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  1. #31
    Na hast du Angst, Kleiner?! Avatar von Ironhide
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    Wie lange hatte er geschlafen? Hatte er überhaupt geschlafen? Sein Haupt hatte er in den Sand gelegt, das war zumindest das letzte, woran er sich erinnern konnte, als er zu Boden gegangen war. Cadan wusste da schon nicht mal mehr, wie lange er schon in der Hitze gelaufen war, drei Tage oder waren es doch vier? Jedenfalls zu lange. Seine Haut schmerzte von der Sonne, die Beine vom Marsch und der Rest vor Hunger und Durst. Doch hatten sie ihn nicht sterben lassen. Kaum das er wach war, reichte man ihm Wasser, eine der Elfen tat dies, glaubte er. So ganz sicher war er sich nicht.
    Cadan war erst kurz vor dem Morgengrauen erwacht und fühlte sich elendig. Er hatte kaum die Kraft, sich auf zu setzten und immer wenn er es versuchte, fing sein Kopf an die Welt um ihn herum in eine solche Drehung zu versetzten, das ihm schlecht wurde. Etwas anderes als liegen konnte er nicht. Dafür bekam er aber reichlich Wasser und sogar etwas mehr als nur trocken Brot. Er war wohl doch wertvoller für den Sklavenhändler, als er angenommen hatte. Stunden später fühlte er sich bereits etwas besser, wenn es auch nicht viel war. Erst als sie die Stadt erreichten, merkte auch Cadan selbst eine kleine Besserung, es drehte sich nicht mehr alles. Von der Stadt sah er aber nicht viel im liegen, im Grunde gar nichts. Der Käfig war noch immer verhangen und dort wo sich seine Mitinsassen an die Seite drängten um hinauszuspähen, hörte er nur all die Geräusche von draußen. Sie waren ihm aber gleichgültig, zumindest in seinem Zustand war es ihm das. Er nahm an, das dies Ashan sein müsse, was ja auch das Ziel der Sklavenhändler war. Er hatte von der Stadt schon mal gehört, würde sie auch gerne sehen wollen, in seinem Zustand jedoch, war er froh einfach nur liegen zu können, um sich von den Strapazen zu erholen. Er war sich sicher, das er seine Kraft später noch brauchen würde und daher war jede Minute ohne Anstrengung wichtig. Die Stadt würde er halt ein andermal sehen und er war sich sicher, das er das als freier Mann tun würde. Dennoch versucht Cadan sich erneut aufzusetzen und mit Hilfe eines der anderen Männer die verkauft werden sollten, gelang es ihm auch. Er lehnte sich gegen die Stäbe, um etwas Stabilität zu haben. Die Gitterstäbe waren angenehm kühl, was ihn erneut überraschte. Das sie in solch einer Hitze kaum wärme aufnahmen, war schon etwas verwunderlich. Vielleicht waren sie mit irgendeiner Magie belegt. Ihm war diese Gegebenheit egal, selbst gewöhnlichen Stahl von solcher Stärker könnte er nicht verbiegen, verzaubert hin oder her.

    „Wie geht’s nun weiter? Wenn wir an unserem Ziel sind, wird es sicher nicht mehr lange dauern, und wir werden an den Meistbietenden verhökert.“, stellte der Trolljäger überflüssigerweise fest. Es wurde ihnen ja immer wieder gesagt, unnötig es den anderen nochmal in Erinnerung zu rufen.

  2. #32
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    ("Schade. Die Idee mit dem Wegteleportieren war wohl doch nicht ganz so genial. Wäre wohl zu schön gewesen..") Mittlerweile waren sie in Ashan angekommen und Nezlez lies es sich nicht nehmen, aus dem Käfig zu spicken. Es war eine willkommene Abwechslung zur kargen Wüste - Wasser, sehr viel Wasser. Und wie es für Gewässer üblich war, brachten sie auch hier viel Grün mit sich. Die Bäume sahen hier zwar deutlich anders aus, waren aber dennoch als solche zu erkennen. Teilweise wuchsen Früchte daran. Noch erstaunlicher waren allerdings die Gebäude der Stadt. Nezlez war bisher vor allem Goblinhöhlen und schlichte Menschenhütten gewohnt. Die hier sahen deutlich prachtvoller aus und Nez viel es schwer, nicht beeindruckt zu sein. Neugierig wanderte ihr Blick. Ein weiterer Kontrast zur Wüste, neben der Optik, war auch die Geräuschkulisse. Ashan wirkte sehr lebendig, viele verschiedene Stimmen, die da durcheinander sprachen. Sie konnte viele Händler und Kaufleute sehen. Ein Paradies, wenn man etwas stehlen wollte hatte man hier die Qual der Wahl. Nezlez juckte es bereits in den Fingern. Aber ebenso musste man auch vorsichtig sein, Nezlez war nicht entgangen, dass auch einige bewaffnete Soldatenpatrouillien auf den Straßen unterwegs waren. Aber jetzt gerade war es ohnehin egal, denn sie war ja immer noch in Gefangenschaft. Frustriert grummelte sie vor sich hin. Die Teleportation war keine Möglichkeit und ihr wollte keine andere einfallen.

    Neben sich hörte sie die Elfe mit der Hexe tuscheln. Was hatten die beiden zu bereden? Sie spitzte die Ohren und lauschte, aber die Elfe sprach in einer Sprache, die sie nicht verstand. ("Typisch Elfe! Verschwendet ihre Zeit mit verworrenen Wörtern und Geheimnistuerei!") - Aber vielleicht schmiedeten die beiden bereits einen Plan?. Wenn dies der Fall wäre, und Nezlez Teil dieses Planes werden wollte, so musste sie sich jetzt einbringen. Bessere Alternativen gab es gerade leider ohnehin nicht. Sie biss sich auf die Lippe, überlegte kurz und setzte sich dann im Schneidersitz neben die beiden Frauen, die sie direkt, Aine eher abfällig, die Elfe eher verwundert, anschauten. "Was gibt's denn hier zu Tuscheln, Elfe? Tauscht du dich mit der Hexe über Kräuter und Frösche aus?" Sie beugte sich vor und flüsterte "Oder hast du mittlerweile eine Idee, wie wir aus diesem Kasten kommen?" Die Elfe zögerte kurz, nickte aber dann. "Gut. Aus eigenem Interesse werde ich das Spiel mitspielen. Oder würdest du lieber einen weiteren Feind anstatt einer Verbündeten bevorzugen? Nein, SO doof kannst du ja nicht sein. Wie hast du es dir überlegt? Wie wollen wir an unsere Ausrüstung kommen? Die ist bei diesen fetten Transportechsen. Hast du das denn bedacht, Elfe? Ich traue unserem Männlein *sie nickte zu Cadan* zwar zu, auch ohne eine Waffe etwas mit seinen Riesengriffeln ausrichten zu können, aber ich hätte lieber mindestens einen Dolch zur Hand. Außerdem habe ich da auch noch einigen Kram, auf den ich ehrlich gesagt nur sehr ungern verzichten würde."
    Geändert von Fruwluamressaw (01.07.2016 um 17:08 Uhr)

  3. #33
    Siedler Avatar von coel
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    Schmerz durchzuckte sie, als die rasiermesserscharfe Klinge sich in ihr Fleisch schnitt. Blut, welches so dunkelrot war, dass es beinahe schwarz zu sein schien, tropfte auf den staubigen Pflastersteinboden, wo der Basar aufgebaut worden war. Ein kurzer Schmerzlaut glitt über die dünnen Lippen und der Mund öffnete sich leicht, wobei er zwei saubere Reihen von kleinen spitzen Zähnen entblößte. Ein Hauch von Überraschung kroch wie ein Insektenschwarm über die raue, dunkle Haut des kantigen Gesichts und das glühend rote Auge beäugte ungläubig die so schnell geschehene Verwundung. Dann wechselte ihr Ausdruck in ein teuflisches Grinsen.
    Der Zwergenhändler, der die hohe Gestalt misstrauisch betrachtete, erkundigte sich nach einem Moment des Wartens, ob seinem Gegenüber die Ware gefiel. Das Wesen bleckte die Zähne wie ein Raubtier, was den Zwerg nur noch mehr verunsicherte, dann gab sie das Schwert zurück.
    „Es ist scharf“, sagte es mit einer tiefen, rauchigen Stimme, „Ich hätte nicht gedacht, dass es noch andere Schwerter gibt, die so gut schneiden.“
    „Dann seid ihr noch nie einem guten Zwergenschmied begegnet“, sagte der stämmige Zwerg stolz und verstaute seine Ware wieder sorgsam, um sich dann wieder dem potenziellen Käufer zuzuwenden, „Ihr werdet erstaunt sein, zu was für Werken unser Volk fähig ist.“
    „Dessen bin ich mir sicher.“
    Nach diesen Worten riss sie mit einer Schnelligkeit ein Schwert aus der Scheide an ihrem Gürtel, dass der Zwerg erschrocken zurückwich und schützend seine Hände vor sich hob.
    Das Schwert mit kunstvollen Runen schien wie ein Stein in einem Fluss geformt worden zu sein. Glatt und natürlich wirkte es so, als wäre es aus einem Bergwerk geschlagen worden und hätte weder die kräftigen, formenden Schläge eines Hammers noch die reinigende, sengende Glut des Ofens erfahren. Faszination überkam den Zwerg beim Anblick der makellosen Klinge, die strahlend das morgendliche Sonnenlicht reflektierte.
    „Das ist ein ordinisches Schwert! Diese Kunstwerke wurden den Elfen geschenkt. Nur ein hochgeborener Elf trägt eine derartige Waffe, aber ihr seid kein Elf!“, blaffte der Zwergenhändler fast schon erbost über das Schicksal des zwergischen Handwerks.
    „Es gehörte einem Elfen, Zwerg“, sprach das Wesen und ihr Auge verengte sich zu bedrohlichen Schlitzen, „Ich habe sein Herz verspeist, nachdem ich ihm in seiner sterbenden Anwesenheit seine letzte Tochter wie ein Vieh ausgeweidet habe.“
    Die Shantiri grinste boshaft und der Zwerg konnte die unaussprechlichen Grausamkeiten der Vergangenheit vom narbigen Gesicht lesen als würde er ein Gemälde betrachten.
    Ihre klauenartigen Hände lüfteten eine schwarzes, ledernes Band, das diagonal auf ihrem Kopf lag, und zeigten ein grobes Loch, wo früher einmal ein zornig starrendes Auge gewesen war.
    „Er raubte mir ein Auge, ich raubte ihm seine ganze Existenz“, sagte sie so kalt, dass der Zwerg erbleichte und seine Finger taub vor Entsetzen wurden.
    Das Schwert verschwand wieder in seiner Scheide, dann blickte die Shantiri den Zwerg noch ein Herzschläge stumm an.
    „Ihr habt ausgezeichneten Waffen, Herr Zwerg“, begann sie plötzlich, „Ich werde euch demnächst wieder besuchen. Gehabt euch wohl.“
    Ivras nickte dem immer noch geschockt wirkenden Zwerg zu, dann drehte sie sich auf dem Absatz und verschwand in Masse der Besucher des Basares.

    ...

    Aine schüttelte lächelnd über die Naivität der Beiden den Kopf.
    „Glaubt ihr wirklich wir kommen hier einfach weg?“, flüsterte sie mit der Elfe und der Goblin, „Wir sind in Ashan. Hier wird alles gehandelt, was zum Handel freigegeben ist.“
    Sie deutete auf Alari.
    „Ich bezweifle, dass sie eine Sklavin auch nur in die Nähe des Palastes lassen.“
    Sie machte eine Pause und richtete ihre Augen auf Nezlez.
    „Du fällst auf wie ein pinker Kater. Du kommst nicht von ihr und ich bezweifle, dass die Drah’Zil etwas frei herumlaufen lassen, was sie nicht kennen“, sagte fast schon verächtlich und fuhr sich durch ihre blonden verfilzten Haare.
    „Wir werden auf eine geeignete Gelegenheit warten müssen“, gab sie schließlich resigniert zu.
    Bevor die Beiden etwas einwenden wollten, erkannten sie, dass Aine wusste, wovon sie redete. Sie zogen sich schweigend in eine Ecke des Käfigs zurück und verloren sich in ihre Gedanken.
    Nachdem sie das Tor passiert hatten, marschierte die bleiche Echse namens Rijok belgeitet von den menschlichen Söldner mit ihnen durch die Straßen der Stadt. Das Tuch hatte er schon lange vom Käfig gezogen, so dass sie nun die Gebäude und Bewohner von Ashan betrachten konnten. Keiner von den Einheimischen schien sie jedoch eines eingehenderen Blickes zu würdigen. Offenbar waren sie das Bild eines vorbeiziehenden Käfigs, der gefüllt mit anderen Rassen war, schon lange gewohnt. Ebenso machten sie auch einen großen Bogen um Rijok und manche hörte Aine fluchen, als sie ihn kommen sahen. Die bleiche Echse ließ sich nichts anmerken und führte den Käfig langsam, aber sicher zu einem weitläufigen Hof.
    Eine rotschuppige Echse, dessen riesige Statur und Muskeln sowohl den Drah’Zil ja sogar Cadan in den Schatten stellte, näherte sich kauend Rijok. In seinem Maul lagen auch die Blätter, welche die anderen Echsen gerne als Zeitvertreib nutzten.
    „Rijok Silberklinge, ich grüße dich“, sagte er mit tiefen grollenden Stimme.
    „Samael, es ist mir eine Ehre“, entgegnete ihm Rijok und verbeugte sich leicht, „Wie du siehst, bringe ich Ware für den morgigen Markt. Sind meine Zellen gesäubert und bereit?“
    Der Echsenriese schaute an Rijok vorbei zu dem Käfig, wobei sich für einen Moment die Augen von ihm und Aine trafen.
    „Wie ich sehe, hast einen guten Fang gemacht. Ich hoffe, die Sklaven taugen auch was.“
    „Ich verkaufe keine minderwertige Ware, das solltest du wissen. Jetzt schaff mir meine Lieferung in den Zellen. Die Reise war lang und ich bin müde.“
    Knirschend öffnete sich ihr Käfig und Aine spürte, wie ihre Gelenke von der wenigen Bewegung schmerzten, als sie ihr Heim der letzten Tage zum ersten Mal verließ. Jedem Sklaven wurden die Füße zusammengekettet, dann wurden sie zu dem Lagerhaus gebracht. Aine hatte bereits Verließe gesehen und rechnete schon damit, von einem unangenehm Gestank überwältigt zu werden. Doch die Luft roch nur schwach nach Ausdünstungen und die Zellen waren ausgesprochen sauber. Sie wurden nach Geschlecht getrennt in eine der leeren Zellen geschafft, wo sich Aine auf das ausgestreute Stroh am Boden legte. Die Ketten an ihren Füßen klirrten dabei.
    Die bleiche Echse starrte sie noch eine Weile an, dann verließ er sie ohne ein Wort zu sagen.

    Geändert von coel (05.08.2016 um 17:09 Uhr)

  4. #34
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    „Celriel, komm, wir ziehen uns zurück!“
    Die Angesprochene, deren Blick eben noch in die Ferne gerichtet war, drehte sich in die Richtung, aus der sie die Stimme ihres Hauptmannes vernommen hatte. Zu ihren Füßen lag ein Shantiri, dessen Todeskampf sie, nachdem sie ihn während des Kampfes mit ihrem Schwert die Gliedmaßen beinahe abgetrennt hatte, nicht ohne eine gewisse Befriedigung beobachtet hatte, sorgfältig darauf bedacht, ihm zusätzliche Schmerzen zu bereiten, ohne sein Ableben unnötig zu beschleunigen.
    „Sie sind aber da lang.“ erwiderte sie und zeigte mit der Hand zum Waldrand, in dem sich die nach Süden führende Straße verlor. Der Hauptmann seufzte. Sie musste doch selbst sehen, dass ihnen die Verfolgung unmöglich war.
    Der Kampf war zwar nur kurz gewesen, dafür aber heftig. Drei Tage lang waren sie den Spuren dieser Karawane gefolgt, ehe sie sie endlich eingeholt hatten. Wie der Sturmwind waren sie im Morgengrauen über ihr Nachtlager hergefallen und hatten sie regelrecht abgeschlachtet, doch die Shantiri verstanden sich zu wehren, und so hatten auch sie ein paar Tote und mehrere Verwundete zu beklagen. Doch das war es wert, hatten sie doch eine Handvoll Elfen befreien können. Sauber abgenagte Knochen neben dem niedergebrannten Lagerfeuer ließen erahnen, welches Schicksal ihnen sonst geblüht hätte.
    Eigentlich sollte man sie einfach niederringen, fesseln und mit zurückschleppen, aber er hatte wirklich keine Lust, sich dieses Theater anzutun, also versuchte er, sie mit Worten zu überzeugen. „Du siehst doch selbst, dass die Verwundeten behandelt werden und die Zivilisten in Sicherheit gebracht werden müssen.“ Er war zu ihr hingegangen, hatte die Hand auf ihre rechte Schulter glegt und sah ihr fest in die Augen. „Wir befinden uns schon fast an der südlichen Grenze des Shantiri-Gebietes. Wir können sie nicht einfach alleine zurückschicken, wir müssen sie auf dem Rückweg beschützen!“
    Ihr Blick blieb auf den ihres Hauptmanns gerichtet. Sie musste sich nicht umsehen, um seine Worte bestätigt zu sehen, immerhin war sie sich der Situation sehr wohl bewusst. Und dennoch, was dieser Shantiri ihr mit seinen letzten Atemzügen voller Verachtung noch entgegengeschleudert hatte, durfte nicht ignoriert werden. Offenbar war die Karawane auf eine Abordnung mit einer hochrangigen Shantiri getroffen, und eine der Wachen hatte sich verplappert und verraten, dass sie nach Ashan unterwegs wären. „Wenn an dem, was dieses Ding gesagt hat, auch nur ein Funken wahr ist, dann müssen wir die Absichten dieser Abordnung in Erfahrung bringen!“ Celriels Blick wanderte wieder gen Süden, ihr Blut geriet in Aufruhr. Einst hatten die Drah'Zil den Elfen die Shantiri zum Geschenk gemacht, und nun, nachdem diese ihre Herren verraten hatten, schickten sie eine Abordnung in die Hauptstadt derer, die sie als Sklaven erschaffen hatten? Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht. Was, wenn ...
    Ihr Entschluss stand fest. „Ich werde sie verfolgen.“ Sie sagte es ganz ruhig und sachlich, und dem Hauptmann war klar, das er sie nicht würde umstimmen können.
    „Also gut.“ Er drehte sich zu den anderen um und brüllte Befehle:„Packt soviel Wasser und Hafer auf ihr Pferd, wie sie bis Ashan brauchen werden!“
    „Nein,“ erwiderte Celriel, „ihr braucht das Pferd dringender als ich. Die Shantiri sind nicht sehr schnell, ich werde bald zu ihnen aufschließen.“ Sie ging zu ihrem Pferd, schnappte sich ihr Bündel, den Bogen sowie den Köcher mit den Pfeilen und schulterte alles. Ihre Kameraden gaben ihr noch mehrere Wasserflaschen.
    „Beschaffe die Information und komm wieder zurück. Geh kein unnötiges Risiko ein, hörst du?“ Der Hauptmann packte sie an den Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen:„Du wirst zurückkehren. Gib mir dein Wort!“
    Celriel legte die rechte Hand aufs Herz und verbeugte sich leicht. „Du hast mein Wort.“ Mit einem knappen „Macht's gut!“ verabschiedete sie sich noch von ihren Kameraden, dann lief sie auch schon die Straße hinunter.

    Zwei Wochen. Zwei lange Wochen war sie den Shantiri nun schon durch diese verdammte Wüste mit ihrer verfluchten Hitze gefolgt, ohne von ihnen mehr als ihre Spuren zu Gesicht zu bekommen. So paradox es klingen mag, aber sie hat ihre volle Montur anbehalten. Zwar schwitzte sie dadurch mehr, gleichzeitig brachte das dem Körper aber auch die ersehnte Kühlung (und schützte sie nebenbei noch vor einem äußerst unangenehmen Sonnenbrand). Einzig ihre Narbe machte ihr zu schaffen, explodierte ihr Kopf doch in dieser Hitze förmlich vor Schmerzen. Um die wenigen Namablätter, über die sie verfügte, zu sparen, hatte sie anfangs eine der Wasserflaschen auf den Kopf gelegt und mit der Kapuze ihres Umhanges fixiert,um die Schmerzen zu lindern, aber mittlerweile war das wenige verbliebene Wasser fast schon so heiß wie die Wüstenluft um sie herum. Also hatte sie letztendlich doch wieder Blätter kauen müssen (wobei dies den Speichelfluss anregt, was wiederum das Durstgefühl lindert).

    Endlich war Ashan vor ihr aufgetaucht. Majestätisch erhoben sich die Türme der Stadt über das saftige Grün dieser einsamen Oase inmitten des endlos scheinenden Sandes. Auf dem befestigten Weg, der zu den Toren der Stadt auf dem Hügel führte, konnte sie lebhaftes treiben erkennen. Unzählige Fuhrwerke mit Gütern aller Art strebten darauf zu und begehrten Einlass. Auch Celriel folgte diesem Weg, als sie jedoch am See vorbeikam, begab sie sich zu dessen Ufer. Nicht ohne sich vorher zu vergewissern, dass sie keinen Unmut erregte, kniete sie nieder, schöpfte mit beiden Händen Wasser und schüttete es sich ins Gesicht und in den Nacken, ehe sie – nach einem nochmaligen Rundumblick – kurzerhand den ganzen Kopf ins angenehm kühle Nass steckte. Es vermochte sogar ihren tobenden Kopfschmerz ein wenig zu lindern. Sie trank noch ein paar Schluck und füllte danach schnell eine der Flaschen mit frischem Wasser (mehr auf einmal würde hier nicht nötig sein), ehe sie sich wieder in die Kolonne der auf die Stadt zustrebenden einreihte.
    Allmählich fiel ihr auf, dass sie die Aufmerksamkeit der sie umgebenden Wesen erregt hatte. Sollte der Anblick einer Elfe wirklich so selten geworden sein? Oder lag es an etwas anderem? Sie roch an ihrer Kleidung. Ja, sie stank, aber bei weitem nicht so, wie diese Menschen neben ihr, und der Geruch der Drah'Zil war ohnehin eigen. Na ja, sie würde hoffentlich bald Gelegenheit haben, sich und ihre Kleidung zu waschen.
    Die Torwache musterte sie und blockierte ihr schließlich den Weg. „Du da,“ herrschte der Wächter sie an, „Ich will deine Lizenz sehen!“
    Ganz ruhig griff sie unter ihren Umhang und holte das gewünschte Papier hervor, welches sie bei einer armen Seele, die der Wüste zum Opfer gefallen war, gefunden hatte. „Hier, bitte.“
    Sie reichte das Dokument der Echse, die es sorgsam prüfte und sie mißtrauisch beäugte. Dann beugte sie sich zu ihr herunter und gab ihr die Lizenz zurück. „Du stinkst förmlich nach Ärger! Wenn du hier Schwierigkeiten machen willst, dreh besser um, ansonsten landest du bei deinesgleichen in der Sklaverei!“ Dabei zeigte der riesige, rotschuppige Echsenkrieger auf einen vorbeifahrenden Käfig, in dem neben mehreren Menschen und einem kleinen, grünes Wesen mit blauen Haaren auch drei Elfen saßen.
    „Soviel zur ,Freundschaft' zwischen Drah'Zil und Elfen!“ dachte sie erbost. Sie zwang sich, ein höfliches Gesicht zu machen. Am liebsten wäre sie dieser Echse einem Wolf gleich an die Gurgel gesprungen, aber da dies ihrer Mission nicht dienlich wäre, erwiderte sie, während sie das Dokument wieder unter ihrem Umhang verstaute, so freundlich, wie es ihr eben möglich war: „Ich versichere Euch, dass ich mich durchaus zu benehmen weiß. Und meinen unangenehmen Geruch lasst bitte meine Sorge sein, ich werde mich in Bälde darum kümmern.“
    Mit einer Geste, die einem verächtlichen Naserümpfen ähnlich war, machte der Drah'Zilsoldat den Weg frei, und Celriel gelangte endlich hinter die kühlenden Mauern dieser zweifelsohne beeindruckenden und lebendigen Stadt.
    Am liebsten hätte sie gleich nach den Shantiri gesucht, aber sie war nach all den Strapatzen ziemlich ausgelaugt. Und es war schon spät. Sie würde sich eine Unterkunft suchen, sich waschen, was ordentliches Essen und dann schlafen. Morgen war auch noch ein Tag ...
    Geändert von Waltikon (30.11.2016 um 20:49 Uhr) Grund: Händlerlizenz eingefügt

  5. #35
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Die Nacht verstrich, und als der Tag für die Gefangenen begann, konnte sich keiner des mulmigen Gefühles entziehen, das sich unter ihnen breit gemacht hatte. Schon früh morgens traten gleichsam mit den ersten Sonnenstrahlen echsische Arbeiter ein, die die Gefangenen einzeln aus ihrer Zelle holten, sie wuschen und in frische, weisse Gewänder kleideten. Diese waren zwar von billiger Qualität, machten die 'Ware' aber zumindest präsentabel. Für Alari war es wohl das erste Mal, dass sie dafür dankbar war, dass sie von den Drah'Zil und nicht von Menschen gefangen gehalten wurden, denn die Kleider waren für Männer wie auch für Frauen identisch. Die Kaltblüter legten wenig Wert auf die äusserlichen Vorzüge des schönen Geschlechts - für sie galten andere Tugenden. Dennoch fühlte sich Alari wie auf dem Präsentierteller, als sie sich nicht lange nach Sonnenaufgang in Ketten wiederfand. Selbst, wenn ihre Wächter ihr nicht allzu viel zutrauten, waren sie doch vorsichtig genug. Zu oft schienen sie Häftlinge gesehen zu haben, die sich zu Verzweiflungstaten hinreissen liessen. Doch die Elfe war nicht verzweifelt. Sicherlich, sie war gestresst, sehr sogar. Die Strapazen des Krieges und ihrer magischen Beförderung setzten ihr immer noch zu, und die Tortur des Transportes unter für sie sehr großer Hitze hatte nicht dazu beigetragen, dass sie sich sonderlich erholen konnte. Doch sie hielt den Kopf nicht gesenkt, den Blick nicht stets zu Boden gerichtet. Wann immer es möglich war, ging sie aufrechten Hauptes, ihre Bewegungen immer noch so geschmeidig, als wären sie alle Teil des gleichen Gedankens. Ihr war klar, dass der Rest ihrer jüngsten Gefährten sie zumindest für entrückt, wenn nicht gar für verrückt halten mussten, war ihr Blick doch während der Fahrt zum Sklavenmarkt doch in weite Ferne gerichtet. Irgendwann schloss sie die Augen, während sie der Melodie der Stadt lauschte und schliesslich begann, diese leise vor sich hin zu summen. Eine Melodie, die geprägt durch eine Hoffnungsvolle Note war; war die Stadt doch eine sichere Zuflucht inmitten der Wüste, während das Wasser es ihnen ermöglichte, hier ein sesshaftes Leben zu führen. So viele Verse überlagerten sich hier an diesem Ort: Noten der Hoffnung rangen stets mit Noten der Verzweiflung, während einzelne Stimmen ein Lied der Einsamkeit und des Leides anstimmten, ungehört von all jenen, die noch nicht gelernt hatten zu hören. Gesänge des Stolzes, der Aufrichtigkeit und der Härte schwollen hundertfach auf und ab, so dominant, dass Alari sich beinahe sicher war, dass sie aus der Kehle eines jeden Einwohners stammten. Und je eindringlicher sie lauschte, je tiefer sie sich auf die einzigartige Symphonie Ashans einstimmte, desto mehr konnte sie die Existenz einer machtvollen Stimme wahrnehmen, die als das Leitmotiv der Stadt agierte. Eine Stimme, die so komplex und machtvoll war, dass sie von keinem sterblichen Wesen stammen konnte. Ihrer Erfahrung nach hatten nur Drachen eine solche Stimmgewalt.

    So sehr hatte sie sich darauf konzentriert, zu 'hören' und zu 'singen', dass es ihr schien, als würde sie mit dem Halten des Wagens gleichzeitig aus einem Traum erwachen. Sie blinzelte kurz, ehe die Wirklichkeit sie wieder wie mit einer schallenden Ohrfeige einholte. Ihre Ketten klirrten, als Sie zuerst mit den anderen 'schwächeren Waren' nach draussen geleitet wurde. Jetzt, da sie sich wieder auf ihre unmittelbare Umgebung konzentrierte, überfluteten die Eindrücke ihres Umfeldes ihre Sinne nahezu. Das goldene, stechende Gleissen der Mittagssonne zeigte ihr, dass sie heute morgen viel mehr Zeit als ursprünglich angenommen verträumt hatte. Stimmgewirr von etlichen Menschen erfüllte den Markt, der sich um einen großen, zentral angelegten Stand aus massivem Holz herum erstreckte. Dort waren auch die großen, schweigenden Kriegerechsen zu finden, die dafür sorgten das niemand den Stand verliess und niemand ihn unbefugt betrat. Und natürlich konnte sie die Verzweiflung der Anderen nahezu schmecken. Leere Augen, kraftlose Glieder, hoffnungslose Seufzer. Wieder musste sie sich anstrengen, ganz auf die Gegenwart bedacht zu sein. "Verzaget nicht." meinte sie leise zu ihren Mitgefangenen, als nicht mehr viele Frauen vor ihr heraus gezogen wurden. "Es mag nun schwer sein, aber lasst die Hoffnung nicht fahren. Sie rechnen damit, uns schon bald zu brechen. Doch bleiben wir standhaft, mag sich eine Gelegenheit für uns ergeben." Die Drah'Zil zogen nun sie aus dem Wagen. "Ich werde für Euch singen." fügte sie noch als Abschiedsworte an, während sie so zuversichtlich aussah, wie ihre Mimik es hergab. Sie weigerte sich, die düsteren Gedanken zuzulassen, die sie plagten, verdrängte sie in die dunkelste Ecke ihres Geistes. Fandrasâr hatte Sie nicht ausgebildet, damit sie nun in Selbstmitleid verging. Lieber wollte sie sterben, als seine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Und es bestand die große Wahrscheinlichkeit, dass er nach ihr suchte. Selbst, wenn sich für sie keine Gelegenheit ergeben sollte - er würde sie sicherlich aus ihrer misslichen Lage befreien, solange sie nur aushielt.

    Als sie auf das Podest geführt wurde, musste sie die Augen zusammen kneifen, um nicht von der Sonne geblendet zu werden. Im Schein des Lichtes sah es beinahe so aus, als wären die Dächer der Stadt aus Juwelen, so sehr glitzerten die verschiedenen Farben. Etliche Türme standen in ständigem Wettstreit miteinander, wer von ihnen wohl zuerst den Himmel erreichen mochte. Grün und Blau verschmolzen miteinander, wenn künstliche Wasserfälle durch dschungelartige Vegetation flossen, in Parks oder auf Privatgrundstücken angelegt. Doch die Wunder der Stadt waren nicht das, was ihre Aufmerksamkeit mit der Eindringlichkeit eines um den Hals geschlungenen Würgegriffs fesselte. Es waren die Augen, die sie regelrecht durchbohrten. Viele kalte, leidenschafts- und mitleidslose Blicke, die sie mit der Art von Aufmerksamkeit betrachteten, die man einem Teeservice zukommen liess. Doch es waren nicht nur Drah'Zil anwesend. Sie waren in der deutlichen Mehrheit, doch es waren auch Vertreter mancher anderer Völker anwesend. Und gerade diese, allen voran die Menschen, verschlangen sie mit den Blicken hungriger Tiere. Da half es nichts, dass ihre Gewandung sie zwar verhüllte, doch durch die Hitze lag die Kleidung eng genug an, um die Fantasie potentieller Käufer anzuregen. Sie fühlte sich äusserst unwohl ob dieses nackten Begehrs, und konnte nur mit Mühe den Drang niederkämpfen, ihre Hände zum Schutz vor den Körper zu halten, hätte sie doch damit die unangenehmeren Naturen nur weiter darin beflügelt, sie zu begaffen. Wenigstens konnte man die Schamesröte, die ihr ins Gesicht stieg und dieses farblich an Ihr flammendes Haar annäherte, nur zu leicht durch die Hitze erklären, die hier herrschte. Mit einem lauten Ruf kehrte unterdess Stille ein, als die Auktion begann. Es war, als ob jemand eine Tür geschlossen hätte - fast alle Geräusche und Gespräche auf dem Platz erstarben augenblicklich, nur ausserhalb der Auktion wurde noch verhandelt. Doch die Menge lauschte nun gebannt den Worten des Sprechers, der in blütenweissen Gewändern die Vorzüge seiner Auslage anpries. Alari hörte ihm nur mit halbem Ohr zu, während ihre Blicke über die Menge wanderten. Ihr war nämlich ein Augenpaar aufgefallen, dass nicht wie die anderen war. Es zeigte weder kalte Gleichgültigkeit noch mildes Interesse, weder schlichtes Begeheren oder aufbrodelnde Lust. Nein, der Blick, der sie fest gebannt hielt, war von reinem, unmaskierten Zorn erfüllt, von Hass gar. Es war der Blick von jemandem, der sich ganz der Rache verschrieben hatte - aber warum war dieser Blick auf Sie gerichtet? Sie war eine Priesterin Eremons. Warum sollte ihr jemand zürnen, geschweige denn sie mit leidenschaft hassen? Sie wandte ihre Aufmerksamkeit erst von der Gestalt ab, als sie hörte, dass sie selbst nun versteigert wurde. Sie staunte nicht schlecht, dass es einige Angebote zu ihrer Person gab, wenngleich dies natürlich an dem Umstand gemessen werden musste, dass sie immer noch weniger Gebote bekommen würde als die kräftigeren Männer. All diese Gedanken entstanden in einem distanzierten, klaren Teil ihres Verstandes - dem Teil, der nicht von dem wachsenden Grauen erfüllt wurde, dass gerade sie selbst versteigert wurde wie ein Stück Handwerksware. Eine klare, schneidende Stimme brachte in jenem Moment die übrigen Gebote zum Erliegen. Die Fremde! Sie hatte keinen Beweis dafür, doch diese klirrend kalte Stimme passte zu dem Bild, dass sie sich von der Fremden mit jenen intensiv lodernden Augen geformt hatte. Sie hatte sie und ihre beiden Schwestern ersteigert. Gerade, als sie nun zu einem anderen Teil des Standes geführt wurde, erhaschte sie einen Blick auf ihre Reisegefährten. Diese schienen aufgebracht zu sein. Ja, ihre beiden Mitversteigerten schluchzten sogar offen, oder flüchteten sich in katatonische Geisesabwesenheit. Doch ein solches Mitleid lag in manchen Blicken, die sie von jener Stelle erhielt, dass ihre Knie weich zu werden begannen. Sie fühlte sich unwissend. Unwissend und hilflos.

    Wie hätte sie auch ahnen sollen, welche Torturen die Shantiri sie durchleiden lassen würde?
    Geändert von Rosered_Strauss (13.07.2016 um 02:46 Uhr)

  6. #36
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    'Vom Regen in die Traufe.', dachte sich Cadan als es in eine neue Unterkunft ging. Die Ketten die man ihm anlegte – und all den anderen – ließen etwaige aufkommende Fluchtgedanken gleich wieder verschwinden. Momentan konnte er nichts weiter tun als das was man ihm sagte, auch wenn sein Blick gegenüber den Echsen eher von grausamen Schmerzen sprachen als von einem fügsamen Charakter. Aber die Neuen Zellen waren, wie er feststellen musste, wesentlich bequemer als er es aus anderen Kerkern kannte. Frisches Stroh und es war sogar sauber. Es roch nicht mal so miserabel wie in den üblichen Verliesen, die er schon gesehen hatte. Da er im Moment nichts groß tun konnte, ließ er sich auf das Stroh nieder und streckte seine Glieder aus, soweit es die Ketten zuließen. Es gab weit aus schlimmeres als sich auf frischen Stroh und einer schattigen Zelle auszuruhen und Kraft zu tanken. Nach einer Weile gab es auch etwas zu essen und ausreichend Wasser, so das keiner für diesen Abend Hunger haben würde oder Durst leiden musste. Zusammen mit zwei weiteren Gefangenen teilte sich Cadan eine Zelle und in der Nebenan waren die Frauen untergebracht. Sehen konnte er sie nicht, denn sie waren von einer dicken Mauer getrennt, die äußerst stabil aussah. Von der Stadt selbst hatte er wenig mitbekommen, erst auf den Weg in ihre Zellen hatte er sich genauer umgesehen. Aber viel erblicken konnte er nicht, denn der Aufenthalt unter freiem Himmel war nicht sehr lange gewesen.
    Ihm blieb vorerst nichts anderes, als den morgigen Tag ab zu warten. Da es in den Morgenstunden los gehen sollte, beschloss Cadan sich weiter aus zu ruhen, was sollte er auch anders tun. Er schlief irgendwann ein uns wenn er erwachen würde, sollte es kurz vor dem Morgengrauen sein.

    Anders als Cadan gedacht hatte, wurde er nicht unsanft geweckt, sondern war wach bevor die Wächter ihn und seine Zellengenossen weckten. Das war gar nicht mal so schlecht, denn er mochte es nicht, geweckt zu werden. Aber an eine gute Laune war dennoch nicht zu denken, wenn man die Lage betrachtete, in der er steckte.
    Nach einigen Stunden die vor allem für Cadan daraus bestanden, dem Versuch zu widerstehen, niemanden mit seinen Ketten zu erwürgen, wenn er nicht sterben wollte, befand er sich auf dem Platz, wo die Sklaven verkauft werden sollten. Zuerst begutachteten die Käufer die 'Ware', wobei sie bei den Männer wenig bis keine Regungen zeigten, ob ihnen gefiel was sie sahen. Ab und an gingen sie um einen herum, betrachtete die Statur genauer oder stellten Fragen, die Cadan selten verstand, aufgrund mangelnder Sprachkenntnis.
    Irgendwann war er an der Reihe. Vor ihm verließen gerade die drei Elfen das Podest und zusammen mit den Männer mit denen er sich den Käfig geteilt hatte, stand nun er oben. Zuerst war einer der anderen an der Reihe, und wenn es Cadan richtig verstand, überboten sich die Käufer in einer Tour, bis es aber wieder recht schnell abflaute und nach nicht mal einer Minute alles vorbei war. Das was Cadan verstand war immerhin soviel, das ein Großteil der Bieter Leiter von Kampfarenen waren. Nachdem auch die beiden anderen Männer an den gleichen Mann verkauft worden waren, war er nun an der Reihe. Der ersten Aufforderung, nach vorne zu treten, verweigerte Cadan mit einem grimmigen Blick was ihm einen Hieb mit einer Peitsche einbrachte, den er hinnahm, als wäre es nichts. Dabei brannte seine Haut und schmerzte fürchterlich, aber er wollte sich nichts anmerken lassen, nicht hier vor so vielen Leute. Ungewollt treib er damit seinen eigenen Preis nur noch in die Höhe, aber das war ihm nicht bewusst.
    Bei ihm schienen sich die Gebote zu überschlagen, während er grimmig drein guckte und die Prozedur über sich ergehen ließ.Ihm blieb ja keine andere Wahl. Wie hoch letztendlich der Preis für ihn war, konnte er nicht sagen aber er schien sehr hoch zu sein, denn einige nickten Anerkennend in die Richtung des Mannes, der ihn ersteigert hatte und andere fluchten wohl, das sie nicht mithalten konnten. Er ging an den gleichen Käufer wie auch die anderen drei, einem Käufer den man ansah das er zu den Wohlhabenden der Stadt gehörte. Als er vom Podest geführt wurde, sah er Rijok mit sowas wie einem breiten grinsen auf dem Gesicht – wenn er es denn als ein solches identifizieren konnte. Die Söldner ketten ihn wieder an seine 'Gefährten' und sprachen dabei von sowas wie Glück für ihn, denn er wurde an einen Arenameister verkauft, einem der bekannt dafür war, die besten Männer in den Kampf zu schicken um das Volk zu Unterhalten. Derweil vernahm er unter der Menge der Käufer ein wenig Getuschel und einzelnen Rufe, auf denen Augenblickliche schallendes Gelächter ausbrach. Verstehen tat er aber wieder nichts. Irgendwas erregte Aufmerksamkeit auf dem Podest, ob das nun gut oder schlecht war, wusste er nicht.

  7. #37
    Siedler Avatar von Fruwluamressaw
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    Ohje, nun war es bald soweit. Die Hoffnung eines Ausbruchs hatte die Hexe ihnen genommen und nun wurden sie vom Käfig in eine neue Zelle befödert, die sich in einem eher unscheinbaren Lagerhaus befand. Morgen sollten sie auf dem Marktplatz verkauft werden. Das bedeutete ab jetzt wurde es entweder besser oder schlechter. Spätestens ab dem Moment, als ihre Füße zusammengekettet wurde, konnte es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen. Der Käfig war schon grauenvoll gewesen, jetzt noch stärker der Bewegungsfähigkeit beraubt zu werden war für Nezlez furchtbar. In so einer erniedrigenden und beschämenden Situation war sie seit Ewigkeiten nicht mehr gewesen, doch sie hatte nicht die Möglichkeit, die Schuldigen jetzt dafür bezahlen zu lassen.
    Aber sie würde es sich gut einprägen.
    Sie war zusammen mit den anderen Frauen in einer der Zellen. Alle waren sehr still. Vermutlich kreisten ihre Gedanken darum, was mit ihnen nun passieren würde. Auch Nezlez machte sich solche Gedanken, als sie im Stroh auf dem Zellenboden lag. Doch diese Gedanken wurden von den vielen Möglichkeiten der Rache überdeckt. So dachte sie etwa an ausgestochene Augen, die sie denselbigen dann zum Fraß vorwerfen würde und ähnliche Grausamkeiten. Irgendwann war sie einfach eingeschlafen.

    Am nächsten Tag wurden sie alle zum Marktplatz gebracht. Sie waren bei weitem nicht die einzigen Sklaven, die auf dem Markt angeboten werden sollten. Aber es war auch viel los. Es herrschte ein sehr reger Betrieb und aus den vielen unterschiedlichen Stimmen von überall bildete sich ein einziges großes Gemurmel. Nach und nach wurden ihre Mitgefangenen auf ein erhöhtes Podest geschickt. Dort standen sie dann in ihren Lumpen und waren im Fokus der Schar aus Drah’zil und anderen Rassen. Während es bei den Elfendamen vor allem vulgäre Sprüche und Pfiffe regnete, waren bei den Männern eher die Gebote präsent. Insbesondere bei dem großen Mann, der noch geraume Zeit zuvor mit ihr durch die Wüste gestapft war, übertraf ein Gebot das andere. Schließlich wurde er für eine hohe Summe an denselben Mann verkauft, der auch die anderen Männer gekauft hatte. Er sah kräftig, aber auch wohlhabend aus. An seinem Bauch war zu erkennen, dass er so schnell keine Hungerprobleme kriegen würde. Protzig kommentierte er seinen Kauf den anderen Bietern gegenüber, von denen er die meisten offensichtlich kannte. („Pah. Für den hätte ich nicht mal eine Kupfermünze gegeben. Aber viel Spaß mit ihm!“), dachte sich Nezlez. Dann war sie selbst an der Reihe. Das merkte sie daher, dass sie unsanft nach vorne gestoßen wurde, weshalb sie stolperte und fast hingefallen wäre.
    Es hätte Nezlez nichts ausgemacht, vor vielen Leuten zu stehen. Sie war sehr von sich überzeugt und war ja als Anführerin des Trupps auch immer stolz vor jenem gestanden. Davon abgesehen wusste sie auch, dass es sie optisch noch weitaus schlimmer hätte treffen können, wenn sie mal an andere Goblin Frauen dachte, die sie so kannte. Es war bei Goblin nicht unbedingt immer einfach, Männlich und Weiblich außeinander zu halten. Aber ja...es HÄTTE ihr nichts ausgemacht, wäre sie nicht in Lumpen und in Ketten. Aber auf diese Weise war es sehr erniedrigend und kaum stand sie vor der Masse, wurde das Getuschel und die Blicke groß. Hier, in Ashan, waren die Reaktionen auf ihre Haare…nunja, etwas anders, als sie es bei ihrem Goblinstamm in der Heimat gewesen waren. „Was ist denn mit dieser Goblin los? War da wieder ein Zauberer am rumexperimentieren?“ rief ein Drah’Zil aus der Menge und verursachte ein Gelächter. Das machte Nezlez wütend und sie keifte in die Richtung der Menge „Haltet gefälligst die Fresse!“, welche sie aber überhaupt nicht ernst nahm, sondern nur noch lauter lachte. Zudem wurde sie auch noch mit einem Hieb der Echse zurechtgewiesen, damit sie wieder still werden sollte. Dann schaltete sich auch wieder der protzige Kerl ein, der zuvor die Männer gekauft hatte. Noch halb im Gelächter prustete er los „Bwahaha! Aber wisst ihr was? Die Leute stehen doch auf so nen skurrilen Scheiß!….komm, ich nehm sie direkt auch für die Arena! Habe gerade gute Laune!“ Das heizte das Gelächter der Menge nur noch weiter an und niemand machte anstalten, das Gebot des Mannes, das im Verhältnis zu dem Gebot für die Männer zuvor sehr mikrig ausfiel, anzufechten.
    Nezlez wusste nicht, was ihr weniger gefiel. Die Tatsache, dass sie an diesen lächerlichen Typen verkauft wurde oder die Tatsache, dass sie für viel weniger verkauft wurde, als die Männer. Da konnte doch irgendwas nicht stimmen. Die Leute hier mussten wirklich unheimlich dumm sein! Aber nagut, vielleicht könnte sie diese Dummheit bald einmal ausnutzen.

  8. #38
    Siedler Avatar von coel
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    „Du kannst dich glücklich schätzen.“
    Aine presste die Lippen fest aufeinander, um die Worte zu unterdrücken, die ihr ansonsten aus dem Mund gekommen wären, als die riesige rotschuppige Echse seine Klauen auf ihr Kinn legte und ihren Kopf hin und her bewegte, um sie dadurch eingehend studieren zu können.
    „Man kann wirklich nur exzellente Ware von dir erwarten, Rijok Silberklinge“, sagte er mit seiner grollenden Stimme, die einem Felssturz gleichkam. Er selbst wirkte wie eine Macht, die problemlos Berge zerschmettern konnte. Gewaltige, massive Muskeln erlaubten unter den dicken Schuppen eine Ahnung, zu welcher Kraft sie möglich waren. Der Trolljäger wirkte im Vergleich zu diesem Ungetüm zwar nicht schwächlich, aber dennoch chancenlos.
    Nach seiner Begutachtung nahm er die Klauen von ihr und wandte seinen breiten Schädel in Richtung von Rijok.
    „Und das obwohl du eine verfluchte Bleichhaut bist.“
    Der Sklavenhändler ließ diese Bemerkung an sich vorübergehen und verfolgte die Übergabe der Goblinfrau, die gerade verkauft worden war. Aine erhaschte die Ungläubigkeit von Rijok, der scheinbar es nicht für möglich gehalten hatte, dass er einen Käufer für das grüne Biest finden würde.
    Auch Samael tat seine Überraschung kund.
    „Ich glaube es nicht. Da hat doch tatsächlich Nahar dieses Goblinweibchen gekauft.“
    „Sie taugt auch zu nichts mehr als Attraktion.“
    Samael nickte.
    „Den Menschen hätte ich allerdings lieber als Arbeiter gesehen. Wenn ich Kämpfe sehen will, gehe ich zu der Nauglir-Arena.“
    Ein Horn ertönte, um die nächste auszustellende Ware anzukündigen und die Menge für einen kurzen Augenblick ruhig. Samael schob ohne Vorwarnung Aine in Richtung der Stufen, die auf die Bühne führten, die dabei fast gestolpert wäre. Beim Anblick der gaffenden Menge auf dem riesigen lebhaften Platz überkam Aine ein Gefühlschaos, der sie zittern ließ. Es war ein Gemisch aus Angst, Zorn und Verzweiflung. Wenn nicht die Ketten wären und sie ihr Zauberbuch hätte, würden sie alle durch ein tobendes Flammenmeer in kümmerliche Asche verwandeln. Doch sie hatte keines von beidem und so starrte sie in die Leere, während die Scham ihre Wangen rot färbte.
    Die Angebote hielten sich etwas zurück, so dass der Auktionator missmutig zu einer anderen Strategie wechselte. Das Wenige, was Aine noch geblieben war, wurde ihr gerade abgenommen. Nackt wurde sie nun der Masse präsentiert und wiederum versuchte der Drah’Zil für eine Aine einen Käufer zu finden, indem er ihre körperlichen Eigenschaften hervorhob.
    Alles schrie in Aine. Noch nie war sie dermaßen gedemütigt worden. Sie bebte und ihre Fingerspitzen wurden taub vor Aufregung. Sie senkte ihren Kopf, um niemanden in die Augen sehen zu müssen.
    Endlich meldeten sich vereinzelt Stimmen. Der Preis stieg, wenn auch nur sehr zögerlich bis es schließlich zu einem letzten Angebot kam.
    „Verkauft!“
    Aine wurde wieder angezogen und eine rotschuppige Echse begann sie von der Tribüne zu ihrem Eigentümer zu führen. Gerade als sie die letzte Stufe erreicht hatte, drang eine allzu bekannte Stimme hörbar an die Ohren aller Anwesenden.
    „Halt, diese Frau wird nicht verkauft!“
    Ein Raunen ging durch die Menge und Aine konnte erkennen, wer sich grob durch Drah’Zil und Menschen sowie andere Rassen nach vorne schob. Ihre langen flammenroten Haare spielten im seichten Wind und ihr Gesicht war vom Zorn verzerrt. Diesen Ausdruck hatte Aine schon als Kind gefürchtet. Mit einer Hand in der Hüfte positionierte sich die Frau vor dem Versteigerer und presste ihm beinahe das Pergament auf die grünen Schuppen.
    „Das ist eine Einladung vom Rat, dass ich nach Ashan kommen soll.“
    Der irritierte Drah’Zil brauchte einen Moment, um die Fassung zu gewinnen.
    „Was hat das mit der Ware zu tun?“, gab er verärgert zurück, „Ihr unterbrecht die Geschäfte! Wache!“
    Eine große Flammenkugel erschien in ihrer Hand und ließ den Auktionator zurückschrecken. Die Krieger wiederum richteten schlagartig die Waffen auf sie.
    „Ich bin Chandra Nalaar und ich befehle euch, dass ihr die Frau freilasst!“


  9. #39
    Dauerbesucher Avatar von Waltikon
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    Als sie aufwachte, erblickte sie anstatt des erwarteten Himmels eine schmucklose Zimmerdecke. Noch etwas desorientiert richtete sie sich im Bett auf. Eben noch hatte sie geträumt, auf einer Blumenwiese neben einem murmelnden Bach zu liegen. Dieses Murmeln war mittlerweile dem einem tosendem Fluss gleichen Gewirr aus Stimmen, Fußtritten und knarzenden Wagenrädern gewichen, das von der Straße herauf durch das mit einem feuchten Tuch verhangenen Fenster an ihr Ohr drang.
    Schließlich realisierte sie, dass sie unter dem dünnen, zart nach Blumen duftenden Laken (ob das für ihren Traum verantwortlich war?) völlig nackt war. Richtig, nach all den Wochen war sie äußerst froh gewesen, endlich ihre Klamotten ausziehen zu können. Diese Herberge, die sie Abends ausgewählt hatte, bot neben Unterkunft und Verpflegung auch noch ein heißes Bad und eine Kleiderreinigung für ihre Gäste. Von diesem Angebot hatte sie nur zu gerne Gebrauch gemacht. Gut, ganz billig war das alles nicht, aber ab und an verdiente sich auch eine Kriegerin etwas Luxus …
    Ihre Blöße mit dem Laken bedeckend, öffnete sie die Tür ihres Zimmers und fand davor, wie erwartet, ihre Kleidung, getrocknet, sauber gefaltet und perfekt aufeinander gestapelt. Sie nahm das Bündel auf und roch daran. „Wieder dieser Blumenduft... Ob sie einfach nur der Ansicht sind, alle Frauen müssten nach Blumen duften?“ Der Gedanke an nach Blumen riechenden Männern entlockte ihr ein Schmunzeln. Sie zog sich wieder in ihr Zimmer zurück, wo sie ihre Kleider nach einer morgendlichen Katzenwäsche anlegte. Dann schnappte Sie ihr ganzes Zeug und verließ die Herberge.

    Sie begab sich zum Basar. Vermeintlich begutachtete sie die feilgebotenen Waren, doch in Wahrheit hielt sie nur nach Shantiri Ausschau und streute dementsprechende Fragen ein. Doch vergebens, niemand wollte einen oder mehrere gesehen haben. Celriel seufzte. Sie würde wohl zu anderen Mitteln greifen müssen.
    Schließlich erreichte sie einen Durchgang, hinter dem sich der Sklavenmarkt befand. Dem Lärm zufolge, der aus dem geöffneten Tor drang, waren bereits Auktionen im Gange. Celriel beschloss, sich da drin mal umzusehen.
    Gleich hinter dem Tor wurde sie von einer Wache aufgehalten. „Waffen sind hier verboten!“ Er zeigte nach rechts an einen Stand. „Dort kannst du sie gegen eine Gebühr hinterlegen, oder du drehst um und gehst wieder!“
    Zähneknirschend fügte sie sich und gab Bogen und Schwert ab. Den Dolch wollte sie zur Sicherheit bei sich tragen, doch der Wächter hatte sie durchschaut.
    „Alle Waffen sind abzugeben!“ donnerte seine fordernde Stimme an ihr Ohr. Mit einem Grinsen ähnelnden Gesichtsausdruck beugte sich die Echse zu ihr herab: „Gibst du sie freiwillig her oder soll ich dich hier vor allen durchsuchen?“
    Wütend griff sie in ihren rechten Stiefel, zog den Dolch hervor und warf ihn zornig zu ihren anderen Waffen am Tresen. Die ihr gereichte Quittung riss sie der Bedienung mit einem gezischten „Danke!“ förmlich aus der Hand.

    Als sie nun endlich den Durchgang durchquert hatte, öffnete sich vor ihr ein großer Platz. Links und rechts waren Stände, weiter vorne das Podest, auf dem die angebotenen Sklaven präsentiert wurden, dahinter waren diverse Transportkäfige zu sehen. Der Platz vor dem Podest, auf dem gerade ein paar Menschenfrauen versteigert wurden, war gerammelt voll. Drah'Zhil vor allem, aber auch Menschen und Angehörige anderer Völker waren unter den Bietern. Und - Celriel traute ihren Augen nicht – da stand tatsächlich mittendrin ein Elf!
    Sein Erscheinungsbild ließ keinen Zweifel zu, dass es sich um einen jener Eremon-Priester handelte, die sich in der Blutnacht mit den Tempelschätzen aus dem Staub gemacht hatten. In Celriel keimte eine Idee auf. Dieser feige Verräter würde ihr von Nutzen sein.
    „Wie schön, so fern der Heimat einen Angehörigen unseres Volkes zu sehen!“ Celriel war neben ihn getreten, und ihr Blick war weit weniger freundlich, als ihre Worte.
    Das hochnäsige Gesicht, das sich ihr herablassend zuwandte, nahm einen erschreckten Ausdruck an, als es sich der Brosche der Wolfsgarde vor der Brust Celriels gewahr wurde. „Äh... ja... wirklich...“ stotterte der Elf herum.
    Celriel rückte näher an ihn heran und raunte ihm ins Ohr: „Ich hoffe für Euch, dass die drei Elfensklavinnen, die ich gestern Abend im Käfig eines Sklavenhändlers gesehen habe, noch nicht an der Reihe waren. IHR werdet sie nämlich kaufen! Andernfalls endet Ihr als Shantirifutter.“
    Der Elf wollte etwas erwidern, aber Celriels Blick ließ die Widerworte verstummen. Der Elf schluckte nur und nickte zustimmend.
    Dann waren auch schon die drei Elfen an der Reihe. Zuerst eine schlanke, geradezu zierliche Rothaarige. Celriel stieß den Elf in die Seite, und sogleich begann er zu bieten. Alles schien gut zu laufen, als plötzlich eine schneidende Stimme ein unerhört hohes Gebot für alle drei Elfen abgab. Celriel kannte diesen Klang nur allzu gut! Ihr Blick suchte die Menge nach jenem Ungeheuer ab, während sie sich fragte, wie ihr dessen Präsenz nur entgangen sein konnte. „Weiterbieten!“ zischte sie den Elf an, der ihr verdattert zu erklären versuchte, dass er nicht so viel Geld mit sich führte und hier nur Bar bezahlt werden könne. Sie hörte gar nicht hin, weil ihre Augen mittlerweile das Monster erspäht hatten. Als sich ihre Blicke trafen, verzog die Shantiri ihr Gesicht zu einer hässlichen Grimasse, die wohl ein hämisches Grinsen darstellen sollte. Dabei machte sie mit den Händen eindeutige Gesten, die das Schicksal der ersteigerten darstellten. Celriels Antwort fiel ebenso unmissverständlich aus: Der quer über die Kehle wandernde Daumen.

    Während der Abwicklung der Verkaufsmodalitäten ließ Celriel die Shantiri nicht mehr aus den Augen, und als sie schließlich mit den gekauften Elfen den Platz durch das Tor verließ, hetzte Sie hinterher, stürzte zum Waffenverwahrungsstand und forderte die sofortige Herausgabe der ihren. Doch wieder waren die Wächter gegen sie.
    „Immer mit der Ruhe! Du wirst der Shantiri nicht nachsetzen. Euer Krieg interessiert uns nicht, wir halten uns da raus und ihr werdet ihn nicht in unserer Stadt austragen!“
    Celriel explodierte regelrecht. „Ihr wollt euch raushalten und verkauft uns an unsere Feinde?! Ihr elenden, dreckigen, stinkenden Heuchler!“ schrie sie den Wächter an. Sie wollte über den Stand hechten und sich ihre Waffen schnappen, doch kräftige Hände hielten sie plötzlich von hinten an ihren Armen fest.
    „Wie dem auch sei, du wirst hier artig warten, bis die Sanduhr abgelaufen ist, oder du stehst als nächstes da oben! Und hüte besser eine Zunge!“ Mit Schwung wurde sie vorwärts unsanft zu Boden geworfen.
    Während sie sich wieder aufrappelte, hatte ein anderer Wächter eine kleine Sanduhr auf den Tresen gestellt, die – so schien es ihr – quälend langsam herunterlief. Wütend stand sie da, die Hände verschränkt, in der einen Hand den Bon, mit der anderen am Oberarm mit den Fingern trommelnd, und starrte auf die Sanduhr. So konzentriert war sie, dass sie den Tumult, der sich mittlerweile am Podest abspielte, gar nicht richtig mitbekam. Als das letzte Sandkorn durchgelaufen war, nahm sie sogleich ihre Waffen in Empfang und stürmte die Straße hinunter, welche die Shantiri genommen hatte. Natürlich war nichts mehr von ihr zu sehen. Sie würde sich durchfragen müssen, obwohl ihr ihre Nase eine Richtung vorzugeben schien...
    Geändert von Waltikon (30.11.2016 um 20:53 Uhr) Grund: Rosered wure ja von einer sie gekauft^^

  10. #40
    Landstreicher Avatar von Aeon525
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    Rijok war angenehm überrascht. Er hatte nicht erwartet das keifende Goblinweibchen überhaupt los zu werden, schon gar nicht zu einem solch guten Preis. Das Geld, das ihm der kräftige Mann in die Kassen gespült hatte, war im Bereich seiner Kalkulation gewesen und auch die Elfen hatten guten Umsatz gemacht. Die übrigen Männer stieß er billiger ab. Er hatte vor alle Sklaven noch heute loszuwerden und schnellstmöglich wieder aufzubrechen. Die unfreiwillige Ergänzung seines Warenangebots hatte die Reise mehr als lohnenswert gemacht. Dennoch wollte er nicht länger in der Stadt verweilen als unbedingt nötig. Er war geduldet, aber alles andere als willkommen und erwünscht. Er konnte die Abneigung seiner Artgenossen regelrecht auf der Zunge schmecken. Samael, der als einer der wenigen Vertreter der hiesigen Händlergilde tatsächlich mit ihm sprach, wollte gerade das blonde Menschenweibchen zu seinem neuen Besitzer führen, als ein Tumult ausbrach.

    Eine kleine, rothaarige Menschin schob sich zeternd durch die Menge auf sie zu. Vor dem Versteigerer angekommen kramte sie ein Pergament aus einer ihrer Taschen und drückte es ihm ins Gesicht. Samael war nicht weniger verärgert als Rijok selbst und nun waren sie es die zu dem etwas verwirrten grüngeschuppten Drah'Zil hinzutraten, um einen Blick auf das Pergament zu werfen. Es war tatsächlich eine Einladung des Rates. Rijok musterte das Weibchen neugierig. Es war äußerst selten, dass der Rat tatsächlich Einladungen an Menschen aussprach. Er wollte der Frau gerade, mit höflicher Entschiedenheit, erklären, dass eine Einladung des Rats ihr keinerlei politisches Recht verschaffte, als sie einen Flammenball aus dem Nichts beschwor. Erschrocken zuckte Rijok zurück und seine Hand griff zum Schwert an seiner Seite, jenes Schwert, das im Moment jedoch bei der Wache am Tor lag. Einige in der Menge der Händler schrien erschrocken auf und sorgten dafür, dass auch die letzte Wache herbeigeeilt kam, um nach dem Ursprung der Unruhe zu sehen. Mehrere Speere richteten sich auf das Weibchen und die umstehen Händler zogen sich rasch ein ganzes Stück zurück. Rijok fühlte sich sicher. Die Wachen der Drah'Zil waren kräftig und schnell. Das Weibchen würde sterben, bevor der erste ihrer Feuerzauber sein Ziel erreichte. Selbstbewusst schob er den Auktionator beiseite und baute sich vor der Frau auf. "Dieses Weibchen habe ich in der Wüste gefunden, ohne Proviant und ohne Pass. Nach dem Gesetz der Wüste und beim Willen von Asha ist sie mein Eigentum." Aus der Menge kam zustimmendes Gemurmel. "Bei Asha, keine Nacht hätte sie überlebt hätte ich ihr nicht Nahrung und Wasser gegeben." "Spar dir deine Lügen, Weißgeschuppter." zischte das Weibchen und ein Raunen ging durch die Menge. "Meine Schülerin würde sich niemals von einem niederen Aussätzigen gefangen nehmen lassen." Rijok spürte, wie Wut in ihm aufstieg. Wer war diese Menschin, dass sie ihn dermaßen beleidigte? Seine Pupillen verengten sich zu schmalen Schlitzen, die an ein wildes Raubtier erinnerten. "Ganz vorsichtig, Menschin!" knurrte er bedrohlich. "Das Geschäft endet erst mit der Übergabe des Geldes und noch habe ich keine einzige Münze gesehen. Noch ist deine kleine Freundin mein Besitz und wenn du jetzt nicht seeeeeehr vorsichtig bist, lasse ich den Handel platzen und schlitze ihr direkt vor deinen Augen die Kehle auf. Du wirst ihr direkt in die Augen sehen können während das Lebens aus ihrem Körper weicht und sich ihre Augen trüben. Du wirst hören können, wie ihr Blut auf den warmen Sand tropft und sie ihren letzten Atemzug tut. Und du wirst nichts dagegen tun können. Eine falsche Bewegung und du kannst sie direkt in die Welt eurer Götter begleiten." Mit einem derart aggressiven Auftreten schien die Magierin nicht gerechnet zu haben. Einen Moment lang starrte sie den bleichen Jäger nur mit hasserfüllten Blick an dann lies sie die Feuerkugel einfach verpuffen und wandte sich an Samael. "Ich bin ein wichtiger Gast des Rates und in wichtiger Mission hier. Sollte diese Frau verkauft werden, verlasse ich umgehend die Stadt und euer Rat muss sein Problem ohne mich lösen." "Du bist ein Gast, Magierin." erwiderte die rot geschuppte Echse mit einer Ruhe und Gelassenheit die Rijok beeindruckte. "Nicht mehr und nicht weniger. Wenn dir das Weibchen so sehr am Herzen liegt, hättest du sie ersteigern sollen." "Ihr wollt also euren Rat enttäuschen?" fragte ihn die Rothaarige provokant. "Der Rat steht nicht über dem Gesetz. Eher lässt der Rat euch ziehen, als dass er auf euren Wunsch hin Ashas Gesetze bricht."

    Die Magierin wollte gerade zu einer Erwiderung ansetzen, als eine Stimme über den Platz hallte. "Was ist hier los?" Von zwei ganzkörpergepanzerten, groß gewachsenen Drah'Zil Kriegern flankiert schob sich Sni'jat, der Vorsteher der Handelsgilde durch die Menge auf sie zu. Als er die rothaarige Menschin erblickte, wich sein verärgerter Gesichtsausdruck einer Mischung aus Anspannung und Misstrauen. Scheinbar wusste er, wer sie war. "Diese Menschin stört den Abschluss eines Handels, Meister Sni'jat." Samael, der das Wort ergriffen hatte, deutete erst auf Rijok dann auf die blonde Frau. "Nach dem Gesetz der Wüste ist dieses Weibchen Eigentum von Rijok, doch diese Frau beansprucht sie für sich und hat Magie beschworen." Die geschuppte Stirn des Gildenvorstehers legte sich in Falten. "Meisterin Nalaar, die Gesetze der Wüste sind absolut. Möglicherweise können sie ihre Bekannte ja dem Käufer abwerben. Ich bin mir sicher der Rat bürgt für sie, sollten sie eine entsprechende Summe nicht zur Hand haben." "Kein Sandkorn zahle ich für meine Schülerin. Ihr werdet sie freigeben oder euer Rat kann zusehen, wie er seine Probleme löst." Stumme Wut flackerte für einen Moment in den Augen Sni'jats auf, ehe er gefasst fortfuhr: "Nun denn, dann regeln wir das eben anders." Mit lauter Stimme brüllte er über den Platz: "Wer ist der Käufer dieses Weibchens?" Ein sichtbar verunsicherter Menschling trat vor. Seine Kleidung wies ihn als Adligen aus. "Wie viel Gold habt ihr bezahlt?" "60 Gold." stammelte der Jüngling, der einen ziemlich jämmerlichen Eindruck machte. "Ich gebe euch 80 für das Weibchen, in Ordnung?" Der Mann nickte eifrig. Es war ihm anzusehen, dass er einfach so schnell wie möglich hier weg wollte. "Einen Moment." schaltete sich nun Rijok wieder in die Diskussion ein. "Noch ist sie mein Eigentum." An den Menschen gewandt erklärte er: "Der Handel ist nichtig. Ihr könnt gehen." Der Mann lies sich das nicht zwei Mal sagen und war innerhalb von Sekunden in der Menge verschwunden. "Nun gut, Rijok. Dann sollt ihr eben die 80 Gold bekommen." Rijok grinste dreckig und entblößte seine blendend weißen Zahnreihen. "80? Ich finde das etwas wenig für eine derart hübsche Menschin. Ich denke, das Doppelte wäre angemessener. 160 Gold und sie ist dein." Sni'jot stieß ein wütendes Knurren aus. "Verdammt sollst du sein." Er zog einen schweren Beutel aus einer Innentasche seiner Kleidung und lies ihn in Rijoks Hand fallen. "Hier hast du dein Gold. Und du Magierin, nehm deine Schülerin und geh. Solltest du den Markt noch einmal stören wird dich auch dein Status nicht schützen können." Rijok war völlig verblüfft. Seine Forderung war völlig überzogen gewesen. Er hatte erwartet, dass ihn Sni'jot auf mindestens 100 Gold runterhandeln würde. Sein musternder, forschender Blick glitt über die glatte Haut der noch immer völlig entkleideten Magierschülerin. Wer war diese Frau, dass ein gerissener Geschäftsmann wie Sni'jot bereitwillig und ohne zu feilschen 160 Gold auf den Tisch legte.

    Inzwischen hatte die Frau, die den Namen Nalaar trug, dem blonden Weibchen ihren Umhang übergezogen und war gerade im Begriff sie aus dem Markt zu geleiten als Rijok ihr hinterherrief: "Wenn ihr Interesse am magischen Buch habt oder an der Kleidung eurer Schülerin interessiert seit, sucht mich morgen früh am unteren Markt. Ich mache euch auch einen fairen Preis." Der Blick, den er sich für die Bemerkung einfing, hätte Nauglir töten können und Rijok begann zu zweifeln, ob der Kommentar eine so gute Idee gewesen war. Allerdings fühlte er sich hinter den Mauern von Ashan sicher. Die Magierin mochte in den Fürstentümern tun und lassen können, was sie wollte. Hier war sie an das Gesetz der Wüste gebunden. Dass sie das Buch kaufen würde, stand für ihn fast außer Frage. Er wusste gut, wie wichtig das Grimoire für die menschlichen Magier war. Er würde nur darauf achten müssen, dass genug Wachen in der Nähe seines Standes waren. Dieses kleine Weibchen, und da war er sich absolut sicher, war gefährlich. Sobald er morgen Vormittag die Waren verkauft hatte, würde er wieder aufbrechen. Magier waren ihm suspekt. Lieber kämpfte er mit einem Dutzend Banditen und wilder Biester, als mit Magiern die Feuer regnen lassen konnten.

    Dennoch durchaus zufrieden mit sich selbst und den Verkäufen, verließ Rijok den Markt, den Beutel mit dem Gold liebevoll mit seiner Hand wiegend. Die Anderen würden ihren Augen nicht trauen. Heute Abend gab es auf jeden Fall ein Festmahl.

  11. #41
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Ihre beiden Mitgefangenen wimmerten herzergreifend, als sie mit Alari in den abgesperrten Bereich für die Warenübergabe gebracht wurden. Es zerriss sie innerlich, dass sie in ihren Ketten nichts tun konnte, um ihr Leid zu lindern. Es war auch nicht unbedingt der selbstloseste Gedanke – indem sie sich daran klammerte, was sie für die Anderen zu tun vermochte, verhinderte sie, dass sie selbst durch die Situation zerbrach. Sie wusste, dass sie keine Kämpferin war. Ihre einzige Chance, zu entkommen, bestand in dem Warten auf eine passende Gelegenheit oder in der Hoffnung auf eine Rettung. 'Oh, Herr... ich hoffe, ihr findet mich bald.' dachte sie, als sie grob am Arm gepackt und durch Lederschnallen fixiert wurde. Ihre Augen weiteten sich, als sie das Zischen von erhitztem Metall vernahm. Ein Brandeisen! „Wie wünscht Ihr, dass Euer Besitz gekennzeichnet wird?“ fragte ein Verkäufer zischend. Angesprochener war die Gestalt mit den hasserfüllten Augen. Sie war in weite Gewänder gehüllt, sodass man darunter nur zu leicht Rüstung und schmalere Waffen verstecken konnte, von der eigenen Identität ganz zu schweigen. Durch den getragenen Kopfschutz konnte sie noch nicht einmal mit Sicherheit sagen, ob ihr Gegenüber ein Mann oder eine Frau war.

    „Das ist nicht wichtig.“ drang dessen Stimme just gedämpft unter den Lagen Kleidung hervor. „Ihr braucht Euch nicht darum bemühen, diese Fleischstücke zu kennzeichnen. Es wird nicht notwendig sein. Sie werden stets so schnell verbraucht...“ Sie gab ein leises, gefühlloses Lachen von sich, dass ihr das Gefühl vermittelte, als würden ihre Fingernägel über festen Untergrund kratzen. Mit einem Fingerzeig wurden ihre Binden gelöst, da sie nun dankbarerweise doch kein Brandzeichen verpasst bekam. Doch dafür ergriffen kräftige Hände sogleich ihre Ketten, sodass sie und die beiden Elfen dem Unbekannten nachgezerrt wurden. „Oh bitte, ihr Wolfsgardisten... rettet uns vor dem Ende durch die Shantiri.“ Alari blinzelte, als sie sich bemühte, nicht zu ihrer rechten zu sehen. Wolfsgardisten? Waren etwa einige von ihnen hier in der Stadt? Aber was machten sie so weit südlich? Sie straffte sich, den Blick starr geradeaus. Als ihr künftiger Peiniger sie tiefer in das Gewirr der Stadt führte, durch entlegene Gassen und Orte abseits der Augen der Öffentlichkeit, hatte sie nur einen Gedanken: Nicht klein beigeben!

  12. #42
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    Nezlez, Cadan und die anderen Männer sollten bereits zur Übergabe fertiggemacht werden. Nez hatte sich gerade etwas von dem Spott beruhigt, da brach schon der nächste Tumullt auf dem Platz los. Die Echsen hielten ein und alle schauten wie gebannt auf die Frau, die sich ihren Weg durch die Menge gebahnt hatte und die Übergabe der Hexe, wie sie Nez immer noch nannte, verlangte. Offensichtlich war sie auch selbst eine Hexe, anders wäre kaum zu erklären gewesen, dass sie einen Feuerball in ihrer Hand erschienen ließ. Die Echsen, die sie verkauft hatten, zeigten sich wenig begeistert und wollten die zweite Hexe, die sich sehr laut und selbstbewusst als Chandra Nalaar vorgestellt hatte, zunächst festnehmen lassen. „Na toll die Alte soll jetzt natürlich eine Gratis-Rettung bekommen, nachdem sie uns in diesen ganzen Schlamassel erst gebracht hat?!“ sagte Nez. Cadan der neben ihr Stand gab nur ein „Hm.“ von sich und beobachtete interessiert.
    Zunächst schien es, als wären die Echse Herren der Lage, aber weil Nalaar nicht nachgeben wollte, schaltete sich ein weiterer, wohl sehr wichtiger Echsenmensch in das Gespräch ein. Die Argumente Nalaars schienen wohl so bedeutend, dass sie sich tatsächlich durchsetzen konnte („Lächerlich, die Echsen sind bewaffnet und in der Überzahl und lassen sich von sowas beeindrucken?“). Und so nahm Nalaar die Hexe einfach mit sich mit. Nez konnte da nur den Kopf schütteln „Also verdient hat sie das nicht. Fehlt noch, dass die beiden Händchenhaltend davon tänzeln.“ Dann wurde sie wieder unsanft gestoßen „Du sollst nicht immer so viel Plappern, Goblin“ sagte eine der Echsen.
    Nahar hatte soeben das Gold überreicht. „Schafft sie mir in meine Arena, ihr wart ja schon mal dort und wisst wohin. Ich habe etwas Trinkgeld für euch dazu getan. Ein sehr amüsanter Tag, das muss man schon sagen!“ Erneut wurden sie in einen Transportkäfig gebracht. „Ich kann diese verdammten Gitterstäbe langsam nicht mehr sehen!“ meckerte Nezlez, während sie in Richtung Arena transportiert werden. Cadan nutzte die Gelegenheit, sich während der Reise die Stadt anzugucken. Er schien sichtlich beeindruckt.

  13. #43
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    Die dunkelhäutige Frau schrubbte ihr behutsam den Rücken, während Aine wortlos in die verschwommene Spiegelung ihres Gesichtes starrte, welche das warme Wasser auf seiner Oberfläche zeigte. Die Frau sang ein Lied in einer fremden Sprache bei ihrer Arbeit und ihre wohlklingende Stimme schien Aine zu beruhigen. Doch die innere, betäubende Scham, die sie wie ein spitzer Dorn in ihrem Herzen anfühlte, wollte nicht verschwinden.
    Von allen Menschen, denen sie am Wenigsten begegnen wollte, war es ihre alte Lehrmeisterin. Eben diese Frau hatte sie vor nicht allzu kurzer Zeit vor einem Leben als Sklavin bewahrt. Es war keine Dankbarkeit, die Aine gegenüber Chandra empfand, sondern es war die blanke Bloßstellung ihres Versagens. Sie schämte sich, aber vor allem hasste sie sich und ihre ganze Umgebung. Alles fühlte sich einengend, drückend an, so dass sie am Liebsten aus der Wanne gestiegen und davongerannt wäre.
    Sie würde ihr nicht in die Augen sehen können. Nie wieder.
    Nachdem die Dienerin auch die Kopfhaare von Aine gewaschen hatte, wurde sie mit einer Geste gebeten, aus der Wanne zu steigen. Dann wurde sie sorgfältig abgetrocknet und saubere, farbenfrohe Kleidung wurde ihr zum Anziehen gereicht. Schließlich verließ die Dunkelhäutige den Raum und ließ Aine mit ihren Gedanken alleine.
    Genau in diesem Augenblick brach es aus ihr heraus. Sie weinte und konnte nicht aufhören. All die Niederlagen, die Erniedrigungen und die Verzweiflung der letzten Tage überwältigten sie und brachen den Damm ihrer äußeren Fassade wie eine tosende Flut. Die Tränen flossen zwischen ihre Finger hindurch und prasselten vereinzelt auf die blauen Bodenfliesen. Sie wollte aufhören, zwang sich leiser zu schluchzen, doch hielt sie diesem Willen nicht lange stand. Zu sehr brauchte ihr Geist eine Erholung, musste das Geschehene verarbeiten und mit jeder Träne fiel auch ein Brocken der Last von ihr, die sich in ihr aufgetürmt hatte.
    Sie wusste nicht wie lange sie weinte, doch irgendwann konnte sie nicht mehr und begann ihr Gesicht aus ihren feuchten Händen zu nehmen. Für mehrere Augenschläge blickte sie sich einfach nur den Raum, in welchem sie sich befand, um, dann ging sie zur Wanne und wusch sich die Spuren eines schwachen Momentes ab.
    Als sie sich wiederhergerichtet hatte, klopfte es an der Tür und mit einem krächzenden „Herein“ gab sie die Erlaubnis. Sie brauchte nicht hinzuschauen, um zu wissen, wer eingetreten war. Chandra Nalaar begegnete ihr mit giftgrünen, neugierigen Augen, die sie konzentiert musterten.
    „Du hast geweint“, sagte sie ohne Umschweife.
    Es klang wie ein Vorwurf und Aine erwiderte nichts, sondern kümmerte sich um das Trocknen ihrer Haare. Chandra wäre jedoch nicht Chandra, wenn sie bereits bei dieser offensichtlichen abneigenden Haltung umgekehrt wäre. Stattdessen verschränkte sie die Arme und verengte ihre Augen zu bedrohlichen Schlitzen.
    „Aine, ich will, dass du mir alles erzählst. Ich will wissen, wie du hierhergekommen bist und warum. Sofort“, sagte sie und betonte dabei beim letzten gesagten Wort jeden Buchstaben besonders deutlich.
    Nach einem tiefen Seufzer begann Aine alles zu erzählen. Sie beschränkte sich dabei auf die einfachen Geschehnisse ohne irgendwelche Ausschmückungen. Überraschenderweise wurde sie dabei kein einziges Mal von ihrer ungeduldigen Lehrmeisterin unterbrochen. Schließlich endete sie mit dem Sklavenmarkt und eine unangenehme Stille folgte, in welcher Aine mit einer gewissen Furcht auf die Reaktion von Chandra wartete.
    „Du hast die Teleportation gewirkt, um von der Schlacht zu fliehen?“, fragte Chandra.
    Aine nickte.
    „Wie sicher warst du dir beim Skandieren?“
    Wie ein ertapptes Kind fing Aine zu stottern an, denn plötzlich schien sie sich nicht mehr sicher zu sein, ob sie damals den Zauber richtig ausgeführt hatte.
    „Ich… weiß es…. Ich glaube schon.“
    Eine kräftige Ohrfeige ließ Aine nach hinten stolpern. Während sie noch ganz benommen ihre glühende Wange hielt, bemerkte sie voller Entsetzen den Blick von Chandra. Es spiegelte das Feuer in ihr wieder, welches wie ein Vulkan drohte aus ihr zu brechen und alles um sich herum in Schutt und Asche zu legen. Einen Blick, den sie nie vergessen hatte und an den sie sich wieder ängstlich erinnerte.
    „Du dummes Mädchen“, presste Chandra über ihre vor Zorn bebenden Lippen, „Dein tölpelhafter Zauber hat dich zwei Jahre in die Zukunft befördert!“

    ...

    Trálir eilte durch die Gassen bis er sich so sicher fühlte, dass er seinen Schritt zu einem normalen Tempo verlangsamte. Sein Herz klopfte ihm fast bis zum Hals. Mehrmals wendete er sich um, damit er sicher ging, dass ihm auch wirklich niemand folgte. Die Begegnung mit der Wolfsgardistin hatte ihn zutiefst schockiert.
    Was suchte diese Einheit so weit im Süden? Waren sie auf der Suche nach ihm?
    Seine Gedanken rasten und erneut beschleunigte er seinen Gang, nur um sich wieder einmal zu beruhigen.
    „Nein“, sagte er zu sich selbst, „Das konnte nicht sein.“
    Achtsam schob er sich an den Bewohnern in den Straßen vorbei und versuchte dabei sich so natürlich wie möglich zu verhalten. Allerdings wollte er sich so schnell wie möglich zurückziehen. Er brauchte einen sicheren Ort, damit er nachdenken konnte.
    Zuerst die feindlichen Shantiri, nun die berüchtigte Wolfsgarde?
    Er schluckte.
    Was würde sie dazu sagen? Sie wäre nicht erfreut. Auf keinen Fall.
    Schweißperlen, die sich auf seiner Stirn gesammelt hatten, wurden eilig weggewischt. Die Furcht schien beinahe Überhand zu nehmen, da erreichte er endlich das ersehnte Ziel. Das verschlossene Tor des riesigen Gebäudekomplexes im inneren Teil von Ashan wurde aufgeschlossen und Trálir eilte durch den Innenhof vorbei an dem murmelnden Springbrunnen in dessen Mitte. Nach einigen Türen blieb er vor einer stehen, die von einer Gestalt in einer schweren Rüstung bewacht wurde. Trálir wusste nicht, was in dieser stählernen Hülle steckte, doch ein kalter Hauch umgab es und sein Atem wurde sogar zu einer flüchtigen Dampfwolke. Es brauchte einen Moment, bevor er den Mut fassen konnte, mit der Gestalt zu reden.
    „Ich muss deine Herrin sehen.“
    Mit einem knirschenden Geräusch wurde der gehörnte Helm mit den tiefschwarzen Augenschlitzen zu ihm runter bewegt. Das Wesen hatte keine Stimme, doch Trálir meinte jedes Mal, dass es sich wie ein eisiger Wind anhörte, wenn es versuchte etwas zu sagen.
    „Ich bitte dich, es ist von größter Wichtigkeit“, sagte Trálir nervös.
    Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis sich die Gestalt ein weiteres Mal regte. Mit seiner gewaltigen Hand schob es die verstärkte Tür hinter sich auf und erlaubte Trálir somit den Eintritt in das innere Heiligtum seiner Herrin.
    Fackeln aus blauem Feuer erhellten die lange Halle und ein süßlicher Geruch von Zimt lag in der Luft. Am Ende des Raumes stand ein schlichter Thron aus silbrig glänzenden Stahl, gepolstert von weißen Kissen. Auf diesem saß eine hochgewachsene Frau mit blasser, fast bläulicher Hautfarbe. Sie hatte ihn bereits erwartet.
    „Trálir, was ist dein Begehr?“
    Jedes Wort klang wie von zwei Personen gleichzeitig gesprochen. Anfangs hatte es Trálir irritiert, doch mittlerweile fand er in dieser Stimme Beruhigung und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
    „Eine Wolfsgardistin ist mir auf dem Sklavenmarkt begegnet! Sie hat mich gehindert an die Elfe zu kommen, deren Kauf du gewünscht hast.“
    Ihre langen, filigranen Fingernägel klopften rhythmisch auf den Stahl ihres Throns. Ihre leuchtend hellblauen Augen lagen schwer auf ihm. Sie sah in ihn. Sie konnte ihn lesen wie ein offenes Buch.
    „Du bist geflohen.“
    Trálirs Kehle schnürte sich plötzlich zu.
    „Ich…“, er konnte nicht lügen, „Ja, ich bin geflohen.“
    „Finde heraus, wer sie gekauft hat“, sie machte eine Pause und leckte sich leicht über die vollen Lippen, „Und bringe sie zu mir.“

    ...

    Nurekhi hatte es im Blut eine gewisse Genauigkeit in ihre Arbeit zu stecken. Als Dienerin war sie eine geschickte Handwerkerin und beherrschte eine Perfektion die sogar Elfen beneideten. Sie erreichte eine Stufe der Kunst, die ihren Herren in den Schatten stellte und öffentlich zum Gespött gemacht hatte. Allerdings war es nicht ihr daran gelegen, dass es zu dazu kommen sollte, denn sie liebte ihren Herren und Lehrer. An diesem Tag hatte sie bittere Tränen geweint, als sie auf das Werk seines Hasses starrte. Die Schmerzen waren nie verschwunden. Das Pochen ihrer Finger erinnerte sie an den Augenblick, wo ihr Threodil der berühmteste Goldschmied von Arlondo, ihr Liebhaber und Lehrmeister, jedes einzelne Glied an ihren Händen brach, damit sie nie wieder den schönsten Schmuck im ganzen Elfenreich herstellen konnte.
    Ihre entstellten Finger würden nie wieder goldene Ketten oder Spangen formen, aber sie reichten für das Schärfen von Klingen. Ein weiteres glänzendes Messer gesellte sich zu den anderen auf dem Holztisch, der von einem Kerzenständer beleuchtet wurde. Der ganze Kellerraum war in ein tiefes Rot getaucht und angenehm kühl. Doch das würde sich bald ändern, denn bereits jetzt konnte sie den lieblichen Schweißgeruch ihrer Gäste in ihrer verkrümmten Nase riechen.
    Ihre Gesichter ähnelten dem Ihrigen, als ihr Herr über sie hergefallen war. Bis zu der Mondnacht, an welcher alle Schrecken zurückgezahlt wurden. Das Blut stand bis zu ihren Knien in den Straßen von Arlondo, wo sich die Leichen türmten und Tod wie ein schweres Tuch überall in der Luft hing. Die Götter, die jedes ihrer Gebete stumm angenommen haben, hatten sich nun dazu entschlossen, ihre Klagen zu beantworten. Anfangs hatte sie sich gefürchtet, doch dann musste sie lachen. Lachen über die Ironie des Schicksals.
    Das erste Lachen seit einer langen Zeit.
    Seitdem war das Lachen ihr ständiger Begleiter. Das zögerliche, verzweifelte Töten änderte sich zu einem leidenschaftlichen, begierigen Morden. Das Abschlachten würde nicht genug sein. Es würde nicht enden bis jeder Elf für seine Taten bezahlt hatte.
    Nurekhi hörte Schritte, die von den Treppen, die zu ihr runter in den Keller führten, an ihr Ohr drangen. Ein rotes Auge blitzte im Dämmerlicht auf und sie erkannte ihre Freundin und Anführerin.
    „Ivras, es ist schön dich zu sehen“, sie deutete auf ihren stolzen Fang, „Schau, was ich auf dem Sklavenmarkt gefunden habe.“
    Ivras grinste wölfisch, als sie die drei Elfinnen betrachtete, die anfingen sich zu regen und damit die Ketten, die ihre Hände fest umschlossen, zum Klirren brachten. Sie wirkten wie Schlachtvieh: Nackt von der Decke hängend, durchgetreckt, doch noch knapp den Boden berührend.
    „Ich denke, ich lasse dich dann wieder alleine, Nurekhi“, sagte Ivras freundschaftlich, um daraufhin in einen düsteren, bedrohlichen Ton zu wechseln, „Denn du wirst gleich sehr beschäftigt sein.“
    Eine Elfe begann zu schluchzen, nachdem Ivras wieder den Keller verlassen hatte. Unterdessen hatte Nurekhi eine der kurvigen, scharfen Klingen genommen und war zu einer der Elfen mit der reinen, fast elfenbeinweißen Haut gegangen. Sanft strich sie über den warmen Körper und näherte sich mit ihrem Gesicht dem der Elfin.
    „Hast du schon einmal Elfenfleisch gekostet, mein Kind?“
    Dann fing sie an zu schneiden.
    Geändert von coel (19.07.2016 um 03:07 Uhr)

  14. #44
    Händler Avatar von Rosered_Strauss
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    Alari hatte bereits auf der Hälfte der Strecke aufgehört, sich den Weg zu merken. Sie hatte es schlicht nicht mehr gekonnt, zu hoch war der Tribut, den die Erschöpfung von ihr forderte. Doch sie hatte bezweifelt, dass ihr dieses Kunststück selbst im ausgeruhten Zustand gelungen wäre, zu verschlungen waren die Gassen, durch die ihr Aufpasser sie geführt hatte. Doch dies waren Gedanken der Vergangenheit. In der Gegenwart jedoch waren diese Gedanken von keinerlei Belang. Denn im Hier und jetzt zählte nur ein einziger Gedanke. Und dieser manifestierte sich in einem lauten Schrei, als das scharfe Messer ihr in die Wange glitt und die Haut mit gespenstischer Leichtigkeit durchtrennte. Zu allem Überfluss wusste die Besitzerin der geschwungenen Klinge auch noch überaus genau, wo sie ansetzen musste, um Schmerzen zu verursachen. Ihr Leid wurde durch das Entsetzen verstärkt, das sie verspürte, als sie die Klinge ihrem linken Auge immer näher kommen sah. Immer und immer größer schien ihr das Messer, bis sie glaubte, jeden Kratzer auf dem gut gepflegten Folterinstrument erkennen zu können. Doch knapp, bevor ihr glühendes smaragdgrünes Auge sein Licht verlieren sollte, hielt die Shantiri inne. Ein leises Kichern ertönte. „So... schwach. So... verweichlicht. Von uns hat man erwartet, das wir jeden Schmerz stumm ertragen, jede Schmähung einfach so hinnehmen. Aber jetzt, wenn ihr selbst einmal etwas Unbill ausgesetzt seid, quiekt ihr in den höchsten Tönen! Wo ist Euer ganzer Stolz jetzt, hmmmm?“ Zur Unterstreichung ihrer Worte hatte die Shantiri ihre Klinge an die Lippen Alaris gelegt, an denen sie jetzt mit der flachen Seite langsam auf- und ab fuhr. „Ich weiss nicht, von was ihr redet! Ich habe nie einem der Euren etwas angetan – ich kenne Euch nicht einmal!“ brachte die Elfe heraus, nachdem sie in tiefen Atemzügen wieder die Gewalt über ihre Stimme zurück erhalten hatte. Ihre Peinigerin hielt inne. „Ach – du bist unschuldig? Na, das tut mir aber leid. Dann bist du wohl nur durch eine Verwechslung hier her geraten. Warte nur einen Augenblick... das bekommen wir wieder hin.“ Die Frau trat aus ihrem Blickfeld, als die Kette klirrte und sie zu Boden gelassen wurde. Unfähig, ihrer Freude Ausdruck zu verleihen, atmete Alari erleichtert aus – ehe sie mit einem Ruck in die Höhe gerissen wurde.

    Ihr überraschter Aufschrei wurde mit einer in loderndem Zorn gespienen Erwiderung vergolten. „Was glaubst du eigentlich, was du bist! Ich kenne den Hochmut deines Volkes, oh ja! Denkst wohl immer noch, du wärest etwas Besseres! Für dich ist die silberne Stadt wohl immer nur ein Ort der Freude gewesen, wie?“ Alari wollte gerade antworten, als ein lauter Knall ertönte und ihr Rücken mit einem Mal in Flammen zu stehen schienen. Ein weiterer Schrei erstickte jedweden Satz, den sie gerade von sich hatte geben wollen, als ein erneuter Knall ertönte, gefolgt von einem weiteren Auflodern. „Silber war diese Stadt nur für ihre Tyrannen! Aber ich werde dir deinen Hochmut noch austreiben!“ Schlag auf Schlag drosch die Shantiri mit einer Peitsche auf Alaris Rücken ein, bis diese zu schreien aufgehört hatte. Sie schluchzte nur noch, als ihr Rücken schliesslich von blutigen Striemen gezeichnet war. Es schien, als hätte sie damit das Interesse ihres Folterknechts verloren, denn sie trat erneut in ihr von Tränen verschwommenes Sichtfeld, würdigte sie jedoch keines weiteren Blickes. Flüchtig nur sah sie ein metallenes Aufblitzen in ihrer Hand, ein weiteres Messer womöglich. Dann war ein widerliches, schmatzendes Geräusch zu hören. Eine ihrer Mitgefangenen schrie gurgelnd auf – doch das Herz der Shantiri blieb hart, und mit der Gefühllosigkeit eines Schlachters, der für das auslandende Angebot eines Metzgers sorgte, setzte sie Schnitt um Schnitt, bis das Blut sogar in Alaris Sichtfeld spritzte. „Warum?“ flüsterte diese gerade. „Warum tust du das? Ich habe dir nichts getan... auch diese beiden... sie haben nie eine Waffe geführt, waren keine Soldaten... warum quälst du sie so?“

    Stille war ihre Antwort. Doch dann, zwischen den heiseren Schreien und Schluchzern der anderen Elfe, sprach die Shantiri wieder. „So, du beharrst also darauf, dass du etwas Besseres bist. Das du die gute Elfe und wir die bösen, bösen Monster sind. Aber ich verrate dir ein Geheimnis: Du... bist keinen. Deut. Besser.“ In dem flackernden Licht der Laterne, die als einzige Lichtquelle an diesem Ort diente, sah sie das Glitzern der Zähne der Shantiri. Sie lächelte – ein boshaftes, widerwärtiges verziehen der Lippen, das die Augen nicht erreichte. „Aber gut – ich gebe dir die Gelegenheit, es zu beweisen. Ich werde diese beiden zu Tode bringen. Werde ihnen das zurück zahlen, was man mir genommen hat. Und ich werde mir Zeit damit lassen, oh ja. Es wird nicht hübsch werden. Selbst mir wird dabei kalt werden. Aber sie... sie werden leiden.“ Sie richtete die Klinge auf Alari. „Aber du, die du ja so viel besser bist als eine wie ich, kannst das verhindern! Du musst nur dieses Messer nehmen und ihr Leiden beenden, und du ersparst ihnen Stunden des Schmerzes, der Folter, der Qual. Du musst mich nur darum bitten, dass du das für sie tun darfst, und ich lasse dich gewähren. Überlege es dir...“ Mit diesen Worten machte sie sich wieder an die Arbeit, während Alaris Welt wieder in den Schreien der Elfen, dem schweren Geruch des Blutes, den brennenden Schmerzen ihres gemarterten Leibes und dem Flackern der Laterne bestand.
    Geändert von Rosered_Strauss (19.07.2016 um 02:58 Uhr)

  15. #45
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    Es war zum Aus-der-Haut-fahren!
    Stundenlang suchte sie nun schon nach dem Versteck dieser verfluchten Shantiri. Dank der ach so neutralen Drah'Zil hatte sie die drei Elfen und ihre Käuferin aus den Augen verloren. Zwar hatte sie anfangs noch schwach ihren Geruch wahrgenommen, aber in diesen belebten Straßen ging er rasch im Gemisch der verschiedensten Düfte unter. Auch wenn ihre Nase viel sensibler als die ihrer Mitelfen war (was ihnen in den Wäldern schon so manches Mal zum Vorteil gereichte), hier konnte sie ihr nicht weiterhelfen. Sie war nun mal kein Bluthund!
    Und dieser elende Verräter war ihr auch entwischt! Bestimmt hätte er ihr zumindest ungefähr sagen können, wo die Shantiri zu finden sein könnten ...

    Erschöpft lehnte sie sich rücklings an eine Fensterlose Wand. Das herumgerenne in dieser, dank der hereinbrechenden Dämmerung mittlerweile nachlassenden, Hitze zwang sie zu einer Verschnaufpause. Sie holte die Wasserflasche hervor, trank einen Schluck und goss sich etwas über ihr Haupt, nicht nur, um sich abzukühlen, sondern auch, um den hämmernden Kopfschmerz zu lindern, der sie schon den ganzen Tag plagte. Sie hatte keine Nama-Blätter mehr und war einfach noch nicht dazu gekommen, neue zu kaufen. Also hieß es eben durchhalten und Zähne zusammenbeissen.
    Als sie noch einen Schluck nahm, sah sie aus dem Augenwinkel eine Gestalt, welche die enge Gasse zu ihrer Rechten betrat. Diesen Gang, diese Körperhaltung kannte sie trotz des Weiten Umhanges mit seiner den Kopf bedeckenden Kapuze nur allzu gut. Das konnte nur eines dieser Untiere sein!
    Schnell die Wasserflasche wieder verstaut, und schon folgte sie der Gestalt in sicherem Abstand, in der Hoffnung, dass jene sie zu ihrem Versteck führen möge. Wenn nicht, könnte sie dieses Ding ja immer noch ausquetschen, ehe sie seinem Leben ein Ende setzte ...

    Nach wenigen, ihr viel zu lange vorkommenden Minuten erreichten sie schließlich einen kleinen Platz. Längst war keine Seele mehr zu sehen, was wohl nicht nur an der inzwischen hereingebrochenen Dunkelheit lag, die Gegend selbst schien etwas heruntergekommen und zwielichtig zu sein.
    Um nicht aufzufallen, musste sie im Schatten an der Ecke warten, bis der Shantiri den Platz überquert haben würde. Dieser strebte aber nicht etwa auf eine weiterführende Gasse zu, sondern geradewegs auf ein größeres Gebäude, dessen Tor darauf schließen ließ, dass es sich um ein Lagerhaus handelte. Celriel vermeinte, von dort gedämpfte Schmerzeinsschreie zu hören.
    Links vom Tor stand eine weitere verhüllte Gestalt, offenbar eine Wache. Nachdem ihr Führer kurz mit dieser gesprochen hatte, klopfte sie mit der rechten Faust dreimal an das Tor. Dieses öffnete sich kurz, um sich gleich hinter dem Ankömmling wieder zu verschließen.
    Celriel hatte sich die Stärke und den Rythmus des Türklopfens gemerkt. Wenn es ihr gelänge, den Wächter lautlos auszuschalten, würde sie selbst anklopfen und sich so schnell Zutritt verschaffen können …
    Ein Pfeil in den Hals würde hier die effektivste Methode sein. Gedacht, getan! Sie spannte den Bogen, trat aus dem Schatten, zielte, schoss, und – der Pfeil ging glatt in die Brust und ließ den Wächter mit einem Schmerzensschrei scheppernd zu Boden fallen! „Warum probier ich das eigentlich, ich sollte es doch besser wissen!“ tadelte sich Celriel seufzend selbst.
    Keine Zeit zu zögern! Sogleich sprintete sie Richtung Tor los, dabei den Bogen wieder auf den Rücken umhängend, Schwert und Dolch ziehend. Da öffnete sich auch schon das Tor und mehrere Shantiri stürmten mit gezückten Schwertern heraus. Dem ersten schleuderte sie sogleich den Dolch entgegen, welcher diesen zwischen den Augen traf und tot zu Boden gehen ließ, während sie dem zweiten mit einem schnellen Hieb die Schwerthand abschlug, sodass dieser sich kreischend vor schmerzen am Boden krümmte und dabei mit der andern Hand den Armstumpf umklammerte.
    Die beiden anderen waren vorsichtiger, gingen nach links und rechts, um sie in die Zange zu nehmen. Langsam stieg Celriel zurück, um keinen völlig aus den Augen zu verlieren. Ihr Schwert hielt sie mit beiden Händen waagrecht vor ihrem Körper, um jede Attacke, egal von welcher Seite sie kam, sofort parieren zu können. „Was ist?“, stichelte sie, dabei jeden abwechselnd ansehend,„Wollt ihr nicht endlich angreifen? Oder habt ihr etwa Angst vor einer einzigen Elfe?“ Dann, viel aggressiver, schrie sie, während sie allmählich das Schwert hob: „Kommt endlich her, ihr Feigen Ratten!“
    „Aber, aber, warum so ungehalten? Wo wir uns doch extra die Mühe gemacht haben, dich zu uns zu führen.“
    Diese Stimme ...!
    Aus dem Dunkel hinter dem Tor trat ein weiteres dieser Monster hervor. Ein einzelnes, hasserfüllt glühendes Auge richtete sich auf Celriel, während es langsam sein Schwert zog. Ein Schwert von solch makelloser Schönheit und Perfektion, dass es nur von Zwergenhand geschmiedet worden sein konnte!
    Es war Ivras.
    Geändert von Waltikon (30.11.2016 um 20:54 Uhr)

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