Die kleine Tänzerin

Klänge eines Pianos erwecken einen ruhigen Raum zum leben und kleine aber doch grazile Füße betreten langsam und verstört das Parkett.
Die geröteten Augen erkunden was sie sehen können und blicken unruhig umher.
Mit ganzer Kraft holt dies kleine Geschöpf durch die Nase soviel Luft wie sie kann und pumpt sie in die Lunge bis sie zum bersten voll ist. Mit genau so viel Kraft schleudert der Mund diese Luft wieder hinaus um den Begin einzuläuten.

Zitternd bewegt sich der Körper in die verlangte Pose. Dabei begleiten die Augen einen Arm der sich der Musik entsprechend nach oben bewegt und wie eine Krone über dem Haupt der kleinen Tänzerin für einen Moment stehen bleibt.
Dann setz sie ihre Füße wie verlangt in Bewegung und verlagert ihren Körper ganz der Musik entsprechend von einer Figur in die nächste.
Bemüht ihrem Gesicht das lächeln zu lassen versucht sie an neues zu denken und nicht an diese Momente. Je mehr ihr Kopf das Parkett verlässt umso mehr schmerzt ihr Körper.

Das lächeln was einem Freude spenden soll wird mehr und mehr zur Qual und fühlt sich wie eine Bürde an. Doch sie tanzt zur Musik und lächelt.
Lächelt vor einem Saal angefühlt mit Menschen die sie nicht kennt, angefüllt mit Menschen die sie nicht kennen und nur für die Show da sind.

Mit leichten Füßen gleitet sie wie ein leichter Windhauch über den Boden der mit jedem Aufkommen härter zu werden scheint.
Die Show neigt sich dem Ende und die kleine Tänzerin kommt mit dem letzen Anschlag der Tasten zum stehen.

Applaus schalt durch den Saal und das Licht kommt langsam wieder ganz zurück in die Räumlichkeit.
Die kleine Tänzerin sieht zum ersten mal wer sich im Dunkeln versteckt hat. Kurz freut sie sich über den Applaus und die lächelnden Gesichter. Die sie gezaubert hat. Sie fühlt sich stark und vermag für einen kurzen Moment glücklich sein. Sie verneigt sich und bedankt sich.

Als sie von der Bühne hinab steigt und sie an den Reihen der Sitze vorbei läuft hört sie wie die Menschen jedoch nicht sie bewundern sondern nur die Show. Ihr wird bewusst dass sie unbedeutend ist. Nur ein kleiner Teil von etwas das nicht ihren Namen trägt.

In der Umkleidekabine angekommen setz sie sich auf ihren Stuhl und schaut in den Spiegel.
Doch sie erkennt sich hinter ihrer selbst auferlegten Maske kaum noch wieder.
Mit hastigen bewegungen fängt sie an sich abzuschminken und wischt dabei mit jedem Zug ihre Tränen weg.

Nach dem sie sich von diesem Schund befreit hat versucht sie sich die Schuhe auszuziehen und kann ihr schmerzvolles stöhnen kaum zurück halten.
Sie hatte für den heutigen Abend viel getan und viel geübt. Die blutigen Blasen an den Füßen würden jeden Zeugen ersetzen.

Sobald sie sich der Schuhe entledigt hatte zog sie das Kleid aus, mit Kraft schmeißt sie es in die Ecke. Sie mochte es noch nie. Aber weil der große Meister sagte es sei ihre Aufgabe zu tun was er verlangte zog sie es an. Was soll sie auch sonst tun sie ist nicht in der Position Widerworte zu geben.
Langsam betrachtet dieses zierliche Geschöpf ihren Körper und streicht über ihre Kleinen 3 Narben am linken Arm. Sie hasst sich für das was sie getan hat und hasst sich für das was sie tut.

Die Hintereingangstür fällt ins schloss und die kleine Tänzerin schleicht in der Nacht nach hause.
An der kleinen Brücke die sie immer überqueren muss macht sie halt. Den die Sterne scheinen an diesen Abend besonderst schön.

Ihr blick fällt hinab auf den Fluss der sich durch die Stadt schlängelt. Sie bemerkt zum ersten Mal wie viele Sachen er mit sich treibt. Und das es wohl Sachen aus einem vergangenem Leben sein müssen. Sachen , Erinnerungen die man bedacht oder unbedacht weg geworfen oder verloren hat.

Die Nacht neigt sich dem Ende. Und auf diese folgt die nächste und die nächste. Wochen ziehen ins Land.
Ein Zettel wird an die mächtige Pforte des Theaters gehängt mit der Aufschrift: Tänzerin gesucht! Großes Vortanzen nächsten Samstag.
Ein Vermieter der seine Wohnungen nicht weit vom Theater weg vermietet lässt eine Wohnung räumen. Seine Mieterin hat Wochenlang keine Miete bezahlt.
Auch er hängt einen Zettel an die Tür auf dem steht: Wohnung zu vermieten mit Blick zur Brücke.

Seit jener Nacht tanzt die kleine Tänzerin mit den Wellen des Flusses. Fernab der Menge und fern ab der großen Show.

So oft bewundern wir eine Show ohne zu sehen.
http://www.youtube.com/watch?v=3dM2q...eature=related