Mir fiel das einfach nur ein, also mal drauf los getippt...


Stein

Vorsichtig und mit Bedacht gleitet die Hand über die glatte Oberfläche des Steins. Sein Bearbeiter prüft nochmal genau jeden Millimeter seines Werkes, soll es doch auch ja perfekt sein. Keine Kante darf darin sein, kein Kratzer das Antlitz besudeln, kein Schmutzfleck darf übersehen werden und die liebevoll eingearbeiteten Verzierungen müssen perfekt sein. Es fühlt sich gut an. Der Steinmetz tat einige Schritte zurück, betrachtete sein Werk wofür er gut zwei Wochen gebraucht hat, nun aus einiger Entfernung. Ja auch das Gesamtbild entspricht genau den Wünschen die der Kunde gestellt hat. Handarbeit solle es sein, das war äußerst wichtig. Aber es hatte sich auch gelohnt. Mit Respektvollem Blick sah er auf den Stein, den er gleich noch für den Transport vorbereiten musste. Nun war es nicht mehr irgendein Felsblock, nun war es etwas ganz besonderes, ein Unikat was mit etwas Pflege ewig halten würde. Zwar war sowas ja eh Wetterbeständig, aber gelegentlich würde man wohl doch mal den Fuß von einigem Unkraut befreien müssen und ab und an müsste man ihn Polieren, damit er seinen Glanz behalten würde.
Das fertige Kunstwerk nun aber für den Transport vorzubereiten war dagegen schon etwas schweißtreibender. Mit Hilfe eines kleinen Werkstattkrans, so einer wie man ihn auch in Werkstätten findet und an denen immer die Motoren der Fahrzeuge hängen, wurde das ganze äußert vorsichtig auf eine Palette gehievt. Weiche Decken und Kartonagen schützten den Stein nun beim Transport. Das ganze nun noch auf den kleinen LKW verbracht und festgezurrt und schon konnte es losgehen.

Einige Zeit später. Inzwischen ist der Abend angebrochen, es dämmert leicht und die Sonne macht sich an diesem Abend langsam auf, dem Horizont entgegen um ihn zum brennen zu bringen. Vögel zwitschern, das Gras ist grün und saftig, eine große, alte Eiche steht auf dem Hügel ganz alleine. Das nächste Haus ist Kilometerweit entfernt, keine Straße führt hier her, keine Touristen belagern hier die Gegend, wie sie es an den völlig überfüllten Stränden tun. Der Ort ist für sie uninteressant, es gibt hier nichts. Dennoch ist er von unglaublicher Schönheit, wie sie findet. Hier, unter der alten Eiche soll er stehen, dort wo er seinen Platz haben wird. Es war Mühselig gewesen, den Stein hier her zu bekommen, doch nicht einmal beschwerte sich der Steinmetz darüber. Nicht das er nicht wollte, er tat es aus Respekt und Achtung gegenüber seinem Werk und dessen Bestimmung. Der Herr hätte das dem strenggläubigen Mann wohl auch nie verziehen, so glaubte er.
Als der Stein dann stand, verabschiedete er sich bedächtig von der blonden Frau, die ihnen gesagt hatte, wohin er sollte.

Sie wartete bis sie alleine war, dann blickte sie herab auf den Stein. Ihre Mine wurde liebevoll und hatte etwas Warmes nun ans ich, während sie vorher doch so emotionslos gewesen war. Sie kniete sich langsam vor den Stein, berührte ihn sanft mit der linken Hand. Sie glaubte die Wärme zu spüren die auch immer von ihm ausgegangen war, glaubte dass auch er es genau spüren würde. Sie beugte sich langsam vor, kam dem Stein immer näher und kurz bevor ihre Lippen den glatten Stein berührten schloßen sie die Augen, fühlte die Lippen des Gegenübers und küsste sie sanft. Nur wenige Sekunden, dann war alles vorbei und stand genauso langsam wieder auf, wie sie sich hingekniete hatte.
Sie sah den Stein heute zum ersten Mal und es würde auch das letzte Mal sein. Nie wieder würde sie hier her zurückkehren, an dem Ort wo er lag. Einem Ort den sonst keiner kannte. Niemand wusste wessen Grab es war niemand wusste wer hier lag und wie lange schon. Das alles stand nämlich nicht auf dem Stein.
Eine Weile noch sah sie mit einem sanften Lächeln auf den Grabstein herab, einzelne Tränen liefen ihr dabei über die Wangen, dennoch erfüllt sie ein wohliges Gefühl der Zufriedenheit.

„Ich werde dich niemals vergessen. Leb wohl mein guter Freund.“
Saskia ging. Sie würde ihn immer so in Erinnerung behalten. Sie würde immer ein gutes Gefühl dabei haben, denn das war es was er sich gewünscht hätte für sie.


Noch lange würde der Stein hier stehen und seine Botschaft still und regungslos verkünden, die sie ihn auf den letzten Weg mitgab.

„Danke“