teilgeladener Waffe raus. Ohne geht nix. Zuvor jedoch fahre ich von der Küche zu unserem Arbeitsbereich denn dort ist auch unser Gefechtsstand. Und das ist hier so das wichtigste. Vollgestopft mit Technik ist dieser gesicherte Container (die Waffenkammer ist auch so ein Container, Türen die 40 Zentimeter dick sind) das wichtigste was wir haben und zudem auch der einzige der Tag und Nacht besetzt ist. Ich hab da mal wieder richtiges Glück. Da eine Schicht immer vierundzwanzig Stunden geht, bin ich zusammen mit dem Fahrer vom Chef der einzige, der nie diesen Dienst machen muss. Manchmal haben diese Lenk- und Ruhezeiten doch was Schönes an sich. Einige deutsche Gesetzte sind gar nicht mal so schlecht. Dadurch, dass ich jeden Tag arbeite und somit ich wirklich nur Nachts hab, um meine Ruhezeiten einzuhalten, darf ich da natürlich auch keinen Dienst machen. Da es Schwachsinnig wäre, mich nur in den Zwischenzeiten dort rein zu setzen, bin ich gleich ganz außen vor. Hehe, ich bin was Besseres und ihr seid alles LOOOOOOOSER!!!

    Ach ja, währende sich die anderen mit Funk, Telefon diesem Handy-Funk Mix auseinander setzten müssen, Verbindung zu allen Patrouillen, dem Stab und was es nicht sonst noch so alles gibt halten, komme ich da nur hin um Bescheid zu geben das ich nun gleich das Lager verlasse.

    In diesem Gefechtsstand hängt nämlich ein großes Brett an dem mit kleinen Kärtchen jedes Fahrzeug und jede Person aufgeführt ist. Farblich voneinander getrennt. Ich nehme mir die Karte für mein Auto, meine und die des Beifahrers und hänge die dorthin, wo dann alle sehen können, dass ich draußen bin. Ist das erledigt kann ich dann endlich das Lager verlassen. Mit Beifahrer, bewaffnet und beladen geht’s dann zur Ausfahrt. Dem Georgier in DEUTSCHER UNIFORM irgendwie verständlich machen, das alles okay ist, ich mach’s mit dem O.K. Daumen, glaube das verstehen die ganz gut, und ich darf das Lager verlassen. So, hab ich das dann geschafft, darf ich mich nochmal beim Gefechtsstand abmelden, diesmal ist es jedoch per Funk. Ja sowas hab ich auch aufm Auto. Zwar nicht fest installiert, aber es ist eins da. Also wird sich nochmal per Funk abgemeldet. Hab ich den Funkspruch abgesetzt, bin ich eigentlich auch schon fast da. Ich fahre wieder in den Kreisverkehr, die erste rechst lass ich gleich links liegen und die zweite gerade aus, dann noch eine scharfe Rechtskurve, dann wieder eine Linkskurve und dann kann ich auch schon in das Casino einfahren.

    Dort alles ausladen und die alten Sachen wieder mitnehmen.
    Oft nehm ich von den Soldaten auch schon so Bestellungen auf, wenn sie was anderes haben wollen. Immerhin komme ich mehr oder weniger an alles ran.
    Wenn das erledigt ist und ich alles von Frühstück aufgeladen hab, fahr ich wieder zurück ins Lager, wieder zur Küche und geb das ganze alte Zeugs ab. Ich hab ja immer auch dafür Unterschreiben und die wollen das alles wiederhaben. So ist das halt. Und wenn das alles erledigt ist, Auto an der Seite parken und dann geh ich selber zum essen.

    Wenn man in die Küche, besser gesagt Kantine reingeht, muss man sich als erstes die Hände waschen. Im Grunde auch wie zu Hause, wo einen die Mutter auch immer Händewaschen schickt vor dem Essen. Im Lager selbst gibt es übrigens zwei Kantinen. Ein festen Gebäude, was zudem noch neu ist und diese Zeltküche hier. In der neuen Kantine essen der Stab, die Verwaltung Fernmelder usw. Auch der General isst hier. Im Grunde ist zu jeder Mahlzeit da drin Krieg der Sterne und das nicht zu knapp. Ich bin froh, dass ich da nicht drin sitzen muss, denn leider ist es ganz schön Laut. In unserer Kantine sitzen dafür das Einsatzbataillon, zudem ich ja auch gehöre, Feuerwehr und die ganzen Ausländischen Streitkräfte wie die Bulgaren, Georgier und so weiter. Nun gut drinnen geht es zuerst an die Ausgabe wo es das warme essen gibt. Das ist auch das einzige was Ausgegeben wird, der Rest ist Selbstbedienung. Obst, Getränke und Nachtisch kann man sich selber nehmen, aber auch nicht zu viel. Selbst da ist noch einiges Limitiert. Zum Beispiel ist Saft in Tetrapacks heiß begehrt, das glaubt man gar nicht, aber davon ist für jeden nur einer da, wenn es die denn mal gibt. Was heißt das für mich? Richtig, wieder was gefunden was ich haben muss zum dealen. Außerdem lässt sich in der Küche eh am meisten holen. Die haben auch diese Minisalami, kurz BiFi, wenn auch die billige Variante. Und auch die gibt’s nicht für jeden. Mal überlegen wie ich da rankomme. Ich könnte ja hier nachts einsteigen, aber die Container sind eh abgeschlossen. Wohl doch nicht so die optimale Lösung und wenn mich hier nachts die Georgier erwischen, gibt’s dann hab ich sowieso ein Problem. Und wer will das schon haben. So jedenfalls läuft es jeden Tag, morgens, mittags und abends… gibt noch andere Tageszeiten? Na dann will ich mal…


    Master of Disaster


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