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  1. #16
    Siedler Avatar von coel
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    Jeder Zauberkundige wusste, dass die Art wie Aine den Riss öffnete, plump war. Gewandte Magier konnten eine Teleportation bewerkstelligen, ohne dabei gewaltsam ein Portal zwischen den Welten zu erschaffen. Wenn ihre Lehrmeisterin sich teleportierte, war es wie ein Schnitt mit dem Skalpell. Hingegen benahm sie sich wie der unerfahrene Metzger mit einer Säge.
    Doch es reichte. Es musste ausreichen.
    Die Orks hatten sie gefunden und den Kampf zu ihnen getragen. Die Soldaten, die sie auf dem Weg hierher gefunden haben, klammerten sich verzweifelt daran zu überleben. Die Elfin schoss ihren letzten Pfeil in das Auge eines Orks ab, der gerade eine am Boden liegende weibliche Soldatin erschlagen wollte. Dankbar nickte sie der Elfin zu, richtete sich auf und stellte sich dem nächsten Gegner.
    Wo es anfangs nur ein paar vereinzelte Orks waren, kamen nun immer mehr. Kriegshörner dröhnten grauenhaft durch den Wald und kündeten Verstärkung an. Eine muskulöse Orkfrau mit einem schartigen Zweihänder hackte mit zwei Hieben gleich zwei Männer nieder, nur um daraufhin durch den Trolljäger zu sterben. Sein Schwert hatte ihren Kopf von den Schultern getrennt und dunkelrotes Blut, das fast schon schwarz war, spritzte aus dem Halsstumpf in jede Richtung.
    Schweißperlen sammelten sich auf der Stirn von Aine, während sie langsam den Riss auseinanderklaffen ließ. Es war nun soweit, doch bevor sie die Überlebenden zur Flucht aufrufen konnte, sprang sie ein Goblin an. Seine Klinge verfehlte knapp ihre Kehle und von der Wucht seiner Attacke sowie von der Überraschung fiel Aine rückwärts auf den Erdboden. Seine gelben, spitzen Zähne grinsten sie überlegen an und die Klinge näherte sich wieder gefährlich. Eine freie Hand nutzte Aine jedoch, um einen Zauber zu bündeln. Geifer tropfte ihr ins Gesicht.
    „Stirrb, Menschenweib!“, zischte der dunkelgrüne Goblin und verstärkte den Druck auf das Messer, um den abwehrenden Arm von Aine zu schwächen.
    „Nein“, sagte Aine grimmig.
    Das Fleisch schmolz beinahe von den Knochen des Goblins, nachdem sie ihre Hand, die wie der heißeste Schmelzofen brodelte, sich in dessen hässliche narbige Grimasse presste. Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihr abrupt in die Nase. Sein Todesschrei war kurz, dann lag sein Körper ohne jegliche Regung auf ihr. Schnell stieß sie den Leichnam von sich, stand stöhnend auf und bemerkte die näherkommende Gruppe von schwarzgekleideten Goblins. Jeder Blick aus den kleinen roten Augen war teuflisch und blutgierig. Das Gewitter und der Kampflärm hatten ihr Anschleichen verschleiert und nun befanden sie sich hinter der Verteidigungslinie.
    „Schnappt sie!“, kreischte eine weibliche schrille Stimme aus der kleinwüchsigen grünen Rotte.
    Doch bevor diese ihren Befehl in die Tat umsetzen konnten, ertönte ein markerschütterndes Gebrüll. Für einen Augenblick erstarb der Kampflärm und nur das Aufschlagen der Regentropfen war zu hören. Eine massive Gestalt stampfte auf ihre Position zu. Seine Aura war fast greifbar, so eine Macht strahlte das gewaltige Monster von einem Ork aus. Seine Größe schien beinahe an die drei Meter zu sein. Abgetrennte Schädel von Menschen, alt wie auch frisch, hingen aufgespießt seinem groben Stachelschild.
    Furchterregt wichen die Grünhäute, Menschen und die Elfe zurück, als der Größte aller Bosse sich wie ein unaufhaltsamer Felsbrocken auf sie zubewegte.
    Groznok Khull richtete seine grobschlächtige doppelschneidige Axt in deren Richtung.
    „Da feigen Mänschenz!“, brüllte er heraus, „Tötet se alle!“
    Um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, erschlug er einen der umstehenden Orks mit einem kraftvollen Hieb seiner Axt und brach somit den Bann, den sein Kommen auf sie alle gelegt hatte.
    „Der Riss ist offen! RENNT!“, schrie Aine so laut sie konnte.
    Zuerst sprangen zwei Soldaten hindurch, gefolgt von dem Trolljäger, der sich einen schlaff herabhängenden rechten Arm hielt. Die Elfe zögerte, doch auch sie trat in den Riss. Wenige Augenschläge waren vergangen, als auch Aine fliehen wollte, da spürte sie einen Ruck.
    Die weibliche Goblin klammerte sich an ihr goldbeschlagenes Buch und versuchte die Kette zu lösen.
    „Du entkommst nicht, Menschenweib!“, kreischte sie bösartig.
    Aine schlug mit einer Faust nach ihr, aber anstatt sie zu treffen, bohrten sich ihre Zähne in ihre Hand. Schmerzhaft aufschreiend, fand Aine nur noch einen Weg ihrem Tod zu entrinnen.
    Sie sprang in den Riss und eine Goblin wurde mitgezogen.
    Mit einem gewaltigen Knall fiel der Riss in sich zusammen und schleuderte Orks wie auch die verbliebenen Menschen, die die Flucht ihrer Kameraden sichern wollten, beiseite.

    ...
    Die Sonne brannte heiß und unbarmherzig. Immer wieder stießen sie auf die Überreste von Reisenden, die sich nicht ausreichend vorbereitet hatten. Entweder tranken sie zu gierig ihr Wasser, verirrten sich oder fielen den anderen Gefahren der Wüste zum Opfer. Es war keine leichte Strecke für sie, denn sie schleppten auch noch Sklaven mit sich. Der Käfig mit seinem Inhalt wog schwer und verlangsamte sie enorm, weswegen sie fast doppelt so viel Proviant mitnehmen mussten, um sich nicht plötzlich gezwungen zu fühlen, dass sie sich von ihrer lebenden Ware ernähren müssen.
    Obwohl die Menschen und Elfen in ihrem verhangenen Gefängnis unter der Hitze litten, so traf es doch den Troll am Härtesten. Matsch war es nicht gewohnt derartige Strapazen auf sich zu nehmen. Nalim kannte sich zwar nicht mit Trollen aus, aber man sah es deutlich ihm an. Es verstärkte nur seine Meinung von der Dummheit dieser Kreaturen, dass es Rijok überhaupt folgte. Selbst, wenn es dafür leiden musste.
    Nalim hatte an diesem Tag die Späheraufgabe inne und ritt mit seinem Nauglir weit vor dem Sklavenzug. Sie benutzten einen der Karawanenpfade, da dieser sich durch trockene Erde sicherer als bloßer Sand erwies. Der Troll konnte zusammen mit den Nauglir den Käfig aus dem Wüstensand heben, falls dieser wieder einmal eingesunken war, aber die Zeit, die dabei verging, machte sie zu leichten Zielen. Wenn etwas Rijok hasste, dann war es ein unnötiges Risiko einzugehen, das wusste jeder von ihnen.
    Nalim gönnte sich einen Schluck aus seiner Kürbisflasche. Die Drah’Zil waren derartige Temperaturen gewohnt und brauchten auch deutlich weniger Flüssigkeit. Ihren Brüdern auf der Insel würde es allerdings etwas schwerer fallen.
    Er konnte bereits schwach in der Ferne das Dorf Salingen. Dort würden sie rasten und ihre Vorräte aufstocken, um danach weiter zum Handelszentrum von Ashan zu ziehen. Er freute sich auf die Basare mit ihren verschiedenen exquisiten und außergewöhnlichen Waren. Wenn er Glück hatte, könnte er vielleicht ein neues Langschwert erwerben.
    Nalim wurde schlagartig in seinen Gedanken unterbrochen, als sein Nauglir aufgeschreckt zurücksprang und brüllte. Er versuchte das Tier zur Vernunft zu bringen, doch da spürte es selbst. Ein unangenehmes Knistern, feine Nadeln, die sich durch seine dicken Schuppen bohrten. Mit einem lärmenden Knall fielen nicht unweit von ihm mehrere Gestalten auf den staubigen Boden. Nalim traute seinen Augen nicht.
    Nachdem er seinen Nauglir beruhigt hatte, näherte er sich vorsichtig diesem Phänomen.
    ...

    Alles schmerzte. Es war heiß und sie spürte wie Sand in ihren Mund drang, als sie diesen leicht öffnete. Der Nebel vor Aine’s Augen lichtete sich nach und nach.
    Sie vernahm ein Schnauben. Sie drehte ihren Kopf in die Richtung dieses Geräusches, um kurz darauf, erschrocken in das schuppige Gesicht einer schweren Echse zu blicken. Auf dieser ritt ebenfalls eine weitere Echse, die jedoch im Vergleich zu ihrem Reittier weitaus intelligenter wirkte. Allerdings beäugte sie diese humanoide Echse auf eine Art, wie es sonst nur Kaufmänner bei Waren taten.
    Aine schützte ihre Augen vor den Sonnenstrahlen und wollte etwas sagen, da unterbrach sie bereits die Echse, deren gelbe Schuppen vereinzelt weiße Stellen hatten.
    „Du hast dich umsonst geärgert, mein verehrter Rijok. Anscheinend werden wir doch mit reicher Ware zurückkehren.“


  2. #17
    Landstreicher Avatar von Aeon525
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    Der stechende Geruch nach Schweiß und Fäkalien, der sich Rijok entgegenwarf, als er die Plane zurückschlug, lies selbst die Nauglir angewidert aufschnauben. Mit dem ohnehin stark ausgeprägten Geruchssinn der Drah'Zil war der Gestank für den weißgeschuppten Sklavenhändler kaum zu ertragen. Mit einem genervten Knurren bemerkte er, dass der Notdurfteimer dringend geleert werden musste. Eigentlich war es Aufgabe des Eigentums den Käfig in einem ordentlichen Zustand zu halten, doch die heißen Temperaturen hatten sie noch behäbiger gemacht als ohnehin schon. Scheinbar fühlte sich nun keiner von ihnen mehr zuständig. Rijok stieß einen verärgerten Zischlaut aus. "Du!" er deutete auf das blonde Menschenweibchen, das als einzige von den Neuankömmlingen bereits wach war. "Du hast Latrinendienst! Wenn wir unterwegs sind und der Eimer voll ist, kippst du ihn nach hinten aus. Nicht nach vorne und nicht zur Seite. Nach hinten! Verstanden?" Er wartete eine Antwort gar nicht erst ab. "Wenn du dafür zu dumm bist, werde ich die Söldner fragen, ob sie womöglich einen Nutzen für dich haben." Damit zischte er ein letztes mal bedrohlich und lies die Plane wieder über die Stahlstreben fallen.

    Er war angespannt. Eigentlich sollte er sich über den unverhofften Fund freuen, und das tat er auch. Allerdings konfrontierte ihn die neue Ware auch mit Problemen. Der Mann war ein Geschenk des Schicksals. Er war deutlich kräftiger als die Fünf, die er bisher hatte und würde mit Leichtigkeit für das Doppelte seiner männlichen Konkurrenz über die Ladentheke gehen. Die Weibchen hingegen waren ein Problem. Die Nachfrage nach menschlichen Weibchen war in Ashan äußerst überschaubar und die größeren Märkte der Fürstentümer würde er erst wieder in einigen Wochen besuchen. Das bedeutete er würde, statt drei, nun fünf Weibchen durchfüttern müssen, fünfeinhalb mit dem Goblin. Rijok konnte nicht anders als pausenlos im Kopf nachzurechnen, ob sich die Investition für ihn tatsächlich lohnte. Sicher, er beklagte sich nicht über geschenktes Gut und die Frauen, mal von dem Goblin-Weibchen abgesehen, waren eindeutig hochwertige Ware und in der oberen Preisklasse anzusiedeln. Als Pehtia sie entkleidet hatte, war das für die Söldner ein absolutes Spektakel gewesen. Gejohlt und gepfiffen hatten sie. Rijok konnte ihre Aufregung beim besten Willen nicht nachvollziehen aber sie zeigte ihm deutlich, in welche Preiskategorie er die Weibchen einzuordnen hatte.

    Die blonde Menschin hatte sich selbst entkleidet, allerdings nicht ohne vorher so lange zu zetern bis sie die Aufmerksamkeit der Nauglir auf sich gezogen hatte. Deren interessierte Blicke hatten sie sehr schnell sehr kleinlaut werden lassen. Nun trug auch sie die gleiche dunkelbraune Kutte wie die andere Ware, selbst das Goblinweibchen. Ihre Kutte war eigentlich für Kinder gedacht und etwas zu lang aber laufen musste sie im Moment ohnehin nicht.

    Nachdem Rijok nun nach seinem neuen Eigentum gesehn hatte, stieg er wieder auf seine Reitechse und gesellte sich zu Arash und Pehtia, deren Nauglir im Moment den Wagen zogen. Nalim war voraus geritten um in Solingen schon einmal Abendessen und neues Proviant zu bestellen. Das plötzliche Auftauchen der seltsam zusammengewürfelten Gruppe hatte sie beinahe eine ganze Stunde gekostet. Eigentlich hatte Rijok Solingen vor Beginn der Dämmerung erreichen wollen. Nun begann es bereits zu dunkeln und die Silhouette des Dorfs war noch in weiter Ferne.

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    Sie erreichten die kleine, nur mit einem Palisadenwall geschützte, Siedlung kurz vor Mitternacht. Zu ihrem Glück war der Mond in dieser Nacht voll und tauchte die Wüste in silbernes Licht. Nalim wartete bereits mit vollen Proviantkisten und einem halben Dutzend Fleischspießen auf sie. Obwohl ihnen allen der Magen knurrte, befahl Rijok vor dem Essen die Zelte aufzubauen. Da der Sklavenhändler und seine Begleiter unter Bleichhaut litten, durften sie das Dorf nicht betreten und mussten ihr Quartier jenseits der provisorischen Mauer errichten. Nachdem auch das letzte der Zelte aufgebaut war, wurden die Lagerfeuer entzündet und Echsen und Söldner saßen jeweils unter ihresgleichen zusammen, lachten tranken und aßen.

    "Die Ware muss noch gefüttert werden." erinnerte Pehtia. Rijok und Arash lagen auf dem Rücken und starrten mit leicht entrücktem Blick in den sternenklaren Nachthimmel. Arash gluckste nur vergnügt, während seine spitz zulaufende Zunge mit einem der Nama-Blätter in seinem Mund spielte. "Kannst du nicht gehen?" fragte Rijok ungewohnt zaghaft. Die betörenden Blätter ließen ihn regelrecht handzahm werden, eine Tatsache, die seinen Begleitern nicht entgangen war. "Ich hab vorhin schon die Nauglir versorgt." antwortete die Magierin ruhig aber bestimmt. "Was ist denn mit Nalim?" "Der hat sich hingelegt, weil er später Wache hat." Rijok zischte verärgert, überlegte einen Moment und entschloss sich dann doch dafür aufzustehen. Wüst fluchend rappelte er sich auf und strich den Sand von seinen schneeweißen Schuppen. Einen würdevollen Eindruck machte er dabei nicht, aber immerhin stand er nun auf seinen Beinen. In einer weit ausholenden, regelrecht theatralischen, Bewegung griff er sich den Sack mit den Rationen, die vor allem aus Wasserflaschen, Brot und etwas gepökeltem Fleisch bestanden, und wuchtete ihn über seine Schulter. Dabei machte er einen so jämmerlichen Eindruck, dass Pehtia beschloss ihren Anführer zu begleiten, damit er nicht noch aus Versehen auf einen schlafenden Nauglir trat.

    Dieses Mal war der Gestank weit weniger aufdringlich. Scheinbar hatte das blonde Weibchen ihre Aufgabe verstanden. Rijoks Augen brauchten nur wenige Sekunden, um im Dunklen des Käfigs die 12 Augenpaare auszumachen, die ihm mit einer breiten Variation von Emotionen entgegenstarrten. Immerhin hatten sie sich noch nicht gegenseitig umgebracht. Ausgezeichnet. "So viele hungrige Mäuler." lamentierte er mit einer leichten Melodie in der Stimme und an die Frauen gewandt fuhr er fort. "Ich hoffe aufrichtig, die Adligen in den Fürstentümern sind genauso interessiert an euch wie die Söldner." Sein Blick glitt über die verschwitze, im Mondlicht glänzende, Haut und die sich unter dem Stoff abzeichnenden Wölbungen, ohne auch nur den Hauch einer Regung in ihm auszulösen. "Ich werde es nie verstehen." murmelte er, während er eine kleine Luke aufschloss, durch die er anschließend den Proviantsack drückte. Er hatte das kleine, quadratische Fenster gerade wieder verschlossen, als sein Blick auf das Goblinweibchen fiel, das etwas abseits der Gruppe saß. "Sag mal Goblin." begann er, einer plötzlichen Eingebung folgend. "Für was ist Deinesgleichen eigentlich zu gebrauchen? Ins Bett nehmen wollen dich die Schuppenlosen bestimmt nicht und wie eine kräftige Arbeiterin siehst du mir auch nicht aus. Warum sollte ich dich nicht direkt an die Nauglir verfüttern?"

  3. #18
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    Es ging alles sehr schnell. Unermüdlich und gierig nach Blut rasten die ersten Orks und Goblin der Armee an ihrem Trupp vorbei auf die Menschen zu und attackierten diese. Es war deutlich, dass die Menschen dem Druck der Orkarmee nicht lange standhalten konnte und schnell sah es sehr brenzlich aus. Nezlez kniff die Augen zusammen und beobachtete die Menschenfrau. Ihr Ziel. Was GENAU tat sie da eigentlich? Ihre seltsame Magie. Es schien so, als würde sich ein Riss in die Luft reißen der sich dann immer weiter öffnete. War es ein magischer Angriff? Oder gar eine Art magische Tür zur Flucht? Sie hatten keine Zeit mehr. Jetzt oder nie.
    "Los!!" rief sie ihren Männern zu. Frex war der Erste, wie aus einer Pistole geschossen düste er los. Heute war sein Tag. Er würde sich ein zweites Mal beweisen und endgültig wäre er Nezlez rechte Hand. Vielleicht sogar würde er den Trupp selbst übernehmen können. Jetzt war er nah genug. Siegessicher sprang er die Frau an und verfehlte mit seinem Messer nur knapp ihre Kehle. Sie fiel auf den Boden und nun war er auf ihr. Eine überlegene Position. Sie hielt seinen Arm fest, doch wie besessen übte er immer weiter Druck aus und bald würde er ihren Hals durchschneiden. Es war sein großer Moment. „Stirrb, Menschenweib!“, zischte er.
    Und dann stand sein Gesicht in Flammen. Ihre zweite Hand war erbarmungslos auf sein Gesicht gepresst. Er schrie auf. Unvorstellbar höllische Qualen durchdrangen ihn, aber sie hatten ein schnelles Ende. Und dieses Ende nannte sich Tod.

    Nezlez hatte es mit angesehen. Ihre Augen weiteten sich und ihr Blick wurde zornig. ("Diese verdammte Hexe!"). "Schnappt sie!". Doch dann hallte ein brachiales Brüllen im Wald wider und Groznok khull stampfte ins Kampfgeschehen. ("Nicht dieser Wichser schon wieder..."). Ihr Trupp schien von seiner Anwesenheit irritiert, es war egal, sie hatten keine Zeit mehr. Die Menschen sprangen in den Riss, der jetzt weit geöffnet war. Sie musste schnell sein und sprintete wie wahnsinnig. Fast hätte die Frau das Portal erreicht, da machte Nez einen Satz und klammerte sich an das Buch der Frau, welches an einer Kette befestigt war. „Du entkommst nicht, Menschenweib!“, kreiste sie sie böse an. Die Frau wollte sie mit der Faust treffen, aber Nez wich dem Schlag ruckartig aus und haute dann ihre Dolchartigen Zähne direkt in die Hand, die sie eben noch treffen wollte. Doch die Frau machte keine Anstalten, sich weiter zu wehren. Stattdessen sprang sie in den Riss. ("Nein! Nein, nein, NEIN! NICHT!") Ein protestierendes "MMMH!" drang aus ihrem Mund. Aber es war zu spät.
    Die Welt um sie herum zersprang wie ein Glashaus. Gleißendes Licht. Das Gefühl unfassbarer Beschleunigung, dass sie immer weiter in dieses Licht schoss. Sie wurde ohnmächtig. Schwärze.

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    Das erste, was sie bemerkte, als sie aufwachte, waren die unsanften Hände einer echsenartigen Kreatur, die sie fest gepackt hatten und mitschleiften. "He...was....nein! LOSLASSEN!" Irritiert und verärgert zappelte sie protestierend herum "LOOSLAASSSEEEN!", ohne Erfolg. Um sie herum karge Wüstenlandschaft, die Sonne knallte erbarmungslos auf sie herab aber das war ihr geringstes Problem. Immer wieder versuchte sie sich loszureißen und um sich zu beißen, aber sie hatte keinerlei Chance und schnell verließen sie wieder die Kräfte, die Teleportation war nicht ohne weiteres an ihr vorbei gegangen. Erst, als man Anfing sich ihrer Kleidung, Waffen und sonstigen Gegenstände zu bedienen, fing sie wieder an sich zu wehren. Als man ihr ihr Lieblingsjuwel, einen kleinen Rubin in goldener Fassung aus ihrer kleinen Seitentasche, wegnahm fing sie wie wahnsinnig an um sich herumzutreten und hysterisch zu kreischen. Sie schaffte es sogar, einen der Echsenartigen einen Tritt ins Gesicht zu verpassen. Vielleicht war das nicht so klug gewesen, denn nun kümmerte sich ein weiterer und weitaus kräftigerer Echsenmann um sie. "AUAAA! Nicht so fest du Vollidiot wirst mir noch die Knochen brechen!! Auuu! Lass das! STOP!"

    Eingesperrt in einem Käfig. Man hatte ihr alles genommen. Ihre Männer. Ihre Ausrüstung. Ihre Kleidung. Nicht einmal ihre Stiefel durfte sie anbehalten und damit verschwand auch die Möglichkeit, die dort versteckten Dietriche zu benutzen. Jetzt hatte sie nur noch einen ekligen Lumpen an. Sogar ihre Orientierung hatte man ihr genommen. Dafür hatte die Menschenfrau gesorgt. Wo zum Henker war sie hier? Und sie war nicht allein im Käfig. Andere Menschen und Elfen waren eingesperrt und ebenfalls in Lumpen. Außerhalb konnte sie die Menschenfrau sehen, sie war gerade nackt und einige bewaffnete Männer geilten sich wohl daran auf und gaben prähistorische Lockrufe zum Besten. Dann bekam sie ebenfalls Lumpen und wurde in Richtung Käfig gebracht. Offenbar war sie keine Verbündete der Echsen. Als sie in den Käfig gebracht wurde, zischte Nezlez sie feindseelig an: "Dämliche Hexe!! Ist das etwa deine Vergeltung für EINEN Biss? Du beförderst mich zum Arsch der Welt, bringst mich in die Gefangenschaft, bringst mich um meine Ausrüstung, um meine Männer und DANN hockst du dich auch noch zu mir in den Käfig um mich mein Leben lang mit deiner Anwesenheit zu quälen?!" Nachdem sie es aussprach musste sie sich eingestehen, dass diese Art der Bestrafung ihre eigene Idee hätte sein können. Aber sie würde sich hüten, die Bewunderung darüber laut auszusprechen.
    Dann zogen die Echsen zusammen mit der Fracht, also sie und die anderen Gefangenen, weiter. Sie war sich mittlerweile fast sicher, dass es Sklavenhändler sein mussten. Sklaverei war ihr kein Fremdbegriff. Es war ein Beruf, der dem Diebstahl nicht zu unähnlich war. Ein Sklavenhändler stahl keine Gegenstände, sondern lebende Kreaturen, und verkaufte diese weiter. Eine Möglichkeit, die sich auch Nezlez offen gehalten hätte, wäre es nicht außerordentlich unlukrativ gewesen. Der Transport von Menschen und Zwergen war ohne Hilfsmittel viel zu anstrengend, von Gnomen vielleicht abgesehen, und die meisten in der Umgebung hätten nicht viel zu bieten gehabt. Nur zum Aufessen hätten sie sich geeignet. Nez hatte sich in eine der Ecken verkrochen und achtete darauf, möglichst weit weg von den anderen fünf Insassen ihres Käfigs zu sein. Sie war immernoch sehr wütend über die Gesamtsituation. Erst als sie mitbekam, dass die Menschenfrau zum Latrinendienst verdonnert wurde, huschte ihr ein Grinsen übers Gesicht. Genugtuung. Ein bisschen.

    Bald wurde es dunkel und offenbar machte der Sklaventransport einen Halt vor irgendeiner Siedlung, die sie natürlich nicht kannte. Einer der zweibeinigen Echsen kam zu ihrem Käfig und stopfte etwas Proviant durch eine Luke. Nez griff sich sofort etwas davon, bevor andere es ihr wegnehmen konnten. Dann sprach die Echse, wohl eine männliche, zu ihr und drohte ihr an, sie zu verfüttern.
    Was er sagte, verärgerte sie. Ihre Augen verengten sich und sie schaute ihn Herausfordernd an. "Du bist ein Narr, Reptil! Hast du überhaupt eine Idee, mit wem du sprichst? Ich bin Nezlez Tintentick. Ich führe eine Armee von nahezu 1000 Elite-Goblin an. Sie werden mich bereits suchen. Oh, und wenn die es nicht tun... dann wird bald Groznok Khull mit seiner Armee über euch hereinbrechen. Er ist einer meiner direkten Verbündeten. Du hast 1 Troll? Er hat hunderte! Und weitere Orks und Goblin! Lass mich hier raus und vielleicht lege ich ein gutes Wort ein! Andernfalls kann ich für nichts garantieren!"
    Ja, es war vielleicht ein bisschen überspitzt. Und okey, okey, zugegeben, es war auch ein klein wenig Lüge dabei. Aber hey - Betteln war auch nicht gerade eine Option - Schließlich hatte und hätte SIE nie etwas zurückgegeben, nur weil jemand darum gebettelt oder gebeten hat.
    Geändert von Fruwluamressaw (24.06.2016 um 15:18 Uhr)

  4. #19
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Zum Zweiten Mal innerhalb weniger Stunden eines Tages erwachte Alari aus einer tiefen Ohnmacht. Ihr Körper ächzte und stöhnte der Strapazen wegen, die sie durchstanden hatte, während ihr Muskeln schmerzten, von deren Existenz sie bislang nur aus ihren Lektionen Kunde hatte. Doch als wäre das körpereigene Martyrium nicht genug, befand sie sich auf unangenehmen Untergrund, während tiefe Dunkelheit ihr verriet, dass sie wohl eine ganze Weile das Bewusstsein verloren hatte. Mit einem Ruck fuhr sie nach oben, als mit einem Schlag die vergangenen Geschehnisse auf sie einstürmten. Dabei stieß sie mit jemandem zusammen. [Oh... Verzeihung.] erwiderte sie hastig in ihrer Muttersprache. [Ich muss wohl schlecht...] Doch sie führte ihren Satz nicht zu Ende. Sie sah sich der Menschenfrau gegenüber, die sich Aine genannt hatte. Und sie befand sich mit ihren Mitstreitern der Flucht aus der Schlacht in einem Käfig, eng aneinander gedrängt wie Legehennen. Sie alle waren in ein schmutziges Gewand gehüllt, das wohl vor der Hitze bewahren sollte, welches ihnen weiterhin schweissnass am Körper klebte. Ihr wurde noch mulmiger zumute, als sie realisierte, dass irgend jemand sie ausgezogen und eingekleidet haben musste.

    Es war jener Moment, als es ihr langsam zu dämmern begann, in welchen Schwierigkeiten sich befand, als ein Drah'Zil zu sprechen begann. Seine Worte klangen seltsam, und sie hatte Mühe, ihnen zu folgen – ähnlich wie die Menschlinge sprach er einen Dialekt, der ihr fremd war; zumal seine Aussprache noch durch seine Anatomie zusätzlich verzerrt wurde. Doch was sie von ihm verstand, war, dass sie scheinbar alle in Gefangenschaft geraten waren – und auf dem Sklavenmarkt verkauft werden sollten. Ihr Herz wurde bleischwer, als es ihr unwillkürlich fröstelte; ein Umstand, der definitiv nicht ausschliesslich an der nächtlichen Kälte lag. All diese Eindrücke – die niedrigen Temperaturen, die Gefangenschaft mit mehreren essentiell Unbekannten, die Bedrohnis der Sklaverei, die Ferne von ihrer Heimat und ihren Bekannten – stürmten auf sie ein und zogen ihr Gemüt in Richtung Verzweiflung hinab. Doch sie fasste sich, um zumindest äusserlich ruhig zu bleiben. Wenn schon sie als Elfe derart schwer mit der Situation zu kämpfen hatte, wie würde es da erst den Menschlingen gehen? Natürlich würden sie verzweifelt sein, natürlich würden der Eine oder die Andere Bravado zeigen... aber es war wichtig, dass jemand mit gutem Beispiel voran ging, damit diese nicht vollkommen den Kopf verlören. Es war wichtig, dass jemand furchtlos blieb oder zumindest diesen Anschein erweckte. Sollten sie sich dann tatsächlich in absehbarer Zeit wieder fangen, könnten sie womöglich sogar einen Fluchtplan ausarbeiten.

    Alari, die zumindest die Kontrolle über ihre Mimik wieder gefunden hatte, streckte den Rücken etwas durch und sah sich im Käfig um, während die kleine grüne Frau eine Erwiderung fauchte. Wie war sie überhaupt her gekommen? Sie wusste es nicht. Aber es sollte nichts an ihrer Situation ändern. Zwar wollte sie sich eigentlich auch zu Wort melden, doch erst einmal wartete sie die Antwort des Drah'Zil ab. An dieser würde sie besser nachvollziehen können, wie es wirklich um ihre Lage stand. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, dass sie nicht die Einzige gefangene Elfe war, was sie erstaunte. Doch vielmehr noch war sie durch den Umstand verwirrt, dass diese beiden... anders wirkten. Ihr Äusseres wich subtil von Alari ab, was die Elfen 'gewöhnlicher' wirken liess. Menschlicher beinahe. Aus welchem Hause waren sie? Alari nahm sich vor, sie unbedingt danach zu fragen - doch all dies würde warten müssen, als sich ihre smaragdenen Augen auf die Echse richteten und im Gegensatz zu ihren Mitelfen selbst in der Dunkelheit von einem leicht glühenden Innenleben zu erfüllt sein schienen.
    Geändert von Rosered_Strauss (25.06.2016 um 08:12 Uhr)

  5. #20
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Es war ein erwachen, wie es Cadan sonst nur hatte, wenn er viel zu viel Bier hatte. Und das passierte selten. Halt, nein, es war schlimmer, weit schlimmer. Denn nicht nur sein Kopf dröhnte als wenn noch immer jemand mit einem Morgenstern auf ihn einschlug, nein auch sein rechter Arm war nicht zu gebrauchen und die restlichen Knochen und Muskeln in seinem Körper fühlten sich an, wie von Orkboss persönlich malträtiert. Der Nebel der ihn selbst umgebene hatte, verging nur sehr langsam. Eine Weile war er nun schon wach, aber er hatte eine gefühlte Ewigkeit gebraucht, halbwegs klar zu werden und das geschah auch erst, als er etwas Wasser zu sich nehmen konnte, was ihnen gereicht wurde. Soviel hatte er schon mitbekommen, sie waren Gefangene, aber von wem und wohin man sie brachte, das lag für ihn weiterhin in einem Nebel aus Unwissenheit.
    Irgendwer hatte sich um seine Wunden gekümmert, das stand fest. Zu seiner Freude war sein Arm nicht gebrochen, nur ausgekugelt. Das war er zumindest, als er durch diesen Riss oder was auch immer geflüchtet war, nur um dann hier auf zu wachen. Es waren die letzten klaren Erinnerungen, die er hatte. Auch das sie Arm ausgekugelt war. Da er sich diesen wohl nicht selber eingerenkt haben konnte, war es irgendwer der anderen, wobei es ihm einerlei war, wer es war. Seinen neuen 'Besitzer' sah er nun nicht zum ersten mal, aber er fühlte sich erst jetzt in der Lage, etwas zu sagen.
    Außerdem nervte ihn schon jetzt diese Goblinfrau, die, wie sie selbst preis gab, ebenso von Aines Fluchtmöglichkeit Gebrauch gemacht hatte.Und so wie es sich angehört hatte, nicht ganz freiwillig.

    Doch Cadan war dieses Mädchen egal. Von ihm aus konnten die Sklavenhändler mit ihr machen was sie wollten. Aber sie sagte ihm etwas, was ihn aufhorchen ließ. Er hatte einen Troll? Diesen hatte er noch nicht gesehen. Die meiste Zeit war der Käfig verhangen und außer ein paar Söldner und den Echsen hatte er noch niemanden weiter gesehen – mit Ausnahme seiner Leidensgenossen. Der Troll wäre bei all dem noch der gefährlichste Gegner, der hier rum lief und wenn es stimmte, das er einen in seiner Gruppe mitführte, wäre das bei einem Fluchtversuch das erste Ziel was Cadan beseitigen müsste. Bei seiner Ausrüstung waren noch drei dieser Brandbomben, die ihre Gruppe entwickelt hatte. Damit würde er den Troll sicher in Schach halten können. Bei dem Gedanken daran, das er nun der letzte Trolljäger war, aus dem seine Gruppe einst bestand, fühlte er sich komisch. Sie waren gute Freunde, die ihm fehlten, gerade jetzt könnte er ihr Kampfgeschick gebrauchen. Sie wüssten schon, was zu tun sei.

    „Hey du, halt dein Maul oder ich stopfe es dir.“, brummte er die Goblindame an, denn es ging ihm wirklich auf den Sack, was sie von sich gab. Ungeachtete einer Antwort wandte er sich nun an diese Echse auf zwei Beinen. Es war für ihn das erste mal, das er so ein Wesen sah und ihm gefielen sie nicht. Das lag sicher auch daran, das sie ihn gefangen hielten und an irgendjemanden als Arbeitssklaven verhökern wollten. Nicht gerade ein Leben wie es sich Cadan vorstellen konnte.
    „Und du komische Eidechse, wie wärs mal mit was anständigem zu essen? Ich hab gehört, Reptil am Spieß soll eine Delikatesse sein? Zufällig welche in der nähe?“ Es war sicher nicht klug, als erstes denjenigen zu beleidigen, der das sagen hatte, aber Cadan konnte nicht anders. Er war ziemlich angepisst und seine Laune ließ er nun an jene raus, die ihn ungefragt in diese Lumpen gesteckt und diesen Käfig geworfen hatten.
    Im Grunde wollte er einfach nur seine Ruhe, weswegen er hoffte, das die Echse wieder von dannen zog. Die letzten Stunden, zumindest den wenigen die er wieder bei Bewusstsein war, gingen seine Gedanken das ein ums andere Mal zurück zur Schlacht und all dem erlebten seitdem. Gut, es war nicht viel, aber dennoch stellten sie alles auf den Kopf. Nach und nach erst realisierte er, was diese Schlacht ihm gebracht hatte. So ein Gemetzel hatte er noch nie erlebt, einige Bilder würden sich auf ewig in seinen Geist brechen, vor allem wie seien Freunde gestorben waren. Einen wurde die Gedärme beim lebendigen Leib aus dem Bauch gerissen, als irgendein Troll seine Zähne in seinen Unterleib schlug. Die Magier kamen da noch glimpflicher davon, starben beide durch Pfeile von Armbrüsten. Dennoch mochte er nicht wirklich daran denken.
    Dann noch seine eigene Flucht bis hin zu diesem Punkt. Nicht gerade ein Tag, an den er sich gerne erinnern würde.

  6. #21
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Als Alari hörte, wie auch der muskulöse Krieger nicht dazu beitrug, dass sich ihre Situation besserte - dessen war sie sich ohne jeden Zweifel sicher - meldete sie sich doch schon weitaus früher zu Wort, als sie es geplant hatte. "Ich hoffe, Ihr vermögt es, Ihnen Ihre hastig gesprochenen Worte zu verzeihen. Diese unsere Gemeinschaft hat viel durchgestanden, daher mag es nicht verwunderlich ansinnen, wenn die Gemüter hinblicklich unserer misslichen Lage erhitzt und von Strapazen geschlagen sind." Sie neigte ihr Haupt leicht vor der Echse, als sie fortfuhr: "Ich möchte Euch überdies meinen ehrlich empfundenen Dank aussprechen. Ihr hättet uns zu leicht liegen lassen können, in gar fremder wie feindlicher Umgebung. Ohne ausreichend Proviant und Orientierung, wie uns beides nicht vergönnt zu sein schien, hätten unsere Seelen wohl bereits den Weg zu unseren Herren angetreten, hättet Ihr uns nicht mit Euch genommen und uns so nicht den schauderhaften Tod durch die Hitze der Sonne oder die Kälte der Nacht erspart. Gerne will ich tun, was in meiner Macht liegt, um Euch diese großzügige Geste zu vergelten. Mein Name ist Alari Iníon Wellensang, und eine Schuld vergesse ich nicht, solange sie noch nicht beglichen ist. Eine Freude wäre es mir, auch den Eurigen Namen in Erfahrung zu bringen."

    Ihre Worte, bis dahin zwar ihr unbewusst sehr formell und in altem Dialekt gesprochen, waren warm gewesen, doch jetzt mischte sich ein merklicher Hauch von geschmiedetem Stahl hinzu. Man mochte darüber lächeln, dass die Elfe sich umständlicher auszudrücken pflegte wie ein Greis, der Amt und Würden nicht aufgeben wollte und beinahe so sehr Produkt einer anderen Zeit war wie Alari selbst. Man mochte auch verwundert darüber sein, dass sie es schaffte, selbst in schweissnassen Lumpen und hinter Gitterstäben ohne jeden Zweifel so zu klingen, als wäre das, was sie sagte, unumstößlicher Fakt. "Jedoch befürchte ich, das die Bezahlung, welche Ihr Euch von uns erhofft, nicht möglich ist. Ihr mögt annehmen, wir wären wie Waren, die einen Hübschen Preis einbringen. Doch da irrt Ihr Euch, Drah'Zil, dessen Name ich aus Unkenntnis noch nicht zu nennen vermag. Ihr könnt unsere Leben nicht für Euch beanspruchen, ganz gleich, welche Macht Ihr Euch von dem geschmiedeten Stahl in Eurer Hand auch erhofft. Unsere Leben sind nicht die Unsrigen, und so können wir sie Euch nicht darbieten. Meines gehört Eremon wie auch Fandrasâr allein, und überdies ist unser aller Schicksal mit jenem Konflikt verwoben, den wir trauernd 'Krieg' nennen müssen. Dies Ereignis ist zu groß, zu weitläufig und zu gewaltig, als das jemand ihm zu entfliehen vermag, ganz gleich, wie schnell er auch zu Fuße ist. Lasst es mich daher in aller Deutlichkeit sagen: gebt uns frei, und nennt uns eine andere Möglichkeit, wie wir Euch danken können. Denn Sklaven können wir nicht sein, denn das Gehorsam, dass Ihr Euren Klienten zu verkaufen gedenkt, werdet Ihr niemals Euer Eigen nennen können, weder durch Wort noch durch Feuer und Eisen. Schlecht wäre der Händler, der ein Geschäft auf einer Lüge gründet." Nach ihrem Vortrag, anders konnte man den Schwall aus Wörtern nicht nennen, blickte sie die hoch gewachsene Echse freundlich an und liess ihren Blick auf seinen Augen ruhen. Nun würde sich zeigen, an was für einen Mann sie geraten waren.

  7. #22
    Siedler Avatar von coel
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    Nalim beobachtete aufmerksam das Spektakel aus dem Hintergrund, während er die Nauglir fütterte. Gierig schlangen die Bestien große Mengen an rohem Fleisch herunter und ihre kräftigen Kiefer zermalmten mit Leichtigkeit Knochen. Wiederum achtete er darauf, dass sie nicht allzu satt wurden. Die Nauglir schienen zwar nicht sehr erfreut über die Tatsache zu sein, aber sie waren ausreichend abgerichtet worden, um nicht über Nalim selbst herzufallen.
    Nachdem er das letzte Stück in die gefräßige Gruppe geworfen hatte, ging er langsam zu dem Käfig, wobei er interessiert jedes Wort mitverfolgte, dass die Elfe von sich gab. Es fiel ihm recht schwer sie zu verstehen, denn sie sprach eine sehr alte Variante der Gemeinsprache.
    Durch das dicke, eiserne Gitter durchdrangen seine rubinroten Augen die der Insassen.
    Er hatte so etwas schon einmal gesehen. Elfen mit ein paar Menschen waren nach Ashan gekommen und zeigten eine Art von Schauspiel, das sie Zirkus genannt haben. Eben dies konnte er auch gerade hier miterleben. Viel sinnloses Gerede und Kunststücke, die nur die Langeweile der anwesenden Echsen verstärkt hatte. Es überraschte ihn, dass Rijok so gelassen die Elfe angehört hatte. Wahrscheinlich lag es an diesen Nama-Blättern, die seine Kameraden die vergangenen Tage öfters als sonst gekaut haben.
    Auch jetzt fiel ihm der leicht gläserne Blick seines Anführers auf.
    Seine muskulösen, schuppigen Arme verschränkend, verengte er seine Augen und starrte auf die Sklaven herab.
    „Ihr wollt wohl nicht begreifen, in welcher Lage ihr euch befindet“, sagte er mit seiner tiefen Stimme, deren Spannung man jedoch deutlich spüren konnte. Er hatte sich mit seinem Makel abgefunden, seinem Schicksal. Die Schwäche, die diese Weichhäute zeigten, widerte ihn fast schon an.
    „Ihr seid Sklaven und ihr werdet auch so behandelt. Weigert ihr euch, dann seid ihr nur noch Futter für die Nauglir. Glaubt mir, sie mögen schreiende, flüchtende Beute lieber als die Fleischklumpen, die wir ihnen für gewöhnlich vorwerfen.“
    Fast als hätten die Reitechsen ihn verstanden, stießen zwei der Tiere ein kurzes Gebrüll aus.
    „Rijok mag vielleicht geduldig mit euch sein. Ich bin es nicht. Das weiß er, nun wisst ihr es auch und ihr solltet das nicht vergessen. Bis Ashan sind es noch einige Tage. Wenn euch die Fahrt im Käfig zuwider ist, so dürft ihr laufen. An Ketten hinter dem Wagen, ohne den Schutz der Decke bis euch die Sonne Verstand eingebrannt hat.“
    Er schwieg für einen Moment, dann deutete er mit dem Zeigerfinger seiner Klauenhände auf den Krieger und das Goblinweibchen.
    „Ihr werdet den ersten Lauf machen.“


    Aine schwieg. Stumm ertrug sie die Schmerzen, die ihr Körper wegen der Flucht immer noch litt. Beinahe war sie glücklich über den Umstand, dass sie nicht mehr gehen musste, sondern transportiert wurde. Ihre Wunde am Bein, ja sogar die Hand mit der Bissspur, war sorgsam von den Drah’Zil verbunden worden. Die Nahrung, die aus getrockneten Früchten und Wasser bestanden hatte, war schnell verzehrt worden. Besonders die Flüssigkeit erwies für ihren trockenen Hals als wahren Segen.
    Die Worte des Stämmigsten unter den Drah’Zil, der Nalim genannt wurde, hatten eine auf Aine deutliche Wirkung gemacht. Diese Echsen übten ihr Handwerk schon deutlich länger aus. Sie wussten, was sie taten und sie kannten jeden Trick. Entweder täuschte sich Aine oder sie strahlten tatsächlich diese Erfahrung aus. War eine Flucht überhaupt möglich?
    Ihr Kopf lehnte an dem kühlen Eisen des Gitters, während sie nachdachte.
    Obwohl man ihr Buch weggenommen hatte, beherrschte sie um die fünf Sprüche noch auswendig. Sie konnte problemlos die Gitterstäbe zum Schmelzen bringen, aber gegen die absolute Mehrheit der Drah’Zil mit ihren Reittieren, Söldnern und ihrem Troll würde sie nicht den geringsten Hauch einer Chance haben.
    Außerdem wohin sollte sie rennen, wenn sie frei wäre? Die Wüste war ihr Tod. Sie stammte aus einem gemäßigten Klima und war derartige Hitze nicht gewohnt. Die Nächte schienen im krassen Unterschied zum Tag zu sein. Aine hatte sich auf ihre Füße gesetzt, um ihnen dadurch mehr Wärme zu geben.
    So blieb also nur noch Ashan. Die größte Handelsstadt in der bekannten Welt. Nur in Ashan konnte man alle Völker und Tierarten vorfinden. Berühmt für ihr reiches und exotisches Warenangebot aus fern und nah, berüchtigt für die Diebe und Halsabschneider, die dort ihr Unwesen trieben.
    Komm nach Ashan, wenn du alles sehen willst, so sagt man.
    „Was wird mich wohl dort erwarten?“, fragte sich die Magierin, dann fielen ihr vor Erschöpfung der vergangenen Schrecken die müden Augen zu.

    Geändert von coel (25.06.2016 um 23:29 Uhr)

  8. #23
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    Ihre Drohung schien nichts bewirkt zu haben. Naja, wäre auch zu schön gewesen. Dann pöbelte auchnoch der bullige Mann drauf los. Sie warf ihm einen äußerst giftigen Blick zu. Das schlimmste war aber eigentlich die Elfe. Was zur Hölle säuselte sie da nur vor sich hin? ("Blablabla, auf ewig Dankbar, blablabla und ihr habt so wunderschöne Schuppen, blabla aber im Endeffekt bin ich auch dafür, dass ihr uns freilasst; Wie kann sie nur auf so eine furchtbar altbackene Weise faseln, das muss doch anstrengend sein..."). Elfen bildeten einen krassen Kontrast zu Goblins. Kein Wunder, dass sie bei Goblin auch nicht sonderlich beliebt waren. Aber gut, immerhin war sie nicht so unverschämt wie der große Mensch.
    Ein weiterer Echsenmann trat vor den Käfig, noch weitaus weniger kooperativ verpasste er den Insassen einen verbalen Einlauf. Und dann setzte er dem ganzen die Krone auf und verdonnerte Nez und den großen Mann dazu, fortan in Ketten hinter dem Sklaventransport herzulaufen.

    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

    ("Wüsten sind scheisse!"). Nachts war es kalt. Tagsüber dann wieder heiß. Sehr heiß. Und am heißesten war es, wenn man nichts über dem Kopf hatte und die Sonne einen direkt auf die Haut knallte. Das brannte ganz schön, vor allem auch an der Stelle, an der sie festgekettet war, denn die Kette wurde durch die Strahlung besonders heiß. Mühselig und unglaublich frustriert trottete sie hinter dem Sklaventranspor her.
    Entnervt und sich selbst keiner Schuld bewusst keifte sie den großen Mann, der neben ihr lief und nicht weniger glücklich drein blickte, an: "Das hast du ja super hingekriegt, du blöder Ochse! Warum musstest du es direkt übertreiben? War ja klar, dass bei einem Verbündeten der Hexe nichts gutes aus dem Mund kommt!"

    Sie ächzte unzufrieden vor sich hin, verlor Stück für Stück die Lebenslust, bis sie daran dachte, was ihr alles in dieser kurzen Zeit passiert war und genommen wurde. Das machte sie so zornig, dass sie, von Rachegedanken und Überlebenswillen gepackt, wieder energischer durch die öde Landschaft stapfte.
    ....Um wenige Momente später wieder keinen Elan mehr zu verspüren...Und dann wurde sie wieder sauer! ("Diese Missgeburten! Mein schönes Juwel! Meine Stiefel! Was wollen die schon damit?! Als ob sie damit etwas anfangen können! Sollen sie sich doch eine Schaufel klauen und Löcher buddeln, das würde viel eher zu ihnen passen. Hmpf.") Dieses Gedankenprozedere würde sich noch einige male wiederholen.
    "Aaaaargh!!", rief sie verzweifelt aus.
    Geändert von Fruwluamressaw (26.06.2016 um 03:10 Uhr)

  9. #24
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Drei Echsen, die hatten hier das sagen, einige Söldner, die mit der Hitze nicht so zurechtkamen in ihren Klamotten, das konnte Cadan nun sehen und ein Troll, der der erste Wäre, der draufgehen würde in dieser Wüste, wenn die Vorräte knapper sein würden. Cadan konnte sehen, das ihm jeder Schritt schwer fiel. Die Reittiere wären wohl noch am gefährlichsten, denn er schätze sie am schnellsten ein. Entweder würde sie daher niedergeritten oder aber von den Viechern einfach gefressen werden. Im Grunde wäre das hier die beste Möglichkeit, für ein Fluchtversuch, wenn es da nicht das eine, kleine Problem gäbe. Wohin dann? Außerdem war er selbst viel zu erschöpft, der Marsch in der prallen Sonne war nicht unbedingt Gesundheitsfördernd. Zuerst war es eine Qual, aber als sich seine Beine daran gewöhnt hatten, tat es ihm sogar ein wenig gut, denn die Muskeln hörten auf zu schmerzen, anfänglich. Dafür setzte ihm aber die Sonne immer mehr zu und er spürte, wie er immer erschöpfter wurde. Auch seine Beine fingen irgendwann wieder an zu schmerzen, war doch der Untergrund nicht gerade für lange Märsche gedacht.

    Aber am nervigsten war dieser grüne, nervende Zwerg neben ihm. Am liebsten hätte er ihren Kopf in den Sand gedrückt, bis sie endlich tot wäre, aber er war sich sicher, das er sie dann tragen oder hinter sich herziehen müsste. Also versuchte er sie zu ignorieren. Warum sollte er sie auch von diesen Strapazen erlösen, wenn er weiter leiden sollte? Gut, sie gehörte zum Feind und vor nicht ganz vierundzwanzig Stunden hätte er ihr ohne mit der Wimper zu zucken den Schädel gespalten, doch nun wäre das nur eine unnötige Kraftanstrengung gewesen. Lieber konzentrierte sich Cadan auf das Beobachten der Händler und Söldner, um möglichst viel von ihnen zu erfahren. Er war sich längst darüber im klaren, das er keinen von ihnen am Leben lassen wollte, sobald er die Chance dazu hatte. Doch brauchte er Unterstützung, und die gab es im Käfig. Ein paar Männer, Elfen und die Magierin. Er hoffte das sich die meisten davon als nützlich erweisen würden. Seine Ausrüstung hatte er bereits auf einem der Reittiere ausfindig gemacht, scheinbar war da auch das Zeug der anderen. Sollten sie wirklich ausbrechen, müssten sie schnell an das Zeug kommen, denn sonst würde das ein schnelles ende nehmen.

    Mit zunehmender Strecke die er aber zurückgelegt hatte, schoben sich diese Gedanken in den Hintergrund, denn der Durst übernahm bald alle seine Gedanken und verdrängte sie.Es war Anstrengend, sehr anstrengend und so langsam dämmerte es ihm, das es nicht unbedingt seine beste Idee war, diese Echsenmenschen anzupöbeln.
    Geändert von Ironhide (26.06.2016 um 12:17 Uhr)

  10. #25
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vermutet, dass mit den Echsen nicht zu reden war, dennoch tat es weh, diese Befürchtung bestätigt zu sehen. Nachdem der Drah'zil seine kurze Klarstellung der Dinge beendet hatte und sich wieder abwandte, machten sich die Käfiginsassen daran, sich zur Ruhe zu legen. Auch Alari bildete keine Ausnahme von diesem Unterfangen, saß ihr die Erschöpfung doch trotz der langen Ohnmacht immer noch in den Gliedern. Bevor ihre Augenlieder flatterten und sich daran machten, Schwärze über ihr Bewusstsein sinken zu lassen, fragte sich die Elfe noch, warum die Translokation sie solcherart Erschöpft hatte. Sicherlich war der Zauber nicht wie beabsichtigt durchgeführt worden, waren doch die Umstände allzu chaotisch gewesen, als Fandrasâr sie mit den Brüdern und Schwestern ihres Hauses vom Schlachtfeld gerettet hatte. Ihre Gedanken kreisten noch um sich herum, wie um sich vor dem Grauen zu schützen, das durch die Erinnerungen an den Ort hervorgerufen worden waren, an dem sie sich nach dem Zauber befunden hatte.

    Der nächste Morgen war im Großen und Ganzen so, wie sie es erwartet hatte. Sie bekamen eine Kelle Wasser, um die kommenden Reisestunden zu überstehen, bevor der menschliche Kraftprotz und der kleine Grünling nach draussen beordert wurden, um den Marsch in Ketten hinter dem Wagen her zu verbringen. Die Aufseher der Karawane liessen sie weitestgehend in Ruhe, wenn man einmal von der ständigen Wachsamkeit der Drah'Zil und den lüsternen Blicken der menschlichen Söldlinge absah. Alari, die sich weder sonderlich zuversichtlicher oder glücklicher fühlte als am Vortag, blieb dennoch ihrem Entschluss treu und summte leise ein Lied, dessen besänftigende Ruhe nicht zu jemandem in ihrer Position zu passen schien. Wurde die Fahrt anfangs noch vom Gezeter des Goblins und dem verhaltenen Fluchen Cadans begleitet, so senkte sich bereits im Laufe des Vormittags bedächtige, erschöpfte Ruhe über die Karawane. Man durfte freilich nicht den Fehler machen, diese Ruhe mit Stille gleichzusetzen, denn Stille war es nicht. Die Zugechsen schnaubten und knurrten, die Söldner und Drah'Zil unterhielten sich manches Mal miteinander, der Wagen knarrte und der Troll stampfte, während er hin und wieder fröhlich ein paar klobige Worte heraus brachte, die genau so primitiv zu sein schienen, wie er sich auch gab. 'Stille' gab es nur bei den Sklaven, denn die hinter dem Wagen herlaufenden sprachen kein Wort, um sich ihre Kraft zu erhalten, während die Gefangenen im Wagen sich entweder der Erschöpfung, der Hitze oder der Verzweiflung wegen still verhielten - mit der Ausnahme Alaris. Doch in manchen Momenten waren sie alle, Sklavenhalter und Sklaven, gleich. Die Wüste war unbarmherzig, ein Ort, an dem niemand von ihnen ungeschoren davon kam. Und obgleich die Echsen widerstandsfähiger waren als die Menschen, forderte der Marsch doch auch von Ihnen Tribut. Unter der Sonne, so erkannte Alari, waren sie alle einander ähnlich. Es gab schlichtweg Gewalten im Leben, denen gegenüber Sie alle gleich waren, ungeachtet des eigenen Standes und der eigenen Positionen.

    Während sie also ihr Lied vor sich hin summte, sehnte sie sich danach, ein paar freundliche Worte zu wechseln. Natürlich sollten sie sich mit Ideen dazu beschäftigen, wie sie entkommen könnten. Doch es dürfte auch nichts schaden, sich einander überhaupt einmal vorzustellen. Und so war Alari freudig überrascht, als eine der gefangenen Elfen sie während der Reise ansprach. [Und? Wie seid Ihr entkommen?] wandte sie sich geradewegs an Alari. Diese liess noch die Melodie ausklingen, ehe sie sich im Schneidersitz zu ihr umwandte und sie neugierig beäugte. Scheinbar fasste ihr Gegenüber dies als Rüge auf, denn sie fügte an: [Verzeiht, meine Manieren haben in der Sonne gelitten. Mein Name ist Liviael, und meine Gefährtin dort drüben ist Sanae. Ich befürchte jedoch, sie wird euch nicht zur Verfügung stehen, denn die Gefangennahme versetzte sie derart in Panik, dass sie sich in den Wahn flüchtete. Aber es ist auch verstänlich, bedenkt man, dass ihr Haus stark unter dem Aufstand leiden musste.] Alari runzelte die Stirn. [Dem Aufstand?] echote sie. [Von welchem Aufstand sprichst du? Der Krieg, den wir führen, ist gegen die Kinder Noroshs, nicht gegen uns selbst.] Dies brachte ihr einen verblüfften und anschliessend misstrauischen Blick ein. [Ich möchte mich für meine Wortwahl entschuldigen, Hochgeborene.] meinte sie vorsichtig. [Ich wollte euch nicht des Urteiles bezichtigen, während der Revolte aus Arlondo geflohen zu sein. Feigheit ist nicht die Art der Hohen Herren und Damen, das weiss ich.] Nun war Alari vollends verwirrt. [Was redet ihr da? Ich fürchte, ihr verwechselt mich. Ich bin keine 'Herrin', sondern eine Dienerin. Als Dienerin Eremons stelle ich mich nicht über andere meines Volkes, sondern diene im Gegenzug der Allgemeinheit, so gut ich es vermag.] Nun war es an Liviael, die Augen zu weiten. [Eine Priesterin Eremons? Verzeiht, ich wusste nicht... es tut mir leid. Ich dachte nicht, das jemand von Euch überlebt hatte. Ich hätte es gleich an der alten Sprache erkennen müssen, in dessen Ton ihr Euch äussert.] Noch während die Elfe sprach, bildete sich ein eisiger Klumpen in Alaris Magengegend. [Sicherlich, der Kampf gegen Noroshs Söhne fordert einen großen Tribut von uns allen. Doch ich kenne noch genügend der Priesterschaft, um dir zu versichern, dass wir noch nicht am Ende sind. Aber ihr spracht von Arlondo...] Die Elfe nickte traurig auf ihren Halbsatz hin, ihre Worte scheinbar anders interpretierend.

    [Ja, es ist eine Tragödie. Unser ganzes Reich, dahingerafft in so kurzer Zeit, sodass wir nur noch in den Wäldern des Nordens Zuflucht finden können. Ich selbst komme aus Arlondo, müsst ihr wissen. Und seitdem sich die Shantiri entschlossen, unsere Fürsorglichkeit mit Blut zu vergelten, bin ich auf der Flucht, bis ich von jenen aufgegriffen wurde, die wohl auch dafür gesorgt haben, dass unser Volk an den Rand des Unterganges getrieben wurde. Ich weiss, ich weiss - die Eltern können nicht für die Sünden ihrer Kinder zur Verantwortung gezogen werden - aber Fakt ist doch, dass die Shantiri uns von den Drah'Zil geschenkt wurden, ehe Sie ihrerseits zu leiden hatten.] Alari stand der Mund offen, als die Elfe sprach. Von was redete sie da? War ihr die Sonne zu Kopf gestiegen, sinnierte sie im fiebrigen Delirium? Nein, das konnte nicht sein. Ihr Blick war zwar getrübt, doch von ungebrochener Geisteskraft. Der Wahnsinn hatte sich ihrer noch nicht bemächtigt. Sie war vollkommen von dem überzeugt, was sie sagte. Was wurde hier gespielt? Der Untergang ihres Volkes? Shantiri? All diese Begrifflichkeiten und Ereignisse waren ihr unbekannt. Doch ehe sie sich weiter wundern konnte, wurde sie tiefer in Verwunderung gestürzt. [Ich erinnere mich noch an jene Nacht, als ob es just passiert wäre. Der Mond war rot diese Nacht, ganz so, als wüsste er, dass diese Nacht Blut wie Wasser über die Straßen fliessen sollte. Jede Familie hatte Shantiri, die ihnen beim Bewältigen des Tagesgeschäftes halfen. Und so wurde in jedem Haus - ob Palast oder Zimmer, Adliger oder Bürger - die Klinge gewetzt, und Elfenblut floss über jede Treppe hinab. Diese Bastarde mussten das schon lange geplant haben, zu zielsicher, zu planmäßig gingen sie vor. Mit eigenen Augen sah ich, wie der Palast unseres Herrschers in Flammen stand, mit eigenen Ohren hörte ich das Bersten der Portale, die aus den Angeln der Tempel gerissen wurden.]

    Sie begann zu zittern, als die Gewalt der Erinnerungen sie mit sich riss. So klein wurde sie, dass Alari trotz aller Umstände instinktiv reagierte und die Elfe an sich zog. Sie sagte ihr nicht, dass sie nicht zu weinen brauchte. Diese Floskel hatte sie noch nie von sich gegeben und würde es auch nie tun, waren doch Tränen oftmals heilsamer als eine harte, stoische Fassade. Stattdessen strich sie ihr mit der Sanftheit einer Mutter über das Haar, die ihr Kind in den Armen in den Schlaf wiegt. Liviael war erst erstarrt, als die Pristerin sie an sich zog, doch gleich darauf entspannte sie sich und liess die Tränen ungehindert an ihren Lumpen fliessen, in die sie ihr Gesicht drückte. [Ich werde... werde diese Nacht nie vergessen.] schluchzte sie. [All das Blut... die Kämpfe, die Feuer... ich selbst bin nur entkommen, weil sich mein Seelengefährte mitsamt demjenigen aus dem Fenster warf, der schon ihn tödlich verwundet hatte. Er... er wusste, dass er es nicht schaffen würde, also tat er es für mich. Er trug meinen Namen auf seinen Lippen, als er fiel. Ich konnte mich noch nicht einmal von ihm verabschieden...] Ein zittriges Schluchzen entrang sich ihrer Kehle, während auch Alaris Augen feucht wurden. So viel Schmerz lag in ihren Worten, dass sie beinahe meinte, die Gewalt jenes Abends am eigenen Leibe spüren zu können. [Ich konnte nicht gleich losrennen. Ich habe noch nicht einmal etwas zusammen gepackt. Ich saß einfach da, habe nur auf das Fenster geblickt. Ich war so sicher, dass ich jeden Moment aufwachen würde, mein Liebster neben mir, der Alptraum der Nacht bald nur noch eine Ferne Erinnerung. Doch ich wachte nicht auf. Stattdessen wurde ich von einem Stein aus meiner Starre erweckt, der durch das Fenster flog, als ein Fenster neben dem meinen eingeworfen wurde. Da rannte ich. Ich nahm nichts mit, ich rannte nur noch, nur mit der Kleidung an meinem Leib als Gepäck. Als ich es wie durch ein Wunder aus der Stadt geschafft hatte... Straßen voller Blut, all die blicklosen Augen, Elfen, überall tote Elfen... kam ich auf einem Hügel zum stehen. Ich war so erschöpft, ich konnte nicht mehr laufen. Arlondo brannte, es war weithin zu sehen. In der Nacht brannte die Stadt in einem Fanal, als hätte Norosh selbst sich dort hin begeben und seiner Wut freien Lauf gelassen.]

    Alari, die die Elfe immer noch im Arm wiegte, war fassungslos über die Grausamkeit, die sie mit anhören musste. Wie hatte so etwas ihrer Aufmerksamkeit entgehen können? Sicherlich, sie war ohne Unterlass auf Reisen, hatte Drah'Zil, Menschen, Zwerge und Naga besucht, mit Drachen gesprochen und die Elfenhäuser mit ihren Brüdern und Schwestern der Priesterschaft zusammen geschweisst... doch während dem Krieg hatte sie nie davon gehört, dass so ein Massaker verübt worden war. Und was hatte sie noch gesagt? Ihr ganzes Reich, ihr Volk gar, sei untergegangen? Und welche Stadt war es, die sie als Arlondo bezeichnete? Vielleicht ist eine unserer Städte in diesem seltsamen Dialekt einfach mit einem anderen Namen bedacht worden, dachte sie sich. Wie konnte es denn anders sein? Doch es war jener Zeitpunkt, als Liviael in ihren Armen aufgehört hatte zu reden und nur noch leise vor sich hin weinte, dass sich Zweifel in Alari schlichen. Was war geschehen? Seit sie wieder Fuß in die Schlacht gesetzt hatte, schien alles anders zu sein. War es möglich, dass sich ihr Blick so sehr hatte ablenken lassen? Unmöglich, entschied sie. Nein, hier war etwas im Gange, dem sie nachgehen musste. Doch nicht jetzt. Sie konnte es nicht wagen, Liviael weiter einen solchen Schmerz durchleiden zu lassen, wenn sie nicht von sich aus davon berichten wollte. Niemals würde sie sich aus eigener Neugierde, wie berechtigt diese auch sein mochte, so über die Gefühle einer Schwester hinweg setzen. Leise sang sie ein beruhigendes Lied, welches die weinende Elfe in ihren Armen langsam durch die Macht ihrer Stimme zur Ruhe brachte. Ihr Blick jedoch wanderte unruhig im Wagen umher, fixierte erst die gebrochene Shanae, wanderten über die Wärter und schliesslich ihre Mitgefangenen, bis sie schliesslich an Aine hängen blieb. Bislang hatte sie sich eingebildet, dass die junge Menschenfrau für die Maßstäbe des kurzlebigen Volkes gebildet war, immerhin beherrschte sie sogar die Grundzüge der elfischen Sprache. Ihr Blick suchte den Ihren, und als ihre Augen einander schliesslich gefunden hatte. nickte sie ihr Ernst zu. [Aine, nicht wahr? Wäre es Euch genehm, wenn ihr mir ein paar Fragen gestatten würdet?]
    Geändert von Rosered_Strauss (26.06.2016 um 17:42 Uhr)

  11. #26
    Landstreicher Avatar von Aeon525
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    Rijok runzelte nur die Stirn, als ihn die kleine Goblinfrau anblaffte. In seinem umnebelten Zustand war er eher überrascht als verärgert über das Aufbegehren seines Eigentums. Ihre Drohung ignorierte er schlichtweg, denn Groznok war weit im Osten und zwischen Tremorlor und ihm lagen immer noch die Fürstentümer. Zudem hatten die Orks keinerlei Interesse an der heißen Wüste der Drah'zil, zumindest nahm er das an. Schließlich sagte man von Orks, dass sie Hitze nicht ausstehen konnten und es gab kaum etwas heißeres als die Wüste der Drah'Zil. Er funkelte das Goblinweibchen hämisch an, ehe er erwiderte: "Ich kann garantieren, dass dein Leben deutlich unangenehmer werden wird, wenn du den Leuten die dich füttern nicht gebührenden Respekt entgegenbringst." er hatte den Satz kaum beendet, als sich das blonde Männchen zu Wort meldete. Das war sogar noch unverschämte als die halbe Portion in Grün und Rijok war für einen Moment sprachlos vor Verblüffung. Der Schuppenlose schien von einer besonders dämlichen Sorte zu sein, wenn er die Machtverhältnisse nicht begriff. Glücklicherweise war Intelligenz für den Preis unwichtig. Solange er kräftig war und arbeiten konnte würde Rijok einen guten Preis für ihn bekommen. Dennoch konnte man ihm eine derartige Dreistigkeit nicht durchgehen lassen.

    Rijok überlegte gerade welche Strafe wohl angemessen war, als auch die Elfe das Wort ergriff. Er stieß ein genervtes Zischen aus, ehe er sich der Sprecherin zuwandte. Ihrer Stimme wohnte eine seltsame Melodie inne, die Rijok nicht zu deuten vermochte. Er hatte nie jemanden so sprechen hören, auch keinen der Elfen. Sie sprach verworren und kompliziert, beinahe als wäre sie von hoher Abstammung. Ihre Schmeicheleien berührten ihn nicht. Er konnte weder Schwätzer noch Elfen sonderlich leiden und die Person vor ihm war die wohl geschwätzigste Elfe, die ihm seit Langem untergekommen war. "Ich weiß nicht wie viel euch eure Schicksalsgenossen bereits erzählt haben," schnaubte er herablassend "also erklär ich euch die Situation noch einmal kurz. Ihr seid in der Wüste von Tremorlor. Tremorlor ist Gebiet der Drah'Zil und Fremde ohne gültige Genehmigung des Rates sind Eigentum des Finders, in diesem Fall mir. Ich würde euch raten diese Tatsache einfach zu akzeptieren. Sowohl die Elfen als auch die Menschen akzeptieren diese Regelung. Bezichtigt mich also nicht der Lüge, Weib! Wenn ihr nichts von dieser Regelung wusstet, habt ihr diese Misere allein eurer Ignoranz und Dummheit zuzuschreiben."

    Glücklicherweise schaltete sich nun Nalim ein und verdonnerte Goblin und Männchen für den folgenden Tag zum Laufen. Eine angemessene Strafe, wie Rijok fand. Für ihn war das Gespräch damit beendet. Müde machte er sich auf den Weg zu seinem Zelt und sah zu, dass er etwas Schlaf bekam.

  12. #27
    Siedler Avatar von coel
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    Der große Käfig schaukelte wegen einer Unregelmäßigkeit auf dem vertrockneten Weg und weckte Aine abrupt aus ihrem Schlummer, nachdem ihr Kopf schmerzhaft gegen das Eisengitter stieß. Sie ächzte, als sich ihre steifen Glieder aufgrund der ungewohnten, aber auch unbequemen Schlafposition bemerkbar machten. Mit tränenden Augen bemerktes sie, dass bereits der Tag schon lange begonnen hatte. Die Sonne stand hoch oben am wolkenlosen Himmel, wo sie wie ein Fieber jedem die Kraft zu rauben schien, der sich unter ihre Strahlen wagte. Durch die Fasern der rabenschwarzen Decke, die die Sklavenjäger über sie ausgebreitet hatten, sah sie schwach den leuchtenden, brennenden Kreis. Das Leinengewand, welches sie trug, zeigte Umrisse von den Stellen, wo sie besonders viel geschwitzt hatte. Ihre Haare waren durch den ihren Schweiß zu groben Strängen verklebt und sie roch unangenehm streng. Doch nicht nur ihren hervorstechenden Geruch musste sie wahrnehmen, sondern auch den der anderen Insassen. Der säuerliche, beißende Gestank der Männer widerte Aine instinktiv an. Überraschenderweise besaßen die Elfen einen feinen, süßlichen Duft. Es war fast schon so, dass Aine die Gesellschaft mit schwitzenden elfische Frauen willkommen hieß.
    „Diese Hitze macht mich offensichtlich schon wahnsinnig“, murmelte Aine frustriert über ihren letzten Gedankengang.
    Sie vernahm das Schluchzen einer der Elfen und ihre Augen wanderten zu dem bedauerlichen Geräusch. Fest umarmt hielt Alari die Weinende in ihren Armen, um ihr scheinbar Trost zu spenden.
    „Die einst stolzen Elfen sind nur noch ein Schatten ihres Selbst“, dachte sich Aine bei diesem Anblick von unglücklicher Schicksalswendung. Sie wollte sich wieder abwenden, als ihre Augen von Alari angezogen wurden. Die Elfe versuchte ihre Aufmerksamkeit durch diese Art von Kontaktaufnahme zu erreichen. Nachdem Aine sie neugierig anstarrte, begann die Elfe zu reden.
    „[Aine, nicht wahr? Wäre es Euch genehm, wenn ihr mir ein paar Fragen gestatten würdet?]“
    Sie sprach wieder elfisch. Chandra hatte ihr damals die elfische Sprache zum Studieren gegeben, damit sie auch deren Art der Zauberwirkung nachvollziehen konnte. Es war eine sehr wohlklingende Sprache, die mehr einem Gesang als niederen Gesprächen glich. Selbst ein Fluch klang wie ein Lied. Das Lernen war ihr sehr schwer gefallen, doch mit der Zeit erreichte sie Basis von Elfisch.
    „[Fragt]“, antwortete ihr Aine knapp.
    „[Sagt euch das Volk der Shantiri etwas?]“
    Aine stutzte für einen Moment. Wie konnte die Elfe nicht von den Shantiri wissen? Zwar waren sie ihr weit im Osten begegnet, fern vom Reich der Elfen, aber von den Shantiri hatten selbst Menschen im Reich des Imperiums gehört.
    „[Eure Sklaven. Das geschenkte Volk der Drah’Zil an eure Rasse als Zeichen der Freundschaft.]“
    Die Elfe schien sichtlich verwundert.
    „[Warum sollte mein Volk sich Sklaven halten?]“
    „[Es war ein Geschenk, das ihr dankbar angenommen habt. Die Drah’Zil waren der Meinung, ihr bräuchtet Muskelkraft, die eurem Volk fehlt, um eure Hauptstadt Arlondo zu bauen.]“
    „[Kennt ihr Arlondo?]“
    „[Ja]“, sagte Aine nickend, „[Auch wenn ich von dieser Stadt nur gelesen habe. Sie wird auch als die silberne Stadt bezeichnet, eine der schönsten Beweise zu was die Baukunst der Elfen fähig ist. Hohe gläserne Türme aus Silber, hängende Gärten, die mit duftenden Blumen, die die marmornen Straßen erfüllen… Es soll wahrlich eine der schönsten Städte sein.]“
    Für einen Moment schwiegen beide, bis die Elfe wieder anfing zu sprechen.
    „[Ich habe noch nie von dieser Stadt gehört.]“
    Aine zweifelte nun völlig an der geistigen Verfassung ihrer Gesprächspartnerin. Entweder sie wusste tatsächlich nichts davon und lebte Jahrhunderte als Eremit in den Bergen oder die Hitze machte sie schwachsinnig. Die letztere Vermutung würde sogar die glaubhafteste Erklärung für Aine sein.
    Die Elfe konnte offenbar ihre Gedanken lesen.
    „[Glaubt mir, verehrte Magierin. Ich kenne weder das Sklavenvolk der Shantiri noch diese silberne Stadt der Elfen. Die Hauptstadt der Elfen ist für mich Norad.]“
    Plötzlich dämmerte es Aine. Der Riss innerhalb des Waldes, die veraltete Sprachweise der Elfe, ihre sonderbare Art der Magie…
    „Aine“, sagte ihr Chandra damals, als sie zum ersten Mal eine Teleportation vollführt hatten, „Fürchte Teleportationen, gehe nie leichtfertig mit diesem Zauber um. Er kann dich durch die Zeit schleudern oder dich in die hungrige Arme von Deimonen führen. Tteleportiere dich nie, wenn du nicht weißt, was du tust.“
    Alari war aus einer anderen Zeit. Norad wurde von Arlondo als Hauptstadt abgelöst, nachdem der erste Krieg geendet hatte. So erzählte man es sich. Doch der erste Krieg und das goldene Zeitalter waren Jahrtausende in der Vergangenheit. Wie konnte sie so weit in die Zukunft befördert worden sein? Selbst für die mächtigsten Magier war dies eine Unmöglichkeit.
    Es sei denn…
    [„Einer der Erstgeborenen Eremons residierte im hohen Tempel von Norad, der große Drache Fandrasâr. Er selbst kämpfte sogar an unserer Seite!“]
    Fandrasâr, einer der mächtigen fünf Erzdrachen, verschwand im ersten Krieg. Den Legenden nach sollte er den Elfen zur Seite stehen, wenn der Zorn von Norosh wieder die Welt plagen würde.
    Alari hatte sich schon längst von der schluchzenden Elfin, welche die Nähe ihrer anderen Gefährtin gesucht hatte, abgewandt und saß nun vor Aine. Ihre Augen spiegelten ihre Verwirrung und einen Hauch von Verzweiflung wider.
    Die Magierin zögerte. Sollte sie ihre Vermutung offenbaren? Die Illusion brechen?
    Aine schwieg und beide Frauen saßen sich stumm gegenüber. Dennoch versuchten sie hinter das Schweigen zu sehen und dort eine Antwort zu finden.
    Resigniert seufzte Alari. Eine ihrer Hände umfasste die von Aine und jegliche vorherige Anspannung löste sich durch diese simple Geste.
    [„Wo finde ich den nächsten Drachen?“]
    Ohne es zu merken, lächelte Aine. Der Name der Stadt, zu der sie wanderten, besaß diesen nicht ohne Grund.
    ["In Ashan. Dort lebt der Herr des Rates. Sein Name ist Asha."]


  13. #28
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    Langsam, viel zu langsam, sank die Wüstensonne dem Horizont entgegen und tauchte den Sand in ein angenehmes rotes Licht. Es war jetzt nicht mehr so heiß, aber ihre nackten Füße schmerzten sehr vom vielen Laufen auf dem heißen sandigen Untergrund. Sie war lange nichtmehr sauer, nurnoch müde und erschöpft und dachte an warmen Braten und kühles Zwergenbier. Irgendwann, sie spürte ihre Füße schon gar nicht mehr richtig, hielt die Karawane an. Erschöpft lies sie sich vorneüber auf den weichen Sand plumpsen. Neben ihr stand der Menschenriese noch tapfer auf seinen Beinen und schnaubte verächtlich. Kurze Zeit später, sie war bereits eingedöst, kam der Echsenmann, den sie am Tag zuvor angesprochen hatte. Mit einem Gesichtsausdruck der irgendwo zwischen Arroganz und Tadel einzuordnen war, schaute er hinab zu Nezlez. Sie schien irgendetwas wirres zu Träumen und murmelte Worte vor sich hin "....mhmhmmm.....paaren..?!....na warte...mmgrmgm.....abschneiden....".
    Der Echsenmann räusperte sich. Keine Reaktion. Dann stieß er sie unsanft mit seinem Fuß an. "Aua! Und jetzt trittst du mich auch noch du unverschämter kleiner....Oh!" Wo eben noch das Gesicht eines Goblin aus ihrem Stamm war, da waren plötzlich die schmalen Pupillen des Echsenmannes, die sie eindringlich anschauten. "Und? Wirst du dich fortan benehmen oder hast du gefallen am Laufen gefunden? Mir macht es nichts aus, dir einen zweiten Marsch zu gönnen..."
    "Nein nein nein, schon gut! Ich bin jetzt brav....wirklich!" ("Mal sehn...") Es hatte derzeit keinen Sinn zu rebellieren, das war ihr klar geworden. Wenn sie überleben wollte, müsste sie sich etwas einfallen lassen. "Gut, ich nehme dich beim Wort Goblin." "Nezlez, das habe ich doch schon gesagt" Sie war sehr bemüht, nicht genervt zu gucken. "...Wie auch immer. Brichst du dein Wort, wirst du beim nächsten mal verfüttert. Denk daran!" Sie nickte und er nahm ihr die Fesseln ab und schleppte sie wieder zu den anderen in den Käfig.

    Die Ration lag bereits dort. Total dehydriert nahm sie sich von dem Wasser und schüttete sich eine große Ladung den Rachen hinunter. Dann nahm sie etwas von dem Trockenen Brot und begann es zu essen. Die Elfen schienen sich mittlerweile gut zu verstehen. Nezlez hingegen kam sich vor, wie von Feinden umringt. Die Mitgefangenen auf der einen und die Echsen auf der anderen Seite. Keine besonders gute Position, wenn sie weiter überleben wollte. Die Echsen waren Herren ihrer Lage und waren nicht zu überreden. Vielleicht war es klug, sich nicht weiter mit den anderen Käfiginsassen anzufeinden. Sollte es je eine Chance auf eine Flucht geben, so wäre es besser, wenn man ihr half anstatt sie zurückzulassen oder zu töten. Der Gedanke war ihr zwar zuwider, aber um des Überlebens willen nahm sie sich vor, fortan freundlicher zu den anderen zu sein. Wennauch nur vorübergehend. Sie schluckte den letzten Bissen hinunter. Gut schmeckte es hier nicht. Unter normalen Umständen hätte sie auf so eine Art Verpflegung verzichtet. Aber was waren schon noch normale Umstände. Normale Umstände waren, dass man nicht plötzlich durch ein Portal mitten ins Unglück gestürzt wurde.
    Da kam ihr eine Idee.
    Sie wandte sich an die Menschenfrau. "Guten Abend, Hexe. Wie war dein Tag so? Bestimmt total zauberhaft..." Sie schaute sich um. Kein Echsenmann in der Nähe der von ihrer genialen Idee hören würde. "Du hast uns mit deiner Teleportation in diese Lage gebracht. Warum teleportierst du uns nicht einfach nochmal? Ich schlage Wiringol vor, ein toller Zielort. Kannst du das nicht machen? Das wäre echt total nett von dir..." ("..du dumme F**ze.."). Nezlez versuchte, eine freundliche Miene aufzusetzen. Es gelang ihr nicht und sie lies es sein.
    Geändert von Fruwluamressaw (27.06.2016 um 21:11 Uhr)

  14. #29
    Siedler Avatar von coel
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    Ashan.
    Nach vier langen, drückenden Tagen hatten sie Ashan erreicht.
    Die Stadt, wo man genauso schnell reich wie arm werden konnte. Das Zentrum des Handels in der bekannte Welt, wo man alles finden konnte, was das Herz begehrt. Kräftige und wunderschöne Sklaven, makellose Edelsteine, seltene und mächtige Artefakte, meisterlich geschmiedete Waffen oder exotische Gewürze waren nur einige der unzähligen Waren, die die Händler anpriesen. Dieser Ort war ein Symbol, es war etwas, was die Drah’Zil am Meisten auszeichnete. In einem Buch über die Stadt hatte Aine gelesen, wenn man die Drah’Zil wahrlich verstehen wollte, muss man nach Ashan gehen.
    Die Gründung der Stadt fand nach dem ersten Krieg statt. Asha, der große Drache der Ordnung, sah, dass die Drah’Zil unter der Hitze der Sonne litten. Auf ihrer Heimatinsel war ihnen unendlicher Sand fremd, stattdessen hatten sie Sümpfe und feuchten Dschungel. Asha bedauerte das Volk der Drah’Zil sehr und so schlug sie ihre Klaue in die Hügel. Lebensspendendes Wasser murmelte aus der Wunde des Gesteins heraus. Die Drah’Zil waren dankbar für dieses Geschenk. Dankbar bauten sie eine Stadt in ihrem Namen und baten sie darum ihnen mit Rat zur Seite zu stehen. So geschah es, dass Asha als einziger der großen Fünf seinen Platz inmitten eines der Völker fand, wo sie das Schicksal von diesem mitbestimmen sollte.
    Es dämmerte bereits, doch die hohen, goldenen Türme und farbigen Dächer von Ashan waren immer noch zu sehen, wie sie unter den Sonnenstrahlen glänzten. Die Stadt saß auf einem hohen Hügel, so dass man nur einen schnörkeligen Bergpfad zu den Toren kommen konnte. Am Fuße des Hügels befand sie ein großer See, der durch die Bergquelle mit kristallklarem Wasser gefüllt wurde. Für Aine schien es so, als wären sie an einem ganz anderen Ort. Sie durchquerten ein Tal, um den Gebirgspfad zu erreichen, hörte sie eine der Echsen sagen. Hier im Tal war es unglaublich grün, voll mit Palmen und anderen Pflanzen, die schwere saftige Früchte trugen. Beim bloßen Gedanken daran, knurrte ihr Magen geräuschvoll. Aine hatte sich schon so an die hoffnungslose Leere der Wüste gewohnt, dass sie nun völlig gebannt auf ihre Umgebung starrte.
    Den anderen Insassen im Käfig ging es nicht anders, bis auf Cadan. Ihn hatten die Drah’Zil fast zweieinhalb Tage laufen lassen. Am Mittag des dritten Tages war er einfach in den Sand gestürzt und hatte sich nicht mehr bewegt. Die Drah’Zil hatten ihn in den Käfig verfrachten, wo er sich allmählich wieder erholte. Die Anstrengung des Laufes sah man ihm trotzdem noch an und Aine fragte sich schon, ob sie den Trolljäger gebrochen hatten. Sein Gesicht war verbrannt und die Haut schälte sich schon ab. Er war kein schöner Anblick und beinahe empfand sie Mitleid für ihn.
    Sie wendete sich ab, nur um daraufhin in die bösartigen Augen des Goblins zu starren. Wenn es nach Aine ging, hätte man diesen grünen Abschaum in der Wüste zurücklassen sollen. Besonders verwundert war sie gewesen, als sie von dieser Nezlez – so nannte sie sich – angesprochen worden war. Doch die Überraschung schlug schnell in Verachtung um, als diese einen lächerlichen Vorschlag zur Flucht empfahl. Allerdings musste sie zugeben, dass die Goblin keine Ahnung von Magie zu haben schien und daher nicht bemerkte, aus welchem Material der Käfig bestand.
    Winkeleisen war ein Metall, das Magie negierte. Um einen Magier festzunehmen, benutzte man Handschellen aus Winkeleisen, so dass er keinen Zauber mehr wirken konnte. Allerdings mussten die Handschellen aus absolut reinem Winkeleisen bestehen, denn ein erfahrener Magier würde sich mit ausreichend Konzentration aus diesen befreien. Unglücklicherweise war Winkeleisen auch sehr robust, weswegen auch sehr gut als Käfig diente.
    Sie hatte der Goblin geantwortet, dass eine Teleportation ohne ihr Buch nicht möglich war, was auch stimmte. Über das Material des Käfigs hatte sie jedoch kein Wort verloren.

    ...

    Nalims Brust schwellte vor Stolz an, als er endlich die Umrisse von Ashan sehen konnte. Es war sein Geburtsort, seine Heimat und trotz der Abneigung seiner Artgenossen wegen seines Makels ihm gegenüber würde es das immer für ihn sein. Im Gegensatz zu Rijok nahm er die Bleichhaut als Strafe der Götter hin. Er war ein Mörder und die Götter hatten ihn deswegen rechtens bestraft. Der Anblick seines blutigen Schmiedehammer, von dem das Blut eines erschlagenen Drah’Zil tropfte, war eine Erinnerung, die er sich immer wieder ins Gedächtnis rief, wenn er sich bemitleidete.
    Der wütende Aufschrei eines menschlichen Händlers riss ihn aus seinen Gedanken. Sein Nauglir hatte hungrig nach einem Pferde geschnappt und jenes war wiehernd aufgesprungen, was die ganze kleine Karawane in Unruhe brachte.
    „Achte mal auf deinen Nauglir, du Idiot!“, schrie ihm der dunkelhäutige Menschling entgegen, während er seine Pferde wieder beruhigte.
    „Verzeiht meine Unachtsamkeit“, entschuldigte sich Nalim und zog stark an den Zügeln des Nauglir, um ihn wieder zur Besinnung zu bringen.
    Ashan war ein Platz für Händler. Eine neutrale Zone, die nur als reiner Markt diente. Ausgewiesene Kaufleute aus allen anderen intelligenten Rassen durften die Stadt betreten. Ebenso wie auch Nalim bald die Tore zusammen mit Rijok durchqueren durfte. Sein Anführer hatte sich einen Namen als Sklavenjäger gemacht. Unter einer kleinen Gruppe, die den Sklavenmarkt in Ashan kontrollierte, war er einer der wichtigsten und bekanntesten. Deswegen durfte er auch mit einem Infizierten seiner Gruppe die massiven Tore der Stadt passieren, ohne dabei in das Dorf, welches außerhalb für Bleichhäute geschaffen worden war, verwiesen zu werden. Ihre anderen beiden Gefährten würden derweil mit den Nauglir und den Söldner im Dorf auf ihre Rückkehr warten.
    Sobald sie in der Stadt angekommen waren, würde Nalim die freie Zeit nutzen, um sich nach einer neuen Waffe umzusehen. Der Verkauf der Sklaven fand erst am nächsten Morgen in aller Frühe statt, da die Sonne noch nicht wie ein Schmelzofen die Sklaven marterte und für Verkäufer als auch Käufer somit am Günstigsten war.
    Rijok war neben ihn geritten. Sein nachdenklicher Gesichtsausdruck verriet, dass er bereits den Preis seiner Waren im Kopf durchging. Nalim gluckste vergnügt.
    Er würde sich ein wertvolles Schwert kaufen können.


    Bild von Ashan:
    Geändert von coel (28.06.2016 um 13:33 Uhr)

  15. #30
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari starrte verzückt auf den prachtvollen Anblick, der sich ihr bot. Inmitten des tristen, von allem Grün verlassen zu scheinenden, endlosen Sand erblühte ein wahrer Ausbund an Farben. Wasser war hier in solcher Hülle und Fülle vorhanden, dass die Vermutung nahelegte, dass es eine Quelle gab, womöglich sogar mehrere. Die gesamte Umgebung war ein Bruch mit der Wüstenlandschaft, doch die Elfe störte sich nicht daran. Zum Einen zeigte es Ihr, dass Aine wohl tatsächlich richtig gelegen hatte und ein Drache vor Ort residierte, denn sie konnte sich niemand anderen vorstellen, der zu solchen Wunderwerken in der Lage war. Zum Anderen war sie schlicht und ergreifend hingerissen von dem Bild, das sich ihr bot. Ihre Augen erfassten dutzende Eindrücke der Stadt auf einmal. Es begann mit einem Händler, der in einem seine Schuppenfarbe komplementierenden bräunlichen Überwurf eine vielzahl von exotisch anmutenden, bunten Früchten anpries, während einige kleine Echslinge (wie sie die jungen Drah'Zil betitelt hatte) sich darum rissen, als erstes an den Stand zu gelangen und seinen saftigen Inhalt zu erstehen. Ein Kriegertrupp von schwer gerüsteten Gardisten marschierte in exaktem Gleichschritt über die Straße, die Speere hoch erhoben, die Schwänze wie im Takt eines unhörbaren Marschliedes zuckend. Vor Alaris Augen wirkte es, als ob die unterschiedlichen Farben all der Schuppenkleider der sichtbaren Bewohner Ashans Teile eines großen Wandteppiches waren, ein jeder Drah'Zil ein bunter Faden, der durch seinen Weg durch die verschlungenen Straßen seinen eigenen Faden mit denen der Anderen verflocht. In der hellen Sonne strahlten die Dächer, als wären sie aus Edelmetallen gefertigt. Womöglich waren es einige sogar tatsächlich, wenn man dem Schein nach ging, der durch das reflektierte Licht verursacht wurde.

    "Wahrlich, welch ein Anblick ist dies!" gab sie leise ehrfürchtig von sich. "Selten sah ich eine Stadt diesen Ausmaßes, gar noch nie, so deucht es mir. Welch Wunder, einen solchen Hort der Zivilisation anzufinden..." ihre Stimme verlor sich, als sie erst jetzt wieder der Gitterstäbe gewahr zu werden schien, welche sie umgaben. Doch selbst dies schien ihre Stimmung nicht zu trüben. Mit leuchtenden Augen und noch strahlenderem Lächeln wandte sie sich Aine zu, der sie als Einzige eine ähnliche Reaktion zutraute. "Ist dies nicht wunderlich und wunderbar? Dies, werte Aine, ist ein Gemälde, dessen Künstler es noch immer hingebungsvoll zu vollenden bemüht. Nur die Altvorderen, die Erstgeborenen Eremons, bringen eine solche Geduld und eine solche Kunstfertigkeit auf! Eure Worte waren wahrhaftig weise, mir deucht, die himmlische Herrin Asha residiert fürwahr in diesem Juwel!" Sie begab sich an den Rand des Käfigs, streckte ihren rechten Arm hinaus und liess ihre Finger sanft über einen geschwungenen Palmwedel streichen. "Wahrhaftig, dies erfreut mein Herz." meinte sie leise, während ein Söldner sie erst aufhalten wollte, jedoch nach einem Blick auf ihre vor Freude glühenden Augen selbst ein verwirrt- fröhliches Lächeln aufsetzte und sie gewähren liess. "Ist dies nicht ein Zeichen, dass sich auch in dunkelster Nacht eine Laterne der Hoffnung entzünden lässt? Inmitten all des Sandes, inmitten der tristen Einöde, liegt ein solcher Schatz verborgen, der seinen Bewohnern Wasser, Schutz und Zuflucht gewährt." Ihr Blick wanderte in die Ferne, während sie begann, eines der Lieder des Windes zu summen. [Den Meisten zumindest...] fügte sie an, ehe sie den Arm wieder zurück in den Käfig zog und sich erneut der Maga zuwandte. [Wir dürfen es nicht länger hinaus zögern. Wir brauchen einen Plan. Sobald man uns verkauft, wird es schwierig, wenn nicht gar unmöglich, aus dieser Situation zu entfliehen. Die Reise war voller Entbehrungen, doch ich habe erst zuvor noch... schlimmeres durchleiden müssen. Verglichen mit jener Tortur war dies beinahe erholsam, und die Wärter haben mir meinen Schlaf gegönnt. Ich denke, ich kann die Wachen dazu bringen, den Käfig aufzuschliessen - jedoch nicht mit den besten Intentionen. Ihr Wollen wird gänzlich auf mich gerichtet sein, und ich zweifle nicht daran, was Männer in einer solchen Stimmung Frauen in meiner Lage anzutun vermögen. Doch ihre Aufmerksamkeit wie auch ihr Begehr lastet auf mir, Ihr Anderen seid nur am Rande für sie da. Traut Ihr es Euch zu, mit den Anderen zur Tat zu schreiten und die Männer zu überwältigen? Gerade bei den Drah'Zil bin ich nicht sicher, ob und welche Wirkung mein Lied auf diese haben wird, sollten sie ebenfalls vor Ort sein. Ich werde notfalls etwas anderes anstimmen müssen, doch am Besten wäre es, wir würden dies so ungesehen wie möglich machen.] Ihr Blick wanderte gen Zentrum der Stadt, und beinahe erwartete sie, einen Drachen in der Ferne gen Himmel aufsteigen zu sehen. [Sollten wir es jedoch schaffen, hier unbemerkt heraus zu kommen, so ist mein Vorschlag, dass wir uns zur Herrscherin der Stadt begeben. Unsere Umstände sind unglücklich, doch ich bin die höchste Priesterin Fandrasârs, und noch nie habe ich in meinem Dienste an Eremon die Unwahrheit gesprochen. Auch ist meine Kenntnis und Artikulation der drachischen Sprache gut genug, damit ich sie dazu bringen können dürfte, mir zuzuhören. Doch alleine schaffe ich dies nicht.] schloss sie ihre Ausführungen und sah Aine erwartungsvoll an.
    Geändert von Rosered_Strauss (30.06.2016 um 00:27 Uhr)

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