XXY

Jetzt sitz ich hier und tippe diese Geschichte ab, mal wieder bewusst, das ich auf dem Papier mit dem Stift schneller schreibe als meine Gedanken manchmal sind.
Eventuelle Bezüge zur Realität und Realen Plätzen und Orten sind ungewollt und Ähnlichkeiten mit real existierenden Menschen ebenso.



Kapitel 1:

Die Zimmertür flog auf, hastige Schritte eilen in den Raum, eine Tasche landet ohne um schweife auf dem Schlafsofa. Die Tür wird etwas vorsichtiger geschlossen und ich sitze kurze Zeit später in dem Bürostuhl vor dem Halbrunden Schreibtisch. Der Pc springt nach einem druck auf den ON-Schalter mit einem Surren an, der Drucker meldet sich mit dem Testen seiner Funktionen auch zum Dienst und der Bildschirm zeigt mir den modifizierten Startscreen und fordert das Passwort, welches zu meinem Benutzerkonto unter Windows gehört

Meine Finger rauschen über die flache laptopartige Tastatur und der druck auf die „ENTER“-Taste meldet mich an. Ich bin zu hause,in meinem Zimmer, in meinem kleinen Reich. Doppelklick auf „Firefox“ und der Internetbrowser plopt mit vier Tabs auf.
Meine Startseiten! ich schaue sie nach zwei Wochen Urlaub das erste mal wieder an. Ich überfliege die Foren, entdecke den ein oder anderen Beitrag der nicht Regel konform ist und begeb mich in die Rolle des Moderators und lösche sie mit ein paar Klicks, Dann kümmer ich mich um die Urlaubsfotos...
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Man würde sagen ich wäre ein Computerfreak wenn man mich nicht kennt – wie sie. ich will ihnen nichts unterstellen, aber ich denke schon mit und kann auch einschätzen in welche „Schublade“ sie mich stecken würden. In den 18 Jahren meines kurzen Lebens habe ich viele Leute mich irgendwo hin stecken sehen. Es ist immer gleich. Selbst im Internet.

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Die Kamera ist fix per USB an den Trottel aus Blech angeschlossen und Photoshop setzt den schicken schwarzen Rahmen darum, auf dem in weiß eine URL steht – die zu meinem Account bei DeviantART – der größten Künstlercommunity im Netz. Die schönsten Speicher ich ab. Dann wird auf der Seite der „Upload“-Button betätigt und die Bilder sind auf der ganzen Welt abrufbar.


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Man sieht ich lebe relativ in der virtuellen Welt und kann ihnen sagen das Router nicht gleich Modem und DSL nicht gleich Highspeed-Internet ist. Auch das HTML nicht gleich PHP oder das Wortlab Burning Board schwieriger zu administrieren ist als vBulletin. Das sind alles Sachen die der normalo oder „Ottonormalverbraucher“ im Internet nicht weiß.
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Ist die (virtuelle) Welt mit den Bildern aus meinem Urlaub am Meer – dem französischen – versorgt, wird er Hotkey für Trillian gedrückt – einem Multimessanger, der ICQ, MSN, AIM und co. beherrscht.
Direkt danach werde ich bombardiert. Wie es war, wo ich war, wie es mir geht ... Standard-Fragen halt.
Nach dem ab branden dieser Fragenflut wird Thunderbird geöffnet und ganz ungeniert auf „Abrufen“ geklickt. Mir fallen bald die Augen aus, als ich die Zahl der Mails sehe, die in meinen vier Mailaccounts zusammen gekommen sind: 17298! Viele davon wandern ohne eines Blickes gewürdigt zu werden in den virtuellen Müll. Das Problem bei einem eigenen Mailserver ist, dass der Spamblocker nicht ständig weiter entwickelt wird und somit Spammails den Weg in den Postkasten finden. Gut drei Viertel der gelöschten Mails tragen Namen wie „Viagra -90%“, “Your manhood becomes a BOOST“ und so weiter. manchmal glaube ich, das mich Spambots gefunden haben, aber den Server will ich nicht aufgeben...

Als ich langsam zu den persönlicheren Mails komme – es sind immerhin noch knapp 2000 übrig – fällt die von Sarah mir ziemlich schnell ins Auge, da sich die Gute sich sehr lange nicht bei mir gemeldet hatte... das hier war die erste Mail seit fast zwei Jahren... Mein Finger zittert über der Maustaste und der klick erfolgt erst einige Sekunden später.

Von: Sarah ♥ <sarahbiernohl@yahoo.com>
Betreff: Hi ^^

Hallo Sam,
entschuldige, das ich mich erst jetzt wieder melde, aber mein Leben hat die letzten zwei Jahre mehr als Kopf gestanden.
Ich habe endlich eine feste Arbeitsstelle gefunden =)
Und weißte wo? Bei Seccom, das ist ein ISP drüben, übern Teich (kennste wahrscheinlich schon ^^). Jedenfalls ist der Job toll, ich brauche nicht sonderlich viel machen, verdiene aber recht gut.
Auch habe ich endlich eine „Wohnung“, die nicht auseinander fällt. Im Anhang sind zwei Fotos von der neuen Wohnung, damit ich dir nicht beschreiben muss wie sie ausschaut. *g* Du kannst raten wie groß sie ist! =)

Achja... hast du in den nächsten Sommerferien schon etwas vor? Wenn nicht, dann kannst du zu mir kommen, hab jetzt ja genug Platz für uns zwei ^^;

Schreib mir doch zurück,
deine
Sarah *knuddel*
Die Nächsten Sommerferien... Nein da war noch nichts geplant. Mein Blick gleitet zur PC-internen Uhr und wieder zurück zu der Mail. Sarah müsste grade Nachmittag haben, dann sollte sie ihren PC auch anhaben, da sie Nachmittags wahrscheinlich zu hause war.
Ich klicke auf „Antworten“ und ein weiteres Fenster öffnet sich.

Hallo Sarah,
deine Mail hab ich ja schon vor ein paar tagen bekommen, doch ich war zwei Wochen in Frankreich, weshalb ich erst jetzt antworte.
Mich freut es, da du endlich einen festen Arbeitsplatz hast, und ja, den ISP kenne ich =)
Die nächsten Sommerferien hatte ich bis jetzt noch nichts vor... wie denn auch, wenn ich grade meine Ferien habe? ^^
Was deine „Wohnung“ betrifft werde ich mich überraschen lassen, deswegen hab ich die Bilder auch noch nicht angeschaut.

so long
Sam

Die Maus huscht zum „Abschicken“ und die Mail ist keine 2 Sekunden später in Sarahs Postfach in den USA
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Sam ist schön Neutral, verrät das Geschlecht nicht. ich finde dieser Name passt zu mir, ohne ihn bräuchte ich einen anderen geschlechtsneutralen Namen, wie zum Bleistift Fin. Sie fragen sich jetzt bestimmt warum. hab ich recht?
natürlich habe ich, was erwarte ich, sie kennen mich ja nur in Schriftlicher Form... Vielleicht verrate ich es ihnen später.
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Ein Seufzer entfährt mir und ich rolle zurück. Das Hungergefühl treibt jeden irgendwann in die Küche. ich tapper also die Treppe herunter und blicke in die Gesichter meiner Schwester und die meiner Brüder. Sie sind voll Okay, aber ob sie das auch über mich sagen.. ich weiß es nicht. Es gibt die (hoffentlich) normale Begrüßung, wenn man den anderen zwei Wochen entflohen ist. Die Fragen was man gemacht habe und wie da Wetter gewesen sei fallen, nein prasseln auf mich ein und halten mich und meinen knurrenden Magen von der Küche fern. Der Smalltalk kommt richtig in Gang, eigentlich wünsch ich mir doch bloß ein Butterbrot mit Salami...

Gute 40 Minuten später, endlich in der Küche, stürze ich mich auf den Laib Brot und mache mir mehrere Stullen, die Platz auf einem großen Teller finden und ich schlängle mich wieder in mein Zimmer. Was gar nicht so einfach ist, wenn man um die ganzen Sachen herum zirkeln muss, die im Flur stehen und fallen gelassen werden.

Auf meinem Bildschirm blinken mehrere Fenster, die von Trillian stammen, ganz normaler Messengeralltag halt. Der Inhalt ist bei allen der Gleiche: „Hi Sam“. Bei Jonas schreibe ich ein „*knuddel* Hi ^^“, bei Natsumi kommt ein ziemlich langer Satz den ich nicht mehr weiß und bei Lu wird geknuddelt was das zeug hält.
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Man sieht, Sam, also ich, mag den PC sehr. Ich sehe mich aber nicht als Freak, wie Jonas zum Beispiel einer ist. Der Typ sitzt in jeder freien Minute vor seiner Rechnerburg, die aus 24 gekoppelten PCs besteht. Die Rechenleistung ist abnorm – die Stromrechnung auch.

Es ist schon verwunderlich, was manche Menschen hin bekommen, nur weil sie als „Freak“ abgestempelt werden – wieder das Schubladen denken, hab ich recht?
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Das Telefon klingelt und kurz darauf schallt die Stimme meiner Mutter, das sie durch stellen würde. Ich zieh mein Headset auf den Kopf.
„Hallo?“, frage ich, ohne meinen Namen zu nennen, da derjenige am anderen Ende wissen müsste, mit wem er spricht. Es ist Lu. Sie ist vollkommen von der Rolle und will vorbei kommen, am besten ich hole sie doch ab. Gesagt – Getan.

Ich schmeiße vorher noch Vuze an, mach den Bildschirm aus und schnappe mir meine Autoschlüssel.
Die Haustür fällt hinter mir ins Schloss. Mein Wagen piept, wie immer wenn ich ihn mit dem Funkschlüssel aufschließe, von dem Leuchtfeuerwerk der Blinkeranlange mal ganz zu schweigen.

Auf dem Fahrersitz sitzen schnappe ich mir erstmal das Haargummi, das auf der Mittelkonsole liegt und bändige meine Mähne, dann wandert die Hand zur Brille, die ich zum fahren brauche, auch wenn es nicht im Führerschein vermerkt ist. ich drücke den Startknopf und der TDI erwacht zum Leben. Der Rückwärtsgang wird eingelegt und mit sanften anstupsen des Gaspedals wird zurückgesetzt, dann wird in den ersten geschaltet und ich lass die Kupplung kommen. Zweiter Gang – der Wagen rauscht mit quietschenden Reifen aus der Einfahrt, ich hatte ein bisschen zu viel Zündstoff gegeben. Dritter, ich biege auf die Dorf Straße ein. Vierter, der Motor schnurrt im 2000 Bereich,und wieder zurück schalten, ich biege auf die Bundesstraße ein und der Motor zieht wieder wie ein Bär.

Lu steht da, wo sie immer steht, wenn ich sie abholen soll. Schon von weitem erkenne ich das sie geheult hat , sie hat sich von der Straße abgewandt und schaut dem Fluss beim fließen zu.
Ich rolle langsam neben sie, beuge mich über die Beifahrerseite zur Tür und öffne diese, was Lu aufschrecken lässt. Sie steht völlig neben sich, hält sich krampfhaft an ihrer Handtasche fest. Sie stolpert mehr ins Auto als das sie sich hineinsetzt.
Der Fahrgastraum meines Golf wird kurzer Hand zum psychotherapeutischen Behandlungszimmer umfunktioniert. ich habe nicht einmal so viele Taschentücher im Auto, wie sie brauchen wird.

Ihr Problem besteht aus mehreren Problemen. Ihre Großmutter hat grade einen Schlaganfall gehabt und ihre Eltern waren sofort zum Krankenhaus gefahren, als sie es von Lu's Großvater erfahren hatten, und waren mit den Cabrio gefahren, da der andere Wagen schon wieder seit Wochen in der Werkstatt war. Ich frage wo das Krankenhaus sei. Frankfurt. Uff! ich setze den Blinker und ziehe aus der Haltebucht zurück auf die zu dieser Zeit stark befahrenen Bundestrasse – Was mir ein Hupkonzert von einem LKW einbringt, da er nicht mit meinem Ausscheren gerechnet hatte.

Lu kommentiert meine Fahrweise als verantwortungslos, was, wenn der uns erwischt hätte. Ich lächle matt, da ich den LKW nicht hatte kommen sehen, sonst wäre ich gar nicht ausgeschert.
Ihr anderes Problem ist ihr Freund. Sie hat keinen Plan wo er ist und er hatte sich auch schon seit vier Wochen nicht mehr gemeldet. Ich erinnere mich vage daran, das er vor fünf Wochen gesagt hatte, das er nicht wüsste ob er in den Ferien irgendeine Möglichkeit hat, sie zu benachrichtigen.
Diese Tatsache bringe ich ihr auf der Autobahnauffahrt bei.
Das scheint sie zu beruhigen und sie schneutzt sich – ich hab doch mehr Taschentücher als sie braucht. Sie blickt etwas verplant aus der Frontscheibe und fragt mich wo ich denn mit ihr hin wolle, da dies nicht der Weg zu mir sei.
ich schweige und blinke, das Blaue Autobahnkreutzschild gibt ihr die Antwort: [A3] Frankfurt a.M.
Ich schalte hoch und beschleunige, da ich nicht die Lust verspürte, hinter Kilometerlangen Lastwagenkolonen zu schleichen. An uns brettert ein Porsche vorbei.
Der Fahrer scheint die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht gesehen zu haben oder ignoriert sie, was dem Blitzgerät etwas weiter vorne gefällt und der Blitz zuckt über das Nummernschild des Rasers.

Zwei Stunden Später stürze ich mich, vom Navi geführt, in den Stadtverkehr von Frankfurt. Horror pur. 40 Minuten später habe ich einen Parkplatz in der Nähe des Krankenhauses gefunden.
Lu sprang aus dem Wagen und kommt mit einem Parkschein zurück, ich hatte grade erst mein Geldbeutel gefunden – ich trag das Ding nicht am Leib und auch nicht in einer Tasche mit mir rum, außer es ist zwingend dringend Notwendig.
Sie reißt die Fahrertür auf, legt das Ticket hinter die Frontscheibe und zerrt mich aus dem Wagen. Wenn ich schon fahre, soll ich auch mitkommen.

Im Krankenhaus war es ruhig. Die Frau am Empfang schaute mich etwas schief an, gab uns aber die Auskunft, das Lu's Großmutter auf der kadeologischen intensiv liegen würde.

Im Fahrstuhl wird hastig immer wieder auf die Taste mit der 5. gehämmert, die Türen scheinen sich unendlich langsam zu schließen und bis sich die Kabine in Bewegung setzte schien es auch eine Ewigkeit zu sein. Der Piepton der nach dem sanften Anhalten ertönte ließ verlauten, das wir in der 5. Etage, der kadeologischen Abteilung, angekommen waren. Mit einem Ruck gleiten die Aufzugstüren auseinander.

Lu ist schneller als meine Wenigkeit aus dem bequemen Vertikalgefährt und hechtet den schweren Abschottungen der Intensivstation entgegen, rennt fast einen Arzt um und drückt den Buzzer, der die termetische Abriegelung öffnet und wir finden uns in der Schleuse wieder, die die Intensiv vom Rest abtrennt. Die Seuchen sicheren Türen werden, von dem Summen der Elektromotoren begleitet, wieder geschlossen. Jetzt kommt man nur noch mit Chipcard weiter.
dennoch öffnen sich die Glastüren, hinter den eine junge Ärztin steht. „Sie müssen wohl zu Frau Wang wollen!“, sie dreht sich um und wir trotten ihr hinterher.

Lu's Oma liegt mehr oder weniger Verkabelt in ihrem Bett. Lu's Vater umarmt seine Tochter, vor mir verbeugt er sich leicht, was ich ihm gleich tue, mich aber nur leicht neige, da er sich bedankt.

Oma Wang meldet sich dann auch zu Wort „Wo zum scheißenden Drachen bin ich ?“, sofort eilten zwei Ärzte herbei, die Routine mäßig alle Werte ablesen, der ältere lächelte Oma Wang freundlich an „Willkommen zurück im leben, Frau Wang.“
Jetzt erst realisierte die Gute, das sie in einem Krankenhausbett lag.
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Ich weiß nicht mehr wie lange ich Lu Wang kenne, doch sie ist meine beste Freundin. sie hält ihr Ohr für meine Probleme offen und ich für ihre meines... Wir wissen mehr von einander, als uns manchmal Lieb ist. Wir haben sogar die gleiche BH-Größe, ich bin nur kleiner als sie. Sie überragt mich um 10 Zentimeter – 173 bringt sie an die Messlatte, ich nur 163. Klein fühle ich mich deswegen nicht.
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Frankfurt ist für den nicht-Frankfurter Autofahrer ein Horror. Einbahnstraße hier, Baustelle da. Ohne mein (männliches) Navi wäre ich in dem Wirrwarr von Straßen verloren gewesen. ich hatte mich aus dem Staub gemacht, weil mein Magen Hunger anmeldete und ich nicht Krankenhausverpflegung essen wollte. nach einer halben Stunde stellte den Golf in ein Parkhaus und schlenderte dann durch die Fußgängerzonen der Innenstadt. irgendwann bestellte ich mir eine Currywurst und aß diese mit Genus. Als wenn es nichts besseres geben würde. naja, wenn man Hunger hat, ist selbst eine Currywurst eine Gaumenfreude.

Meine Uhr zeigte in leuchtenden Digitalziffern 23:10. langsam musste ich wieder umkehren und Lu abholen. Das nächtliche Volk war auf die Straße gekommen und ein paar Typen versuchten sich an mich heran zu machen, das sie es wirklich Ernst meinten, merkte ich, als unter zweien der Streit losbrach, mit wem ich den nun liiert werden sollte. Dass das die Aufmerksamkeit der ganzen Gruppe in Anspruch nahm nutzte ich um die Kurve zu kratzen.

Das 2-Eurostück landete klirrend auf dem Betonboden vor dem Kassenautomaten. Verfluchte Scheiße! Es rollte zielstrebig auf den Gulli zu und bevor ich es stoppen konnte, verschwand es in diesem. Fluchend kramte ich im Kleingeldfach und bezahlte schließlich mit einem Haufen 5-Centstücken. Der Automat bedankte sich und spuckte den gelben Park-“Coin“ aus und auch dieser entglitt meinen Fingern, Was war nur los mit mir?

Ich wollte mich grade nach dem dummen Stück Plastik bücken, da wurde es mir auch schon entgegen gehalten.
„Guten Abend, Personenkontrolle. Könnten wir bitte ihren Ausweis sehen?“, fragte mich der Herr, der mir den Chip entgegen hielt. Sein Kollege stand hinter mir und war für mich kleine ein wahrhafter Riese. „Ja ... klar“, antwortete ich leicht verdutzt über die Polizeikontrolle. Ich klappte mein Portemonnaie wieder auf und zog meinen Perso heraus.
„Sam Ruetscheid?“
„Ja“
„hm.. 18?“
„Jap“
„Haben sie Alkohol oder irgendwelche Drogen konsumiert?“
„Weder noch“
Er nickte und drehte den Perso um. Nach jedem Eintrag blickte er auf, erst bei dem Absatz „Besondere Merkmale“ stuzte er und sein Blick glitt an mir herunter.

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Amtliche Dokumente lügen nicht. Nie. Das gesamte System „Saat“ baut darauf auf. Nichts funktioniert ohne Daten. Ohne Erfassung keine Daten, ohne Daten kein Handel, ohne Handel keine Steuern, ohne Steuern kein Staat, ohne Staat... suchen sie es sich aus. Jedes System bricht zusammen, wenn nur eine Komponente nicht will.
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Zögerlich gab der Beamte mir meinen Ausweis wieder, dann hielt er mir das Alkoholmessgerät vor die nase. Na Super!
Ich pustete in ds Vieh und es zeigte stur und zu meiner Erleichterung die 0,00 an. Der polizist wünschte mir dann noch eine Gute fahrt und stieg aus dem Parkhaus über die Treppe aus und ich in meinen Wagen ein. Mit quitchenden Reifen schoß der Golf aus der Einfahrt des Parkhauses auf die nun leere Chause.

Vor dem Krankenhaus stand Lu schon etwas fröstelnd. Als ich vorfuhr riss sie die Beifahrertür auf und hüpfte rein. Durch die nun fast leeren Straßen zirkelte ich den Wagen etwas schneller als erlaubt. Auf der Autobahn machte ich den Sprichwort „Wir rasen nicht, wir fliegen tief!“ alle Ehre. Die tachonadel war längst jenseits der 200 und ich drückte das gaspedal immer noch Richtung Bodenplatte.
„Sam.. jetzt rase nicht so...“, meinte Lu leicht besorgt und streichelte mir über das handgelank am Schaltknauf, seufzend schaltete ich zwei Gänge zurück. Das ich eine Wut im bauch hatte, war Lu aufgefallen und lächelte mich wissend an. Verdammich. Der nächste Rastplatz gehörte uns. Es war einer der einen McDonnals hatte, außerdem musste ich auch wieder Tanken, da ich ja den Wagen durchgeblasen hatte.

Also ran an die zapfsäule und wieder Diesel nachgefüllt. Das der Shop um halb Eins noch auf hatte verwunderte mich, bis mir einfiel, das ich auf der Autobahn war.
Lu stand stand neben mir und verschwand im Shop und die Rechnung zu begleichen. Sie kam mit ein paar Naschereien zurück, die wir etwas später auf einer bank in der nähe Verspeisen.
„Und wieso hast du gard wie ein Berserker gefahren?“.
Ich erzähle ihr von meiner Begegnung mit der Streife. Sie seufzt und nimmt mich in den Arm.
„Du kannst doch auch nichts dafür, dass du beidgeschlechtig bist! Komm wir holen uns noch was Warmes im Mäces.“
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jap, das ist der Punkt. Ich bin weder ein Mädchen, noch ein Junge. Ich bin beide.
Sie haben richtig gelesen, ich bin ein Hermaphrodit. Ein Zweigeschlecht, ein Zwitter. jetzt verstehen sie eventuell auch meine Ambition für geschlechtsneutrale Namen.
Das das Leben als Zweigeschlecht einige Problem bereit hält ist klar, doch ich komme schon seit 18 Jahren damit zurecht.
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Da war etwas Wahres dran, was konnte ich dafür, dass ich so geboren wurde? Nichts.
Nur macht es einen irgendwann Wütend, wenn die Leute wegen dieser Tatsache einen meiden. Es macht auch traurig.
Wir betraten also den Fastfoodkonsumtempel und bestellten uns zwei BigMäcs samt Menu. Wir setzten uns in eine Ecke und aßen dann doch etwas mehr, als nur das was wir mitgenommen hatten.

Die restliche heimfahrt lief gemächlicher ab. ich hing nicht krampfhaft hinter dem Steuer und saß auch nicht so angespannt im Sitz. Auch die tachonadel blieb bei der 120 hängen.
Im Auto war es auch nicht mehr still, wie auf einem Friedhof. Lu und ich plapperten munter über alles und nichts. Um halb zwei setzte ich Lu bei ihr zu Hause ab, ihre Eltern waren noch nicht da. Sie bedankte sich überschwänglich, drückte mir einen Kuss auf den Mund und entschwand in das dunkle Haus, in dem kurz darauf Licht entflammte.

Ich setzte zurück und fuhr nach Hause. Meine Eltern hatten das Hoftor geschlossen – wie immer.
Also stieg ich aus und schiebe es auf, lasse den Wagen durchrollen und ziehe es wieder zu. Ich stellte den Golf in seine Garage, zog den Zündschlüssel und reckte mich erst mal bevor ich die Haustür aufschloss.

Mir kommen zwei Vierbeinige Gefährten entgegen, Tom und Rocky. Gott sei Dank vertragen die beiden sich, was bei Hund und Katze nicht immer der Fall ist. Rocky, unser Berner-Sennen-Hund, legte seine Vorderpfoten auf meine Schulter – was für einen so großen Hund bei mir kleinen etwas kein Problem war. Er schleckte mir durchs Gesicht. Na lecker! Er bekam dann seine übliche Knuddeleinheit, dann war Tom, unser Karter dran. Er bekam eine Kraueleinheit und ich stieg die Treppe mit ihm auf der Schulter und dem Hund im Schlepptau hoch.

Tür zu, Hund und Katze inhaftiert und Bildschirm wieder an. ich browse noch ein bisschen durch meine Lieblingsforen und mache ihn wieder aus. Kaum zu Hause und schon wieder so viel Trubel gehabt. Irgendwie ziehe ich das Chaos an. Ich zog mich bis auf die Unterwäsche aus, um dann das Bad in Begleitung von Rocky, zu betreten. Der Hund sprang sofort in die Badewanne und schaute mich fragend an.
„Nein, nur ich“, meinte ich zu ihm und er legt den Kopf auf die Vorderläufe.

Ich seufzte und löste die Haarspangen und das Haargummi aus meiner Mähne von Haar. Diese fielen über meine Schultern bis fast zum Po. man sieht, ich habe sie lange wachsen lassen, aber mir gefällt das so. Die Spangen und das Gummi landeten in meinem Fach, danach mache ich mich nackt und stelle die Dusche an, unter die ich sofort springe.

Ich wusch meine Haare und auch den Rest von meinem Körper. Um Zwei Uhr morgens zu Duschen ist für die meisten komisch, aber für mich fast normal. Ich rutschte an der Wand herunter. Das war wieder einer der Momente in denen ich über mein Leben nachdachte. dass ich auch im Kopf nicht so „normal“ bin, merkt man daran wie ich mit Sachen umgehe. Ich kann mich manchmal nicht unter Kontrolle halten. Das ist anscheinend eine Reaktion meines Unterbewusstseins auf mein „beides“ sein.

Ich wachte unter der Eiskalten Dusche auf. Wie spät es wohl war? Ein Blick auf die Wasserfeste Digitalarmbanduhr zeigte mir, das ich schon seit eineinhalb Stunden in der Dusche sein musste, es war halb Vier.
Ich rappelte mich hoch und machte das inzwischen eiskalte Wasser aus. - Jetzt wundern sie sich nicht, wir haben hier keine Warmwasseranbindung wie sie in der Stadt vorhanden ist. Wir haben zwar unser Warmes Wasser aus einem Boiler, der reicht zwar um 6 Leute gute 15 Minuten Duschen zu lassen, aber so lange wie grade aber nicht.

Rocky blickte murrend auf, als ich die Glastür öffnete und Tom suchte sich gleich wieder meine Schulter, wie war er jetzt ins Bad gekommen? Die beiden hielten grundsätzlich „Wache“. Selbst wenn sie nicht mit ins Bett dürfen, liegen sie beide vor der Tür, bis ich den Raum verlasse.
Ich trocknete mich so gut es ging ab, zog meine Schlafsachen an – dabei verscheuchte ich Tom kurz und sammelte meine anderen Sachen wieder ein, um sie in den Wäschekorb zu werfen, was auch etwas später geschah.

Wieder in meinem Zimmer – die zwei Tiere immer noch an den fersen – legte ich mich auf mein Schlafsofa, wünschte den beiden eine Gute Nacht und schlief fast sofort ein.