Vorgeschichte:
Sie redeten viel, sie redeten Ausführlich, legten ihre Analysen und Fakten vor, die ihre Prognosen untermauern sollten, aber niemand hörte auf sie. So sehr wie die Wissenschaftler darum kämpften, dass man sie anhörte und endlich eine Kehrtwende machen müssen, um die Ressourcen unseres Planeten nicht vollends aufzubrauchen, die globale Gesellschaft an die Wand zu fahren und die Umwelt nicht noch mehr zu zerstören, so sehr wurden sie auch ignoriert. Macht und Geld, das war es was die Menschheit antrieb, der daraus resultierende Energiebedarf konnte nicht ewig von den fossilen Ressourcen gedeckt werden. Es kam wie es kommen musste.
Als Öl und Gas in den USA immer knapper wurden und die Preise stiegen, wurde der Unmut der Menschen immer größer. Seit Jahrzehnten hatten die USA schon mit politischen Unruhen zwischen Demokraten und Republikanern zu kämpfen, Rassenunruhen kamen hinzu, Korruption wuchs an, Gefängnisse liefen über. Die Außenpolitik wurde zunehmend aggressiver und rücksichtloser, um den enormen Energiebedarf einer der größten Volkswirtschaften sicherzustellen.
2084 geriet alles aus den Fugen. Steigende Benzin und Lebensmittelpreise, die daraus rasant ansteigende Armut aufgrund fehlender sozialer Absicherungsmechanismen ließen die Lage eskalieren. Es kam zu Aufständen an der Westküste. Von Los Angeles über San Francisco bis hin nach San Diego und Seattle formierten sich eine Front gegen die Regierung. Was zuerst als lokale Unruhen begann, wuchs bald zu einer regelrechten Rebellion heran. Von der Westküste ausgehen verbreitete sich die Unruhen über Nevada, Utah, New Mexico nach Texas, bis das Weiße Haus nach Monatelangen Debatten mit Senat und Kongress und dem öffentlichen Druck den Einsatz von Militär anordnete. Das Kriegsrecht wurde verhängt, doch das Land war bereits tief gespalten. Nicht jeder hochrangiger Militärangehöriger folgte dem Befehl aus Washington und was als Rebellion begann, mündete schlussendlich in einen Bürgerkrieg. Einem der blutigsten und brutalsten den die Menschheit bis dahin miterlebt hatte und er kostete die USA weit mehr als nur Geld und Menschenleben.
Europa schaute mit großer Sorge auf diese Entwicklung, denn nach dem scheitern der EU und eigenen Ausschreitungen in vielen Staaten, brach nun auch der Verbündete USA weg, ein Garant in diesen Unruhigen Zeiten der immer aggressiveren Politik Russlands. Wie auch in den USA, so war auch der Rest der Welt betroffen von Umweltkatastrophen und mangelnden Ressourcen. Zwar war man in Europa schon lange daran, das Energieproblem zu lösen und mithilfe der ersten, funktionierenden Fusionsreaktoren in den späten 2070 kam man dem Schritt näher, doch war es bereits zu spät um dem globalen Problem entgegen zu wirken. Ein Jahr nach dem Beginn des Bürgerkriegs in den USA marschierten russische Truppe – nur 30 Minuten nach Austritt Russlands aus der eh schon Handlungsunfähigen UN – in Lettland, Estland, Finnland, Georgien, Belarus, Aserbeidschan und der Ukraine ein. Der russisch – europäische Krieg hatte begonnen. Die NATO, einst die Garantie für die Sicherheit Europas, war aufgrund der fehlenden US-Streitkräfte nicht in der Lage diesen massiven Angriff aufzuhalten.
Schlussendlich führten die Kriege in den USA und Europa zu einem globalen Flächenbrand in dem es am Ende nur noch darum ging, wer die letzten Ressourcen der Erde kontrollieren würde. Der 3. Weltkrieg war ausgebrochen, später würde man sie die Ressourcenkriege nennen.
Ironischerweise verbrauchte der Krieg so viel Ressourcen, dass sich die hochtechnisierten Armeen nicht mehr bewegen konnten und die Fronten sich dadurch verhärteten. Neue Waffensysteme wurden unter Hochdruck entwickelt, brachten aber keine nennenswerten, Taktischen und strategischen Vorteile. Es dauerte fast 13 Jahre, bis zum Jahr 2098, als die ersten Friedensgespräche fruchteten. Dennoch dauerte es weitere zwei Jahre, bis es im Jahr 2100 ein globaler Waffenstillstand und schlussendlich Friedensverträge gab.
Doch die Bilanz war erschütternd. Viele Staaten gab es nicht mehr. Die menschlichen Verluste betrugen gut ein drittel der Erdbevölkerung. Ganze Landstriche wurden mit biologischen oder chemischen Kampfstoffen so verseucht, dass sie auf Jahrzehnte unbewohnt bleiben würden. Öl und Gas waren restlos aufgebraucht, der globale Handel war nur noch ein schatten seiner selbst. Ganze Industriezweige hörten auf zu existieren und wo eins das Leben blühte herrschte nun verbrannte Erde. Die politischen Entscheidungsträger büßten ihre Macht ein, Grenzen verschwanden einfach, denn kein Staat konnten den Menschen Arbeit, Sicherheit und Wohlstand geben oder garantieren. UN und NATO lösten sich auf, Staatliche Grundstruckturen hörten auf zu exestieren und Nationen wurden bedeutungslos. Die Gesellschaft, angetrieben von ihrem unersättlichen Durts nach Geld und Macht war gescheitert und hinterließ nun nichts als Ruinen.
Die Menschheit rottet sich in gigantischen Metropolen zusammen, die wenigen die alles hatten leben in den sogenannten High-Citiies, den Zentren dieser Metropolen. Uneinnehmbare Bastionen der letzten Mächtigen der Erde, unanstasbar geben sie den wenigen die es sich leisten können alles was man für ein luxuriösen Leben braucht. Hier herrschte Wohlstand und eine Dekadenz die ihresgleichen suchte. Der Rest lebte vor den Toren dieser Städte, in den Metroplen die sich drum herum entwickelt hatten. Doch der Frieden war brüchig und während es in den Slums vor den Toren der High-Cities für die Bevölkerung ums nackte Überleben ging, lebte man innerhalb dieser Mauern in Saus und Braus, als hätte es die Ressourcenkriege nie gegeben. Zum Teil kontrollierten Warlords die Slums, legale Arbeit gab es so gut wie keine und selbst wenn, reichte der Lohn grad so fürs Überleben. Die Sicherheitsbehörde taten wenig bis gar nichts um der Kriminalität Einhalt zu gewähren, waren sie ohnehin Machtlos gegen die schiere Masse an Verbrechen.
Einer dieser Städte war High-City Kujitsu, die größte von allen mit mehr als 20 Millionen Einwohnern. Davon lebten nur rund 550.000 in der High-City selbst, der Rest in der Slummetropole drum herum. Strom kam von Fusionsreaktor, tief unter Kjitsu selbst und die Versorgung der Stadt mit Lebensmittel war eher unzureichend und reichte oftmals nicht für alle.
Zunehmenden Unruhen in der Stadt würden früher oder später zum Problem werden. Zwar gabs es Polizei aber diese war größtenteils unterfinanziert und zu schlecht ausgebildet, um der Lage bei einer Eskalation Herr zu werden. Die 3500 Stadtsoldten waren zwar exzellent ausgebildet, galten als Elite der Sicherheitstruppen, aber waren Zahlenmäßig Unterlegen. Auch ihre hochentwickelte Ausrüstung und Waffensysteme würden einem Aufstand irgendwann nachgeben. Daher trat der Präsident der Stadt an Psycorp heran, einer Firma die selbst unter den Mitwissenden höchst umstritten war. Gegründet lange vor dem Krieg, war es seit jeher Ziel dieser Firma, den perfekten Soldaten zu erschaffen. Zuerst im Auftrag einer, oder vielleicht auch mehreren Regierungen – so genau weiß das niemand mehr – forschten und entwickelten sie Präparate zu Kampfwertsteigerung des Menschen. Körperliche Kraft, taktisches Denken, Ausdauer und Reflex sollten gesteigert werden. Doch was die Firma kurz vor ende der Ressourcenkriege schaffte, überstieg die Erwartung bei weitem.
Sie brachte die Arbitratoren hervor, Menschen die über Fähigkeiten verfügten, die man sonst nur von Superhelden in Comics, als Außerirdische in Sciencefiction- oder Magierin Fantasyfilmen kannte. Gedankenlesen, Telepathie oder Zukunftsvorhersage waren nur einige der Fähigkeiten dieser Menschen. Wie genau Psycorp dies erreichten war ein streng gehütetes Geheimnis. Auf Druck des Stadtrates und weil man befürchtete, die Arbitatoren könnten sich gegen einen selbst richten, verpflanzte man diesen Menschen RFID Chips irgendwo in den Körper, um sie kontrollieren zu können. Außerdem erließ man Verhaltensregeln für die Arbitratoren, Hauptsächlich um die Bevölkerung zu beruhigen. Diese Regeln besagten das Gewalteinsätze jedes Mal erst abgesegnet werden müssen, sie anderen Menschen nur schaden durften wenn das eigene Leben oder das andere akkut bedroht würde und das sie ihre Fähigkeiten zum wohle der Menschen einsetzten müssten.
Viele der Slumbewohner waren dennoch skeptisch, da diese Regeln mehr als schwammig formuliert wurden und einiges jederzeit Auslegungssache war.
Odysseus
Mithilfe der Arbitratoren gelang es dem Stadtpräsidenten von Kujitsu viele Unruhen schon im Keim zu ersticken, dennoch eskalierte die Lage. Viele Aspekte dieses Vorfalls blieben im Dunkeln, Daten wurden der Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht und was in den Akten später als Fall Odysseus in den Stadtchroniken eingehen würde, waren allgemein nur als Arbitatorengemetzel bekannt. Psycorp gab dem massiven öffentlichen Druck nach und ließ die Arbitatoren fallen. Die, die nicht starben wurden festgenommen oder stellten sich selbst. Einige schafften es zu entkommen und tauchten unter.
Die Ereignisse brachte eine Kehrtwende im Denken der Obrigkeit. Einen solchen Vorfall galt es für die Zukunft zu verhindern und um die Lage zu beruhigen, entschloss man sich die in teilen zerstörte Mauer nicht wiederaufzubauen. Es wurden Programme gestartet, um den Slumbewohner Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, Lebensmittel und Arbeit zu ermöglichen. Kriminalität wurde bekämpft und man ging sogar gegen die Warlords vor die sich nach und nach in die Enge treiben lassen mussten. Man wusste, es wäre ein sehr langer und beschwerlicher Weg, doch galt es den brüchigen Frieden in der Stadt aufrecht zu erhalten.
3 Jahre später…
Wie erwartet waren die Hürden für ein vertrauensvolles Miteinander immens groß und während man versuchte, Struktur in die Slums zu bekommen, bekriegten sich einzelne Warlords noch immer um die wenige Macht die ihnen geblieben ist, erneut auszubauen.
Die neuen Außenbezirke, wie viele der Slumvirtel nun genannt wurde, wurden Mühsam und Stück für Stück aufgebaut. Es wurde saubere und sichere, doch ging es sehr langsam voran. Sehr viele Verhandlungen galt es zu führen, wollte und konnte man die Bewohner ja nicht einfach vertreiben. Misstrauen musste überwunden werden und was über Jahrzehnte an Feindseligkeiten aufgebaut worden war, ließ sich nicht einfach binnen weniger Minuten, einigen Gesten und guten Taten wegwischen.
Psycorp löste sich wenige Wochen nach dem Fall Odysseus auf und mit ihnen auch die Möglichkeit, Arbiratoren zu kontrollieren, die noch zu hunderten in den Gefängnissen saßen. Mit dem Untergang Psycorps verlor man auch das Wissen der Firma, denn viele Wissenschaftler und Manager – die genau wussten das sie Prozesse zu erwarten hatten – machten sich im allgemeinen Chaos aus dem Staub und verließen Kujitsu so schnell es ging.
Zurück blieben Gefängnisse voller Menschen mit Fähigkeiten, die ein erneutes Chaos anrichten könnten. Nach unzähligen Debatten wurde eine neue Abteilung gegründet, in denen diese Menschen nun wieder eingegliedert werden sollten. Als eine Art Polizeibehörde sollten sie nun tatsächlich dem wohle der Stadtbewohner dienen, zumal es immer noch etliche Arbiratoren gab, die nicht gefasst wurden und deren Verbleib bisher ungeklärt ist. Wie gefährlich diese Menschen werden konnten, war jedem bewusst, weswegen der Versuch mit dieser Behörde entstand um ein geeignetes Mittel zu haben, selbige aufzuspüren und gegeben falls unschädlich zu machen. Nicht nur Arbiratoren arbeitet in dieser Behörde, auch Menschen ohne besondere Fähigkeiten verrichteten ihren Dienst dort.
Die Bewohner von High-City selbst sträubten sich gegen all diese Veränderungen, da sie um den Verlust ihres Statutes fürchtetet. Sehr viele Einflussreiche Bewohner von High-City protestierten daher immer wieder Erfolgreich gegen den kompletten Rückbau der Mauer und konnten auch durchsetzen das der Zugang zu High-City nur unter strengen Kontrollen stattfand. Viele von ihnen brauchte die Stadt aber, um ihre Aufbauprogramme in den Slummvirteln durchzuführen, weswegen sie dem Drängen der Bewohner nachgab.
Viele Kompromisse regelten seither den Ablauf in Kujitsu, doch wahren sie nötig um den fragilen Frieden zu gewährleisten.
[Vielen Dank noch mal, Ironhide, für die verbesserte Version]
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